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Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 264.
Fernsprecher 951 und 952.
Dienstag, 14. Oktober 1919.
Fernsprecher 951 und 952.
S. Jahrgang.
öemuhuU um Zriedensvertrag und Völkerbund.
Za» Reichsnotopser.
Unoorfichttge Steuerpläne.
Daß mit den kommenden neuen Steuer- Gesetzen starke Eingriffe in die Besitzverhaltnisse der Einzelnen vorgenommen werden müssen, ist in der flnanzieLen Potlage des Reiches ausreichend begründet. Aber es ist in der Verteilung der Lasten auch große Vorsicht geboten. Bei dem Wetteifer, der sich in den Vorschlägen gegenwärtig in der Nationaldersamurlung ent- wilkelt, können ernste wirtschaftliche Gefahren entstehen, die nicht zuletzt auch die Arbeitnehmer benachteiligen. In der Kommission für das Neichsnotopfer haben die Unabhängigen neue Airträge gestellt, nach denen das Höchstvermögen etwas über siebeneinhalb Millionen Mark betragen soll. Die Mehrheitssozialisten haben beschlossen, diese Anträge noch zu überirumpfen. Nach ihrenk erneuten Anträge sollen nur drei Millionen Mark Vermögen belassen werden. Eine Familie soll in Zukunft nicht mehr als 960 000 Mark Vermögen haben. Gegen diese Berechnung wendet sich mit großer Heftigkeit der ehemalige, von den Demokraten in das Kabinett entsandte RetchSschatzminister Goth ein in der , National-Zeitmnft. Er macht daraus aufmerksam, daß die 960000 Mark, welche die Mehrheitssozialisten den Millionären lassen wollen, nach dem heutigen Goldwert nur etwa 175 000 Mark ausmachen. Mit dem Zinsein- kommcn eines solchen Vermögens würden sie noch nicht einmal den Mietwert ihrer Wohnungen bezahlen können. Sie müßten vielmehr Wohnungsgebäude und Wohnungseinrichtungen verpfänden. um nur wohnen zu können.
Für diejenigen, die nicht mit Sorgen geplagt sind, ob man ihnen sieben Millionen, drei Mil- lonen oder nur 960000 Mark beläßt, sind alle diese Erörrerunaen wenig aufregend. Ammer- Hin ist es doch erforderlich, daß man sich den Blick nicht von großen Ziffern trüben läßt. Den wirtschaftlichen Interessen unseres Volkes widerspricht eine glatte Vermögensft, nfiskation. Gothein hat Recht, wenn er sagt, daß das Einkommen aus großen Vermögen nur zum kleinsten Teile dem Unterhalte der Familie dient, sondern überwiegend vielmebr zur Kapitakbil- dung verwandt wird, das heißt: «zur Schaffung neuer Produktionsmittel, also von Arbeitsgelegenheiten aus der Erweiterung und Neuanlage von Fabriken, Bergwerken, Eisenbahnen, Schiffen, Maschinen, dem Bau von Wohnhäusern und der Verbesserung des Grund und Bodens. Es ftndet Verwendung in den Anleihen des Reiches, der Staaten und Gemeinden für ihre produktiven Zwecke. Soweit es in Kolonien oder in ausländischen Unternehmungen angelegt ist, sichert es uns den Bezug unentbehrlicher Rohstoffe, verbessert unsere Zahlung bilanz. ermöglicht uns, größer« Werte an Waren einzuführen, als wir aus- führen. Das aber wiederum hebt die Lebenshaltung der breiten Massen". Es würde sich in der Tat für das ganze Wirtschaftsleben als außerordentlich verhängnisvoll erweisen, wenn die blind« Sucht, den sogenannten »Kapitalismus" zu zerschlagen, dahin führen würde, daß man alle wirtschaftSbÄdenden Kräfte lahmlegte.
Absperrung der Ostsee durch alliierte Kriegsschiffe.
