Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
9himmer 286
Sonnabend, 8. November 1919.
Fernsprecher 951 und 952.
9. Jahrgang.
Fernsprecher 95t und 952.
Ablehnung des geplanten Generalstreiks
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? Hessische Abendzeitung
Fortdauer der Krieges.
Die Gewaltherrschaft der Feinde.
Wenn wir einst geglaubt hatten, daß wir durch die erzwungene Unterzeichnung des Versailler Vertrages wirtlich den Frieden erhalten würden, so haben wir diesen Irrtum schon deutlich genug erkennen muffen. Damals, im Juni, hoffte man, durch di« deutsche Unterschrift wenigstens die feindlichen Truppen aus dem Land« fernhalteu zu können, denn einen Vormarsch der verhetzten französischen Heere unter ihren fanatischen Führern fürchtete man als das schlimmste Los, zumal ihnen zuzu- ftauen war, daß ff« die wehrlosen deutschen Städte beschaffen und nach Kräften beraubt hätten. Heute, nachdem wieder ein halbes Jahr verflossen ist und mehr als drei Großmächte den Vertrag ratifiziert haben, ist unser Verhältnis zu den Bedrückern noch um nichts gebessert. Zwar konnten wir während einiger Monate einen kleinen Posten Lebensmittel und einen großen Posten minderwertiger Zigaretten. Schokolade, Riechwasser, Schuhe und Kleider, stoffe von ihnen kaufen, wofür sie uuS unter schändlicher Bewucherung ungeheure Gummen entzogen und durch die dabei entstandene Ent- lvertung der Valuta unsere Volkswirtschaft immer tiefer ins Elend rissen. Und trotzdem gibt es unheilbar« deutsche Optimisten, Leute, dir entweder aus Leichtfertigkeit oder Unwissenheit noch auf Unterstützung von jener Seite hoffen. Die in letzter Zeit sich besonders an« häufenden Noten und namentlich die neueste Drohung deS Alliiertenrats dürsten geeignet fein, alle Selbsttäuschungen hinwegzu- wrschen. Wer nicht ganz verblendet ist. mutz endlich erkennen, wie England seinen politischen Man zur völligen Lahmlegung Deutschlands bis zu Ende dnichzuführen beabsichtigt. Es benutzt dazu das geistig unzurechnungsfähige Frankreich als Vorspann, das, um seinen eigenen Bankerott zu vermeiden, sich auf den Trüm- mern Deutschlands wiederauftichten will. Die Feinde sind nicht befriedigt, weil wir noch nicht ganz so zerrüttet sind, wie das bolschewistische Außland. Sie wollen uns doch zu ihren Mladen machen, die Jahrzehnte lang nur für sie arbeiten sollen. Daß wir aber nicht gang so tief gesunken sind, komrnt ihnen verdächtig vor. Deshalb die Forderung eines neuen Schuldscheines.
Die deuffche Regierung soll unterschreiben, daß die Mass enstillstands-Bedin- nun gen nicht völlig erfüllt seien. Damit die Allnerten uns besser den Daumen ins Auge drücken können, wolle« sie uns fester im Nacken sitzen. Die Besetzung des linksrheinischen Gebietes genügt ihnen nicht. Jetzt sollen weitere allrierte Kontrollkommissionen in Deutschland entrücken. Sie verlangen die Uebertragung der Oberhoheit im Sargebiet, in Memel, Danzia. Oberschleffen und Schleswig, wo sie das „SelbstbestimmungSrechf der Bevölkerung in ihrem Sinne militärisch beeinflussen wollen. Dre in den östlichen Gebieten noch vorhandenen deutschen Truppen müssen sofort zurückgezogen werben. TaS sind ,jedoch die milderen Bestimmungen. Di« schlimmer«, von unersättlicher Habgier diftrerte Forderung ist das Verlangen der Ablieferung von weiteren Lokomo- tiven, Eisenbahnwagen, unzäWaen landwirtschaftlichen Maschinen und weiteren Handelsschiffen. Die im Kriege konfis- zierten Gelder und Werte, Kunstgegenftände und Jndnstriematerial feien noch nickt .restlos* zurückgegeben worden und sollen noch abgeliefert werden. Für die versenkte deutsche Flott« in Seapa Flow wird eine maßlose Ent- schüdtgung verlangt in Gestalt von den uns noch verbliebenen kleinen Kreuzern, sckwim- meuden Docks, Krönen und Baggern. Dann kommt die Drohung, daß die Alliierten irn Falke der Nichtunterzeichnun« dieser Rote militärische und andere Zwangsmaßnahmen ergrerfen werden.
