Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Nummer z90.
Fernsprecher 951 und 952.
Donnerstag, 13. November ISIS. Fernsprecher 951 imi> 952.
9. Jahrgang.
Starke Sötte und Schnee in Norddeutschland.
Ser Sturz -er Mart.
Mangel an Vertrauen im Auslande.
Der Sturz der deutschen Reichsmark hat in den letzten Tagen eine geradezu erschreckend« Form angenommen. An einen Tiefstand aus dem Devisenmärkte hatten mn uns in den letzten Wochen ja schon etwas gewöhnt. Wir hatten es aber nicht für möglich gehalten, daß ein« noch weitere Verschlechterung des Kurses eintreten könnte. Man gab sich umso weniger der Befürchtung hin, als sich ja im Innern, wie wir alle beobachten konnten, die Arbeitslust wieder ganz zweifellos etwas gehoben hatte. Auch von feiten der Regierungsvertreter und auch insbesondere des Reichswirtschastsmini- sters war in öffentlicher Sitzung der Nationalversammlung die Tatsache der Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse offen ausgesprochen und begründet worden. Nun sehen wir aber in den letzten Tagen ein Fallen des Martkurses im Auslände, das alle bisherigen Erscheinungen in der verhängnisvollsten Form noch übertrifft. Um nur einige Beispiele anzuführen: Der Schweizer Frant, der vor einem Jahre, also zurzeit unseres furchtbaren militärischen und politischen Zusammenbruchs, mit etwa 1,50 bis 1,60 Mark, also immerhin schon dem Doppelten des Friedenskirrses, bezahlt werden mußte, steht jetzt ans 6,75 Mark. Ebenso gewaltig rft der Sturz der Mark in H o l l a n d. Der holländische Gulden, Friedenskurs etwa 1.70 Mark, stand vor einem Jahre auf 3,50 Mark und steht jetzt auf 14 Mark. Aähnlich, wenn auch nicht ganz so sprunghaft, ist die Markcntwertung in Dänemark, Schweden und Norwegen. Ueberall in diesen Ländern ist gegenüber dem Vorjahre eine Verschlechterung oon nicht weniger als dreihundert Prozent eingetretcn.
Diese Dinge könne» nicht ernst genug betrachtet werden. Unsere letzten Reserven, die ein« Stützung des Auslandkurscs der Mark hätten bewirken können, sind erschöpft. Unser Vorrat an ausländischen Wertpapieren geht zur Neige. Noch ein paar Wochen, und wir sind am Ende unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und damit am Ende jeglicher Kreditmöglichkeit im Auslande. Tie Kapitalflucht, die eine ungeheure Schuld an diesen Dingen trägt, ist nicht nur nicht eingedämmt, sie ist heute mehr jemals int Zuge. Wftksame Mittel gegen- die Verschiebung von Kapitalien nach dem Ausland« gibt es anscheinend nicht. Die Maßnahmen unserer Regierung bezüglich der Ordnung unserer finanziellen Verhältnisse haben nicht vermocht, im Auslande den gewünschten Eindruck zu machen. Dort hält man unsere politischen und wirffchastlichen Verhältnisse noch nicht für gefestigt genug, um in der heutigen Lage eine Bürgschaft für eine absolute Kreditwürdigkeit Deutschlands zu erblicken. Je mehr unsere Mark aber sinkt, umso teurer werden für uns die Rohstoffe und Lebensmittel, die wir so dringend gebrauchen. Je mehr Geld aber ins Ausland flutet, vmso tiefer sinkt wiederum bie Mark. So befinden wir uns in einem verhängnisvollen Kreise, der sich immer dichter um das deutsche Wirtschaftsleben und damit um die Wurzeln der Existenz des deutschen Volkes schlingt. Di« «rf deutscher Seite geplanten Anregungen, den Balutastaud zu heben haben bisher leider keinen Erfolg gehabt. Von englischer Seite ist Mvar angeregt worden, ein« interna ionale Konferenz zur Regelung des Geldveikehrs und des Valutastandes der verschiedenen Länder «inzuberufen "kur das sind vorläufig nur private Vorschläge, die noch kein greifbares Ergebnis erhoffen lasten.
