Meler Neueste Nachrichten
Kass«ler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 210.
Fernsprecher »1 und 352.
Dienstag, 12. August 1919.
Fernsprecher 951 und 952.
9. Jahrgang
jeferttoaZprtife Tt« ilebtngefpaltete Stil« tut «ixhelmtsch« »«fchgft« M Pf. Hk__,
»ätttse Sitjtigtu 35 Pf. 9t«nam«jette für «inheimtsche tikf*4ft« 75 Pf, fik eulw4*#ae ®*f4äfte 1 Mk, «kkach« 8«Ueg«n tottben nrtt 5 Mark pr» laufen» d«r»chuer, ale« «ttt wt rtuetungS.Zutchlag. Bei Uebermittlung »eit Anzeigen auf releptz. Weg« wtrs für durch 6e» Wer hervorgerufene Irrtümer keiuerleiHaftung übernommen. Für die Aufnahme »enametgen an Jefttuunten Lagen oder Pfützen mir» feine »ewühr geleistet. ÄefchLfttztlelle- Äelntt*e Str. 5.
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Sie Eisenbahner in Mtel-Vevtschlanb.
sere Volksgemeinschast.
Dr. K.
Umtausch des Eisernen Kreuzes.
Straßburg. 11. August. (Prrvat-Telegramm.) Der Bürgermeister von Straßburg gibt br- kamit: Der Generalkonnmissar für Elsaß-Loih- ringen. Millerand, hat beschlossen, in besonderer Bekundung seines Wohlwollens für die Elstis- er. die Auszeichnungen, die ihnen von den Deutschen w-chrend des Krieges für Treu« und Tapferkeit verliehen wurden, namentlich das Eiserne Kreuz, gegen entsprechende französische Orden und Ehrenzeichen mnzutauschen.
es höchste Pflicht ist. jeder nach seinem Teil mit dazu b-izutragen. de? Reiches furchtbare Rot lindern und beheben- zn helfen. Hebet die Notwendigkeit deS Reichsnotopfers bestehl bei keiner Partei im Lande auch nur der geringste Zweifel. Heber seine Ausgestaltung im Einzelnen freilich herrschen zur Stunde noch lebhafte Meinungsverschiedenheiten vor. Wenn die tiefgreifende Reichsfinanzreform von dem Gei einer neuen Zeit, der uns alle mit dem Ge danken der unbedingten Zusammengehörigkeit erfüllen soll, beherrscht wird, dann wäre das ein unschützbarer Gewinn, ja ein Segen für un-
Auch Sachsen dagegen.
DrcSdeu. 11. August. (Pvivattelegramw.) J.i einer hier abgehaltenen Sitzung des sächsischen Eisenbahnerverbandes wurde beschloffen, die Babnarbeiter vor der Streikgefabr zu warnen. Der Verband lehnt einen politischen Streik unter allen Umständen ab. ES heißt in der Warnung am Schluß: „Wer zum Streik oufruft oder sich hinreißen läßt, macht sich mit schuldig am Verbrechen gegenüber unserer Bolkswirtschast, unserer Volksgemeinschaft. Von unseren Mitgliedern erwarten wir, daß sie mit Mut und Hnerschrok- kenheit gegen allen Streikwahnsinn Stellung nehmen und auch in schwerster Stunde ihren verantwortungsvollen Platz nicht verlassen."
Sm besetzten Gebiet.
Französische Justiz.
(Eigene Drahtmeldung.)
Pirmasenz. 11. August.
Vor den französischen Militärgerichten in Pirmasenz hatten sich zahlreiche deutsche Eltern deswegen zu verantworten, weil ihre Kinder Dcützen. Wickelgamaschen usw. trugen, die ihnen von französischen Soldaten geschenkt oder zu- rsichgelassen wurden. Die Urtcife lauteten auf Geldstrafen bis zu 50 Mark. In der Hrteils- brgründung wurde ausgeführt, daß französische Soldaten nicht das Recht haben, Eigentum des französischen Staates zu verschenken oder zu veräußern. Die Annahme derartiger Geschenke sei deshalb als Hehlerei strafbar.
Gegen den Streif.