Diese Leistung deS MliirrtenrateS ist der Höhepunkt der Infamie. Mit dem FriedenS- vertrage ist :mS schon die Schlinge um den Hals gelegt worden. Diese Note bedeutet aber die Extra-Patentvorrichtung, die diese "Schlinge gegebenenfalls totsicher zuziehen soll. Das Ai- krasttreten des Friedens soll so laug« verzögert werden, bis d>e vorgenannten Forderungen alle erledigt sind. Geschieht die Erl-diaung innerhalb der festgesetzten kurzen Fristen nicht, so werden die alliierten Truppen nach Deutschland heveinmarschieren und den vollen Kriegszustand wieder Herstellen, bei dem wir dann ihrer Willkür schonungslos ausgesetzt sein werde«. Wahrlich, cs gehört ein Aufwand von erfinderischer Bosheit dazu, um die Folter in solchem Maße anzuwenden. Es ist die brutalste Äu Ssaugungspolitik, di« eS je unter zivilisierten Völkern gegeben hat. Steht dabei Frankreich auch rm Vordergründe, so darf man sich doch nicht täuschen lassen. England steckt dahinter. Wie gewöhnlich, wenn es sich darum handelt, dem Gegner einen Eselstritt zu versetzen, übt England auch hierbei seine alte
bewährte Methode mrs. Es schickt einen seiner Weggenoffen vor, damit jener den Haß des Ge- treten«« aus sich laden soll. England selbst aber sich den Rücken frei halten kann. Soll so die Versöhnung eingeleitet werden? Ist das eine Grundlage für den Völkerbund? Nach einer solchen politischen Stratzenräuberei dürfen sich die Völker der Entente nicht wundern, wenn Wir ihnen nicht mit internationalen Phrasen eutgegenkommen. Die Herren vom Aüiierten- rat wissen ganz genau, daß sie den Haß des deutschen Volkes, soweit es noch Rationalgefühl hesitzt, auf sich gezogen haben. Sie fürchten es demzufolge auch, nnd aus dieser Furcht heraus entspringen die Vernichtungsgedanken. Belehrend ist es aber für uns Deutsche, di« fortwährend zu Selbstanklagen bereit sind, wie einmütig die Enwntevölker. einschließlich ihrer Sozialisie», die schreienden Ungerechtigkeiten ihrer Regierungen unterstützen! Hoffentlich aiht die deuffche Regierung ihrem Einspruch ein Be- glertschreibeu mit, ht dem die Alliierten die Wahrheit »aus gut deutsch" zu lesen bekommen. K. F. D«r.
KomnwMMe Agitation.
Beschlagnahme von Waffenlagern.
(Pridat-Telegramm.)
Berlin, 7. November.
I« den östlichen Bororten von Berlin, in Reineckendorf, Tegel und Lichtenberg sind eine Anzahl kommunistischer Waffenlager b e - schlagnahmt worden. Wegen Vergehens gegen de« RoSkc- Streik-Erlaß sind auch gestern wieder einige vierzig Personen, vornehmlich Streikführer, in Berlin feftgenom- men worden. Durch die Auflösung deS Rote« B ollzugSrates ist di« Regierung in den Besitz des strategischen Planes der Spartakisten gelangt, der durch allgemeine DemonstrationSmnzüge am 7. November die weiteren Ercigniffe zu dem 8. und 9. November vorbererten sollte. In den EffenbahnbetriebS- werfftätten Potsdams wurden fpartakistische Agitatoren, die zur Sabotage des Eisenbahnbetriebs am 9. November aufforderten, auf Veranlassung ihrer Kollegen verhaftet.
Der Generalstreik abgelehnt.
