Meler Neueste Nachrichten
Kaffeler Abendzeitung
Nummer 176,
Donnerstag, 3. Juli 1919
Fernsprecher W1 mb 952.
9. Jahrgang.
«affeier SiaÄttÄtee trfdjtincn rvöchrrrUicb fedtemat und groar a beet> B. Der
«donneinentSpret« beträgt nronott ) JO Mark bet tretet fluftethntg tnä Hau« «eftellnnge» »erben jrterjett von der LelchSkttflelle ober den Boten entgegenoenomntra. »ruderet, «ertag anb Stebaftion; SLIachthofftratz« 28/30, gär tmoerianat etngetandte Betrüge kann bte Redaktwn elne Berantwortung ober Bewähr in keinem Falle übernehmen, Rüikzahlung de» De,ug«gelde« oder Ansvruche wegen etwaiger nicht ort>mntg«mä8faer Sle'ermtg auggeichlotsen
;>nfertttmS5retfe; Die '"'ebengetBaltele Zeil« fitr einheimische B«schäfte 39 Pfg. für aus. wärtige Anzeigen 35 V Reklame,eil« für einheimische -eschäfte 78 Pf fite auswärtige Sefchäfie 1 M. Einfache Beilagen werben mit 5 Mark pro Tausend berechnet alles nttt 50*. TeucruagS-Zuschlag. Bei Uebermitthntg von »«teigen auf teleph. $8ege wird sie bauch Hör. fehler her» orgcrafene Irriümet keiner lei Haftung übernommen. Für die Aufnahme vonArn eigen an beMmmten Tagen aber Plätzen wirbZl. keine Sewähr geleistet. Seschäststtelle: ttöte-Ste. 5
---
Fernsprecher 951 unv 952.
? Hessische Abendzeitung
Berlin ohne Verkehrsmittel.
Narr.
Allgemeiner Generalausstand?
von dem besonnenen Teile der deut-
itcr Folge udeiftet wird.
Der AelLestenAusschnß.
Berlin, 2. Auli. (Eigene Drahtmeldung.) Rach den Besprechingen des Atttcstenatsschus. •** *»r öfltionatottfammbtnxi hofft man. oaß
Kar tat $oüan6?
Die .Holländer und unsere Gegner.
Die Haitzrrrrg der Eisenbahner.
Berlin, 2. Jickk. (Privaric-cgtautm.i Lei Eisenbahnerstreik dauert unverändert fort. Gestern hat der ReichKeifendahnminffter an die Beamten und Arbeiter einen Aufruf gerichtet, in welchem den Eisenbahnern, die von morgen, Donnerstag, ab die Arbeit nicht wieder ausgenommen haben, sofortige Entlassung angedroht wird. Im übrigen wird für den Schütz der Arbeitswilligen geformt. D«r Lebens- mittelversorgungSdienfl, der bereits ernsten Stockungen unterliegt, soll uitter allen Umständen aufrecht erhalten werden. Auch der Fernverkehr soll weitergehen.
Sn Lolland nichts bekannt!
Rotterdam, 2. Juli. (Vrivat-Telegramm.) Entgegen der ttn Unterbaute abgegebenen Erklärung von Larmsworth. wonach die Gesandten her Alliierten bei der holländischen Regierung um scharfe Ueberwackung des Kaisers gebeten hätten wird mitgeteilt. haft der holländischen Regierung bis zur Stunde ein solcher Wunsch nicht unterbreitet iit
Unfere Feinde und die Streiks.
Berlin, 2. Juli. (Eigene Drahtmelduug.) Wie wir aus Streifen der in Berlin weilenden Ententekommission erfahren, ist für den Fall, daß bttr<6 die deutschen Streits die Ver- tiagserfüllung Deutschlands gegenüber den Alliierten und die Lebensmittclburchfuhr nach dem tsclfechisch^lovatischen Staat über deutsches Gebiet gefährdet werden sollte, unter allen Umständen mit militärischen Sicherheitsmaßnahmen der Alliierten $tt rechnen. Nach Ansicht der Ententekommisfronen würde ein deutscher Generalstreik an sich den Alliierten dir Berechtigung zu Siche. rungSmatznahmen ohne werteres geben.
Engliscker Irrsinn.
