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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

SeferttOTtSprtiff. Die iicbengefpadete feite lur emtjctmitoe Sefäjäfte 39 Pfg. füt au*, wärti-ie «nzei -en 35 Pf. Reklame,«;!- !i«r etnSel mische Les tzjft» 76 Pk., für au6n>lrttge i»efd>äfte 1 Tit, ewad;e öeilagen werden mit s ytari pro Xantens Serechnel, alles mit 50;. Teuerungr.Zu- cklaa. Bei Uebermitttung von An,eigen auf telcpi). Wege wir» für öur tz Hör- Wer hervorgerufens arrrümer ketnerleiHailungüdernomnrea.« die Aufnahme oonAu,e,a«n an nefiimmfen Tagen »der i>lSyen wird keine gewähr geleiktet. a-efchLftsfielle: Kölnische Llr..

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Nummer 193

Mittwoch, L3. Juli 1919

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

V. Iuln' ou>.

Ruhiger Verlaus des kMdgebuugskages.

fcaaft, 22. Juli. (Privat-Telegramm.) In Wie» wurde gestern in den meisten Beirieden

wahrscheinlich mit einer schweren Strafe durch die BesatzrmgsöehSrde belegt werden.

Neugestaltung der Bistümer.

Nachen, 22. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) ?lus hochstehenden Zentrn-nskreisen vernimmt man., daß für den Fall der Errichtu-'.g einer rheinischen Republik auch die Gründung eines neuen Bistums Aachen geplant ist. Als ,Bischof von Aachen ist der Pfarrer Kasteit aus- erfehen. Zwischen der französischen und belgi­schen Militärbehörde einerseits und mehreren rheinischen Geistlichen andererseits haben über die Frage der Errichtung weitster Bistümer Besprechungen stattgefunden.

Fm BeWen Gebiet.

Links. Und rechtsrheinischer Verkehr.

(Privat-Telegrammg

Frankfurt -. M.. 22. Juli.

Wie die französische Behörde dem deutschen AbschnitMommandenr der neutralen Av­ne mitteilte, besteht die Absicht, in sehr kurzer Zeit ganz erhebliche Erleichterungen im Verkehr mit dem besetzten Gebiet zu gestatten

RvrsttmS in tHütesB.

KoblenfSrdernnff und Bahnverkehr unterbrochen.

Die Engländer erleben jetzt trotz ihrer Sie- pesfeste eine gefährliche Ueberraschung. Zu dem Ausstand der Bergarbeiter ist auch eine Aidei tseinsj ellung der Eisenbahner gekom- men. Die Bahnverbindung zwischen Nord« und ^ud-England ist unterbrochen. Die Ursache ist, da, Beamte mit geschwächtem Sehvermögen aus dem Amte entlasten werden sollten. Die Ansstandsbewegung verbreitete sich mit unge- heirrer Schnelligkeit. Der Verkehr von London nach Schottland ist seit Freitag abend vollkom, men ssiügetegt. Im Tyne-DisirSt, dem wichtig­sten Kohlcnbezirk des Landes, mußte in» folsedessen die Arbeit eingestellt werden. Die Schiffe liegen untätig in den Häsen; Tau,ende von Dockarbeitern sind be­schäftigungslos geworden. Tas Aushörer feder Verbindung hat in den großen Städter bereits fühlbaren Milchmangel erzeugt. Di- Preise für Obst und Gemüse haben bereits eim schwindelhafte Höhe erreicht.

sehr beäoraten Ausführungen nimmt dit>

Wieder ein Angriff.

Genf. 22 Juli. (Eigene Drcchtmeldung.) Die Pariser Ausgabe des Newhork Herold läßt sich aus Koblenz melden, daß dort auf den in den Kaifer-Wilbelm-Anlagen spazier en-, eh en. den amerikanischen Platzkommandanten Major George Cockrill mehrere Revolverschüsse abgegeben wurden. Sie verfehlten ihr Ziel. Nur einer streifte den Mantel. Da die Atten­täter trotz aller Bemühungen nicht ermittelt werden konnten, wird Me Stadt So81***

Die Absonderungs-Bestrebungen.