Der Streit um die baltischen Provinzen wird immer ernster, aber nicht durch deutsche Schuld. Russisch« Truppen sind es, die in das lettische Gebiet eindringen mit der Begründung, gegen die Bolschewisten y. kämpfen Bon britischer Sejte wird berichtet, daß auch deutsche Soldaten auf der rttfsischen Seite beteiligt seien. Aber die deutsche Regierung stellt fest, daß es sich nur um die in russische Dienste übergetretene kleine Truppe handeln könne, mit der die Regierung nichts mehr zu tun habe.
tente Vorwürfe wegen des den estnischen Truppen vor den Toren Rigas in diesem Sommer aufgezwungenen Waffenstillstandes. — Oberst Bermondt Awalow hat ein Telegramm an den Oberkommnndierenden der lettifdjen Armee gerichtet, in dem er, um Vergießen von Bruder- blut zu verhindern. Waffenruhe und Ber- handlungen in Mitau vorschlägt und zum allgemeinen Kamps gegen die Bolsche- w icki aufnlst. Die deutschen Gesandtschaften versuchten Riga vor Beginn der Oxeratio-
Die Blockade.
Berlin, 12. Oktober (Privattelegramm.) Die stampfe ht der Gegend von Riga haben die Alliierten veranlaßt, allen deutschen Schissen die Einfahrt in die Ostsee zu verbieten. Schisse, die sich aus Dee in der Ostsee befinden, sind zurückzurufen. Deutsche Schifte, die in der Ostsee befindlich angetroffen werden, sind der Beschlagnahme durch' die' Alliierten mtterwor- sen. Minenräumschiffe sind zurückzurufen. — Die Kieler Schisfahrt ist durch die gestern in Kraft getretene neue Blockade schwer betroffen worden. Alle Verbindungen der Küstenplätze mit den Inseln Fehmarn und M- fen sind in Frage gestellt. Neber das Schicksal der in Dee befindlichen Schiffe ist zur Sttmde nichts bekannt; erreichbar find sie nicht, weil sie keine Funketttelegraphie an Bord haben. Da? Lnslauken von Schiffen wird behZrdsicherst'tS verhindert. In der westlichen Osftee find sein d- liche Kriegsschiffe beobachtet worden. — Die Blockierung der Ostsee verursacht für D an - z i g großen SchadeiGdenn das Wirftchostsleben ht Danzig ist in sehr erheblichem Maße aus den Schiffsverkehr angewiesen. In den nächsten Tagen wurden große Kohlen- und KeringstranS- porte erwartet, durch deren Ausbleiben die Dan. ziger ht große Schwierigkeiten kommen. Kriegsschiffe des Verbandes liegen fett vierzehn Tagen nicht mehr tot Danziger Hafen.
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Die Kampfe vor Riga.
Königs berg, 13. Oktober. (Privattelegramm.) Laut Berichten des offiziellen letti- schen Pressebureaus aus Rewal sind die lettischen Truppen infolge der großen Heber legenheit der russischen Formationen Bermondt- AwalowS aus daö rechte Ufer des DünaslusseS zurückgewvrfen worden. Die letttfche Regierung verließ Riga und begab sich nach der Station Rodonpeis. Augenblicklich gehen die rcattionä- ren Truppen BermondtS auf breiter Front zwischen dem Dünaftutz und dem Rigaischen Meerbusen vor und sind in einen Borort Rigas ein- gednmgen. Die estnische Presse macht der En-
nen zu verlassen, wurden aber von den Letten zurüsgehalten. — Bus Riga wird gemeldet: Ans Ersuchen der lettischen Regierung sind die öffentlichen Gebäude in Riga durch M a t r »- fett der vor Riga liegenden »liierten Schisse besetzt worden. Aus Ersuchen des eng. fischen MartnekomMandanten wurde der Fahr- verkehr in der Rigaer Bucht eingestellt.
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Rote wegen der Räumung.
