Kasseler Neueste Nach»
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 266
Donnerstag, 16. Oktober 1919.
Fernsprecher 951 und 952.
9. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952.
Umfangreiche Schiebungen bei her Eisenbahn
Ei« netter Zwang der Alliierten
Berlin. 15. Oktober.
ruf schnellstem Wege den beiden Besehlshaberu
«lner Gebiete tdKemmenet Neutralität^Kollschak und Denikin Mgesawdt werden.
Ford ung nach Neutralität.
Basel. 15. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Ein Pariser Blatt meldet: Die Abberufung deS Generals Mangin erfolgte, wie jetzt von offiziöler ©e:t; ,ua.geben wird, auf be-ondercS emdttnglich-s Verlangen der ameri» mischen und englischen R.'gierung. dir erklärten, daß sie olS sra söft, >en Genera* ssturns in den besetzten Gebieten einen General wünschten.'der stch gegenüber den Abspstttenmg^bestrebungen ein»
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3«f<nt<m»ptdNt ®U üetiewgefoatt«« 8*Ut für «mhetmtsch« ®«f4<ift» M yfa. fte »M«. lOärtta» Ätyelgen 35 W. «MlamejeU» für etatjetnrtflx »«tchLft« 76 Vf, für ou8t»örttge SrfchLfr« 1 Mk. «tnfach« Beilage» werde» mit 5 Mart ot» laufen» beredmet aüe# urtt w» IrnernngS.Zufchlag. Bei Uebennittlung von An,eigen auf ttlepfc Weg« rote» für durch H«r» Wer hervorgerufene Irrtümer keinerlei Haftung übernommen. Für die Aufnahme vanLm,eigen mtbefttmmten lagen oder P lüden wird keine »ewühr geleistet, «efchüft« stelle: liölnUch, Lrr. 5.
1U »ofleUt Nenefie» »achrichten erfch einen wöchentlich kechdmal «md «war abend». $«t ■benaementtpreU betrügt monetl Ich» Mark bei freier finfleüim« in« Han« Bestellungen werde» ieder«eti von »er SekchüNrftell« «der den Sete» entpepenpe»ommen. T-nrSeret, Berlap und Sebaltlon Schlachthofstrage 28/90, Jur mwerlangt dnpefanbt« Beitrüge kann Me Siedaknon eine Snantrcortunp oder Sewahr tn keinem Aalle übernehmen Siüchzabkung de« Berno«geldf« oder Anlprüch« wegen etwaiger nicht ordnnngSmüb iger stleierung ansgelchlosten.
Widerwillen gegen die Franzosen.
Ludwigshafen, 15. Oktober. (Eigener Draht» bericht.) Die Lage in der Rheinpsalz gestaltet stch durch den Mord, den französische Soldaten in LüdwigShafen vorgestern an einem deutschen Mädchen verübten, wieder sehr ernst. Die Arbeiterschaft ist entscklosten. infolge der jüngsten Gewaltakte der Franzose« in einen Proteststreik einzutreten. Die Mordtat in Ludwigshafen wurde dem neuen französische« General Degoutte nach Maichr berichtet, der die sofortige krtegSgerichtliche Nntersuck/ung der schuldigen Soldaten verfügte. — I« Spetzer und Landau stnd mehrere neue Regimenter französischer Truppen etngetroffen. Dreihundert Zimmer muf ‘en von der Stadtverwaltung sür die Einguartieruna zur Verfügung gestellt werde«. Die Stärke der Besatzung in beiden Städten ist nahezu verdoppelt worden. Dagegen wurde fie tn Ludwigshafen und tn einigen pfälzischen Orten vermindert.
Forderung Koltschaks und DenÄins aus Her« auSgab» deS von Deutschland eroberte« russisch-n Kriegsmaterials angc. n ommen. Die internationale Kontrollkommis» ston in Deutschland wird mit der Aufgabe betraut werden, die Durchführung der Rüess-efe» runa ,« überwachen. Die Kommission soll zu» nächst feststellen. wo stch das Material befindet und wieviel noch vorhanden ® Dann soll es
Sie BeMirNMsten im VMknm.
Zustimmende deutsche Antwort an Fach.
(Siaene Drahtmeldnng.)
Berlin. 15. Oktober.
Bereits in der Sitzung deS Reich Skabi. nette am Montag ist die zustimmende Ant« wort Deutschlands auf die Baltikum-Note deS Marschall Fach beschlossen worden. Die deutsche Antwort soll Donnerstag oder Freitag nach Versailles abaehen. Sie soll einige Vorbehalte sachlicher und formaler Art enthalten.
