Rr. 168 ttteenter Jahr-«»-.
Kasseler Neueste Nachrichten
Betrage.
Mittwoch, 28. Stttti 1111
-er Meier Aufruhr.
Erörterung im Stadtparlament. Rechtfertigung der Stadtwehr.
Steffd, 24. Jmvi.
Nichts war sicherer voranszufchen, als ein LRderhall der Ereignisse der letzten Tage m Wm Ämle der Stadtv erord-neten-Verfammlung. Der stellvertretende Vorsteher. Geh-Rat. Dr. Harnier, leitete die Besprechung mit einem Hinweis ans die durch den Friedensschluß ge- gckbene ernste Lage ein und forderte zu brüderlicher Einigung im Inneren auf, dazu, em einig Volk von Brüdern zu fein, die Parteigegeniatze zu überwinden. Rur bei einmütigem Ztrsmn- menhalten kann eine Wiederholung so tief beschämender Ereignisse, wie der am Sommchend, Verhindert werden. Dann sprach Oberbür- aermeister Koch Danach waren es nicht Hunaerkrawtckle, denn die Bäckerläden und städtischen Lebensmittelgeschäfte Weben ungeschoren Di« Plünderungen stellen lediglich einen Ausfluß der so tief gesunkenen Moral dar. Eindringlich war seine Mahnung zum Kernbleiben der Bevölkerung von solchen An- fcmmti-itnflen. Je »afcher die Ordnung in unserer Stadt wieder gesichert wird, desto eher wird der Belagerungszustand, unter dem die Unschuldigen mit den Schuldigen zu leiden haben. wieder verschwinden. Die Oberbürgermeisterrede umschloß noch warme Dankesworte für alle an der Niederschlagung der Ausschreitungen beteiligten SicherhertSorgane, namentlich für unsere Stadtwehr. Nachdem der Demokrat Leineweber die herzliche Bitte ausgesprochen hatte, alle Kreise der Bevölkerung möchten durch gemeinsame Opfer die schwere Lage erleichtern, dankte auch Stadtv. Häring (Saz.) den Sicherheitsorganen. Die Szenen wi Sonnabend wurden vom Abschaum der Be- ^öQerint - verübt, der leider während des Krieges so i" v.ius zugen>ommen hat. Ohne Schie- nntgcit, Schleichhandel ufw. hätte diese Ver- iotteruug niemals so um sich greifen können, besonders schmerzlich ist die Teilnahme der «ugend. Die Wurzel dieser Vorkommnisse fei ^r Gegensatz zwischen Armut und rvxus. Das erklärt, warum nicht die nötigen Lebensmittel, sondern Luxus fachen geraubt runden, jene seltenen Waren in den Schaufeniern von Geschäften wie Klipperl und Lotter- noser. Alle Kreise der Bevölkerung hätten ich an den Ausschreitungen beteiligt. Unsere Sicherheitsmaßnahmen müssen ver- inheitlicht werden. Nur so läßt sich da«
Verbrechertum energisch bekämpfen.
Stadtv. Herb old (Dem.) bat den Ober- Ergermeffter. für Milderung der jetzigen Maßnahmen einzutreten. Es geht nicht an, daß xirt wo Kranke lagen, Kinder gestillt werden nutzten, der Ruf erklang: „Licht aus, oder ich schieße'.' Das wirkt erbitternd, das sind Ueber- ärisfe? Stadtv. Ball in (Dem.) seinerseits rsthtete die Frage an den Magistrat, wie er sich zur Frage der Entschädigung der Mtsge- Mnderten stellt. Es würde vornehmste Pflicht der Stadt seich wenigstens den existenzlos Geworrenen zu Hiche zu kommen. Oberbürgermeister Koch wagt zu hoffech daß der Delage- ruusSzustand schon nach wenigen Tage« aufgehoben werden kann. Er gab zu erwägen, daß eine militärische Schärfe unvermeidlich kst wenn sie herausgefordert werde. Rach dem geltenden Gesetz besteht ke ine Ent- fchSdigungSpflichl der Stadt für DUinUkkschäden. Do ist überall entschieden worden. Ein ReübsentschSdigungSgesetz. steht aber bevor und den Geschädigten sei anheimzustellen, abzuwarten, wie sich dieses kommend« Gesetz jteftaktet, bevor eS zu umständlichen Pro,Men knmnt. Und dann sprach der Stadlwehrkommandant Gellert, der übrigens demnächst Kassel verläßt. D« Stadtwehr kann «üt voller Befriedigung auf ihre TSttokeit zn- rstMRcken. Diejenigen haben am meisten geredet, die die Stadtwehr gar nicht kennen. Der totfru# «r Zahkunq von Beiträgen für die ge- nlanten TrenvrSmien hat bisher nur 9000 Mark erbracht, (Zurufe: HSrt! HSrt!> Am Sonn- Oatxto hatte die Dtadtwehr nur 120 Mann zur Verfügung, da bereits mit dem mählichen Ab-
den AufräumungSarbeiten entdeckte er in einer alten, zugefchütteten Gerbergrube nicht weniger als vierzig guterhaltene Rinderhäute, di« augenscheinlich seit langen Jahren dort lagen und vollständig in Vergessenheit geraten waren. Der vergnügte Finder macht mit den Häuten natürlich ein ganz ausgezeichnetes Geschäft; sie brachten ihm im Handumdrehen fast zwölftausend Mark ein.