Berlin, 7. November, (Privatteleg-romm.) Mr di« Mffpeiffcher wird der gestrige Donnerstag eine bleibende Lehre fein. Sie haben sich überzeugen müssen, daß die Arbeiterschaft in ihrer großen Masse nicht mehr gewillt ist, sich zu gefährlichen Experimenten ehrgeiziger Machthaber mißbrauchen zu kaff««. Di« Kommunisten, deren Namen noch unter dem Aufruf zum Generalstreik stehen, fehlen mit ihrer Unterschrift unter dem gestrigen Aufruf, der zum Abstellen deS Generalstreiks erging. Sie wollen aber anscheinend die Machtprobe weiter wagen und haben nachts Plcckate ankleben lassen. in denen sie zu großen Demonstrationen am 7. November, dem Jahrestage der russischen Revolution, auffordern. Von der Reichs- regierung stnd die entsprechenden Gegenmaßnahmen getroffen worden, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß auch diese Pläne scheitern werden, genau so wie die der Fünfzehner-Kominifffon, die bereits erleben muß, daß ein großer Teil der streikenden Metallarbeiter im Laufe des gestrigen Tages in die Werkstätten zurückgekehrt fft.
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Aufhebung von Versammlungen.
Berlin, 7. November. (Privattelegramm.) Im Lause des gestrigen Tages sind durch Kommandos der Sicherheitswehr in Berlin sechs Geheimversammluugen van Kovnnu- nisten aufgehoben worden. Unter den fest- getumtmenen Personen wurden mehrere Russen und frühere Matrosen festgestellt. Heute nacht sind wieder im Norden und im Osten der Stadt Plakat« angeklebt Word««, bic für heute und morgen zu mehr als vierzig öffentlichen Versammlungen anfrufen zwecks Ausrufung der Räterepublik und der D Matur des Proletariats. Die bisher nicht zur Verwendung gekommene, aber feit gestern mittag in Bereiffchaft in und um Berlin gehalten« Trutz- penmacht ist fünftrstbix^chigtLuseud Starm stark
Spartakusplaiate ht Leipzig.
Leipzig, 7. Roveistber. (Pvivattelearamm.) Der Spartakusbund. Ortsgruppe Leipzig. hat namentlich im Herzen der Stadt zahlreiche Plakat« «mbringan lassen, in denen die Arbeiterschaft aufgefordert wird, am 7. November bi« Arber! niederzulegen, um sich der dritten Internationale anqusckkeßen. Auch die fttter- naüvnale Verbindung der sozialistischen Iugend- orgamsarwa hat über das gesamte Stadtgebiet
Anschläge verbreitet, in denen gegen die Reichs- regierung und für eine kommunistische Welt- republik eifrig agitiert wird.
Veschlüsie des AMertesrats.
Die deutschen und österreichisckeen Verträge.
^Eigene Drabtmeldungz
Zürich. 7. November.
Aus Paris wird gemeldet: Der Oberste Rat hat sich Donnerstag unter b«m Vorsitz Pichons bcrfaimnelt und folgendes beschlossen: Das Gehalt der internationalen Abordnung der Beaufsichtigung der Abrüstung Deutschlands ist von Deutschland zu bezahlen. 2. Die No- ten, die bei der Unterzeichnung deS Vertrages von Saint Germain zwischen der österreichischen Abordnung und dem Obersten Rat ausgetauscht worden sind, müssen veröffentlicht werden 3. Die Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland wegen NichtauSführnng der Bestimmmteen über die Räumung des Balti- kumS haben keine rückwirkend« Kraft.
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Dauernde Erpressung.
Basel, 7. November. (Eigene Drahtmel- dung.) ClemenceanS Blatt .Homme Libre" spricht bereits in einer längeren Auslassung von einer neuen Forderung der Alliierten nack Auslieferung weiteren deutschen Flot- ienmaterialS, falls die Baltikumuntersuchuug nicht zugunsten Deutschlands aussällt.
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Der FriedenSverlrag.
Zürich. 7. November. (Eigener Drähtbe- richt.) Ob Amerika rntifiüert oder nicht, je- denfalls ist der Oberste Rai entschlossen, den Friedensvertrag in Kraft treten zu lassen, und tiwrr etwa um den 20. November. Bei dieser Entscheidung soll es dann auch bleiben, wenn Wilson durch di« Opposition genötigt witd. den Vertrag zutückzuziehen. Die Laufzeit für den Beitritt zmn Völkerbund wird am 20. Januar nächsten Jahres zu End« fei«
Aus den besetzten Gebieten.
