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Kasseler Abendzeitung
9. Jahrgang.
Fernsprecher 951 tmb 952.
Donnerstag, 10. Znli 1919
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 182
Deutschlands trostlose Finanzlage
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Neue Bestrebungen in Helfen
nen erhebt.
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Amm in Weimar.
Eine erregte Sitzung.
(Eigene Drahtmeldung.s
Weimar. 9. Juli.
In der gestrigen Sitzung der Nationalver- tannnlnna in der Erzberger über die trostlose Finanzlage Deutschlands sprach, kam eS zu erregten Srenen Die Deutschnationalen begrüßten den Minister mit lautem Zischen, dem aus alle», Parteien, selbst von der äußersten Linken her. ein entrüstetes «Ruhe»- und „RanS-- nach den deutschnationalen Bänken hin folgt. Nachdem es Fehrenbach gelungen ist. die Ruhe wieder herzustellen. betritt Erzberger die Redner - tribüne bewaffnet mit einem ziemlich umfangreichen Manuskript. aus dem er den größte« Teil seiner Rede abliest. Rn über V/4 stündiger Rede begründet Erzberger die « e u e S t e u e r v o r - läge. Ein lebhaftes Bravo erbraust durch das Haus, als Erzberger die Versicherung abssibt. daß er ein Feind des Staatsbanke- r o t t s sei und unter olüu Nrnitanden für die Sicherung der» K r i e g S a nl ei Heu «m- treten werde. Im weiteren Verlauf der R^e nennt Erzberger den Vizekanzler der Aera Beth mamt-Sollwea den damaligen Staatssekretär Tr Helfferich den leicktfertigfbeu aller ,vl* nanHwinister. der an dem financhttlrn Zusammenbruch die größte Schuld trage. Darauf erhoben ftrfi die Deutschnationalen entrüstet vmr ihren Plästen. droben, die Fäuste Wb der Rich, rung der Rednertribüne ausstrerkend und immer mehr in erregte Pfuirufe airsbrrchend. Eure gewaltige Unruhe komint im Hause $mn Ausbruch. Die bürgerlichen und s-^:aUst!schen Parteien brechen von neuem in laute Deisickls- rufe au« and schleudern den Tent chnati analen, die immer wütender ihre Pfwrufe wr^erbvlen ein vielstimmiges „RauS" entgegen. Prästant Fehrenbach sieht stck veranlaßt. einzugr«fen. doch gelingt es ihm erst nach le werer Zett die Ruhe wieder hergustellea. sodaß Erzberger fort.
Der »werte Dries hat folgenden Wortlaut: An Deutschlands Fürstenhäuser! Deutsche Ohnmacht, durch unseres Volkes Selbstentwaffnung verschuld^, bat unseren Feinden die Befriedigung ihrer Rachsucht zu- gestanden, mit der ihr gieriger Smn nach unserem Kaiser steht, um den sie «ns noch vor Nicht langer Zeit beneideten. Die Schmach, die sie ihm an tun wollen, trifft auch uns. Wollen wir abfeits stehen, wenn unser Kaiser den Weg des Leidens aeht? Das darf nicht sein und kann nicht fein. Wir deutschen Prinzen, dre t^mr m gliten Zeiten nahestanden, die ihm im Krieg u. Frieden folgten, den Degen führten, der auch feiner war. wir wollen jetzt uns neben ihn stellen und unteren Feinden aitrufen, nehmt uns für ihn oder mit ihm. So geht mein Ruf an Euch. Ihr deutschen Vettern. Laßt uns zeigen,, daß deutsche Mannestreue heute noch lebt. Getreu dem Eid, den wir ihm schwuren, für dem, lo viele unseres Blutes mit den Brüdern unse. res Volkes vor dem Feinde starben, zeigt, daß. wir auch jetzt in wahrer deutscher Furstenehre mit unferm Leben für den Kaiser stehen.
gez. Friedrich Wilhelm r« Lippe.
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Die AuSNefernrrgsfrage.
. Rotterdam. 9. Fulk. sPrWatmeldung.f Eine Reuterdepesche meldet: Die Berhandlungen über die Auslieferungsfrage der Schuldigen stehen vor dem Abschluß. Voraussichtlich wird die l-isie der von den Deutschen AnSzulieferndea 100 bis 120 Namen enthalten.
Ne deutschen Fürsten.
Aufruf des Prinzen M Lippe.
(Prkvat-T elegramme.)
