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"^Ditidog, 16. November 1919.

9. Fahrgang. Nr. 293.

Äefldet Neueste Nachrichten.

Aus der Heimat.

Landwirtschaftliche Rundschau.

Ueber den Stand der Lanvwirtschast im Reiche von Mitte November liefen fvt--endc Be- xjchie vor: Arbeiten: Die Druscharbeiten sind voll im Gange. Allgemein herrscht die Klage über Mangel an Betriebsmitteln. Die mit Elek­trizität versehenen Betriebe dürfen in der Woche «ur zwei Tage dreschen. Ter früh einsetzende Frost behindert noch viele notwendige Feldarbeit vor dem Winter. Offenes Wetter wird *ur Be- endignng der Feldbrste llung von den Landwirten sehnsüchtig erwartet. Niemals ist eine so verspä­tete Bestellung erforderlich geworden. Für die Ernte bedeutet dies nach alten Erfahrungen «inen Minderertrag. Stand der Fluren: Die spät« Saat und die kalte Witterung» die ihr folgte, ließ die Keimung nicht vor sich gehen, iso daß Roggen, und Weizenfelder vielfach noch »rach liegen. Die ersten Saaten sind schwach und bedürfen noch kräftiger Erholung. Der Mäuse- ftaß schadete sehr. ES fehlt allgemein an Be- känchfungsmitteln, besonders an Grftweizen. dann aber auch an einheitlichem Vorgehen der Landwirte. Auf die ßrrnt) mich dies nicht ohne Edrfluß blechen. P r odUrtenv erw er- lung: Durch Höchst?reissestseYung für Kohl-

Runkelrüben unter dem bisherigen Han­delspreis geben viele Landwitte diese Erzeug­te nicht mehr ah. ES sind diese zurzeit die billigsten Futtermittel, und ist diese Verfüüenmg hm Interesse der Fettversorgung zu begrüßen. L»afer wird im freien Handel irm 50 Mark der iÄeniner durchsclmittlich aufgekauft. Au den Märkten rst er sehr knapp. Nach Heu ist stete Nachfrage und wird der Zentner mit 27 bis SO Mark bezahlt. Stroh findet per Zentner für 10 bis 13 Mark schlanken Absatz. Die Kartoffel­ernte war teilweise nur gering. Viehzucht: ES bedarf aller Anspannung der Landwirte, nm das beste Zuchtmoterial zu erhalten. D>e Lücken, die während der letzten Kriegsjahre in die Sie- stände geriffen wurden, sind schwer anszusüllen Mr gutes Zuchtvieh weiden Preise von 2- bis 3tXX) Mark gefordert. Die Schweinezucht scheint sich wieder zu heben. Viebmärkte: Du Wieder eingeführten Viehmärkte sind sehr ver- lchieden beschickt. Den Handel bel>eirschen mei­stens die Händler, so daß nach Abschluß des Marktes der sogenannte Stallhandel beginnt, dem unsere Landwirte Widerstand entgegensetzen Kten. Angebote an Ferkeln sind stark und nte oft der Bestand nicht geräuntt werden. Die Preise sind je nach den Orten verschieden, von $0 bis 150 Mark per Stück, Für Pferde wer­den immer noch hohe Preise verlangt, so für schöne Tiere 4-0000 Mark und darüber. Düngermarkt: Ter Mangel an künstlichen Düngemitteln besonders an Thomasmehl wird immer schwerer empfunden. Luxemburgische Ware mit einem Gehalt von 5 Prozent Phos- phorfäure wird mit 1300 Mark per 200 Zentner angeboten. Mit Kalisalzen. besonders mit Kai- Mt, werden dir Landwirte ungemein bewuchert. Hoffentlich räumt das kommende Düngemittel- gesetz gründlich hiermit aus. Das Stickstofffyndl- jat beabsichtigt eine neuerliche Preiserhöhung. Foxstw irtschaft: Durch die Trocknis im

