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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 211«

Fernsttrecher 951 und SSL

< Mittwoch, 13. August ISIS.

Fernsprecher 951 und SSL

S. Jahrgang.

24 Milliarden Mark Reichs-Geldbedarf.

Ile VnerlSNm.

Böswillige Zurückhaltung der befangenen.

Sollte es noch trgenbhw narbe Menschen geben, die den Worten der Entente-Staatsmän- ner ernsthaften Glauben schenken, dann werden sie vielleicht aus einem Tranmznstande erwachen, wenn sie darüber nachdeichen, was unsere armen Kriegsgefangenen in den feindlichen Ländern erdulden müssen. Sn Frankreich werden sie gezwungen, jede Art von Arbeit zu tun, werden dabei für geringe Versehen bestraft, mißhandelt und schlecht verpflegt. Dasselbe trifft für die in Belgien Internierten zu, wo sie ruch unter besonderen Ausbrüchen des Hasses and der Rache zu leiden halben. InEngland sind die Zustände anscheinend etwas besser. Da Wrt die Ernährung ausreichend ist und der Ar- seitszwang weniger streng ist. läßt sich schon manches leichter ertragen. Geradezu trostlos ist tber das SMcksal der Aermsten in S i b i r i e n. Schon M normalen Zeiten ist der den Gefan­genen dort zugemutete Frondienst eine Strafe, wie viel mehr aber in den jetzigen Zeiten der Anarchie, wo verbrecherische Elemente nach Willkür schalten und walten, infolgedessen überall Nnordnuna. Unsicherheit und Rahrungs- not herrscht. Wer krank wird, ist dem Tode ver­fallen, da weder Aerzte noch Medizin vorhan­den sind. Nicht besser ergebt es den in rumä. Nischen und serbischen Händen befind­lichen Deutschen, die, ebenso wie die Leute in Sibirien, ohne Nachricht und Hilfe von der Hei­mat bleiben müssem weil kein Weg zu ihnen offen ist. In Japan wartet eine trauernde Schar, deren Los immer schlechter wiÄ», sehn­süchtig ans die Rückkehr. Im Ganzen sind noch in feindlichen Länden: achthnndrrtlau- send Mann. Wann endlich sollen sie befreit werden?

Die übergroß« Mehrzahl unserer kriegsge­fangenen LandÄeute befindet sich unter fron« iöfffcher und englischer Aussicht in Frankreich. Fs sollte nach den Bestimmungen der Friedens­abmachungen eine Kommission, worin beide Seiten, Deutschland und die feindlichen Mächte, vertreten sein sollen, Mr Vorbereitung der Heimtransporte eingesetzt werden. Die deut­schen Vertreter sind schon seit vielen Wochen rrnannt und warten in Paris auf die Gelegen­heit einer Konferenz. Aber die Vertreter der Minierten lassen sich nicht sehen, wahrscheinlich sind sie noch gar nicht ernannt. Die deutsche Regierung hat wiederholt Anfragen an den Alliierten-Rot gerichtet, worauf die Antwort tarn, daß erst der Friedensvertrag in Kraft sein müsse. Dor einem halben Jahre schon haben die Alliierten den deutschen Un« ierhändlern in Aussicht gestellt, daß dir deut- Kn Kriegsgefangenen freigegeben werden sol- wenn Deutschland den Friedensvertrag un­terzeichne. Unterschrieben haben wir nun. Richt zuletzt hat der Gedanke, daß wir damit den tn Feindesland lauernden Volksgenossen einen großen Dienst erweisen Würden, zur Annahme der drückenden Bedingungen getrieben. Ms dann die Regierung wieder einmal in Versailles an die Gefangenen erinnerte, wurde die aus­weichende Antwort gegeben, nun müßte noch die Inkraftsetzung abgewartet wer­den; das wäre also erst dann, nachdem außer Deutschland noch drei der feindlichen Groß­mächte den Vertrag ratifiziert haben. Bis jetzt hat nur eine Macht, England, ratifiziert. Wann die anderen daran denken werden, ist vorläufig nicht abzusehen, denn Amerika sowohl wie Ja­pan streiten sich noch um die Paragraphen der Dchantungfrage, Italien ist wegen der Bestim­mungen über Fiume unzufrieden, und Frank­reich zöaert unter allerlei Vorwänden. Bei Frankreich ist ohne Zweifel nur böse Absicht im Sviele. Frankreich will die Gefangenen nicht herausgeben, weil sie als billige Arbeits- krcffte auch weiterhin Sklavendienste lei­sten sollen. Vielleicht befürchten sie auch, daß Deutschland durch die Hunderttausende wieder zuviel Männer erhalte. Die Befürchtung wäre zwar sehr töricht, doch entspräche sie ganz der französischen Denkweise. Eine niederträchfige Ausbeutung und Knechtung wird betrieben, ob­gleich wir angeblich schon Frieden haben. Aber es ist ja nur noch eine Formalität zu erfül­len, die Inkraftsetzung des Vertrages, sagen höhnisch die Herren Franzosen. Dabei be­mühen sie sich nach Kräften, diese .Formalität recht lange hinauszuzögern. Und das nennen die alliierten Weltverbesserer Gerechtigkeit und Humanität'

