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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 298. Fernsprecher 981 und 952 Sonntag, 23. November 1919. Fernsprecher 961 und 952. 9. Jahrgang.

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Relchsminisier Koch über die innere politiL

Jen GesaKenen.

Ein Grdenktag für unsere Kriegsopfer.

.Der letzte Sonntag des Kirchenjahres, der *tt Wer hindert Jahren in Preußen dem Ge- dercken der Toten gewidmet ist, wird am Sonn­tag zu einer allgemeinen Trauer, und EhrenkundgeDung für alle im Krieg« ge- saLenen Söhne des deutschen Volkes sich gestal­ten.^ So lesen wir in einem evangelischen kirch­lichen Blatte. Auch von katholischer Seite wird mitgeteilt, daß eine besondere Totenehrung am hkonntag stattsindet. Es ist wohltuend, inmitten des politischen Streites wieder einmal eine Ge­legenheit zu erblicken, bei der das deutsche Ge­müt in den Vordergrund tritt. Wohl sind schon wiederholt im Laufe der Krtegsjahre Trauer- feiern veranstaltet worden, aber sie hatten doch mehr begrenzten Charakter. Jetzt, nachdem der große Kamps vorüber und di« Schlachten der Vergangenheit angehören, nachdem man einen völligen Ueberblick Wer das Geschehene hat, ist die Zeis gekommen zur großen Gedenkfeier, die uns nicht nur an den Einzelnen, der uns lieb und lener war, erinnern soll, sondern an das gesamte große Sterben, cm die unermeßlichen jahrelangen Opfer kostbarer Menschenlxben. Das Vollsempsind-n verlangt nach einer Kund- wedung, in der ganz Deutschland noch einmal in tiefer Dankbarkeit und ernstem Nachsinnen sich vor der großen Arme« Derer benigt. die ihre Treu« für das Vaterland und den heimatlichen Herd mit dem Tode besiegelten. Die jetzige To­tenfeier wird in allen Stadien und Dörfern mit besonderer Weih« begangen. Am Sonntag mit­tag soll albgemeines Traucrgeläut veranstaltet werden. Auch die Kriegervereine werden vieler­orts den gefallenen Kameraden ernste Ehrungen darhrrngen. Wo schon Helden, und Ehrensteine errichtet sind, werden außer dem kirchlichen Got­tesdienst auch an jenen Stellen die Feiern ein­drucksvoll gestaltet.

Es ist in dieser Zeit der Bedrückung ein er­hebendes Gefühl für jeden vaterländisch denken- den Deutschen, einen Tag der Pietät und der warmen Gemütstiese, btt doch noch im Volke schlummert, in weihevoller Andacht begehen zu können. Das hastende Leben und bte po- ntrsche und wirtschaftliche Unklarheit lasten so sehr auf der Gesamtheit des Volkes, daß man imunterbrochen mit den Alltagssorgen beschäftigt rst. Kommt aber einmal ein Tag der Erinne­rung und der seelischen Einkehr, dann wollen wrr uns klar darüber werden, was wir den für das Vaterland Gefallenen schuldig sind. Ein tiefer Schmerz ist es uns, daß der große Gedanke, für den sie mit begeistertem Heldenmut sich selbst a!S Opfer dargebracht haben, nicht zur Wirklich­keit geworden ist. Das stolze Bewußtsein, daß alle Taten zum Besten des Volkes und der Lie­ben daheim geschehen, war es. das die Kämpfer zu wahrhaft übermenschlichen Leistungen ange« spornt hatte. Sie kämpften und starbm fiir die Erhaltung und Verteidigung des großen, schönen und freien Deutschlands! Aber wie ganz anders rst es geworden! Die erlahmenden Krüste er­lagen schließlich der Uebermacht der Feinde, die uns nicht einmal die Ehre der Tapferkeit zu­erkannten. Sie begnügen sich nicht damit, un- ern erschöpften Volkskörper blutleer zu saugen, i« entbloden sich auch nicht, das wehrlos gewor­ben« Volk zu demütigen und zu schänden. Tas ist das Schlimmste für das lebende Geschlecht. Darm haben die Gefallenen das Eine vor uns voraus, daß . sie diese Knechtung Deutschlands nicht zu erleben brauchen.

