Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Ti- Raffelet Neues en Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zir abends. Ter LdmmementrpreiS betrögt monatl 135 Mar! bei freier Zustellung tuS Haus Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommeu. Truckerei, Verlag und Redattwn: Schlachthofstratze 28/gO. Mr unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewahr in reinem 7taff# übernehmen. Rückzablung des Be-ugkzetd-r oder Ansprüche wegen envaiger nicht ordnungSmädiger Sie'erung ausgeschlossen

Hessische Abendzeitung

JnsertiovSvretse: Die slebengekpaltete Zeile für einheimische Geschäfte 30 Big., für au«, wattige Anzeigen 35 Pf. ReNamezeile für einheimische Geschäfte 75 Pf für auswärtige Geschäfte l Mk. Einfache Beilagen werden mit 5 Aiark pro Tausend berechnet, alles mit 50"/, Teuerw-tgs-Zuschlag. Bei Uebermittiung con Anzeigen auf teleph. Wege wird für durch Hör- fehler hervorgerusen-Jrrlümer keinerlei Haftung übernommen. Für die Aufnahme vonAnzeigen an bestimmten Tagen «der Plätzen wird z. Zt. keine Gewähr geleistet. Geschäftsstelle: -köln.Stc.5

Nummer 165.

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, 20. Juni 1919.

Fernsprecher 951 und 952.

9. Jahrgang.

in Weimar.

8Ntscheidmgi«Beimar

I« Erwartung des historischen Augenblicks.

Non unserem Weimarer parlamentarischen Vertreter wird uns geschrieben: Das politische Zeben Deutschlands befindet sich zur Stunde in der höchsten Spannung, die es jemals erlebt hat. Der große historische Augenblick ist ge- illMinen! Jener Augenblick, in welchenl die Entscheidung getroffen werden soll übe;.- Wohl und Wehe des 6S-Milltonen-Volles de- Deut­schen Reiches. ,

Ju Weimar, welches in diesen Tagen von wärmender Vorsommer-Sonne liebend umrost wird, rollte das Schicksal. Die sämtlichen po­litischen Acmter des Reiches sind dort versam­melt. Im Schlosse, in dem die Ministerien Quartier haben, und kn der Nationalversamm­lung, dem Heim der deutschen Volksvertretung, herrscht Hochbetrieb. Die deutsche Fricdens- delegLtion, unter Führung des Grafen Brock- dorff-Rantz.au, ist eingetroffen, in ihren Händen HW sie das wichtigste Schriftwerk, das je einer deutschen verantwortlichen Regierungsstelle zur Beurteilung und Entscheidung vorlag. Und dazu noch zu einer Entscheidung innerhalb fünf Tagen! Kein Wunder, daß alles im Banne des Großen und der furchtbaren Schwere des Augenblickes steht. Das drückt sich aus in dein, bewegten Leben, das sich in den Sälen und Zimmern des Schlaffes, wie in den Räumen der Nationalversammlung entwickelt. Die Minister, die Staatschefs, die Regierungstommifsare, die Parteiführer ufto. halten unablässig ihre Be­sprechungen ab. Nach Eintreffen des Grafen Drockdorff-Rcurtzau fetzt sich das Kabinett zu einer vielstündigen Sitzung in jenem kleinen, aber schmucken, in Gold «nd Rot gehaltenen Zimmer des Weimarer Schlosses zusammen, in welchem schon so mannigfache kritische Phasen nach revolutionärer Politik sich abwickelten. Die bange Frage: .Ja oder Nein- steht nun­mehr in ihrer ganzen unnennbaren Gewalt, in ihrer furchtbar für Geschlechter hinaus entschei­denden Bedeutung vor «ns. Und jetzt, da dies der Fall ist, da wir klipp und klar Antwort .geben sollen, da mit der Uhr in der Hand auf den eigenen Urteilsspruch von unerbittlichen Gegnern geharrt wird, jetzt auch wird wohl so mancher den Ernst oes Augenbkickez so ganz inne werden, der ihm vielleicht in gutgläubigem Optimismus bisher trotz allem noch nicht so »recht aufgehen wollte!