Die Anfragen unserer Regierunq haben bis­her keinen Erfolg gehabt. Deshalö hat sich ein .Bund deutscher Frauen zur Befreiung der Gefangenen*, dessen Mftgfiederzobl schon fast eine Million zählt, die hohe Aufgabe ge­stellt. an der Befreiung der Unerlösten mitzu­wirken. Dieser Frauenbund ist ein Teil des .Volksbundes zum Schutz der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen*. Seit einiger Z-it finden tn allrn Gauen des Deutschen Reiches Ver­sammlungen statt, in denen die schleunige Frei­gabe der willkürlich und widerrechtlich Festge-

haltenen gefordert wird. Auch in Kassel ist erfreulicherweise am Sonntag eine solche Ver­sammlung abgehalten worden. Es kann in die­ser Sache gar nicht genug getan werden. Es sollte kein Tag vergehen, an dem nicht die ver­antwortlichen Männer der Entente an das Ge­wissenlose ihres Verhaltens erinnert werden. Leider hat die deutsch« Protestbewegung noch nicht die wünschenswerte überwältigende Größe. Ws bleiben denn die anderen Körper- fchafttn, die das Heil der Menschheit auf ihr Banner geschrieben haben: wo bleibt die inter­nationale Friedensliga? oder der vötterverbrü- dernde Sozialismus? oder die weltumfpan- nende Päpstliche Macht? Und warum lassen dir Neutralen nichts von sich hören, die doch wäh­rend des Krieges sehr gerne zu einträglichen Geschäften immer bereft waren? Möchten sich doch die Völker endlich wieder einmal aufraffen zu normalem Denken und menschenwür- digemTun! Die schmachtenden Gefangenen und ihre enttäuschten Angehörigen, Millionen angsterfüllter Seelen, würden es ihnen von Her­zen danken. K. F. D=r.

Umarn« SntwiKum.

Erzherzog Josephs Boffchast. lEigene Drahtmeldung.)

Wien, 12. August.

Der Verweser von Ungarn, Erzherzog Jo­seph, hat an den Alliiertenrat in Versailles eine Botschaft gerichtet, worin er die Konstituierung der neuen Regierung mttteilt und um formelle Anerkennung bitt et. Der Alli­iertenrat wird die Antwort wahrscheinlich heute abseuden. Es verlautet, daß sie sehr vorsichttg abgefaßt ist. Das Haupterfuchendes Erz­herzogs, seine Regierung formell anzuerkennen, wird nicht erfüllt. Es wird darauf hin- gewicsen, daß die neue ungarische Regierung den Beweis zu erbringen habe, daß sie den Bolkswillen repräsentiert. Es wird die Erwar­tung ausgesprochen, daß die Nationalver­sammlung so schnell wie möglich einberufen werde, und daß es inzwischen der vorläufigen Regierung gelingen werde, die Ordnung herzu- stcllen und den Waffenstillstand dnrchzuführen.

* w

Ein englische» Thronanwärter?