Aber so leicht man auch zu Klagen geneigt ist, dürfen wir uns von der Wehmut, die in stillen Stunden unser Herz beschleicht, nicht un- terkriegen lassen. Di« Lebenden haben neue Ausgaben. Den gefallenen Brüdern gegenüber haben wir die ganz besondere Pflicht, das Streben, daS ihnen nicht gelang, zu erfüllen. Was sie begonnen, müssen wir vollenden. Kön­nen wir es auch nicht mit denselben Mitteln, fo wollen wir doch andere Wege gehen, di« auch zum Ziele führen. Haben wir keine Waffen zmn Kampfe, so wollen wir umso mebr unfern Geist Mrstn und unfern Willen zur Freiheit härten. Im Willen liegt der halbe Erfolg, und ein ge­schulter Geist schasst sich freie Bahn. Unser Le- ben bleibt nicht immer so trübe, wie es jetzt auS- sieht; es folgt auch wieder Sonnenschein und neues Blühen! Trum wollen wir den erschöpf­ten Boden schon vorbereiten, wollen pflügen und jäten und di« jungen Pflänzlein, unsere Jugend, sorgsam hüten und sie in der Liebe zum Vater- lande erziehen. Tas ist es, was wir Denen, die fürs Vaterland gestorben sind, noch schulden Den! großen Gebansten müssen wir unS be­wahren und der Jugend lehren, daß wir wieder ein freie) Volk sein wollt", das über sein Schick-! sak selbst bestimmt und sich nicht unter daS feind­liche Joch beugt. Zwar j infit uns noch die Not. den fremden Bedrückern zu gehorchen: es bleibt uns heut« keine andere Wahl, al» die unS auferletaen Gebote zu befolgen. Aber eS kommt noch dl« Zeit, m bet Jen« schwächer wer- den. Dann darf das Joch uns nicht zur Ge­wohnheit geworden fein, dürft.« wir rmsrrr

Spannkraft nicht verloren haben. Dann müssen wir geistig gerüstet und diplomatisch geschult fein, damit wir mit der Einstigen politischen Mächtegruppierung unS besser zurechtfmden als früher. Dazu ist in der Gegenwart nötig, unser beschädigtes StaatSschiff im Innern auszubauen, um inMnftigen Stürmen nicht von den Wogen der Dölkerbewegung hin und her geworfen zu werden, sondern daß wir den rechten Kurs dann meutern. Zmn inneren Ausbau und Wieder­aufbau gehört aber in erster Linie Einigkeit. Möchte es uns doch endlich gelingen, den häus­lichen Streit zu vermeiden und den Frieden im Innern herbeizufiihren, um des großen Gedankens, um unserer besseren Zukunft willen! K. F. D«r.

Einigkeit der Reichzregierung Mitteilungen des Ministers Koch.

(Privattelegramm.)

Berlin. 22. November.

Der Minister des Inneren, Koch, erklärte einem Pressevertreter unter anderem: Die Regie­rung ist so e i n i g. wie es eine Koalitions­regierung nur sein kann. Nach innen würde eine andere Regierung alsbald den Kampf aller gegen otte herbeiführen. Der sogenannte starke Mann erscheint stier völlig nnmSMch, Die gegen- wärtige Koalitionsregierung ist nun einmal die einzige, die zurzeit in Deutschland regieren kann. Vollhäupter, die eS wagen sollten, gegen den Willen der großen Mehrheit des Volkes eine Ge­waltherrschaft aufzurichten, brauche man nicht zu fürchten. Zur Frage des Wahlgesetzes sagst ber Minister: Der Ultimi«5 durch ein». Ber­liner Zeitung veröffentlichte Weg, die Wahlbe- zirke zu verkleinern. Gegenkandidaten. die 60- ebtr 75 000 Stimmen erhalten als gewählt zu erklären und die restlich gebliebenen Stimmen derjenigen Reichsliste zuzuführen, mit der eine Listenverbindung erklärt ist. erfdjeitit durchaus als erwägenswert. Der Wähler würde auf diese Weise mit einem Stimmzettel den ihm bekann­ten Bettrauensmann, wie mich den Führer der Partei wählen. DaS Wahlergebnis ist sofort in jedem Bezirk bekannt, ohne daß es großer Be- rechmmgen bedarf. Jede abgegebene Stimme wird gleich bewertet. Mir erscheint aber auch noch dieser Vorschlag verbesserungsbedürftig. na­mentlich in der Richtung, daß noch et« festerer Zusammenhang zwischen Führern und Abgeord­neten hergestellt wird. Aus eine Frage nach den Maßnahmen gegen die Auswüchse der Ri- n'o s erklärte Koch, ein Gesetz Wer die Kino- Zensur ist in Vorbereitung, allerdings in der Richtung, daß das Kommunalisierungsgefetz un­ter den Gegenständen, die in die Gerneindebe- tricbe einbezogen werden sollen, auch das Kino- wesen enthält. Zu dem Thema des Belage­rung s z u st a n d e S und des ZeitungSverboteS meinte der Minister: ES erscheint mir zurzeit wenig Aussig daß der Belagerungszustand bald beseitigt wird. Es bedars unter Umständen des Zupackens. Die DerhSngnng des Belagerungs­zustandes allein gibt die Möglichkeit, schnell ein­zugreifen. DaS bestehend« Gesetz ist aber re­formbedürftig imd in meinem Ministerium wird ein neues Gesetz über den Ausnahmezustand auS- gearbeitet, von dem ich hoffe, daß es der Z t v i l- gew alt einen stärkerem Einfluß aus die Handhabung deS Belagerungszustandes geben wird. Mit dem Belagerungszustand ist aller­dings auch eine Einschränkung der Presse­freiheit verbunden. Ich bin persöickich kein Freund eines Presseverbotes und werde mich auch nicht für dieses Verbot einsetzen. Aber wir sind mit dem Belagerungszustand verpslichtet, nicht mrr berechtigt, einzuschreiten, wenn eine Ge­fährdung der Ordnung und Sicherheit droht.

