Nummer 72.
Donnerstag, 23. Oktober 1919
Fernsprecher 951 und 952
9. Jahrgans.
Fernsprecher 951 und 952.
Einberufung des Völkerbundes ohne Amerika
Ezernin und Wilhelm ll
Wie viele fühlten sich beglückt,
.InfertlonSpretle St« iebengefpalt«t« 3«tU tut eüibtlmtfd)« S «schüft« M $fg_ f^t <u4. roärttp« «e»etgen 33 Pf R,n<tm«,«tl, für «Inbelmlsch, »efJiafU 7» -8t, für auAuartta« LrschSN« 1 Mi , «tnfach« Setlagen rotrbee atU » Mari pt» lausend berechnet, all«« ufi 2eu«runae.3u(d)lag. Bei ttebermltttung ooa «n,eigen ans telepb. Weg« nrtra für »uns x>»i> fehler pernorgerufene grrtümer fetnertet 5>aftang übernommen, iyüt »le Ausnahme nonSnietae» an eefttmmten Tagen ober Ulägen wird keine Setoäbt geleistet. «eschüst«üellL .'iölnUdu Str. ö.
Gelbff 31. JigfeiKbetoeqnnt).
Bafel. 22. Oktober, (sstgener Drahtbe- richt.) Wie die Havas-Aget»tttr tra4 Straßburg meldet, wurden fünf Personen verhaftet, die in eine autonomtf 'che Verschwörung ver- mitMt find. «18 Hanptteitrr dieser Verschwörung wird etn Ingenieur Keßler genannt.
Ti« »oft«lei l.euef ee t.oiridtrr etld.einen n>odentlte i«chsmo> unb «mar a b«nb*. *et Hbonnreientertet* betragt mono« I/O Mark bet freiet flufieUtm« tn« Hans SefteBur.gen wer brr ed erzen opu bet tf efctäftdfieüe oder bett > eten entcepeitpenommtn. $ nutetet Beriav und Gebähter McNatt ttoffrrcife 28/M. ttiit mweriangi etnpefanbte Beitrüge kann viedaktion eine k erantroortung oder Vervühr w keinem , alle übernehmen Rückzahluna deS vefiugZae'det oder Ani»ru-a>e wegen envaigerni rdt ordnung-mäßiger Lte erung au-geschloksen.
Ne«e Glkrvm im Maß.
Ernster «rbeitera-ssstmrd in Mülhausen.
(Qftaene Drohtmeldunack
• Straßburg. 22. Oktober.
Im Qberelsast hat eine neue Gärmrg unter der Akbeiterss-al begonnen. Am SoShfan nach ?ehn Uhr leaten die Gasarbeiter in Mül- Hansen plöstlich die Arbeit nieder. Dann traten Maurer und Tertisarbeiter in den Streik. >ie ncforberten LohnerhSbnnaen wurden bisher nicht bewilligt. Französisches Militär wurde nach Mülhailsen beordert, um den Betrieb der Gasfabrik vorläufig aufrecht zu erhalten.
fche Mark aus 19 im freien Handel, in nutzeren Städten auf 17. — Die österreichische Krone ist auf vier Centimes geblieben.
Unter der feindlichen Knute.
Paris. 22. Oktober. (Eigene Drahtmel- düng.) Der Oberste Rat forderte von allen Ausschüssen der Friedenskonferenz bis zum 23. Oktober Bericht darüber, welche Bed«ng,mgen des Waffens'illstandSvertra^es die Deutschen nicht erfüllt haben, um dagegen Maß nahmen zu treffen.
Fn den besetzten Gebieten.
Der AuSstand am Niederrhein dehnt fich aus. (PrivateTelegramm 1
Krefeld. 22. Oktober.
