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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

S. Jahrgang

Fernsprecher 951 uni) 952.

Nummer 175

Fernsprecher 951 und 952.

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Mittwoch, 2. Sali 1919

Nachklänge zum Tage von Versailles.

Migere Lebensmittel.

Ein dankenswerter Entschluß.

In Berlin srieitten seit einigen Tagen die EiserrüahnaÄeiter. Es kam zu langwierigen Unterbrndlung-n mir der Sieichsl'ehördc, dke den Standpunkt vertrat, daß den erhobenen Fcrderrm-'en nicht entsprochen werden könne und zwar aus^Grimden der geradezu trostlosen Ver- iassuug der Eisenbahn-F mauzen. Vor inehreren Lagen trat der Staatshaus hattsansschuß der Preußischen Landesversammlung zu einer Be­ratung des Ersenbahnetats zusammen. Hierber entrollten der Eisenbahn- und der Finanzmmr- ster ent tiofberiüblichLs Bild unseres Verkehrs­wesens. Voraussichtlich erreicht der Fehlbetrag nn laufenden Jahre viertausenddret- händert Millionen Mark. Daß diese trostlose Sage nicht nur bei der Eisenbahn fest- gustellcn ist, sondern daß die GesamMage Les Staates als geradezu katchtrohhal bezeichnet werden mutz, ist hinreichend bekannt. Angesichts dieser unlerIgöaren Tatsachen konnte den Wün­schen der Erserchahner,' zu deren Befriedigung einmalig zwciemhalb, lausend gegen Mei Wn- liarden hätten aufgebracht werden müssen, nicht Rechnung getragen werden. Dagegen gab Mi­nister Oeser die Erklärung ab, daß trotz aller Bedenken der Finanzlage und besonders der Eisenbahnsinanzen die Regierung und bte Par­teien der Sandespersa-nmlung bereit seien, ptr den Zeitraum von drei Monate» etwa eine halbe Milliarde aufzuw end-n . nm di e Se b ensmi tu)lv er h Sl tnisse in er­heblichem Umfange zu bessern.

Daß es sich bei dieser tief einschneidenden Ulaßnahme nicht darum bandeln tarnte, nur einen Teil der Bevölkerung in den Genuß der Erleichterung auf dem Ernährungsgcbiete tre­ten zu lassen, war von vornherein klar. So wird denn das gesamte Volk an der Verb-tl- lkotma einer Reihe von Lebensmitteln (und zwar handelt es sich hauptsächlich um Auslands- waren) teilnehm-en. Di« sehr beträchtliche Summe, die zur Durchführung der Absicht notig ist, soll daher auch durch Reich, Staat und Ge­meinden aufgebracht werden. Nach Verwirk­lichung der Vorbereitungen wird erreicht wer­den, daß die jetzigen Zusahwochemnengen gleichmäßig und fortlaufend ausgegeben werden können! für den Kops und die Woche ein halbes Pfund Kochmchl, 100 bis 230 Gramm Fleisch, ein halbes Pfund Reis oder Hülienfriichte, ein viertel Pfund Speck und sclsNeßlich, fo hofft mau, wird man auch regelmäßig Kartoffel« lie­fern können. Jnfrezug auf die Preisgestaltung werden svb zum Teil ganz erheblichen»- ier sch iede gegen bisher ergeben. Minister Oeser eriimert-e bet den gepflogenen Be- sprechnuge» di« Eisenbahner daran, daß sie vor sechs Wochen erklärt Härten, sie verzichteten auf Lohnforderungen, wenn eine fühlbare Erleich­terung der Lebensführung geschassen werde. Nun. nachdem diese Erleichterung geschaffen worden ist, darf man wohl die Hoffnung hegen, daß, das Streif fieber (nicht nur bei den Eisen­bahnern) zu der absteigenden Kurve füh­ren wird. Daß mit Streik und übertriebenen Forderungen nicht eine Gesundung, sondern nur ein rascher Zerfall unseres Wirtschaftslebens herbrigeführt wird, sollt« inzwischen tu das Bewußtsein jedes Einzelnen eingedrungen sein. Je höhere Gehälter und Löhne und je mehr Milliarden in Papier, desto höhere Produktions­und Transportkosten, desto unverkäuflicher un­sere Ware, desto tiefer Valuta und Kredit, desto weniger Ernaang von Nahrungsmitteln und Rohstoffen. Die Beamten und Arbeiter bezahlen also di« Freude am Besitz bet ge­druckten Zettel, die man jetzt Geld nennt, mit vermehrter Entbehrung von Nahrung, Klei­dung und Behausung für sich, ihre Frauen und ihre Kinder.