Saarbrücken. 22. Sufi. (Eigener Drahib- richt.s Die Bildung des Saar-StaateS nnnnU immer festere Formen an. Wie wir hö­ren, wurde der bisherige Saarbrückener Land­rat, von Halfern, mit der Bildung der neuen Regierung betraut und zum Minister­präsidenten ernannt. Als Landesflaggr wur­den die früheren Farben des Fürstentums, hell, blau und weiß, gewählt. Inzwischen setzen die französischen Militärbehörden in der Pfalz, voran General G e r a r d, die Begün. tigung der pfälzischen Absonderunasbestrebun- aen fort. Das französische Polizeigericht verur­teilte zwei Beamte der Badischen Anilinfabrik. Rues und Keller, zu sechs Monaten Gefängnis, weil sie »beleidiaende Flugblätter gegen die Förderer der Unabhängtgkeitkbestrebungcn" derbreiteten, wie es in dem Urteilssvrnch heißt. In den Flugblättern wurde das Treiben des Hochverräters Haaß kräftig verurteilt.

Demokraten-Bartettag.

Graf Bernstorfs über die Außenpolitik.

Die Notwendigkeit zur Abhaltung ihrer Parteitage hat sich letzthin für die politischen Parteien immer dringender herausgestellt. Ein halbes Jahr ist verflossen, seitdem die Parteien ehre ersten Programme, in denen sie sich dem republikanischen System anzupaffcn versuchten, Herausgaben. Inzwischen haben die Ereignisse im Innern und von außen her auf da? politische und wirtschaftliche Leben Deutschlands tiefgrei­fend eingewirkt und dabei Neugestaltungen ge­schaffen, zu denen die Parteien wieder neu Stel­lung nehmen mußten. Die beiden Flügel der Volksvertretung, die Sozialdemokratische Par­tei und die Deuffchnationale Partei, haben vor kurzem ihre Tagung abgehalten. Gegenwärtig versammelt die Demokratische Bolkspartei ihre Anhänger tn Berlin es sind etwa zweitau- send Mitglieder anwesend. um ihr Januar- Programm einer Durchsicht zu unterziehen und die Richtlinien für die nächste Zukunft festzu­legen. Der Vorsitz bei der Tagung wurde dem Abgeordneten Oberbürgermeister Koch- Kassel übertragen, der in seiner Ansprache auf die Schwierigkeit dieses Amtes hinwies. Es gelte, der Partei Richtung, Programm und Satzung zu geben. Di« Aufgabe müsse in einer Zeit hochgehender politischer Strömung gelöst werden, jetzt, wo wir an der Schwelte einer

noch grau vor uns liegenden Zukunft lebten. Er fuhr fort:Die Gestaltung der Zukunft des Deutschen Reiches kann nicht gelöst werden von Parteien, die hypnotisiert aus die Vergangen­heit starren, dte vielleicht kulturell und wirt­schaftlich das Reich In die Höhe gebracht haben, die aber nicht vermocht haben, mit dem Pfunde zu wuchern. Es kann auch nicht geschehen von Parteien, die unter dem Druck religiöser oder wirtschaftlicher Dogmen handeln oder die ein­seitig sich auf eine Klosse der Bevölkerung stüt­zen. Es muß vielmehr von einer Partei ge­schehen, die Wurzeln in allen Devölkerungs- fchichten hat und die gewillt ist, in demokratisch­nationaler und sozialer Gefmnuug zu arbeiten. Wir rönnen die Aufgaben, dis, die Zukunft uns zuweist, nur lösen als große, starke Partei. Noch niemals war das Bedürfnis nach großen Par­teien so stark wie heute. Unser öffentliches Le­ben braucht Parteien, die nicht nur auf die Re­gierung Kontrolle ausüben, sondern auch be­stimmend und beeinflussend mitsvirken. Wer von der Partei sich trennen wollte, würde bald ein« sehen, daß er zur Einflußlosiakeit verurteilt ist. Lassen Sie uns Meinungsverschiedenheiten, die immer unvermeidlich sein werden, austragen, aber die Geschlossenheit wahren, die uns allein rum Siege führen wird.*

