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Kasseler A-errdzeitrmg Hessische Abendzeitung

Die «efieler ktucfe« SicctTtdjtc« trfd; elr.ee röchnttUch fedjSmat nut |aMt c »er

Xboimementir retS betragt »matt. IM Marl bei freier gufientmg tn4 f aul. SJefteOnngen n? erben jebergeti va» der Geschäftsstelle oder den Loten entgegengenommen. Trutterel, Verlag tmb «edattia»! Echlachchofstraste 28/30, gür MW erlangt eingesandte Beiträge kann die Setettten eine Lerm-tmortnng «der Gewähr M keine« galle übernehme». «Li^adlnng des vepigsgelbes «der ttalprächewegen eBoatgermt6i erkmmggn:ättg«r Stefenrng 6*#gdd)ie|TaL

Stimmet 202. 8««spr«h« «1 953. Sonnabend, 2. August 1019. grentfrte^er 951 «»951 9. Aahrgan-.

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3»ferti»e4pretfe: Dre iebengefpoltete Seile her einheimische »-schäfte » etg. ftr e* rodrttge Süneige* 35 Pf. Reklamezeile für einheimische Geschäfte 75 Pf, für euäroürttge Lefchäfte 1 Mk., einfache Beilagen werden mit 6 Mark pro Ta äsend berechnet, alles nett 50»/, Tenermigs-Zuschlag. Bei ttebermlttiimg m «njeigen auf teleph. Wege rote» für durch Htr. fester hervargerafene Irrtümer keinerlei Haftung übernommen. Für die Aufnahme v»nLn,eigen an bestimmten Tagen ober Blähen wird leine Gewähr geleistet. Geschäftsstelle: Kölnische Str. 5.

Sie neue Verfassung ist Gesetz geworden.

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8« Fernen Wen.

Ei« Herd neuer Verwicklungen.

Spricht man, noch ehe die alten europäischen Erschütterungen zu Ende sind, schon von neuen Verwicklungen, und kickstet Ladei sein Augen­merk auf den Fernen Osten, so wird man der Wirklichkeit nicht Ezu fern sein. Es gibt eine Menge Annchen, die auf eine kriegerische Schwüle am östlichen Horizont hmdeuten. Zu­nächst sind da die Meldungen, daß die chinesische FttedenSdelegatton in Versailles den Friedens- Vertrag nicht Habe unterzeichnen wollen, weil Japan das Len Deutschen genommene Schutz­gebiet Kiautschou zn behalten beabsichtige. Kurz danach wurde berichtet, Japan verzichte auf Kiautschou (nicht Schantmrg, wie em Tele- gräpHenbureau irrtümlicherweise schrieb), be- balte sich aber dafür einige Eisenbahn, und BerawerkSkonzessiontn in der Pro­vinz Schautun« vor, worauf die chinesische Delegation die Werftmg von Peking bekommen Habe, den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Ist der Verlauf dieser Begebenheiten in sein?« Zu- sanrmenNmgen richtig, so hat Japan diesmal einen Fehlschlag seiner Ebina-Politik zu ver­zeichnen insofern, «Ls es wohl seine Abachi war, das ehemals deutsche Tsingtau mit Kiautschou ass japanische Niederlassung sich an- zueiguen. Die im November 1914 von der Deutschen Behörde übernommene Verwaltung Haben die Japaner weitergeführt, die öffent- kicken und verlassenen privaten Gebäude be­zogen, den Straßen javanische Namen gegeben und einen Teil der Stadt mit tausenden von japankstheu Händlern, Handwerkern und Land­leuten besiedelt. Im Hinterlande nahmen sie die ehemsks deutsche Schantung-Eisestbahn und daS Besitztum der Sck-rntung-Berabari-Gesell- schäft an sich. Seit jener Zeit ist Tsingtau ein japanischer Hasen, in dem die Ein- und Aus­fuhr, die durch die Belagerung vorübergehend stillgelegt war, wieder von Jahr zu Jahr ge­stiegen vfl Die vier Kriegssahre, während de­ren die europäischen Mächte und Amerika sich China nur notdürftig widmen konnten, hat Ja­pan benutzt, um seinen politischen und wirt­schaftlichen Einfluß in der ganzen Provinz Schantung in weitgehendem Maße anszubrei- ten. Die Japaner haben mit Hochdruck gearbei­tet, durch Vermchriwg der Ausfuhr chinesischer RoMrodukte, sowie durch erhöhte Einfuhr ja» panischer Fertigfabrikate sich dort fesiznsetzen. Sie haben die Provinz mit Hilfe eines Heeres von Kleinhändlern und Hausierern geradezu überschwemmt. Jür die nächste Zett wird es den europäischen Mächten und Ämerika nicht leicht werden, die Japaner von diesem Markte zu verdrängen. Verzichtet jetzt Japan auf den rechMchen Besitz von Kiautschou, fo bleibt ihm doch noch die Benutzung LeS Hafens mit der günstigen HandeVzokeoeubeit und die erwähnten Bahn- und B n Merls- Konzefsionen.