Weimar, 11. August. (Privattelegramm.) Ans Ersur, wird über die Eisenbahner Bewegung 6tftf ict: Hier sand im Beisein des Bun- vesvorsitz'ndeu Schuldt-Stettin eine Sitzung Tn i'.nichkn Eiscnbahnbeomteubundes statt, die sich mit den zwischen der Eisenbohndireklion und der tveuurkschaft des deutschen Eisenbabn- teamnu - Bundes schwebenden Differenzen befaßte. Ans dieser Versammlung heraus sind unrichtige Bei.chie in dir Presse gelangt, de den Deutschen E'sinbahnbermtcn-Bund veranlagen, folgendes xn erklären: D>e Bezirke Kassel, Erfurt. S-irnobcr und M». gdebrrrg gehören dem großen Gew-rttchaftsbunse deutscher Eisenbahn- bcamteu an. Sie denkenuichtdarau, über d Köpfe >»jur Gewerkschastsleitung hinweg einen Streit zu o-ganisieren. Weiter w rd erklärt, daß die genannten Bezirke zwar gegenwärtig bestrebt seien, die zur Zeit unvollkom- meite Organisation d-r jungen Gewerkschaft durchzubildert, daß aber alles übrige müßige Kombination oder falsche Darstellung sei.
Sie Kenkmhner-Bewegung.
Die Agitatoren an der Arbeit.
(Eigener Drahtbe^ichl)
Frankfurt a. M., 11. August.
Auf Einladung des deutschen Eisenbahner- oerllmtves sprach Sonntag in Frankfurt der Bezirksleiter der Frankfurter Gruppe, Lumb, über die Forderrmgen der Eisenbahner. Wenn die Einsühruna des Rätesystems, so führt« der Redner aus, nicht in allen Betrieben erfolge könne man sich in Weimar aus etivas gefaßt machen. Ans eine Anfrage des Verbandes cm bett Zentral Vorstand über den Stand der Lohn- sotoerungen ans Grund der Jenenser Beschlüsse fei die Antwort eingegangen, daß noch in dieser Woche in Berlin die Lo h nkommifsio n zusammentrtten werde. Länger als ein Jahr dürfe kein Tarifabschlnß Geltung haben. Die Mehrzabl der Arbeiter übte aber scharfe Kritik an den Anssnhrnngen des Redners Lucub. Ez wurde sodann krotzdccn die Erklärung, daß man unter allen Umständen den Generalstreik entfachen müsse, wenn, die Regierung die Forderungen der Arbeiterschaft nicht bewillige, von der Dersammlung mit zustimmendem Bei soll ausgenommen.
Ruknzpläne.
Vermögensabgabe und neue Steuern.
Unser Weimarer Mtarbeiter schreibt uns: In diesen Tagen sollen in der Naiionawer-
Delohnte Städte.
Straßburg, 11. August. (Privat-Telegramm.) Präsident Poincarce wird nach einer Havas- meldung anläßlich seiner Reise nach Elsaß- Lothrrnaen, die er morgen antritt, den Städten Straßburg. Hüningen, Bitsch und Pfalzburg das Kreuz der Ehrenlegion mitbrrugen und persönlich überreichen.
Schwierigkeiten in der Saarindustrie.
Saarbrücken, 11. August. (Privat-Telc- gramm. Die Saarindustrie, wie die lothringische Eisenindustrie steh-n vor großen T r an s- portschwierigkeiten. Bereits seit zwei Monaten kamt nur noch das Dringlichst« be- sördert werden. Di« Frage deS Wa"erwcgeS nach Inner-Frankreich wird erneut akut und ihre Dringlichkeit gegenwärtig von den maßgebenden Instanzen studiert.
