Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 180
Dienstag, 8. Juli ISIS.
Fernsprecher 951 und 952.
9. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Zusammenbruch des Verkehrsstteiks
Bor dem Zusammenbruch
kommen und
ran gsschaffsn Wirtz, von
gegen euren Bundesstaat
gmtg des Reichstag - ettchoftn und feine Maß-
Die Berliner VerkehrsnoL.
Berlin, 7. JtÄi. .(Eigene Drahtmeldung.) Gestern stand Berlin noch einmal im Zeichen der Verkehrsnot. Ter Verkehr aus der Eisenbahn zeigte die gleicln Ueberfüllung, Wie an den vorhergegangenen Sfteiktagen. Tie Streiklage ist völlig unverändert geblieben. Es staben bisher keine weiteren Verhandlungen stattgefunden. Auch sind bisher derartige Rücksprachen nicht in Aussicht genommen.
Die Raffelet Neuesten Nachricht«» erscheinen wöchentlich sechsmal und jroat abends. Der SbonnementSpreiS beträgt monail. 1.S0 Mar! bei freier Zustellung ins tzanr Besiellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle ober den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und RedaMon; LchlachlhoMraße 28/30, Für unverlangt eingesandte Beiträge lann die Redaltion rtne Verantwortung ober Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung bei BezugSgelbes oder Ansprüche wegen eiwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung auSgefchloffen.
siebzig Prozent der Arbeiter die Arbeit am gestrigen Tage wieder ansgenommen.
Die Lage in Wittenberge.
Wittenberge, 7. IM. (Eigene Drähtmel- demg.) Anläßlich des am Freitag abend begonnenen Ausstandes der Arbeiter der Haupteisen- bahnwerkstätje und des Güterbahnhofes Wittenberge, wodurch der Transport der LebenSmittel- züge bisher vollständig unterbunden war. find Regicranzötruppen am gestrigen Sonntag eingetroffen. Sie haben den Güterbahnhof besetzt und die technischen Truppen haben zusammen mit den Beamten, Zugführern nfw. den Dienst wieder ausgenommen. Gestern nachmittag konnten bereits die ersten Züge abgelassen werden. Anläßlich des am Freitag abend in Magdeburg begonnenen Ausstandes der Arbeiter ist der gesamte Personen, und Güterverkehr unter- bunden. Die em «estrigen Sonntag auf dem Hauptbahnhof eingetroffenen Regierungstruppen haben den Hauptbahnhof besetzt. Da die technischen Bahnbeamten, di« Zugführer und andere den Dienst wieder aufgenommen habe«, konnte Sonntag nachmittag der erste Zug wie-
Um den Kaifet.
Ein Telegraulm des Prinzen Eitel.
(Telegraphische Meldung.)
Berlin, 7. Juli.
Prinz Eitel Friedrich von Preußen hat an den König von England folgendes Teltgramm gerichtet: In Ausübung selbstverständlicher Sohnes- und Offizierspflicht stelle ich mich mit meinen vier jüngeren Brüdern Eurer Arasestät an Stelle meines kaiserlichen Herrn Vaters im Falle seiner Auslieferung zur Verfügung, um ihm durch unser Opfer de« entehrenden Gang zu ersparen. Im Namen der Prinzen Adalbert. August Wilhelm, Oskar und Joachim von Preußen Eitel Friedrich von Preußen.
düng fahrt »USt „Hat der Erblasser es bei feft «en Lebzeiten an der Erfüllung seiner Steuer- pflichten fehlen lassen, so bietet die Aussaht Darauf, daß nach dem Ableben der ganze Rach-
Der Nerkehrrftrelk.
Der Frankfttrter Ausstand beendet.
(Privat-Telegramm.)
Frankfurt, 7. Juli.