In Weimar vollzieht sich nunmehr eine ge­schichtliche Entscheidung, von velcher Leben und Eristenz von 65 MMonen deutscher VoWge- mossen und nicht nur von diesen, sondern auch von den Millionen nachgeborener Generationen Mbhän-gt. Solche Entscheidungen sah noch keine Stadt deS Deutschen Reiches, solche noch kein Volk der Erde! Unterdes rollen die Würfel! Es ist nun natürlich, daß der erste Eindruck -der Entente-Antwort in den Reihen der Parla­mentarier, wie der Regierungsmänner ein rm- gemein niederdrückender war. Man empfindet Heu Torr diese- Dokumentes als herausfordernd ?ttrtb beleidigend zugleich. Die Note selbst kenn­zeichnet sich in allen ihren Punkten im Grunde ät3 nichts anderes, als dm Ausdruck einer un- geheuren Angst vor der wirtschaftlichen Wieder­erstarkung deS Deutschen Reiches, wie überhaupt der ganz« Friedensvertrag daraufhin abge­stimmt ist, mit allen nur irgend möglichen Mit­teln die deutsche Konkurrenz aus dem Welt- marlte ein- für allemal auszuschalten.

Einen ungemein schweren und tragischen Schluß wird in den nächsten Tagen Weimar zeitigen müssen. Aber wie die Würfel auch fallen mögen: Der Geist, den dieses neue En- teutedokumcnt atmet, ist nicht der Geist der Friedfertigkeit, der Versöhnlichkeit und des Entgegenkommens, der allein imstande wäre, den Dau der neuen Welt zu sichern. Die Na­tionalversammlung tritt wahrscheinlich am Frei­tag zu einer Sitzung zusammen, in der die Stellungnahme der Regierung bekanntgegeben wird. Wie wir hören, wird das Ministerium nochmal- versuchen, mit der Entente zu Ver­handlungen «t kommen. Von einer direkten Antworterteilung ist also vorläufig noch nicht die Rede. Allgemein nimmt man an, daß neue Vorschläge gemacht werden, um die Gegner zum Entgegenkommen zu veranlassen. Ob die Regierung aber hietmit Erfolg haben tzuird, ist mehr als fraglich.

Teilweise Miuisterkrisis?

Weimar, 19. Juni. sPrivattelegvemrm.) Weite parlamentarische Kreise rechnen, falls die Uationalversammlmrg in der Friedensfrage ein zustimmendes Votum fällt, mit einer Regie­rungskrise. die allerdings nicht vollständig sein, sondern partiellen Charakter tragen wird. Man nimmt an, daß dl« Minister Graf Brock, dorff.R antzau. Landsberg, David, GieSbertS und Scheidemann für di« Unterzeichnung des Friedensvertrages sich nicht her geb en werden. Für den Posten

des Ministerpräsidenten hört man bereits schon die Namen Erzberger, Noske und Hermann Müller anssprechrn. Die Sitzung des Reichs- kabinetts, die um vier Uhr unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten wieder ausgenommen wurde, dauerte um Mitternacht noch an. Ber- mutlich toirb sie sich noch auf einige Stunden mlsdehncn. Es besteht die Absicht, rroch heute imcht zu einer abschließenden Entschei­dung zu gelangen, doch ist es noch keinesfalls sicher, ob sie veröffentlicht werden wird.

zwischen Fa «nd Rein?

Die Delegation für Ablehnung. (Telegraphische Meldung.)

Weimar, 19. Juni.

Die Delegation l>at einstimmig be- schloffen, den Friedensvertrag abzu­lehnen. und hat diesen Standpunkt in einer Denkschrift dem Kabinett unterbreitet. Der Auf­fassung der Delegation haben sich auch die S a ch- vcrständigen angeschloffen. CBet dieser Nachricht handelt es sich nur um die deutsche Delegation und noch nicht um die endgültige EntscheÄmng der Reichsregierung. D. Red.)

Gothein lehnt ab.

Weimar, 19. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) ReichSschatzMkNifter Gothein hat an die Reue Freie Presse" ein Telegramm gerichtet, das das Blatt mit dem Titel .Verweige­rung der Unterschrift" veröffentlicht. In diesem Telegramm heißt es: Wir können diesem Vertrags unsere Unterschrift nicht geben. Wir werden der weiteren Besetzung des Landes keinen Widerstand entgegensetzen. Wenn die Feinde versuchen werden, aus unserem Lande herauszupreffen, was wir ihnen nach dem Frie- dmsvertrag leisten müßten, so werden diese Versuche auf alle Fälle scheitern.

Clerneneeaus Entschuldigung.

