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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 157

Mittwoch, 11. Zuni 1919

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9. Jahrgang.

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Die Antwort von Versailles Ende der Woche

itt eine unbefangene Untersuchung

Sttferttonepretfe: Tie fltbengetpatttte Zell« für rtnbetnttfcbe »«schift, so Pfg, für an«, märttae Sötjelg«n 36 Pf. Rtflamewtle für ei»h«imifch« »«schüft, 75 Pf, für atrtroärttge S«schäft« 1 Mk. Sillfache Beilagen roerbte mit 5 Mark wen Zaufenb berechnet, alle« urtt 60°/, T«nerm,g«.Auschlag. Bei neberetittümg von «neeigen auf teleph. Weg« wird für dnrch Hör- fehler hervorgemf ene Irrtümer keinerlei Haftung übernommen. Für dl« Aufnahme vonAn,eigen m bestaunten Tagen ober Plätzen rotrb Zt. keine Sewühr geleistet. Geschäftsstelle: Röln-Str. 5

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Sie Meinische Republik.

Di« Mainzer Ttadtverwaltun«.

. _ _ (Privat-Telegramm.)

Mainz. 10. Juni.

Die Bürgermeister und die Führer der Stadtverordnetenversamm- luna lieben dem General Mangin erklären, daß fte die rheinische Republik nicht anerkennen würden. Mangin nabnr diese Erklärung mr Kenntnis, verbot aber die Ver- öffentlichuna der Entschließung. Die Tagesord­nung einer Stcchtverordnetenversammlung. in der zu dieser Frage Stellung genommen wer­den sollte, wurde nicht genehmigt. Mifttör- auto'nobile durchfuhren am Freitag und SarnL. tag Rheinhessen und warfen in den einzelnen Orten Flugblätter ab, in denen Dorten seine @taat»gtitubtma jchmackbast mache« sucht.

dem großen deutschen Mutterlande. (Lebhafter Beifall.) Die Entente verfügt über die Macht« mittel. uns pi zwingen, jeden Frieden zu unterschreiben, wie es ihr beliebt. Mer em Friede, wie er dem Vertragsentwurf entspricht, wäre kein Frieden.

Am Schluffe der Sitzung stellte Präsident Seitz fest, daß aus den Erklärungen aller Red­ner hervorgohe, daß ganz Deutsch-Oesterreich mit dem Staatssekretär darin übereinstiimne, daß der Friedensentwurf unerträglich fei und erklärte: Wir hoffen, daß es den Unterhänd­lern gelingen wird, dir Bedingungen zu mil* dein. Sollte es »her nicht gelingen, so möge die Welt wissen, es stirbt kein Volk, auch nicht 'das Volk Deutsch-Oesterreichs. (Stürmischer: Beifall.) Man tarnt ein politisches und soziales Chaos schaffen, in dem alles untergeht, was wir an Kultur und Werten besitzen, daran wer­den wir aber nicht allein leiden und nicht für immer keiden. Wir werden uns wieder er­heben zu neuem Leben und uns angliedern als freier Staat in etc große deutsche Republik. (Langanhaltender Beifall und Heilrufe.) «

Deutsch-Oesterreichs Bankerott.

SBien, 8. Juni. (Eigene Draihtmelinma.)'! Bte dteWierrer Allgemeine Zeitung" erfährt, madhter eine Sitzung der vereinigten Wiener Banken statt, in der einmütig der Ueberzeugung Ausdruck gegeben wurde, daß, wenn der den FrtedenSdelegierten überreichte Friedensvertrag «ttfiziert werde, der Staats- und Volks- bankerott uuvormetdlich würde.

Der ungarische Frieden.

Wie«. M. Short. (Eigene Drahtmeldung.)

Sie ZchrMrage.

(Drahtbevicht unseres Sonderberichterstatters.)

Versailles, 8. Juni.

Der erste Absatz unseres Gegenvorschlages en di« Alliierten beschäftigt M mit den Grund- Srn des Rechtsfriedens, kommt auf das Er-

Mt Deutschstmds an Wilson, den Frieden auf der Grundlage der vierzehn, Punkte vom achten Januar ISIS und de: spateren Kund- gedungen herbetzufübren, und stellt fest, daß meser Rechtsboden nicht ohne Bölkcrrechtsbruch verlassen werden kann. Die Miierten haben demgegenüber Mm Borwand für ihre scham­losen Bedingungen die Formel erkunden, Deutschland sei am Ausbruch des Krieges schuld, der Schuldige müsse be­straft werden, dieses Recht zu strafen sei unver­lierbarer. unabänderlicher Gewinn der Sieger und entspreche göttlicher und menschlicher Welt-- ordnung. In der Rote, mit der Deutschland

Daraus erhellt deutlich, wessen GeschLste die Herren Dorten und Konsorten betreiben. Es muß festqestellt werden, daß die Führer der rhei­nischen Zentntmspartei mit allem Nachdruck den hochverräterischen Bestrebungen entgegen­wirken. daß aber ein Teil ihrer Presse den Be­strebungen Dorlens not, Spielraum gewährt. Bor Ler Entscheidung.