Nach viertägiger Dauer ist gestern nachmittag aus den Beschluß der streikenden Eisenbahnarbeiter der Streik bei den Eisenbahnen des Direltionsbezirks Frankfurt abgebrochen worden. Die Arbeit wurde unverzüglich wieder ausgenommen, ebenso der Verkehr. In einer Entschließung gibt die Eiscnbahnarbeiterschast der Oeffentlichkeit eine Erklärung über den Abbruch des Streikes, in der fie unter anderem sagt: Die Fordermrgen werden trotz dem Abbruch aufrecht erhalten, besonders das Verlangen nach einem R ä 1 e s u st c m als untere Bc- triebSeinrichüuig. Der Streikabbruch ist nur ein, Waffenstillstand. Falls das Mni- jter.iüpk .richt ehrlich zu ei;«-.. -Ä:,siLüLigung :ie Sand bietet, wird ein neuer Streik den gesamten Staatsbahnb-etrieb erfassen. ... Um zehn Uhr gestern tmcht lprt die Streikleitung die gesamten Züge freige?zeben und von dieser Stunde ab konnten die NÄH- und Fernzüge wieder ein- und auSfahren. Aber an einen sahrplMtmüßt- gen Verkehr war während der Nacht nicht zu denken, auch deshalb nicht, weil das zerstreut wohnende Fahr- und Aufsichtspersonal noch nicht zur Stelle sein konnte. Biele Arbeiter und Beamte werden erst am heutigen Montag Kenntnis von der» Beschluß der Streikleitung erhalten. Iminerhkn konnte im Lause der Nacht schon eiuc Reihe von Zügen abgelassen werden. Die Ueberleitung in den fahrplanmäßigen Verkehr wird erst am heutigen Tage erfolgen.
enrzuschreiten, wenn dort arge Verstöße aegen die RetchSge-setze Vorkommen sollten. 2er nvchr-
Die Stimmung in Holland.
Haaa 7. Juki. lTelegraphische Meldung) Die Zeftuna .Hei Vaterland" schreibt zur Frage der Auslieferung des Kaisers: Unsere Minister haben eine schwere Zeit vor sich. Wir wünschen nur, daß sie mit kühlem Kopf und mutigem Herzen tun, was die Ehre und Würde unseres Landes erfordert, und alles verweigern, was diese Würde verbietet.
Set freie Handel.
Abba« der Zwangswirtschaft.
(Eigene Drahtmeldung.)
Weimar, 7. Jicki.
Der Ministerpräsident wird am> Donnerstag in der Natümalverfammlung diit« programmatisch« Rede hakten und dabei unter anderem ausführen. daß die Z w an gs« wtrtschas-t nunmehr zielbewußt ab gebaut wto> und der freie Handel wieder einen arö- ßeren Spielraum erhalte« soll. Die Tätigkeit der Kri«Sgesellschasten soll systematisch eingeschränkt werden. Pie Wollvorräte werde« »k den Industrien zur Bearbeitung zuM- werten. Die verfügbaren S-chv h e will
man dem Handel vergeben mit einer Einschrän- hrttssozialistische Abaeordnetc beantragt da- kurta. die die Rücksicht auf die miudcrbcrmt- gegen, der Präsiden- solle zuvor die Geuehmi- telten Bcvolkeruuaskreisc erfordert ' —------ ' ' ■
SnfertlonSpretfe: Die ficbengefpaftete Zeile Mr einheimische Eeschäfte 30 Pfg., für au«, reörtiac Anzeigen SS Pi. Reklamezetle für einheimische Geschäfte 75 Bf, für auswärtige Geschäfte 1 Mk, einfache Beilagen werben mit 5 Mark pro Tausend berechnet, alles mit 50°/, Teuerungs-Zuschlag. Bei öebermittlung von Anzeigen auf telcph. Wege wird für durch Hör- fehler hervvrgerufene Irrtümer keinerleiHastmtg übernommen. Für bie Aufnahme vonAnzeigen an bestimmten Tagen ober Plätzen wirb keine Gewähr geleistet. Geschäftsstelle: Kölnische Str. 5.
im Ausaurmenbruch begriffen- Im Wsenvadn- begftk Frankfurt haben hcare früh über flinf- uudsechzig Prozent, tut Bezirk Hmmotzer über
Sie netten Steuern.
Auf der Suche nach Geld.
Während der langen Ariegsjahre suchte das Reich die notwendigsten Ausgaben durch Anleihen anfzubringen. An die Auslage neuer Steuern konnte man mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten, mit denen das Voll zu kämp- fett hatte, wenig denken. Infolgedessen sanken wir tief in Schulden, unsere Notenvresse hat eine Unmenge Papiergeld erzeugt, für das uns jetzt jede Deckung fehlt. Unsere Finanzen find völlig erschöpft, und es bedarf einer weitgehenden Reform, um sie wieder mit der Zeit zur Gesundung zu bringen. Einstweilen hat jetzt das ReichAfinanzministerium der deutschen Nationalversammlung eine Reihe Gesetzentwürfe über neue Steuern vorgelegt, die als eine Art von Notbehelf erscheinen müssen, da die eigentlichen Finanzreformpläne noch nicht so weit gediehen sind, nm sie zur Debatte stellen zu können.