Frühjahre ist ein großer Teil der Saaten und Pflanzungen abgestorben. Der Forstwirt tut gut, seine Nachbesserungen jetzt rm Herbst vor- zunehmen unter Ausnutzung der Wntterfeuchtig- leit Gegen Wildverbiß sind jetzt die Pflanzen zu schützen. Die Fölluirgen beginnen, und ist eS vorteilhaft, vor Schneefall noch die Reinigungen und Durchforstungen vorzunehmen und dann erst mit den Nutzholzhauungen zu beginnen. Was die Holzverwertung betrifft, dürfen die Wald- besitzer sich durchaus nicht hinreiben lassen von den gegenwärtigen hohen Preisen, und in ihren Nutzungen zu radikal vorgehen. Bei der gro­ßen Knappheit an Holz und dem sich steigernden Bedarf rst an eine Verbilligung vorerst nicht zu denken.

(Ein Werk der Liebe.

Am letzten Sonntag fand im Konsisiorirl- bezlrk eine HauskollÄtr für die Anstalten .He- v h a 1 a" bei Treysa statt. Die Anstalten .He- phata' bestehen jetzt im siebenundzwanzigsten Fahre. Aus den kleinsten Anfängen heraus, bestand doch der Anfang im Fahre 1893 nur aus zwei Zimmern, in denen fünf schwachsinnige Mädchen ein Unterkommen fanden, hat sie sich zu dem heutigen stolzen Werke emporgearbeittt. Fetzt besteht dasselbe auS fünf großen mit allen Errungenschaften der Neuzeit auSgestatttten Anstalten mit über dreißig Gebäuden und weit über neunhundert Insassen. Im Brüder- Haus wurden bis heute 274 junge Männer auf. genommen und für die Arbeit der Inneren Mff. sion ausgebildet. 68 Glieder der Brüderschaft standen im Felde, von denen neun den Heldentod landen Die Anstalt für die Schwachsinns, gen und Verkrüppelten haben biSher 900 Kindern Ausnahme gewährt; während der Weg durch das Rettungshaus 640 Knaben gin- gen. 'Die Krankenhäuser der Anstalten wurden seit ihrem Bestehen von 4500 Erkrank! aus vielen hessischen Kreisen frequentiert. Anher, dem fanden seit KrvegsauSbruch 1500 verwun­dete und kranke Kriegsteilnehmer Aufnahme; unter denselben allein etwa 500 kriegsbeschädlgte Landwirte, denen dazu verbolfen wurde, die ver­stümmelten und steifen Glieder ober die kiftfft- licken Gliedmaßen wieder in ihrer landv'ri- schaftticken Betätigung zu gebrauchen. Im Ar. beltslosenheam haben bis jetzt weit über tausend Menschen den inneren Haft wider Ge­sunden und wurden so wieder zu neuem Leben und zu neuer Arbeit erzogen. Im jittg' en Glied der Anstalten, dun Kriegs! inder- heim, fartben sünfuüdzwanzäg Söhne von Kriegsteilnehmern Aufnahme. , die durch das Fehlen des Erziehers und Ernährers und weck d'e Mutter durch Verpftichftmg zur Arbeit und ms vielen anber-n Gründen diesen Kindern entzogen War. in Gefache schwebten, auf Abwege ut geraten. Durch die Röte der sieit Und die ungeheuere Verteuerung aller Lebmsm'tt'l sind die Ausgaben der Anstalten ins Unendliche ge­stiegen.

* Fürstenhagen, 15. November. (Lehrer-Jubi- läum) Unser Lehrer Heinrich Wenzel begebt heute sein ftsinfundzwanzigjLhrie.es Amtsjubi. läum. Inder GemeinLe erfreut er sich großer

Beliebtheit. An Ehrungen wird eS daher für den W-. .ritten Mann nicht fehlen.