Ungenügende Zugeständnisse.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 10. Juni.

Die hiesigen Blätter verzeichnen nach Ver­sailler MeldwWen die «enderungen, die voraussichtlich bei den Friedensbedingungen ge­macht werden sollen. Sie find ungefähr: Erne Höchstsumme für die Kriegsentschädigun. gen, die derMatin" auf zweihundert bis zwei- hmrderrsünfzig Milliarden (!) berechnet, «eine Modifikationen der Grenze irt Ober- schlesicn. in die Paderewski, der vom Rat der Vier gehört wurde, huldvoll eingewiMgt hat, oder (was von den nationalistischen Zeitungen heftig bekämpft, aber wahrscheinlich durchdrin­gen wird), Volksabstimmung in Ober, schlesien, endlich eine genauere Umgreif zung der Rechte der Commission des Re» paratwns, mn di« Besorgnisse DeutschlmwS zu zerstreuen. Für die weiteren Ostfragen, Danzig eingeschkosse«, ist eine neue Studienkom­mission geschaffen, zusammengesetzt aus Gene­ral Lsrond (Frankreich), Herd kam Btvrle» (Eng­land), Dr. Lord (Bereinigte Staaten). Das Saargebiet und die Besetzung des linken ;;T)ritatferS werden «ach der französischen Presse von den Aenderuugen nicht berührt. Bon der Ausnahme Deutschlands in den Völ­kerbund ist nichts zu finden. Wenn das wirk­lich die ganze«Zugeständnisse" sind, so liegt zum OpttmiSmus kein Grund vor, aber da noch eine ganze Woche lang beraten werden soll und die Stimmungen unter den Alliierten trotz der betonten Einigkeit häufig wechseln, ist es nicht ausgschlossen, dass noch einiges hinzukmnmt. Die «Vergabe der Antwort wird mm für Freitag, 13. Juni, festgesetzt. Dienstag wird der Dreierrat die Besprechung des Be» richtes Loucheurs über die deirtschen Ge­genvorschläge bezüglich der Entschädig««, g en beginnen. Der Bericht tritt für die sofor­tige FestsetzuW der Höhe gewisser Entschädigun­gen ein, während er für diejenigen Schäden, die nicht sofort bestimmt werden können. Fristen his zu deren Schätzung vnrschsägt.

schlugen, am 30. abends ist dieser Befehl schon muh Sibirien abgegangen.

Oesterreich hatte gegen Serbien acht Armee­korps mobil gemadrt, sechs Korps an der serbi- fckeu Grenze und das böhmische und mährische Korps, von denen das eine auch tatsächlich ar­gen Serbien angefetzt worden ist. Serbien batte fibi-fzehn -Divisionen mobilisiert Wollte Oester­reich einen schnellen Schlag tun, so war die Mobilisation von vierundzwanzig Divisionen durchaus in den Grenzen dieser militärischen Maßnahme gegen Serbieit. RuUand umchte daraufhin an« 29. (am 28. anaelüudigt) neun-- uuddretßrg Divisionen mobil. Am 31. Juli, zwischen acht und zehn Uhr, war die allgemein« Mobilisation in Oesterreich befohlen, das heißt, es standen jetzt gegenüber der russischen Teil- Mobilmachung 51 österreichische Divisionen, während Rußland ttrtb Serbien über 54 twi« fügten. Der defensive Charakter der österreichi- ,chen Mobssmackuirg geht aus diesem Zahlen. Verhältnis zur Genüge hervor. Es steht aber fest die Beweise find vorhanden, daß am 31. Juli frühmorgens die allgemeine Aiobil- machung in Rußland durch ManeraUschlag ver­fugt war.

wakischeu Staate, der Tschechen, Deutsche, Slo­waken, Magyaren. Polen und Ukrainer um- fiassen wird, ein neues Oesterreich, einen neuen Nationalitätenstaat, in dem sechs Nationen, von mild ein Hass- qsgene-ina-.tder erfüllt, zu- sanvnengepfercht sein werden.

