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Freitag, 26. TevtemSer IDT».

Saftetet Neueste Nachrichten.

e. ^ayrgang. Hi. 249.

5er größten Tarametcruuternshmen tiefer Tage 150 Lhauffeure entlassen hat. Wer sich die Re- tzaurants mitHundstagsunterhaltuug' in 2er VevgnmyMgsMcht Coney Islands ansiecht, wird keine Sikörstube mShr sehen, weil der Verdienst um 60 Prozent gegen früher gefal­len ist. In einigen Teilen der Vcrgnügnngs- ftadt sind Trockenbars errichtet worden. Eino qshört der Heilsarmee an und wird folgender­maßen beschrieben: Es handelt sich um ein erfolgreiches Experiment. Als der Schreiber dieser Zeilen dorr war, wurde die Bar gerade von vier uniformierten Heilsarmeeleuten und zwei grinsenden Mädchen bedient. Es gibt Tee, Limonade, warmes Essen, Eis und Ge- Mch. Die großartig angelegte Trockenbar ist eine hübsche FrLWtücksstube, sozusagen eine .heilige Frühstücksst:che, in der aiemüden Wanderer" gelabt werden. Der Verein christ­licher junger Männer wird auch Trockendars nach demfelben Muster bauen. Ein Priestep der Methodisten glaubt, daß sich die Verhält­nisse in seinem Kirchensprengel außerordentlich gebessert haben. Die Leute leben venmtrfkigrr. Kinder neigen jetzt mehr den Bestrebungen der Kirche zu. Auch) würde jetzt besser gear­beitet als früher. Die blauen Montage wür­den nicht mehr gefeiert, und jeder Mensch er­scheine wie an' anbei,en Tagen zur Arbeit. Sicher ist, daß eine Besserung der sozialen Verhältnisse tatsächlich eingetreten ist. Die er­sten Wochen des Alkoholvcrbots hak in Kali­fornien die Zahl der Arreststrafen um zwei Drittel vermindert. Nach den vorliegenden Angaben hat das Verbrechertum erheblich ab- genommen, und das soziale Wohlbefinden ist günstig beeinflußt worden.

Wucher und Echiedertmn.

Bedrohliche Zustände in Köln.

lPrivat-Telearamm.)

Köln. 25. September.

Stadtverordneter Sollmann, Vorsitzender des sozialdemokratischen Vereins, weist in einem offenen Bries an den Kölner Oberbürgermeister angesichts der sich rasch steigernden Teuerung auf die verzweifelte Stimmung großer Schichten der Bevölkerung hin. Wucher und Mangel drohen Formen anzunehmen, die auch die schlimmsten Erscheinungen der Kriegs- zeit übertreffen. Die Erbitterung wird bis zur Siedehitze gesteigert durch das Treiben eines deutschen mrd internationalen Schiebertums. In aufreizendster Weise macht sich raffinierter Luxus vor beft Augen der Vielen breit, denen für sich wld ihre Kinder das Nötigste fehlt. Dies werde nicht mehr lange ertragen werden. Sei kein Ausweg möglich, dann stehe ein Ende mit Schrecken bevor, das gefährlich für die augen­blickliche Krise sein könne. Die Arbeitermassen ständen ratlos und drängten zu Handlungen. Sollmann fordert im Namen des sozraldemokra- tischen Vereins sen Zusammentritt einer Kon­ferenz, bestehend aus Vertretern der Stadt­verwaltung, der Regierung, der Staatspolizei, der Eisen'bahnÄirektion, der Gewerkschaften aller Richtungen und maßgebender Beauftragter der Untersuchungsbehörden.

totsoBstouB-Beratung.

Haushaltsplan de§ Reichspräsidenten.

sPrivat-Telearamm.)

Berlin, 25. September.