In Krefeld ist gestern nachm'ttag die gesamte Arbeiterschaft in den Streik getreten. Auch die Straßenbahner stell en ihre Tätigkeit ein. Der gesamte Verkehr am N'eder- rhein ruht. Ebenfalls haben die Füge der Stadtbahn jeglichen Verkehr eingestellt.
Wetter- Kampfe in SWuntfc.
Der Widerstand der Bolschewisten.
«kiaene Drahnneld in«)
Berlin. 22. Oft.
Nach den vorlregeiAen Meldungen von den russischen Fronten dauern die heftigen Kämpfe ht den Vorstädten Petersburgs fort. Die Artilleriekämpft zwischen den enali- d>en Truppen und den Stellungen der Bol- s ch e w i st e n in Kronstadt und Krasnaja-Gr». ka dauern an Orauienbuno brennt. Die B-ol- schrwiftcn halten noch die Bahnstrecke von Pe. tersbnng nach Witebss. Bei und in d r Rich- t'.ma ans V l e S k a n machten ste weitere Fortschritte. Südlich Petersburgs zogen sich die Bolschewifftn zurück. — Auf der Front deS Generals Denekins haben sich in den Vorstäd. wn von Kiew Kämpfe mit den vorrückenden Bolschewisten entwickelt.
Frankfurter Frühjahrsmesse.
Frankfurt n. M. 22. Oktober (Privat, lelegrvnvm.) £>er Mrffea, "schuß der t ternatio- nalen Einfuhrmeffe in Frankfurt a M. hat als Ternrin fv die Frühjahrsmesse die Zeit vom L bis 10. Mai 1320 hl luiSSJs cruommen.
einzufehen, daß man sich ins eigene Fleisch sckmeidet, wenn man den Volkskörper durch Nie. Verlegung der Arbeit schädigt. Nicht nur in der Neichsbruptstadt, sondern viel mehr noch in der Provinz macht sich eine solche Wandlung "geltend. Dabei zeigt sich wicoer. daß Berlin kein DpiegevbiD von Deutschland gilbt. Dr. B.
Flieden inid BSikerbund.
Präsident Ebert über di« Lage.
sPrival-Telearamm.1
Berlin. 22. Oktober. .
Reichspräsident Ebert hat gestern einen hier weilenden spanfschen Presievertreter zu eiirer Unterredung empfangen. Der Reichspräst. dent äußerte sich, daß unsere Lage schwierig sei, daß die Regierung aber mit ganzer Tatkraft entschlossen fei; sie zu bessern. Die bereits mit Polen und der Tschecho-Slovakvj abgeschlossenen Verträge seien die ersten Schritte, um zu einem guten Einvernehmen mit unserem Nachbar z» gelangen. Während des bevorstehe-kben Winter« drohe uns allerdings eine furchtbare Katastrophe. Die Blockade Rußlands bezeichnete der Präsident als eine Sache, die unseren Grundsätzen widerspricht. Tie Regierung wartet ab, welche Haltung die nächststehenden neutralen Länder einnehmen werden, um unsere Haltung danach einzustellen. Hinsichtlich der Lage intfercr inneren Politik äußerte sich der Reichspräsident: Die Stel- lunz der Regierung gegenüber den Parteien von Recht? und Links sei stärker denn je. Tie äußerste Linke werden jeden Tag schwächer.
Der Völkerbund ohne Amerika?
Zürich, 22. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Nach einer Pariser Meldung hat der Oberste Rat beschlossen. dem Oberkommando der Verbündeten die Bestimmung des Datums zu überlassen, wann der Friedensvcrtrag in Kraft treten soll. Paris wurde zum Ort der stn- fammtertifunft des Rates des V ö l k e r b un d e s bestimmt. Da der Friedens-Vertrag durch Deutschland und drei Verba,-dsmitatioder ratifiziert ist, hält sich der Oberste Rat für berechtigt. die Einberufung der ersten Versammlung des Rafts des Völkerbundes anzuordnen, o h n e die Ratifikation durch den Senat der Vereinigten Staaten abzrewarten.