In der Besprechung der Südtirol- Frage erklärte der Staatssekretär: Lom »rster Tage an war es der Staats regie- ntng klar, daß wir Deutsch-Südtiorol nur ret­ten können, wenn eS uns gelingt, mit Jtal'-en zur direkten Verständigung Über die Süd­tiroler Frage M gelangen. Italien selbst zum Verzicht auf jene deutschen Gebiete zur bewegen. Das deutsche Volk, dos kein italienisches Dorf beherrschen wird und beherrschen will, kann in dauerndem Frieden mit Italien leben und es darf hoffen, sich allmählich die herzliche Freund' schäft der italienischen Nation zu erwerben. Es ist ein Unglück für beide Völker, ein Unglück für den Fneden Europas, wenn die Annerion Deutsch-Südtirols diese natürliche Entwicklung verhindert. Der Staatssekretär wendete sich so­dann gegen di« GrenMehimg in Kärnten und Unter-Steiermark. wodurch nicht nur uralte deutsche Städte, sondern auch die Lebensfähigkeit Deutsch-Oesterveichs infolge des Verlustes der Wasserkräfte Untersteiermarks bedroht werden. Bezüglich dieser Grenzfragen, ebenso bezüglich Deutsch-Westtmgams wird unsere FriedenSdcklegation ein Plebiszit unter neutraler Kontrolle Vorschlägen,

Der Redner führ fort: Auf uns selbst ge­stellt, lebensunfähig, können wir nur In einem größeren Verbände die Möglichkeit erlangen, uns allmählich wieder empor ju arbeiten. Darum erstreben wir den Zusammenschluß mit

beider Parteien vorzulogen.

So sehr die Abneigung besteht, sich mit die­sen ost (aber nie rnt Zusammenhang) erklärten Dingen zu beschäftigen, sie müssen nnt der Auf- zählung trockener Tatsachen immer wieder sach­lich Kargestellt werden; denn sie find der Aus- ganaspmttt der feindlichen Auffassung, der Pro- vagaNda und nicht zuletzt der Verwrrang vie­ler deutscher schwarniyeisiiger Köpfe. Es mutz wollte man ti.frt ein dickbändiqes Werk schreiben auf die Darstellung der Dorge­schichte, die Entwicklung, die zu der Spannung im Sommer 1914 führte, natürlich verzichtet werden. Ob die bewußte EinkreifungApolitik aber nicht einen ebenso großen Teil Schuld an der Vergiftung der Amtofphäre trägt, wie die unsichere Politik und die fahrlässigen Gesten Deutschlands, ist eine Frage, die man sich ja auch in den vermmfMebenden Kreisen Eng­lands vorgelegt Hut.

Doch diese Dinge führen zu weit. Die Mili­tär richen Tatsachen, auf die von der En­tente so viel Gewicht gelegt wird, mögen spre­chen. In dem Bericht der Entente über die L-Sukd am Kriege vom 4. Mai dieses JaHreS wird erklärt, daß seit dem 21. Juli die Mo­bilisation in Deutschland heimlich begonnen habe. Diese Behauptung ist unwahr. Eine Ein­berufung von Reserven hat dieser Beweis kann vor einer unparteiischen Kommission ae- ftefert werden, um diese Zett nicht ftattge- nmden. Am 28. Juli wurden an der westlichen Greiqe ErnteurlaUber zurückgerufen. Durch wese Maßnahme wurden die betreffenden Truv- r «f chre gewöhnliche Friedens­stärke gebracht. Am 29. Juli. 10 Uhr 40 abends, Osten die Urlauber zurückgerufen, während bekanntlich schon am 24. Juli die eng- Arsche Hochseeflotte M .ManSverzwecken" zu- sammengezogen wurde. Diese Haftung Deutscb- laNi^ ist auch anfänglich nicht von England be- Overfelt worden. Am ersten August schrieb die Lames:Wir danken es sehr vielen besonnenen Leuten nicht zuletzt in Deutschland, daß ms jetzt eine Katastropl e vermieden ist.» Am 24. Juli ist die Aeußerung des Generals Du­pont festzustellen, daß Frankreich in seinen Lor- toSgeti weiter vorgeschritten sei als Deutschland, er begreife nicht, warum Rußland »Wt loSschlaqen wolle. Am Sh Juli landen m Marsetlle Truppen aus Algier und MaroSo; wenn man die Zett für Zusamtnenziehen, Ein- schifftrng, Ueberfahrt ansetzt, kommt man zu e!nem Datum vom 23. bis 24. Juki für diese Vorbereitungen. Vor der allgemeinen Mobil­machung hatte Ler ftanzösrsche Kriegsminister das Recht der Aufstellung des verstärkten Grenz­schutzes (elf Jnsanterie-Divisioneu und drei Ka­vallerie-Divisionen) ausgeübt.