Zu ihrer Maßnahme der Beschaffung schr erheblicher Mittel zur Verbilligung von Nah- rnngSmittÄn verschiedener Art ist die Regie­rung nicht etwa erst durch den Berliner Eisen- bahner-Streir geführt worden. Schon seit Mo­naten beschäftigte man sich mit dem Gedanken, und die Ereignisse der jüngsten Zeit haben ihn vielleicht nur rascher zur Tat werden kästen. Und das ist ;u begrüßen Immer und immer wieder ertönt von allen Seiten die Mahnung! Arbeit! Arbeit! Ohne Arbeft keine Rettung? Uber es ist schwer für ein «msgemer geltes. von Nahrunossiot zerrüttetes Volk, den Mahnungen, deren Herechiigung es zweifellos in seiner überwiegenden Mehrheit Verständnis entgegen- brtnät zu folgen, wenn der Körper einen gro­ßen Teil seiner Leistungsfähigkeit eingebüßt hat. Daher ist es erfreulich, daß die Regierung nun an der Aufbesserung der «örperirast, des Volkes snergftch süthelfen wttl. Drr sind Lb«r- ÄWÄS! K tauften hin wohlrärig« Folgen haSen w.,o. Wenn man allerdings die Erc gnrsst der tztcn seit betrachtet, wenn man erwäfit, daß gerade jetzi Wieder überall wüde Streiks von »ft wat-

gehenden Auswirkungen sich bemerkbar machen/ wenn man sieht, wie trotz den abgegebenen Er­klärungen der Berliner Eisenbahner der Streik fortgesetzt wird, wenn man den heute in der Reichshauptstadt das öffentliche Leben auf das sckhverste beeinflussenden Streik der Straßen­bahner betrachtet, dann möchte man allerdings dar«l zweifeln, daß überall im Volke dem Ernst der Sorte, in der wir uns befinden, genügend im Empfindungsleben Rechnung getragen wird. **

Serlehrsstreik.

Die Reichshauptstadt ohne Elektrische.

iPrivat-Tojegramm.s

Berlin, 1. Juli.

Gestern traten die Vertrauensleute per Groß- Berliner Straßenbahn, der städtischen Straßen bahn, vcr Berliner Ostbahn und der Hoch- und Untergrimdbohn zusammen, um das Ergelmis der Urahstmnmrng festzustellen. Die Zählung der Stimmen ergab 16 200 Stimmen für den Sireik. Das ist eine Mehrheit von neunzig Prozent. Bei den Omuibusgefellschnsten ist eine Abstim­mung noch nicht vorgemnnmen worden, da des Personal heute noch an Verhandlungen gebun­den ist und nicht vor dem nrorgigen Mittwoch tu den Ausstand treten kann. Infolge des Re­sultats der Abstimmung habe« das Zugperso­nal und die Bctriebsstelle» der Straßenbahner: den Betrieb eingestellt. Nach zuverlässigen Mel­dungen wird bekannt, daß von den ackstzigtan- stutz Augsst-De« der Grostrn BerlsM henfrahn die übergroße Mehrzahl den Streit er- tiärt hat. TaS Bure nur ersonal und das tech­nische Personal haben eine Abstimmung borge- r-vmmeu. Di« Majorität sprach sich für den Streik euS. TasselLe ist auch von den Angestell­ten der Hoch- und Untergrundbahn zu sagen. Bo« den Angestellte« der Omnibusse erwartet man, daß sie heute in de» Streik eintrrtcn.

Erbauliche Zustande.

Berlin, 1. Juki. (Eigene Drahtmekdung.) Der Straßenbahnverkehr und auch der Verkehr auf der Hoch- und Untergrundbahn wttrde am Montag abend zu End« geführt. Heute morgen ist in Berlin jeglicher Verkehr einge­stellt, da sich die Verkehrsbeamten zu neun­zig Prozent für den Streit erklärt haben. Mtt Rücksicht aus technische Schwierigkeiten wird beute auch die Stadtbahn den Verkehr einstel­len. Di« Omnrbuss? sollen im Betrieb erhalten werden, txmiit am Dienstag noch Verhandlun­gen mit der Direktion stattfrnden können. Die Strotzenbahnbeamten und Angestellten und AushilfSbeamten wurden jedoch beordert, die verschiedenen Betriebswagen »cm den Straßen verschwinden zu lassen, die mit der Stunde der Arbeitseinstellung auf den Straßen stehen geblieben waren. Der Zwecks- verband Grotzberlin Wird sich bereits im Laust des Tages mit der Streikleitung in Verbindung setzen, um Verhandlungen anzubahnen.

