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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 27S.

Fernsprecher 951 und 953.

Freitag, 31. Oktober 1919.

Fernsprecher 951 und 952.

9. Jahrgang.

--Ha*

Mllkehr deutscher lumpen aus Huölanö.

Sisenbahn-Slend.

Frchrpreis-Erhöhung und Zngeinstelluug.

Man ist ja schon an mancherlei Härten und arrzurräglichkeiten gewöhnt, und dasPnbli- htnt", Lurch die langen KrftMahre und die Srcme Revolutionszeit zermürbt, findet sich t geduldig! ab. So hat es aud> die Ein- ktellamg Les Sonntags-Perftmenvettehrs hinge- wommen Wie eine SchicksalsfügAwg. Am allge­meinen war man durch die Zeitungen eine Woche vorher von der neuen Maßnahme un­terrichtet worden und blieb am Sonntag dem Bahnhöfe fern, obwohl di« Bekanntmachung Von amtlicher Seite erst am Ta»- vorher er­folgte, Nur einige Wenige, die di« Zeitung nur Wichtig gelesen hatten. wußten infolgedesi fett nicht Bescheid und kehlen betrübt vor den verschlossenen Schaltern wieder um. Gs gab keine Partei-Entschließung in den SÄdftn und keine Interpellation in der Nattonalversamm- Lmg, die sich dagegen gewandt hätte. Die Ver­fügung war ergangen und man beruhigt sich mit der beauemen Annahme, daß wohl nichts anderes helfen könne. Die Alle Zustmmmmz, mA der die Verordnung ausgenommen worden ist, ermutigt die Negierung zu weiteren der­artige« Schritten. Me eine Münchener Mel­dung sagt, hat jetzt sogar der bayrische Mini- sterrat dem Reichskanzler den Vorschlag ge­macht, den Eisenbahn-Personenver­kehr in Süddeutschlanld für zehn bi s v i e r - zehn Tage einzustellen. Gleichzeitig wird ersucht, zur Beratung dieser Maßnahme die Berkebrsminiftox der einzelnen Länder sofort nach Berlin zu berufen. Das soll wohl bedeu­ten, daß die gleiche Maßnahnie für ganz Deutschland erwogen wird? Der Kohlenmangel wird auch dafür als Grund angegeben, und die ergentliche Ursache ist wiederum der Mange! an Transportmitteln zur Herbeischaffung der Kohlen. Die Gründe drehen sich umeinander. Von Zeit zu Zeit hören wi-r hie amMche Er­klärung: der Bahnbetrieb leidet infolge des Wagen- und LMomotivmangels, di« Langsam­keit der Reparaturen ist eine Folge des abge- nutzten Werkstüttenmaterials. das nicht erneuert werden kann, weit die Privatindustrie aus Diangel an Kohlen Acht mit volle«! Betrieb arbeitet. Mr haben aber noch nicht gehört, wie die Regierung bald Abhilfe zu schaffen Ledertkt.

Wenn es so weiter geht, schreiten tmr mehr tmd mehr rückwärts statt vorwärts. Die Regierung sollte os nicht dabei bewenden las­sen, dem Abflauen der Energie uachzuaeben sondern sollte die Triebkraft von sich Mit aus­gehen lösten und das Uebel an der Wurzel fassen. Was wir in erster Sinie erstreben urtb erzwingen müssen, das ist die Hebung der Produktion, die Vermehrung der Arbeits­kraft auf allen Gebieten. Lassen wir uns geben, dann kommen wir immer mehr ms Nutschen. Das mutz unter allen Umstünden vermieden werden. Jetzt hsitzt es: nur nicht dem allge- memen Phlegma nachgehen, sondern dagegen stemmen. Was soll denn daraus werden, wenn her Personenverkehr wirklich für einige Wochen -rngestellt wird? Das ganze Geschästsleben, das von Provinz zu Provinz, von Stadt zu Dors sich in weitgehendem Matze auf den per­sönlichen Verkehr ansgebaut hat, muß unwei- Wnchich Nis Stocken geraten und einen unheil­vollen Rückschritt herbei führen, der dem wirt­schaftlichen Zusammenbruch entgegeneilen würde. Man erlebt es ja alle Tage, daß kleine Ursachen große Wirkungen haben können. In dresem Falle würde aber die Wirkung von üblen Folgen begleitet sein. Sorge man also dafür, daß schon Me Ursachen beseitigt werden.