Einen Ueberblick über die Arbeit und den Stand der Partei bot der vom Abgeordneten Nuschke erstattete Geschäftsbericht, aus dem hervorgeht, daß die Partei 5 641 825 Stimmen bei den letzten Wahlen aufbrachte und 74 Sitze in der Nationalversammlung errang. In der Preußischen Landesversammlung hat sie 65 Sitze. Der Berichterstatter hob hervor, daß sie die stärkste nichtsozialistische Partei sei. In einem Bericht über die Arbeit der Fraktion in der Na- tionalversamnckung gab Abg. Petersen die schon bekannte Erklärung ab, warum die Partei gegen die Unterzeichnung des Friedensvertrages gestimmt iliid infolge davon ihre Mitwirkung kn der Regierung zurückgezogen habe. Ein Hauptpunkt der Parteibestrebungen sei die Urt= kerstntzung des Mittelstandes. In der Sonn­tag-Sitzung hörte die Versammlung einen Vor­trag des Grafen Bernstorfs, früheren Bot­schafters in Washington., über die krustigen Aufgaben der deutschen Demokratie in der aus­wärtigen Pol ist ik. Seinen Ausführungen entnehmen wir folgendes: Eine Weltpolitik, wie wir sie vor dem Kriege getrieben haben, ist jetzt unmöglich. Die Regierung bat gegen diesen Friedensvertrag protestiert, und sie erhält diesen Protest heute noch voll und ganz auftecht. Trotz­dem wollm wir die FriedensbedinaunKen nach festem Können, und Gewissen erfüllen. Wir müssen aber die Revision des Vertrages verlangen, die uns, wie ich aus sicherer Quelle höre, von unseren Gegnern zugesagt ksi. Wir wollen die auswärtige Politik neu aickbanen. Der Weg führt in den Völkerbund und durch ihn zur Revision des Friedens. Ter Völ­kerbund blerbt so lange ein Torso, als er nicht Deutschland. Deutsch-Oesterreich und Rußland umfaßt. Wir halten daran fest, daß wir die ver­lorenen deutschen Brüder zurückgewinnen, und uns mit unseren Brüdern in Deutsch-Oesterreich vereinigen. Jedenfalls muß der Schutz der Aus- landsdöutschen durch die Deutsche Nationalver­sammlung voll gewahrt werden. Ferner muß unsere auswärtige Politik s-o geartet fein, daß wir mit Aussicht auf Erfolg die Frist der Be­setzung der linksrheinischen Gebiete verkürzen können. Es muß daher Hauptaufgabe der deut- schon Außenpolitik fein, den Eintritt in den Völ­kerbund zu betreiben. Leider hat der Friedens­vertrag eine deutsche Irredenta aefchaffen. Aber

n a. die Vcrteilunq und Nutzung des Bodens ieisern Deutschen, besonders rinderreichen Fa« milien Lohn und WirtschastSheimstäite sicher^ unter besonderer Berücksichtigung der Kriegs t-fsnehtner. Dazu bemerkt Reichskommtflar Dr Preuß; Der Entwurf eines Kriegerheimstät. tengesetzes ist im Reichs iustizmwi steril, m fertig und dem Staatsministerium mit der Bitte um möglichste Beschleunigung der Rückäußenmg übera"ben worden Sobald diese erfolgt, wer­den die weiteren Vorarbeiten sofort aufgenom- men werden. Eine Reibe von weiteren Arti­keln ist in der Ausschußfassuna angenommen worden.

Es folgt dann eine längere Aussprache über Artikel 162, das Rätesvstem betreffend. Die­ser Artikel bestimmt im Wesentlichen: Arbeiter und Angestellte wirken mit Unternehmern an den Lohn- und Arbeitsbedingungen und der ge­samten wirtschaftlichen Entwicklung der prckduk- tiven Kräfte mit. Die Organisationen und ihr» Vereinbarungen werden anerkannt Arbeiter und Angestellte erhalten gesetzliche Vertretunoen m Betriebs«,rbeiterräten, Bezirksarbeiterräten «nd dem Reichsarbeiterrat. Die Bezirkkarbei- terräte und der Reichsarbeiterrat gelten mit den Vertretungen der Unternehmer und sonstiqen beteilegten DoNskreise, BezirkSwirtschaftSräten irnd einem Reichswittschastsrat, in denen die wichtigen Berufsaruppen vertreten sind. Grund, legende sozialpolitische und wirtschaftliche Ge­setzentwürfe sind dem Reichswirtschaftsamt zur Begutachtung vorzulegen. In den Reden alle, Parteien kommt zum Ausdruck, daß man gründ, blich Bestimmungen über Alkgestellten- und Arbeiterräte in die Verfassung anfnebmen will. Nur handelt eS sich noch um die Festsetzrmq der Rechte und der Form der Mitarbeit dieser Räte. Die Partei der Unabhängigen Sozialisten steht mit ihren extremen Forderungen allein. Sämt­liche bürgerlichen Parteien, sogar die Deutsch, nationalen, erkennen das Svstem einer-gewisser Mitbestimmung der Angestellten und Arbeite! in den Betrieben an. Die nächste Sitznn, findet am Dienstag statt.

Weimarer TagrMg.

Brrsaffurigsberatung. DaS Rütesystern.

(Telegraphischer Bericht.)