Ans aller Welt.
GeschSste von heute!
. Ein Pirmasenser Händler steigerte tn der vorigen Woche am dortigen Bahnhof sechs- hutckertfiebzsg Kisten Apfelsinen Preise von fünf Mark die Kiste. Der gleiche Handl« gab an die kleineu Händler di« Kiste zu fünf« uUdvierzitzg Mark ab, das ist mit achthundert Prozent Nutzen. In zwei Tagen hatte der geschäftstüchtige Mann rund vierzigtausend
<yuv,
An diejenigen unserer auswärtigen Leser, denen die Beitune durch die Post zu- gestellt wird, richten wir die höfliche Bitte, die Neubestellung für das dritte Vierteljahr nicht zu verzögern, da sonst die Möglichkeit vorliegt, daß die Zeitung am ersten Juli nicht pünktlich weitergelieiert wird. Alle Briefträger und Post- anstalten nehmen Bestellungen aus die Kasseler Neuesten Nachrichten entgegen. An unsere vielen tausend Freunde in der Provinz richten wir die Bitte, die Kasseler Neuesten Nachrichten in Bekanntenkreisen zu empfehlen.
Aus der Heimat.
Die Bewirtschaftung der Ernte.
Der Rei.chsanzeiger bringt die Aendernngen der ReichsgetrerbeorSnuug für die kommend« Ernte. In der Hauptsache handelt es sich bei den Benderungen darum, daß die Bewirtschaftung hauptsächlich für Brotgetreide und Gerste fortan stattfindet, während von Hafer, Hülsenfrüchten und Buchweizen nur beschränkte Mengen für die Reichsgetreidestelle sichergestellt werden, dagegen die inländisch« Produktion von Mais, Wicken und Hirse ganz frei bleibt. Für Hafer. Hülsensrüchte und Buchweizen wird die Reichsgetreidestelle den Kommunalverbänden die von ihr gewünschien Mengen zur Lieferung vorschreiben, auch kann sie bei Hülsenfrüchten bestimmte Arten verlangen oder bestimmte Sorten ausschließen. Verträge, durch die die'Erzeuger sich zur Lieferung von Hafer, Hülsenfrüchten oder Buchweizen an Dritte verpflichtet hüben, sind insoweit nichtig, als dadurch die Lieferung der umgelegten Mengen unmöglich ist. Erzeuger, die infolge Abgabe von Hofer, Hülsen früchten oder Buchweizen cm Dritte zur Lieferung der umgelegten Mengen, nicht imstande sind, haben als Schadenersatz daS Doppelte des zurzeit "der Festsetzung geltenden Marktpreises oder, falls der von ihnen erzielte Verkaufspreis höher ist. diesen an die Reichsgetreidestelle zu zahlen. Verträge über Liese- rung von Hafer aus der Ernte 1910 dürfen vor dem 16. August 1919 nicht abgeschlossen werden.. Solche" Verträge, die vor Inkrafttreten dieser- Verordnung abgeschlossen wurden, sind nichtig.
* Treysa, 23. Juni. (Große Unsicherheit.) In der letzten Zeit mehren sich in der hiesigen Stad- die Diebstähle in besorgn fs erregend er Weise. Ans dem Laden des Rheinischen Kausbans es wurden für zwei- bis dreitausend Mark Lebensm-'ttel, Rauchwaren und Seife gestoih- len; beim Barbar Makovee wurde in den Keller eingebrochen; dem Bankvorsteher Andre ae war ein Fahrrad gestohlen worden. Nur in letzterem Falle ist der von auswärts stammende Dseb ermittelt und in Nummero Sicher gebracht worden.