Bei den neuen Steuern hat man zu unterscheiden zwischen solchen, die nur eine einmalige und denen, die dauernde Einnahmen schaffen sollen'. Zu den ersteren gehört die ftriegsabgabe von dem Vennögenszuwachs und die sogenannte Nahoitsteuer. Wie hoch die Erträgnisse der beiden Abgaben kommen werden, ist bis jetzt noch nicht zu ersehen. Dauernde Einnahmen schaffen die anderen Steuern. Nach Berechnungen des Finanzministeriums wird sich der Ertrag wie folgt stellen: Aus der Tabaksteuer etwa siebenhundert bis siebenhundertfünf- zig Millionen Mark, gegen vierhundert Millio- tten früher, aus der Erbschaftssteuer fünshun- dsrtneunzig Millionen, gegen VierhtMderrsiebzig MMomkl, ans d<r Zucketstestcr fünfzig Millionen, gegen einbundertachtzig Millionen, aus der Vergnügungssteuer dreißig Millionen, aus der Zündwareusteuer fünfzig Millionen, gegen achtundzwanzig Millionen, aus der Grundwechselabgabe einhundertvierundzwanzig Millionen, gegen vierundsiebzig Millionen, aus der Spiellartensteuer zehn Millionen, gegen acht Millionen. Der frühere Fi- nauzminifter Derstburg hatte den Bedarf des Reiches auf etwa siebzchncinbalb Milliarden Mark berechnet, von dieser Summe sollten allein zwölf Milliarden durch Steuern aufgebracht werden. Diese Berechnungen waren im Ätai dieses Jahres gemacht Worden. Inzwischen ist der Bedarf ab.'r :wch um ein Beträchtliches angcwachscu.
Zudem steht noch gar nicht die Höhe der AriegsentschätziMngSsuulme, die wir an die Alliierten zu leisten hcchen Werden, fest, da diese erst tit den nächsten Monaten von der Meder- herltellungskommisston angegeben wird. Sie wäre also auch noch zu decken, und zu ihrer Aufbringung müssen .zweifellos wiederum neue Steuern und Abgaben ausgeschrieben werden. Die Nationalversammlung wird sich zunächst mit der Erledigung der neuen Steuergesetzent- würfe befassen, während die eigentlichen Re- sormplänc wohl erst später zur Verhandlung kommen werden, nachdem der ganze Reichsbedarf feststeht.
Die erste und wichtigste Ausgabe der erweiterten und erhöhten Erbschaftssteuer, wie sie im Entwurf vorliegt, ist die Beschaffung von Mehreinnahmen für die Reichslasse. Diese sind aus der gesamteir Erbschaftsbesteiterung nach der Veranschlagung des Ertrages in Höhe von vierhundertsiebzig Millionen Mark $n erwarten. An dem Gesamtairflommen (ohne Berücksichtigung der Verluste an Land und Leutent von stebenhuntzertMnsunddreißrg Millionen Mark ist die Erbanfallsteuer mit fünfhundertsechsunb- zwanzig Millionen Mark (ohne Schenkungs- steuer und ohne die Zuschläge bei vorhandetren größeren Vermögen) beteiligt. Weitere Aufgaben der neuen Erbschaftssteuer liegen auf dem Gebiete der Steuermoral und der Steuergerechtigkeit. Die Bedercken gegen die Besteuerung der Gatten- und Kindeserben müssen zurück treten angesichts der Größe nutz Allgemeinheft der Opfer, die zur Milderung der schwere« Finang- not des Reiches gefordert werden müssen. Die Einbeziehung der Ehegatten und Abkömmlinge ' führt einer Offenlegung des Vermögens und i zwar jeglichen Vermögen sbesitzes, die auf die allgemeinen Steuerergebnisse nicht ohne Nach» ' Wirkung bleiben kann.