Die weitere Frage ist: wie werden sich die Chinesen nun den Japanern gegenüber stellen? Die Beem-Moottun» ist für Kenner der Verhältnisse nicht schwer. Nach chinesischer An- schauum, hat China den äußeren Erfolg und damit begründeten AnM. die bestehenden Han­delsbeziehungen fortzusetzen. Der vor kurzcm gemeldete Bovkott iapanffcker Waren wird nicht sehr ernst zu nehmen fern. In allen sol­chen JAlen hält die von irgend einer Seite aui- gestachekte Bewegung nur kurz« Zeit an und flaut atz. fobakd dis CH'nesen sehen, daß dabei kein materieller Vorteil für sie beransLonunt. Die wichtigste Frage ist aber: Wersiecktda- hinter? Eine politisch so bedeutsam« Hand- luna, wie die offene Verweigerung der Unter- schrckt uni« einen Vertrag, Jben Vertreter der Großmächte anstzsarbeitet und selbst unterzeich­net Haben, würde eine chinesisch» MforLmmg niemals tim, hätte sie nicht eine stark« Rücken­deckung Hinter sich. Diese Deckung kst niemand anderes als A m e r i k L Schon hn Herbst ISIS, bevor die Abordnung »ach Versailles fuhr, ent- svann sich ein eitriger Wettbewerb Zwischen den amerikanisch«, und japanischen amtlichen Ver» tretunoen in China um den Posten eines Bera­ters, der die chtnssifKen Delegierten »ach Ver- saLleS begleiten sollte. Als Sieger anS dem Wettkampfe Sinsen Wie Wuorikaner hervor, die die Chinesen naÄirkhf stark beeinflussen.

Die Spannung Awtfcheu Japan und Amerika besteht damaemäß weiter. Die Gründe dafür sind ia nicht unbekannt. Da ist zunächst die Rassenfrage, dir den Ja­panern schon fest Jahren bitt« empfundene Kränk»i^en »ent «merAonHcher Seite spracht hat, weil Angehörige der aelSen Raffe mch' vollberochttGt- BLrser m den Vereinig:en Staa­ten werd«, können. Dann bk japanische An­näherung an Mexiko, die kürstich noch be­sonders betont wurde durch Gttmdun« einer dvanikchmwrikanischeu SchifstchrtS - GeftMckaft > durch den Grw«ch bedeutend« Oeff-lder in Mercko seitens der Jamm«, worauf die Ver­einigten Staaten mit der Vermehrung des Hee­res und der kch ist da nocy ors

China. Dir Amerikaner Hüben in den setz­ten Jahren große Anstrengungen in China ae» macht, durch planmäßige Organisation den chi­nesischen Markt zu erobern, wobei ihnen die Ja­paner sebr im Wege sind. Japan aber hat in China nicht nur ein Interesse am Absatzgebiet, sondern sehr wesentlich an der RoMoffgew in- nung, hauptsächlich Eisenerzen und Kohlen. Das sind wichtige Berührungspunkte, die die beiden Pazific-Mächtr schon seit geraumer Amt in Atem halten und gelegentlich $n einem ernsten Zusammenstoß führen können. Da vor einigen Tagen in Washington ein dem Präsidenten Wil­son nahestehender Senator sogar mit Krieg gegen Japan gedroht hat, kann der Zwist nur verschärft werden.

