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9. Jahrgang. Nr. 22&

zefftiet Neueste Rächrkchten. -v.

NMMklSSOW?

Roman von Lol« Stein.

ti)

Inge geworden.*

(Fortsetzung folgt.)

Lyzeum und Oberlyzeum.

Me Jubelfeier des städtischen Lvzeums mit Oberlyzeum *ft vorüber. Würde und brnsfle- ritoer Rahmen hoben ße hoch über da? Niveau vieler Fudiläumskeiern. Solche Feste können auch in unserer härtesten .-seit begangen wer­den. In Gesang und Musik war das Beste 9- boten. Neber den eindrucksvollen Vorabend und den Beginn des Festaktes tu der Stadt- Halle wurde schon berichtet. Der Festakt selbst gedachte auch des verstorbenen Mirsiklekrers, MusikdilLktor A. Klein, indem der Schüle- ttnncnchor $toet Chöre vortrug, die Werke des Verschiedenen sind: .Sei getreu bis in den Tod* u. .Gebet*. Tas Letztere begleitete Ma­ster Möllers unvergleichliches Orgelsviel.

Dann brachte Pfarrer Hollstein den Dank der Eltern an. die Schule v-tm Ausdruck, Ober­lehrerin Wald versicherte im Namen der Lehr­kräfte. nach wie vor in Treuen zu wirken, und eine Schülerin überreichte für alle ihre fetzigen Mitschülerinnen eine Spende von tausend Mark. Und nun nabm als Letzter, da er Erster sein sollte, auch der gegenwärtige Direktor Dr. Friedrich, das Wort. Dieses Fest, so sagte er. soll ein Tag der Einkehr und der Sam-n-

LoLalnrrchrMtön vom Tage.

Bekämpfung der Wohnungsnot. Der Ma- eisirat veröffentlicht heute ein,; Anordnung über Erweiterung der städtischeir BefnHMffe zur Br» kämpsu-ng der Wohnungsnot. Danach dürfen Klagen auf Räumung von Wohnungen nur nm vorheriger Zustimmung drs Miet- einignngsanttes angestrengt werden. Weiter« Maßnahmen bezwecken den (Einfluß des Woh­nungsamtes auf -je Vergebung von Wvhnräu-- imru zu verstärken.

--- Ausgabe von Kohlenkarten. Morgen, Dienstag, mrd am Mittwoch werden an die enPfangsbercchtigten Haushaltungen Kohlen­tart c n ausgegeben. Für die Haushaltungen.

Ein Brief.

Was ist ein Brief? Ein Stück Papier. Das man zerreißt, zerknittert. Aber auch als Schatz verwahrt.

Verailbt schon und verwittert.

Ludwig Höhj.

lung. ein Rückblick auf die Vergangenheit sein. Er gedachte des ersten Leiters. Dr. Karl Höl- ttng. der späteren Direktoren Krummachrr und Professor Dr. Steher, des Sttrdienrats Dr. Koch, und gab das Gelöbnis der Trette gegen die Zukunft, die unsere Jugend der Heimat und dem Vaterlande schaffen soll.

Am Nachmittag herrschte die Fugend selbst. Da qabs allerlei Abwechselung für sie im fun­ken Stadchallen-Garten: Keulenschwingen. Stabreigen, Spiel. Kinderrcigen und Tanzdar- btetttngen. Alle Vorführungen fanden lebhaf­ten Beifall. Mit einem Gcsclligsrin am Abend, das Letter. Lehrer und Lehrerinnen der Anstalt mit Freunden vereinte, erhielt die Feser einen schönen, in der Erinnerung das Mte tnrb Vergangene verklärend und adelnd, einen wür­devollen Ausklana.

Meine politische Nachrichten.

Es gibt noch Treue. Der Londoner Zeitung .Daily Herold* zufMc richteten die deut­schen Matrosen, die an der Versenkung der deutschen Flotte in Scapa Flow beteil krgt waren, einen Brief an die englische Regie­rung, in dem sie sich mit Admiral von Reu­ter solidarisch erklären und verlangen, die Strafe mit ihm zu teilen.