Versailles, 17. Juni. (Privattelegramm.) Die Note Clemenccmrs über die Vorgänge in Versailles an den Vorsitzenden der deutschen Friedensdelegation, Reichsminister des Aus­wärtigen, Grafen Brvckdorff-Rantzau, hat folgenden Wortlaut: .Herr Vorsitzender! Ich habe erfahren, daß im Augenblick der Ab­reise der deutschen Delegation aus Versailles gestern abend Zusammenrottungen tzn den Tü­ren ihrer Residenzstätte stattgefunden haben, und daß dies lärmende Zwischenfälle zur Folge ge­habt hat. Ich beeile Mich. Ihnen mein vol­les Bedauern wegen dieser verurtei­lenswerten uftb den Gesetzen der Gast­freundschaft in so ärgerlicher Weife zuwiderlau­fenden Geschehnisse ausznd rücken. Diese Kund­gebungen waren nur infolge der Abwesenheit einer Anzahl von Polizeibeamten, di« aus Gründen der öffentlichen Ordmmg in der Um­gebung von Versailles an eine andere Stelle beordert worden waren, möglich gewesen. Der Präfeft des Departements Serne-et-Oise wird Herrn von Haniel seine Entschuldigungen Vorbringen und wird, wie auch der Polizeikom­missar, seines Amtes enthoben leer Sen, da sie die Ordnungsmaßnahmen, di« ihnen an empfoh­len waren, nicht getroffen hatten. Genehmi­gen Sie, Herr Vorsitzender, den Ausdruck mei­ner ausgezeichneten Hochachtung.

(gez.) Clemencea n."

Kritik Wilsons.

Basel, 19. Juni. (Eigene Drahtmekdnng.) Die Baseler Nationakzeitung meldet aus New- hork: Wilson wird von außerordentlich vielen Seiten stark kritisiert. weil et die Einhaltung der vierzehn Punttr nicht durchgesetzt habe. Die Wochenschrift «New Politiken" veröffentlicht einen auffallend scharfen Arttkel in diesem Sinne. Ändere Blätter kritisieren gleichfalls die Halftmg Wilsons in besonders heftigem Tone.

e

Die französische Presse.

Versailles, 19. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Di« Pariser Presse bringt mit fast gleichlauten­den Worten eine kurze Beschreibung des Zwischenfalles vom 16. Juni und hat setzt endlich die Erlaubnis bekommen, auf die groben Ausschreitungen näher einzugehen. Sie werden allgemein als Bruch der Gafffreund- fthast bezeichnet. Die Note Clemenceaus, in der auf den deutschen Einspruch gegen die Vorfälle erklärt wird, daß die Manifeftcäwnen nur mög­lich waren, weil eine Anzahl von Polizeibeam­ten aus dienstlichen Gründen abwesend war, und in der das Bedauern Elemenceaus ausge- sprochm wird, mit dem Hinznfügen. daß der Präfeft Chaleil und der besondere Kommissar Oudaille ihre? Amr«S enthoben werden, wftd in allen Blättern offiziell veröffentlicht. Die diplomatische Seite des ^ftvischarfalles tonnte

damit eine gewisse Erledigung gefunden haben, nicht die andere, daß bewiesen worden ff:: Ver­sailles ist kein Ort, in dem eine ruhige Frie­densaussprache möglich wäre. Das türkische Memorandum, das vorgestern vordem Rat der Zehn überreicht wurde, wird in der Presse mit auffallend freundlichen Worten be­grüßt. L'Ocuvre nennt es eine Verteidigung, die durch ihre Einfachheit rührend wirke.Ter Schluß des Großwesirs ist der, daß Gerechtigkeit und eigenes Interesse die Aufrechterhaltung des ottoManifchen Reiches unter Vorbehalt gewisser Garantien anempsehlen, und wir glauben, daß er recht hat." Die ftanzösiscke Presse vertritt im allgemeinen den Standpunkt, daß Deutsch­land doch unterschreiben werde, da es ioisse, daß ein Abbruch der Verhandlungen kei­neswegs mildere Bedingungen erzielen würde, und daß die sofort eiusetzende Blockade und die Besetzung des Ruhrreviers nicht nur rein wirt­schaftlich, sondern^ vor allem innerpolitisch eine Katastrophe bedeuten würde und das; gewaltige Umwälzungen dadurch eintreten würden.

Macht Italien mit?

Bern, 19. Juni. (Privat-Telegramm.) Wie aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, ist es unzweifellfaft. daß Italien auf kei­nen Fall bei einem Wiederaufleben deS Krir- des in deutschfeindlichem Sinuc mitwirkt.

