Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 154.
Fernsprecher 951 mtb SSL
Freitag, S. Juni 1919.
9. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und SSL
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GeimMmk bei der Entente?
eine
Auch Italien.
S. D.
Frankreich in den Ausstand getretenen Arbeiter auf 600 000, m Italien auf 65000, in Belgien auf 120 000. Die oMzicllcn italienisclien S»$ta. listen verbreiten neue Aufrufe an das Proletariat, dessen Sntnbc jestt gekommen fei, di» Monarchie zu stürzen und die Diktatur des Proletariats zu verkünden.
.Karlsruhe, 5. Sittti. (Privattelegramm.) ©eftent fand in Odels bösen eine Versamm- lmig statt, in der für den AnstAuß desKeh ler Brückenkopfaebietes an Frankreich debattiert wurde. ES wurde ein entsprechendes
Lugano, 5. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Der Generalstreik greifst von Neapel nach Rom über. Es fanden dort Protestkundgebungen unter Mitwirkung englischer Sozialisten gegen den Gewaltfrieden statt.
sandt, in dem um ein entsprechendes Gebietsteil gebeten wird. Die französische Militärbehörde hat die Gemeinde Kehl beauftragt, einen großen Reitweg herzustellen. Kehl würde große französische Garnison werden
Gsneralftrerk.
Basel, 5. Juni. (Privattelegramm.) Der „Avanti" begrüßt die fast gleichzeitig in den aSi. retten Ländern aus gebrochene General - streikbewegung und bemerkt, daß große Umwälzungen in den Ententeländern sich vorbereiten. Die Arbeiterschaft protestiert jetzt
Schlefiens Stimmung.
Englische Ansichten.
sPrivat-Telegramm.)
Versailles. 5. Juni.
Die Pariser Ausgabe der „Daily Steil* enthält einen bemerkenswerten Bericht eines Vertreters des Blattes, der Oberschlesten bereist hat. Mr. Mythe Williams erklärt darin auf das entschiedenste: „Ich bin überzeugt, daß Schlesien fechten wird. Ich geh« noch weiter und behaupte, daß Schlesien in dem Mo. ment in bett Kampf eintreten wird, da der erste polnische Soldat die Grenze überschreitet, um von dem, was ihm die Entente versprochen bat, Besitz zu nehmen. Ich bin sogar noch weiter überzeugt, daß Schlesien kämpfen wird ohne Rücksicht auf Berlin, auf die deutsche Regierung und das übrige Deutschland. Der Vertrag mag unterzeichnet werden oder nicht, das ist für die schlesische Armee gleichgültig, die jetzt ein paar Meilen rückwärts von der Front bereit steht." Der Vertreter der „Daily Mail" hat mit den hervorragendsten Arbeiterführern Schlefiens gesprochen und ist zu der UeberzeuWng gekommen, daß es unmöglich ist. Schlesien anders als mit Gewalt Polen einzuverleihen. — Es ist zu hoffen, daß die durchaus richtige Ausführung des Engländers bei den Alliierten die Beachtung findet, die sie auch verdient.
Sesterreich? Unannehmbar,
Wie bei uns
Toller verhaftet.
München, 5. Juni. (Telegraphische Meldung.) Gestern früh wurde in Schwabing der > mrggr Lllchperrgts «suchte Student jur. Ernst
gesamten zivilisierten Wett in Mitleidenschaft zieht.
Re rheinische Revnblik.
Dorten nicht mehr dorten.
IPrivaf-Telearamm.)
Frankfurt a. M_. 5. Juni.
„Dorten ist nicht mehr dorten." so wird bet „Frankfurter Zeitung" aus Wiesbaden gemeldet. Dienstag sollte die feierliche Einführung des neuen Präsidenten stattftn- den. und nun sich schon englische und amerikanische Berichterstatter im Landeshause einge- unden hatten, aber Herr Dorten selbst nicht erschien, fuhren die Herren enttäuscht zum französischen Kommandanten Oberst Pinot, der sie aber zu seinem lebhaften Bedauern nicht emp- nngen konnte. In Wiesbaden hat man den Eindruck, daß der Putsch erledigt ist, aber die rheinische Republik selbst offenbar noch weit davon entfernt ist. erledigt zu sein, denn Herr Pinot erklärte Vertreteru sämtlicher Parteien: Heute gäbe es nur eins: Gehorsam gegen die Anordnungen der französischen Behörden.
Sur Serarteiluttfl Levin«.
Die Vollstreckung ansgeschoben.
(Eigene Drahtmeldung.)
München 5, Juni.