Die Auslieferung der deutschen Schisse. Aus Amsterdam wird gemeldet: Von dm in Nie- derkändifch-Judien liegenden deutschen Damp­fern wurden die Dampfer .Lüneburg-, .Wolf-

Turnen, Sport und Spiel.

Der Sport am Sonntage

Der Kasseler Fußballsport hatte gestern sei­nen großen Tag. Zu Beginn der Herbst- spielzeit weilten hier nicht weniger als vier auswärtige Mannschaften. Von den Spielen ist Sieg aufder ganzen Linie zu mel­den. Ein erfreuliches Zeichen für den Fort­schritt im Fußballsport. Kurhessen hatte die spielstarke Mannschaft vom Sportklub L9 Düsseldorf su Gast: die Gäste in stärkster Ausstellung lieferten ein glänzendes Zutam- mcnspiel im Felde, das vorbildlich für alle Kas­seler Vereine sein sollte: vor dem Tor fehlte cs an Entschlossenheit, sodaß es Kttrhessen trotz Ersatz ssir Groß, der eine Regatta in Höchst a. M. bestritt n. Schneider gelang, mit 1.0 einen Sieg zu landen. Turn- und Rasensporivcrcn Wehlheiden konnte V. f. B. Hi ldes- beim mit 3:2 schlagen, während Spiewereini- gung Erfurt die Neberlegenheit von Spirl- vercin 06 Rothenditmold mit 6:4 aner­kennen mußte. Ballipiclklub Sport weilte in Göttingen und konnte den zur Liga auf­rückenden F. C. Göttingen 05 glatt mit 6:0 be­siegen. Hermania weilt» in Linden b. Han­nover und konnte gegen F. V. Linden nach wechselvollem Spiel ein 3:3 herausholen. Bebraer Fußballverein 1. mußte sich Kur­hessen 2 mit 32 beugen, ttötzdent das Spiel zeitweise 3:1 für Bebra stand. Kur Hessen 3 schlug Bebra 2 olatt mit. Hermania 2 be­siegte Borussia Messungen 1 4:3, während Hermania 3 Borussia Messungen 2 ebenfalls mit 4:3 schlug. Union 1 schlug den A-Klasse- Berein Merkur 1-Gießcn überlegen mit 6:0 (Halbzeit 2:0).

Bereinigung zweier Sportvereine.

Die beide:: Kasseler Futzballvereine .Ein­tracht" und .-Sportfreunde-beide der Lraaklaffe des hessischen Kreises angelwrend haben sich in dem $ dir eben, den. sportlichen Aufgaben der Zeit wirksamer zu entsprechen und groß zügigerweise kleinliche Bedenken zurücksteh l-nd, am 28. August unter dem gemeinsamen BereinSnameu des Kasscler Fnßballvereins Eintracht" vereinigt. Eine Aböndermrg des Bereinsnamens ist ins Auge gefaßt und bleibt einem späteren Beschluß Vorbehalten. Um die Mannschaft sestMstellen, die in den kommenden McistersKaftsspielen den Verein vertreten soll, ist für Mittwoch nachmittag ein Answahlspiel der bisherigen -eiderseitigen ersten Mamrfchaf- ten vorgesehen.

die über einen Kohlenvorrat verfügen, werdet als Verbrauchsmenge zwei Zentner Küchen brand angerechnet.

Das Staatsbürgerliche Seminar der Bürgerbnndes Rach Ablauf der Sommer- fetten nimmt das Staatsbürgerliche Scminai des Bürgerbundes seine Tättgkeit wieder auf Zunächst werden vettchiedene Hochschullehrer so Regierungsrat Dr. Moll-Düffeldorf und Dr Jerusalem-Jena über zeitgemäße Fragen spre­chen. Die regelmäßigen Kurse und Lehrgänge des "Seminars nehmen im Oktober ihren An­fang.

-r- Genossenschaftliche Verwertung der Kanin­chenfelle. Die schon an gekündigte Vereinigung der Kcmmchenzüchter zur genossenschafmchw. Verwer-mng der Kaninchenfelle ist vollzogen worden. Das Gründungskapital wurde zufam- mengübracht Die Sammcltärigkrit her Gettos- senswast soll sich über den ganzen Regierungs- feezirk erstrecken.