Der ungeheure Tiefftand der Mark im jetzigen Augenblick ist zweifellos auf Befürchtungen des Auslandes zurückzuführen. Die elftägige Verkehrssperre läßt unsere Lage im trübsten Lichte erscheinen. Dies« Maßnahme war geboten, wenn wir die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und der Industrie mft Rohstoffen, insbesondere mit Koblen, ermöglichen wollten, um wenigstens die Existenz und Daseinsgrundlagen des Volkes sicher zu stellen. Eine solche einschneidende Maßnahme, die uns in Nrarofervaterzeiten zurückstößt, wo wir auf die Postkuffche angewiesen waren, konnte jedoch für die Beurteilung unserer Wirtschaftslage nicht ohne Eindruck bleiben. Jetzt rächen sich di« unheilvollen politischen Frühjahrsstrerks. So greift eins ins andere, um unsere Wrtschafts- not zur Katastrophe werden zu lassem Nur eines kann uns retten: Ein umfassender ausländischer Milliardenkredit! Non mutz unS die Gegenwerte der Lebensmittel- und Rohstoffeftr- ftrhren langfristig in Anleih- stunden. Es tntt6 sich aber um wirklich große Finanzaktionen handeln. Mft kleinen gelegentlichen Operationen ist bei unserem heutigen Wirtschaftszustand gar nichts zu erreichen. Die Dinge liegen furchtbar ernst, und von der Krisis, in der wir stehen, maft>en sich die weitesten Volkskreise noch nicht annähernd einen Begriff, Wenn es nicht gelingt. rol*v großen Anleihekredit« zu erhalten, ernt wird unsere ganz« Lebensmittelversor
gung ftr Frage gestellt sein. TaS Ausland wird uns aber keine Geldkredite gewähren, wenn eS nicht in unserer Arbeft und in unserer Produktion Bürgschaften für die Sicherheit dieser Darlehen erhält. Dr. E. K.
Schneefall nah starker Frost.
Ernste Verkehrsstörung in Berlin. (Privattelegramm.)
Berlin. 12. November.
Durch den außerordentlich starken Schneefall, der hier gestern früh eine Höhe von 13,5 Zentimeter erreicht hatte, wird der öffentliche Verkehr sehr behindert. Die Straßenbahnen fahren nur noch mit Motorwagen. Auch diesen erwachsen duxch das Verstopfen der Weichen immer größere Hindernisse, sodaß, wenn das Schneetreiben andauert, über ftrrz oder lang mit der Einstellung des Straßen- bahnbetriebes gerechnet werden muß. Die Hoch- und Untergrundbahn hat unter diesen Umständen einen Ansturm wie noch nie auszuhalten und die Folge ist. datz Hund'kt- tansend« gezwungen sind, sich durch die in den Straßen liegenden Schneemassen ihren Weg zu bahnen. Man merkt wenig davon, datz es in Berlin über hunderttauseitd Erwerbslose gib', so vereinzelt sieht man Männer, die sich mit Schneeschauseln beschäftigen. Die Mehrzahl zieht die bequemere Weise des Bezugs der Erwerbslosenunterstützung vor. Auf den Bahnhöfen stehen bereits Wagenladungen erfrorener Kartoffeln. Die Hälfte der von auswärts nach Berlin kommenden Milch ist ausgeblieben und von einer verstärkten Kohlenzufuhr ist auch nichts zu merken.
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Kälte in Norddeutschland.
Hamburg. 12. November (Privat-Tele- gramm.) Der Schneestrm in Norddeutschland dauert an. Bon westlich Hamburg bis östlich Memel fällt seit 48 Stunden ohne Unterbrechung Schnee, der das ganze Land fußhoch bedeckt und auch Bcrkehrsstörungen zur Folge hat. Die Kälte hat stch in den norddeutschen Großstädten, in Berlin, Hamburg. Königsberg und Memel bis 10 Grad verstärkt. In Nord- schweden fiel die Temperatur bis zu 20 Grad.
Um unsere Kriegsgefangenen.
Protest gegen Frankreichs Zögerung.
(Privat-Telearamm.)
Berlin, 1L November.