Bewegung in her Arbeiterschaft.
(Privat-Telegramm.)
Bonn. 7. November.
Di« Information meldet: In verschiedenen rheinischen Industriestädten fft eine Bew-qnnq unter der Arbeiterschaft zu erkennen. Kommunisten. die offenbar mit falschen Pässen ins besetzte Gebiet gelangten, agitieren unter der Arbeiterschaft nnd peitschen die politischen Leidenschaften auf. Die englische Behörde hat gemeinsam *t’t der belgischen Maßnahmen zur Unterdrückung einer etwaig stärker hervortretenden Bewegung getroffen.
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Verhaftung einer Russin.
Saarbrücken. 7. November. (PrivaEeke- gramm.) Die französische Kriminalpolizei verhaftete hier eine russisckeStudentin, wefl eine Nntersuchnng ergeben hatte, daß sie im Saargebiet Für die Sowiets agitierte. Die Verhaftete beruhte im Arrestlokal einen Selbstmordversuch, der aber vereitelt wurde.
Veranstaltungen heute verboten.
Karlsruhe. 7. November. (Eigener Drahtbe- rickt.) Ans Badern wird gemeldet: Im besetzten Gebiet wurden alle öffentkcken Ver. anftalwngen ftir bi« Feier des 9 November von den ftanzösiscken Besatzungsbehörden aus militärischen Gründen verboten.
llutersuchune derBalMumsrage.
Die Beteiligung deuffcher Truppe«.
(Eigen« Drabtmelduna.)
Berlin. 7. November.
Der »Vorwärts- berichtet, daß in der Baltikum-Angelegenheit ein Sohn des Generals von der Goltz verhaftet worden sei und daß auch ein Beamter des Auswärtigen Antes belastet sei wegen Truvpenanwerbung für das Baltikum. Die Untersuchung über diese Frage ist noch nicht abgeschlossen, doch steht schon fest, daß daS Auswärtige Amt unbeteiligt ist. — Am Mittwoch wurde, wir eine Korrespondenz mitttitt, ein durch Bvsi« kommender U;■ - lauverzug der eisernen Division, der unter Führung eines Leutnants Tietz« stand, angehalten und der Trupp verhaftet. Die Vernehmung der Leut« ergab, daß nie Mannschaften über die allgemeine und politische Lage voL- koimnen falsch orientiert sind. So glaubten sie, daß die Amerikaner bald ihre Opera tim.en unterstützen werden und deraleichen mehr. Der Ernst der Lage ist den Manuschüsten offensichtlich verschwiegen worden.
UntersuchuAgsausschuß.
Der unbefchränktc U-BootSkrieg. ^Telegraphische Mtzkdun«.)
Berlin. 7. November.
Der gestern vernommene Admiral Koch war der erfte Mitarbeiter des Chefs de» Admiralstabes v. Holtzendorff. Der Vorsitzende deS Ausschusses fragt, warum man den rücksichtslosen U-Bootkrieg für notwendig gehalten hck«? aus welchem Gntnd« man so viel Zuversicht dazu hatte und warum der Erfolg ausblieb. Admiral Koch erwidert darauf, daß England, anstatt eine Seeschlacht zu wagen, zu der allein Völkerrecht Hohn sprechenden Hungerbltzk« k a d « überging. Um diese Blockade zu bskämv. feit, mutzte man zum U-Boot fein« Zuflucht nehmen, um die feindlichen Handelsschiffe zu treffen nnd dadurch eine Gagenblockade gegen England zu unternehmen. Damit war zum erstenmal die Möglichkeit gegeben, die britische See-herrschaft zu erschüttern. Rach Ansicht des Admiralstabes konnte man dabei mich kein« Rücksicht auf Neutral- nehmen. Um das Ende des Krieges schnell herbeizuführm, blieb mir di« Wahl zwischen zwei Uebeln. von denen das eine her sichere Untergang war. Der Admiral- stab strebte ein schnelles Kriegsende an, weil et überzeugt war, daß die Zeit gegen uns arbeite.