Ein entsprungener Raubmörder. Unter den drei Russen, die, Wie schon berichtet, aus dem K a st e 11 entsprungen sind, befand sich auch einer der Schuldigen an dem Ranbmord iuz Nicderzwehrener Lager. Bekanntlich war dort ein russischer Kautinenwirt ermordet und fee- raubt worden. Bisher Wt von den drei Aus­reißern jede Mmr.

-4- Nur zwei Ausreißer. Zu der Sckars- sch-ießerei in der Leipziger st r a ß e wird uns mitgeteilt, daß nur zwei Sträfltage entflohen waren. Beide sind sofort wieder in Haft ge­bracht worden. Es fehlt also feiner mehr.

-r- Aus der Unfall-Chronik. In einer Fa­brik inRothendttmold fiel einem Arbei­ter aus Niederzwehren eine Eisenbahnschiene ins Genick. Der Getroffene wurde sehr schwer her« letzt ins Landkrankenhaus gebracht. In der­selben Fabrik zog sich ein Arbeiter eine Hand- vettetzimg M. In einem Laden der Klo­sterstraße wurde eine Frau aus der Fisch» aasse ohnmächtig und zertrümmerte sich beim Fall txr§ Nasenbein. Am Brassolsberg fiel ein« Svaziergängettn einen Abhang her­unter und erlitt erhebliche innere Verletzungen. Die Sanitätswache Fuldabrückc beförderte di» Verunakückte mit dem Auto zum Roten Kreuz.

Ein tragischer Tod. Ein ttn K irchw cg wohnender Auskandsdeutscher. bet erst vor kur­zem aus England ansqcwiesen worden war, wollte am Sonnabend Holz aus Bettenhausen holen. Unterwegs wurde er in der Leipziger­straße von einem Schlaganfall bettoffen. Als ibn die Santtätswache Fuldabrücke nach dem Krankenhause bttngen wollte, starb er. Deine Frau, eine Engländerin. die tom treu gefolgt war und kein Wort deutsch versteht, steht nun allein da.

-4- Silbernes Arbeits-Jubiläum. Vorarbei­ter Jststris Dippel, früher beim Train-Depot, ietzt Sanitätsabteilung 11, feierte, von Vorge­setzten und Mitarbeitern vielseitig aeehrt, sein fünfunbzwanzlafÄhttaes Arbeitsfubiläum. Der JtÄKar, ein alter verdienter Sanitäter, ist mit dem Verdien Mettz ausgezeichnet.

4- Allerlei vorn Tage. Die Staatlichen Schauspiele »eben keine neuen Abmme- merttS mehr aus. Alle ietzt noch eingSh-uden Gr- such- bleiben unberücksichtigt. Ein Auttur der .Rückwanderer Hilfe", einer Berliner WoWfaLttLo-ogasiisatto«, die den vcrrriebrnsu, tnfttessosen Ausländsdeutschen durch ein» groß­zügig angelegte Sammlung in allen Teilen des DeinWstt Reiches einen Halt am Dasein bieten will, bitter alle Deutschen, diesen Pionieren des Densscbttnns die Arme zu öffnen. Nehmt sie iu Eiere Gemeinschaft und in Eure Familie aus und schafft ihnen durch Darbringung von Ga­ben die MSolichkeit, tvieder festen Fuß in der Heimat zu fassen! Die Sammlung für d'-e Mck- wchch«g«Mkfe in Kaffe! sowie in der Provinz Hessen Nassau erfoTor Ende September und er­streckt sieb auf die Monate September und Okto« bev Der Markenzwang für alle Seifen ausgenommen K. A.-Seifenjntlver wird in diesen Tagen a u f g e h o b e n. Fünf- z igmarkscheine mit deur Datum vom 20 10. 1918 müssen bis zum 10. September bck einer Dienststelle der Neichsbank nmgetauscbi werden. Die Reichszen Wale für Heimatdienst Laridesahrrilting Kassel. Obere Köniyktt. 28, 3.