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Eme Regelung des Geldwertes.

Amtliche und industrielle Maßnahmen. (Privattelegramm.)

Berlin, 22. November.

Im ReichÄvirlfchafiSministeriwn Haven in t.T letzten Zeit Besprechungen stattgefuniden Itaer Maßnahmen jur Hebung unserer 8a« 1iita. Das Ergebnis dieser Besprechungen tz -gte sich in einer gewissen Geneigtheit der maß- g.Lenden Stellen, zu dem Mittel vom AuS« kiuhrzöllen zu greisen. Der Lauptverbanü der deutschen 3nbiutrie, bet sämtlich« maßgeb«n- b.n Organisation«» unserer Industrie umfaßt, War gestern im Berlin versammelt, um die gleiche Angelegenheit zu beraten. TaS Ergeb- ui» dieser Beratungen ist von großer Bedeutunq f-lr tatfer gefanrieS Wirtschaftsleben. Die diesem Hauptverbautz angeschloffenen Jndnsiriellca ba- peu fba kämttkch berat eCärt, im Weg« der

!Selbftv«rwaltung bte Ein« tmb Ausfuhr zu be» grenzen, nm dadurch den Stand unserer Valuta m bessern, di« zahllosen billiaen Einkäufe deS Ausl-andeS ehuubämtnen und dem Verschlep­pen deutscher Waren dach dem AustaWe vorzu- beugen. Das RsichStoittschaftsministetturn, daS bei triefet Beratung durch feinen Unterstaatssek­retär vertreten war. ließ erkennen, daß es bereit sei, Vorschlägen der deutschen Industriellen Rechnung zu tragen und auf seine eigene Ab­sicht auf Ausfuhrzölle zu verzichten.

Internationale Sorgen.

Basel, 22. November. (Eigene Drrchtmcl- fcung,) Die Information erfährt an» Paris: Ter Oberste Rat der Allierten wird sich in sei. ner nächsten Sitzung mit der Lösung der Va­luta. und Kohlensrage beschäftigen, die aus internationalem Wege erfolgen soll.

Der Streit um den Frieden.

Amerika ist immer noch unschlüssig.

(Eigen« Drahtmeldung.)

Haag, 22. November.

Aus Washington wird berichtet: Ob­wohl die nächste Sitzung des Kongveffes bereits am 1. Dezember stattsindet. hält man es jedoch kaum für wahrscheinlich, daß der Fried ensvev- tneg vor Januar in Kraft treten wird. Der Minister des AuSivärtigen Amtes hebt ausdrück­lich hervor, daß feint amerikanischen Konsul« nach Deutschland gesandt werden können, bevor der Frieden endgültig geschloffen ist. Senator Lodges Antrag, den Kriegszustand mit Deutschland fiir'beendet zu erklärm, ist von 52 Senatoren unterstützt worden. Lansing hat dem Antrag nicht widersprochen.

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Auch Amerika will untersuchen.

Genf, 22 November. (Eigener Drahtbericht.) Aus Washington wird gemeldet: Der Senats. auS'chuü setzt rmgeachte! bet Vertagung des Senats dis 2. Dezember seine Beratungen fort. Senator Lodge begründete seinen Antrag in zweistündiger Rede, in der unter anderem die Einsetzung eines NntersuchnngS . Aus­schusses über die Ursachen fordert, die lumt Eintritt Ameri kaS ht ben Krieg geführt imb Wilson zum Vermittler veranlaßt haben.

