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Hessische Abendzeitung

Nummer 274,

Sonnabend, 25. Oktober 1919

Fernsprecher 951 uns 952.

Fernsprecher 951 und 952.

9. Jahrgang

Stt eeffd« Rtuefien Boftridjtm tttodneuwöchentlich KLSm-I Hxb Mar ab«nb* Sei abennementStnetl betrüg! mtmotL I« Start bet freier Klstellu», Ins Ha«, Befiellwr-en werten jrtajrtt non d« »efchSftrv«°e ober den «taten entgegengenommen. Sr»<te?el.

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Meter NeRste Nachrichim

________ Kasseler Abendzeitung

Gesetz gegen Wucher und Schiebertum

zur

Warnung gegen den Streik.

Angriff auf Petersburg.

HelsiugforS. 94. Oktober. Mgsne Drahtmelduny.f Reuter berichtet: Der Angriff auf Petersburg schreitet fort. Am Mittwoch früh war Petersburg in xefjn Kilometer Umkreis vollständig umzingelt. Aus dem frmrzSsi- si^u Hafen Brest sind französische Trup­pen nach der Ostsee eingeschifft. Ähre Absen­dung erfolgte auf Verlangen des englischen Be­fehlshabers vor Riga. Die Londoner Zeitung Dailytzstoil" meldet: Ein Geschwader engli­scher Marineflieger hat am Dienstag Petersburg überflogen und Bombe» abgewor- fen. Tie Flieger wurden von den Autzenstadt- teilen her stark beschossen. Südöstlich von Pe­tersburg wurden bolschewistische Kolonne« im Anfnr-rrsch vorgeheud beobachtet,

Kriegsgericht gestellt. Die Vcvöffenrng ist trotzdem entschlossen, den Streik durchzuführen.

ta mmihszr Snfttonb.

Kampfberichte von den Fronten.

lVrivat-Telcaramm.i

Berlin, 24. Oktober.

Wau» tritt der Frieden ein?

®rr. f, 24. Oktober. NLigetrer DftGftcrMsi Der Rat der Alliierten hat über den ZvitPmM, wann der Frieden mit Deutschland inkrast

Wrrchsr- «rrd ZchreSsrAMsssV.

Gesetze gegen den Schleichhandel.

sPrivat-Telearamm.1

Berlin. 24. Oktober.

Im Reichs-Fusti/,Ministerium ist der Ge-

etoigeu* Frieden anstrebt. Für solche Begriffe reicht Menß'vnkraft nicht aus. Lenken totr nur ttt^er und ter nüchsten Keneratüm Geschick in die rechten Bahnen: was später »Stig ist, wer- den die Jüngeren schon seLer tun; und sie tun es sicher anders als wir chrron raten würden.

Eime Friede-rsgeftchschaft soll also den nüchst- stegenden Zweck verfolgen, daS heißt, die heu­tig «.Politik beeiwfSussen. Wer nLSt nur wh MS i^Oande, -mdern viel mehr h-»i un-

gesetzt werden soll, n >- ch keinen Beschluß ge­faßt. Der Rat der Alliierten wich erst in seiner Sitzung am 31. Oktober die RatiftkationS- urknnden Frankreichs. Englands und Italiens Kenntnis nehmen.

cherwesen. der erhöhte Zuchthausstrafen gegen diese Delikte vorsieht, sertiggeftellt. Er geht noch vor Weihnachten der Nationalvere-nnn- lung zur Verabschiedung zu. Vom besetzten Gebiet wird aus Speyer gemeldet: Zur Be­kämpfung des Schleichhandels, des Schmuggels und Wuchers mit Lebensmitteln hat die Re­gierung der Pfalz» im Benehmen mit der BesatzungsbehSrde eine Reihe durch­greifender Maßnahmen beschloffcn. Der Grenzschutz wurde zunächst bedeutend verstärkt. Ferner werden ans den Straßen und Bahnhö­fen mehrere hundert Kontrolleure neu arzfge- stellt. Die Verstärkung des GendarmerickorpS wird nach Inkrafttreten des Friedensvertrages sofort durch»eführt werden.

Reve Fikaszwrrtschast.

Bon Staatsminister Dr. .tzekffexich.