Anter französtchem Zwang.
Birkenfeld, 22. Oktober. (Privattelegramm.) Die Franizoscn haben dem sozialdemokratischen GewenkschastssekoetSr Förster und dem Zen- trumsobgeordn-ten Zils das Sprechen in politischen Versammlungen in Birkenfeld verboten Die Begründung der Maßreael haben sie nicht mttgeteilt — Die Stafrt Neustadt (Pfalz) wußte am Montag zehntausend Mark Buße an die französische Besatumasbehönde zahlen. weil der Täter nicht -U'ös'ndig gemacht werden konnte, der am 8 Oktober vor dem Amtsgericht Neustadt einen französischen Oft-ier vor die Drost geschlagen hafte Die Stadt hatte <rle$ lur Nachforschimq versucht um von oer Strafe tefreif yt werden. — Me dke $MMer sieit»ng me"det. ward- aeftern m-fta-, d-r Oberzollver. wM--r des Umtsaericht»ft,ftks Seb" namens Groß von der französischen Milftärbebörft v erhoffet und ins Anttsgerichtsaefäimms
Di« Nfache soll in drr.Rfch--*-^.....- rung von Waffen ztt suchen sein.
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Teilweises Nachaebeu der Besatzung.
Saarbrücken. 22. Oktober (Privottelearamm s Marschall Färb bat soeben die Korber untreu d"r Elfestbal'ner deS Saroeb'ets aeneh. miot hiernach fällt die Gnrß-fftcht der Eisenbahner geeen'"ber den fmn-önsch-n Offt. zieren, low'e das Tranen der'Armbinden mit dem kknkraffrreten deS strieftnsmstmtdes weg. Ledi-lich die Zurüchiehnna der farb'aen Kolo- nialtrnppen bleibt der Besatzungsbehörde auch weiterhin anheimgestellt.
?korderunq der Wahlfrekhei<.
Straßburg, 22. Oktober (Eigene Drahtmeh diing.) Die radikale Partei des Elsaß hielt am L-onntag abend in Straßburg eine Vollsitzung lkb- Es wurde eine Entschließung einstimmig angenommen, welche lautet: .In dem Augen- bmk. da das Elsaß zum erstenmale seit feiner Rückkehr zu Frankreich berufen ist. seine Volksvertreter zu ernennen, fordert, es seine Mei- nung in voMer Freiheit auS,ul rücken und darum die sofortizze Aufhebung deS Belage- runaSzusiandes. Die Ausübung deS Wahlrechtes muß unter den augenblicklichen Umstünden den demokratischen Gnrndsätzer zuwiderlaüfen. Eine unter diesen Umständen vorgenommene Wahl wurde die deutschen Behauptungen begünstigen daß das Elsaß unter dem Zwang der französischen verwauu-ng ah.ffhnmt und 1 würbe fo eine Gefahr für den ßef'fi.fker Koeuren.*
Der Kaiser vom Volke getäuscht.
Die „SrinnerungeH“ nehmen fei« Ende. Nachdem wir fo manch« Darstetlnng von deutsch«» Staat«- mSnnern vervffentUcht habe», wotlen wir auch «ine» vestereeiche» »um Worte komme» lasten.