Der Haushaltsausschutz der Nationalver­sammlung sollte gestern nach Verabschiedung des Etats des Reichsfinanzministeriums mit »er Beratung des Haushalts jur den Rercospräsidenten beginnen. Durch die Mitteilung des stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Pachnicke über einen inzwischen eingegan- Senen Nachtragsetat ergab sich aber die Not­wendigkeit, die Beratungen solange auszu­setzen, bis die Fraktionen haben Stellung neh­men können. In diesem Nachtragsetat ist die bisherige Abmachung vorläufig umgestoßen. Für den Reichspräsidenten werden ein Ge­halt von 120 000 Mark und außerdem 200 600 Mark Auswandsgekder gefordert. Daneben soll der Reichspräsident Anspruch auf freie Dien st Wohnung m« GeräteauSstattnr.g

I erhalten. Der Ergänrungsetat sieht nun aber weiter noch ein besonderes Büro für den Reichspräsidenten vor. bestehend aus einem Nnterstaatssekretär, drei Vortragenden Räten, einem ständigen Hilfsarbeiter und zahlreichem Unterpersonal. Als im Winter unter den Mehrheitsparteien die Abmachungen über die Angestellten des Reichspräsidenten getroffen wurden, waren von keiner Seite so weitgehende Forderirngen erhoben worden. Auch von so- zialdemokratsscher Seite wird zweifellos dage­gen Einspruch erhoben werden. Der Ausscknrß hat daher mit vollem Recht zunächst die Be­gründung des Reichsfinanzministers Erzberger über den überraschend vorgelegten Ergäu. zungSetat zu hören, dann aber erst die Fraktionen sprechen zu lassen, bevor wertere Entschlüsse gefaßt weichen.

Unzufriedenheit im 6M.

Wie Pie Deutschen uertrieben werden.

(Eigene Drahtmeldung.)

Straßburg, 25. September.

Die Landes zottung meldet aus Hagenau im Elsaß: Auch bei uns in Hagenau ist nicht alles so, wie es sein müßte, und bakd werd uns ein­heimischen Elsässern nichts anderes mehr übrig bleiben, äks unser Bündel zu packen, um jen­seits der Grenze unser Brot zu verdienen. D« Haoenauer Chanrpagnerfabrik hat als Keller­meister einen Franzosen eingestellt, dessen erste Sorge es ist, möglichst viele Elsässer durch Fran­zosen zu ersetzen. Dian hat bereits dreizehn Elsässer, darunter solche, die schon viele Jähre bei der Firma tätig waren, entlassen. Aus ihre Frage nach dem (Sntifoe der Entlassung wurde ihnen nur gesagt, sie sollten ruhig Wer die Brücke gehen. ES wären Franzosen genug da, um an ihre Stelle zu treten. Dem Faß der Erregung über dieses Treiben fehlt zum Ueberkaufen nur noch ein Tropfen.

Wirtschaftliche Rundschau.

(Roch dem Stande vom 24 September.)

Geldmarkt: An der Börse war das Hauptinteresse weiter auf Auslands- und Ko- lontalwerte gerichtet. In Valutapapieren ent­wickelte sich ein angeregtes Geschäft. Trotz der denkbar trostlosen wirtschaftlichen Lage herrschte an der Börse in der vergangenen Zeit eine fie­berhafte Hauffestimtmmg. Produkten­markt: Ohne Optimismus auflommen zu lassen, kann eine größere Produktion an Kohle festgestellt werden. Auch der Versand hat emo leichte Besserung erfahren. Die Ruhrkohwn- zecken haben einen Antrag auf weitere Preis- erhöhmi-g Gestellt. In Oberfranken soll man auf mächtige Flöze gestoßen sein. Am Me­tall- und Eisenmarkt halten die Preis- ephöhungan an. In der Ikletneffenindustrie ist die rSeschSfnguiig sehr befriedigand, doch stört der Mangel an Rohmaterialien, wodurch man­cher Betrieb auSsetzen muß. Die Zufuhren von Rohbaumwolle aus Amertta haben wieder begonnen. Warenmarkt: Nach allen Garn fort en herrscht starke Nachfrage, die bei weitem nicht gedeckt werden kann. Tie Frankfurter Messe findet Heuer vom L bis 15. Oktober statt. Als Neueinrichtung ist dort der Kunst- und AntiauAAetthandel zu be­zeichnen. Landwirtschaft: Bei schönem Wetter sind dft Erntearberten überall zum Abschluß gelangt. Das Druschgeschäft geht lebhaft vonstatten, weshalb auch die AbKeftrun- gen zu nehmen konnten. Dtzr Handel mft Hafer >at nun rege eingesetzt; Heu und Stroh findet weiter Beachtung. In den Weinbergen chreitet die Ausreiftrng der Trauben gut vor­wärts. Auf deut Markt konnten sich die Preise auf der bisherigen Höhe behaupten. Vieh- märkte: Der Verkehr auf den Märkren ist, nachdem die Erntearbeiten beendet sind, wieder lebhafter geworden. Aus allen Teilen Deutsch­lands wird von einem Fallen der Ferkelpreise berichtet. Ebenso liegen Nachrichten vor, daß ür Fohlen und Pferde die Preise im Sinken begriffen sind. 2 e b e n «mitte Inter ft: Ernte und Druschergebnisse berechtigen zu guten Hoffnungen auf die Brot Versorgung Deutsch­lands, dagegen wird uns die unzureichende! Fleisch - und Fettbelieferung vor harte Ent­behrungen stellen. Ganz besonders knapp wird |

