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Kasseler Abendzeitung Hesstsche Abendzeitung

9. Fahrqana

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 22. Oktober 1919

Nummer 271

Fernsprecher 951 und 952

>xferttoa4preUe Dn ftebeagefpoUeU 3«U«* «tn-etmtsch« »Schatt» S» Wg. <6* en*- roörtia« tXöMtgtn 35 M. SetlamegetU f6t «tnhetmtfch« 8«f*afU 75 Pf* für aaSöfttttg« StschäNi I SM., «Ulfache 'Beilage» werde» mit 5 Mark ort Laufend berechnet, «Oe* ettt 50*1» Teuerungr-Aufchla«. Bef Uebermtttttmg oow Injetge» a«f teleptz. Wege mtri kür durch Hdr> kedler bervorgerufeue Irrtümer Mnetlet Haftung übernommen. Für »le Aufnahme nonSbijotga» an aefhmmten Lagen oder Blügen wird feine SewLhr geleistet. SefchLftRstelle: KölnUche Str. 5.

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BegugSgeldek oderAnlprüchewegen eimaigernichtordnnngrmützigerLteierung anSgefchlosten.

Sie Kömpse in Rußland werden fortgesetzt.

Berlehrs kinschränlung

Keine Personenbeförderung an Somttazen?

Die Perkehrsnoi hat sich Weit verschlim­mert, wie von den Sachverständigen schon vor Wochen vorausgesagt worben war. daß dir an- aeküudigte Einschränkung des Zugver­kehrs nun wirklich erfolgen muss In Würt­temberg ist der Personenverkehr an Sonntagen bereits vorgestern einge­stellt worden, in Preußen soll die gleiche Ein­schränkung voraussichÄich vom Sonntag, den 26. Oktober, an erfolgen, und vielleicht an dem­selben Tage oder eine Woche später wird auf allen Reichs-Eisenbahnen der Personenverkehr ruhen. Die Betroffenen werden von dieser Re- gierunFÄnaßnahme wenig erbaut fein, denn an Sonntagen öflezten gerade Diejenigen zu reisen, denen an Wochentagen dir Zeit dazu fehlte. Das Eisenbahnmitristerium wird wohl seine Anordnung mit der Erwägung begriinden, daß der Sonntagsverkehr meistms kein dringliches Erfordernis fei, wogegen in der Woche all« ge­schäftlichen Reisen unternommen würden, des­halb habe man den Zugaussall auf die Sonn­tage verlegt und damit das kleinere Uebel ge­wählt. Es ist zweifellos richtig, daß an Sonn­tagen die Bahnfahrten vielfach zu Vergnü­gungszwecken oder aus familiären Anlässen un­ternommen werden. Geschäftsverkehr wird nur in verhAtnismäßig wenigen Fällen in Frag« kommen. Ader damit ist nicht gesagt, daß für sehr viele Reisende die Sonntagsfährt unnötig wäre. Es gibt sicher sehr dringende Beweg­gründe, aus denen ein« Fahrt auf den Sonntag verlegt wird, weil sie in der Woche nachteilige geschäfrviche Versäumnis verursachen würde. Ern« Volksgruppe aber, und zwar «ine wenig bemittelt', wird am empfindlichsten betroffen: das sind die .Hamsterer*, die aus den Städten in endlosen Scharen auf das Land wandern, um die kärglichen Lebensmittel der Woche ein wenig aufzubessern. Diese Hamsterfahrten sind ja eigentlich ein« unwürdige Erscheinung un­serer Zeit, aber um die zu ihrer Vermeidung nötige Würde aufbringen zu können, muß man erst einen gefüllten Magen haben. Was tut der Städter nicht alles, wenn ihm der Magen knurrt, und der Dauer müßte ein Herz von Stein haben , wollte er die ab gemag erten Ge­stalten jedesmal abweisen. Müssen nun diese Fahrten im Kleinen eingestellt werden, dann wird man doch auch hoffen dürfen, daß die Schleichhändler im Großen ihren Betrieb nicht erweitern. Wie dem auch fei. der Standpunkt des E isenb ahmui trift eriums wird damit begrün­det, daß die geringeren Interessen Hinter den größeren Notwendigkeiten des gesamten Volkes zurücktreten müssen.