Amsterdam. 2. Juli. (Pmvat-Telegramm.) Aus London wird dem Telearaof vnterm 30. Juni gemeldet: Guling Standart. einer der höchsten Autoritäten im internationalen Recht, der nach Paris gekommen ist. tm> dort eingehend den Zweck und die Befugnisse deS von den Verbündeten emzusetzenden Internat nalen Gerichtshöfe *u untersuchen, hat sich über das LoS Wilhelm II. wie folgt geäußert. Nach seiner Metnuna soll der Gerichts- bok. welcher nach dem Vertrag «na jc einem Richter der 5 Großmächte zusammenaesetzt fern wird, von den erbahenftett Grundsätzen rittet« nationaler Politik geleitet werden. Dieser werde nach seiner Meinung die Befugnisse und das Reckt haben, lebe Strafe festmietzen. die ferner Meinung dem Kcttser auferleot werd'N soll, selbst wenn es die Todesstrafe sein sollte.
Französische Stimmungen.
Bus 11, 2. Juki. Privat-Felegramm.) Ein Pariser BlaN äußert sich zu Clemenreaus Be- merkun-t, betreffend die Demobilisation deö französischen KeereS: Der Borwand deS franz».
Ministerpräsidenten, daß militärische lleberfSlle sich auch im Westen in Ankunft ab- fpielen könnten und daß daher keine w e i • tere Demobilisation des französischen HeereS möglich sei, sei nichts anderes als die offizielle Verkündigung des Ban- kerottS deS Versailler FriedenS- vertrageS am Tage der Unterzeichnung.
Ser schwarze Zag.
Wie man den Friedensvertrag unterzeichnete «*fw Seetrtiet bot boit ffrto»e#«»erbanb. hingen tu Verfaiklc». »m Rolf Brandt, WHbert bte ®»e*en bei bee Unteejeiibnuna in bee na »felgendet, «nMoulteben Weife, Die Automobile fahren durch ländliche Vor- orte. Selber und Gärten, kleine Häuser, Gruv-
Weimarer Tagung.
Die Verhandlungen der Nationalversammlung.
(Priva t-T elegr amm.)
Berlin, 2. Juli.
Dee Reichsregierung hat sich gestern abend von Berlin nach Weimar begeben, um dort'au den Verhandlungen der Natioualversammlunr, teilzunehmen. Der Reichswehrminister Roste ist jedoch noch in Berlin geblieben. Reichs. Minister Dt. Preuß ist von per ReichSregie- ruug zum Reichskommissar bestellt worden, um die Bersassunglvorlnge der National. Versammlung zu begründen und der Reichsre- giernug bei den Beratungen de, Verfassung eitlen Vertreter Sellen zu können.
die cMcmsinen Neuwahlen zum Reichstag voraussichtlich rm Januar stattfinden.
$er Frsedrnsvertrag.
Seine Ratifizierung i« Weimar.
(Vrivat-Telegrammsi
Berlin, 2. Juli.
Zur bevorstehenden Ratifizierung des Friedensvertrages schreibt ein Pariser Blatt: Es bleibt abznwarten, wieviel Zeit sich die Deutschen zur Ratifizierung deS Friedensver- tragrs nehmen werden. ES ist anzunehmen, dass das Kabinett Bauer sich bis zur Rattfi. zierung des Vertrages durch die Rattonalver- sammlung zu hatten imstande ist. Die Nationalversammlung wird sich mit her Ratifizierung deS FriedensvertrageS wohl sehr beeilen, und eS wird wohl möglich fein, daß die Deut gien den Friedensvertrag schon vor dem dritten ugnft ratifiziert haben werden.