Wien, 12. August. (Telegraphische Mel­dung.) Die monarchistische Bewegung in Un­garn scheint unter dem Drucke der Entente eine neue We nd « ng zu nehmen. Der Name des englischen Herzogs Adolf von Teck taucht mit wachsender Bestimmtheit als Thronanwär­ter in Ungarn auf. Es scheint, daß Erzherzog Joseph doch nicht geneigt sei, den Thron zu besteigen, oder es sind die ungarischen Mo­narchisten der Ansicht, daß sie eine bedeutende Erleichterung der Friedensbedingungen er­reichen könnten, wenn sie Ungarns Ärone dem aus einem englischen Herrscherhause stam­menden Prinzen anbieten. Bezeichnend ist, daß weder die Wiener noch die Budapester Entente­kreise bisher den immer bestimmter auftreten­den Gerüchten entgeflengetreten sind. Herzog Adolf von Teck ist mütterlicherseits mit der un­garischen Aristokratie verwandt, da seine Mutter eine geborene Gräfin Rheden uar. Er weilte vor dem Kriege auch öfters in Ungarn.

Rumanen-feindliche Stimmung.

Genf, 12. August. (Eigener Drahtbericht.) Im ungarffchen Botte, besonders im Heer und in der Bauernschaft, wächst die Neigung, die rumänischen Truppen gewaltsam aus Ungarn zu vertreiben. Eine allgemeine Bewaffnung des Bottes ist im Gfanfle, und man rechnet mit der Möglichkeit eines Krieges gegen Rumänien. ES ist allerdings anzuneh­men, daß die Entente dies verhindern wird.

Anklage gegen die Bslschewisten.

Wien, 12. August. (Privattelegramm.) In Budapest wird auf Befehl der neuen Regie­rung eine umfangreiche Unterfuchung gegen die Kommunist - nsührer vorgenommen. Zahlreiche ftäherc »Regierende", 21 Volksbeauftragte, 82 Arbeiterräte und 168 Terroristen sind verhaf­tet worden, sämtlich wegen gemeiner Ver­brechen. Die Haussuchungen hatten ein über- rasihendeS Ergebnis. Bei Bela Kbun fand man, wie gemeldet wurde, ein» große Geldfumme in der Wand eingemauert vor. Die Hiuterlafsin- scbast Szamuelhs besteht aus sieben großen Kisten und einem Bccklen wertvoller Perfertep- piche. Die Kisten toxen bis oben hin angefüllt mit Gold und Silber. Auch von den mei­sten Anderen tft bekannt, daß sie sich durch die Revolution auf unrechtmäkiae Art bereichert

haben. Wie verlautet, ist bei der Hauptanstalt der Oesterreichischen Bank in Budapest der Be­stand anBanknotenin Höhe von zwei Mil­liarden Kronen durch die Räteregierung und ihre Organe unterschlagen worden. Die Oesterreichisch-Ungarische Bank wird Schaden­ersatzansprüche an den ungarischen Staat stellen.

3m besetzten Gebiet.

Verbot des deutschen KriegSgeldeS.

(Eigene Drahtmeldung.)

Pfalzburg, 12. August.

Gemäß einem Erlaß des Geuerattomufissars dürfen in Elfaß-Lothriuigen kerne deutschen Scheidomüngen aus E i sen oder Zinn mehr als Zahlungsmittel angenommen werden. Es dürfen nur noch die 5- und lE-Pfennrgftücke aus Nickel gleichwertig mit französischen Centimes- stücken verrechnet werden.

Gefangenen-Heirnkehr verzögert.

Saarvrücken, 12. August. (Privattelegramm.) Die Heimkehr der Ärieg?~efangencn und Zivil- internierten, welche im Saaraohiet beheimatet sind, verzögert sich erneut. In den letzten, beiden Wochen find nur wenige Gefangene uitb' zwar ausschließlich aus französischen @ef«itge- umlagern, jedoch keine aus den übrigen alliier­ten Gefangenenlagern znrückgekehtt. In den einzelnen Saarstädten sind bisher ein Drittel der Gefangenen hetrnbefördert worden.

. *

Teuerung im Elsaß.

Straßburg. 12. August. (Privaiteleqram'M.) btzenerallommissar Millerand hat Berordirunv-n zur Bekämpfung d er T e u er u ng im El­saß erlassen. Er hat für jeden Distrikt die Bil­dung einer Kommission anaeotmet, welche mit der Festsetzung der Verkaufspreise beauftrag ist. Der Gewinn darf 15 Prozent nicht Übersteigen. Urner der Arbeiterschaft herrscht eine gereizte Stimmnng infolge der außerordentlich ho­hen erneut amgei'fiegcnen Lebensmittelpreise.