Berlin, 12. Oktober. (Privattelegramm.) In der Frage der Räumung des BrltikmnS hat die Entente der deutschen Regierung vis bereits mehrfach angekündigte Rote des Marschalls Fach zugehen lassen. Zunächst wird darin die Zweckmäßigkeit der von der deutschen Regierung eingeleiteten Maßnahmen gebilligt, jedoch hmzugefügt. daß es angesichts der eingetretenen Verzögerung schwer sei, nicht anzunchmen, daß diese Verzögerung beabsichtigt wurde. Die an 8. Oktober in Lettland begonnene deutsche Offensive hätte die Lage noch erheblich verschlimmert Tie verbündeten Regke- nmgen erhalten daher das Prinzip der »ollen Verantwortung der deutschen Regierung und ihre in dem Telegramm vom 27. September a»gekündigten Maßregeln aufrecht,, wenn der Abtransport nicht endlich unternommen und mit aller wünschenswerten Eile durchgeführt wird. Um die Ausführung dieser Operationen zu erleichtern, werden die Alliierten ihr- Bertteter entsenden, um am Platz selbst in voller Mionsfreiheit ein« wirksame Kontrolle dieser Maßregeln auSzuüben. Erst wenn diese Kommission den normalen Abtransport der deutschen Truppen ans dem Baltikum bestätigen wird, werden die Repressalien gegen Deuftch- lartb aufgehoben. — Der deutschen Regierung ist von der Entente wegen der wirtschaftlichen Absperrung Rußlands eine Rote überreicht worden, in der die deutsche Regierung gebeten wird, den von den Nenttalen gegenüber Rußland verhängten Maßregeln sich anzufchlie- ßn — Ans Stettin wird berichtet: Dre Pom- merschen Reedereien teilen mit, daß zurzeit der Bekanntgabe der Ostseebl-ockade durch die Mi- ietten vierustddreißig deutsche Schiffe auS p o m- merschen Häfen unterwegs waren. — Eine starke Flotte der Alliierten wurde gestern auf der Ostsee südlich von KarkÄrona in der Fahrtrichtung nach dem Osten gesichtet.
Wer sollte noch ein Interesse daran haben, Kapitalbildungen und damit Belebung der Pro- duktionsfähigkett der deutschen Wirtschaft zu be. treiben, wenn die in den Betrieben erübrigte Summe ehrfad, konfisziert würde. Es würden ja damit alle Möglichkeiten zur Inangriffnahme neuer VettiebsfiLtten und damit zur Schaffung neuer ArbeitSgelegenhetten entfallen. Darauf aber beruht doch gerade der wirtschaftlich« Forftchritt eines Landes und zumal di« Wiederaufrichtung unseres deutschen Wirtschaftslebens, mit dessen Gedeihen oder Verderb wir olle mit unserer Eristenz verknüpft sind. Mft Recht weist auch Gothein darauf hin, daß, sofern da-s Reich solche Konfiskationen vor- mnmtt, nach dem Friedensverttag di« F e i n b e di« erste Hypothek auf solchen Reichs- besitz haben. Wenn die Krupp-Familie von ihren 200 Millionen Mark Aktien an der Firma 199 Millionen an das Reich abgeben müßte, würde die Entente sofort auf die Aktien Beschlag legen und sie an amerikanische oder eng. kiische Unternehmer Wetter verkaufen. »Für ein Butterbrot", so sagt Gothein mit Recht, würden bann di« Gegner dieses Unternehmen erwerben können. Die Anträge auf eine derartige Schröpfung ht deutschen Kapitalien werden ja nun wobl keine Annobm« finden. Aber wir müssen Gothein auch darin zustimmen, daß schon die Einbringung dieser Anträge eine große volkS- wrrftchafSiche Gefahr bedeutet. Man sieht daraus, wohin die Reife geht, welcher die wüt erreichenden Absichten gegenüber unserem Wirtschaftsleben sind, und dar hat wiederum nur zur Folge, daß weitere Millionen Kapitalien nach dem Auslande sverschoben werden. Man kann' in der Tat verlangen, daß in Re- aierung und Parlament etwas mehr Volkswirt- schaftlichcs Verständnis und namenttich etwas mehr Vorstänouis für die Bezic' ungen zwischen
BermögensSÄdung und Existenzbedingungen I b u n d zu entscheiden. Die UntersuchungSkom- der Arbeitnehmer Platz greift. Wir kommen | Mission befürwortet den Beitritt.
sonst auf eine schiefe Bahn, auf der eS kein! *
Aufhalten mehr geben wird. Die Ratifizierung.
BMerbund MdFriedensverttag.
Frankreichs Verhältnis gu Deutschland.
(Eigene Drahtmeldung.l
Genf. 18. Oktober.