Graf Ottokar Czernin, Oesterrcich-Ungarns axswärtigeroMinister in der letzten Phase des ^XTiiegeS, gibt nun, noch bekannten Mustern ebenfalls seine „Erinnerungen" preis. Es fin« bet sich darin, soweit die Veröfsentlichungen bis jetzt bekannt geworden sind, ein Abschnitt über Kaiser Wilhelm II., der in vielen Punkten heute besonderem Interesse begegnen diirste. Ezernin läßt sich zunächst int allgemeinen übet dos Verhältnis zwischen V o l k und M o n a r. chi e aus. Er sagt: Bei 99 Prozent der Bevölkerung ist der Patriotismus und ihre Begetz sterung für die eine oder andere Staatsform immer nur eine Magen frage. Ein guter König ist ihnen lieber als eine schlechte Republik und umgekehrt.* Alles käme darauf an, daß di« Sta^tsform die Massen zufriedensielle. Auch eine Republik werde sich nur solange halten, als ihr das gelinge. In dieser Auffassung hat Ezernin. wie die Beobachwng des täglichen Lebens lehrt, zweifellos recht. — lieber das innere Verhältnis zwischen Volk und Fürst sagt Ezernin, unter Hfttweis auf die gänzlich falsche Erziehung des Kaisers, der „von Jugend auf getäuscht* und dem „eine Welt gezeigt worden ist. die gar nicht besteht*, folgendes: „Alle Monarchen sollten gelehrt werden, daß das Volk sie gar nicht liebt, daß sie ihm irö besten Falle ganz gleichgültig sind, daß es ihnen - nicht aus Liebe »achlsiust und sie u'cht t**- Liebe anstarrt, sondern auS Neugierde, daß es ihnen nicht tnt5 Begeisterung zujubelt, sondern aus Unterhaltung .... daß nicht der geringste Verlaß mtf die »Treue der Untertanen* ist.' Czernin meint, daß das die Wahrheit wäre, die man den Monarchen von Jugend sagen müsse, um sie vor sonst unvermeidlicken Trug- sck.lüssen zu bewahren. Kaiser Wilhelm fei hierfür ein Schulbeispiel. Es gab wohl keinen Regenten, der von einem besseren Willen beseelt war. als Kaiser Wilhelm. Ezernin sagt von ihm: „Er lebte nur seinem Berufe — wie er ihn auffaßte —, fern ganzes Denken und Trachten kreiste um den deutschen Pol. Familienzerstreuung und Vergnügen, alles trat bei ihm hinter den einen Gedanken zurück: daS deutsche Volk groß unp glücklich zu m a-ch e n und zu erhalten? Wenn der gute Wille genügt, um Großes zu leisten, so Mite Kaiser Wilhelm Großes leisten müssen. Vom Anfang an wurde er mißverstanden. Er hielt Reden, tat Auslprüche und machte Gesten, die nicht nur die Zuhörer, sondern die Welt gewinnen sollten. Aber fo oft er damit auch anstieg, nie kam er zum Bewußtsein des tatsäch- l'chen Effektes einer seiner Handlungen, weil er nmcfrt so sehr von seiner Umgebung im engeren Sinne, sondern vom ganzen deutschen Volke spstematisch getäuscht und irrege- führt wurde. Wi« viele Millionen, die heute nur Flüche hinter ihm her schleudern, fonnter stch nicht genug bücken, wenn er nn Glanze fei ner ganzen Herrliibkeit am Horizonf erschien