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Vor kritischen Tagen?

Berlin, 1. IM. lPrivat-Telegrarrun.) Der Groswerliner Verkehrsstreik erfährt dadurch noch eine Verschärfung, daß nicht allein ein gro­ßer Teil der Eiseitoahner in dem Streik be­harrt, sondern daß auch die Metall- und H ol z a r b e i t e r sich auf dst Seite der Strei­kenden stellen. Berlin steht wieder einmal vor einer Reihe krftischer Tage. Tie Verhaftung von Berliner kommnnistische» Führern erfolgte, weil sie Leiter der über ganz Deutschland gehen­den Generalstreikbervegung sind.

Aeber zwanzigtaufsnd Streikende.

Berlin, 1. Juki. (Eigene Drahtmeldung.) Die Zahl der Streikenden beträgt etwa zwei- imdzwauzistausend und umfaßt auch die techni­schen und kaufmännischen Angestellten der Ver­kehrsunternehmungen. Di« Gefahr, daß die Stadt- und Ringbahn, die augenblicklich nur einen sehr mäßigen Zugverkehr aufwerst, aus rein technischen Gründen ihren Betrieb eben­falls einstellt, ist gleichfalls sehr naheliegend. In den Berliner Elektrizitätswerken scheint indes keine Streikneigung vvr- üanLen zu fen, wohl aber flammt der Ersen- bahnerstreik wieder auf. Die Funktionäre her Berlin" Ortsgruppe des deutschen Erstn- bahnerverbandes haben gestern beschlossen, den Streik in vollem Ausmaße weiter^ufuh- ren oder, soweit mit der Arbeit wieder be­gonnen wurde, ihn wieder auszunehmen.

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Die Haltung dc-s CiferrLahn«.

Berlin, 1. «uli. (Privat-Lelegromm.) Nach einer amtltchen Miueüung dauert ine Ar­beitsniederlegung, trotz der ®bung pes Streikverbotes,der Nlettbahuer an.

Da die allgemeinen Interessen von den Streikenden völlig außcracht gelassen werden, ist angeordnet worden, daß jedem Versuch, den Eisenbahnverkehr weiter zu unterbinden und tnitd) Terrorismus die Arbeitsaufnahme zu verhindern, m«t größtem Nachdruck ent- genenznrieten ist. Wie verlautet, besteht auf feiten der Regierung die Absicht, falls die Ver- nutiftgrtinbe versagen, die Eisenbahnwerk­stätten, ebenso wie dies mit den Spandauer Werkstätten geschehen ist, aufzulöseu.

Rach Bersaiöes.

Der Fortgang der Ereignisse.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 1. Juli.

Ministerpräsident Bauer machst einem Redakteur der Deutschen Allgemeinen Zeitung Mitteilung über das Brogramm der Re­gt v r u n g. Der Ministerpräsident sagte unter anderem: Nm dem FriedenSverstag nachtotmuen zu könne», müssen wir in er st er Linie ar­beiten, um den Staat lebensfähig zu halten und erst in zweiter Linie an uns selber denken, denn Punkt zwei wird auch nur zu erfüllen fein, wenn die erste Aufgabe strikte dnrchgeführt ist.

Traurige Heimkehr.

Berlin, 1. Juli. (Privattelegramm.'! Die deutsche Friedensdestqatum in Versailles ist ge- 3». - .in Lrrl'.u tingetr-ssru. PUuisic . Dr. Bell verhieß in Ekberfeld den Smcherzug, nm sich nach Essen zu begeben. Reichsnüuister Müller setzst die Reise nach Berkin fort. Die Fahrt selbst ist ohneZwischeitsall verlaufen. Nur frei Comptsgne wurden die Insassen des Son­derzuges durch einen kleinen Knall aufgeschreckt. ES konnte nicht sestgestellt werden, ob es sich mn einen Stein, oder ob es sich um ein Feuer­werk (?i gehandelt habe. Mt der Krstdensdele- S sind auch die Pressevertrestr aus Ber- m Berlin eingetroffen.