Standpunkt in der Schantmrgfragc nicht teilen könne. Amerika hatte China im Jahre 1917 zum Krieg gegen Deutschland gezwungen und dafür amerikanische Unterstützung versprochen, wenn China mit Japan in Konflikt kommen sollte. Dieser Zeitpunkt sst nun gekommen, aber Amercka hält sein Versprechen nicht.

Landschaft zu sehen: sie fuhr über das Meer, ohne zu begreifen, wo sie sich befand. Sie saß während der Ueberfahrt auf Deck, in einen SBtn« kel gekauert, von den Mitreisenden so weit wie möKsth entfernt. Sie nahm keine Speise zu sich, sie konnte nicht essen, sie kann« nicht schür­fen, sie konnte nicht einmal mehr denken!

Ist Warnemünde drückte sie dem Schaffner ein größeres GsDstück in die Hand und bat, sie allein zu lassen. Und sie blieb in ihrem Ab­teil erster Klasse dann auch ganz ungestört, fofci wieder am Fenster und startte hinaus. Und be­griff allmählich, daß es deutsche Wälder und! Mesen und Weiden waren, an denen sie vorbei! kam, deutschen Blutenknospen an Baum und Sttauch, daß cs der deutsche Frühling war der sie hier grüßte.

Hemmt Deutschland das Land ihrer Sehnsucht. Sie empfand leine Liebe, sie eurp- sanv keine Freude mehr. Nur Angst, dunkle, würgende, schreckssche Angst.

Am Bahnhof wurde sie Nickt erwattet. 23er hätte auch kommen sollen? Keiner hatte wohl jetzt Zeit, sich um sie zu kümmern.

Doch da stand plötzlich Paul, der alte Haus­diener, vor ihr, drehte seine Mütze in den Hän. den und sagte:

.Fräulein .Inge, ach Fräulein Inge, wie gut. daß Sie wieder da sind.'

Sie scrhdie alte, treue Seele mit angstvollen Blicken an:Lebt der Meister, Paul?'

Ja, Fräulein Inge, er lebt, aber es steht recht schlimm.'

Sie atmete aus und wurde ein wenig ruhi­ger. Sie vermochte es nun. Paul ihren Ge­päckschein zu geben, neben ihm herzrrschretten, dem Ausgamz zu. -

Fräutem Inge haben sich sehr verändert,^ sagte er.Ich hätte Fräulein fast nicht erkannt. Eine große Dame ist unser Keines Fräulein

Französische Zensur im besetzten Gebiet. Die französische Zensier ssir die tat Brückenlopfgebict von Kehl (Straßburg) erscheinenden deut­schen Zeitungen wurde verschärft. Die Kehler Zeitungen weisen in ihrer letzten Aus­gabe mehrere Weiße Zensurlücken auf. Auch die Verkehrsbedingungen zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet bei Kcal wur­den fettens der Franzosen verschärft.

Deutsch-Oesterreich. Trotz des Verbots der Entente, das den Anschluß Deutsch-Oesterrcichs <m Deutschland verhindern will, läßt sich die Bevölkerung in ihrer Stellungnahme zur An­schluß frage nicht irre machen und ist ent­schlossen. diese auch nach außen hin zum Aus­druck zu bringen. So hat, wie der Telegra- Phcn-Union gemeldet wird, der Bezirksarbetter- «d des Wiener Bezirks Mariahiss beschlossen, eine große Kundgebung ssir den An­schluß an Deutschland zu veran-ftaltcu.

Nnttnn engkischeu Joch. Das holländisch: Mgemeen Handeksblad meldet, daß 50 (XX) in Transvaal lebende Inder gegen die Be- handütng, dis sic als britische Untertanen in -x_ Transvaal erfahren, protestiert und erklärt Ha­den. daß sie sich den btttisch-füdafrikanischen bür­gerlichen Gesetzen nicht unterwerfen wer­den, solange die brittfchen Inder vor dem Ge­setz nicht' der weißen Bevölkerung gleichgestellt werden.