* Treysa. 23. Juni (Beerdigung.) Dieser Tage wurde der im Alter Von sechzig Jahren nach längerer Krankheit verstorbene Apotheker Adolf Hilgenberg hier zur letzten Rübe gebettet. Der Verstorbene gehörte in früheren Jahren dem Magistrat an und hat sich um die Einrichtung der hiesigen höheren Schule verdient gemacht. '
* Heimbold-chansen. 23. Junt. (Streik im Kalibergwerk.) Der infolge Differenzen zwischen Dergwerksleitung und Arbeiterschaft aus den Kalibergwerken Heimboldshausen und Hattorf ausgchrochene Streik kann als beendet angesehen werden. Am Montag, den 23. dS. Mts., soll nach einem zweitägigen Streiken die Arbeit wieder ausgenommen werden, nachdem di« sofort ein geleitete Verhandlung eine Einigung herbeigeführt hatte.
* Widdersk-ansen. 23. Juni. (Schwerer Unfall.) Der 10jährige Schüler Georg Triefch- mann von hier geriet unter die Räder eines leeren Heuwacrens und zog sich derart schwere Verletzungen am Oberschenkel und am Kopfe zu, daß et dem Hersfelder Landkrankenhause zugeführt werden mußte.
* Heringen a. W., 23. Juni. (Besitzwechsel.) Der hiesige Gastwirt und Metzgermelster Ehrt- stoph Gunkel. Inhaber des Gasthauses „Zur i Posch, erwarb vas vor einiger Zeit von der Zinn'schen Brauerei erstandene Koch'sche Gafl» Wirtschaftsgebäude käuflich.
bau der Stadtwehrftärke begonnen worden war. Die Affäre am Sonnabend war eine wohlerwogene, planmäßige Arbeit einer Räuberband«, die sich nach Kassel geflüchtet hatte, um hier die Ruhe zu stören. Der große Alarm war gegeben, drang aber nicht durch, denn anstatt alle großen KrrchenOocken der Stadt anzuschlagen, geschah das nur bei der kleinsten Glocke der Martins- kirche. Die Stadtwehr trifft dafür kerne Schuld. Der taktische Plan, nach dem die Stadtwehr arbeitete, war, sich nicht nach dem offensichtlichen Willen der Unruhestifter zu zerstreuen, sondern alle Lebensmitteldorräte und öffentlichen Gebäude zu schützen und so Lebensmittelnöte zu verhüten. Das Garnisonkommando wurde ft ei- willig geräumt.
Die ftemden Rädelsführer hatten es auf vierzehn Schwerverbrecher im Gefängnis abgesehen. Geradezu heldenmütig wurde das Gefängnis gehalten. Wäre nur die Königstraße gerettet worden, hätten wir Größeres zertrüm- mern lassen. Wäre jeder Bürger Stadtwehr- mttcchied gewesen, hätte er sofort selbst zur Waffe greisen können. Tatsächlich-ist das Dur- gertum lau gewesen. Ins Bett nm nenn Uhr, wer nicht selbst binauszieht, die Ordnung aufrecht zu erhaltens Die große Sünde der Kasseler Bevölkerung war es. daß sie nicht von der Sttaße ging (Sehr richtig!), daß sie den Plünderern Hilfsdienste leistete. Am Bahnhof WilhelmShöhe wurden den Zurückflutenden soviel Waren abgenommen, daß zu ihrem Ab- ttansport ein Lastauto notweüdig war. Das fft mtt der Zweck des Belagerungszustandes, daß die geraubten Waren zur Sttlle gebracht werden. Ohne Schärfe geht das nicht ab. Der Abzug der 83er erfolgte, weil die Kasseler Be- vAkenmg sie nicht weiter ließ? Der Stadtwehr- kommaUdant schloß seine geschickt aufgebauten Darlegungen der Ereignisse und Rechtfertigung der Stadtwehr mtt der Mahnung zur g e m e i n- samen Arbett. Lebhafter Beifall wurde chm urteil Auch Bürgermeister Brunner erklärte alle in der Bürgerschaft umlaufenden Gerüchte für unrichtig. Der Vorwurf des Zuspätkommens und FalscheingreifenS ist ungerechtfertigt. Die Stadüvehr war da, wo sie notwendig war. Ihr gebühtt daS vollste Lob. Oberkuir- qermeister Koch machte dann die Mitteilung, daß der Befehl .Licht aus, Fenster zu!" nicht mehr ergebt und Sanitätsrat Dr. von Wald gab bekannt, daß ärztliche Ferngespräche — Anruf der Aerzte bei Krankheitsfällen — zulässig sind. Sie brauchen der Vermittelunqsftelle nur als solche kenntlich gemacht zu werden. An dieser Stelle noch eine Mahnung Gellerts: Niemand suche den Patrouillen gegenüber seinen Dickkopf durchznsetzen, sondern jeder meide die Straße und folge den Anordnungen, die jetzt gegeben werden müssen! H.