der Zucker. An Obst waren die Zufuhren sehr reichlich. Holz markt: Der Bedarf an Rundholz bleibt weiter sehr groß. Bei den Verkäufen in den Forsten waren Taxüberschrei­tungen von 100, 200 und 300 Prozent an der BzeSordnung. Auch das Interesse für Bau- z ist größer geworden. Rege Arbeitstätigkeit rscht in der Waggonbauindustrie. In der Möbelindustrie wird ebenfalls tüchtig gearbei­tet. Die Produkte sind noch sehr verteuert.

Neues aus Kaffe!.

Neue Heimkehrer.

In den letzten Tagen herrschte auf Bahnhof Oberstadt wieder HochbeMtb. Am Dienstag trafen nachts 40 Mann vorn Durchgangslager Gießen ein und daun kurz hintereinander sieben von Gießen und 40 von Wetzlar, und am Nach­mittag wiederum 40 von Gießen, am Abend 20 Mann aus dem gleichen Lager. Die meisten Leute fuhren in der Richtung Hannover-Leipzig

i werte alles Erreichbare gegeben. So blüht hier ein Organ, das in Glanz und Fülle seines ! Gleichen sucht. Auf weiter Sperrung aufgebaut fern der noch so vielfach bestehenden Register- Verteilung mit ihren erkünstelten und verfehl­ten Uebcrgaitgen, breitet sich dieses Organ m e incr schwellenden Fülle ans, in einem strah­lenden Glanz. Diese Sangesan erlaubt ein müheloses Aufblühen des Tones bis zur sieg­haftesten Daftauslöfung hin, und im Gegen­satz «in ebensolches Verblassen des Tones, eit Verwehen bis in das Nichts hinein, den reinen Atemzug. So ist natürlich auch der seelischen Belebung und diese ist stark vorhanden bei Lattermann weitester Spielraum gegeben, das Wort an sich wird in dieser vorbildlich ton- licken Ausschmückung zum blühenden Bilde, und Gesänge wie «Die drei Zigeuner" undO komm im Traun' (von Professor Umlauft übrigen^ meisterlich begleitet) werden zur wah. ren Offenbarung. Die Gemeinde der Zuhörer toar dankbar, aber nicht groß genug für dies? Darbietung. Vollendete Kunst kann nickr weit und mcht tief genug Verbreiter werden. E. P

weit«. Der Volks bund zum Schutze der Kriegs- und Zivilgefangenen und das Rote Kreuz bereiteten ihnen einen herzlichen Emp­fang. Schülerinnen des Ltzzeums «freuten mit deutschen Heimafliedern. Abends kamen zwölf Leute, die aus einem sranzösi- scheu Lager entflohen waren. Sie zeichneten erschütternde Bilder ihr« Leiden und erzählten, mit welchen Schwierigkeiten sie sich durckzuschlagen hatten, bis sie glücklich auf deutschem Boden anlangten. Sie waren über- glücklich. Wied« in der H«nat zu sein. Der Empfang, der ihnen zuteil wurde, war beson- derS innig. Mit Zigaretten und Plätzchen, Obst und Blumen wurden sie reichlich beschenkt.

Am gestrigen Mittwoch machten früh 7,40 Uhr vierzig Heimkehrer aus amerikanischer Gesangenschaft, die von Limburg un6> Gießen entlassen waren, den Anfang. Drei Kasse, lauer blieben hier. Die übrigen fuhren nach freundlichster Bewirtung um 8,45 Uhr nach Hannover weittr. Schon um 9 Uhr folgten neun Heimkehrer aus bew badischen Lager TauberbischofSherm und um 1,07 Uhr folgten 120 Rann ans englischer Gefangenschaft auf französischem Boden. Sie kamen aus Gftsteu. Um 5 Uhr nachmittags wurden 50 Mann aus Gießen verpflegt, die nach Honnov« nnd Leip­zig fuhren, und nach« 11,48 nrft 60 Minuten Verspätung, erreichten etwa 100 Zivilin - terniert e aus Deutsch-Südw est uttfe. ren Bahnhof. Sie wurden warm verpflegt und traten 2.53 Uhr die SBeütwrNfe nach s«p- zig an.