Weimar. 22. Juli.

Die gestrige Sitzung nahm einen verhält­nismäßig ruhigen Verlauf. Unter den Gingen, aen befand sich ein Entwurf zur Abänderung des Gesetzes über die Regelung der Kohlen­wirtschaft. Die Verhandlungen fanden tot. ler dem Vorsitz dcz Präs. Febrenbach ft-tf und zwar wurde die zweite Beratung des Ver- faffilngsentwurfes fortgesetzt von Artikel 14? bis 162. Dieser Teil der Verfassung behände!! die wirtschaftlichen Fragen. Einer feiner Hauptgrundsätze ist die richtige A n e r. kennung des Eigentums. Von größter Bedeutung ist die in dem Abschnitt enthaltene Regelung des Arbeitsrechtes, für dessen Gesamt gebiet die Vereinheitlichung angestrebt wird. Endlich bringt dieser Teil der Grundrecht« die Regelima der Leutefrage, wobei von dem Ge­danken ausgegangen wird, daß die Wirtschaft- lichen Kräfte nicht frei und ungebunden wir. ken dürfen, sondern organisatorisch festgesetzt werden müssen, nach denen sich die Abwicklurtg der Wirtschaftskräfte absvielen soll. Artikel 14g gewährleistet im wesentlichen die wirtschaft liche Freiheft des Einzelnen und die Handels und Gewerbefreiheit. Artikel 148 wird in de, Fassung des Ausschusses angenommen, ebenso 149. Artikel 150 gewährleistet das Eigentum. Enteignet kann zunr Wohle der Allgemeinheit und aus gesetzlicher Grundlage gegen angemes­sene Entschädigung werden. Artikel 151 ge- währleistet das Erbrecht. Nach Artikel 152 soll

Mehr provinziale SslbftFndi^rsit.

Berlin, 22. Juli. fPrivattelegramm.) Von zuständiger Seite wird mitgcleilt, die preußische Staatsregierung beabsichtige, den preußischen Provinzen weitgehende Autonomie zu ge­während. Sie bat einen Gesetzentwurf in die­sem Sinne ausgearbeitet. Wenn Dberfcftteficn für Deutschland stimmen sollte, wird eine Pro­vinz Oherschlesien errichtet. Damit wftd den Selbsiändigkeitsbestrebungen weitreichend ent­gegengekommen, sodaß auch diejenigen, deren Bestrebungen dah« gehen, aus Oberschlesien einen selbständigen Freistaat zu machen, mit der Lösung der Frage befriedigt fein können. Bestätigt sich diese Nachricht, woran nicht zu Weiseln ist, dann werden auch die Ziele des hessischer- VEsbund-z hinsichtlich der Zu- kn ns t H e s s e n s, weni«ste.rs zu einem Teil-, vwbl re*t bald erWllt werden.

wir müssen die wirtschaftlichen Beziehungen zu unseren Nachbarn wieder aufnehmen. Tas liegt auch int Interesse der Deutschen in den abgetrennten Gebieten. Mit England und Frankreich wollen wir ebenfalls zu wirtschaft­lichen Beziehungen kornmen. sobald sich die dor­tigen Regierungen dem nicht entgegenstellen. Den gleichen Willen haben wir Ungarn und Rußland gegenüber; aber wir müssen verlan­gen, daß sich beide Länder nicht in unsere inne­ren Verhältnisse mischen. Ich warne Labor, darauf zu spekulieren, daß die Vereinigten Staaten und Japan in einen Krieg kommen werden. Tas Interesse Amerikas an Ostasien ist gering. Zusammenfassend sage ich, die deiftsche auswärtige Politik müsse daraus hin­ausgehen, einen wahren idealen Völkerbund zu Ken, und mit feiner Hilfe eine Abänderung

verträglichen und unerfüllbaren Fried-ms bedingunaen zu erlangen.