In seiner ScnatSrede über den Friedensverttag sagt« Elemenceau, daß die Ausführung des Vertragens seitens Deutschlands der Probierstein sei. Frankreich müsse seine Vorherrschaft sichern. Damit Deutschland aber bezahlen könne, müsse eS arbeiten. Das beulfdit Volk sei intelligent, ordentlich und methodisch. Wilson wünsche, daß Dcutschland bald in den Völkerbund ausgenommen werde. Der Senat beschloß, dis Rede ClemenceauS durch Anschlag zu veröffentlichen und stimmte dann dem Friedensverttag zu.
Am französischen Senat.
Amsterdam. 13 Oktober. (Eigene Draht- Meldung.) Aus Paris wird berichtet: Der Senat hat den Friedensvertraq mit 217 Stimmen einstimmig angenommen. Di« Anträge betreffend den Vertrag mit England und Amerika wurden ebenfalls angenommen.
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Norwegens Beitritt befürwortet.
Chritziania. 13. Oktober. (Eigene Draht- moldung.) Das norwegische Störchin« wird Mitte November einberufen, um di« Frage des Beitritts Norwegens zum Völker-
Hang. 13. Oktober. (Eigene Drahtmekdung.) Die Bemühungen, den Fr-edensvertraa in Kraft zu setzen mb den Völkerbund zustande zu bringen, werben fortgesetzt. Der König von England hat den Friedensvertraq ratifiziert und die Ratifizierung telegraphisch nach Paris gemeldet. — Der Washingtoner Kor. refponbent der „Daily Chranicle" metoet, setzt, wo die Erfahr einer Rückverweisung des Feie- densvertrageS an die Friedenskonferenz Hefei- fiat fei. bestehe kein Zweifel, baß her Friedens- «nb der Bölkerbnnbvertrag bestätigt werben Würbe.
KaMalfluA im Kleinen.
Telegramme mit bezahlter Antwort.
Berlin, 13. Oktober.
(Privat-Telegramm.)
Der Telegrammverkehr wird jetzt ebenfalls zur Kapitalflucht im Kleinen benutzt. Im Verkehr mit Schw eben hat man beobachtet, baß wiederholt Telegramme mit vorausbezaWer Antwort für einr unverhältnismäßig große Anzahl von Wortei. bis zu §00. ausgeqebe« werden. Für ein derartiges Antworttelegramm sind fast 320 Mark einzuzahlen. Der Empfänger Mft die Antwort nicht auf, fordern fofbert den Betraa in schwedischer Währung zurück, wobei der Währung Sunterschiw auSgenutzt wird. Um diesem Mißbrauch zu begegnen, hat W Reichs, Ministerium jetzt die Zahl der dorcm-MbezaylcN- den Wörter im Tcbgrammverkehr mit Schweden bis auf weiteres auf 30 b-sthrünkt.
Sie Seele der Deutschen.
Et» Bortrag Dr. HornefterS.
Der bekannte Philosoph Dr. Ho Messer, der to Kassel noch in den letzten Wochen mit seinem vortrefflichen Buche .Erkenntnis" viele Leser und Anhänger gewonnen hat.' konnte sich auch am Sonnabend einer zahlreichen Zuhörerschaft erfreuen, als er im großen Stadtpark. faal mit hervorragender Rednergabe über Deutschlands Not und Ausweg zur Besserung sprach. Wenn er eistleitend sagte, daß wir weder in stummer Verzweiflung verharren noch in laute Klagen ausbrechen dürften, sondern neue Wege finden müßten, so war er wohl in die- smn Gedanken sofort eins mit den Anwesenden, die ja offenbar Ml« diesen Weg Mr Erneue- rnng unseres Vaterlandes suchen. Dr. Horn es. fer ist unseres Erachtens der rechte Mann, der ein Führer to schwerer Zeit sein kann. Wie er in feinten Buche gegeigt hat. daß er di« Lage unseres Volkes richtig beurteilt, die Fehler kennt und darüber nachgeb acht hat, wie nun zu helfen ist, so gab er auch durch seine Worte den' Beweis von außerordentlichem Weitblick ttrtb en em hoben Standpunkte. Als Grundlage seiner Au-sführungen gab er den feststehenden Satz, daß zwei Triebkräfte das ganze menschliche Leben beherrschen: der Trieb zur Gemeinschaft und der Trieb zur Per. ftönlichkeit, das ist der Gösamtwille und der Einzelwill« oder
Sozialismus «nb Individualismus.