* Isungen, 15. November. (Bcsitzwechsel.) DaS .^eckersche HausgrundsÄck hinter der Mauer ist mit Gartenland für den Preis von 31000 Mark in den Besitz des Krankens«ssenrendanwn Pflüger hier übergegangen.

* Melsungen, 15. November. <Todesfall.) Im Alter von 73 Jahren verschied hier Sanitätsrat Dr. Israel, früher Direktor deS Lanldkrarrken- haufeS HerSfeld.

»vEsckfwege, 15. November. sFrühling im Winter.) Einen blühenden Apfelbaum kann man jetzt trotz der winterlrchen Witterung am Blauen Kuppenweg betrachten.

* Eschwege, 15. November. (Unfall bei der Arbeit.) Bei der Ausführung von Tachdecker- orbeiten an einem Fabrikneuban in Wansried stürzte der Dachdeckermeister Peter Wolf aus der Neustadt vom Darbe herab und trug dabei fckKvere innere Verletzungen davon, die gluck- kicherweffe aber nicht lebensgefährlich sind.

* Ziegenhain, 15. November. (Bestätigte Wahl.) Der Regierungspräsident hat die W:e- derwahl des Bürgermeisters der hiesigen Stadl, Liebermann, bestätigt

* Oberaula, 15. November. (Das Schieberttnn blüht.) An zwei Tagen beschlagnahmt« unser Gendarm zwei Waggons Erbsen, Mehl und Ha­fer, ferner Butter und Fleisch von insgesamt 100 000 Mark Wert.

Frankenberg, 15. November. (Verbotene Ausfuhr.) Die Kartoffelausfuhr aus dem hie­sigen Kreise ist gesperrt worden.

* HerSfeld, 15. November. (Unterschlagung.) Der betm hiesigen Bezirkskommando aus Privat- diensivertrag angestellte Kassenführer M. wurde wegen Unterschlagung und Urkundensälschung verhaftet. Es handelt sich um einen Betrag von etwa 2000 bis 3000 Mark.

Fulda, 15. November. (Preise von Heute.) Im Wege der Zwangsvollstreckung wurde am hiesigen Amtsgericht ein Hausgarten. 12 Ar 79 Quadratmeter groß, an der Leipzigerstraße ge­legen. versteigert. Trotzdem nur zwei Re lek- tanten im Termin, erreichte das von Frau Post- halter Fgn Vedung Ww. hier abgegebene Höchst­gebot die Stnnme von 30 178 Ma"k. Der Wert des Grundstücks ist tariert aus 17 600 Mark.

* Fdrlda, 15. November. (Ehrung.) Zum Ehrenobermeister ernannt wurde der seitherige Obermeister der Bäckerinnung Fulda. Hofbecker­meister Peter Simmer. und ihm eine h b'ch mtsgrstätiete Ehrenurkunde überreicht. Herr Simmer war Mitbegründer der Fnnung und hat zwei Fahre lana fein Amt als Oberme sier zum Nutzen und Wohl der Innung verwalttt.

* Fulda, 15. November. (Nur ein Angebot.) Der Bauvwein für den Kre'S Fulda batte ffir 1.2 Stück Einfamisien-Rekbenhäuser und für 3 Etagenhäuser die Speng'er-.und Install ti-ns- arbeiten öffentlich zur Vergebung ausaeschrie- ben. Zu b!|cfen Arbeiten hatte nur die Arbeit^- aeweinfckaft für Handwerk und Gewerbe in Fulda ihre Angebote eingereicht und zwar lau­tend für die Reihenhänser aus 26 504 21 Mark, für d'e Etagenhäuser auf 13 764 42 Mark