*

Französische Vorbereitungen.

Mannheim, 19. Ium. (Eigene Drahftncl- dung.) DerMannheimer Generalanzeiger" meldet: Während des gesttigen Nachmittags sind auf allen Zufahrtsstraßen nach Ludwigs- Hafen sowohl als auch narb Nkundenheim und nach Oggersheim unausgesetzt Truppenbe­wegungen erfolgt. Die Truppen sind teils mit klingendem Spiel in Ludwigshafen einmar­schiert. Nachmittags rückte eine große Kraft­wagenkolonne m Ludwigshafen ein. Auffällig ist, daß sämtliche schwarzen Truppen sowohl aus dem Mannheimer Hafengehiet als auch aus LudwigSbasen zurückgezogen sind. An ihre Stelle traten weiße Franzosen. Seit gestern sind auch siamesisch« Truppen eingettoffen.

»

Die Stimmung der Fraktionen.

Weimar, 19. Juni. (Privattelegramm.) Der Weimarer Vertreter derFrankfttrter Zeitmrg" meldet: Sieht man von der äußersten Lin - l en und von der äußerÜen Rechten ab, die ihre Stellung bereits festgelegt haben, die' ehren für die unbedingte Annahme und die an­deren für die unbedingte Ablehnung, so sind die Stimmungen und Meinungen in den Frak­tionen geteilt, ebenso wie sie auch unter den Mitgliedern des Kabinetts nicht einheitlich sein dürfte. Bei den Demokrateu scheint der größere Teil der Fraktionsmitglieder an dem früher bekannt gewordenen ablehnenden Standpunkt festhallen- zu wollen. Im Zen- rrum kämpfen verschiedene, durch bekannte Personen nach außen bin vertretene Richtungen miteinander, imd auch in der Sozialdemo­kratie läßt sich zurzeit eine einheitliche Stim­mung noch nicht erkennen. Soviel scheint aber seftzustehen, daß die einzelnen Mitglie­der durch einen Fraktionsbeschluß nicht ge­bunden werden sollen. Die Verantwortung ist so groß, daß man der Auffassung ist, jeder Einzelne müsse sich vor seinem Gewissen fragen und Parteiprogramm und Parteibeschlüsse könn­ten niemand davon entlasten, sich in ernster und reiflicher Prüfung ein eigenes Urteil zu bilden.

Sperrung der Lebensmittel.

Rotterdam. 19. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Sekt gestern sind die Lebensrnittel,«, fuhren von Holland nach Deutschland endaültta eingestellt worden.

Der Weimarer Putsch.

Weimar, 19. Juni. (Privattelegramm.! Pa­trouillen. aus der Umgebung herangezogene Kavallerieabteilungen und Regierungsmttomo- bile durcheilen die Stadt, um die Häuser nach Gefangenen abzusuchen. Ein Teil konnte be­reits wieder ausgegrrffen werden. Im übrigen such die Reaieruugstrupprn volliünwig Herr der Lage. Vom Landsägerkorps wur­den zwei Mann, von den aufgegriffenen Ge­fangenen vier Mann verwurtdet. Die Un­tersuchung hat ergeben, daß es sich um em Planmäßig vorbereitetes Unter­nehmen der Kommunisten gehandelt hat, die Weimarer ReichSregrerung durch einen Handstreich aufzuheben und nach Gotha «t bringen, worauf eine kommn- nifirsche Regierung für das Reich in Weimar eingesetzt werden sollte. Gothaer Regie- rungskreise sind in den Hochverrat ' -rwickrlt und Verhaftungen stehen bevor.

Rarrensplegel.

Merkwürdige Begründungen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Versailles, 18. Juni.

Die Aniwortnote der Entente leistet sich un­ter aneerent folgende Sätze:

Eupen und M a l m c d p : Diese gehören zwar seit 1814 zu Preußen, die wallonische Sprache hat sich zwar nur bei ein paar Tau­send Menschen erhalten, aber das Land ist ein« Angriffsbafis gegen Belgien" geworden. Strategische Linien führen hindurch". Demnach rst die Vereinigung dieses Landes mit Belgien gerechtfertigt.

Das Saar gebiet: ...Den Einwoh­nern wird der Gebrauch ihrer Sprache gelassen "

Elsaß - Lothr i ngen :Tie Ungerech- ttigsett, es sind Mnfzig Jahre her, hat bestanden in der Annexion französischer Erde .. Die historischen rutd sprachlichen (!) Gründe, die Deutschland wieder einmal vorgehracht hat, werden von den alliierten und assoziierten Mächten förmlich be(triften und ändern nicht! ihren Standpunkt." ?