v. Bethmann-Hollweg verliest dar- auf ein Telegramm vom 1 Oktob. 1916. wonach bet Kaiser den Grafen Bernstorff beauftragt hatte den Präsidenten Wilson zum Erlaß eines Friedensappells zu veranlassen. Präsident Wilson hatte sich auch bereit erftärt. diesem Wunsch« nachzukommen — Auf eine Frage des Abgeordneten S i n z h c i m e r, ob die Sberste Heereslcittina von dem Telegramm des aisers gewußt habe, da doch v. Sudcudorfi geSntzert habe, ttotz der Friedensschalmeien werde der Krieg fortgesührt, sagte v B uhmann: Das Mißtrauen der Obersten Heeresleitung in di« Wrlsonscke Friedensvcrmittluna war sehr groß. Aber darüber muß man einen militätischen Vertreter hören.
Der Vorsitzende bemerkt, daß die Vernehmung deS Generals Ludendorsf in Kürze bevorsteht. Es wird sodann Staatssekretär a. D. Dr. Helfferich vereidigt.
Bei der Fortsetzung der Vernehmung de» Admirals Koch sagt dieser: Für unS war e8 von größter Wichtigkeit, daß wir wenigstens di« Genehmigung bekam««, gegen die bewaffneten Dampfer vorznaechen. wenn ihre Armierung einwandfrei fcstgestellt war. Was den Zeit- puntt anlangt, so armrmentietie Herr von Holtzendorff. wenn wir Ende 1917 fertig fein wollten. fo müsse die kritischste Zeit für das englische Wirtschaftsleben angenommen werden, und das fei di« Zeit zwischen den beiden Ernten im August. Etwa sechs Monate wären erforderlich. um den U-Bootkrieg vorzubereiten, und somit könnten wir spätestens Anfang Februar anfangen. — Abg. Dr. Sinzheimer: In den Akten sind Feststellungen deS Reichskanzlers v. Bethmann-Hollweg vorhanden, wonach im März 1916 ntnb 38 Boote zur Verfügung standen, im Mai etwa 50. Diefe 38 Boote waren aber nicht alle bereit, in See zu stechen. Ander« mußten noch zurückgehalten werden Neber die Zahl der U-Boot« am 1. 2. läßt sich nichts Bestimmtes fagen. Es darf angenommen werden, daß etwa 120 Boote damals zur Verfügung standen, aber auch nickt alle foebereit. — Dr. Helfferich: Die Angaben über di« Zahl der U-Dootc haben sich teilweise widersprochen. Das kommt daher, daß man verschiedener Auffassung war. welche Boote man ata U-Boot« zu bezeichnen hatte. Es gab auch Minenboote und andere. — v. C a. volle: Gino genaue Angabe über die Zahl -der zur Verfügung stehenden U-Baote ist für all« diefeniaen, die nicht mitte« drin stahrn außerordentlich fchwieria.
Wir hatten big zu xefin Tnven U-Booto. Admiral Kock: ES wurden Berechnungen übet das voraussichtliche MonatSevgebniS angestellt, und man kam zu einer VerfenkungSziffer von 600000 Tonnen. Die Denkschriften de? Admi. ralstabcs 6 c müht en auf amt kick en Unterlagen und waren sehr vorsichtig ausgestellt. Wir haben di« Denkschriften erften Fachleuten und Wirtschaftlern zugänglich oemackt. Für di« Ge- trcibevefforgmtz Englands baden wir auch Mar Weill auS Frankfurt a. M. als Sachverständigen gehört. Auch Professor Hanns ans Kiel war einverstanden. Jedenfalls war Admiral Holtzendorff zu der Neberzeuguug gekommen. daß der U-Bootkrieg England in fünf Monaten nfsdenwingen wurde. Wir hoff, ten auch auf phhszfch« und moralische Wirkungen der U-Bootkrieges. Die Rie- deMoinguna ist nickt erreicht werden, ge- schwciae in fünf Monaten. Tie U-Boote haben tmS nicht im Stich gelassen. Sie hobest mehr berfettft. als wir berechnet hatten. Wirkung» los war der U-Booltrieg auch nicht. Rach btet monaffichrr Dauer äußerte Admiral Sims zz