Das alte Sprichwort: .ein Unglück kommt selten allem«, scheint sich wieder zu bestätigen. Neben der Berkehrs--Emfchränknng wird allen Ernstes schon wieder eine Fahrpreis- Erhöhung angekündigt. Das wäre dann mnerhakb eines Jahres der vierte Preisauf­schlag auf Fahrkarten. Noch eh« die kommen­den direkten und indirekten Steuern gesetzlich festgelegr find, wird der Steuer',achter in rmp. ftNdlicher Weise durch Eifenbahn, Post, Tele­graph. Fern-Telephon unh ähnlich- schöne Ein- richturrgen geschröpft. Die jeweiligen Mini­sterien haben w ihr« Betriebszweigen haar- sträubsrtde Umerhikangen festgefftllt und suchen sekkntverMndkich hie wrtwährend steigenden Abgaben durch vermehrte Einnahmen ansgu- gleichen. Aber ist denn diese Preis-rhöhmia das richtige Mittel? Das- scheint mir doch sehr bedenklich. Selbst die ftömursten Lämmer lassen sich nur ungern scheren. Ws zu einem gewissen. Grade zahlt man schon gerne, aber was darüber hinausgeht, sucht man zu ver­meiden. denn es ist nicht Jedermann ein KriegsHewinrtler. Das Publikum wird dann Weniger fahren, schreiben, telegraphiere« ind> sernsprechen. Die erhöhten Preise belasten aber dann am meisten die Geschäftsleute, die dieser staatlichen Einrichtungen zu ihrer täglichen Ar­beit bedürfen. Wie Weir soll die Steigerung der Unkosten für sie noch getrieben werden, und wohin soll es Liüren, wenn dadurch allmählich

hie Waren teurer werde«? Der letzte Preis- aufschkog bei Eisenbau und Post ufw. hat mit Ende dieses Jahres eine Vierteljahr s-Gin- nahme zu verzeichnen, und es wird sich dann schon ein Ueberblick darüber geiviunen lassen, wie Me Wirkung war. Vielleicht zieht, die Re­gierung, bevor sie neue Verordnungen erläßt, diese Erfahrungen zu Rate. K. F. D-r.

3m unruhig« Siußland.

Die Rückkehr deutscher Truppen.

(Pttvat-Telearamm.l

Berlin, 30. Oktober.

Wie aus Mi tau berichtet wird, geht die R ä u- mung des Baltikums weiter vonftatten. Eins neue Wendung Haden die Dinge dadurch erhalten, datz die Mehrzahl der deutschen Truppen, dis kürzlich in die russische Armee über getreten waren, zurückkehren wollen. Die Erfolglosigkeit der Bermondtschen russischen Nordweftarmee hat sie enttäuscht. Deshalb ha­ben sie den russischen Dienst verlassen nnd tref­fen Borbereitun.wn, mit den anderen deutsche« Truppen vom Baltikum letzt nach Deutschland zurückzukehren. Die deutsche Regierung wird dadurch in eine peinliche Lage versetzt, daß sic erklärt hatte, die übergetretenen Truppen nicht mehr als Deutsche anerkennen zu wolle«.

Kampfberichte vpn den Fxonten.

Riga, 30. Oktober. (Eigene Draht Meldung) Bon der Front des Generals Jude­nitsch wird berichtet, daß Strelna und Pe- t-rhof von der NsrMvestrufiifLen Armer wi­der geräumt wurdeit. Oeftlich von Krasnaja Eo-rska finden heftige Kämpfe statt. Nach wei­teren Berichten von der Front ist Judenitsch trotz ferner großen anfänglichen Erfolge in schwerste Bedrängnis geraten. Der Angriff der Baskiren-Krtvckllerftdivision ans Seiten der Bolschewisten hat den schnellen Vormarsch der Kavallerie des Generals Judenitsch wieder wettgemacht. Weitere Baskiren-JnfaNterie- Diviisionen sind im Anrollen auf Petersburg. Durch das Eingreifen dieser Truppen der Sowjetregierung ch den Kampf muß mit einem Gegenfchlag schwerster Art an der Nordwest - front gerechnet werlpen. In einer Rede, die Trotzkp in Petersburg hielt, sagte er: Bis zwn 21. Oktober lag die Jn'chmtive in den Län­den des Generals Judenitsch, Am 22. Oktober gingen wir zum Angriff über. Wir haben dem Feind feine Lautpstenungen entrissen und wenn wir unsere Kräfte iroch weiter anspan- nrn, wird bald der entscheidende Schlag fol­gen. Die Petersburger Menschewiki (Minder heitspatteftn) haben ihre kräftteffft Hilfe an* geboten. Pie Stadt starrt vor Waffen. Von bar Front des Generals Denikin wird be­richtet: Von Kiew bis Zartzyn ist nies her gan­zen Front eine heftige Schlacht entbrannt. Un­öre Truppen sind neuerdings bis zur Stadt Urel vorgedrungen und Mreck Heftige Kämpft in den Vorstädten. Westlftki von Urel, von Doimdlino und Solotare haberg unsere Truppen heute rote russische Schützenregimenter geschla­gen. Zwei BriMdekommmtzdeure, drei Bttg»- dekmnnrissare und 950 Mann wurden gefangen genommen. Bef Nowossile ist der Gegner gleichfalls geschlagen und zieht sich zurück. Die Stccht Jsftrz ist von unser eck Truppen besetzt.

