Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 276
Drerrstag, 28. Oktober 1919
9. Jahrgang.
Fernfvrecher 951 und 952
Fernsprecher 951 und 952.
Vie-erbegmn -es internationalen Handels
Deutsche Vrrd3chtig«r»g «nd Hetze.
gnletnoneprttfe 3X« ftcbengefpalteu gtOt fta «mbetmtfd)« e*»4fte M ®fg. f6t aa*> n> fertige Styetgen 35 Pf. «ettomyelU für *tnfretmtf<6« SefdjdfU n» Pf, für --Swür«-, Lrschäfte l Ar . einfach« 9«i logen werde» ntlt s Mark vro Lausend berechnet, eiter ett W**, Teucrun i ».Zuschlag. Bet nebenntttlimg oon Anzeigen tmf tetept Wege rotes für durch HSe» fetter Seenot geratene Orrtümcr tetaertei Haftemg übernommen. Für »!e «ufnabme oonSnjelsea an bcfllmmten Segen ober Plätzen wirb tetae Gewähr geleistet. Geschäftsstelle l>latsch, etc. 5.
Die «afietei ftenei en Vlo<tr«tten erscheme» wochenttto sechsmal und zwar a be ■ b 6. Der ebonnememspreis btercgi nionatl 1M Mark bei freier ftuheUune* In« Hau« BefteUungen »erben ederzen oon ber SelchäftSftelle ober den Boten entgegengenommen. 1 tu cf er ei, Bering und «ebaliion Lek lock tdoffitobe «/so. Für urroeriangt efngefanbte Beiträge tann die Redaktion eine L erontwortinig oder Eewähr in feinem falle übernehmen. Rückzahlung des «eMgSgeldeS ober Ansprüche wegen etwaiger n dl erbmmg$mättgcr Bitterung ausgeschlossen.
Grunde wenig Interesse atigewinnen, wenn nicht Vorsorge getroffen würde, daß den Per- kehrsstörvngen und der allgemeinen Verkehrs n o t, unter der wir gerade jetzt.zu leiden Haden, ab geholfen werde. Doch auch hierfür sind umfassende Maßnahmen getroffen. Dom Re ichSvcrfd-rSminister ff im werden beson- sere Gesetze und Verordmrngen erlaflen, die die UebelstLnde beseitigen und der allgemeinen Veriehrsnot steuern sollen. Dolche Be- 'iffnntuneen sind dringend nogvendia, denn von einer schnellen Wiedererboftmg unseres Verkehrswesens bä not für uns alles ab. Ru-be und Mcherheit int Lande werden nur verbürgt wenn das Volk genügend und hinreichend mit den- Bed-arfSoegenW?.den, die eS zum nottven- digen Letiensuntz rbolt braucht, wie Lebensmit- ♦ef. Kohlen und and-ren Brennstoffen, versorgt werden kann. Wir hoffen, daß eine utnfid'ti-rc Leitung in unserem Reichsverkehrsamt hier die Mittel und Wege anoibt, die zu einer Besserung unserer Lage führen.
Die deutschen Truppen.
Berlin. 27. Oktober. (Vrivattelegramm.) Nach Meldungen von der Ostgrenze haben sich von der eisernen Division siebentausend Mann den allgemeinen Heimtransporten der im Baltikum noch stehenden deutschen Formationen angestossen. Am Sonnabend früh hat der zweite Transport der beimkehrenden deutschen Truppen die Grenze überschritten. — Aus Mi tau wird gemeldet: Litauische Truppen haben die Postierungen der deutschen Radfahrerkompagnie Juborz in Szyn- kafzie an der Straste Borki-Rosllnic überfallen, nachdem sie vorher die Telephonleitungen Juborg-Szvnkajzie durchgeschnitten hatten. Bei dem Neberfall wurden vier Jäger getötet und sieben werden vermißt. — Nach einer Depesche aus Paris hat der Kriegsrat der Alliierten einen neu.en Beschluß über die Räumung der baltischen Länder durch die deutschen Truppen gefastt. Der Beschluß verlangt die Räumung innerhalb drei Wochen.