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Zerstörungswut der Franzosen.

Karlsruhe, 12. August. (Eigener Drahtbe­richt.) Wie wir erfahren, haben die Franzosen vor einige« Tagen daS bekannte Kaiser Fried­rich-Denkmal in Wörth, im Elsaß, sowie die 14 deutschen Kriegergräber durch Dyua- miffprengitngen, welche von 100 Pioniersoldaten aus geführt wurden, dem Erdboden gleichgemacht nachdem sie schon kurze Zeit zuvor die Krieger­denkmäler in Straßburg,. Metz und St. Privat zerstört haben. Auch in der Pfalz und im Keh­ler Brückenkopfgebiet wurden vor etwa 2 Wockfen vier Denkmäler teils beschädigt, te'ls beschmutzt.

SeuMseindliches England.

AuSsperrtmg der Deutschen.

(Privat-Telegramm.l

Rotterdam. 12. August."

Die englische ZeitttnaDaily Mail" meldet: Der englische Reedereiverband hat in einem Rundschreiben aufgefordert, Angestellte und Arbeiter and deutschen Schiffahttsbe. trieben auf die Dauer von drei Jahren nicht in englischen Betrieben einzustellen

Englische Schadenersatz-Ansprüche.

Rotttrrdam. 12. August. (Privattelegramm.) Die .Moruin-gvost" berichtet: Englisch- Staat s - angehörige haben tnsgesamt 5% Milliar­den Swillln g Schadenersatz an Deuffchland bei der Kommission nt London angemeldet.

Die Wirkungen der Selbstanklagen.

Rotterdam, 12. AuMist. (Eigener Drahtbe- richt.) Wie ans Loudon gemeldet wird, wer­den seit Mitte voriger Woche in London S o n- derabdrncke der Rede der deutschen Staats« winkster in der Weimarer Nattonalvers-mmlung über daS Eingeständnis derSchuld" Deutschlands am Weltkriege kostenlos auf Stra­ßen, Plätzen mtd in Lokalen verteilt. Auf wes­sen Kosien die Gvafisverteisnng erfolgt, soll «och nicht öffentlich feftaeMt sein.

Deutsche Handelsschiffe ausgelrefert.

Hamburg. 12. August. (Privattslegvamm.) Bis letzte« Sonnabend winden von der deut­schen Handelsflotte 116 Schiffe mit einem Gc- samtmhalt von 1320 000 Tonnen «böeliefert, darunter 35 Schiffe der Hamburg- Amerika- Linie.

Weimarer Zamng.

üir'.inderwerdbsui eigeteh. Tabttsteuergesetz.

(Eigener Drahtbericht.)

Weimar, 12. August. &

Im Haus.- herrschte gestern Moutagsstim. niung. Trr Saal ist äußerst schwach besetzt. Die Tax««vi.'nm"> ft> nkfc: sehr umfangreich aber wegen des lebhaften Widerstandes der Parteien gegen di. meiner. Steuervorragen «ui» der großen Redefifft »er Abgeordneten gessmgt cS ni-ti. Wer die erste» beiben Beratungsgegen. stände hinaiiszukommcn. Reichsfmanzminister Erzberger hat einen sehr schweren Stand. Die neuen Steuergesetze sind Erzeugnisse seiner beiden Vorgänger Schiffer und ©ein« bürg mtd er toll sie nun verteidigen und durch Ertingen, eine harte Arbeit, wenn das Haus so» viÄe Einwendungen macht. Dem Grund­wechselsteuergesetz stehen die Parteien nr >: oder weniger ablebend gegenüber. Man befiirchtet allgemein eine Benachteiligung des kleine« Mieters und eine Entrechtung der Ge- meiuiden bei der Steuererhebung. Die Unab­hängigen lassen durch ihren Vertreter Henkel, dem Diktator von Bremen, gleich von vornherein erklären, daß sie das Gesetz abfehnen. Die üb­rigen Parteien begnügen sich mit der Einbring­ung von Abändcruuasanträgen, welche die Nachteil? der Vorlage beseitigen sollen. Erz- berger gibt sich die größte Mühe, den Gesetz» enttourf in feiner jetzigen Fassung durchzubrin- gen. Es gelingt ihm dann auch iin wefenÄiche« die Parteien umzustimmen, nur die Unsbbäng» igen bleiben hei ihrer ablehnenden Haltung.