3" ixm foeben erschienenen Heftso. Jahr, »ander»-. Vertag Angus» S«er!, Berlin, ent. «fielt der frühere SUionitmttiftcr selsferich eine offene Kritik en den heutigen Zusts'-Sen, woraus wir folgenden Auszug enlnrhnie« : Unsere Finanzmisere wachst von Tag zu Tag. Und von Tag zu Tag zeigt derblutige Dttet- tantisnms" ein Wort des demokratischen Ab- geordneten Frsed-bergl der heute in unserer Fmanztoirtt'chaft wie. in der ganzen Verwal- tun« und Politik regiert, in mmer erschreclen- derer Form seine vollendete Unfähigkeit, mit der Riesenaufgabe der Neuordnung der deut­schen Finanzen fertig zu werden, ja diese Auf­gabe auch mir in ihrem Wesenskern zu erken­nen und zu begreifen. Ter Steuerausschuß der Natioualversm;rmlung berät über das Reich s- notovfer. eine besondere Konferenz berät über die.,Hebung der Valuta, der Reichsfi- nanzministcr kündigt eine »Prämien» und Dparanleihe" von 5 Milliarden Mark an, ohne daß sich irgend jemand von den Verant» wörtlichen um die Voraussetzungen kümmert, unter denen allein irgendwelche Maßnahmen und Opfer mehr sein können als elendes Flick- und Stückwerk, als Aufwand, der umsonst ver- tanwird. Diese Voraussetzungen sind die -endgWltig» Regelung unserer finanziellen Ver­pflichtungen gegenüber der Entente, die Durchführung der äußersten Sparsamkeit in den öffentlichen Ausgaben und die Ausstel­lung eines Gesamtplanes zu deren Del- kung. Keine dieser Voraussetzungen ist bisher erfüllt, ja auch nur in Angriff genommen wor­den. Der Reichsfinanzminister, dessen verhäng. niShnSter Tätigkeit der Ilmfall des Zentrirms in der Unterzeichnungssrage und bämi die Un­terzeichnung des

Blankowechsels für die Kriegsentschädigung etwas anderes Ist die sogenannte »Wieder­gutmachung^ nicht in erster Reihe zu ver­danken ist. zeigt keinerlei Eile, das damals sträflch Versäumte nachzrcholen und mit den Ententemtächten über Höhe und Zahlungsart der von uns übernommenen Kriegsentschädi­gung zu eine? Einignng zu kommen. Es be­rührt ihn offeiAar nicht, daß der französisch« Minister für Wiedergutmachung. Herr Loucheur, in offener Kammersitzung verkündigt hat, Deutsclfland werd- für dieWiedergutnmchung* vom Jahre 1921 an 18 Milliarden Gold franken

Der Oberbefehlshaber der Meinarmee, Gene- raAeutwant Michel, hat eine Verfügung erlassen, in der ans Gruitd des Waffenskillsraudsvertrages Etsenbahrrbeamte und Arbeiter airs- gefovdert werden, aus ihren Poften zu bleiben und sich als girsgeboten zu betrachten. Wer die- tzW WmLrw-m nicht nachkourm-, werde vor ciu

Bei der nifsischcn Zeitung »Prpsciv" sind folgende Berichte von den russischen Kamivfi fronten vom 23. Oktober eingelaufen: Front des Generals Judenitsch: Ans der ganzen Front dauerte der Kampf mit dauernder Heftigkeit fort. Unsere Truppen sind ungeachtet des hart­näckigen Widerstand»; des Gegners bis zu den Putilow-Werken und bis zur Moskauer Wache vorgedrungen. Außerdem sind unsere Truppen aus der Petersburger Chaussee vor ge­stoßen und haben das Dorf Slawjanka besetzt. Unsere Kavallerie betätigte sich im Raume von Poletina Md ist bestrebt, die letzte Verbin­dungslinie der Nordbahn Petersburg- Wologda zu unterbrechen. An der alten Bahnlinie Riga-Urel haben wir Wvoiszet besetzt. Weiter südwestlich drängte der Gegner unsere Abteilungen zurück und besetzte die Stadt Strugi-Bjerjo. An der Warschauer Eisenbahn in der Richtung mif Pytalowo gingen unge­achtet der Ueberlegenheit des Gegners estnische Abteilungen zmn Angriff über, der sich zurzeit entwickelt. Die Eisenbahn von Gatschina nach Zarskoje-Sselo ist von ims wieder besetzt. Front des Generals Denikin: Im Zentrum an der Eisenbahnlinie Dimitri ew-K r o m y brach der Gegner in Stärke von zehntausend Mann in Mserem Rücken durch Md besetzte die Stadt Kromy, wurde aber durch ein Manöver unsererseits von drei Seiten umschlossen. Di« ausschließlich, aus Lappen und Chinesen be­stehenden ferndlichen Truppen leisteten trotz ihrer schlechten Lage haistnäckigen Widerstand, der aber von uns gebrochen wurde. Ein großer Teil d«r feindlichen Truppen, der die Flruht er­griffen hatte, wurde vernichtet.