um Aufklärnngüber di« neutralistische Bewegung im EUrß ersucht. Es soll festaestellr worden sein, daß der verhaftete Ingenieur Keß. ter mit dem im Auswärtigen Amt in Berlin angestellter Grunelius in regelmäßigem telegraphischem Verkehr gestanden habe. Dem „Journal" zufolge soll Marschüll Fach schon vor einigen Tagen an die deutsche Regierung eine Note gerichtet haben. Wie die hiesigen Blätter melden, sind die Straßburger Handelshäuser vom Gener.rKommiffariat aufgefordert worden, zum 15. November sämtliche deutscheAnge- stellte zu entlassen. Millerand hat die Ausweisung der letzteren beschlossen, die inner- HM> weniger Wochen durchgeMhrt sein muß.
JasvsmKrirgverfMeRußlkvd.
Weitere Kämpf« um Petersburg.
lEiaene Drabtmelduna.l
HelsingforS, 27. Oktober.
Wie gemeldet wird, greifen die Bolschewist e n an der Petersburger Front mit starken Krifften an. In militärischen Kreisen wird angenommen. daß die Offensive des Generals 'Judenitsch vorläufig beendet sei. Ein norwegisches Blatt meldet aus sicherer Quelle, daß Frankreich kräftige Unterstützung für das Früh- iahr (?) dem General Judenitsch zngesaat habe. Ferner wird gemeldet, daß die Bolschewisten in den Kämpfen um Petersburg Tanks ins Gefecht brinoen wollen, di« sie selbst gebaut haben. — Der Korrespondent der „National Tidende" in Reval telegraphiert, daß nach nicht amtlichen Meldungen Ghora von Judenitsch eingenommen worden sei. Der ganze Stab Trotzkis soll bei Zarskoj- Ssclo gefangen genommen worden fein. Trotzki selbst gelang es, zn entfliehen und nach Petersburg zu entkommen. — Die Londoner Zeitung „Daily Mail" meldet: Für den gesamten Bereich der russischen Sowjetrepublik wurde von den Alliierten der Kriegszustand vekhängt.
WeltafttrtnWmm des Handels.
Eine Zusammenkunft in Holland.
«Eigener Tr.-ififb-riet-
Amsterdam, 27. Oktober.
Wie verlautet, wird i« der ersten Rovenrber. wache in Amsterdam eine Zusammenkunft von Mitgliedern der. Hochfinanz und des Hande'S von Holland Frankreich England, Schwede« und anderen Staaten starfinden, zur Bera- tnng von Maßnahmen Deutschland in fei» neu Finan'fchwterigkeitrn entgeaenzukinmnen imb den MarkkurS im Ausland zu beff-rn. — Die Errichtung einer ft-anzSflsch-englischen- italienifchen Handelskammer in Ber- lin ist von der Ententekommifssou am 1. Ta murr vorgesehen. Die Räume der französischen Handelskammer wurden provisorisch in daS französische Bo fchaftSgcbäude am Pariser Platz in Berlin geleatz
GSruyg in Wgß-MhnWM.
Die Selbständi gftitS-Destrebungen. lPrivat-Telearamm.t
Straßburg, 27. Oktober.