Mark verdient! An die Verbraucher wurden die Apfelsinen vom glsicken Händler zu vierzig fünfzig und sechzig Pfennig das Stück ab- gsgüben. Bei der Versteigerung am Bahnhof war aus den Kreisen der Keinen Händler, die nicht einen ganzen Wagen auf einmal erstehen konnten, beantragt worden, die Apfelsinen ,n Mengen von fünfundzwanzig Kisten anzu- bieten. Der aussichtführende Beamte lehnte jedoch den Anttaq ab. sodaß der W-.-en im oanren abgrug. wodurch es dem betreffenBen Großhändler ermöglicht wurde, auf Kosten der Allgemeinheit das Bombengeschäft zu machen.
* (Eine fdrwmTofe Denunziantin. Einem krie-gsverwundeten, in Langen ansässigen Offizier gelang es. ohne Wissen der stanzöst- schen Militärbehörde tti das vefetzft Gebiet einzureffen und sich bei seinen Angehörigen in Langen verborgen zu halten. Hiervon bekam Xe ebenfalls dort wohnende Sängerin Christine Feller, die früher in einem Frank- furter Kabarett änftrat, Kenntnis, und sie denunzierte den Ofstzier zuerst beim ftan- zöstschen Kommandanten und als sie feinen Erfcklg ihrer schamlosen Handlungsweise erblickte, schrieb sie an die ftanzösistbe Kommandanturbehörde in Groß-Gerau mft dem Erfolg, daß man den Offizier von seiner Familfe sort- brachte, die nun in völliger Ungewißheit über seinen Aufenthalt lebt und auf Grund ihr zu- geaangener Nachrichten, die allerdings unverbürgter Nawr sind, vermutet, daß er zu fünf Fahren Gefängnis verurteilt wurde,
* Schwabenpickver statt Kartoffelmehl Eine verhängnisvolle Verwechslung ereignete sich im Altersheim von Solna ht Schweden. Nach dem Genuss von Rhabarbersuppe wurde eine Anzahl von Insassen des Heimes krank, und drei von Amen, zwei Männer int Alter von 94 und 78 Jahren, sowie eine 71jährige Frau, starben am nächsten Tage. Die Untersuchung ergab, daß die neu eingettetene Köchin statt Kartoffelmehl Schwabenvnlver in die Suvve getan hatte, von dem ein Rest von einer früheren Gelegenheit her in der Küche g'ckbe- wabrt worden war.
* Nenzettlicher Tauschhandel Au,- Wien Wi7v geichrteben, In der ,Krems t Zeitung* ift folgend- intcressan!' Annonce zu lesen: Ziege, r-ichlich M'lck meft-nv lauf gegen Bumblunq oder gegen Tausch für fidtm^en dun Neu Friedensschafwollanzun tnittTtie Man' nergröße, gebrauchten Frauenpaketot und ein Paar H-:tenktvuh. 37er Größe Mar K. in Krems, Stadtplatz 6.
♦ Eme Laudetverräterin vor Gericht. D«s Bromberger Kriegsgericht berurt’iilte wogen Borbereittmg des Hochverrats und versuchten Landrsveria-s die 27jährige Kätner- tocht-r Eeeilre Daron aus Abbau Gorsin zu drei Jahren Festung Die Verurteflte, die ihren Wohnsitz nahe der Ostftont hat, ha' den Polen über die deutsche militärische Lage bet Neckel Nachrichten zukommen lassen.