Hannover. 9. IMi.
Prinz Friedrich Wilhelm zu Lippe richtete an den Prinz Eitel Friedrich von Preußen und an Deutschlands Fürstenhäuser le ein Schreiben, die der Hannoversche Kurier zum Abdr-uck bringt. Die Briefe tragen das Datum Frankfurt a. d. Oder, 7. Juli, und lauten: Durchlauchtigster Priuz Eitel Friedrich, geliebter Herr Detter! Die Demütigung, die die feindli- chrn Mächte dem preußischen Königshaufe widerfahren lasten wollen, muß auch von uns Angehörigen der anderen deutschen Fürstenhäuser als Demütigung empfunden werden. In Wür. diguna dieses Umstandes bitte ich Ew. königliche Hlcheit auch meine Person zur Ausliefe- ntttfl statt Se. Majestät Ihres kaiserlichen Herrn Vaters zur Verfügung stellen zu dürfen.
Ew königlichen Hoheit untertänigster Veite, • Friedrich zu Lippe.
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den ich für Reich, Einzelstaaten und Gemeinden mit rund flistsuudzwanzig Milliarden' Mark beziffern darf? Die laufenden steuerlichen Reichs- einnachnlcn vor dem Kriege betrugen nicht ganz zwei Milliarden Mark, von 1915 bis 1918 sind während des Krieges an den neuen lausenden Einnahmen erschlossen worden vlertauiend Millionen Mk. Hinzu treten au einmaligen Abgaben der Ertrag der Kriegsgewinnsteuer nebst Zuschlag in Höhe von 5.7 Milliarden Mark und die KriegSsteuer für 1918 mit etwa 2 Milliarden Mark. Die neu vorliegenden Steuerentwürse sollen dem Reich weitere zwölskmndert Millionen Mark Einnahmen bringen und ferner, ctn« malige Einnahmen, die eine dauernde Hinzu» sparnis von fechshundert Millionen Marr versprechen. Es ist also noch die Stimme von mehr als zehn Milliarden Mk. zu decken Zwe: große neue Steuern nähern sich im Finanznnnistertum ihrem Abschluß und ich beabsichtige, sie noch vor Beginn der Parlamentsserien dem Hause zu unterbreiten: die große einmalige
Vermögensabgabe und Umsatzsteuer.
. Prinz Heinrich der Niederlande.
Haag, 9. Juli. (Privat-Telegramm.) Aus London wird berichtet- „Daily News" gibt etttt Unterredung wieder, die einer ihrer Mitarbeiter mit dem in Bern weilenden Prinz Heinrich der Niederlande hatte. Dieser erklärte: Holland befinde sich in der gleichen Lage rote die Schwerz. <v.3 habe dem Kaiser Gastfreundschaft gewährt und könne sich zu einer derartigen Ruslieferunz nicht verstehen. Auf die Frage des Korrespondenten. wenn aber 22 oder 23 Staaten von Holland die Auslieferung verlangen, was werden die Niederlande dann tun. antwortete Prinz Heinrich, nachdem er noch einmal die Rede Lloyd Georges durchgelesen hatte: Ach weiß nicht, was Lloyd George will. Deutschland hat doch dre Verpflichtung übernommen, bte zu bestrafende« Persönlichkeiten vor Gericht zu bringen. Wenn also Deutschland die Auslieferung des Kaiser» von Holland fordert, so sind die Niederlande verpflichtet, dem nachzukommen. Prinz -Heinrich bestritt, das er. wie einige Zeitungen gemeldet hatten, eine Unterredung mit dem Kronprinzen hatte, und daß er Letzeren gebeten habe, i« den gtieseilatrecn zu bleiben.
Die „groß-hessische Republik."
Berlin, 9. Juli. (Privai-Telegrvnmt.) Die Deutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Die „Rhrinrepublrk" des Herrn Dorten tritt tr.unet mehr in de« Hintergrund, aber eine nette ®c= fahr für den Bestand des deutsclfen Reiches und besonders Preußens ist durch dre Propaganda des sozialistischen hessischen Mmste-Präsidenten Nkkrich heraufbeschworen, der mit Hilfe der Franzosen and des Generals Mangin eine grntzhesfische Republik zu gründen verflicht. Diese Republik soll das gesamte Großherzogtum Heffen, Rheinhessen, Hesse« Nassau, Rheiapfalzimd das Fürstentum Birken- seld bis hinauf nach Wetzlar umfassen. Darmstadt foll zum HaupthandÄsplatz erhoben wcr- d«. E» ist allerhöchste Zett, daß die Regierung energische« Protest gegen diese andauernden Versuche, neue Staaten von Praußen növ-’T'
neues System der Steuervrdmnrg.