m eine Einwvhner-Wchr umgewandelt werden. Mit dem allmählichen Erstarken der Polizei sind die ständigen Posten und Wachen eiuzuziehen, und die Einwohnerwehr steht zur Unterstützung der Polizei und der Reichswehr bereit. Bei Appells usw. muß ihre Stärke erprobt werden. Dr. Schellmann mahnte schließlich zur Vorsicht gegenüber allen Zersetzungs- Versuchen innerhalb der Stadtwehr. Stande s- unterfchied« dürfen nicht künstlich herausgearbei. tet werden. Mit lautem Bravo wurde sodann die einstimmig erfolgte Wahl Dr. SchellmmaunS zum Stadtwehrkommandonten ausgenommen. Nach warmen Dankesworten für den bisherigen Kommandanten Gellert, der bekanntlich Duu- desvorsttzender der Freien Turnerschaft in Leipzig geworden ist, wurde der bisherige Vertreter Carl ebensalls einstimmig zum Kom. Mandant der Gruppe Ost gewählt. Er war von den Gewerkschaften präsentiert. Dann machte Stadtwehtkommandant Catta noch einige Mitteilungen über die neuen Alarmver- besserungen. In den nächsten Tagen findet ein P r o b e l a u f e n der auf der alten und neuen Sternwarte eingebauten Sirenen statt, die sich bei Fliegergasahr bewährten und fünf Kilometer weit vernehmbar sind. Warm ist damit nicht verbunden. Bei ernstem Alarm werden von den Türmen der Martinskirche und des Rathauses Raketen abgeschossen und Kanv- nenschläae gelöst, sowie eine blau-weiße Flagge gehißt. Es wird ein Feuerzanber der- anftaltet, der auch den ruhigsten Bürger im ver- borgensten Hinterstübchen aus dem Schlummer aufwachen läßt. Niemand kann dann meh» agen, er habe den Alarm nicht gehört! Außer >em ist die Stadt in ^Larmbezirke mit Bereit- chafts-Haupt-, Bezirk?- u. Jnteressentenwachen letztere für alleinstrhende Stadtteile, Villen- kokonien ufto.) eingeteilt. Demnächst ist auch mit dem Aufgeben des Namens »Stadt- wehr" zu rechnen. Nach dem Lriedensvettraae
neuer Stadtwehrkommandant vorgeschlageu wurde der Führer des zweiten Bezirks, Landesrat Dr. jur. Otto Schellmann, Abteilungs- Vorstand der Zentralverwaltung des Bezirks- Verbandes des Regierungsbezirks Kassel, nnd auch aus der Versammlung heraus warm empfohlen. Von einem Redner wurde ihm das Zeugnis ausgestellt, daß er im Felde ein vorbildlich pflichttreuer Offizier gewesen ist. Auf eme Frage nach der politischen Haltung del neuen Kommandanten hin nahm Dr. Schell« manu noch vor der Wahl das Wort: Die Steh lung des Kommandanten der Stadtwehr ist ein« rem unpolitische. Jeder Bürger im weitesten Smue des Wortes hat Kr die Aufrechterhah tung von Ruhe und Ordnung einzutreten, möge die Störung von rechts oder links kommen. Er persönlich ist seit Jahren Beamter und Reserveoffizier und entstammt einer Familie, die seit Jahrhunderten dem Beamtenstand angehört, und vertritt eine Ausfaffmig, die gesund na. t i o n a l bezeichnet werden muß. Er gehört nicht zu denen, die ihr Mäntelchen nach jedem Winde hängen und hält es für Ehrenpflicht eines Jeden: Steht er in den Reihen der Stadtwchr, so hat er feine Pflicht als Stadtwehrmann zu etfüSen. Solange der Einzelne nicht seine ganze Persönlichkeit einfetzt, ist von »oben" nichts zu mache«. Fehler sind vorhanden, oben und unten, und ehe das nicht eingesehen wird, kann es nicht besser werden. Die Wahl eines Stadtwehtkommandanten bezweckt nichts weiter als eine Teilung der von Tag zu Tag größer werdenden Arbeitslast und Schaffung einet Stelle, die die letzt« Entscheidung in der Hand hat und auch die volle Verantwortung trägt. Von einer Auflösung der Stadtwehr kann über- Haupt nicht mehr die Rede fein, im Gegenteil, es muß ihr eine festere Organisation gegeben, sie muß nach den ministeriellen Be. stimmungen
Die Italiener zurückgezogen.
Ludwigshafen. 11. August. (Eigene Dtaht- meldung.s In der Südpfalz rüsten stch die dort seit läuqever Zeit unterqebtachten italieni- chen Truppen zur Abreise. Im Laufe diefer Woch« werden alle italienischen Truppenteile die Heimreise nach Italien antreten.
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Der berüchtigte Dorten.
Köln, 11. August. (Privat-Telegtamm. Dr. Dorten ist vorgestern in Paris eingetroffen und wird eine thtierrebnna mit Clemencran haben.
muß. Diejenigen., die hier eine Streckorganisa- tton schaffen wollen die als Werkzeug in ihrer Hand jederzeit zwn Los schlagen bereit sein soll' gefährdet die staatsrechtliche Stellung der Beamten -ruf das schlimmste. Das Vorgehen jener Beamten ist «ine Verletzung der elementarste BecmrtenpWcht nnd ein Verbrechen gegen die deutsche Wirtschaft und damit gegen unser gesamtes Volk. Ich richte dshalb hiermit die ernste Mahrmg an jeden Beamten, sich von solcher ©titttorgiamfation fernzuhältn.
Warnung des Eisenbahnministerö.