Rußland ist zum Frieden geneigt.

Gefangenen-ApStausch mit den Randstaaten. .(Eigener Drahtbericht.)

i Kopenhagen, 22. November.

Eine hiesige Zeitung bringt eine Meldung aus Reval, wonach der Russe Litwin off heute nach Kopenhagen reist. Er weigert sich. Wer die Lage etwas zu äußern. Sein Sekretär erklärte jedoch, die Stellung des bolschewistischen Rußlands sei stärker denn je. Di« Bolschewisten beabsichtigen, kein Kompromiß mit ben Bürger­lichen einzugehen, wollen jedoch mit den anderen sozialistischen Parteien zusammenarbeiten. Ge­stern wurde ein Uebereinkommen zwischen Sowjetrußland und Estland und Li­tauen m der Gefaivgenen-Austausch-frage un­terzeichnet. Der Austausch erfolgt Mann gegen Mann. Die Gefangenen müssen mit Kleidern und Lebensmitteln versehen fein. Litwinoff über- gab dem englischen Leutnant Wartender in Dor­pat drei englisch» Kriegsgefangen« hie auf dem­selben Kriegsschiff, auf dem Litwinoff die Reise nach Kopenhagen unternimmt, waren. Die Dor­pater Verhandlungen haben zur Bildung eines baltische« Bündnisses zwischen Lettland, Litauen und Estland geführt. Die Fttedensverhandlun- gen sind einstweilen verschoben und werden erst nach Litwino-ffs RüÄehr wieder ausgenommen.

Bürgschaft der Bolschewisten.

Kopenhagen, 22. November. (Eigener Draht- bericht.) Don der in Dorpat zusanrmcngetrete- nen Konferenz vernimmt die estnische Gesandt­schaft in London, daß tri« Bolschewist«« bereit seien, ihre Flott« im Golf von Fin- lanb als Bürgschaft für den Frieden auszu- liefern. Auch sind sie bereit, eine neutral« Zone Mischen Rußland und den russischen Rand- rtaaten durch Verhandlung festzusetze«.

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Die Blockadewut der Alliierte«.

Rotterdam, 22. November (Eigener Draht- bericht.) Reuter meldet au5 Paris: Ter Alli­iertenrat richtete zur Verschärfung der Blök» kade gegen Sov^etrußlaNd eine neue Note an Deutschland und an die neutralen Staaten. Da- Vorgehen beS AlliiertenratS ist sehr sonder­bar. Zu gleicher Zeit erklärte der englische Mi- nisterpräsikent, da« di« Blockade nackriassen könne, und t« Kopenhagen werden englisch-rrrgMe FriedenSderhandlunge» augeluLpft.

Bon der Sftsee.

Wiederbeginn der Küstenschifsahrk.

Snfot«» bet Oftfetftetee war >er e«nM Derkehr lobmflttegt. OTortibem nun bi» «BledEabe an ber beuINtzenSstseelüste von ben gtlUierten «emilbett worben ist, hat sofort wieder bte Schiffahrt eingesetzt. Ss wirb uni darüber a«e Stettin Folgende» berichtet» 9hm ist der ärgste Bann gebrochen, der Ost­seeverkehr ist wieder freigegebe'n,? allerdings vorerst nur gegen Freifahrtschein. Schon m der vorigen Woche zeigte sich allent­halben neues Leben in den stillgewordenen Hä­sen, die deutsche Flagge drängte wieder aufs Meer. Obwohl nur die Territorialgewässcr für die deutschen Dampfer freigegeben waren, nah- men sie dennoch auch darüber hinaus den gan-i zen Verkehr mit den einheimischen Häsen wieder auf. Von Stettin aus fuhren vor allem die hw Ostpreußtschen sehnlichst erwarteten Kohlen- dampfer wieder nach Memel und Königs- berg. Auf der Oder war inzwischen eben», falls stille Zeit. Die Blockade hatte die Erz« zusuhren aus Schweden gesperrt und die Oder» kühne, die, mit Kohle befrachtet, auS dem ober»! schlesischen Revier stromabwärts kamen, lagen nun zum Teil an den Stettiner Anlegestellen fest und zauderten, bte Reise oderaufwärts leer, zurückzumachen. Jede Stunde konnte ja bie Auf­hebung der vorschnell verhängten Ostseesperre bringen, deren rechtliche Unhcütbarkeit bie En­tente längst eingesehen batte. Aber das Gesicht mußt« gewahrt bleiben: darum der stufenweise' erfolgende Abbau. Eine ganze Reche von Käh­nen zog eS aber auch vor, nicht ins Unbestimmt«! zu warten, bis die Erzdampfer wieder über»' Haff in die Oder einlaufen würden; sie unter-, nahmen es, leer nach dem Umschlagsplatz Kofel zurückzugchen, da sich durch