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Englische und srnnzSfischs Schiffe.

Basel, 30. Oktober. (Eigene Drahtineldung.) Nach telegraphischen Instruktionen aus Pari- ind französische Torpedobootszerstörer, die sich an der Mündung befanden, nach Riga abgegan- gen, nm dort mit den englischen Kriegsschiffe« gemeinsam gegen die deutsch-russischen Trup­pen zu operieren.

Lmsvg der Srttvjetreaieruna.

Riga, 30. Oktober. lEigene Draht',neidmrg.) Gsgenwärtig ist der U m zu g de r S o m j e t- regierung von Moskau nach der neuen Re, idenz Jekttwinburg im Gange. Konrmissare der Dowlttreistermia find berftts dort ringe - troffen, nm »ft Nnknnft vorzrrberertin.

Unter der Fremdherrschaft.

FiMzösische Art eile ge^n Deutsche, (Privat-Telegrgmm.:

* Landa«, 30, Oktober.

Da« Kriegsgericht der marokkanischen Divi, stau in Landau iPsplzs hat abermals harte Ur­teile argen verschiedene Personen perhLn-t. Sv wurde der Stadtsekrctär Hirsch von Franken­thal zu einer» Monat Gefängnis und tau­send Mark Geldstrafe verurteilt, weil er Ktua=,

blätter »erteilte. Desgleichen erhielt der Gast­wirt Ober aus Speyer zwei Monate Ge­fängnis und taufen r> Mark Geldstrafe, weix er solche Flughlätter anschlrgen ließ. LÄegen der in Kaiserslautern vor einigen Togen ver­anstalteten Demonstration wurden fünf Arbei- ter-OAeute zu je drei Monaten Gefängnis vemtrteilt. Der 34jährige Kaufmann Gries, der sich ohne Patz über den Rhein nach Mann­heim schleichen wollte, und mit acht Paar Schu­hen beladen war, di- man ihm abnahm, erhielt dafür fünfundzwanzig Tage Gefängnis bei sofortiger Verhaftuna.

MGSrung inßlsatz-Lothrmgen.

Weitere Ausweisimg von Deittschen.

(Privat-Eelegramm.i

Metz, 30. Oktober.

In Metz wurden über hundert Angehörige deutscher Nationalität verhaftet und nach der-Kaserne gebracht. Ihre Ausweisung ist beschlossen. Sie Werden beschuldigt, folgen­des Dokument in den Sftatzcn von Metz itrtb Straßburg verteilt zu haben:Soldaten Frank­reichs! Man hat euch elend betrogen. Einige mteresstetten Kapitalisten haben euch gesagt, hast wir keinen anderen Wunsch hätten, als Franzosen zu werden. Sind wir Franzosen? Nein! Sind wir Deutsche? Nein! Wir sind El­saß-Lothringer. Warum bat man euch betro­gen? Weil eine Kapitalisteygesellschaft die Reichtümer unseres Bodens begehrt, eine Ka- pitalistengesellfchaft, die im Dieuste des Milita- riLmus steht und uns unterjocht,"

NKÄgang unter franzSfischerHsrrschaft

Metz. 30. Oktober. (Privattelrgnmtm.) Das gestrige Metzer Journal berichtet wörtlich fol­gendes: In Metz finden wir einen kleinlichen, aohäffigen. politischen Geist, dem aller wirt­schaftlicher Weitblick aögeht, der die Stadt mit einer chinesischen Mauer von Verkehrsschwftrig- keiten, Paßbeschränkungen und kleinlichen ge­hässigen Schikanen bald ein volles Jahr schon einmauert, der sie geradezu zum großen Dorf heruntergewirtschaftet hat. In Metz trauern Handel und Verkehr, Gewerbe imb Kaufmannschaft, Hausbesitzer itrtb Arbeiter­schaft. Alles öffentliche Leben steht imt Zeichen einer absterbknden Stadt.