Der Konflikt Antettka-Mez>ko. Ein« Pariser Depesche meldet aus Washington: Im Se- mttSausschuß wurde die Debatte über die mexikanischen Vorgänge fortgesetzt. Die Regierung gab wichttgc Erklärungen ab. Die Verhandlungen waren vertraulich. Aus Aeußerungeic van Senatoryt ist jedoch zu ent- nehmen, daß der Konflikt mit Mettko nur vor­übergehend als beigelegt anzusehen sei, bis die vorbereitenden Maßnahmen der amerikani­schen Flotte erledigt feien.

Amerikas Verlegenheit gegenüber China. Aus Washington wird gemÄdet: Der anreri- ianische Gesandte in Peking, Reinßh, hat sein Ämt niedergelegt, weil er den Wilsonschen

Heutt nun schreibe ich dir. um dich heimzu- «tfen. Inge, der Maim, den wir beide lieben, ift tränt, schwerttank. Die Aerztt geben nicht all- zuiviel Hoffnung mehr, aber vielleicht geschieht ja dLch noch ein Wunder. Wir müssen hoffen!

Richt, weh» ich cs als ureinc Pflicht fühle, dich zu ihm zu rufen, tue ich es, Inge, sondern darum, weil er nach dir verlangt. UnabWfstg. seitdem die Krankheit sich verfchlttmnertt und er in wikden Fieberdelirien liegt, ruft er -dei­nen Ramcn, verlangt er in seinen Traumphau- tcesten nach dir. V ielleicht wird er rrchiger, wenn bu an feiner Seite bist.

Fuge, verstehe mich recht. Nicht mit Bewußt­sein und nicht mit Ueberkeguuq verlangt er dich fU sehen. In seinem 'Fieber hat er seine Sehn­sucht nach dir verraten. Komme zu ihm, Inge, und komme schnell. Iris.'

Sie las den Bttef zum zweiten Male und faßte und begriff seinen furchtbaren Inhalt immer noch nicht ganz.

Wbett Trensiug front! Albert Trenstug in Neberdessrien! Er, den sie stets nur gesund, fttfck, stark gekannt! Der nie. niemals krank mwesen war, er lag hilflos und elend auf dem Krankenlager! Großer Gott!

Und in feinen wilden Fieberphaniasien namtte er ihren Namen verLangte er nach ihr, die er dennoch nicht vergeffen, die er dennoch im tiefsten Herzen gettagen. In seiner Krankheit hatte er sein Gefühl verraten.

Er rief sie. Sie mußte zu ihm! Sofort, auf der Stelle zu ihm!

Rur ton Wiedersehen, nur bei ihm fein. Rur nicht zu spät kosmuen!

Eine ttskalre Hand schien plötzlich nach ihrem herzen zu fassen, eine jähe, gräßliche Angst oackte sie an. Wenn sie zu spät käme? Iris' Worte ließen das 'Schlimmste, das Schrecklichste befürchten.

Me steckte den Brief zu sich, eilte, von ragen- wt AmO getrieben, die Treppe hinab und llopfte an Dr. Jens Sw^ndLmL.Sprechtmmicr.

Eine Tannenberg-Feier.

ASenstein. L September. (Eigene Lraht- tnekdung.) Eine imposante Gedenkfeier der Schlacht bei Tannenberg veranstal« *te der Masurenbund in Verbindung mit dem 50. Armeekorps bei Hohenstein unter großer Beteiligung besonders des Ostprcußischcn Hei- uatsverttnS aus den Absrimmnngsgebieteri.

DkenSiag. z. «Ssstrusel 171».

Truppen. Dieser Geist barf uns nicht verloren gehen. Wenn auch für uns jetzt traurige Zeiten angebrochen sind, wir dürfen den Mut nicht sinken lassen. Wir dürfen nicht zu Pah­nas der Gefellschasi und zu Heloten unserer Feinde werden! Wir müssen wieder werden, was wir damals waren, als in Versailles das neue deutsche Kaiserrttch gegründet wurde, wo« bei ich mich unter densenigen befand, bi« das erste Hoch auf den Kaiser ausbttngen konnten! Der Geist dieses großen Tages darf uns nicht verloren gehen hx dieser schlappen, falschen Zeit. Dafür hat die Jugend zu sorgen, und der Seift, der ans Ihren Sorten spricht, ist mir di« Ge­währ dafür, daß er ewicderkonnnen wird. wenn ich es auch nicht mehr erlebe!Deutsch­land hoch in Ehren". so will ich er wieder- lehen von dort oben. Unser deutsches Vater­land. frei von Gemeinheit. Feigheit und Un- 'tritrbc, «z lebe hoch?'