Die Reibungen bestehen ab« nickt nur Mi­schen den beide« Paziftc-Mächten. WZ dritter Wettbewerber steht noch England im Hin­tergründe, das gleichfalls ein starkes kommet- zielles Interesse an China hat. Die gewaltsame Verdrängung der Deutschen von dort beweist zur Genüge, welch großen Wert England darairf legt, die Bahn für sich frei zu macken. Ab« die Japaner sind noch stärkere Konkurrenten für die Briten, und Mar nickt nur in China, sondern auch in Jnd ien. Infolge des durch den Krieg verursachten SchiffsmangeW hatte Japan in den ostasiatischen und indischen Gewässern leich­tes Spiel, den Handel mit jenen Ländern vosi- stLndig in feine Hand zu bekommen, «nd so konnten auch die in Japan überschüssigen Ar­beitskräfte ungehindert untergebracht werden. In den indischen KüstenpLätzen wimmelt es jetzt von japanischen Schiffahrts- und Handelsagen, ten, Kleinhändlern und Arbeitern. FnMi- schen hat die britische und mit ihr die ameri­kanische Presse OstastenS einen Kampf gegen Ja­pan eingeleitet, der schon im letzten Winter mit einer Heftialeft geführt wurde, Äs gälte es den schlirmrsien Feind zu vernichten. Dieselbe Me­thode der Verhetzung, die vorher gegen Deutsch- land gerichtet wär, wird jetzt gegen Japan an­gewandt. Das Ecko blieb in der japanischen Presse natürlich nickt aus. Es entspann sich ein Kampf wie zwischen erklärten Jeinden.

Wie weit diese Politik getrieben wird, ob es den Diplomaten gelingen wird, die Wo­gen zu glätten, und ob überhaupt die Absicht besteht, eine Beruhigung herbeizifführen. oder gar den Riß zu vergrößern, sei dahingestellt. Die Zukunft wird kehren, wie die Dinge dort drau­ßen sich entwickeln. Wie zur gegenwärtigen Zeit die KriegSaussichten, die Gewinn- oder Verlnstmögttchkeiten für die beteilioten Mächte sind, das zu besprechen, ist ein Kapitel für sich. v-r.

MMMMche BerfMm.

In der Ratisnalversmnmlmtg angenommen. tPrivat-Telearamm.>

Weimar. L August.

In der gestrigen Sitzung der Natkonakver- sammlung ist die Beratung des Berfaf- sungSentwurfs zn Ende gekommen. Die Ge- samtabflimmung darüber erfotzM na­mentlich. Sie ergab dieAnnahmedmBer- f a s s u n g mtt 261 gegen 75 Stimmen bei einer Sftmmenthaktmrg. Die MehrbeitSsoziaNsten, Zentrum und Demokraten stimmten dafür; die Deutschnationalen. Deutsche Volkspartet und die Unabhängigen stimmten dagegen.

Set Frirdembrrttas.

Verzögerung bet Ratifizierung in Frankreich.

x (Eigene Drahtmekduug.)

Bern, h. Awgust.

Aus Paris wird berichtet: Die vereinig­ten Soztalfften sind mA der Beratung über den JriedenSvertraa beschäftigt. Sie haben zu­nächst einen anSsührl'rckrn Bericht von Barthou eingeßmdert und bsabsEge^ noch mehrere «itgkrder der JriedenSkonserenz zu den Be- ratunigen hinsnzwzkhen. Unter dies«, UmMn» den ist eS mögKch. daß die Äammerdebatten Über den Vertrag nicht vor dem %. August E«ßkncn und in den September hftrÄn drWern.