Lents nacht 2.18 Uhr lief mit 50 Minuten Verspätung ein Sonderzug nrft 850 Mann aus englischer Gefangenschaft ein. Die Leute hatten das Gießener Lager passiert. Etwa zwanzig Mann stiegen arrs nnd wurden verpflegt. Unter ihnen drei oder vr« Ka s s e I a n e r. Der Son­derzug fuhr dann mit den übrigen sofort wei­ter. Die Stimmung dieser Leute war glän­zend. Sie hatten sich mit schwarz-weiH-roten Bändchen geschmückt und sangen und waren glücklich, nach her Heimat zu fahren. Die Ein­richtungen, der Volksdund und RoteS Kreuz, im Bunde mit der Bahnhofskommandantnr, deren Unteroffizier Döring besonders rührig ist. unser Kriefacheim vor allem, bewähren sich aufs Beste. Wir sind hier in Kassel für jeden Transport bereft! e

Ebert und NoSka in den Lagern.

Reichspräsident Ebert m«d Reichswehrmi­nister 91 o8le treffen am morgigen Freftag vormittag in Göttingen zmn Besuch des Durchgangslager- ein «nd entbieten den heim- gekehrten ehemaligen Kriegsgefangenen den Willkomntgruch der Reichs regreryng. worauf die Weiterreise nach Hannoversch-Münden zur Besichtigung des dortigen Lagers erfolgt. Wahrscheinlich begeben sie sich dann über Kas­sel nach den Lagern Gießen und Wetzlar.

Konzert Theodor Lattermann.

Theodor Lattermann sang gestern tut Der- einshaus. 28agner und Liszt! Natur und Kunst haben dieser Stimme allez. Wünschens-

Hinterm Stacheldraht.

Seelenleiden in englischer Gefangenschaft.

Vor ein» leider recht kleinen Zuhörerschat sprach gestern abend im tteinen Scufte des Hak. ker ent Kapitän Gallus über die seelischen 2eiben in englischer Gefangenschaft. Der Ver­tragende war bei Kriegsbeginn an Bord eines Dampfers der Hamburg-Amevika-Finie in Nordamerika, schlug sich 1915 als Kohlenzieher auf einem dänischen Dampfer nach der Heimat durch, tret in die Marine ein, kam später zum I7-Bv»tdienst und wurde bei einer Brücke«- sprengung auf dem englischen Festlande gefan­gen genommen. Als flucht, und spiwtagever- dächtig wurde « von einem Lager in das an­kere geworfen. So kostete er neun Bager durch.

Bai der Rückkehr in die Heimat fett es ihm am meisten auf, daß von allen Seiten auf du gatt körperliche Verfassung He Umgekehrter hin- gewiesen wird. Allerdings ist in England we­nigstens seit dem WaffensMstand manches bes­ser geworden. Die Gefangenen wuviftn nicht, tote in Frankreich, mißhandelt, aber... außer PrÜgekstvasen gibt es noch andere Leiden, an betten die Gefangenen lange zu tragen, von bauen sich manche nie «Men werden: Das Abgeschlossenheit vom Trespen der Welt hin- teim Stacheldraht, die Zermürbung durch Hoff' ntmgeloftgkeft, das Bewußtsein, nur eine Num­mer zu fein, die furchtbaren engkffchen Winter mit Nebel und Regen i*t dünnen Holzdarackm nnd der Stumpfsinn. Feder Brief aus bet «jkirnat, der sehnend erwartet wird und niM kommt, bedeutet neues Warten, neue Enttäu­schung. Und dann die Preisgabe an die Laune und den Zufall der Zensur, Schikanen aller Art wie Lichtentzug, Vosisperre und andere Stva- fett, die ohnmächtig getragen werden müsse«, Wut und Erbttte»mg in die Herzen tragen, in denen dann für Liebe und Gifte kein Platz meh r ist.