In der Rachmittagssitzimq befaßt sich taS Haus mit der zweiten Beratung des Tabak» stenerg fetzes. Die beide« Rechtsparteien sind von der Vavlage nicht besonders erbaut unid veriarrgen wesentliche Abändevungen, be­vor sie ihre Zustimmung geben wollen. Der sv- zieldemckratffch- Abgeordnete Schröder läßt sich durch die ablehnende Haltung der Rech ten verleiten, mehrere Angriffe gegen sie zu er­heben, da zu der Zeit, wo sie noch die Leitung der Regierung in Händen hatte, die ersten Ta» baksteuetgesetze irngeachtet der Rot der Tabakar. beiter eingesührt wurden. Die Rede artet dann auch schließlich m eine sofialdsmo-kvatische Par- tetr*3? eu#. Auch daS Zentrum hat einige Be- denken gegen die Sieuervotlage, läßt aber durch feinen Redner erklären, daß eS tn Anbetracht der Finanznot des Reiches ihr zustimmen werde. Den glerchen Standvmttt vertreten die Demokraten. Die schweren Bedenken, die man einzuwendcti hcbe müßten mit Rücksicht rtf Volk und Reich rurückgeftellt wenden. Erzber- aer sicht sich auch jetzt wiedetholt veranlaßt ht die Debatte einzugreifen und die Vorlage zu verteidigen. Nach und nach wild dann auch der Wdetstand der alten Parteien immer schwächer» kodaß eS gelingt, auch dieses Gesetz zu veröd- schiedeu. Nächste Sitzung: DlenSstlg. Aus bet Tagesordnung: Fortsetzung der heutige« B» ratimg und Umsatzsteuer.

Ser Reichz-Seldbedorf. Dierundzwanzig Milliarden Mark.

(Privat-Telearamm.) »

Weimar. 12. August.

Der Nationalversammlung geht in diesen Tagen die vom Reichsfinanzmiuister in Aussicht aestellte Denkschrift über bett Finanzbedarf des Reichs zu. Der Gefamtbedarf.totob darin mrf rund vrerimdzwanHig MMarden Mark be» zffjert. Hiervon entfallen WA Milliarden <mf das Reich und 6% Milliarden auf Staat und Gemeinde. Die bisher in Straft gewesenen und die neuen Steuern können etwa 7,6 Milliarden Mark erbringen, was eine Mehreinnahm« von 1,2 Milliarden gegen früher bedeuten würde. Dan» oar* nun aus den Beträgen des Reich?- noropftrs mit einer jährlichen Zinserfpami' für den Dienst der Reichsschukv von 83% Mil fiatzden rechnen. Die Umsatzsteuer dürste, wenn der Regftrungsentwurf angenommen wnd, Einuabmen von vier dis fünf Milliarden Marl ht die R-nck-skasse letten. Es würde demnach ein Fehlbettag von mindestens 9 dis 9'A MMa-de, blM-en, M dessen Deckung om außer ordentliches Anziehen der Steuerschraube durch Erhöhung de.- »lei«5e.t.ri.mcnsteuuer und der mit br in VerNnduna stehenden KvbNalrentensteiuer er. folgen müsse. Alle diese Ziffern beruhen na­türlich atff Schätzungen. Das Fmanzmimste- rinm tft fick angesichts des gegenwärtigen Zu­standes bewußt, daß der Boden für diese Schützlingen schwankend Nt. du berücksichtigen ist ferner, daß bei dem Gestnntbedarf von 24 MMarden Mark die Erfordernisse aus 'Der Fttedeusvertrag noch nicht etngeschlos' fen find. Der Denkschrift stnd drei Anlage, beigefügt. Die erste gibt eilten Ueberblick über den Ausbau der bisherigen Steuern und die hier ettraetretene Belasttmg, die Mette eine Zu. vmrmeirftenittTff her "Hten de*