Laut den neuesten Nachrichten werden die Haussuchungen wegen der Selbftändigkeits-Be- strebnngen unter dem Befehl des Direttors der Straßburger Spezialpolizei, Schwab, fieberhaft fortgesetzt. Bisher sind vierzehn Personen. darunter fünf Deutsche, verhaftet. Etwa hunderttausend direkt aus Deutschland eingetroffene neutralistische Flugblätter wurden bei einer Haussuchung beschlagnahmt. Weiter berichten die Straßburger Blätter, daß auch in einer großen Anzahl anderer elsässischer und lothringischer Städte die Haussuchungen fortgesetzt werden. Man hat unter anderem tu Kalmar und Metz Werbcplakate anfgefnn- den mit der Auffchrift: „Die neutrale Republik Elsaß-Lothringen". Ter fran»ösische Deputierte Longuet hat beim Generalkommissar Millerand AMage gegen disjemgen erhöhen, die ihn in! Straßburg beschuldigten. an der Antonomiste oe-schwörung beteiligt gewesen zu sein. Millerand sagt« die Einleitung einer N«ers»ch«ng zu.
Verbot des SchMerfttelks.
Ei« Erlaß M Ministers Haenisch.
Dor Minister für Mssenschaft. Kunst und Volksbildung har am 16. Oktober 1919 unter U. II. Nr. 2186, 1., folgende Verfügung erlassen: .Die Fälle mehren sich daß Schüler ho-
Folgen der Kohlennot.
Lauda«, 27, Oktober. sPrivattelegramm.) Infolge der Koblennot und Elektr'zitätSsperre liegen in Kaiserslautern, Ludwi-Shgfe» und Pirmasemz gegen vierzig Großbetriebe still. Mehr al« zehntausend Arbeiter find «- zwnnoen, zu leiern. Der Reaiernng«dirMor der P'alz bat an den ReickSkommiffar und an das franzvsffche Oberkommando e n Telegramm gerichtet, worin er auf die Gefahr der Lage in der Pfalz hinweist, falls keine schleunige Bes-
Aus dem besetzten Gebiet.
Unstimmigkeit unter den franzSsischen Führer«. lSiaene Drabtmelduna.l
e Mainz, 27. Oktober.
Mr General Mangin plötzlich aus Gründen, die immer noch mcht bekannt sind, Mainz verlaßen mußte, wurde amtlich mitgeteilt, daß er das Oberkommando im Baltikum übernehmen solle. Jedoch wurde,' wie schon mttgeteilt, die Bestimmung ebenso plötzlich wieder zurück, genommen und man stellt Vermutungen an, was hinter diesen Vorgängen stecke, weshalb fort einst so gefeierte General so mißliebig g-word«n ist. Nach. Meinung des .Journal' soll General Mangin die Berufung 'ns Baltikum abgelehnt haben, weil er die Schwierigkeiten vorausgesehen hab«, die sich im nähere« Zusammenarbeiten mit den Deutschen ergeben müßten. .Jntransigeanff glaubt zu wissen, daß zwischen Mangin, d m KriegSmi- nrsier und Clemeneeau schon seit längerer Zett etwas nicht gestimmt fwbe und daß <-z letzt zu einer heftigen persönlich rn Auseinandersetzung in Paris gekommen sei.
Straßburg, 27 Oktober. fPrivattriegrannn.s Die franzsstsche Regierung hat den deutschen . .....
Bcvsür ächtigteu in Paris, Herr« von Leosner,; ser>u-.g is ist Kuhlenzufuhr «ixtot.
Verkehrs-Probleme.