Berlin, 11 August. (Telegraphische Meldung.) Der Minister der öffentlichen Arbeilen hat einen Erlaß an die Beamtenschaft der pteuß.-befl. Staatssrseubahne« gerichtet, tn dem es heißt: In Erftrrt ist am 6. Juli ein mittcldeutfttier Block geschaffen worden um die Demokratiste- ruttg der Eisenhahnverwattimg zu erzwingen. Diese Organisation soll vor allem die Prvpa- gietung des Streiks unter der Eisenbahnbeam- 1 en schäft betreiben. Die Propagierung des Strocks ist besonders im jetzigen Augenblick ein Verbrechen am oeutschen Volke. Jedem Einsichtigen steht hie Gefahr vcs völligen Zusammenbtuü>es des wirtschaftlichen Ledens vor Augen. Dc.'« kommt die besorgniserre- wtbe Lag« der Kohlenversorgung. Wenn in solchem Augenblick eine Beine Anzahl Mit Beamten eine Organisation schaffen will, nm den Streik zur Durchsetzung persönlicher Wünsche proklamieren zu können, so ist das eine Tat. die atrfs schärsste verurteilt werden
..De: der großen Hohe unserer Kriegsanleihe- schuöden konnte man die Frage aEverfen, ob es nicht besser gewesen wäre, einen Teil derselben für nrchttg zu erklären, anstatt das Poff durch die Vermögensabgabe in seiner Steuerkraft zu schwachen. Aus zwei wichtigen Gründen aber wird diese Frage vielfach in verneine «dem Sinne beantwortet. Durch die Annulkierung von Kriegsanleihe geschähe dem Volke ein schweres Unrecht, denn nicht nur die Wohlhabenden, die das allemalls noch aushalten könnten, sondern auch weite Steile des Mittelstandes und des ar- be^ndenl Volkes würde« so schwer geschädiat. da ß sie ichließlich wirtschaftlich Msammenbrechen Mußten, wahrend bei der Vermögensabgabe jeder nach dem Maße seines Besitzes herauae- zogen und belastet wird. Das Ziel der £®“e” Steuer muß eben sein, daß unserer Polkswirtichaft nur solche Lasten ausacbürott perven, die sie in Wirklichkeit auch ertragen innn. Wir wollen ganz davon schwelen, Ä moralischen Wirkungen die Einziehung der Kriegsanleihen mr Gefolge haben würde, unter dem Gesichtswinkel betrachtet, daß die Gelder str die Kriegsanleihen von Millionen und itzbermillionen aus reinste« vaterländischen Mo- t.ven heraus zur Verfügung gestellt worden sind.
j u'.it erner großen Vermögensabgcche int Sinne des Reichsnotopsers auch eine Verringerung der durch die Kriegsanleihen bewerkstelligten gewaltigen Reichsschuld erzielt wird, ist M staatswirtschaftliche« Interesse zu begrüßen.
DaS Reichsnotopfer ist eine Angelegenheit, die wie keine andere gesetzgeberische Maßnahme uns alle angeht. Den tiefen Sinn desselben sollen wir nicht in den Punkten erblicken, die uns sehr real an den Geldbeutel gehen, sondern es soll uns vor allem Lara« erinnern, daß
Die Stadtwehr.
Kommandant: Dr. Schellmann. Heber gang zur Einwohner - Wehr.
(Don imferm Mitarbeiter.)
Kassel. 11. August.
Im Theatersaal der Kaifersäle — übriaenS ein idealer Raum für Tagungen — wählte sich gestern eine stark besuchte Vollversammlung der Stadtwehr ihren Kommanhanten, da der Leiter der Sicherbeitsabteilung, Referendar E s ch st r u t h, kommissarisch einen benachbarte« Laudratsposten überniUMtt. Die Dankesworte, die diesem von de« verschiedensten Seiten, auch von dem städtischen Dezernenten Assessor Dr. Jeß zuteil wurden, belehrten Herrn Efchstruth, daß es unnötig gewesen war, sich in seiner Abschiedsrede — wie er es getan — gegen Anwürfe zu verteidigen. Die Stadt Kassel ist ihm für das zu Dank verpflichtet, was er in schwerster Zeit im Interesse der Aufrechterhaltung der Ruhe, Odnung mtb Sicherheit getan hat. Was von den eiuzelnen Führern noch einmal Mer die Tätigkeit der Stadtwehr gelegentlich der Plünderungen am 21. Juni gesagt wurde, bestätigte nur schon früher Vernommenes. MS