A»»SgLdhe M Murren-Forderungen.

Genf, 1. August. (Eigener Drahkbersitzt.) Die FriedenSkounnifsion der französischen De­putier tenkammer nahm eine Gcklärung dsS FiurrnsministerS Klotz entgegen. Wer die ven Deutschland geleistete Krte-KentschSLiguny. Er machte dar«? aulmerksam, daß die Gegner DeutfchtandS Ster tausend

Milliarde« «erlangt kpüSen. Mit de» Zinsen wäre Deutschland veepfkichkct geeefat, während fünfmckstcvzis Jahren breUtndenb Mtzliarde« $a zahlen. Das sei u n m Ü S l i ch. Der F'rnanzminßfter mengte schNeßkich d«anf anftnerksam, daß dft genaue Summ: für Vic Kosten der Wiederherstellung erst um L Mai 1921 festgesetzt werden soll, weil es gegenwärtig ^edenMch wär«, eint vcrartize LeSsetzung vor-,

Mnrhmen angesichts der «ngehener hohen Presse des Materials und der Mrbeit

Sie Sriedem-Areitfrese.

x Em Writzbuch der Negierung. (Privat-Telearamm.)

Weimar, 1 August.

Hier wurde gestern ein von der Remerunq heranSFegebenes WvißSuch verteilt. Es enthM alte Aktenstücke aus der Zett vom 14. August bis 11. September 191«, soweit sie sich ans das Friedensangebot vom 3. Oktober und aus das WaffenstMstandsabkourmen vom 1L November bezachen. Cs gibt die Beratungen und Verhandlung«, wieder, die Mischen der Reichs­regierung und der Obersten HeerrSlettuug flaft- gesnnden Hecken. Nachdem man ans Grund des mLktSrsschen Vmschwuages im Juli und August 1918 zu dem Schlüsse gekommen war, daß der Feind trotz der gewaktiM, Sekstimgen der deut­schen Heere durch einen Sieg nicht mehr zum Frieden genötigt werden Knute.

Ke!« englisch-franzkfischeS Angebot.

Lugano, r. Auqust. (Privaftelegramm.^ Aus R orn wird berichtet: Beim Vatikan ha! der Strett in der deutschen Nasionalversamm- lung großes Anfsühen erregt. Ter vatikmrssche Korrespondent der Agentur Havas erklärt, daß der SachvcrhÄt von Deusschland ungenau dargestellt und falsch ausgelegt wor­den sei. Es handele sich keineswegs im, von Frankreich und England ausstehende Friedens- vorfchlLoe. Bei der kurz gefaßten Mitteilung deS englischen Gesandten an den Kardinal Gas­pari handele eS sich vielmehr mn das Gegenteil. f?r zähle die Gründe auf, die einen Frie­den unmöglich machten, insbesondere jene, die Belgien betsesscn. Die Dokuinente sollen veröffentlicht werden. ES wäre dies schon ge­schehen. wem, nicht der Offervatore Romano infolge des Streiks der Ttzpographen am Er­scheinen verhindert wäre. Das ist eine Ab­fuhr für Herrn Erzberger.

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Eine ausländische Stimme.

Bern, 1. August. sPrivaftelearmmn.) Die Berner ZeitungDer Sttnb" bespricht die nun« mebr abgesckBossenen Verhandlungen in Weimar und konimt M folgendem ScAuß: Das wesent- lichfte Ergebnis der deutschen Nationah. Versammlung ist die mit erdrückender Mehrheit erfolge tzlblehweng des in der Rativ- nalders,nnmk«nst einqebvackten Msttrauens- twtunrs gegen die Regierung. Diese wird sich somit voransflchtlick länger haften Knnen, als nrspröw-lich vorausMsagt war. Dieser Er- fvkg M der Gerissenheit und rücksicktswsen Tak­tik ErzbergerS zn danken, der es verstanden hat, mit seinen GitttzüSnngen die Aufmerksamkeft des Hauses auf sich und einen anderen Gegenstand zu lenken. Es fragt sich jedoch, ob er dem deut­schen VoNe und der deutschen Politik damit einen Dienst erwiesen hat oder nickt Rach a n ß e n Nn haben seine EuShMnngen keinen Eindruck aemeM. ES bleibt also mir die in- nerpMtffche WtrkunF sstzrig, und die darf man im Angevbkck nur sehr bedingt bewerten. DeMchlcmd hat jetzt in erster Linie Ruhe wd> Einigung nötig. Ob diese dnvchdie Gnt- hMmrg orftzevert wurden, muß sich erst zeigen.