daS Ausbleiben der Erzladungen die Waggongefiellunq für Kohle rn Oberfchlesten günstiger stellte und damit ein schnellerer Ab­transport der schwarzen War« erfolgte. So hott« die Seefperre für die östlichen Teile des Reiches« c.nch ihr Gutes; die Kohlenzusuhr konnte ver­mehrt und damit die Wirtschaftskraft der Hafen-, stadte für die Wiederaufnahme deS U eberfee-, Verkehrs am besten gestützt und vorbereitet wer- ben. Da sich gleichzeitig auch der Oberwasser-, stand leicht ausbefferte, wurde zudem die Labo mögilichkeit ber Kähne vermehrt. Leider taucht« bei zu früh eirrsetzend« Frost bie aufbämmernbe Entspannung wieder in ein trüberes Dunkel. Es wäre für die Aufrechterhaltung der Kohlen- versovgnng des Ostens zu wünschen, baß min­destens bis Mitte Januar bet Wasserweg eisfrei bliebe. Nur dann wäre die lkohlenbelreferung von Industrie und Verkehr in den Ostprovinzen reftlos gesichert. Wie sich es nun in den Tagen der Sperre auf der See aus? Man formte es wieder erleben, daß die Ostsee noch immer bas bentsche Meer" ist. .Tagelang," fo berichteten englische Kriegsfahrzeuge noch Londonbegeg­neten wir feinem Dampfer imb Segler. Wie leergefegt lag bie See da." Notbürsiig hielten bie neutralen Schiff« einen Ein- und Ausgangs- Verkehr zwischen Stettin und den Ikandinavifchc« Ländern aufrecht. Es läßt sich darum gerade jetzt die

Ausdehnung dieses neutralen DerkehrS anhand der SchiffSbÄvegungen Stettins SwinemündeS nachprüfen. Eigenartiger­weise fahren bie neutralen Linien nur perio­dische Touren. Für Massengüter kommen aus­schließlich deutsch« Dampfer in Betracht, die von den einzelnen Firmen zu ihrer Fahrt gemietet werden. Die neutralen Schiffe bestreiten ledig­lich Passagier- und Stückgntverfchr. So wirhj beispielsweise die regelmäßige Linie Stettin- Kopenhagen von den DampfernMnn",Shrfa* undEsborn Snare" der lkopenhagenerFore-" nede'-DampsMisfs - Gesellschaft gefahren. Den Verkehr Mischen Stettin tntb Ehr istianta unterhält der norwegische DampferStadion 2,. den Stettiner Verkehr mit Reval und Hel- singforS der frnrsche DampferTorma", neuerdings auchPoseidon". Ferner kaufen ans ber Route Stettin-Stockholm bie Dampfer^ Vesta" undGefion" von ber Svea-Gesellschaft, auf ber Route Stettm-M allmö-Gothenhurg-Ehri- stianssans - Stavanger - Bergen bie Dampfer i Skulba", ^Jris" und .Rrord» von der Ror« mm-Lini«. DaS Bild, das ber periodische Schiffsverkehr ber Neutralen mit ben deutschens OftseehSsen bietet, läßt sich nach diesen Stettiner, Zählen ungefähr zeichnen. DaS Wichtigste daran st jedenfalls: man rechnet doch wieder mit wnS; der Außenhandel ist wenigstens wieder in- Gang glommen. Und wenn es auch hier näd da geschieht, daß einer der Dampfer nur Där- liche Fracht miinimutt. weil die deutsche Witt»! schäft noch nicht wieder mit allen Klammern ttri bie Weltwirtschaft festgenietet ist, so wirkt doch, mngekebtt der Einfluß dieses regelmäßigen Ver­kehr« hekebenb auf unsere Handels» uttd, WittsthaftStüttjckett ein. Gerade wir Beobachter an der Ostsee fühlen es, daß uns bet SBeQmm# langsam toi «bet geöffnet wird, daß wir draußen Boden gewinnen. Man sucht uns, weS man uns braucht, ßi» LMttmeg, ttnfsagen gshr Mrie^r;