Eine andere Frage ist freilich, wie die Reichsfinanzen di« Verkehrseinschränkung aufnehnien werden. Bekanntlich arbeitet der Eisenbahnetat mit einer großen Unterbilanz, und es bedarf eines Milliardenzuschusses des Reichs zu den Eisenbahn-Ausgaben. Fast alle Halbjahr erfolgt eine Erhöhung der Fahrpreise und Frachten, die schon aus einer bedenklichen Höhe angelangt sind, um die Einnahmen zu vermehren. Abgesehen davon, daß Fahrpreis- erhö Hungen meistens eine Abwanderung der Reisenden in eine niedere Klaffe nach sich ziehen, muß es den Einnahmen noch weiteren Schaden bringen, wenn der bisher sehr aus­gedehnte Sonntagsverkehr eingestellt wird. Es tst wohl anzunehmen, daß die Herren in den Ministerien sich auch mit diesen Erwägungen beschäftigt haben. Sie halten aber ihre Maß­nahme für die beste Lösung, nun wollen wir sehen, welchen Erfolg die Ausführung zeitigen wird. Nicht allein der Personenverkehr, auch der Güterverkehr soll vermindert werden. Die Ursachen dieser Einschränkungen sind verschie­dener Art. Wie der Eisenbahmniuister Leser bei der Besprechung der Verkehrsnot im Par­lament mitgeteilt hat, sollen bevorzugt werden: der Heimtransport der Kriegsgefangenen, die Köhlenkieferungen an bi« Entente, die Heimsen­dung von Bewohnern der abgetretenen Gebiete und die Lebensmittel-Beförderung. Auch der Kohlen- und Holztransport innerhalb Deutsch­lands verdient natürkich Bevorzugung, denn von den Lebensmitteln und vom Brennstoff hängt unser ganzes Dasein ab.

Was uns besonders schmerzlich berührt, ja, was uns mit gerechtem Zorn erfüllt, das ist die Niedertracht der Feinde, insbesondere der Fran­zosen, denen wir die für uns selbst so dringend nötigen Köhlen liefern müssen und die trotzdem unsere gefa.rgenenBrüder auch fernerhin zurückhalten. Schon vor Monaten ist von deutscher Seite darauf hingewiesen worden, wie wichtig «z sei, daß di« Heimsendung der Ge­fangenen noch vor dem Winter zu beenden sei, weil sckon im vmaus mit den Kohlen- und Le- bensmiriel-Transporten und den sonst'gen Sch-oi riakeiten zu rechnen war. Es ist voraus- zusehe ' daß andernfalls ein« U eberlasi ung her Bahn und wirtschaftliche Gefahren eiutre- ten wcrden. Die Franzosen ober in ihrer gemei­nen iierhäktigkeit und-pt» rlichen Angst

gaben die schmachtenden Gefangenen nicht frei und wollen sie auch weiterhin festhalten, angeb- lich als Geiseln und als Garantie für ine Er­füllung der Friedensbedingungen. Diese Un- menfchlichkeft wird mm dazu beitragen, das Verkehrselend im Winter noch zu ver- mebven, denn in ihrer Bosheit werden sie die Gefangenen erst dann freigeben, wenn wir die Bahnen am notwendigsten brauchen. Unsere Bahnverwaltunaen werden dadurch gezwungen, mit allen Möglichkeiten zu rechnen. Im In- tereffe unseres gesamten Volkes müssen wir da­her zur Selbsthilfe schreiten, di« lebenswichtigen Transporte müssen rechtzeitig in die richtigen Wege geleitet, die Betriebsleistungen erhöht werden. Einem Zusammenbruch des Verkehrs imrß mit allen geeigneten Mitteln und mit allen Kräften vorgebeugt, aber weitere Einschränkun­gen vermieden werden. Das LebenSiuteress« un­seres Volkes steht höher als die Forderungen ber Feinde. * K. F. D-r.

Durch die Eisenbahndirektion erfahren wir, daß bis zur Stund« eine endgültige Entschei­dung üher die Einschränkung noch nicht getrof­fen, aber in den nächsten Tagen eine amMche Mitteilung zu erwarten sei.

Rordrusfische Berwirklungen.

Kronstadt sind die Men über siekuntausend Hinrichtungen vorgefunden worden, die fett 1. Januar dieses Jahres von den Bolschewrsten in Kronstadt vorgenommen worden stich.

Defterrerch und Ungarns Politik»

Kabinett-Richtlinien und Parteibildmrg.

(Privat-Telegramm.)

Wien, 21. Oktober.