Eisenbahn, Schiffahrt, Luft- und Kraftsabrwesen. • Unsere innerpokitische Lage, die ständig mit den wirtschaftlichen Röten zu kämpfen hat, hängt unzweifelhaft mit den schlechten Ver- kehrsverbältnissen zusammen. Wenn wir aus der allgemeinen Rot berauskommen und eine Katastrophe i-m kommenden Winter vermeiden wollen, bann müssen schleunigst Maßnahmen getroffen werde um unsere jetzigen Verlehrs- verbälttffsse aus eine ganz andere Grundlage zu bringen Diese Ausgabe beschäftigte am ©opnvrbenb -eingehend die Ratiouatversamm- lun • Der Re i chsDerkebrsminister Dr. Dill, der vor 'nem erst seine Tättckcit als Kolonialmini- er beendete und nun das neue V'rkebrs- min sterium übernommen bat, entwickelte in einer Proarammrede die neuen Pläne. Unser gesamtes Verkehrswesen krankt noch vielfach daran, daß die einzelnen Vevlvaltungszweige auf bestimmte Ressorts verteilt sind, und infolgedessen der ganz« Verwaltungsapparat ti'e? zu schwerfällig ist und zu langsam arbeitet. Dem Uebelstande soll nun endlich abgeholfen werden indem man die Verkebrsmittel vereinheitlicht und unter eine Verwaltung bringt, nur die Reichspost wird ihre eigene Ver- waltnng behalten. In der .-zeit bis zmn 1. April 1920. die als Uebergangszeit gedacht ist. soll die Verernüeiüichung der Eisenbahnen und Binnenschiffahrt durckaefübtt werden. Das Reichsve rkebrsministerinm, das mit der schw ierigen Aufgabe bei raut ist. unser Verkehrswesen wieder zu beben ist zweckgemäß in drei große Abteilungen geteilt worden, eine für .das Eisenbahnwesen, dke andere für unsere Binnenschiffahrt und die dritte für Kraftfahrwesen und Luffsch'ffahrt. Die Eisenbahnabteilunq hat die Äufqa-be des früheren Reick'seisenbahnministeriums zu erfüllen, also die Regelnde des gesamten Personen- und Güterverkehrs. -»r ist gleichzeitig auch die Liquidation der Sffaß-Lothchngischen E'sen- bahnen überttagen. Diese Aufgabe ist besonders schlvierig, da der ganze Berwaltunas. und Anaestellteuaziparat aus den früheren Reichslanden übernommen werden muß. Etwa ffinf- tausend Familien au? dem Elsaß Watten aus Unterkunft und Beschäftigung in Deutschland, doch g-lang es, schon achtzig Prozent der Arbeiter und etwa siebzig Pr ozent der Angestellten und Beamten wieder bei der Reichseisenbahn -u beschäs iaen.
Der Sckstverpunkt aber l'egt in der Verein, heitlichung des Eisendahnwesens Au dem Awecke sind besondere Fach- und Ueberleieunas- r.usschüffe eingerichtet worden, die von den Ver- ttetern der einzelnen Länder — den früheren Bundesstaaten — unter dem Vorsitze Preußens zusammengesetzt sind. Wie groß u-nd umfassend diese Aufgabe der Vereinheftffchung unserer Effenbahnen ist, wird ersichttich, wenn man bedenkt, daß ein Beamtenapparat von e:ner Million Angestellten mit einem Bettie^sapital pon zwanzig Milliarden Mark erforderlich ist. Die notwenÄgen Vorarbeit-n für diese Ausgabe Jnd bereits eingeleitet, doch kann von e'nem hgerundeten Programm vor Avril IM) bei dem gewakttgen Umfang der Arbeiten nicht die Rode fein. Eine besonder» Aufgabe erblickt das Reick»sversehrsministeritmn ht der Organisation per Beamten und Arbeiter. Diese soll In engster Verbindung und Fühlungnabme mit »eit beteiligten Kreisen, den Gewerkschaften und »ngestelltenverbünden. durchgefiibtt werden. Auch eine besondere Tattspolitik soll dem Wunsche der Angestellten und Arbeiter gemäß bettieoen werden. Für die Elektrisierung lmserer Effenbahnen sind die ersten Schritte schon unternommen worden Das deutsche Effenbahnwesen soll auf diesem Gebiete für die ganze Welt vorbildlich werden.