Die im Rahmen der neuen Erbschaftssteuer ' vovgeschkaaene Nachlaß st euer gibt dm ! Steuerbehörden ein Weitere« Mittel an die Hand, um das Vermögen des Erblassers und : den Maßstab seiner Steucrlcistungsfächkgkeft : festzustellen. Die Nachlaßsteuer ist formt weni- । ger wegen des finanziellen Ertrages, der aus i einhundertdrei Millionen Mark veranschlagt 1 wird, als vielmehr deshalb, weil durch sie eine Ksntrolle für alle anderen Stenern vom Gin-
lax noch vor seiner Teilung zur Nachprüfung offengelegt werden muß. ein wirksames psychologisches Mittel, um Stenerhinterziebunoen von Anfang an vorzubeugen." Zu den Maßnahmen und Einrichtungen, die aus eine intensivere Einkommen- und VermögenKstenerveranlaguug abzielen, r-nd zir der für den gleichen Zweck er- teitten Ermächtigung tzeS Reichsfinanzmiuisters Herr. Einiführung einer allgo.,reinen Austmrfts- p flicht der Banken treten die. vorerwähnten Vorschriften des neuen Erbschaftsstenergesetzes hinzu, um die weitestgehende Offenlegung aller Vermögensverhältnisse sicherznstellen.
Hindenburg und Lndendorff.
Genf. 7. Juli. (Eigene Drahtmelduna.) Wie ein Pariser Blatt meldet, sei die Auslieferung des Marschall Hindenburg und des Generals Ludendorfs von den Alliierten beschlossen worden wegen der Zerstörungen, die beim Rückzüge der deutschen Heere planmäßig von dem d«»tschen Generalstab angeordnet wäret!. Für diese Zerftörmtgen allein habe Deutschland setzt siebzehn Milliarden Schadenersatz zu leisten. Die Anklage freuen den Kaiser richtet sich nicht aus die Führung sondern auf die Urheberschaft des Krieges
Sie Stimmung in Frankreich.
Noch nie so deutschfeindlich.
(Eigene Drabtmeldnng.)
Genf, 7. Full.
Seit der Unterzeichnung des Friedens in Versailles ist erst eine Woche verflossen, aber seine Rückwirkung auf die politische Welt in Frankreich macht sich bereits in greifbarer Weise geltend. Wer sich in Deutschland an die Hoffnung geftowmerf hat, daß sich in Frankreich ein erheblicher Widerspruch gegen den Gewaltfrieden gekkentz machen würde. der kann heute schon fest- stellen, daß er sich durch übertriebene Schflde- rnngen vereinzelter Kundgebungen hat täuschen lassen. Im Gegenteil! Alle Parteien und alle Politiker beeilen sich jetzt, die Krieqsstrm- mung zu erhalten, um aus ihr ihren Vortest zu ziehen. Die ganze Ausstandsbe- toegtmg, die vor der Unterzeichnung des Friedens einfetzte, ist plötzlich zum Stillstand gekommen. Die GeweMchaften hatten gar nicht die Absicht, einen polftffchen Kampf zu führen. Sie benutzten nur den Augenblick, in dem die Re»- aiernng fetz«, inneren Konflikt vermeßen mußte, um ihre Forderungen durchzufetzen. Das fft ihnen gelungen.
Verbotener Streik.
Frankfurt, 7. Juli. (Privat-Telegramm) Aus Mainz wird gemeldet: ^Der französische Befehlshaber hat den Msenbah- nern im besetzten Gebiet den Eintritt in den Streik verboten. Dagegen Handelnde werden nach den Kriegsgesetzeu bestraft. In Mainz sind eine Anzahl Streftagitatoren aus dem Frankfurter Bezirk durch die Militärwachen verhaftet itnb in Militärgewahrsam gebracht worden. Die Darmstädter Eisenbahn- akbeiter beschlossen gestern nachmittag, den Dienst sofort wieder auftunehmen. Die Stteft- lage in Hannover hat sich gegen gestern nicht wesentlich geändert. Eine von etwa sechstmr- fertb Personen besucht« Versammlung beschloß, Verhandlungen einzuleften und die Arbeit tunlichst bald wieder aufzunehmen.