Drei SteuerFLubigern ist ter deutsche Bürger ouSdesetzt: Reich. Slte-dsta at, Gemeinde. Dor d«n Krwg eAs-b das Reich ia&rlid) nicht ganz zwer Milliarden steuern »ni> Abaaben. Ennelsiaaten und Genieindm unzefabr drei Milliarde«. Be m Friedens»
qnferttonspretfe: ®te fitbengefpettete gelte für einlieltmtoe ^stchäste So Wg. für roärttge Anzetgen 35 M. Reklamezelle für etnbeimttoe Geschäfte 75 $f„ für auSroartfge Gefchäfts 1 Mk, einfacke Beilagen werben mit 5 Mark pro TaufendbereHnet, alle« mtt 50°f, TelernnoS-gufchtag. Bel Uebermitttimg von An,eigen auf ^'EV^Wesc Ev riir vu^Hor- fs^'e» bervoraerustne Irrtümer kelnerlelHaftungübernommen.Für die Anfnahme vonAnzelgen an öefflmmtenTagen oder Plätzen wird lefneGewähr geleitet SelchättSfielle: Uolntfche »tr.,.
Vie innere Bilanz.
so habe« Wir auf der einen Seite ethische und physische Verheerungen und Vcrwuitungen an Menschenleben und Menschenkrafi, an Physischen und moralischen Werten. Verarmung und. Verelendung der mittleren und unteren Schtchüm. auf denen hie Not des Krieges am drückendsten gelastet hat. und Riesengewinne. Konsofld'.erung des Kapitals-. Reichtum. Luxus, Wohlleben und n,geschmälerter Besitz des «royeren Tecks ter bisher herrschenden Klaffen auf der anderen *3eitc. Drohend erhebt sich aus dem 3ufmm nienbruch der bisherigen Staats- und Mrt- schaktsordnuna als ertremste Reaktion desver- letzten Gerechtigkeitsgefühls der Vo ksnmffen die wahnsinnige, alles zerstörens und neme- rende Theorie des Bolschewismus, -tas Heilmittel gegen diese asiatische Krankheit ist die auf -sozialer Gerechtigkeit aufgebaute teiftfie Ordnung, welche den wohl begründ eien Volts- Wünschen Rechnung trägt und in, Luger Führung das Gebot der Stunde erfüllt Der verstärkte Ruf na» Sozialisierung tfi nur das Ewo der überkapitalistischen Kriegswirtschaft. Em große? Stück Sozialisierung ist allerdings bereit? vollzogen worden. Das Steigen des Arbeitslohnes «nd das Fallen des Geldwert? sind die größte Sozialisierung. die ;.te Welt kennt. Der Kavitalist. der vor aus 100000 Mark Vermögen 6000 Mark reseinkonrmen zog und heute dieselbe Rente hat, siebt jetzt schlechter da als der Telearavhmar- beiter. der vor dem Kriege 1500 Mark Einkommen hotte und jetzt 7800 Mark Lohn bencht. Eine o'ii durchdachte, scharf angelegte Reuds- finanzreform wird dem Rdf nach ^ozlakifie- rintq Gehör verschaffen: Erbschaftssteuer. und große Vermögensabgabe sind die ersten cmle.» teuden Schritte: andere werden folgen. Dre Erhaltung des Reichs war der Preis Gr die Unterzeichnung des entsetzlich harten ungerechten Frieden?. Dieses kostbare Gut unserer Vater, der deutsche Rattonalstaat. muß leben «nd sich entwickeln. Daz« bracht das Reich ein
Französisch» Phantasie.
Basel, 9 Juli. (Eigener Drahiberickt.) Das französische Blatt .Le ^rrnatt' s^e-bt: Dw afirtzforSeruna an Holland betreffs A u S1 r e f e, run« des ehemaligen Kaisers Wilhckm wird erst nach der endgültigen Zmammenstellung dez Gerichtsßoft- ausgestellt werden. Zuerst ioll der Kaiser aufgefordert werden, sich fredMig dem' Gericht zu stellen. In wohkunterrtchteien Streifen glaubt man zu wiffen, daß Kaifer Wck- belni nicht nn T-wer, sondern in einem Land- Hause in der Umgebung von Londoni unt-W- bracht werden solle. Von dort aus soll er jeöcn Tag mttcr starker militärischer Bedeckung dem Gericht kDrgeführt werden.