Berlin, 2. Juli. (Ptivat-Telegramm.) Der radikale Flügel der Berliner Eisenbahner- Crgamfation hat in einem an alle deutschen Fachgeuoffen ausgegebenen Flugblatt sich für beit allgemeinen Generalstreik der Eisenbahner Deutschlands zum 18. Juli ausgesprochen. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Auf- fordermrg v schon Arber
Man geht durch die SAe, bereit Bilder prahlen, daß Frarckreick historischer Recht auf Unrecht gegen Deutschland hat. Kleine Tische sind überall ausgestellt, an denen Briefmarken mit bau Datum der Tage» und dem Stempel der Friedenskonferenz ahgeftempelt werden Sie sind umdrängt. Die Frankenstücke klimmen, die Scheine fliegen. An der Türe des langen, sieb- zehnfenstrigen Spiegttsaales stehen wieder mit roten Helwbüfchen die Posten und prüfen aufs Reue die Karten. Es wird das hübsche Spiet getrieben, daß man passiert, als „betannt“ zu- rückkehrt und die rote Karte inzwischen bet Dame des Herzens, oder dem Mann, dem man verpflichtet ist, gebracht hat I» der Mitte des Saales befindet sich die Tafel, an der die Vertreter der Mächte sitzen. Zu binden Seiten, den Saal entlang, stehen die Bänke für die Zu- chauer. Die Entfernung ist für die weiteren stechen doch immer über dreißig Meter. Man leigt also auf die Bänke, die Photographen erklimmen die Pfeiler, die Herren helfen ihren Damen zu den luftigen Standplätzen und bewahren sie vor dem Fall von der Höhe der Pfeilertifche. Mit leichtem Klatschen wird die republflünische Garde, bte, in Reihe auzzebaut, den Ausblick stört, zum Abtreten genötigt, und das Beifallklatschen schall auch, als sie verschwin. bet. Irgend iemaMauS der Mitte des Saales ruft .Setzen!* RWtand kehrt sich daran, und nur die japanischen Pressevertreter mit diesem undurchdringlichen Ausdruck auf den Gesichtern fiflcn intbewealich und starren oeorn di»
Der Tag von Bersailles ... Die Franzose, werden ihn strahlen lassen wie einen seltenen Stein, und er war nur eine Folge von Szenen w'.e auf einer Rennbahn, wo die Wetter uw Schalter schieben und elegante Frauen nach Schauspiel drängen und Schauspiel bieten. Es gab nur zwei Minuten, da in dieser Versammlung von Neugier, Eitelkeit und Beschränktheit das Mustern, die Komplimente und das Reden von politischen Geschäften schwiegen, da« war, als der erste der beiden Deutschen unterschriebe Ich sehe den Ansturm gegen bte hohen Gitter- Eren, durch bte man m ben Flügel kommen soll, burch den die Presse jm Spiegecsaal geht. Hunderte von Frauen und Männern drängen vorwärts, stoßen gegen die Mauer, die von der republikanischen Garbe gebildet wirb. Es nutzt wenigs baß b-ie Soldaten immer wieder rufen, nur bte rötet Karten gäben hier Einlaß. Ihr „Zurück, meine Damen und Herren* verhüllt immer aufs Reue in ben von Neugier getriebenen Massen, die ben Weg zum Schauspiel mit jedem Mittel erzwingen wollen. Französinnen, Amerikanerinnen, englische Schwestern, Herren und Damen der Gesellschaft, bte dabei sein will — man kennt das Bild, man kenm bte Eleganz ... Das ist bet Auftakt zu bet .seierüchen Würde" von ber der Temps schreibt
Berliner Streiks.
Die Hauptstadt ohne Verkehrsmittel.
(Privat-Telegramm.)
Berlin. 2. Juli.
Der Großberliner Verkehrsstreik hat gestern abend eine Verschärfung erfahren, indem sich die Omnibusangestellten, nachdem sich ihre Verhandlungen zerschlagen hatten, dem Streik anschlossen. Damit ist Berlin seines letzten Verkehrsmittels beraubt wrrden. Mlitär krastwagen, Lastkraftwagen wurden gestern in den Dienst der Personenbeförverung gestellt. Jm übrigen sorgen die wilden Personenüeförde- rnn-rsmsgen notdürMg für die Ansrechterhast tung des Verkehrs. In ben nächsten Tagen hofft man, den Berliner Borortverkehr wenigstens wieder soweit aufnehmen zu können, d-iß die Arbeiter ihre Arbeitsstätten erreichen können. Au Ansschreitimgen ist es nirgends gekommen.
pen von Menschen in SomrtagALibern. Man starrt der langen Staubwolle nach. Ein paar französische Soldaten grüßen mit der Hand An der kleinen, entlegenen Station ber Mrttt- bahn, in C-heisq-le-Roi, sammeln sich die Autos. Der Sonberzug Mrt ein. Langsam umtrerfen wrr Paris, vorbei an den vttken kleinen Borortstationen, an deren BohnAeiaen sich Menschen drängen, um ben deutschen Aua zu scheu. Bald nach Saiitt-Germam 'schlägt von «MöM dieser Bahnhöfe ein wüstes Johlen gegen $cn Zug. Raketen gchen hoch, ir-
aenSW, xr ‘-a ein paar Schüsse, und plötzlich firegen Sictne gegen die Fenster unseres Speisewagens, in dem die beiden Minister fitzen. Der Friede trsgruß von Frankreich. , ~ heil,' sagt empört ber französische Ofstzv
Der Friedens-Ausschuß.