Wilson nimmt Abschied.

Amsterdam, 1. Juli. (Privat-Telegramm.) Präsident Wilson hat sich gesttrn in Brest an Bord des DampfersGeorge Wafhnrgton" nach Amerika eingeschtfft. Zur Abfahrt von Paris waren Ctemenceau, der Kammerpräsi­dent, sowie eine große Anzahl von Miniistru und Vertretern der Friedenskonferenz erschie­nen. Poincars tmd Wilson unterhielten sich vor Abfahrt des Zuges auf dem Bahnsteig.

Die Aufhebung der Blockade.

Genf, 1. Juli. (Eigene Drahtnreldung.) Parifer Blätter melden, daß die A u f h e b u n g der Blockade gegen Deutschland innner = halb zwei Wochen erfolgen wird, voraus­gesetzt, daß bis dahin die Nationalversamurlung in Weimar den Friedens vertrag angenommen hat. Dem Züricher Anzeiger zufolge liegen in der Schweiz für mehr als vierhundcrtfunfzig Millionen Franken Lebensmittel und Rohstoffe zur Auslieferung nach Deutsch­land. Wan erwartet nur die BufhÄung der Btockade und die freie Einfuhr nach Deutschland.

Rem Barnten.

Große Krawalle in Bielefeld.

(Privat-Tekegramm.)

Bielefeld, L Fuli.

Zu schweren Ausschreitungen, die mehrere Menschenleben forderten, ist es am aeBritten Montag im Anschluß an die Lebens­mittelunruhen vom vergangenen Samstag ge­kommen. Von den Demonsstanten war eine große Abstimmungsverfammlung unter freiem Himmel einbcrufcn worden. Bon dem hier cinflctrcffcnen Reichskomurissar Severin« war diese jedoch verboten worden.- Ohne sich darum zu tümmern stürmte die Menge gegen einen auf dem Platze stehenden «euerwchr- übungsturm, wo das dort soeben postierte Maschinengewehr heruntergeholt werden sollte. Die in dem Turm sich festsevenden Männer der Mcherheitswehr warfen mm Handgranaten gegen die Menschenmenge, wobei fünfzehn Per­sonen verletzt wurden, darunter sechs schwer. Zwei sind ihren Berletzungen bereits erlege«. Gleichzeitig erzwang die demonstrierende Meutw die Freigabe der am Samstag ocrhaf- teten Rädelsführer. Sodann wurde die Sicher- tzeitswehr im Rathaus entwaffnet. DaS Rat­haus selbst wurde von der Arbeiterschaft besetzt. Hiernach bewegte sich her Zug zur Saserne. wo Uchkreiche GeDshee und Munition u t eie*.«» neunter ser D«wrntzraltsn verteilt uurr in. Schließlich ging es ginn Bahnllof. wo dir Ein­stellung des Lugverksfrr-5 erzwungen wurde. ReichskomEar Severing hat , Regterungs- kruppen aus Detmold zur HUfe berbeigerufeu.

Rach der llaterschrift.

Ausblicke in die Zukunft.

Don unserem Berliner Mitarbeiter erhalten wir »ie uaüifot^nd« Betrachtung zu» Lage nach der Untcrzrlchunng de« Frieden«.Vertrage» Die beiden Abgesandten des deutschen Vol­kes haben in Versailles mm auch die Unter­schrift uitter den schändlichen Vertrag gesetzt, der. uns r 'aner aufgeznmngen. Wie mag

es den Mir..,. zu Mute gewesen sein, als sie die Feder et. 'ert und im Namen des Reiches die Anerkennung der Bedingungen ans» drückten. Der Schlußstrich nntsr eine tausend­jährig«, ruhmreiche Geschichte nuferes Volkes und Vaterlandes ist nun gesetzt, das alte Deutschland begraben, eine neue Zeitepoche hebt an. Was uns beschieden ist, darüber werden wir uns alle ohne Unterschied wohl llar fein; w« kennen die Opfer, die wir bringen umssen, wissen, daß wir jahrelang in harter Fron für die Entente arbeiten Meissen. Es wird uns nicht leicht fallen, da wir von Grund auk wieder von vorn anfangen müssen. Aber trotzdem brauchen wir nicht zu verzagen! Wenn wir alle miseman» der restlos und rastlos unsere Pflicht tun, wer­den wir bald Herr unseres traurigen E-estyickeS werden und die Schwierigkeiten, die jetzt schier. nnüberwimÄich erscheinen, bezwingen.