Crzberger über die Steuern Die schwierige Finanzlage Dentschlands.
Die deutsche Nationalversammlung stand gestern im Zeichen großer Erwartung. ,r>«anz- mmifter E r z b e r g e r hatte den Abgeordneten die von seinem Vorgänger Dernburg ve- rerts ausgearbeiteten Steuere n t w u r f e zn geben lasten und wollte sie gestern selber vor dem Hause vertreten. Zur Sicherheit des Ministers. der in den krittschen Iunttagen nach der Abstimmung über den Friedensvertrag beinahe Gegenstand eines Attentats geworden war hatte eine starke Polizeikette, verstärkt durch zahlreiche Tritppenabteckungen. vor dem Theater Aufstci- kung genommen. Alle Besucher des Hauses, sogar die Abgeordneten, muffen ihre Auswecke vorzeigen, ehe sie Eintritt erhalten. Das Haus felber ist überaus stark befucht. Am Regierungstische sitzen bereits seit germimer Zett vor Beginn der Beratungen Ministerpräsident Bauer und die Minister Erzberger. Muller^ Noske Bell und Meier. Besonders zahlreich sind auch die Negierungsbeamten vertreten. Die Abgeordneten sind fast vollzählig erichrenen. Kurz nach zwei Uhr eröffnet Präsident, F ehre n b a ch die Sitzung und erteilt sogleich dem Reichssinanzminister Erzberger das Wort Finanzminister führt aus: Die erste Arber, bc .m Wiederaufbau ist
eilte grundlegende Finanzreform.
Kerne Rettung bringt der Staatsbankerott. denn Staatsbankerott ist heute Vottsbanke^tt n« Fnnern und nimmt Deutschland tot Ausland jeden Kredit. Deutschland aber braucht Kredit viel Kredit. Die Ratschläge auf Annullierung der Kriegsanleihe oder VerdindtMng deS allgemeinen Barckerotts mache ich nicht mit <*er Ztufendienst für unfere Kriegsanleihe muy gesichert fein. Steuerliche Begünstigungen kann ich für die Kriegsanleihe nicht in AuSsicht stel- len wohl aber wird dieselbe auch kunftt^bevor- zug't werden bei Zahlungen gewisser «tmern und beim Kauf von Heeresgut Gerechtigkeit im aefamten Stenerwesen zu f^uffen, ,rft mein oberstes Ziel. Gerechte Steuern stellen eine rasch wirkende vorzügliche Sozialrsrerung dar; sie treffen alle nnd haben Ernes voraus, die private Initiative bleibt befielen, der begründet- Eigennutz fucht nach höchster Einnahme. Wir stehen am AbfMuß des Krieges und w'e wir hoffen, am Beginn des Wiederaufbaues der Ration. Ziehen wir
Aber auch, wenn diese Vorlagen unverändert angenommen würden, ist der Fehlbetrag für den eigenen Bedarf noch nicht gedeckt Die Strmme für die Wiedergutmachungen muß auf andere Weise aufgebracht werden. Im Herbst werden der Rattonalversammlung neue Vorlagen zugehen mit dem Endziel, diese Fehlbe» träae zu decken. Die Steuerlast wird eine geradezu entsetzlich« Höbe erreichen. Eine stete Gefahr sind die 72 Milliarden schwebende Sckmld. Ihre Beseitigung ist eine der dringend- sten Aufgaben für mich. Zwei Wege gibt es: entweder Umwandlung in eine fest fundierte Anleihe oder Tilgimg durch große Abgaben, sei es durch die Entziehung sämtlicher Krieg?- gew inn e, sei es durch die große Vermögensabgabe, wobei i» mich keinem Zweifel hinaebe, daß diefe beiden Steuern zufammen nicht fofort den gesamten fluffigen Betrag von 72 Milliar- den aufbringen werden. Es folgen di« fchon bekannten Angaben über die eingebrachten Steuergesetzentwürse.