* Fulda. 15. November. (Ueberlaudzentrale Fnlda-Hünfelb-Schlüchtern) Die Arbeiten für das geplante großzügige Werk für alle drei Kreise

sind in vollem Gange. Die Aufträge für den Bau der Fernleitungen sind bereits vergeben und die Arbeiten für die Festlegung dieser Lei- ht tuten inzwischen ausgenommen. Auch die Sie. ferung des Materials ist sichergestellr. ein Teil derselben bereits angeliefert. Auch der Staat hat seine Hauvtleitung ghgesteckt und einen Teil der erforderlichen Arbeiten inzwischen vergeben. Die KreiSverteilunaSleitttngen werden bekannt­lich aus den GroßtranSformatorenstationen des Staates von denen im Bereich des Zweckver- bandes di« eine in der Gemarkung Elm und eine zweite in der Nähe von Marbach (Kreis Fnlda) errichtet wird, mit einer Spannung von 20 000 Volt gespeist. Sie führen ans kürzestem Wege von Ort zu Ort und liefern jedem, der es wünscht Kraft und Licht in Wohnung, Scheune. Stall und Keller.

* Homberg, 15. November. (Rücktritt vom Dienst.) Der langjährige Straßemneister Groß- kopf tritt mit d?m 1. Januar 1920 in den Ruhe- stand. Sein Nachfolger ist der Straßenmeister Röse auS Birstein, Kreis Gelnhausen.

Aus den Nachbar-Gebieteu.

* Wildungen. 15 November. (Forst-Bormt- schlag.) Ter Gemeinderai genehmigte in seiner letzten Sitzung den Forst-Voranschlag für daS Rechnungsjahr 1920 mit einer Einnahme von 184000 Mark und einer Ausgabe von 53000 Mark sodaß mit einem Ueberschuß von 131000 Mark gerechnet werden kann, immerhin ist daS eine hübsch- Einnahme für die Stadlkasse.

* Arolsen. 15. November. (Neue Zwang-?- Fnnung.) Gemäß eines Antrages der Hand- werkSkammer für Kur Hessen und Waldeck Sitz Kassel, haben sich nunmehr auch die Anaebitt'g-n des Schneidergewerbes ftn Kreise Aroff n zu einer ZwanaS-Innung vereinigt. Neben e nem festen und einheitlichen Zulammengehen in Be­rufs» und wirtschaftlichen Fragen wurde u. a. auch ins Auge gefaßt, eine sogenannte Einkaufs, zentrale zu gründen, um die Vorteile gemeinsa­men Einkaufs zu haben.

* Arolsen. 15. November. (Eigenheim!) Etwa -ehn Anträge auf Errichtung von KleinwoSiv- Hausern sind seitens hiesiger Bewohner, zzament» sich von Kriegsbeschädigten, gestellt worden. Di« Bauplatzfrage ist noch nicht endgültig enttch-eden. da mögilichst Gartenland bei den Einsam lien- hausern fein soll. Ter Gemeinderat bat aber in semer letzten Sitzung 50 000 Mark zur Verfügung gestellt, um zunächst den Pau von sechs H.ämeru zu sichern und dabei den laut Reichroesetz zu lei­stenden Zuschuß, der infolge Ueberteuerung not- wendig rst. bereitzuhalten.

hoffen 15. November. (Kasernen-Ticb. stähle.) In der hiesigen Kaserne sind in letzter Zett mehrere Diebstähle vorgekommen. So ist die Kasse der AbimckelungSstelle des Fuß-Artillerie- Negl'mentS 10 mit etwa 10 000 Mark ftaurloS der- ichwunden, von der BeklefdunaSkammer sind ^rKr^?nnden. Uniformen usw. gestohlen und stylt eßkvch soll sogar em Wagen mit Pferd nicht mehr mtfntfmben fern.

* Sachsenberg, 15. November. (Mater Bürger, meister.) Unser Landstädtchen bat einen neuen ©ur^rmeifter erhalten. Ter neue Gemeinderat waMe Kaufmann Wilhelm Zobel zum neuen Stadtoberhaupt und den Landwirt Wilhelm Voll, mer zum Beigeordneten

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