Trotz des schlechten Wetters hatten sich in den Säten der Berliner Börse mehr als zehntausend Personen eingeftmden, um sich zu einer machtvollen Kundgebung gegen di« Zurückhaltung der deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich zu Vereinen. In zwei Sälen sprachen der ehemalig« Kriegsgefangene und Stadtverordnete B ar s a n t y, der in russischer Kriegsgefangenschaft war und der Rittmeister Freiherr von LerSner. der im vorigen Jahre aus der französischen Kriegsgefangenschaft ausgetauscht wurde. Beide wiesen auf die unsäglichen Leiden unserer Kriegsgefangenen nach einem Jahre des Abschlusses des Waffensfillstandcs hin. Beide Redner forderten vom deutschen Volke, daß es sich ohne Unterschred der Parteirichtung und des Standes in der Kriegsgefangenenftag« zusammenfinde. In der einmütig gefaßten Entschließung heißt «5: Deutsche Heimat, tritt für deine schmachtenden Brüder ein. denn sie leiden für alles Die Zurückhaltung unserer deutschen Gefangenen ist ein Zurückfallen in die Zeit der Sklader eis Wenn auch besiegt, so wollen mir Deutschen doch für das oberste Recht der Menschen eintreten, um das feit Jahrhunderten die Völker ringen, die Freiheit, lieber Parteikampf und Klassenhatz reicht Euch die Hände, ruft es hinaus zu den Kameraden, ruft eS tit die Länder der Feinde, ruft es hinaus in die ganze Wett: Freiheft str wehrlofe Men- fchen? Heraus mit unseren Gefangenen l
Die Rote der Regierung.
Berlin, 12 November. (Privattelegramm.) Die deutsche Note nach beschleunigter Entlaf. sung der deutschen Kriegsgefangenen aus Frankreich ist am Dienstag mittag 11 Nhr von dem deutsche« Gesandte« i« Paris überreicht worden. Eine heute über Genf gekom- mene Meldung besagt, dass Ministerpräsident Elemeuceau infolge seiner Abwesenheit von Paris die Rote nicht vor Ende der Woche zur Erledigung und Beschlußfassung im Miiertenrot bringe« könne.
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Anhalten vor» Transportzvgen.
Essen, 12. November (Privattelegramm.) Die Franzosen hatte« einen Transport mit deut
schen Kriegsgefangenen gesandt. Der erste Zug ist gestern mittag in Essen eingelaufen. Verschiedene Eisenbahnzüge mit Kriegsgefangenen befanden sich bereits innerhalb der deutschen Reichsgrenzen, da erging von Paris aus der Befehl, datz weitere Transvorte eiN- zustellen find. Während die ersten Transporte dip Grenzen bereits überschritten hatten, wurden etwa zehn Züge, die sich noch auf stan- zöfischem Boden befanden, angehalten und die Kriegsgefangenen in die Lager zurückbefördert.
Friedensverlrags-Schwierigkeit.
Amerika immer noch unentschieden.
(Eigener Drahtbericht.)
Haag. 12. November.
Da die bisherige Abstimmung im Senat eine Mehrheft für Vorbehalt« Mab, so lietz Wilson den Senat wissen, er werdeVorbe- halte annehmen, jedoch nur solch«, die den Sinn des Friedensverttages unverändert lassen. Sollte sich der Senat nicht danach rechten, so Werd« er den Vertrag einfach vom Senat zu- rückziehen und die Friedenssrage offen lassen, dann müßten die Republikaner das Odium des Scheiterns tragen. Die allgemeine Ansicht gehr dahin, datz schließlich ein Vergleich zustande kommen wird. — Aus Paris wird milgeteilt. daß di« Konferenz sich mft dem Gedanken ver- ttaut mache, daß vorläufig an eine Ratifikation des Friedensvertrages dürft» Amerika nicht zu denken ist. Die Konferenz habe deshalb die notwendigen Maßnahmen ins Auge gefaßt, auch ohne di« Ratifikation durch Nordamerika den Vorstand pes Völkerbundes einzubenrfen.
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Das Verlangen nach Auslieferung.