Auch französische Maßnahmen.

Saarbrücken, 24. Oktober. (Prwattele- gramm.) General Andlauer hat für das Saar­gebiet ein Ausnahmegesetz erlassen, wonach er sich für berechtigt erffärt, einen Spc?,ialgerichtS- hof gegen unerlaubte Spekulations­geschäfte einzusetzen. Die Berechtigung, der­artige Gesetze zu erlassen, leitet der General aus Artikel 43 der Langer Konvention ab. Der Ar­tikel 1 des neuen Gesetzes lautet, daß alle Per­sonen, die sich an Spekulations- und Schieber­geschäften beteiligen. Preiswucher oder uner­laubte betrügerische Geschäfle betreiben, mit Zuchthaus von i bis'Johrrn! und zehn­tausend Mark Geldstrafe verurteilt werden.

fern Gegnern. Der Deutsche ist ja schon friedliebend, was leider häufig dadurch zum Ausdruck kommt, daß er den Fremden nachläuft und sich anzubiedern versucht, selbst auf di« Ge­fahr hin, verächtlich abgeschüttelt zu werden. Wenn Friedenspolitik getrieben -werden soll, dann ist es nötig, daß es vom nationalen StandpmÄte aus geschieht. Auf keinen Fall soll­ten von uns internationale Interessen in den Vordergrund gerückt werden, sondern es »muß heißen: zuerst kommen die deutsckien Interessen, danach die internationalen, und dann auch nur soweit, wie sie sich mit den deutschen Vereinen lassen. Nehmen wir uns die erfolgreiche eng­lische Methode als Beispiel. Bon England aus wurde während des Krieges »britische Propa- günda in den mitteleuropäischen Ländern* ge­macht. Nun sollten wir einmal »deutsche Pro­paganda in den Entente lande ruck machen Eine deutsche Friedensbewegung kann erst Erfolg Ha­den, wenn sie unter den Gegnern wirksam ar­beitet. Von deutscher Seite aus wird in den nächsten Jahrzehnten der Friede sicher nicht ge­stört werden. Eine Kriegsgefahr kann künftig nur von jenseits der Grenzen und des Mee­res auftauchen. Folglich ist die Haupttätigkeit der Friedenspropaganda dorthin zu verlegen. Wird auf diese Weise ein günstiges Ergebnis erreicht, daun erst können wir saaen: Den Krieg haben wir zwar verloren, aber den Frieden gewonnen! k. F D-r.

der Friede damals fortgedauert, eg Wie für viele Jahrzehnte hinaus kein solcher Strllfland und Rückschritt eintreten können, wie er durch den Krieg mit einem Schlage verursacht worden ist. Und wenn wir die Ducht nach Per- gnügen und ArbeitSverkürzung van Heute be­trachten, wie. sie der Krieg zur Folge hat, so kann man mit gutem Gewissen behaupten, daß ent werterer Frieden uns schwerlich auf den heutigen Stand zurückgeschleudert haben würde Der Glaube an die aufbauende Kraft des Krie- r'8 hat getrogen. Der Krieg hat nur z er- ö r t, hat Menschen und materielle Güter in unfaßbarem Werte vernichtet, desgleichen kul- ttnelle Errungenschaften verwüstet und die gute Sitte untergraben. Besonders zu beachten ist hierbei, daß diese zersetzenden Erscheinungen nicht allem bei den unterlegenen Möchten zu beobachten sind. Auch tue »Sieger" haben dar­unter zu leiden. Sei es Frankreich, England oder Amerika, überall herrscht der Geist des Dösen: Unmoral, VerschwendungssmA, Ar­beitsunlust. Dieser Krieo war keine schaffende Kraft, sondern nur ein Feuer der Zerstörung Dre schlimmste seiner Folgen ist, daß den schwer geprüften Völkern nicht einmal diese Erkennt­nis kommt. Die sogenannten Sieger rüsten wei­ter zu neuen Kriegen, ohne vorläufig zu wissen gegen wen. Darin gipfelt die Tragik des gro­ßen Krieasdrmnas, daß der Fluch der bösen Tat die Menschen mit immer neuen Strafen belastet.