Reichspräsidenten
nutz die Reichsregiernng. Nach Ansicht der Uw abhängigen benötigt das Reich überhaupt ke i. nett Präsidenten. Die oberste Macht im Staate soll vom Volke ousgeübt werden. Gleich die ersten -Artikel der ■ Verfassung, die über Wahl und Amtsdsuer des Präsidenten bestimmen, sollen gestrichen werden. Der unabhän- grge Abgeordnete Cohn gibt namens seiner Partei die Erklärung ab, daß sie das' Amt eines Reichspräsidenten für überflüssig erachte und infolgedessen die Streichung der Artikel 1 bis 44 beantrage. Tas Haus aber ist anderer M«. nung, imt> entgegen den Stimmen der Unav- hängigen werden diese Artikel mit ganz nn- weseutlichen Abänderungen angenommen. Eine längere Debatte knüpft sich au den Artikel 45, in dessen letztem Absatz vom Bölkerburch und den,mit den Völle rbundsiaaten zn schließenden Verträgen die Rede ist. Die bürgerlichen Parteien sind darüber einig, daß der Absatz gestrichen werden solle, da man ja Deutschland die Ausnahme in den Bund verweigert habe. Don einem Völkerbund könne man überhaupt nicht sprechen, denn was in Paris nach langen ^Beratungen zustande gekommen, sei nur eine Utopie. Der Zentrumsabgeordnete begründet in diesem Sinne auch den von seiner Fraktion emgebrachten Antrag ans Streichung. Mit fast allen bürgerlichen Stimmen wird sein Antrag angenommen, während Unabhängige und ein Teil der Sozialdemokraten für die Beibehaltung ertrtrrten. Bei Artikel 47, der dem Reichspräsidenten den Oberbesehl über die gesamte Wehrmacht übertragen will, entspinnt sich ein lebhafter Wortwecklßk zwischen Deutschmttionalen und UnabhätbgigE Die bürgerlichen Parteien sind für die Aufrechterhaltung dieser Bestimmungen und spenden den Ausftchrrmgen des Abgeordne- ten Dr. Heinze von den Deutschnationalen, der den Artikel nnbedingt beibehalten wissen WM, Beifall.,.Cohn von der unabhängigen Partei verlangt dagegen die Streichung ans dem Gnrnde. weil im neuen Deutschland
überhaupt keine Wehrmacht
mehr gehalten werden dürft. Diese Aeußerung entlockt natürlich im Hause lautes ironisches Lächeln, in das selbst die Sogialdemokrawn einstimmen. Auch die Bcstimmunq: Kriegserklärung und Friedensschluß erfolgt durch Reichsgesetz, ruft Deittschnationale und Unab- bängigc auf den Plan. Wrederum begründet Dr. H e t n z e einen von seiner Fraktion eingebrachten Antrag, der die Entscheidung über beides dem Präsidenten allein überlassen will. Denn im Falle einer Kriegsgefahr ein rascher Entschluß nötig fei, der Präsident aber erst die Stellrrngrrahme der Parteien äbtonrten müsse, dann könne es schließlich dahin kommen, daß
würde, nutz .Kriegs- nutz Frie. ieWsth zusammen fielen Der Unabhängige Cohn sieht sich durch dieseAeuße- nmg veranlaßt, den Dentschnaftonalen den Vorwurf $u machen, ihr Antrag ziele nur dar- NW fär einen netten Krieg sich bereit zu ten, dagegen 66er Müsse er im Namen keiner ganzen Partei energisch protestiere«. Ans diesem Grunde beantrage feine Fraktion auch dre Streichung -es Satzes. PrSstdent Feh- reubach läßt zuerst über den Antrag der Demschnatwnalen abstrmmen. Das Haus «ft- cheitzet in großer Mehrheft gegen ihn. Auch der Arttrag der Unatzhängrgen verfallt dem gleichen LchickM. Mr den Regiervngsantrag stimmen D«rwkraftn, Sszialdemvkraten und Zentrum, der damft angenommen ist. Eine längere De- den 3
Weimarer Tagung
Um den Reichspräsidenten.
(Telegraphrsche Meldung.)'
Weimar, 7. Juli.
Jtt. langsamem Tempo schreiten die Anbei, len in der NationalversanMtfttna fort. Ur« sprünglich war geplant, mit der zweiten Lesuno der Verfassungs-Vorlage am Sonnabend zu Ende zu kommm, aber man fft bis jetzt kaum über den dritten Abschnitt 'hinausgelangt. Eine Unmenge neuer Anträge zur Aendenmg dei Regierunssvorlage sind im Haufe eingebrachi Iworden. Besonders die Unabhängigen haben 1 sich reichlich Mühe gegeben. Frau Agnes und Frau Zietz scheinen tmermüdlich tätig zu sein in der Abfassung netter Anträge. Jeder Artikel der Verfassung soll abgeändert oder gestrichen werden; wenn eS nach den Unabhängigen ginge, wird die Verfassung wohl niemals erledigt Werben. In der Sonnabends-Sitzung beschäf- tigto sich das Hans mit den Bestimmungen über den