An Borspielen kühner Fluchtversuche zeigt« der Redner, daß die ÄriegBgefmtgwen nicht die schlechtesten sind. So wie sie handelten feine- Ueberlätffer. Der Vortrag bewies, daß man auch ohne Mißhandlungen langsam zur Per- zweifltmg gebracht werden kann. Manche An- deutttng in Briefen wird jetzt erklärlich sehr. Der Höhrer konnte selbst die NÜtzaMvritdung aus dem Vortrag ziehen: Schreibt den Unglück- lichen, die noch immer in der Fron der Gefan- gensckwft schmachten Briefe über Briese. An ihnen richten sie sich auf und ein kleines Blüm­lein, ein Blumenstrauß aus der Heimat, von dem Sieber, bedeutet ein großes Glück, eht linder Trost! Den hochinteressanten Ausfüh- vungen, die in weiteste Kreise getragen werden sollten, wurde gespmmteste Auimmcksamkeit enigegengebracht. -on

Lokalnachrichten vom Tage.

Auf dem Wochenmarkte. Der heutige Wochemnarft war recht schwach beschickt. Obst wurde namentlich durch Pflaumen, die durch- chnittlich 1,20 Mark kosteten, und Birnen, etwas teteriger durch Aepfel beitreten. Birnen waren von 50 Pfg Aepfel, allerdings noch nicht

Bom Wege ab.

5) Sioman von Erich Ebru stein.

.Studien! Ihre wunderbaren Augen leuch­teten auf.Meine Mutter gab Sprachstunden,' sprudelte es dann über ihre Lippen.Das war immer mein Traum! Ich spreche italienisch und ruck ein wenig französisch. Aber leider hat man mich sonst nicht viel lernen lassen ... wir wa­ren so arm ... aber Sprachlehrerin, das wäre ich immer so gerne geworden! Es ist ein so ingesehener und solider Beruf ...'

Tas Lächeln, das sich auf Rolands Lippen drangen wollte, erstarb in der wachsenden Rüh­rung, die ihn immer stärker packte.

Welch bescheidenes .Ideal! Wie leickt konnte er das erfüllen. Ein paar Jahre Institut

Würden Sie denn Lust und Geduld haben, sich in einem Institut dafür auszubilden?' kragte er.

Stella seilfzte tief aus. *

Ob ich sie hätte!!? Aber ich bin ja arm! In Jnstitttte können nur reiche, vornehme Mäd­chen gehen "

Das wäre meine Socke. Für Die käme nur in Frage, ob Sie wollen?"

Stella fach ihn starr vor Bestürzung an Plötzlich wurde ihre Miene kalt und miß- ,-rauisch.

Und wcks würden Sie dafür verlangen?"

Nichts!"

Das ... Das ist ... uirmöglick!" tief sie ungläubig.

Er nahm ihre Hand beruhigend in die seine und sagte herzlich:Doch. Sie dürfen mit glau­ben. Haben Sie nur Vertrauen, armes Kind! Was ich tun will, trägt ja feinen Lohn in sich selbst mw bedeutet in meiner Sage nicht ein­mal ein Opfer Ich habe Sie verhindert zu sterben, und es ist darum eigentlich.nur meine Pflicht, Ihnen ,etzt das Sebeit erträglich zu gestalten."

sah sie ihn an, la»re. grübelnd, ver­

träumt. Plötzlich, ehe er es hindern konnte, lag sie vor ihm auf den Knien.

Wie gut Sie find! Kein Mensch aus Erden kann gütiger sein!' stammelte sie bewegt.

Roland zog sie verwirrt empor und stand auf.

Aber Kind was fällt Ihnen ein! Wer wird denn gleich so-leidenfchastlich übertreiben!"

Im Grunde empfand er ein seltsames Wohl­behagen. Man hatte ihm oft gesagt, daß er flug sei, bedeutend, originell in der Familie sah man ihn sogar als überspannt an, aber Stella war die erst«, die ihm sagte, er fei ein guter Mensch! Und sie sagte es mit so viel Neberzeugung und Inbrunst!

Er fühlte sich stolz und beglückt. Sein Reich­tum, auf den er nie besonderen Wert gelegt, freute ihn plötzlich.

Endlich war er zu etwas gut, könnt man Großes durch ihn vollbringen: ein Menschen­leben «iS der Ties« emporheben zu lichten, rei­nen Höhen!