Werden wir aber einstmals von diesem Fluche befreit werden? Wird es einmal Völker geben, die auf Vereinbarung immer einträch­tig nebeneinander wohnen und den vermeiden? Ich fürchte, nein. Es ist das Schicksal aller Geschöpfe auf dieser unvoll­kommenen Erde, wie es ein eisiges Naturgesetz ist, daß aufstrebende Kräfte im Weg flehende Hmdernksse verdrängen, bekämpfen und ent­weder siegen oder selbst unterliegen. Nach uns kommen neue Generationen, die nichts mehr von unseren Leiden fühlen: sie werden ihre neuen überschiebenden Kräfte miteinander mes­sen und das inzwischen Geschaffene wieder g->- gerffcrrig in Trümmer schlagen. Und wenn sie dann vor dem NühtS stehen, werden sie aber­mals ansangen aufzuhauen. So ist der ewige Lkretslauf von Natur und Welt. Daran können auch wer nachts ändern Es wäre vermessen, wollten wir mit schwachen menschlichen Mitteln we ewigen Geschicke zu verbessern suchen. Würde das nun bergen, Fatalist sein und alles gehen kaffen wie es komme? Und hätte alle Frieden^ beftrebung keinen Zweck? Aber nein, das ist damit nicht gemeint. Es sollte nur angedertttt werden, wie wett -sine Friedensqesellschast ihre

Zriedeus-Geseklschast.

Eine TaMM« in Kassel.

In diesen Tagen, vom Freitag bis zum Sonntag, hält die Deutsche Friedens- Ges en schaf t in unserer Stadt ihre Mitglie­derversammlung ab, wobei sie auch öffentliche Bersammlungen veranstaltet, um in weiteren Kreisen für ihre Bestrebungen zu wirken. Es W eine vielseitige Tagesordnung ausgestellt mit einem großen Arbeitsplan, nach dem auch die Tätigkeit für die Zukunft festgelegt werden soll. Der große Gedarcke, einen dauernden Frieden herbeizuführen, bat wahrlich etwa? Schönes und Erhebendes, das einem ethffchen Emp­finden entsproß, aus einem rein menschlichen Fühlen hervorgegangen ist. Es ist auch gut und niltzlich und läßt sch mit dem Gefühl ebenso wie mit dem Verstände vereinbaren, um der Menschlichkeit willen der ganzen Menschheit zu h e l f e n, sie dadurch auf einen höheren kul­turellen Stand zu führen. Daß «ine wahre Kultur nur in Friedenszeiten gedeihen tonn, davon haben wir m den letzten Jahrzehnten so herrliche Beifpiele gehabt, Haden an uns selbst erfahren, was ein kultureller Ausstieg für ein Volk bedeutet. Di« vorkrieaszeitliche Theo­rie. daß ein langer Friede zu Verweichlichung, Stillstand und Rückschritt führen müffe, lässt sich heute wohl nicht mehr auftecht erhalten, denn wir haben das Gegenteil erlebt. Auch die früher vielfach bertretene Ansicht, daß ein Krieg kommen müsse, <6er die um sich greifende Ver- gnügungSfttcht und die Neigung zur Arbeits- vermmderung wieder zurücklenke zur Arbeits­lust und RaMrkichkeit, hat sich als nicht stich- halttg erwfts-n Wir hohen mit dem Verlauf und Ausgang dieses Krieges recht viele solcher Enttäuschungen erfahren und Irrtümer erfen« «en muffen.

Aus den besetzteu Gebieten.

Die Frauzosenherrschaft im Rheinland. (Privat-Telegramm.)

Bersailles. 24. Oktober.

Der zum Kommissar der französischen Regie­rung in den Rheinprovinzen ernannte Paul Tirard hielt bei einem Festessen eine Pro­grammrede, in der er unter anderem sagte: Man dürfe denannexionisttschen Gedan­ken nicht in Betracht ziehen, denn das wider­spräche der französischen Tradttion. Man habe Frankreich Absichten untergeschoben, die es nie» mÄS gehabt habe, denn es wolle nicht, daß über die Völler verfügt werde entgegen ihren Wün­schen. Der Kommiffar ging weiter auf die in­tellektuelle Frage ein und sagte, man dürfe nicht dulden, dass die jungen Deutschen in einem Geist derRevanche erzogen werden. Er hoffe nicht, die deutschen Lehrer umgestalten zu müsse«, aber er hoffe, daß in dem Volks- und Mfttel- schulunterricht eine fr anzöstsch-iutellek- tuelle Durchdrimgung möglich sei.

MedmBettLkgNndVSlkerbMd.

Die Einberufung wird vorbereitet.