Paris, 12. November. lEiaene Drahtmrl- dung.) Wie „Petit Parisien" versichert, Hai die Friedenskonferenz eine besondere Kommission eingesetzt, um das Verfahren festzulegen. dem dieienigen deutschen Personen unterworfen werden sollen, die nach dem Friedensvertrag wegen gemeiner Verbrechen ausmliefert wer- den müssen. Es sollen anaeblich sechshundert Personen in Frage kommen.
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Noch kein Handel mit Deutschland.
Paris, 12. November. lEigene Drahtmel- dung.) Die Mitglieder der sranzösikchen Handelskammer nahmen mit Mehrheit eine Ent- schlietzung an. vor dem offiziellen Jnlrasttrelcn des Friedensvertrages keinerlei Handelsbeziehungen mit Deutschland aufzunehmen. k
Rumänien unv die Entente.
Wien. 12. November. «Eigener Drahtbe» richt.) Aus Bukarest wird gemeldet, datz sich di« Minister Bratianu. Take Jonescu und Ma, niu nach Sinaija zu einem Kronrat begeben haben. Aus informierten Kreisen wird gemeldet. daß sich bet Kronrai mit der durch die drei Ententenoten geschaffenen diplomatischen Lage zu befassen haben wird.
Sie elsaß-lothringer Vorgänge.
TruppeUverschiebungen und Prügeleien.
(Eigene Drahtmeldung.»
Straßburg. 12. November.
Im Elsaß und in Lothringen finden erneute große Truppenablösungen und Verschiebungen statt. Die Besatzung der Festungen Metz und Diedenhofen wurde zurückgezogen und durch frische aus Frankreich eingetroffene Truppenteile ersetzt. Unter den französischen Truppen ist vielfach von den elsässischen radikalen Sozialisten eine erfolgreiche Agitation betrieben worden. — In Markirch habe« in den letzten Tagen stanzosenfeindliche Kundgebungen statt- geftrnden. Personen, di« auf der Straße französisch sprachen, wurden Verprügelt-An den stravenecken wurden Plakate angeschlagen mit der Aufschrift: »Hoch das neutrale Elsaß-Loth- ringen!' Auch aus Schlettstadt und mehreren anderen Vogesenstädten wird gemeldet, datz fettens der elfässischen Bevölkerung eine offene feindselige Haltmrg gegenüber dem französischen MMtar eingenommen wird.
Verhaftung von Elsaffer«.
Straßburg. 12. November. (Eigene Draht- mÄdung) Der ,Wirtin* vom io. Riwember berichtet ans Strahlung, datz zwei weitere Verhaftungen elsässischer Rationalisten vorgenommen wurden. Der eine der Verhafteten ist ein Eisenbahnangestellttr namens Psitzermeister, der sich mit der Verbreitung von Broschüren beschäftigte, der andere ist em gewisser Hall« aus Mülha-rfm, der an regelmäßigen Zusammen- kitnfwn yc Stratzkmrg teÄgeyömmen hat.
Die Hungergefahr.