Eingriffe in das Privatleben.

Straßburg, 30. Oktober. (Privattelegramm.) Die hier erscheinende ZeitungRepublik" mell, bet, datz einem elsässischen Beamten bei der Stromverwaltung von seinem Vorgesetzten er. öffnet wunde, er würde seines Postens entho. ben. wenn er die Verlobung mit einem deutschen Mädchen, das eg im Kriege kennen ge­lernt hat, nicht löse.

ZK ArbetterLeÄegung.

Internationale Konferenz in Amerika.

(Eigener Drahtbericht.)

Haag. 30. Oktober.

Die internationale Arbeiterkonferenz wird heute in Washington eröffnet, ohne daß die Vereinigten Staaten, die sie ernberufen ha­ben, vertreten sind. Dies ist auf die Weigerung des Kongresses zuriickzuführen, einen amtkichen amerikanischen Vertreter zu ernennen, bevor der Friedensvertrag durch Amercka rattfiziert ist. Dft finanzielle Unterstützung der Konferenz durch dft Bereinigten Staaten ist ebenfalls in Trage gestellt, da der Senat die von Wilson bewilligten zweihundcrttaufend Dollars auf füufundsiebzigtaufend Dollars herabgesetzt hat und dabei so engherzige Bedingungen über die Verwendung des Gttdes vorgeschrieben hat, daß dadurch die Verwendung als praktisch undurchführbar angesehen werden muß.

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Ausdehnung des Streiks.

Basel. SO. Oktober. (Eigener Dnchtbe- rickcht Den Stahlarbeitern und den Bergstuten, die sich «och brt Ausstand befinde«, werden sich die Angestellte» der Eisenbahn anschliesien, wenn ihr- Forderungen nicht durchdringen In pftrzehn Tazcn werden in den Bereinigte» Statte« zwej Millionen Arbeiter in bat Streik treten, h cpn dft gegemsärtigen Differenzen zwiselftn bflt Arbeitgebern und den Arbettnch. mern in der Jnduftrft nicht gelöst werden kön­nen. Wilsons Drohuna. der Staat weiche int Streikfalle dft Kohlens ftrunz über- nel-men, blieb eindruckslos bei de« Berg leuten. da nur wenne Arbeitswillige verfüg­bar sind. Das Bierörauen würbe eingestellt, die Wirtschaften sind czeschlosien

Zestfchlands Zukmft.

Rede des Reichsministers Koch in Saffek.

Nachdem der seitherige Oberbürgermeister Koch sich am Montag von der Stadtverordn»- ten-VL-rfamMiluug verabschiedet hatte, nahm er gestern noch Gelegenheit, von der Bürgerschaft, namenttich von denen, dft zu seinen poljtijÄ-ert Anhängern gehören, Abschied zu nehmen. Dft Demokratische Parfti hatte eine öffentliche Ver­sammlung in dft Stadthalle einberufen, deren großer Saal überfüllt war. Rach eimgen Wor- ten des Vorsitzenden der Partei sprach Reichs- Minister Koch über »Deutschlands Zukunftt. Einleitend tat er noch einen Blick ist die Ver­gangenheit urtd Gegenwart. Er streifte dir ttostlose Lage mit den zerrütteten Finanzen, der Kohlennot, dem Transporftlend, der Ar­beitsunlust. und, was fast noch schlimmer ist mit dem Taumel und der BergnüWngssucht. Daneben beklagen wir den Verlnst zweier wert­voller Güter; der früheren Ehrlichkeit und Un­bestechlichkeit unseres Volkes. Fragen wir nach der Schuld, daß alles so gekommen ist, so dürfen wir es nicht allein der Revolutton zuschreibe«, sagte der Redner. Schon während des Krieges seien diese Schäden entstanden. Damals tauch­ten die Kriegsgewinnler auf. denen später d« Revolutionsgewinnler nacheifetten. Gewiß seien die Kttegsgesellschaften unhaltbar, aber thr Abbau könne nur allmählich erfolgen. Dft Frage nach der Schuld am Kriege überhaupt und an seiner Verlängerung liege ja nun eineni Ausschuß vor. Die Untersuchung werde men-" ches wertvolle Material erbringen, aber das alles habe nur einen sehr begrenzten Wett, denn mag das Ergebnis sein wie es wolle, die Hauptftage bleibe doch die, daß unser VoC während der letzten dreißig Jahre nicht richtig geführt worden sei. Die beiden Hauptfehler seien gewesen: in der äußeren Politik dft schwankende Haltung, bald Drohe« und Säbeb rasseln, bald ungestümes, aber ettolgloses Wer­ben um Freundschaft: in der inneren Politik das Fehlen einer geschlossenen Einheit. Die alte Regierung habe nicht verstanden gehabt, die Arüetterklasse richtig zu behandeln. Heute frage es sich nun:

Wie ist dem Batettande zu helfen?

Man dürfe nicht verlangen, dass ein Mann alles in drei bis vftr Wochen aufbauen solle, was in Jahren zugrunde gegangen sei. Krittk, tote ic von der rechtsstehenden Pattei geübt werde, ei leicht, aber nützlicher wäre dft Mitarbeit. Der Redner erklÄrft dann seinen Standpunkk über Monarchie und Republik. Er habe viel ungerechte Kritik zu hören bekommen. Er be- iche auf seiner Ansicht, datz man heute nicht mtt dem Gedanken der Wiedereinführung der Monarchie spftlen Sürfe. Ein Monarch, der nur. der Spielball seines Kammerdieners wäre, könne dem Volko doch nichts nützen. Lütte dis alte Regftrung sich rechtzeitig besonnen mid dem Böcke größere Freiheit und Mtbestimmungs- rechte gewühtt, dann Wäre die Monarchie noch zu retten gewesen, aber jetzt sei es zu spät. Es fei überdies ein Verbrechen, von der Wieder­einführung der Msnarchie zu reden, während uns die Faust des Feindes an der Kehle sitze, der uns, falls die Monarchie oder die Revanche­idee die Oberhand gewinnen könnte, vollends vernichten würde. Außerdem würde durch eine Monarchie nur die Reichseinhett gefährdet, do dann dft Sondettnteressen der Fürsten wieder zur Gelttmg kämen.

Nur dost Bott selbst könne sich helfen.

Der Einwand, datz das DE dazu nicht reit sei, werde gerade von denen gemacht, die das Böck unmündig gemacht hätten. Jetzt solle eS mündig werden und zur Selbsthilfe erzogen werden. Das Voll müsse sich etrtporarbeu«« durch PflichftrfWung, Jeder an seinem Platze. Auch in der Regierung müßten alle Schichte« des Volles vettrtten fein. Eine Regierung ohne Arbeitervettreter sei nicht mehr denDar, aber auch eine Arbeiterregierung allein fei un­möglich. Pft Sozialdemokratie fei den bürger­lichen Parteien gegenüber noch mißtrauisch was aber eine Fqlge der früheren Behandlung sei. Dft Kritik der rechtsstehenden Parteien fee ungerecht, persönlich nnd gefährlich, berat aus dem Zwist der bürgerlichen Parteien würden gang Andere den VotteÄ ziehen. Die Demo­kraten hätten cs für ihre Pflicht gehalten, in die Regierung einzutteten und taSräftig mit* znarboiftn. Um praktische Arbeit zu leiste«, fei es nötig, Kompromisse nl schließen, sich zu ver­ständigen. Unsere WirtschastslnAe fei jetzt von Grund aus neu auszubauen. D'e Avargs- wittschaft, die im Kriege infolge der Blockade unvermeidbar war, solle wieder in eine freie Wirtschaft umgewandelt werden und pvar in allmählichem Abbau. Dagegen fei es gut, einzelne Großuniernchmen, wie Sttaßenbuhn. Theater, Kino usw., zu romnmnalisieren. Dft Sozia Xi sterung dürfe nicht ko weit gehe«, daß sie nur auf eine Forderung höherer Löhne t hinaus laufe. Ein schrottrigcs Kapitel fei das Berriebsrätegcsetz, das viel umstritten