"Weimar, 2. Juli. lEigene Dvahtmelbung.) Wie verlautet, ist ber Präsident der Rational- versarmniung aus Abgeordnetenkreisen ersucht worben, sofort den Friebensausschuß «rfammeuzuberufen, da dessen Tätigkeit, trotz dem FriedenSMuß, noch keineswegs erschöpft sei. Die Mrlamentarischen Lstmarkciwertrcter haben sich an ben Friedensausfckmtz bezw. an die Nationalversammlung gewandt, sich so rasch wie möglich mit den ans der augenblicklichen Bewegung im Osten sich ergebenden Verhältnissen eingehend zu beschäftigen.
Was mm?
Eine Frage an die Zukunft.
Der Friedensvertrag ist unterzeichnet! Gezwungen, unter dem Druck feindlicher Maßnahmen, mußten wir blutenden Herzens auch diesen schweren Schritt tun. Finden wir uns jetzt damit ab! Perweilen wir nicht bei obmnack- tigen Klagen, die unsere Lage nicht erleichtern können. Wir haben jetzt Pflichten zu erfüllen, Lasten zu tragen, Opfer zv bringen! Eine neue Zett ist angebrochen, eine Zett, schwer und dunkel, Tage der Arbeit und Mühen erwarten uns. Die Augen der gangen Welt sind jetzt auf Deutschland gerichtet. Die Feülde .könnten keinen schöneren Triumph ihres Werkes erleben, als wenn wir jetzt mutlos würden und verzagen wollten. Die Vernichtung D«ttsch- lands ist ihr Ziel, alle die harten BedmMNgen sollen unsere VoWkraft lähmen, sollen uns auf ewige Zetten ohmnächtig machen, damit sie, die so leicht zum Siege gekommen, über uns herrschen können, daß wir ewig von ihnen abhängig, ihre Sklaven würden. Aber das soll hnen nicht gelingen!
Seit jenem traurigen Tage, an- dem wir unser Heer vernichteten, uns vor ber ganzen Welt in ben Staub beugten, haben wir Enttäuschungen und Demütigimgen herbster Art erlitten. Wir selber haben ben Feinden den Weg zu unserer Vernichtung getviesen. Doch bamti noch nicht genug. Gleichzeiüg mit dem Zusammenbruch an der Front erlahmte auch unter innerer Widerstand. Die deutsche Dolkskratt, die so ruhmreiches auf allen Gebieten gcleWet, wurde gewissenlos zerttiimmert, als unverantwortliche Elemente alle Bande der Zucht und Dttno-no lösten und die Massen ht bte verderblichsten Bruder- und WirtschafMampse hehren. Wieviel Blut ist nicht auf unseren eigenen Muren geflossen, nachd.-m unser mannhaftes Heer fünf lange Jahre den lkrieg von unseren Grenzen ferngehalten! Wieviel Deutsche, Söhne bei einen Vaterlandes, sanken in beit Tod, von deutschen Kugeln dahingerafft, von eigenen Volksgenossen ermordet! Namenloses Weh zerreißt unsere Herzen, ungezählte Tränen fließen um all daS Elend, das feit dem neunten November sich in unserem eigenen Hause abgespielt. Wir wollen heute keine AnKagen erheben, das deutsche Volk leidet zu sehr, um eS durch Borwürfe noch mehr niederzubeugen. Aber es muß doch einmal gesagt werden, es wäre vermessen, hieße an unserem Volle fteveln, wenn wir nicht laut und mahnend unsere Stimmen erheben wollten, unseren Brüdern zmu- rufen: Laßt endlich ab von diesem furchtbaren
geraubten Recht« wieder einsetzen muß! Dann ein Werk, das Haß und Rachsucht errichtet, kann nur ganz kurzer Dauer sein! Wtt sehen mit Zuversicht diesem Tage entgegen, kein gebroche- nes Volk wird die Geschichte sehen. Erhobenen Hauptes werden wir durch das Leben- schreiten, den Kampf anfnehmen, den mau uns angesagt, den Kampf um unser Leben, um unsere und unserer Kinder Zukunft! Und wir werden bte Sieger bleiben! Darum unverzagt an die Arbeit! Den Kopf hoch, mittig allen Widerwärtigkeiten ins Auge geschaut, der Wett und unseren Gegnern zuu° Trotz! -es
einen neuen Bau unseres Vaterhauses anftich. ten, da der alte zerschlügen ist und in Trümmer liegt. Das wird uns aber niemals gelingen, wenn nicht ein jeder mitarbeite, wenn Haß und Haber weiterhin unsere Hände binden und unsere Arbeit unmöglich machen. Darum endlich zurück zur Ordnung und Gessetzmaßi^feit! Tas ist bas erste Erforbernis, um nicht erdrückt zu werben von ben Lasten, bi« wir jetzt übernehmen müssen.