Oesterreich: Drei ganze Zeilen. Kein Wort über das angerufene Recht der Völker auf Selbstbestimmung. Drei Zeilen!Die Mächte nehmen Kenntnis von der Erklärung, nach der Deutschland versichert, daß es die Absicht, die deuksth-österreichifche Grenze mit Gewalt zu verändern, niemals gehabt hat, noch haben wird."

Polen:Der Raub der westlichen Provin­zen Polens war für Preußen eins der haupt­sächlichsten, Mittel, durch die es seine militärische Mache errichtet hat. Die Pflicht (die Ungerech­tigkeit gegen Polen wieder gntzrrmachen) haben, die Alliierten ohne Unterbrechung während de» ganzen Krieges verkündet", namentlich zu der Zeit, in. der sie noch Rußlands Verbündete wa- re» und die Polen ftir revolutionäre Narren erklärten. Im übrigen wird behauptet, wir hätten zum Beispiel Bromberg germanisiert, das historische Recht wäre auf feiten Polens. Und Elsaß-Lothringen?

Oberschlesren: Auf der nächsten Seite der Antwort steht tatsächlich:Es ist wahr, daß diese Gebiet- nicht zum Königreich Polen gehört haben, aber es gehört zu demselben nach dem Recht der Prinzipien des Präsidenten Wilson." Für Bromberg und Schneidemühl kein Recht auf Selbstbestimmung, sondern historische pol­nische Rechte, für Oberschlesien das Recht der Bevölkerung. Tatsächlich, so steht es auf zwei aufeinanderfolgenden Seiten.

O stp r eu tz e n :Weil man eigentlich Zwei-, fet über die Shmpathien der Einwohner (in den Grenzgebieten) haben kann, hoben die Alliierten di« VoWabstimmmlg in diesen Gebieten be­stimmt."

Danzig:Als Danzig noch zur Hansa ge­hörte, befand es sich außerhalb der politischen Grenzen Deutschlands und prosperierte". Als Parts noch zum Reich Karls des Großen ge­hörte, war es ein Bestandteil des germanischen Reiches und bat sich sehr wohl dort gefühlt.

Die Kolonien:Im deutschen Reichs­tag sind Klagen über die deutsche Kolonialwirt- schast von Noske und Erzberger vorgebrachck' worden." Das tragische Schicksal der HereroSk Uefrer die belgischen Kongogreuek hat ja nie­mals eine Debatte staftgefUnden, und über di« ftrrchtbare Niederschlagung des indischen Auf­standes durch England ist ja niemals ein Wort der Empörung durch die Welt gegangen, und dir Taufende von Burenfrauen, die in Kon-, zentrationslagern starben, starben aus Begeiste­rung für England!

Seite auf Seite: ein Rarrenspirgel. Seite auf Seite: ein Dokument mensch­licher Kleinheit «nd Torheit.

__ r*

Die Gefangenen in Rußland.

Weimar, 19. Juni. (Eigene Trahtmelduntz.) , In den Nächsten Tagen wird den alliierten Regierungen m Spaa eine deutsche, Bitte überreicht werden, die sich mit dem Schicksal unserer Kriegsgefange­nen in Rußland beschäftigt. In Rußünd hatte Deutschland hunderttausend Kriegsgefan­gene, von diesen sind während der KriegSgesim. genschast vierzigtausend verstorben und dreißig, tausend entflohen. In Sibirien befanden^ sich noch siebemmdzwimtzigtausend Kriegsgefan­gene, von denen nur zwermidzwanzigtäuseNd Mann in RamensregMern aufgenommen wovs bat sind. Da» Schicksal dieser Kriegsgefangen not zu erleichtern und M verbessern, ist eine- Aufgabe der kulturellen Wett, nm sie so rasch, wie möglich auS ihrem Elend zu befreien. Roch, Angaben de» dänische« Roten Kreuzes fiw neunzig Prozent erkrankt. Di« einzige HLfei wäre, daß uns die Engländer oder AarerSaners eine Anzahl Holpitalschiffe zur VerMgimg stell len, um bre Unglücklichen heimrtansportieren W- tonnen. Aber die Entente leimte es öWirr ab,! irgend welche Schiffe zur Verfügung zu still