Der Presseleitrr des StmttsamteS für Neuste reS, Dr. Pöhl, hat den Vertretern der Presse im Auftrage des GtaatSamteS die Grundlinien der auswärtigen Politik des neuen Kabinetts mitgeteilt: Strikte Innehaltung des Friedens­vertrages und der in dem Vertrag ausgesproche­nen Grundsätze, freundliche Beziehungen zu den Nachbarstaaten, ohne eine staatsrechtliche Ver­bindung anzustrebcn. In Wien sand eine ge­meinsame Vertrauensmänner - Konferenz der Deutschnattmtalen, Alldeutschen uttb Rational- christlichen statt. Die Bildung einer deutsch- nationalen Einheitspartei wurde beschlossen. Ei« polittscher Kampf gegen das Warten der Koalitionsregierung in der Beset­zung Deutsch-Westungarns steht bevor.

In Erwartung der Pariser Antwort.

(©inen« Drahtmeldungri

Rotterdam. 21. Oktober.

Aus Paris wird berichtet: Mau hält allge­mein di« deutsche Rot« für ausweichend und nicht zufriedenstellend Der fran­zösische Außenminister Pichon sprach im Aus­schuß. bi« AMerten feien mit der deutschen Antwort nicht zufrieden. Ein englisches Mit­glied fügt« hinzu, nach Auffassung leitender enalischer Kreise komme aber eine neneBlok- fabe gegen Deutschland nicht in Frage. Fn hiesigen politischen Kreisen erwartet man auf di« deutsche Baltikwnnote eine Antwort der Alliierten noch im Laufe dieser Woche. BiS dahin wird auch der letzte deutsche Soldat im Osten, der sich dem Befehl der Reichsregie­rung unterworfen hat, abtransportiert fein. Fn russische Dienste können höchstens 2022000 Mann übergetreten sein Gen>ral v. d. G o l tz erklärte, daß bi« deutschen Solda­ten alle nach Deutschland zurückkehren. Dieje- n'gen. die sich der nordwestrussischen Arme« Barmondts angeschlossen haben, sind keine Deutsche mehr, sie sind russische Staatsbürger geworden, da sie sich später dort anstedeln wollen. Es fei überdies zu hoffen, daß die AlliiertenSommission sich an Ort und Stelle überzeitgen werde, daß Bermondt das­selbe wolle toi« Denikin und Koltschak, bte von der Entente unterstützt werden.

Widerstand der Bolschewisten.

Berlin. 21 .Oktober. sPrival-Telegramm.) Die ZeitungPrisyw" hat folgenden Bericht von der Front des Generals Fudenitsch vom 20. Oktober erhalten. Auf der linken Flanke unserer Truppen stnd hartnäckige Kämpfe entbrannt. Nach der Einnahme von Strjelna trafen wir auf harten Widerstand. Wir gin­gen zum Gegenangriff über und besetzten Ligo- wo. Fm weiteren Vordringen stiessen wir bis Kolpino vor und mit den Bortruppen bis an den Rand von Petersburg. Bon über­legenen bolschewistischen Kräften wurden wir aber nach der Station L i g o w o und weiter bis Catschina zurückgebrängt. Oestftch Luga setzten wir den Angriff fort Der Gegner setzt alle Reserven ein und scheint entschlossen, verzweifelten Widerstand zu leisten. waS ihm teilweise gelingt. Bei PleSkau ist unser Vordringen aufgehalten. Das littauische Pressbüro meldet: Das Kriegsministerium hat über ganz Littauen den verschärften Kriegszustand verhängt. Der littauische Staatsrat in Sowno wurde einberufen.

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Ein russischer Vertreter in Berlin.

Königsberg. 21. Oktober. (Privat-Tele- grammri Zmu diplomatischen Vertreter des Zerrtralrates von W e st r u ß l a n d wurde Ba­ron Knorring ernannt, der bereits nach Berlin abflereift ist. Der westrussische Zentralrat hat di« deutsche Reglerung um bi« Auftechter- haltmia d.s brutschen Eisenbalnbettiebes im Baltikum gebeten. Antwort ist mcht erfolgt.

Kerenski taucht wieder aus

Rotterdam. 21. Oktober. lEigener Draht- beridrt.) Die Londoner Zeitung Daily Mail meldet: Kerenski befindet sich auf Einla­dung der Alliierten auf dem Wege um Ruß­land. Kronstadt ist englischem Komman- ' bo unterstellt Die Mormncwolt meldet: Sn

Roch mehr Enthüllungen.

Hamburg, 21. Oktober. (Privattelegramm.) Der frühere deutsche Botschafter in Wen, Graf Wedel, veröffentlicht in den Hamburger Nach­richten neue Tatsachen, die des Grafen B « r ch - tolds Rechtfertigungsversuche in einem eigen­tümlichen Licht erscheinen lassen. Sie bringen vor altem eine völlig« Entlastung des verstor­benen deutschen Botschafters Grafen Tscharskh, den Graf Derchtöld bekanntlich als Kriegs- treiOer hM-usiellen versucht hot.