Verschlimmerung der Lage.
Königsberg. 15. Oktober. (Privat-Tele- «ramm.) Ans Riga wird berichtet: Die Lage hat stch verschlimmert. Die Beschießung der Vorstädte verursacht großen Schade«. Bor Riga fielen 28 Kriegsschiffe der Alliierten, die bisher nicht in Aktion getreten sind. — Im Baltiklfm standen am 1. Oktober noch 92000 Mann deutsche Truppen. Die Berliner Ententekommisstonen behaupten, daß hiervon nur knapp 15000 auf dem befohlene« Rückmarsch nach der deutschen Grenze seien.
Bahnangestellte als Schieber.
Aufschenerre,wnde Enthüllungen. (Privat-Telegramm.)
Elberfeld, 15. Oktober.
Großes Aufsehen erregen die Mitteilungen deS demokratischen Abgeordneten Fansen-Solingen, die er auf Grund von Feststellungen des von der Eisenbahndirektion eingesetzten Unter- suchungSausschustes veröffentlichte. Danach besteht eine umfangreiche Schiebertätigkeit unter den Eisen bahn beamten. Im Etsenbahnbezirk Elberfeld hat stch ein vollstän- digeS System im Verschieben von ganzen Wag- gonS unter falscher Deklaration herausgebildet, wobei es sich um Milliardenbeträge handelt. Bon der Station Düsteldorf-ReiSholz allein gingen in den ersten sechs Monaten nach der Besetzung täglich 25 Wagenladungen ab. Von diesen wurden immer nur fünf in den Büchern geführt, sodaß nicht zu ermitteln ist, wohin die übrigen 20 Wagenladungen gegangen stnd. Bei einer täglichen Verschiebung von zwanzig Wagenladungen in sechs Monaten et« gibt stch wenn man sür die Wagenladung einen Wert von hunderttausend Mark annimmt, eine Summe von dreihundert Millionen. Wie der Ausschuß behauptet, stnd ähnliche BerMtniffe in allen GrenzbahnhöfendeS DirektionS- bezirks festzusteven. Die gleiche Erscheinung zeigt sich übrigens in vielleicht noch höherem Matze in den Gren-bahnhöfen des Eiseubahn- direkttonöbezirkS Köln.
Besprechung im Ministerium.
Berlin, 15. Oktober. (Pridattelegramm.) Die Beratungen des Eisenbahnministers ntH dem Eisenbahn -Präsidenten von Frankfurt a. M. Dr. Stapsf, konnten bisher nicht zu einem endgültigen Abschluß führen, da die EnDcheidung noch von einer Reibe wichtiger Faktoren abhängt. Es handelt sich hier nm grundsätzliche Fragen der ganzen Verwal- tungSorMmtscrtion, die auf keinen Fall örtlich, sondern nur allgemein zu lösen sind. Der Mi- irister wird daher mit den betreffenden Verwaltungsbehörden Besprechungen abhalten.
ten geplanten Absperrungsmaßnahmen mitzu- Machen, die einigermaßen an die Kontinental Wette erinnern. Die Zumutung, die dabei an Deutschland gestellt wird, ist stark, denn wir sollen uns zu derselben Waffe bekennen, mit der
befleißige. Sie könnten die poktttsche Tätigkeit Mangins nicht dulden und verurteilten namentlich sein Verhalten, das et gegenüber der Reise und der Tätigkeit Dr. DortenS au den Tag legte.
Forderungen der Eisenbahner.
Widerspruch gegen die Direktion.
(Privat-Telegramm.)
Frankfurt a. Di, 15. Oktober.
In einer überfüllten Versammlung Frank- futter Eisenbahner in Groß-Frankfurt wurde am Dienstag nachmittag über die letzten Vorgänge am Sonntag berichtet. Rach langer Debatte wurde einstimmig ein Antrag angenommen, der besagt, die Versammelten vertan, gen, ein Ultimatum von acht Tagen Bedenkzeit an den Gelben Allgemeinen'
Sie Blockade Rußlands.
„Bitte" der Alliierten an Deutschland.