9?eiie Steuervorlagen
werden kommen — teilweise noch in diesem Mo- nxrt — zu diesen rechne ich die große einmaltge Vermögensabgabe und die große Umsatzsteuer. Der Staat wird durch radikale Gesetze und radikale Tancchführnng der Gesetz« die Ungerech- tigkerteu des Krieges wieder gut zu machen suchen. Den Reichtum hat uns der Krieg ge- noprmen. Di« Welt hat uns die internationme Gerechtigkett versagt, umso leidenschaftlicher und energischer aber wollen wir arbeiten für eine m Gerechtigkeit wiederaufblühende Heimat «nd all unser Sorgen und Mühen widme«: dem armen afeet gerechten Deutschland. Gerechtigkett, Arbeit nnd Vaterland müssen der helltönmd« Tret« Lang sein, der das neue Deutschland emlautet und dadurch bessere Zeiten, ankündet. —Rach , kurzer Debatte schließt die Sitzung.
Um de« Kaiser.
Die ausländischen Blätter „fßi" imd „gegen".
(Privat-Telegxamm.)
Rotterdam, 9. Juli.
Die englischen Zeitungen „Daily News" und „Daily Telexraph" erbeben in »er Montagaus- aabe im Namen der liberalen Unterbauspar.ei Protest gegen den bevorstehenden Kaiserpro- zeß. Auch im „Manchester Guardian" wird von liberaler Seite gegen die angewndigte Art des Prozesses Stellung genommen.
Kasseler Nemste Nachrichten
Hessische Abendzettmtg ’_______
©er Haß der Briten.
Bai-l. o Juli. (Privat Tck^amm.s Tie Pariser Zeitung „L'Oeuvre" mdöct ans London, daß den Behörden mehrere Warnungen zu- gesaitficn sind, wonach das Leben WilheUns II. gefährdet fein soll, sobald dieser durch die Straßen Londons geführt werden wurde.
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Mahnungen zur Mäßigung.
Haag. 9. Juki. (Pr-vat-Telegramm.) Aus London wird berichte!, daß sich gegen bt' Aus» lieferung des Kaisers u. «egen einen in London ihm m machenden Prozeß sowohl in den ur- l^SsLb^n Volkskreisen, wie in der Presse emo starke Reaktion gckienv mac^. Bemerkenswert fei daß tu dem Londoner Blatt .Times bereits Zuschriflen veröffentlicht w«rÄem wann gegen den Kaiserprozeß Einipruch erhoben wird.
(Muß ist das Mmdestmaß der Eitmahmen, die das Reich für eigene Bedürfnisse ,gebraucht: lährlich über siebzehn Milliarden. Die Einnahmen der EinzeWaaien und Gemeinden imd unt mindestens sechs Milliarden jährlich MM- fetzen Hat das Reich früher vou dem Gesamt- aufko-mmen 35—40 v. H. für sich gebraucht, so letzt mindestens 70—75 v. H. Die Einnahmen res Reicks müssen um neunhundert vom Hundert gesteigert werden, die der Einzerstaateu und Gemeinden um vielleicht 100 v. H. LvW Riesenverschiebungen heischen myic Mamuch- men. Können wir den Riesenbedars der Zu- kunst aufbringen? Wir müssen rhn aufluinecjt. Der Bedarf des Reiches scheidet sich künftig m a) Inlandsbedarf, b) Wiedergutmachungen. Die voraussichtlichen Jahres: ogaben werben st<h aus rund 17,5 Milliarden Mark belaufen. Die Höchstfumnre für die WiederMlÄnachung konnte trotz aller Bemühung-:« im Friedens- Vertrag nicht fest-arstcllt werden. Angesichts der Riefenlasten wage ich kaum das Wort auszu- prechien, mit dem ein Finanzminister umstehen und z-u Bette gehen muß, das Wort von der Sparsamkeit. Ich bin fest entschkoffeu, den
Weg der harten Sparsamkeit
tu gehen. Darum habe ich sofort die von meinem Herrn Amtsvorgänger bereits vorbereitete Parole auSgegeben, daß vom 1. Oktober 1919 ab es keine PansMonten und KriegssonDS mehr gibt, daß die KriegSfinanMiYjchast aus- hört uitb daß zur gereaelten EtarSwirtchmst zn- rückaekehrt werden mutz. Der erste Leitsatz i,t: ferne unproduttiDen Ausgaben mehr. Darum muß auch der sachgemäße Abbau der Arbetts- losenuntersMtzims ins Auge gefaßt werdeu; lohnende Arbeit, nicht ArbeiMosenunterstotzung ist das Ziel.
Wie soll der Gesamtbedarf gedeckt werden,