Staatliche Schaskvirle.

Die drei Zwillinge".

Da§ war mal etwas anderes an Sonn­abend. ein dreiattiger Schwank von Toni Impekoven und Carl Mathern. Es ist nicht mehr und nicht weniger als ein Tünnes-Schmar- ren. mtr mit dem Keinen Unterschied, daß die Hauptfigur nicht mehr Lünnes, sondern Köbes. also Jakob heißt. Jakob ist unbekannterweise einer der Zwillingssöhne des Grafen Falk von Falkenstein. Er war als Erster der beiden kltt- nen Brüder mxf der Welt erschienen, dadurch vsm Hanssssctz als Erbgraf bestimntt. Aber nach der Gebutt wurde er in der Klinik durch einen eigenartigen Zufall m der Verwirrung btt einem FeuersanKbn:ch mit einem fremden Kind« verwechselt. Der Weine Frenidling kam mit in das gräfliche Haus und wurde Eberhard getauft, der echte Sprößling aber qettet in eine einfache Kölner Familie ncnncns Kuäbleiu. FünstmhOpanzig Jahre laug wußte niemand etwas von dem Jrrttnn. bis Jakob Kiräblein als Weinreisender auf Schloß Falkenstein er­faßen. Die AehMchken mit dem andern echten Zwillnig brachte die Geschichte der Verwechse­lung ans TageMcht. Daraus entsteht die Situ- ationskonrik, die unter Begleitung von allerlei Witzen und billiger Spöttelei bös Stück drei Akte hiudurck) ausfüllt. Ist es ein Zug der Zeit, daß sich der Musentempel, ehemaliiges Hofthea- ter, derart im Kunstgeschmackdemokrati­siert" hat?

Die Aufführung suchte den Schwank salon­fähig M machen. gleichwoM gelaugt es nicht, ein gräfliches Milieu" zv fchafsen. Das lag aber wohl an dem dürftigen Inhalt. Das Publikum bat sich ttotzdem köstlich anuüftert, wie dienicht enden wollende Heiterkeit" erkennen Keß. Von den darstellenden Personen spielten Herr Jür­gensen als Graf inib Frau Clever als des­sen Schwester sehr gut. Herr Pape als Jakob mtt Köln r Dialekt beherrschte seine Rolle vor­züglich. Eine feitr ansprechende, reizvolle Figur war Frärckeiu Storm als Komteß. Charakte- ristifche Lttstungen boten Herr Sellnik als Eberhard und Herr Ebc rle als Erster Diener. Dann sind noch Herr Verend und FrÄrleiu D i n g h a u s zu nennen. Oberspielleiter Sieg Latte für eine flotte Gesamidarbieiung und Oberinspektor Waßmuth für eine hübsche AnSstatttrng gesorgt. K. F. v-r.

Seine Stimme antwortctr ein .Herein", Sie ttat ein, sattd Palborg bei ihrem Bruder und berichtete den Geschwistern men in überstürzten Worten, was in der Heimat geschehen war.

Ich muß heim," sagte sie, am ganzen Kör­per zitternd,sofort imtf, ich heim."

DaS Müssen Sic, Kind,' antwortete Val- borg freundlich,aber nun erst einmal Ruh« und kaltes Blut! Heute können Sie nicht mehr rchfen. Sie müssen den Zug morgen früh uin eff Uhr nehmen. Dann sind Sie am Abend in Berlin. Sie können Frau Trensiug ja Ihre Ankunft telegraphieren. Sofien1 Sie nur, Inge, Sie stad ja viel zu aufgeregt, ich werde das für Sie erledigen. Und werde Ihnen auch einen kleinen Koffer packen, viel brauchen Sw nicht mitgunchmen, denn Sie kommen ja hoffentlich bckld wieder "

Inge antwortete nicht. $6» morgen mußte sie also noch warten. Roch eine Nacht in der inrchtbaren Unruhe verbttngcn!