Während er dies dachte, war er seiner Ge­wohnheit gemäß im Zimmer aus und triebet gegangen. Run blieb er stehen, um sich von sei­nem Schützling zu rrrabscheiden. Eine Uhr, die drei schlug, hatte ihn daran gemahnt, daß es höchste Zeit dazu sei.

Stella sagte ihm mit sonnigem Lächeln gute Nacht. Sie war nun eure ganz andere. Der düstere Gram um den mtgetre/en Geliebten, das Granen vnr dem Tode, dem sie so nahe ge­wesen, waren wie ausgelöscht aus ihrem Wesen.

das dadurch Roland empfand das unklar, aber instinktiv noch viel liebreizender gewor­den war.

Draußen hatte er noch eine kleine Unter­redung mit dem Stubenmädchen. Fräulein Ri- carbi nt, bie, aus einer Gesellschaft kommend, ihre Wohnung erbrochen und gänzlich ausge­raubt gefunden habe, weshalb er sie hierher bringen mußte, benötige nun vor allem Kleider und Wäsche. Ob sie, baS Stubenmädchen, ihr das morgen früh besorgen könnte?

Das Mädchen bejahte. Natürlich würde sie eS mit Vergnügen besorMn.

Wählen. Sie nur ErMassiges und bergeff ei Sie nichts, was eine Dem» etwa benötige« könnte. Da ®it selbst ungefähr Fräulein Ri- cardiniS Figur haben, wird es wohl feine Schwierigkeiten machen. Im Laufe des Vor­mittags können die Lieferanten ja dann noch manches zur Anprobe sch:Sen *

Er übergab dem Mädchen ei--en größeren Geldbottag für diesen Zweck.

Endlich war Roland wieder in ferner Stube allein, fleidete sich hastig aus und löschte ba6 Licht. Aber der Schlaf wollte noch lange nicht kommen.

Da stockten feine Gedanken plötzlich er- schrotten Erschrocken, wett ihm jetzt erst zum Bewußtsein kam, daß er die ganze Zeft über das wichtigste Ereigris dieses Tages total vergessen hatte.

Ja vergessen! Vergessen, daß er sich heute mit Irene Kühlwein verlobt hatte!

Wie war das möglich? Und wie war ei jetzt möglich, daß ihm dieses Ereignis Äs etwaS schon vor langer Zeit Geschehenes, unendlich weit Zurückliegendes erschien?

Sie soll dafür die erste fein, der ich von mei­nem Schützling erzähle, dachte er endlich, sich beruhigend. Irene soll mir raten, wie mein Pftm sich aut vernünftigsten verwirklichen küßt, in.

Ms er sich am andern Mornen sein Früh­stück anfs Zimmer bringen ließ uttb dabei nach Fräulein Ricardini fräste, erhielt er den Be­scheid, daß dir junge Dame noch schlafe.

Aber die gewünschte Garderobe war schon beschafft,alles pickfetn uud erstklassig,' ver­sicherte das Stubenmädchen.Wenn Herr Ba­ron eisen Mick darauf werfen wollten ich bade bie Sachen einstweilen in dem zufällig leer, stehenden Zimmer neben dem Fräulein 3ti» carb^is mttergebrachr."

Roland lernte ab. Er empfand eine ge­wisse Unruhe b: sich, wenn er heute an das Abenteuer bet vergangenen Nacht dachte, und hoffte, diese auf seinem aewobnten Morgonrrtt WS zu werden.

Dann wollte er zu 2&uier uts Geschäft und nachher nach Dörnbach zu Kühlweins.

Unterwegs siel ihm beim Anblick einer Blu- mrnhanblung plötzlich ein, daß es für bie arme Stella, bie sich gewiß recht vereinsamt fühlen werde, ein freunolicher Morgengruß sein würde, wenn sie beim Erwachen Blumen fände, lFortfetzung folgt.)

Humor in ernwer Zeit.

* Behinderter Kunstgenuß.Warum zucken Sie denn Pier lang? DaS Hauprstück der Sammlung hangt doch dort."Weetz ick! Aber der Stuhl item io rum!*

Bald iah er Stellas blaue Kinderaugen in ratlosem Staunen, bald blitzend vor Erregung, bald geheimuisvoll verträumt wie Märchentonn- dcr auf sich gerichtet. Welch seltsames Wesen sie war! Und wie tntrhoürbig daS ganze Aben­teuer! Was wohl seine Brüder dazu sägen würden und Irene Subito ein!