Im Osten liegen die Dinge so deutlich, daß üch dre öffentliche Meinung Frankreichs nicht gern mit ihnen beschäftigt hat, ja. daß noch deute etrtschtiiwnde Tatsachen dem französischen volle verschwiegen werden. Die Vorberertun- zen Rußlands gehen bis auf den Winter, in »«n der letzte Jahrgang länger zurückbchalten vurde, zuruck. Dee tatsächliche Stärke der rus- ischen Armee übertraf schon im Frühsommer '.914 den Friedensstmkd erheblich Am 28. Juli rat Rußlaird, wie Befehle nach Warschau und iivland beweisen, in den Stand der KriegSbor- »ereitungsperiode. Pnaur in seinem .Etudes * la Guerre' (25. September 1917) teilt mit. am 28. JuK vier südliche Distrrfte und Büna, Warschau, Petersburg mrbrlrsiert wur« en. Die Mobilisation von Wilna und Peters- urg konnte sich nicht gegen Oesterreich, sondern mr gegen Deutschland ten. Am 29. Juli wtrde der Beschluß zur ^iültnobilisation ge- rßt, am 30. wurde der Befehl ausgegcben, und m 31. Juli war der Befehl tur-Gencralmobili- ^tiorr in den Sttaßou PeiersburM ange»

Wilson gereizt.

Lugano, 10. Juni. (Privattelegramm.7 Laut einer Pariser Depesche Mailänder Blätter hat Wilson selbst die neuen Ententevor­schläge mit einer polemischen Einlei­tung versehen, in der er gegenüber den -rut­schen Einwendungen die Auffassung vertritt, baß die vorgelegten Bedingungen seinen vier­zehn Punkten entsprechen. Wilson sei durch den 'Hut von deutscher Seite gemachten V 0 r w u r f der Jnkonseguenz sehr gereizt wor- den, weshalb auch nicht er, sondern Lloyd George die Jnittattve der Revision ergriffen habe. Oberst House ist nach London abgereist. Seine Arbeit für den Vötterbund wird er über­nächste Woche sortsetzen. Präsident Wilson hat alles danach eingerichtet, daß et abreisen tarnt.

Llohd Georges Amschwung.

Amsterdam, 10. Juni. (Privattelegrannn.) DerNicuwe Rotterdamsche Courant' fragt sich, was wohl dir Ursache sein möge, daß gerade Lloyd George zur Mäßigung anrät im Gegensatz zu Wilson, welcher sagte, daß die jrtamnung im eigenen Lande heute wenig ae- ergnet ist, in dieser Richtung tätig zu fein. Ast c* vielleicht die Furcht, daß die Papiere As» guithS allzu stark steigen, wenn sich zeigen wurde, daß der Mann des großen Wortes am Ende nicht geeignet ist. bald einen Frieden zu­stande zu bringen? Man denke an die Ergeb­nisse der Ersatzwahlen und den Eindruck, den ÄSquichs letzte Rede gemacht hat.

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Die Antwort.

Versailles, 10. Juni. (Eigene Draht- meldung.) Die Pariser Abendblätter berichten ubereinstimnlend, daß der Rat der Drei Orlando ist noch nicht ans Turin zurückgekehrt mitseinenBeratungett bis auf drei naiv zu regelnde Fragen fertig sei, nämlich F'ume, Polen 'Md den von Deutschland zn ent­richtenden Emschädigungsbetrag. Elemenceau schlage vor, den Deutschen eine Frist v o n 48 S t u n d e n zur Prüfung der Antwort der Mi­ierten zu gewähren. Wilson ist für «ne Frist von vier Tagen, und England will w-

. »3 haben sich die milttärischen Druse abae- W4eL. Zu derdrplomatischen Entw ick- lung seien die Tatfachen im entscheidenden Stadmm sehr krerz zusammengestellt: am 28., 29., 30. Juli singen deutsche Noten wach Wien, tue m immer schärferen Wendungen .zur Beson­nenheit mahnten. Schon am 28. Juli wurde der Vorschlag, den am A. Jt'li Grev machte (allernrge Boietzung Belgrads), von Deutschland angeregt. Allerdings hat Deutschland aus Rück­sicht auf bett Bundesgenossen erst mn 12. Okto­ber 1917 letanntgegeöen. daß es schon am 28.