Eine Niesenarbeit haben wtt zu leisten. Fede einzelne VerttagSbestkmmung muß von uns nach bestem Können erfüllt werden, wenn wtt nicht wortbrüchig werden oder den Gegnern Gelegenheit bitten wollen, in unser Land ein« zumarschieren und neue, noch härtere Gewalt- maßregeln gegen unS in Anwendung zu bringen als bisher. Der Entente würden wir sicherlich teilten größeren Gefallen bereiten können, bann könnten sie ihre Herrschaft über unser ganzes Volk ausdehnen unb in unserem Haufe frei schalten unb walten. Unsere Kinder aber wür- oen uns verfluchen, wenn ihre Väter jetzt versagten und ihrer Pflicht untreu würben. Unsere Zeit, unsere Arbeit gehören nicht nur uns, ft« gehören auch betten, die unseren' Namen tragen und fortpflanzen sollen. Ihnen sind wir es sch-ittoig, für eine Zukunft zu sorgen, die fte tmei-cr froh werden läßt! Darum unverzagt an b« Arbeit! Wir müssen da« Schicksal meistern, nnb wir werben eS. ES kommt nur darauf an, baß wir bic strastreserven. die trotz allem auch jetzt noch in unserem Volke dorhanbcn find, zweckentsprechend nützen!
Auch der Friede von Bersailles vernichtet uns nicht! Wir werden ber Welt beweisen, was ein Voll in Todesnot vermag. Wenn auch unter Dolkskörper aus tausend 'Wunden blute, verbluten werden wir «nS nicht! Wir werden niemandem beit Triumph gönnen, sich über unser Unglück zu freuen! Mag auch jetzt unser? Zukunft dunkel und trübe sein, wir werden sie wieder erhellen. Wohl ist die Arbeit schwer, die uns erwarte, wir kennen alle die Opfer, die unser harren, aber wtt wollen ihnen nicht feig« auSweichen, wir werden leisten, was m unserer Kraft steht! Der Tag aber wird kommen, w» die Geschichte das Urteil, das soeben über «nS gesprochen wurde, mnstoLen toeob und uns tit die jetzt » stkwöv-
W,' fast empört ber französische Offizier, bei »en Zug begleite. Narrheit, jawohl, wir haben zwei Dttmate von ihnen gekosttt, und wu haben ben würbelosen Taumel bes Tages, ben sie ben Friedenstag von Bersailles nennen werden, Hinter unS. Fahrt burch nächtliches Land. Dunkel rauschen die WMder. Graues Licht zittert über Weizenfelder. Blaue Schatten nisten an ben sanften Hügeln. Das BW» dieses eien, ben Tages, 28. Juni 1919, steigt empor, dabei gehen bte Gedanken immer wieder zu Sette» und Seiten dieses Vertrages, der da um 3 Uhr und 13 Minuten unterschrieben wurde. Wenn man zu lange auf ein durchleuchtetes Bild gesehen hat. zeichntt sich bas Schattenbild noch einig« Zett darnach auf oer Uberre-.z-en ham ab. So standen die französischen Wort« wie mit Höllenfeuer geschrieben in diesen Stunden vor den Gedanken, und sie verblaßten auch nicht in bet Ruhe ber Rächt.
(Eigene Drahteeldungsi
Basel. 2. Juki.
Das Pariser Journal sistreibt: I« holläu- disckeu volitifchen Kreisen glaubt man, daß die holländische Regierung die Forderungder Entente, daß der Exkaiser Wilhelm vor einem internattonalen Gerichtshof zu erscheinen habe, nur unter ber Bedingung gewähren werde, daß et nicht znm Tode und auch nickt zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wird, fnnbern. daß man lediglich von ihm eine Rechtfertigung verlange über die Veweg- •trünbe. die et bei ber Kriegserklärung, ber Verletzung ber b-lgifchen Neutralität sowie bet internationalen Abkommen übe? die Kriegfüh- ruitff fffkmbt habe. Rack dem Prozeß werben die Hobenwllern aller Ihrer Souveränität verlustig erklärt werben und eS soll ihnen eine Residenz zngewi-sen werden, bte fte nur noch mit Erlaubnis des Völkerbundes verlassen dürfen.