Mr dürfen also, wollen wir alles Geschehen begreife^ nidrt nur die eine Sette erforschen und pflegen, sondern müssen beide Seiten be- vüchichtigen irnb entwickeln. Wir sollt'» im>er- ktzh frei* Menschen erziehen, die gu einer Gemeinschaft vereinigt werden müßten. Aber je größer die persönliche Freiheit unb Eigenart, desto schwieriger ist der Zufammenschluß.
rum ist e$ dem Deutschen bisher auch so sckwer geworden, sich einen geeinten Staat zu schaffen. Unaufhörlich wärest die Kämpf« um den deutschen Geist, um die deutsche Serke. Nach zwei Jahrtausenden gelang es endlich ein starkes deutsches Reich zu schaffen, und doch war es nur für ein Menschenalter. Das ist das Schicksal des deuftchen Volkes^ dessen einzelne Stämme M viel SelbstÄndiakelt wollen. Wir haben geglaubt, wir seien ein VE der Ord- mmg und Disziplin. Das sind wir aber nicht Nur mühsam war die Disziplin für einige Jahrzehnte aufrecht erhalten worden, bis jetzt die alte verhängnisvolle Qnerköivfiakeit der Deutschen wieder die Oberhand gewann. Wir haben geglaubt, wir seien das Volk der Treue, da wir die Treue als höchste Tugend 6 cf Tn gen. Auch das war ein Irrtum, denn wir sehr» fetzt wieder, wie einzelne Grengstämme vom deutschen Reiche abfallen möchten. Nationale r Ve'rra: ist ein ChavakrewAg in der gan, zen derrftchen Geschichte. Darin gleichen wir den alten Griechen, die auch etn hochbegabtes Volk mit teuer edlen JhtThrr waren, aber doch keinen starken Staat bilden konnten. Auch damals ist das Streben nach Autonomie der einzelnen Stäinime dem ganzen Staate zum Verhängnis actoerben. Demgegenüber stand her erfolgreiche Gerneinfchaftswille des römischen Staates, in dem sich di« straff« Zucht und Mnordmmg tu ein Ganzes verkörperte und «war durch das machtvoll« ehtwnbe Band b«8 Christentums. In der Renaissance erwachte wieder der PersörSichktetSwille, wobei aber der freie Bürgerstaat daS Ideal wurde, das namentlich die Engländer tatb Fran, zofen «rrtftrdbten. Dieses Ideal b-s:tzen sie heute noch, obwohl ihr Volkscharakter doch von Natur aus unterordnend ist. Nirgends ist die Gltechfönniaktet imd Eintönigkeit des tag. Kchen Lebens, der Sitten und der Anschauun. gest so verbreitet wie in England. Weil wir Deutsche aber nicht so sind und niemals so werden, darum flommen wir den anderen Döh, fern so unhetockich vor. Unser devtfchxr Volks» charakter schillert in allen Färbest. Darum können wir das .Freihettsideal der westlichen Völker nicht tenfmh übernehmen. Wollest wir dar deutsche VoN richtig erkennen, so brauchen wir nur Kantern verstehen, der den deuftchen Geist treffend gekennzeichnet hat. Kant wollte der Menschheit drei Ideale geben, das Stroben nach
dem Wahren, d«n Guten unb dem Schönen. Me deck wurzeln in dem einen Grundgedanken, * tot Gesetz. DaS Gesetz, daS sich der Mensch auf. Sb er Erkenntnis geschaffen hat. ist bie
St. AuS ber gesetzlichen Freiheit und freiet Gesetzlichkeit gingen all« deutschen Er- rungenschafteir hervor. Nur dadurch könne« '.oft genesen, daß wir zur freiwillige« Disziplin übergehen. An die Stelle der rein verstarchermäßigen Erziehung mutz wieder dde Pflege deS GefShiS und ber Seele treten. Anstelle bet Erziehung gut Wissen-