Mim md tora.

Japan gibt Kiautschvn an China zurück.

(Eigene Drahtmekdung.)

Haag, L Airgust.

A«S Washrngt«, wird gemeldet: Der ja- vauische Geschäftsträger in Washstig- ton öusterte sich nack einer Besprechung xrit dem muerAnnifchru StaatchekoetSr Lansing nesen- ützer einem Vertreter derAffociated Brest", daß Japan entschlossen fei, Vie Souveränität Chinas über Kiautschou wieder tzerzustellcu. Entsprechende Bertzaudlungen sollen sofort eia- yrkettet weetzen. Tsingtau wird für den Welthandel als offener internationaler Hase» erklärt. Ans Schmchmgz sollen die ja- pmr^chen Truppen Mkückge-wgen rocrdon, sobald dies irgend au gängig sei. Nach Vutevseickfmmg des JriedeuSv-rtrages durch Clrina und ans Grund eines spc^eren Ssuderabkomrnrns zwi- fckzen China und Japuu soll dir irebergabe der wirderhe»Fetzelltcn Gellte geregelt werd«. Der Japaner betonte, daß diese AeutzeAMgnur seine eigene Meinung" zur Sachlage darsteSe.

EtMr iM AllLlssSe.

GesamtauSstaud tot der Schweiz Mrivat-T«keg»amm.j

Genf, L Arrsust.

In Genf wurde gestern mittag Möls Mr der Generalstreik erklärt und die Ar, beit sofort uiedergelegt. Auch der Straßeubahnvcrkehr wurve eingestellt.

Weimarer Tagung.

Die ReichSverfassunq angemnnmen. Obe» Mreermerster Koch für den Enchettsstaat. Die ReichSslagge Wer dem Nationattheater.

(Eigener Dvlchtbericht.)

Weimar) 1. Au gust.

Nach monatrlanger Beratung D das neud DerfassungSwerk mm endlich beendet. Es gab manchen harten Strauß Mischen den Partei?« arrSzukSmpfen, aber das DolkswoHl erforderte, daß alle^ Fraktionen einen Teil ihrer Forderun­gen zu rückstellten und man sich zu gemeinsamer Arbeit einigte. Das Bild der gestrigen Vor- mittagSsitzung unterschied sich nicht besonders von dem des vorangsgcmgenen Tages. Das Harrs ist allerdings besser besetzt als sonst, auch die Tribünen find überstillt, nur von der Re­gierung sind die meisten Herren abwesend. Man hatte g^kaubt, die Beratungen am Vormittag bereits beenden zu können, aber die Redclust einiger parlamentarischer Neulinge ließ sich auch heute nicht, trotz der wiederholten Mahnungen des Präsidenten, eindSmmen. Zu einer lebhaften Auseinandersetzung kommt es über den Ar- ttkel 18. Der im Hause großes Ansehen genie­ßende demokratische Abgeordnete