im übvatenden Sinne auf Wien gewirkt bat. Bekanntlich ist behauptet worden (von Eisner), diese Rote wäre nur zum Gebrauch englischen Presse bestimmt gewesen. Es han­delt sich aber um drei Depeschen, von denen die vom 30. Juli nicht in der englischen Presse ver­öffentlicht wurde. Vom 28. Juli ist van deut- scher Seite alles geschehen, der Katastrophe zu begegnen, soweit dies durch Einwitkimn auf Ocherreich möglich war Am 29. Juli traf das bekannte Telegramm des Zaren (Schiedsgericht) tst Berlin ein, gleichzeitig mit dem Bekannt- werden der Mobilisierung von dreizehn rafft3 lchen Armeekorps. An diesem 29. IM hatten die Berater des Zaren (der getäuscht worden tu sein scheint) die Gesamtmobiksatton Rußlands durchgesetzt. Am, 30. Juli schreibt Oberst Re- PiNsswu rn der Times: »Es wäre ein Wunder, wenn nach der russischen Mobilmachung kein Wettbrand einträte:' Die n-Usch-fvanzösi-sche Mmtarkonventton sprach zudem eine deutliche Mnache: ttn Falle der Mobilmachung nur einer Macht des Dreibundes müßte die gesamte Mo- bilmachung Frankreichs und ff ' ands erfolgeit nrtt dem Einsatz zur Entscheid.-

Die drei entscheidenden Daac rillen sich ab: Am A. nachmittags erfolgt GreVS bekannter BorschLag. er geht in der Nacht vom 29. zum 30. nach Wien, am so. Mveigt Dien twabr- icheinktch. west fein Aufmarsch die schnelle Be- fetztmq Belgrads nicht znließ), am Sl. kommt die Nachricht von der russischen Gesamtmobil- machmtg, daS Rad kst im Rollen, die Kata­strophe nicht mehr aufzt:halten. Dies Schwei­gen Wiens ist eine Lücke in der Kette der schWss«. die aufgeklärt weiden muß. Wie bieten dre AuMSr'mg an, wir haben sie nicht zu fürch­ten! Es spielen friere Nebendinge in diesen großen Fmß der Ereignisse hinein, man kann nubt mehr tun, als bereit sein, an ihrer Auf­hellung ehrlich mttzuwttken. Allerdings, ein Gerichtshof, bei dem die Entente den R'rchter, ine Zeugen, die AnKäger stellt, wird die Wahr- hort nicht finden. So lange sich die Entente dem unvarteiischen Urteil entzieht, ist fest:«.''el- len, daß sie es fürchtet. Unsere Schuld war Kurzsichtigkett, polittstbe Torheit. LerchtÄäubia- kett, Planlosigkeit, aber dies sind keine Ver­brechen, die da- Reckst geben zum Mord eines strebende» und suchenden, schaffenden und rin­genden großen VÄkeS. r b

Sesterreich entschlossen.

Der Friede un«mnehmSar.

f- Wien, S. Jtmk.

Die konstituferritde Nattonalversammlung hielt Sonnwbsttd eine außerovdentliche Sitzung <ä>, tim bte Meinung des deutfeh-öster- «eichischen BqlkeS über die Frie­de usbedrngungen von St. Germain zum Ausdruck zu bringen.

Präsident Seitz erklärte in seiner Eröff- nungsvede: Die Sieger haben je nach ihre« Svmpathre den Völkern der ehemaligen öfter» reichisch-ungarischen Monarchie das Urteil ge­sprochen. Mr können nicht ermessen, oh die Machthaber mirklich wissen, was ihr Spruch flir DeMsch-Oesterreich bedeutet. Aber tote w-iffen, daß W<8 UrteA ein Todesurteil ist. Ern solches Urteil ist undurchführbar.

Der StnatSfekrelär des Aeußern Bauer legte die vernichtenden Wirkungen der Frie- densbedingungen für die Lebensfähigkeit Deutsch-OesterrsichS dar. Der Verlust Deutsch-Böhmens und des Sudeten­landes bedeute nicht nur Unterwerfung von &% Millionen Deutscher unter die Fremd­herrschaft, sondern auch den Verlust des in­dustriell Und kulturell höchststehenden Teiles