Schwieriger wie bei der Effenbahn liegen ite Verhältnisse im Schiff.'hrtswesen. Bei den vielen Wasser- und Derkehrssttaßen ewsereS Landes haben wir kein staatlich-s. gut zrgaiMettes SchiffahttSwesen. Fast alle Trans- «wtschiffe befinden sich in den Händen weniger Privater. Mit diesen sollen besondere Detträge zchgeschtlossen werden, die daraus binauslanfen, *as Schäffstransvortwesen unter Reich Aeituna pi bringen. — Eine besondere Neuerung auf Km Gebiete unseres Verkehrswesens bildet die Vereinheitlichung des Sufi« und Kräftig h r w e s e n s und deren Uebernahme aus das «eich. Tas Lustamt, das bereit? früher beim »eichsMnffterium des Innern bestand, ist vom steichsverkehrsministeriuM überno-mmen und ptrt dem Krastfahrwesen zu einer Abteilung Krbunden worden. In nächster R ;it schor wird rr Nattonalversammlung ein besond-xxes uftrechtSaesetz vorgel.nf werden, in welkem die Richtlinien füT d.e Lnf sftkfkahr! geeeben sind. Durch Betträge und AickonKnen Nit anderen LS dem gofft man sodann eine befördere Regelung des internationalen Lust- rechtS d»rrchpftihren, und so eine enge Verbindung von DE :it Dost herzustellen. — Alle diese Neuerungen könnten unteren: PoLe i»
Ratksnalversammlms'
Aufrüttelung aus her BerkehrSnot.
> Berlin. 26 Oktober.
Das neue Reicksverkehrsministerium, das ’ Minister Dr. Bell übemommen hat, mach, ihm schwere Sorgen, wie aus seiner Rede in ' der Sonnabend-Sitzuna üervorgeht. .Mit gemischten Gefühlen,» wie er eingangs sagte, sind doch Preisnot, Wirtschaftsmedergang, Geldeittwertunq. Arbeitsunluft, Kohlenmangel, Verkehrsstockung üble Tguspaten. die an der Wiege des neugeborenen Verkehrsministenums nicht gerade glückverheißend erscheinen. Aus der Umgrenzung der Arbeitsgebiete, die in das Eisenbahn-. Wasserstraßen-, Luft- und Kraft, sohrwesen zerfallen, ergibt sich ein Geschäftsbereich. dessen Ausmaß und Tragweite kaum noch übertroffen werden tann. Stern des Arbeits- programms fft die tunlichste Zusammen- schließuna aller V erkehr smittel. Bis zur Uebernahme der Landeseisenbahnen w-rd der Geschäftskreis der Reichseisenbahn- verwaltuna eingeschränkt fein und in drei Gruppen zerfallen. Zunächst sind die Aufgaben des bishettgen Reichseisenbahnamtes fottzu- fübren. dazu gesellt sich die Liquidation der ReichSsisenbahnen ht Elsaß-Lothringcn. die mir Veranlassung gibt, von Herzen kommende Absch'iedswotte an die Verwaltung zu richten. > Redner spricht den elsatz-lochringischen Eisenbahnern Dank und Anerkennung aus und verspricht den in das Reich zurückkehrenden Eisenbahnern. für sie zu sorgen. Er bespricht dann die rechmschen Einzelheiten des Uevergongs der Staatsbahnen in die Reichsverwaltung und der inneren Einrichtung des Reichseisen- babnministerrinms. Er verspricht u. a„ daß aitch Techniker und Richtakademiker in die ober st en Berwaltungsstellen rücken sollen. Der Minister wirst alsdann einen
Rückblick auf die Einheitsbeftrebungen des deuffchen Eifenbahnwesens und weist auf die Kehrseite der Medaille, die schleckte Finanzlage der deutschen Eisenbahnen hin. Er spricht dann über die Beteilimtna des Personals bei der Effenbahnverwaltnng. Die bisherigen gelegentlichen Besprechungen mit Vertretern der Organisationen haben unS zrt einer erfreulichen Klärung und der FeWellung eines wechselfeitiaen VettrauenSverhAtnisses mft zielbewußter Gemeinschastsardeit geführt. Die konstituierende Sitzung soll in Kürze statt- finden Redner bespricht dann die Schwierigkeiten einer vernünftigen Tarispolftik und kommt dann auf die Uebernahme der Wasser- Kraßen in die Reichsverw.iltuna zu sprechen, ferner auf die Verkehrsnot, und wie er ihr zu steuern suchen will, Aufrüttelung und Anspannung aller Glieder sind die Heilmethoden, um den Kreislauf des Blutes zwffchen Wittschaft und Verkehr zu verjüngen und . den gebrochenen Volkskörper langsam, aber sicker wieder zu beleben. <Lebl Beifall.)