Frieden! Wir alle können nicht froh werden über das Werk, das soeben auch von der deutschen Regierung anerkannt worden ist. Mtt bitteren Gefühlen müssen wir an di« Zeit, i-U hinter uns lieg:, zmLfldßskea. Unetcklich» bitter aber fällt uns die Enttäuschung, die wir durch den Schmachfrieden erlitten. Was hatte man uns verspfrochen: Recht und Gerechtigkeit sollt« auch uns werden, aber beides hat man- uns schnöde verweigert. Wo blieb Wilfong auf den das deutsche Volk feine Hoffnung ge­setzt? Welch grausame Ironie dieser Friede im Vergleich zu feinen vierzehn Punkten, die er im Angesichte der ganzen Welt feierlich ver­sprochen! ... Doch totr wollen uns jetzt nicht, in wilden Klagen ergehen, das Schicksal istj entschieden, und wir müssen nun sehen, wie wir feiner Herr werden, muffen an die Erfüllung! der Aufgaben gehen, die wir übernommen ha­ben. Die ersten Opfer, die wir in cllernächster Zeit bringen müssen, werden die schwersten fein. Millionen deutscher Brüder im Osten tmd Westen scheide« ans dem deutschen Staatsver-, band« aus, sie gehen in di« Fremde, unter an-- dere Herrschaft. Es fallt uns namenlos schwer, tonenLebewohl* zu sagen, einem jeden möch­ten wtt gern die Hand drücken und ihnen zu- ntfen:Auf Wiedersehen!" Wir erwarten, daß! ihr zu uns zurückkehrt. Dieser Verirag, der euch und uns schweres Unrecht zugefügt, kann nicht ewiger Dauer sein: die Geschichte muß eines Tages ein anderes Urteil fällen, und sie toirfr uns alle wieder in die Rechte entsetzen, die die entarte uns jetzt geraubt.

Mit der Unterzeichnung ist der Friedensver­trag noch lange nicht rechtskräftig gewor-^ den. Seine Bestimmungen rieten erst dann in Kraft, wenn der Vertrag von den Vocksverire- umgen der beteiligten Mächte ratifiziert wor­den ist. Bis dahin werden wohl noch Wochen und Monate vergehen. Ein eigentlicher Frie- densInstand bestell also jetzt noch nicht. Es ist auch schr fraglich, ob unsere Gegner vorher die! drückenden Maßregeln ansheden werden. Durch die englische Presse lief in diesen Tagen die Nachricht, daß die englisch« Regienmg mm die Anshebimg der Blockade vermckassen werde. Auf Grund des Vertrages können die Mächte mit Deutfchland wieder in Handelsbeziehungen ein- rieten, ohne die Zustimmung der anderen Alli­ierten einholen zu müssen. Wenn England jetzt an die Aufhebung der Blockade denkt, so ge­schieht das sicherlich anS selbstsüchtigen Inter­essen. Deutschland bat an allen Bedarfsartikeln Mangel, und ein jeder, der Ware entbietet, fin- det ent weites Absatzfeld. Die Neutralen war­ten mit Ungeduld darauf, mit uns wieder in Handelsbeziehungen treten zu können, aber die Entente hat vielleicht noch ein wett größeres- Jnteressc daran, den Verkehr mit uns aufzuneh- nten, da gewaltige Mengen in toten Ländern aiffgestapett liegen und auf die Ausfuhr nach Deutschland warten. VE den feindlichen Staa­ten hat jetzt jeder ein gesteigertes Interesse daran, den deutschen Markt zn erobern, und, wer zuerst erscheint, hat natürlich die größte^ Aussicht darauf, di« besten Geschäfte zu machen. Berat England als erste Macht daran geht, die Blockade zu lösen, f» geschieht das, um recht- zettig zur Stelle zu fein, und den anderen Wett­bewerbern, den Neutralen und den verbünde», ten Mächten, den Vorrang abzulaufen Un5j Deutsch 'n kamt die Aufhebung , der Blockade bestimm^.'gen nur wilktanmer sein, da sie tm5 endlich oie Mäglichkeit Dieter w rd. uns genü- gerrd zu versorgen, und unsere SJami, nach denen in der gan-cn Welt verlangt wird, ab- znsetzen.

Die uns am me llen beschäftigende Frage ist wohs die, warm x»ü die .tozutrrieuden Gc-