Gerade die letzten Ereignisse in der Reichs- hauptstädt zeigten so mit aller Deutlichkeit, welche Vonwände benutzt werden, um das Publikum zu provozieren und es dafür büßen zu lassen, daß "einige Hitzköpfe, wie es zum Beispiel bet den Berliaer Straßenbahtiern der Fall wcrx, sich durch die Arbe'tSwilliqkeit einiger ihrer Kollegen beleidigt fühlen, da diese Leute wegen ihrer „Unkameradscha-ftlichkeit* von der betreffenden Gesellschaft nfcht zur Rechenschaft gezogen und sofort entlüften wurden. So wird heute der Ernst der Stunde aufgefaßt. Das sind die Resultate der Dolksauftlärung und Volks- btkduug, die setzt angeblich überall mit aller Kraft eingesetzt hatten. Man würde sich nicht Wundern, wenn die Groß-Berftner Arbeiter- schaft dleSmal ernstlich nach den Schuldigen suchen würde, die sie in die jüngsten Strek- abenteuer hineingehetzt haben. Nach einer so voWommenen Niederlage auf der ganzen Linie müßte eigentlich ein Moment der Besinnung kommen, in dem dir Berliner Arbeiter sich sagen, daß bst den letzten Streiks immer weniger herausgekommen ist und daß sie dafür nmner deutlicher als die Puppen dunkler Drahtzieher erkennbar wurden. Der Metallarbefterstreik. Mit dem die ganze Geschichte begann, wurde entfesselt, obgleich ein eigentlicher Grund für tyn absolut mcht vorlag. Es wurde nur einfach behauptet, daß die Arbeitgeber die Löhn« ab- bauen wollten. Aber immerhin hatte dieser Streck ebenso wie der hn engen Zusammen- bana mit ihm entstandene Streik der Berlmer Magistratsangestellt-n -«ine Art wirtschaftlichen Hintergrund. Jetzt, am Ende der aauzen Be- we-una. ist aber nur noch die Rede von der .Einigung* und den .Verhandlungen* mft den Elekstrzitätsarbeitem und Straßenbahn-Angestellten, die auf recht tadefnSwerte Art in di« Sacke mit hineinge,zogen werden, itm der ver- foren gebenden Schlacht einen neuen Impuls «i verleihen. •
Dir Zusammenbruch des Streiks ist trotzdem ohne Einschränkung eingetreten, mid gerade die Bed-naimgen. unter denen die als Hilfs trupp« auf-eHotenen ElektriMätsarbeiter di« Arbeit wieder aufnebmen müssen, lassen di« gänze Größe der erlittenen Nie-derlage ermessen Zn- nächsi muß bi« Arbeit bedingungslos oüfgemnn. men werden. Ooeitens wird ein für all« Mal der Begriff .lebensnotiwendfche Betriebe* festgelegt, drittens werden feir« Streiktage bezahlt U'ch dienens die Sabotage für tttnfige Streiks als Kampfmittel auS^eschaftet. ($ ha' Obti. misten gegeben, die den “»t» *r Metallarbeiter, streik von Anfanz an ü Art Probe auf» Exemvel. al» ehr i Wendepunkt hinstellten, an hem sich em eisen müsse, ob der ..tsuig zur Ar- steif, von dem d-r RchchSkanzler Bauer sprach, wirklich vorhanden ifi i der nicht Wir wollen U"s zwar nicht verheimlick.en. daß NoSkes Tech, n-fche Notbilf« pero’t ihr TeS ,n. raschen Be- endegnng deS StreÄS beigetragen hat, daß aber >ic ' lt- nicht ausgereicht däti« wenn nicht U • j der Arbeiterschaft sekbst uMnäy. «ich e'u- ?‘«rrU’ Wider "> tlle ^ gen oie ewige st rei >* • ei stcmdeu wäre. Wau beau-nt!
Technische Kothilfe.
Die Beendigung deS Berliner Ausstandes.