VaDorg sagt« zu ihrem Bruder:Wir müs­sen versttchen. eine Ausbi lssschiw ester aus Ko­penhagen zu bekommen. Junge, du fcheinst auch den Kopf verloren zu haben ?'

Er stand bleich und nach Worten ringend vor Inge.

Sie können in dieser schrecklichen Aufregung nicht allein reifen, Schwester Inge," faßte er, ich werde Sie nach Berkin begleiten.'

Sie schüttelte abwehrend den Kops.Rein, das nicht, das nicht. Ich tarnt nicht sprechen. Ich muß allein fein, ganz allein."

Und deine Pattentru?" fiel Valborg säst ärgerlich ein, ^Fens. du kannst unmöglich von heute auf morgen fort. Laß Inge jetzt nur allein fahren, vielleicht kannst du sie in einer oder in zwei Wochen aus Berlin abholen, wenn dort alles wieder gttt ist. Das wäre für alle die fegte Lösung.*

Er widersprach, die Geschwister sttttten hin und her, aber schließlich fügte Jens sich Val- borgs nthigen Vernunftgründen und Inges müder, ner-weiflungsvoller Abwehr. Er fühlte, sie wollte und mußte allein sein.

Valborg besorgte das Telegramm, packte einen Keinen Koffer für Jirge. Sie ließ alle? teilnahmslos geschchLN, M nur immer wieder

auf ihre Armbanduhr und verstand cs nicht, daß die Zeiger nicht vorrücken wollten.

Um die Patienten kümmerte sie sich nicht mehr, an der Afeendtafel erschien sie nicht. Es war, als sei ihr dir ganze Welt versunken.

Am Abend kam Jens SweNdsen noch ein­mal zu ihr. Er setzte sich zu ihr, nahm ihre Hand, die sie ihm willenlos überließ, und bat:

Sagen Sie mir ein tröstendes, ein verhei­ßendes Wort zum Abschied, Inge,, lassen Sie mich nicht in dieser gräßlichen Ungewißheit zu­rück. Geben Si« mir Hoffnung."

Sie sah ihn ans großen und wie erloschen scheinenden Äugen vetttändnislos an. Sie be­griff nicht einmal, was er meinte. Sie hatte alles, was sich gestern ereignet, vergessen. Sie wußte und begriff nur das Eine noch: Alfeert Trensiug war krank. Albert Trensing verlangte nach ihr. Und sie. die an seine Seite gehörte, immer und immer, saß hier in einem fremden Lande und war tricht bei ihm.

Erst als Jens Swendsen dringender wurde, erinnerte sie sich müUam des Vorgefallenen. Und begriff nun nicht mehr, wie sie hatte be­denken können und überlegen, wo doch alles so klar war und so natürlich. Wo sie AÄbert Trcnsing doch liebte und nie, nie, nie mit sei­nem Bilde tat Herzen eines anderen Mannes Braut werden konnte.

Sie entzog Jens ihre Hand und sagte leise: Quäken Sie mich nicht, ich kann nicht."

Er ließ ab, tu sic zu dringen. Aber er ver­stand ihre Worte falsch. Er tflaubte, sie körmc sich nur jetzt in der fruchtbaren Erregung ihres Innern nicht entscheiden, sie wolle Bedenkzeit haben.

Und in der Hoffnung, daß doch noch alles gut zwischen ihnen werden würde/ brachte er sie am nächsten Alorgen nach Kopenhagert zur Bahn, sorgte für ihr Gepäck, für einen guten und sttLen Platz im Zuge, nahm ergriffen und nrnig Abschied von der ganz Teilnahmslosen und sah dem entschwindenden Zuge noch lange in Furcht und in Hoffnung nach.

Wie würde er Inge Wiedersehen und wann?

3.

Tie wußte nicht, tote ihr hie Stunden der Reise i&zstaazu. Sie Wirre Humus, ohne dir