♦ Der Schatz in der Gerbergrube. Ein Einwohner deS Ortes Sobernheim (Saargebiet) kaufte kürzlich ein kleines Grundstück mit einem alten, baufälligen Gebäude darmff. tn dem in früheren Jahren eine Gerberei beftie- hen worden war. Der Kaufpreis des Ob'ektes betrug achtzebntausend Mark. Der Glückspilz hat den Kauf nicht zu bereuen gehabt, denn bei
Alwin Rösner.
jch fcC achte zuseben.
auf die ihren.
.Ich will nur hoffen, Mama, daß du nicht zu berepen brauchst, was du getan hast. Es
vor sich, wie sie ttaurrg und verzogt fern Haus verlassen hatte. Wie mußte es in ihrer stete auKsehew! Er fürchte.«, daß feine Mutter sie reckt ungart entfernt hatte. Ihm war, als müsse er zu ihr eilen, sie trösten unü> beruhigen, ihr feine HLfe anbieten.
DaS sollte er tun?
Er hatte aus diese Frage noch kein« Antwort gestrichen, als chm ine Posttasche gebracht wurde, in der er Winnifteds Brief fand, den flt tn Hauwurg für ihn aufgegeben hatte.
Er öffnete ihn hastig und überflog den Jn- hokt. 9&S chreu Zeilen Aaubt« er enrnehmen zu können, daß er sich nÄht um ><e zu for*cn
?,u verrauschter Rosenzett; Laßt uns von Johannistagen Traumen, wo wft heitern Micks Rosen tn der Hand getragen Als em Zeichen höchsten Glücks! Brecht die schönsten, die zu staden, Des Verlornen liebes Bild Reich mit Rosen zu umwinden. Dem die Alle Wehmut gilt. ... ilnd wie auch die Stürme tosen. Dran der Grimm sich neu entflammt: ..Inter Sankt Johannis Rosen Hecktet ihm fein Toten amt.
du sollst es, soM begreifen, daß diese Bimtifrcb eine Gefahr für uns war. Ich habe Bitten einmal darauf aufmerksam gemacht, Onkel Rudolf eine beängstigende Vorkiebe dieses Mädchen an den Tag legt. Sie mußte aus den Augen, damit er sie verg-ßtck
Lutz sah sie mtt einem fast drohenden Süd «tu
Deshalb hast du Wftimfted fortgeschickt? Rur, um sie aus Onkel Rudolfs Nähe $n
St mir nicht zu, dir Vorwürfe t machen, auch rde dadurch nichts mehr geändert. Billigen kgnn ich nicht, daß du Winnifred weggeschickt hast. Ick sage dir nochmals: Bau« mcht zu> fest auf Onkel Rudolfs Erbe. Er kann seinen B^itz vermachen, wem er will."
.Nein, daS kann er eben nicht. Ach werde1
schneite Mädchen uns um unsere Erbanssichten bringt
Lutz fach seine Mutter seltsam an Es schwebte ihm ans de« Lippen, ihr zu sagen, daß sie sich keine Hosfmmg auf das Erbe machen dürfe, daß Onkel Rudolf anders darüber verfügen würde. Aber er sprach es nicht aus. Innerlich mutzte er sich plötzlich fragen, ob Onkel Rudolf wohl Winnifred gemeint hatte, al? er von einem anderen Erben sprach. Wenn da? der Fall war, wie mußte es dann auf den OnkÄ wirken, daß man Winnifted von Berndorf entfernt hatte!
Ohne auf die Frage seiner Mutter zu antworten, fragte Lutz rauh: .