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Vor dem ungarischen Gericht.

Budapest, 21. Oktober. lEigener Drcchtbe- richt.) Das Strafverfahren gegen Graf Michael K a r o l y wurde bereits eingelettet. Die An­klage lautet auf Hochverrat, Veruntreuung von Geldern aus der Staatskasse, Anstiftung zum Morde und Landesverrat an die Bolschewisten. Nach Abschluß der Unterfudju-n« wird an die tschecho-slowakische Regierung daS Ansinnen gestellt werden, Michael Karolv an die un­garischen Gericht« auszulicfern.

SrWung les Sriehensttertrags.

Warm ist der Kriegszustand beendet?

(Siaene Drahtmeldungri

Paris. 21. Oktober.

General Blitz, Mitglied der amerikanischen FriedenSdelegatiou in Paris, hat an das ame­rikanische Kriegsdepartement telegraphisch die Frage gerichtet, ob sich fünftausend Ameri­kanerander Besetzung von Teschen, Dan­zig, Schlesien ufw. beteiligen fallen, auch wenn der Fricdensvertra-g durch Amerika noch nicht ratifiziert ist. Miß soll persönlich gegen eine solche Politik fein, da er den Standpunkt ver­tritt. daß sich Amerika, solange es den Vertrag nickt ratifiziert hat. tatsächlich noch im Kriegs- MstaUd mit Deutschland befinde. Der ameri­kanische Staatssekretär Volk andererseits scheint aber dock die Teilnahme amerikanischer Trup­pen an der Besetzung zu befürworten. Die französische Kammer ist am Sonntag abend aufgelöst worden. Die Kammer beschloß, als Ta« der Beendigung des Kriegszustandes den Tag der Veröffentlichung des Rati- fBatronsaustaujches auzunebmen. DaS Ber­liner Tageblatt meldet: Die italienische Regierung beabsichtigt. die amtliche Bekannt­machung über die Beendigung des Kriegszu­standes mtt Deutfchlmch erst nach der Lösung der Fiume-Frag« zu erlassen.

Die Abgrenzung Polens.

Berlin. 21. Oktober. (Privattelegramm.) Aus Warschau wird berichtet, daß nach Pariser Meldungen der Fünferrat die Abgrenzung Polens festgesetzt habe. Polen erhalt« den ganzen Bezirk SuwaSi, den Bezirk Augustowo mtt Aufnahme einer kleinen Nordwestecke, den größten Teil des Bezirks Seirch. ferner vom Gouvernement Grödno bte Bezirke Dokal und Biölhstock. Die Grenze verläuft sodann längs des Bug-Flusse S zur ölten österreichischen Grenze und längs dieser Grenz« bis zum Dnjestr. Bei Brest-Litowsk baucht sich diese Grenze zugunsten Polens aus. Das Schicksal von Wilna, Grödno und Minsk ist noch nicht euft'chie^er. IN polnischen Kreisen in Thorn verlautet, daß der Einzug der polnischen Truppen in Thorn am 25. Oktober erfol­gen werde, doch läßt sich mit Bestimmtheit nicht sagen, ob er in so kurzer Zeit möglich ist. Da­gegen ist es jetzt sicher, daß Thorn der Sitz ver neuen Wojewodschaft toitU di« den »Namen Pomorre erhalten wird.

krnähruugsjrageu.

Wer nicht arbeiten will, ...

Da« täglich« 9S*et nud dl« anderen Eebrot- Mittel, an denen »« fe sehr mangelt, machen M-t« immer n»ch große Sorge. Di« Er- «ittzrnagSfrag»« nehmen das »ent«« an» «rd«iten im öffentlichen wie im priva­ten Leben im hohem Matze in Ansprnch.