Die großen Herren in Versailles behandeln Europa mit Zuckerbrot und Peitscl>e und zwar Äeichzeittg. In der Frag« der sjtaianung deS Baltikums wird mit der Peitsche gearbeitet, und eS gehört schon.einigermaßen Optimismus dazu, um in der neuesten in dieser Frage an die deutsche Regierung gerichteten Note eine »Milderung des Tons" wahrzunehmen, wie sie von einigen Seiten festgestellt wird. Deutschland wird ebenso wie Deutsch-Oesterreich und die Neutralen sogar .gebeten", die von den Alliier-
interessant zu wissen, ob die Bitte um Betet« ligung etwa in dem Sinne gemeint ist, laß, wenn wir die gewünschte Blockade gegen Rußland nicht mitmachen, die entsprechenden Zwangsmaßnahmen gegen ims kommen sollen. Wir sind durch die bisherige Behandlung sei- terrS der Alliierten skeptisch und mißtrauisch geworden, und wir fürchten die Danaer, auch wenn sie — bitten.
quenzen zu tragen. Die Versammelten sind nicht mehr länger gewillt, mit dem Allgemeinen Ersenbahnerverband weiter zu arbeiten. Unter ftünnitfck/em Beifall nahm dann die Versamm» kung den Antrag auf Entfernung des Präst- deuten Dr. Stapsf, deS Oberregierungsrates Lütike und des Oberbaurates Strasburg aus der Eiseub ahndirektivn Frankfurt a. M. an. Der Beschluß wurde dem Eisenbahnministerium in Berlin sofort telegraphisch mitgeteilt. Angenommen wurde ferner ein Antrag, der schärfsten Protest gegen das Detriebsrätegesetz erhebt, wie es zur Zeit in der RationaVversammlung Mr Beratung steht. Zum Schluß beschMgte sich die Versammlung mit den Ungleichheiten der von der LanveSversmmnlun« beschlossenen BeschaffnngsbeihÄfe für die Staatsbeamten, ^iernr nahm man eine Entschließung an, die fordert: sofortige Auszahlung der Gesamtsumme, Fortfall der Katrenzzeit von sechs Monaten und Herabsetzung des jugendlichen Alters auf achtzehn Jahre. Den Eifenbabnpenflo- nären sei gleichfalls die Beschaffungsbeihikfe zu gewahren. Das Wirtschaftsleben könne nur gesunden, wenn ein durchgreifender Preisabbau eintrete. Darum seien scharfe Maßnahmen gegen Schleichhandel und Schiebertum notwendig, sowie die strengste Durchführung der Zwangswirtschaft.
Spar-röMieu-Anleihs.
Für den Wiederaufban Dentschlands.
Stae neue Arrlsthe für La« Reich wir» t>« anSfkchtlkch Anfang Modems»? au 'gclegh « werden etüat z» je taufend Mare au« gegeben, die Neuerliche Bederzusuuz, g« nieten. Man schreibt ntt» dc>Eve»f»'g«»r»e«, Denn zum Kriegführen Geld, Gold und nochmals Geld gehörte, so trifft das im gletz , <hen Sinne auch für den Wiederaufbau . unseres ganzen Lebens im Innern M Deshalb wendet sich das Reich jetzt wiederum an seine Bürger und fordert aus, chm Geld zu borgen. Anfang November wird eine neue Anleihe in Höhe von fünf Milliarde» aufgelegt werden, die stch von den »«Sher au«, gegebenen wesentlich unterscheidet. Der Zeh. nermrsfchirß der Nationalversamuckung hat stch den Plänen des ReichsflrtcruznrinisterinmS angeschlossen und der Ausgabe einer Prämienanleihe zugestimmt, die als .Sparprämienaw leihe 1919" aufgelegt werden soll. Durch di« ganz besondere Gestaltung dieser Prämienanleihe ist inv essen der Spielcharakter der Aw leihe stark vermindert worden Damit sind auch die Hauptbedenken gegen eine solche Aw teit* verringert. Die neue Anleihe ist m Wahrhert rine Volksauleihe, eine Verstche- rungsanleihe. Fünf Millionen Sparprämirn, dos Stück zu 1000 Mark, sollen ausgegeben werden. Um gerade den Meinen Leutctz das * Erwerben von Stücken M ermöglichen, werden die Käufer von 1 bi- 5 Stücken vorab berück- sichiigt werden. Es muß also feftgohalten werden, die neue Anleihe ist keine verzinsliche An. lorhe, fie hat dagegen Vorteile, die sicher einen starken Kaufunreiz era-eb.