Oberbürgermeister Koch - Kassü

führt, «ater anderem aus: Unser Standpunkt rst, die Geltung Deutschlands nicht von preußi­schen oder bahrischen, oder gar von rheinischen und hannoveranifchen Gesichtspunkten, sondern lediglich von deutschem Gesichtspurüie auS zu behandeln. Der demokratischen Pattes kau» niemand den Vorwurf machen, daß sie nicht zielbewußt den Weg zum Einhettsstaat gegan­gen ist. Wir find dem Einheitsstaat er« öotzlich näher gekommen durch Übertra­gung des Verkehrswesens und Steuer­wesen S und Militärwefens auf das Reich, und dadurch, daß wir dem Reiche die? Möqkickkoit gegeben haben, jederzeit seine Zu­ständigkeit zu erweitern, wie wir auch das Fi- nanzwefen einheitlich regeln. Wir haben auch, statt der Miedstaaten. dieTerritorien als deutsche Länder wieder eiugefühtt. Mr wollen allerdings den UnitariSmus, aber nicht die Zenttalisatton. Wir verwechseln nicht das Reick mit Berlin. Da die Revolution den Ein­heitsstaat nicht geschaffen hat, müssen wir den Weg der allmählichen Entwicklung gehen. Die Entwicklung auf dem Wege der preußischen An­nexionspolitik ist heute endgültig gescheitert. Wir erreichen das Ziel des Einheitsstaates dadurch, daß die Zuständigkeit deS Reiches fvste- mattfth e rw eitert wird. Solange allerdings die süddeutschen Staaten Schwierigkeiten machen, kann man nicht allein von Preußen ein EntKgenkounnen verlangen; wir erwarten aber von Preußen, daß es mit der Auto­nomie seiner Provinzen vorangeht und es ans diese Weise zur Einigung mit den süddeutschen Staaten tonrmt Deshalb haben mir schon tm Reichsrat den preuWschen Provin- zn, ein Stinmuecht eiugeräumt. Dem unitatt- scheu Standpunkte entspttcht es, daß wir da» Erfordernis «nes verfassunsikändernden Reichs­gesetzes für die Gebietsstnderungen an die Spitze gestellt haben. Die LoSlöfunasbe- strebungen haben wir dadurch ersthwett^ daß wir nicht nur eine DreMnftel-Mehrhcit der abgegebenen Stimmen, sondern auch die Mstim- mmw von mindestens »er Hälfte der Wahlbe- rechtsten verlangen. Endlich haben wir eint Sperrfrist von Met Jahren einqefühtt, damit jncht^m dieser aufgeregten Zeit übereilte Be­schösse Wer GedietHäuderungen gefaßt Werdern Das Kompromiß ist eine Verbesserung und Klä- nmg deS Arttkeks 18. Wir wünschen eine oraa- nssche bewußte Weiterentwicklung und bitten die RezchSregierung, mit aller Energie ihre Hand bajn zu bieten. Wir kennen kein artbere® Ziel a® den EtnheitSsiäat. Wir find keine Parti- kutattsten, auch keine Gvoßpreußen, wir find Deutsch ei Die Rede Kochs wird vom Hmrsg mit lautem Beifall hrngenommen; ganz beson­ders feine Schlußworte finden Wer all Anklang.

Am Nachmittag ist die Einigung nicht sv 'chnell zu erzielen, wie man gehofft haste. Der Rrd^treft tobt mit erneuter Heftigkeit. Erbit­tert wird um den Schulkompr»miß ae- ^vchft. Abgeordnete aller Parteien u»d Mtt-i Mieder der Reichsregierung greffen te den, Streit ein und suchen zu vermittebr SRatii einigt sich denn auch endlich nach langer ver» geblicher Debatte Auch bei der Berattneg Wer­das Wirtschaftsleben machen sich Mei-- sungSversch.edenhesten bomerDar Der sozial» demokratische Mvordnste HnS hÄtdem Hmrfei einen Vortrag Wer da» sogeokMfche Wesen, Wer die Patteien können sich nicht be­sonders für setz, Projekt begeistern und mtr zu ganz weseukofen 98Hk*er*twm findet man sich zum Schftrß herett. Abgesehen vom Artikel 18- und vom Schuftomvromiß hat die dritte Dera- tnuq überhaupt nichts Besonderes an den Be­schlüssen der Metten Lesung geändett. Die Ab-: pmtnuatg geht daher ziemlich gut vonAatteu..