Mit Fleischversorgung, Viehpreisen, Land- arbeiten, Getreide und Kartoffeln und derglei» chen Dingen beschäftigte sich der Haushaltsaus- schutz der Preußifchen LandesversamMlung. Man besprach, wie di« beKagensweri« Lage ge­bessert und wie die Lebensmittel wieder bil­liger werden können. Der Berichterstatter be­sprach bie Zwangswirtschaft, die ein Hindernis für den Landwirt sei und aus Mangel an Transportgelegenheiten bie Versorgung behin­dere. Außerdem bestehe zurzeit kein richtiges Verhältnis zwischen den Unkosten und zwi­schen dem Preis der Produkte. Die Arbeits- leistung gehe zurück und dadurch werde die Ge­samtproduktion ebenfalls beeinträchtigt. Di« Herstellung von Arbeitevwohmmgen sei erheb­lich erschwert. Die Aushebungen hätten den Viehstand dezimiert, so daß auch unser« Fleischversorgung gesährdet sei. Auch Mischen den Fleischviehpreisen und den Nutzviehpreisen bestehe eine viel zu große Kluft. Eine regelrechte Versorgung der Landwirtschaft mit Futter, und Düngemitteln fei unbedingt notwendig. Aus eine erhebliche Einfuhr sei wegen unserer augenblicklichen Valutaverhält­nisse leider nicht zu rechnen, auch hätten wir leider keine Gegenwerte zur Erleichterung bet Einfuhr.

Absperrung vom Ausland.

Ausführlich antwortete der Landwirtschaft». Minister Braun: Das Ministerium lasse sich btt Förderung des Abschlusses von Tarifverträgen angelegen sein, und inan K.u« heute schon sagen, daß 80 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeiterschaft unter dem Kollektivarbeitsvertrag arbeite. Beim Erlaß vom 2. September handle es sich nicht darum, einen Arbeitszwang auszuüben, sondern bte Ernteerträgnisse vor dem Verderben zu bewahren und dadurch die Allgemeinheit vor Schaden zu behüten. Ein Vertreter der Deutschen DoÄspartei plädiert« für freie Wirtschaft, verlangte aber Richtpreise und scharfe Anwendung der Wuchergesetze. Der Staatskommissar für Volksernähnmq warnte dringend vor übereilten Schritten bet Aufhebung bet Zwangsw irtschaft. Wir hätten ja nur noch einen Teil davon, Hafer, Obst, Ge­müse, Eier, HWsenfrüchte, Fische und derglei­chen sind längst freigegeben, und es darf nicht vergessen werden, daß das. was früher bie Blockade bewirkte, jetzt durch die Va­luta ebenso hervorgerufen wird, nämlich bie Absperrung vom Ausland. Damit ergebe sich bie Notwendigkeit, daß wir uns im we­sentlichen aus eigenen Mitteln zu ernähren hätten. ES bestehe bie Gefahr, baß, wenn bei Brotgetreide, Fleisch und Kartof­feln bie freie Wirtschaft «ingeführt werbe, ge­wisse Leute sich im vollsten Umfange eindecken, andere aber Mangel leiden müßten. Von demokratischer Seite wurde betont, daß mit dem Wiederaufbau am Fundament angefangen werden müsse, und biefeg fei eben die Land­wirtschaft. Die Zwangswirtschaft fei nach Möglichkeit zu beseittgen. Mit allem Nachdruck müsse darauf hiugewiesen werden, daß vor allen Dingen gearbeitet werd« und baß diejeni­gen. bie nicht arbeiten wollen, auch keine Er­werb slosenunterMtzung beziehen. Man solle rücksichtslos den Grundsatz zur Anwendung bringen: ,23er nicht arbeit««will, der mag verhungern* Die deuffch« Landwirt, schäft vermöge gegenwärtig noch nicht ohne auswärtige Arbeiter auszukommen, Die Preise für Brotkorn feien heute im Verhältnis zu den Unkosten zu gering, der Anbau nickst mehr ren­tabel. Infolgedessen müßten bte Preis« erhöht werden, damit bie Anbaufläche sich nicht verrin­gert, sondern vergrößert werde.

Die Kartoffelversorgimg.

Der Verband der deutschen Karroffeliuteres» senten hielt kürzlich in Berkin eine Versäum», tuns ab, bie sehr zahlreich besucht war. Der Vorsitzende Frühling führte aus, daß infolge der großen Trockenheit der letzten Wochen t«Ä- weise von einer Mißernte gesprochen werden könne. Eine Aufhebung der Zwangswirtschaft in Kartoffeln sei augenblicklich kaum möglich. Bei Freigabe des Handels insbesondere bei einem Aufkauf des privaten Handels an Ausland, sei zu gewärtigen. daß bie Preise kolossal anziehen würden, was ler^ie- den werde dadurch, wenn ir* Rei-*Skartoffeb> stelle allein als Auftäufer avftritt. Der Letter der Reichslartoffelstelle und «e~rirV- deS Reichsernäbrungsmiuisteriirms, Tve**" Wilm, betonte, daß er, wenn ang^gig, lieber beim öis morgen den freien Haü°"l nrrixr einseten würde, wenn nicht bie $erbrÄrf«>nt.-ttffen dem erttgegeustanden. Der allmähliche Abba« bei