(öiaene Drahtmeldungh

Haag. 24. Oktober.

AuS Paris wirdj berichtet: Wilson wird die erste Sitzimg des Vöfferlmndraies einbe- rusen. Vierzehn Tage nach Jnkrasttreten des Friedensvertrages müssen drei Mitglieder des Völkerbundes, sowie ein deutscher und een fran­zösischer Vertreter für die Kommission zur Fest- legmig der Ganzen des SaargebieteZ ernannt werden. Der Oberste Rat befragte Wilson vor einigen Tagen per Kabel darüber, ob er den Rat des Völkerbundes einzuberusen gedenke, bevor der amerikanische Senat den Friedensver- trag ratifiziert haben wird. Wilson antwortete, er fei für hie Einberufung. Der Oberste Rat legte daraus der amerikanischen KonrmWon einen Entwurf für die Einberufung durch Wil­son vor, dessen Wortlaut fosort nach Washing­ton gekabelt und dem Präsidenten vorgelegt wurde. Dieser Entwurf enthielt die Bestim­mung, daß die erste Sitzung des BöLkerbund- rates an dem gleichen Ort und im gleichen Augenblick abgehalten werden soll, tvo die Iln- terzeichnrrng des ersten Protokolls der Rati­fikation stattfindet. Man erwartet bk Ant­wort des Präsidestten. Stimntt er zu, fo wer­den drei historische Ereignisse zusammenfallen, nämlich der Austausch der Ratisikattousurkun- den, daS Inkrafttreten des Friedensverttages und der Zusammentritt des Völkerbundrates.

iährlich zahlen. Und dieeiferne Svarsamkeitt. die immer und ttrmer wieder auch von der Re- averunasbank als notwendig erklärt wird? Noch immer lebt das Reich auf einem Aus- aabenfuß von fechsunddreissig bis vierzig Milliarden Mark pro Jahr. Seine Jab- resansgaben allein sind fast fo hoch, wie vor dem Krieg das Gefamteinkommen des beut« fchen Volkes. Von Einschränftma ist nirgends etwas zu spüren. Aber ohne mit der Wimper zu zucken, werden fortgesetzt neue Milliarden- ausgaben bewilligt. Jetzt wieder 3J4 Mil­liarden Mark für sechs Monate zur Verbilli­gung der Lebensrnittel. Allerdings für die Regierung die einfachste Art. sich für den Augenblick gewissen notwendigen Folgen ihrer Politik zu entziehen, die im Wettlauf von Löh­nen und Preisen und in der fortgesetzten Ver- mehrimg des Papiergeldes die Entwertting des deutschen Geldes im Inland und Ausland ge­radem $üd>tct. Aber dieses einfache Mittel ist gleichzeitta ein rninöses Mittel. Denn es beseitigt nicht die Wurzel des Nebels, son­dern verschlimmert die Kraickheit. Unter diesen Um,Maiden ist es nicht verwunderlich, wenn dex Reichsfinanzminister keinen einheitlichen Plan für die Deckung der Reichsausaaben vorlegt. Er kann es einfach nicht Der eine große Teil der Ausgaben, unsere künftigen Zahlungen an die Entente, ist noch ein großes Fragezeichen, und die Ausgaben für unsere eigenen Bedürf­nisse sind tobe durchgehende Pferde, die er nicht an den Zügel bekommt. So wächst unsere Ver- chuldung ins Aschgraue, und unsere Salut» inft ins Bodenlose. Zum Schluß sagt Helffe-

rich über

die neue Prämien-Anleiße:

Ter neue AnlÄhetvp ist für die Aufbringung der aetoalfiaen Summen, die wir zur Abdeckung unserer schwebenden Schuld brauchen, in keiner Weis e geeignet. Auch der Wohl­habende kann nur für einen bescheidenen Teil -eines Wfsigen Vermögms auf eine laufende Verzinsung verrichten, um dafür auf 80 Jahre verteilte Auslosungsaussichten einzutauschen. Es wäre geradezu verhängnisvoll, wenn unser Volk sich durch daS krause Er'periment einer finanziellen Defderado-Politik verleiten lassen wollte, in grotzem Umfang auf gesicherte und regelmässige Einkünfte für ungewisse siotterie-. aetoinne -M verzichten. Leider aber wird dieser in sich aussichtslose »Versucht, die Finanzen W Reichs durch Spielteufel und Steuerscheu zr. anieren. die wirkliche Sanierung bet Reichs- finanzen erschweren. Dan Überreizten @au