Sammlung die schwierigen Finanzfragen be- fprochen werden. Die seit einiger Zeit angelün- vigte Einbringung einer Vorlage an die VoWvertretnng zum Zwecke der Beschaffung von Milliardenfummen zur Tek- kung des finanzielle« Reichsbedarfs ist bereits erfolgt. Eine Ueberraschung bedeutet sie nicht mehr. _ An den Gedanken, riesenhafte Eingriffe in unsere VermögenAwerte uns anferlezen zu lassen, haben wir uns unter dem Druck der durch den unglücklichen Kriegsausoang geschas- fenen Lage langsam gewöhnt. Was nun das Nelchsnotopfer, wie man die große Vermögensabgabe getauft hat, anbelangt, so werden in der amtlichen Begründung folgende lei. tende Gesichtspimkte für ferne Notwendigkeit und die Aufbringung der MVardensummen entwickelt. Die Regierung steht auf dem Standpunkte, daß die Vermögensansammlung und die Bildung fester Vermögenskern« im Grunde nur durch das Wirke« der Allgemeinheit möglich war, welche die staatspolitischen und staats- wirtschaftlichen Fundamente durch werktätig« Arbeit gehütet hat. Darum erscheint es auch nicht unbillig, in Zeiten der Rot das in behaglichen Zeiten Angesammelte zur Linderung der Reichsnot wieder nutzbar zn machen. Naturgemäß lassen sich auch Bedenken der verschiedenste« Art gegen solche unerhörten Eingriffe in die Kapitalsbildung nicht verschweigen, denn das Kapital ist nun einmal das treibende und belebende Element der Volkswirtschaft, ohne das eut industrielles oder wirtschaftlich-schöpfe- rrfchcs Lebe« nicht gedacht werden kann. Aber Wir st hen vor einer ganz neuartigen Enüv'.ck- luna. War haben Verpflichtungen gerade finan- neller Art zu erfüllen, deren Ausmaße heute überhaupt noch niemand kennt. Auch bei einer noch so gewaltigen Schröpfung des Kapitals kann heute noch nicht die Deckungsmöglichkeit unserer Verpflichtungen auch nur im entfernte, st-n Morschen werden. Natürlich wird man verlangen müssen — und in diesem Punkte hat d-e Nationalversammlung eine ganz besondere Aufgabe —, daß durch die Höhe des Reichs- notopxers und durch die Art der Echwuna nicht »le berechtigten »olkswirtschastliche« Interessen der Gesamtheit geschädigt werden, daß aber auch— bei diesem Punkte scheint bei den ös- fenttoben Erörterungen doch wohl etwas zu wenig Gewicht gelegt Wochen zu sei« — die berechtigte« Interessen derjenigen Personen und Fmmlien berücksichtigt werden, die durch die Folgen und Wirkungen dieses unae- heuerliche« Krieges, mit am mersten getroffen woraen sind, und die so gar keine Gelegenheit batten, von den Kriegs- und RedolutionS- aewinnen etwas an sich zu reißen. Die schon in Friedenszeiten mühsam aufgespeicherten ^arcelder muffen vor rauhen Zugriffe« gesichert bleiben. Ganz ungeschoren sreflich werden auch sie nicht bleiben können bet der ungeheuren Reichsnot, aber es muß ein recht tiefer nntcrfcfHeb zwischen dieser zur Deckung der kebensnotdurft bestimmten Werteansammlnng werden"! ”TU^Iof<n KapitalKgewinn gemacht
Unruhen in tztzemnitz.
ZMreiche Tot« und Verwundete.
(Eigene Drahtmelduua.)
Chemnitz, 11. August.
Heber die schweren Kämpfe um den Hauvl- gnhof am Freitag nachmittag ist noch zu Heien: Die Unruhen forderten nach prwaten ützungeu auf feiten der Regierungstruppen 60 bis 80 Tote und etwa 200 Verwundete, auf feiten der Arbeiter 10 Tote und gegen 50 Verwundete. Infolge der Vereinbarung herrscht wieder völlige Ruhe. Heute ist i« allen Betrieben die Arbeit wieder aufge- nommen worden. Auch der Bahnhof ist für den Verkehr wieder freigegeben worden. Vorgestern abend drang eine größere Menschenmenge in daS Gefängnis ein und befreite eine Anzahl wegen Diebstahls dort in Hast befind- licher Personen. Die Truppen halteA verschiedene wichtige Gebäude der Stadt besitzt. Der größte Teil der Truppen ist hinter die Linie Äuerswald-Oberlichtenau zurückgezogen worden, weitere werden herangezogen, die sich außerhalb Chemnitz versammeln. Der Eisenbahnverkehr mit Chemnitz ist ungestört. Alle Maßregeln sind getroffen, ran ttn Notfall mit Wa8cnaewalt die Rübe wiederöerruLelwu.