Die Erörterungen, in denen viele Redner zu Worte kamen, drehten sich hcnrptsüchlich um die innere Politik. Tein Parteitag ist sol- gende, von zahlreich»» Mitgliedern unterschrie­bene Entschließung unterbreitet worden: Der Mrteitag der Deutschen Demokratischen Partei spricht der Fraktion für die Haltung in der Nationalversammlung Zustimmung und Dank aus. Er billigt das Ausscheiden der De­mokraten aus der Reichsregierung anläßlich des Friedensschlusses. Ter Parteitag nimmt mit Befriedigung davon Kenntnis, daß mit diesem Schritt keine Annäherung der Deutschen demo­kratischen Partei an die rechtsstehenden Parteien beabsichtigt oder verbunden ist. Die Deutsche demokratische Partei erkennt diesen unerträg- lichen Frieden nicht als eine rechtsgültige Aus­führung der in den WaffenstillstandSverein- Larungen gewonnenen Rechtsgrundlagen an und erhebt gegen die unerhörte Vergewaltigung des deutfchen Volkes flammenden Widerspruch. Den einmal geschlossenen Frieden werden wir, so unerfüllbar er auch ist. nach besten Kräften und ehrlich zu erfüllen suchen in der sicheren Erwartung, damit die wirtschaftlich« und po­litische Gleichstellung Deutschlands zu erreichen Freiheit der Persönlichkeit und der wirtschaft­lichen Entfaltung bei gerechtem sozialen Aus­gleich, starkes deutsches Volksaefühl und Staats- bewußtsein, strengste Arbeitsamkeit und hin- o eben de Pflichterfüllung jedes Einzelnen gegen­über der Gemeinschaft des deutschen Volkes das sind die Leitsterne, denen wir so wen. Der Parteitag erwartet, daß die demokratiicken Ver­tretungen in den Parlamenten ohne starre Vor- emoenommercheit und ohne Anpassung nach rechts oder links diese Grundgedanken klar und folgerichtig verwirklichen. Er ruft die deutsche Jugend auf. in dem großen Kampf für unsere Zukunft tatkräftig mitzuwirkenck

die Arbeit niedergeleo tunh öffentliche Stratzen- ktMdoeSunaen veranstaltet. In Frank­reich streiften dir Arheiterverbände und die VerkehrSinstitute. Dost und Telegraph sind im Betrieb. In England ruhen noch die Bah­nen und viel« Werke infoloe bes Strastenbah- nerstretks. aber am 21. Juli erfolgten kein» be­sonderen Veranstaftungen. In Italien sanden Teil-AuSstSnde statt. Biel» Häuser hat­ten itnfierfdie Flaggen auSgehöngt. um zu zei­gen, daß der Streik keine» internatio­nalen. sondern nationalen Charakter habe.

Re §LaatZK-Re?VMalLunZ.

Freistaat Großchönngen.

lEigene Trahftneldnng.f

Weimar, 22. Juli.

Wie verlautet, lteat die orundsätzficbe Ent­scheidung des preußischen Staatsmtn'steriums vor, nr totaler Werse alle Schritte zn wrderq, die auf Schaffung eines abgerundeten selbständigen Freistaates Großttzürin- gen. unter Einbeziehung der dazu nStioen preutzischen Gebietsteile, oerichtei sind. In etwa vierzehn Tagen w-rd die erste Aus­sprache über diese Frage stattfknden.

Zer ZI. AM.

Kundgebungstag der Sozialisten. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 22. Juli,

Rach den hier vorliegenden Meldungen ist der Demonstrations-Montag im ganzen Reiche ruhig verlaufen. In München wurde in allen Betrieben gearbeitet und die Straßen zeigten kein anderes Bild als an gewöhnlichen Tagen. In F r a n k f u r 1 a. M. veranstalte­ten die Unabhängiqen einen Dcmonskraiions- zug. der ruhig verlief; dasselbe war hei Mas- senversammümgen unter freiem Himmel der Fall. Nur in der Reichöhauptstadt fiin..- es unruhiger zu. Die Bezirlsvorstäitde der §ozi- alsemokralisissen Partei hatten für gestern abend neun Versammlung-» in den bedeutend­sten Sälen von Groß-Berlin ein berufen, in denen bekannte Führer sprechen sollten. Die Anhänaer der Partei waren jedoch nickt in den erwarteten Massen erschienen und die Säte wa­ren zum größten Teile Lurch Anhänger der U. S. V. und der Kommunisten besetzt Unter die­sen Umständen konnten die Redner ihre Anspra­chen nicht beenden. Es kam zu furchtbarem Lärm, der verschiedentlich zu WtKchkeiten zwi­schen den Parteien äuSartete. Im Gewerk- fchaftshairfe kam es zu blutigen Tumulten, bei denen mehrere Schüsse abgeaebm und eine Anzahl Personen verletzt wurden, tmruntrr Re­dakteur Kuttner vomVorwärts", der su den Rednern gehörte. Weiter werden Arbeits­einstellungen gemeldet mts Erfurt. Halle, Braunschweig, Hannover, Kiel, Düsseldorf, Nürnberg. Königsberg und anderen Städten Deutschlands.

Im Ausland.