TaS Todesurteil gegen Levins-Mffe« wird noch trübt sofort vollstreckt werden, wie eS sonst bei starchgerichtlichen Urteilen flWtf, ist. Der Anwalt. Dr. Rosenfeld hat ftd? noch in der Nacht nach Berlin begeben, trat bei den znsWn- digen Stellen um Aufschub der Vollstreckung M bitten. Der neue Justizminister Mülle v-Mei- nüngen hat dieses auch schon zugesagt. In ben nächsten Tagen wird der Ministerrnt zusam- mmtretkn nm dann über das Urteil zn ent- chsiden. — Die Nachricht der „Freiheit", daß beute die gesamte Arbeiterschaft aller Betriebe Mm Protest wegen der Verurteilung in den Streik eingetreten sei. ist unrichstg. Es wird in München, wie dem „Vorwärts* gt- meldet wird, gearbeitet. Die Stadt ist ruhig.
Neutrale Stimmen.
Amsterdam, 5. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Tre .Natron" schreibt über die deutschen Gegenvorschläge: Die Gegenvorschläge, die die Deutschen dem „Rate der Mer" gemacht haben, seien tritt wirklicher Staatsmannskunst entworfen. Wenn irgend eine unbefangene Debatte in der Tagespresse ermöglicht wäre, so würde biete geradezu einen mächtigen Eiuffuß aus die öffentliche Meinung haben. Die Gcgenttor- schläge schließen alles ent, was aercckterweise A eine Garantie gegen jede Wiederkehr des Militarismus in Preußen gedacht werden kann.
Milderungen ?
. B«n, 5. Juni (Privattelegramm.) Wie das Berner Tageblatt von zuverlässiger Seite mts Newyottf erfährt, veröffenslichte die dem Präsidenten Wtlsou nahestehende Leitung World gestern die Nachricht, daß bet Diererrat eine Revision ber FriedenSbedingun- «e« Erwägung gezogen habe. Der Vorschlag bet Deutschen betreffend das Saatgebiet (Kohlenlieferunq an Frankreich statt Abtretung) werde wahrscheinlich angenommen. Dem Vorschläge Deutschlands, sofort nach Unterzeichnung des Friebensvertragcs in ben Völ. terbund «wfzenomemn zu werden, steht man sympathisch -gegenüber, ebenso dem Angebot «ner Kriegsentschädigung für 100 Milliarden Goldumrk. Die Beseyung beS linjksn rheinischen °uf fünf Jahre herabgesetzt. Den Deutsch-Oesterreichern werde der Anschluß an Deutschland erlaubt. Jm Oberschle- tten soll ernt Volksabstimmung unter bet Kontrolle des Völkerbundes stattfinden.
Kehl franzSfische Garnison.
Wien, 5. Juni.
Das „Neue Wiener Tagblatt" meldet, daß int Kabinettsrat volle Neberemskimmung dar- übet herrschte, daß die Friebensbebrn- gungen unannehmbar seien. ®t auS St. Germain gemeldet wird, werden den Alliierten eingehende GeaenvorschlSge überreicht werden. Man hofft tu mündliche Der- handlungett mtt dem „Rat ber Biet" ein- treten zu können und Milderungen zn erzielen.
Wehrpflicht itt Angarn.
Budapest, 5. Juni. (Eigene Drahtmeld-nngJ. Eine Verfügung der ungarischen Räte- regternna bestimmt, daß jede männliche Person, die ber ungarischen Räte- regierung angehört, vom 1. Januar 1919, in dem sie ihr achtzehnter Lebensjahr erreicht hat. bis zum 31. Dezember des Jahres, in dem sie ihr 45. LebenSjtchr erreicht, wehrpflichtig ist. Wer sich der Dienstpflicht entzieht, wird vor ein Revolutionsgericht gestellt. Jeder kann auf Grund der allgemeinen Wehrv flicht eventuell freiwillig Mitglied der .Roten Armee" werden.
Sie Friedensfrage.
Antwort heute.
(Privat-Telegramm.)
Amsterdam. 5. Juni.
„Xetcgraaf" meldet aus Paris, daß die r w2rt-1,66 Rates der Bier morgen festgestellt werden wird.
Protest Berliner. Arbeiter.
Berlin, 5. Juni. (Privattelegramm.) An die bayrische Regierung hat der Groß berli-, uet Vollzug srat folgendes Telegramm gesandt: Die Berliner Arbeiterschaft ist tief empört über das Todesurteil gegen Le- Vßne-Mssen. Der Wille der Arbeiterschaft ist es. die Aribeft niederzulegen, falls das Todes-- urteil völligen werden sollte. Dies könnte xari Folge haben, daß wette Kreise der deutschen Arbeiterschaft zu gleichen Entschlüssen übertreten. Um das deutsche Wirtschaftsleben vor dieser neirten todbringenden Erschütterung zu bewahren, fordern wir. daß die bayerische Regst»- nntfl dafür Sorge trägt, daß das Schreckens- urteil nicht vollstreckt werden soll.