-n wirden. Je dos Stück wird Mit einem jähMchen Zuschlag von 50 Mark ausgestattet. Jedes zweit« Stück ist außerdem mit einem .Bonns" versrheck, der bei der Tilgungsziehnng, die einmal im Jahre stattfindet, ausbezahlt wird, wenn die betreffende Stückuumtmer zur Auszahlung kommtz und zwar beträgt dieser Bonns fiir die rsteu orsißtig Jahre 1000 Maik, für Me nächsten Zehn Jahre 2000 Mack und für die letzten vier, zig Jahre 4000 Mack für das Sckck. Der Hauptkaufreiz wird aber In der Gewinnverto - sung liegen, die zweimal jährlich stattfindet und die mit 2500 Gewinnen in Höhe von 25 Millionen auSgeflattet ist. Diese Verlosung enthält 5 Gcwinnezu einer Million, 5 Gewinne zu 500 000 Mack, 5 Gewinne m 300 000 Mack und 5 Gewinne zu 200 000 Mack usw. Jedes urtt einem Gewinn hercmsgekoinmene Stück kann auch fernerhin noch an der Gc- winnvecko-sutrq tcklnehmeu. Wichtig ist weiter, daß die Stücke zur Hälfte mit Kriegsanleihe und zur HMfte in bar bezahlt werden können. Fernerhin ist nach dem Vorschlag von Prof. Bernstein ein Rücktrittsrecht eingeführt worden; mit einjähriger Kündigungsfrist können die Stücke einschließlich der jährlichen Zn» .schlüge, abzüglich 10 Prozent znrucksczE werden. Die Gewinne werden «Isichsalls mit einem Abzug von 10 Prozent ausgezahlt. Endlich muß noch darauf hiitgewiesen werden, daß fttuerlirbe Erleichterungen für diese Anleihe vorgesehen sind, und zwar bleibt der Besitz 6a» zu V Stück von der Errichtung der Nachlaß mtd Erbansallsteuer befreit. Weittre Erleichterungen treten bst der Vermögenszu» Wachssteuer und der Kapitalertragssteuer ein. Die neue Anleihe darf auf ernste Beachtung iw allen Kreisen Anspruch erhebe^ sie wird zwei» fellos einen starken Anreiz ausüben nnd ist sür den Käufer wie auch für den Staat günstig.
Deutschland gestellt wird, ist stack, denn wir sollen uns zu derselben Waffe bekennen, mit der man uns geschlagen hat. Ledigluh die Blockade war es, die schändliche Hungerblockade, die uns niedergerunaen hat, und mit Fug und Recht haben wir immer wieder die Umnenschlichkeit dieser Maßnahme betont. Jetzt wollen die AM- retten, nachdem der militärische Feldzug gegen Sowjettußland mißglückte, nachdem di« Unter» Kung der Denikin und Koltschak sich trotz aller üe Welt hinausposaunten Siege als erfitg» los erwiesen hat, Sowjetrußland mit der Blockade niederzwingen. Nebenbei geben sie die Hoffnung auf Koltschak und Deni- kin noch nicht auf, beim diese beiden russischen Befehlshaber, die im Auftrage der Entente arbeiten, verlangen jetzt von nrtfchland die Zu» rückgabe des einstmals eroberten Kriegs» matenals. Der Alliiertenral findet stch sogar bereit, diese unberechtigte Forderung zu unterstützen. Also auf der einen Seite wünschen die übeckchlauen Herren, daß wir für Ihre Interessen arbeiten sollen und auf der anderen Seite suchen sie uns rücksichtslos zu schädigen und zu demüttgen.
Preußens Landesversammlmrg.
Besprechung der Eifenbahnmängel. (Tckegraphischer Bettcht.)
veckin. 15. Oktover.
Die Kohlenverforgung macht in allen B«> trieben große Schwiericckerten. Auch die Bäk» kereien haben sich bcklagt. Ein Regierungs- Vertreter rät ihnen, sich direkt an den ReichS» kommiflar zu wenden. In der Tumult» schädenkrage sogt ein« RegiernngSvertrrt«, Katz eine Entschä digung in Au ssicht genommen sei. Es wird sodann die Beratung des Eise»» hahnetats fortgesetzt. Abg. Ebersbach sDeutschnaÄ.): Vorbedingung des Wiederaufbaues ist die Gesundung unseres Effenbahnpev- bnals. AuS dem Bez ick Ekbeckeld sind 500 Wagen Lebensmittel nach dem besetzten Gebiet abgesckobeu worden, um ihre Beraub««» zu vekhrndettr. Es handelt sich um einen Werl von 200 Millionen Mack. Eine hierauf bezügliche Anfrage eines FroktionsfreundeS an de« Minister hat noch kein« Antwort gefunden. 1‘.frört! frört! rechts.) Abg. Bellert (U. S.)t SS muß eine Besserstellung aller Beamtenstaflen »efÄgen, in erster Linie der Unterbeamten. Im Personenveckehr muß man sich auf eine Wa» genöafje beschränken. Der Kohlerrmangel bestand schon tn der KriegKzeit. Abg. Saw^et»
Unter der Fremdherrschaft.