Bei den letzten Arbeiterausständen in Berlin hat verschiedentlich die technische Nothilfe ewige« griffen, da gemäß dem Erlaß des Oberkommandierenden der Betrieb in denjenigen Werken aufrecht erhalten werden sollte, di« für die Versorgung der BevöKerung mit Licht. Kraft und Wasser nicht eutdehrt werden können. Dabei konnte man nun bi« erfreuliche Feststellung machen, daß in verschiedenen Betrieben, wie zum Beispiel in den Berliner Postsuhrämiern, daS alleinige Erscheinen der Nothilfe die Arbeiter bereits veranlaßte, ihre Arbeit wieder auf» zunehmen. Dasselbe geschah in der Ueberland- zentrale bei Bitterfeld. Ob dieser Nmstand emer wachsenden Ernüchterung zuzuschreiben ist, bleibe dahingestellt, Tatsache jedoch ist, daß em in den Anfängen sich befindendes erneuter gewaltiges Streiksieb? , dem höchstwahrscheinlich politische Putsche folgen sollten, heute als glücklich abgewendet zu bettachten ist. Di« technische Nothikfe. die in den letzten Tagen ernen gewaltigen Zustrom von Arbeitern zu verzeichnen hatte, verrichtete ihre TSt'gleit aller- " drngs vielfach unter dem tatkräftigen Schutze der Sicherheitspolizei zur vollsten Zuftieden- hett. und man kann wohl mit Recht annehmen, vast di« Leute, di« sich in ihren Reihen befinden, die Erfolglosigkeft und Zwecklasigkeft der heutigen radikalen Bewegung eingesehm haben. Trotz allem bleibt es ledoch ein trauriges Zeichen, daß eine Nothilse überhaupt einareisen mußte. Heute, bei dem völligen Darniederliegen tmferer Wirtschaft, wo die Arbeit eines ter en Tage- von höchster Wichtigke't für den erhoff!en Wiederaufbau ist, wo ma-n jeden Stteik als ein «erbrechen am Woble der Gesamtheit betrachten muß, ist die intensivste, höchste Anspawnuna aller Kräfte nur eine einzige große Hilfe. Wir alle müssen sie verrichten, ganz Keich, welcher Art sie auch sei.
Kasseler Mueste Nachrichten
___ Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Belagerungszustand 8öer Litauen.
ffiMovi, 22. Oktober (Eigene Draht. t?t- bun») Hefter «n, Sftane, twrrtw der Bela. ^enrngSzustimd verhängt. Verschißen« ^abreS- staften wurden mol-cktsiett. Dir V olkSvertre. bmg ist zum 26. Oktober etnbetufm worden. ®tan befürchtet einen potnifchen E-infall.
Nückgank des MmMrfes.
Deutsche Maßnahme» werden erwartet.
'Otom Txabtmrlbi'ng.)
«mstn. am, 22 Ost
Däe Da'tsch« Valuta ist vftent in Amster- b«m ..»f 9 37 Gulden kür 100 Mark zurückg«. gatrgeu, Jr Finan^rei en erlvorbu man deut. sckrerseftS Dtaßruchmen zur vech fteiimg der Val'chr, -urch ie das Ausland benachtttÜ,1 wird. Au der Zürich er Äörse fiel hi« deut-
weun nur eht kaiserftcher Blick auf sie ft et Auch sind sie sich Wohl nicht klar darüber, daß üe selbst die Schuld trauen, dem Kaiser eine Welt vorgetäuscht zu haben, die niemals bestand und ihn in eine Richtung getrieben zu ha- ben, wohin er sonst nie gekommen wäre. In den berühmten Novembertuuen von 1908, alS dir großen Stürme im Reichstag gegen den Kaiser losbrachen, und alS der damaliak Reichskanzler Bülow ihn so ziemlich preisgab, . war ich mtt dem Kaiser zusammen. Obwohl er mit uns fremden Gästen, die ihm ferner standen. über daS Thema nickst sprach, so war doch der Überwältigende Eindruck, den diese Berlt- ner Vorgänge auf ihn machten, vollständ« Mihai-. Ich hatte das Gefühl, m Wilhelm H einen Menschen zu sehen, der mit vor Ent« etzen geweiteten Augen erstmalig tn feistem
Leben die Welt so sieht, wie sie wirklich ist. Vielleicht zum ersten Male im Leben fühlte et ein leiseS Beben unter den Füßen seines Thro. nes. Er vergaß aber di« Lehre zu schnell. Wär« be- überwältigende Eindruck, der m-hrer, Tage vorberrschte, nachhaltiger geblieben, viel- ieicht hätte es ihn bewogen. auS den Wolken, wohin ihn seine Umgebung und daS Volk hin- oufaeschoben hatten, herunter zu steig« und wieder festen Boden unter den Füßen zu suchen uw» umgekehrt, hätte das deutsch« Volk bei ,