Ein Kongreß zur Besserung der Lage.' 3n London tagt jetzt ein Wirtschaft Sl on gr« an dem auch deutsche Abgesandte teilnehmen Die Besprechungen befassen stch mit der in ganz Europa herrschenden Hungersnot. Ma« wi« nun Wege zur Besserung der Lage finden
Der Korrespondent des Nieuwe Rotter- damsche Courant* in London hatte eine Unterredung mft der Schriftführerin des gegenwärtigen »Kongresses zur Bekämpfung bet Hungersnot-, Miß Steemshenks, einer bekannten sozialen Schriftstellerin unb Vor. kämpferin des Frauenwahlrechts. Sie antwor, tete auf die Frage, weshalb der gegenwärtig« internationale Wirtschafts-Kongreß nutzt öffentlich fei, daß man dies aus verschiedenen Gründen nicht tun konnte. Eine Anzahl von hohen Beamten, di« sich daran 6c. teilt gen, tun dies nur unter der Bedingung, daß der Kongreß nicht öffentlich sei. Dabei mußt« man Schwierigkeiten fürchten, wenn das Publikum zugelassen würde. Man soll« doch nur an die verwerfliche Tätigkeit bet Norch- elisfptefse denken. Die Teilnehmer aber haben sich bisher nicht über Böswilligkeit zu beklagen. Keine feindselige Menge sei vor dem Kongreßlokal zu bemerkeu gewesen. Das beweise viel-, leicht, daß die Kriegsleidenschaft allmählich ab- nimmt. Wettet erklärte Miß Steemshenks, es sei ein wissenschaftlicher Kongreß, und deshalb solle er nicht zu umfangreich sein, lieber manch« Punkt« wat man nicht einig, und das machte die Beratungen nötig, welche nicht in einem zu großen Rahmen erfolgen konnten. So auch die Frage des internationalen Kredits, Auf der einen Seite steht der finanzielle Nat- geber der englischen Regierung, Sir Georgs P a i s y ; er will eine große internationale Anleihe mit Bürgschaften der Regierung. Auf der anderen Seite steht Oppenheim aus Wien, welcher eine internationale Bank errichtet wissen will, die ein internattonales Zirkulationsmittel verausgaben soll. Inzwischen haben wir uns Mer manche Punkte schon verständigt unh sind auf gutem Wege, unsere gemeinsamen An- schaunngen zu formulieren. Die Mitteilungen des holländischen Professors Dr. Wenkebach von der Wiener Universität machten tiefen Eindruck.
Der Hunger habe Skorbut verursacht. ' Man brauche frisches Gemüse, Obst und MiW aber selbst die Milch komme nur von Kühen, welche mit trockenen Substanzen gefüttert werden, und fei kaum geeignet, Skorbut zu heilen, weil sie nicht die nötigen Stoffe dagegen enthalte. Eine groß« Sendung an Apfelsinen und FrÄHten sei notwendig. Frau Grabowitsch aus Petersburg, bie seinerzeit zu dem. Kabinett Kerenski gehörte und eine energische Bekämpfe- rtn des Bolschewismus ist, äußerte einen scharfen Protest gegen die Blockade des bolschewistischen Rußlands, wodurch Millionen von Russen getötet werden. Weiter erklärte Professor Brentano aus München, daß bie Stilllegung der Industrien in Deutschland infolge der Kohlennot und der drückenden Bestimmungen im Friedensvertrag Über die Wie- derherstellung unheilvolle Folgen habe. Graf Mongelas, der selbst nicht kommen konnte, sandte einen Bericht über die Kohlennot, und die Ausführungen von Max Warburg be» handelten bie Notwendigkeit des internattonalen Kredits. Jetzt wird die Errichtung eines internationalen Rats für die Verteilung von Kohlen, Nahrungsmitteln und Rohstoffen unter allen Völkern verhandelt. Hierüber besiehe« noch Meinungsverschiedenheiten unter den einzelnen Teilnehmern. BesoMers bedeutsam war auch die gemätzigte Rede des Dr. G u 11 m > n n aus Frankfurt a. M. Sie machte einen tiefen Eindruck. Er führte aus, daß sofort
erneute Beziehungen imter den Völkern \ geschaffen werden müßten: denn Deutschland fei jetzt isoliert. Was immer das Ergebnis des Kongresses sein wird, eines steht bereits fest, datz zum erstenmal seit dem Krieg Deutsche und Alliierten in persönliche Beziehungen zueinander getreten sind. Die Deutschen und Engländer stellten sich fteundlich zueinander: auch bie französischen Delegierten beobachteten eine gemäßigte Haltung unb versicherten, datz mich m Frankreich eine Strömung besteh«, welch« di« Bestimmungen über die Wiederherstellung mißbillige und rebübrert sehen möchte.
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Rotterdam, 12. November. Der Sonderberichterstatter des Manchester Guardian schreibt: Alle Anwesenden sind erfüllt von der ergreifenben Rede, die Dr. Guttmann gehalten hat. Die Red« war das Ereignis der Ko renz, ihre Würbe unb einfache Kraft machten -fen Ei-nick. Sie war die Erklärung eine-.. Mannes er sich selbst achtet und der -ich unter den schwierigsten Umständen an alle vernünftig und menschlich denkenden Mitglied einer — wendet, die früher ein Feind t>