Der erschossene französische Offtzier.
(Eigene Drobtmelduna.)
Saarbrücken. 15. Oktober.
Der französische Offizier, der in Saarbrücken währ end der Streilunruhen erschossen wurde, ist der Bataillcmschef Francois Berrault. der den ganzen Krieg mittnachte. Der .Temps" belichtet auS Saarbrücken: Berrault war mit seiner Frau in einem Zimmer des Hotels, al» eine verirrte Kugel ihn ttaf. die offenbar von sehr weit kam. Das ist ein indirektes Geständnis. daß Berrmilt durch ein französisches Jnfanteriegeschoß getötet wurde, denn die Ausständigen schossen mit Revolvern, die nicht weit tragen. Nach diesem Bericht beträgt die Zahl der Verhafteten etwa siebenhundert. Bisher sind 38 Personen verurteilt, darunter ein Ausländer zum Tode, weil er aus einem französischen Gewehr geschossen hatte. DieseS Todesntteil ist sofort vollstreckt worden.
Freilich handel; ec ~ '-'«rbei nicht um eine Hungerblockade in d » ne, wie sie gegen Deutschland gehandhc... ....roe, beim das russische Riesenreich ist im wesentliche« als Agrarland gleichsam Selbsöversorger, wenn auch freilich durch die Abschneidung der Zufuhren aus der Ukraine dem russischen Koloß ein gut Teil seiner Lebenskräfte geraubt ist. Auch kommt für unS die .Gewissensfrage" insofern kaum in bttracht, als die bei weitem meisten Verbote, deren Durchführung die Alliierten von uns fordern, für uns gegenstandslos sind. Tenn em» mal haben wir durch die Schaffung des polnischen Pufferstaates keine gemeinsame Grenze mit Rußland, was ja der Zweck der Hebung war. Weiter wird die Ostsee von den Briten behertscht, sodaß die Blockade dort auch ohne unser Zutun gesichert ist, und endlich leiden wir E derart Not, daß wir gar nicht in der sind, den Russen Zuftchren zu kommen zu lassen. Im wesentlicken könnte eS sick also höchstens um Unterbindrmg des Dchleicbban- dels nach Rußland handeln, eine Maßnahme, i an der wir freilich sogar interessiert wären. Was endlich die Verhinderung deS diplomati- scheu mrd Postveckehrs, sowie di« strenge Paß- konttolle gegen Rußland betrifft, so kann von den ersteren beiden kaum die Rede sein, und waS die letztgenannte Konttolle betrifft so würden wir gewiß jede Maßnahme zur Verhinderung bolschewistischer Einfuhr mit Befriedi- emg begrüßen, aber eS fragt sich, wieweit eine lche Sperrung jetzt überhaupt noch @rfolg verheißt, nachdem die bolschewistischen bereits gang Europa und leider be
sonders veckeucht haben.
Immerhin ist es bemeckenSwett. daß den Staatsmännern der Alliierten jetzt endlich vor der bolschewistischen Gefahr bange Wirb, nachdem sie bisher immer so getan haben, als ob es sich dabei um eine Art .Dauernschreck" handele, mit dem wir ihnen Angst machen wollten. Aber eS ist sehr fraglich ob der erstrebte Zweck erreicht wird, denn einmal könnte die Saitte Sperr« den Bolschowisten im eigenen be leicht Sympathien erwerben. Vielleicht ober auch in den anderen Ländern, beim wie die Sozialisten ht den alliierten und in den neutralen Ländern sich zu der angeregten- heiligen Allianz stellc n, bleibt ahzuwarten. Daß wir an sich jeder wirksamen Bekämpfung des Bolschewismus, der unsere Wirtschaft, unsere ganze Kultur bedroht, zustimmen, tfl selbstverständlich Aber e5 fragt sich einmal, ob die angeregten Maßnahmen zweckdienlich und erfolgversprechend stnd, und di« brutsche Regierung ward sich vor ihrer Entschek mg, die erst nach sehr reiflicher Uebeckegnng fa^en wird, zunächst vergewissern müssen, welche Ab sich, ten die Alliierten in letzter Linie mit ihrer Anregung veckolgen. Ein ge. s,.r Verdacht spricht nämlich dafür wie wir fixier* ff on aus- sprechen konnten, daß eS sich " .bei acht zum geringsten Teil um einen Ausfluß de- s.urht vor einer späteren Verständigetz zwischen Deutschland und Rußland — nicht DM." Sowjet, rußland, sondern einem inneren Ordnung gelangt«« Rußland — ha.ibekt Auch wäre es