Präsident Fehrenbach teilt mit. daß bei äußerster Beschränkung der Redner und unter Zuhilfenahme der Vormittage der Etat bis Donnerstag erledigt »erben und dann eine Panse von vierzehn Tagen eintreten kann. — Abg. Kotzur: Im Westen Denffcklands zeigt sich eine Korruption im Eisenbahnwesen.. Ganze Eisenbahnzüge werden verschoben. Die Besteckungsgelder. die den Beamten gezahlt werden, werden mit sechzig MiMoneu monatlich berechnet. Redner ist gegen allzu viele Beiräte, aber Kr daS Mitbestimmungs- reckt der Arbeiter rmd Angestellten. Er greift den frittieren preußischen Eisenbahnminister v. Breitenbach an. — Ab«. Schirmer (Zentt.) drückt insbesondere dir Bewrchtungen der Süddeutschen bei einer allzu straffen Zentralisation des Effenbahnwesens aus. Er wendet sich gegen den politschen Terror. — Verkehrsminister Dr. Bell antwortet dem Abg. Kotzur auf einige Vorwürfe und stellt sie richtig. —. Ahg. Zöpfe! (Dem.): DaS Ministerium sollte längst über die Vorbereitungen hinaus sein, ein Teck- miker aebört an seine Spitze. Er spricht anerkennend von der Tätigkeit des MiEers Breiten- back. — Abg. Deglerk (Dtschnatl.) greift den Verkehrsminister als einen Ricktfachmann an, der sein? Ziele in der Verkehrsverwaltung noch nicht angegeben habe, so daß die einzelnen Ausschüsse nicht arbeiten können. — Minister Dr. Bell verteidigt sich fchr energisch gegen seine Vorredner besonders Deglerk. — Danrtt ist der Haushalt der Reichsverkchrsministerium-' in zweiter Lesung erledigt. — Nächste Atzung Montag: Beratuna deS Haushalts des RetckS- wirtschattSministernrmS.
@in Wchss stegeu Die Regienrng.
Haltung des Münckener Katholikentags. lPrivat-Telegramm.i
■ München, 27. Oktober.
Erzbischof von Faulhaber nahm aus dem Münchener Katholikentag, der viele Taufend Zuhörer im Zirkusgebäude zufammenführte, Geleoenheit. gegen das neue Regime Stellung zu nehmen. Die neue Reichsverfassuug habe mit ihrer Beftimmuna über die Schule den Katholiken den Kampf angesegt und diesen werden sie durchkämpft'n. möge kommen, was da wolle. Die Verfassung habe kein Recht dazu die Staatsbürger auf die neue Eidesformel: „Ich schwöre" zu verpftichten. Ebenso verhalte es sich mit dem Eid auf die Steuererklärung. Jeder Gläubige habe das Recht, zu sagen: „Ich verweigere den Steuereid"'. Die be'ttigen Mack'thaber glauben Schachspieler zu fein und die Kirche "matt" zu setzen. In Wirk- lichkeit seien sie aber selbst die .Mattgesetzten". Der Erztiffchof bezeichnet schließlich die Nachricht von. dem schwebenden Plane über die Bildung einer katholischen Donau-Monarchie, der der Vattkan seine Unterstützung leihen solle, als infame Untoatirtieit.