.Was sagt Onkel Rudolf dazu, daß Wmm- fted fort ift?*
.Er weiß es noch nicht Ich wollte es chm bei seinem für gestern angesagten Besuche Herdringen, aber er teilte mir mit. daß er einige Zeit in Geschäften verreisen müßte.*
In Gedanken versunken, starrte Lutz vor sich bin. Dann stieß er plötzlich eine hastige Entschuldigung hervor und ging httrans. Er war nicht rrnstand«. dies Thoma langer mtt ferner Mutter z« besprechen. Ruhelos ging er aus seinem Zimmer auf und ad. Seme Gedanken weilten bei Winnifred, nicht bei seiner Brant,
Was sie von dem ftemden, gütiosm Einfluß schrieb, erschien ihm wie eine Bestätigung seiner heimlichen Ahmmg, daß Onkel Rudolf dre Hand im Spiele hätte. Vielleicht wußte er nm ihr Beginnen, ohne daß es feine Mutter ahnte. Vielleicht batte er es verhindert, daß Winnifred die Stellung annahm. Diese Vermutting be- rrthigte ihn wunderbar. Und noch eins nahm das rätselhafte Dangen um dieses Mädchen aus seiner Seele — das waren ihre Worte bezüglich eines Wiedersehens. Ihre Hoffnung teilte fick ihm mit. Ihm war. als fei es gar ruckt möglich, daß Winnifted spurlos aus seinem Leben verschwunden sein könne. Und der innig« Wunsch lebte in feiner Seele, daß Onkel Rudolf sich tatsächlich ihrer angenommen hätte. Er wurde in seiner Vermutung noch durch dessen Reffe bestärkt. Es geschah so selten, daß die- fet sich aus Wittenau entfernte, und wenn es einmal nötig war. kostete es ihn immer einen schweren Enffchkuß. Vielleicht war er Winni- fred nach Hamburg gefolgt, um ihr Schicksal in irgend einer Weise sicherzustellen. Vielleicht! brachte er sie gar nach Wildenau rurück?
Dieser Gedanke hatte etwas Befreiendes für; ihn. Er wurde viel ruhiger über Winnifteds i Schicksal und sah mtt Ungeduld einer weiteren ■ Nackrickn von ihr entgegen.
Natürlich beschloß er, ferner Mutter nichts ’ von WinwiftedS Briefe zu sagen.
MS et später bei Tisch wieder mtt seiner । Mutter zusammentraf, war er ganz ruhig. Sie! sah ihn ftagend an.
„9hm, Lutz, hast du dir überlegt, daß ich reckt und auch tn deinem Interesse gehandelt habe?*
Er heftete sei *e Augen mtt ernstem Ausdruck
W Wie Wne.
67t Roman t»«n M. Sirfner.
Ste richtete sich schroff empor.
,Wft konnten sie nicht mehr gebrauchen, da sie sich nicht nützlich machen durfte. Jetzt, da du «och eine arme Frau heimfiihren willst, die noch dazu ziemlich anspruchsvoll zu sein f*ehrt, wird «8 noch knapper als sonst zirgehen. Du hast ia keim Ahnung, war ick für Sorgen habe.*
Seine Lippen zuckten.
„Diese Sorgen werde ich dir letzt abnehmen, Mama.*
Sie lachte bitter ans. , , .
„Abnehmen k D» haft mft noch em gutes Teff mehr aufgepackt. Ick wußte fthk gut ich tat, als ich Winnifted von Berndorf ent-
« __ _»
„Da hätte sich doch ein ander« Au«veq finden lassen. Ich bin überzeugt, bei Onkel Ru- dokf würde Winnifred sofort Aufmchme Pfunden haben, wenn du ihn dar^a gebeten hättest*
Sie mochte eine bezeichnende Gebärde nach der Stirn.
^Traust du nrir wirklich eine solche Unklug- Wft Lutz? Du lüft dochimO« «*«’ mftrfttger, als ich eS ffir möglich ütett*
Gr kau sie «roß an.
verstehe dich nicht — will dich nicht
ihn beim Wort nehmen. Als er es deinem Vater gab, da gab er es indirekt auch uns.*
„Das Versprechen wurde ungültig, als Vater starb.*
„Das ist deine Ansicht, aber nicht die meine. Ich würde jedenfalls jedes Testament anfechten, das uns nicht zu seinen Erben einsetzt. Wenn er sich verheiratet hätte und natürliche Erben besäße, wäre das etwas anderes. Dann hätten ihm seine Frau oder sein« Kinder näher gestanden. Aber da er Witwer geblieben ist und keine näheren Verwandten bat als uns, fft es sozusagen seine sftkickt, uns zu seinen Erben einziffetzen. An diese Winnffred hat kein Menfch gedacht. und ich wäre eine Törin, wollte ich zusehen, wie sie sich bei Onkel Rudolf ein. schmeichelt.* lForffetznn« folg«)
Johannistag.
Wieder steht die Welt in Rosen, Hold verströmend süßen Hauch;
Doch auf so viel pflegerlosen Hügeln blüht kein Rosenstrauch. . A Hügel, die der Haß umlauert, Ter den wilden Htteit erzeugt, Unversöhnt, ob Deuffchland trauert, Auch von Leid und Gram gebeugt.
Laßt der Teuren uns gedenken,