Die Streiks.
Ausdehnung in Paris.
(Eigene Drahtmeldung.)
Amsterdam. 5. Juni.
Das Handelsblatt erfährt ans Paris, daß bte Anzahl bet streikenden Arbeiter innrer mehr znnimmt. In Paris ist man i n großer Sorge wegen der Haltung des Effenbahnpersonals, da man befürchtet, daß sich dieses ebenfalls der Streikbewegung ansckssietzen werde. Das Erscheinen der Pariser Zeitungen ist in Frage gestellt, da die Zeitungsdrucker in den Streik ein treten werden. Di« Gewerk- schastsberatung ber Arbeitet des Elektrizitätswerkes hat ebenfalls den Streik beschlossen.
Der kluge irische Schriftsteller Bernhard Vyaw, der zu Beginn des Krieges wegen seines bitteren, aber doch nicht ganz unberechtigten Wortes über den .Geist von Potsdam", der dem deutschen Volke ausgetricben werden müsse, arg geschmäht worden ist, hat jetzt bei dem ersten Eindruck der Versailler Frikdens- bedtngungen wieder ein geistvolles Wort ac- prägt, das den Kern der Sache richttg erfaßt Er sagte damals: Dieser Triebe ist ein jyrtebe gegen die Demokratie. Der insche Dichter hatte instinkttv sofort erfaßt, da die von Clemenceau, Llvyd George und Wilson erdachten Paragraphen auf die Kapitalisten der Entente auf Kosten der Arbeiter zugeschnitten waren. Ist es nicht ein Treppenwitz der Wett- aeichtchte, daß die Bedingungen dieses denS gegen die Demokratie" von Ländern vorgeschrieben werden, .die sich bisher als Hort der Demokratie feiern ließen? Jetzt beginnen die Arbeiter und Soldaten unserer vereinigten tteinde langsam einzusehen, daß man in Deutschland das sozial am meisten fottgeschrit- tenste Land der Wett vernichten will, weil man die Ansteckung befürchtet. Daher die vorläufig noch unter der Asche glimmende Unzufriedenheit der Arbett-rmassen Frankreichs und Englands, die unlustige Verdrossenheit großer Teile der englischen und ftanzösischen BesatzungS- armcen im Rheinland und die Kriegsmüdig- keit der in Rußland kämpfenden Entcntestreit- krsste zu Wasser und zu Laude.
ES ist vielleicht noch möglich, Deutschland Sie härtesten und «nutemirberte* P-dttr-r-mge-« bc3 Versailler Vorschlags auszuzwingen, sie mirchzusAbren, erscheint nnS bei dem tzcutig-n der Dinge ausgeschlossen. Wenn ben drei Männern an der Seine die größte Demütigung. zu der sich je ein Volk freiwillig anbot, nämlich die deutschen Gegenvorschläge, wirklich nicht genügt, dann wird das alte Europa noch viel Blut und Elend in den nächsten Jahrzehnten erleben, zur stillen, aber desto größeren ®cr^tunR. der beiden großen Volker jenseits des Atlantischen und am Stillen Ozean. Ame- rckas itnb Japans. Noch ist für die Staatsmänner Englands und Frankreichs manches zu retten durch Beherzigung des nützlichen Grundsatzes: Der kluge Mann bartt vor!
- Anzeichen beiden dahin, daß auch ^e Bauuw ber brutalen, kurzsichtigen Gewalt- bolttd nicht m den Himmel wachsen. Das kleine Ungarn, das sich gegen die nackte Eroberunas- & seiner zahlreichen Feinde nur durch ben bewgmuS schützen zu können glaubte, ist rrvy verfrühter Tnumphmettmngen aus Lon- bmkttnb Pans noch nicht bezwungen Im Ge- geitterl Haven die zur Verzweiflung gebrachten DMvaren ihren rumänischen und tschccho-flo« ^S^u Gegnern eme ernste Schlappe beige- bsE Der Feldzug gegen das Rußland Le- mns und Trotzkis wird von den Enteittetrup- "ime Kroße Begeisterung geführt. In Libmi sollen franzSstsche Kriegsschiffe sogar gemeuiett » rote Flagge gehißt und die Rückkehr nach Frankreich erzwungen habens .Zwar will daS JEartTee Telegraphenbureau glauben Gössen seien nur zum Trock- Sg^wigt gewesen, aber diese anmutige ^eeettbe ßHeritt doch mehr für Leute berechnet fH. iälbst noch nicht ganz trorfen hin« terben ObTen ftnb. Nordftankreich und R?rrs gart eS unter den Arbeitern offensichtlich, ein Markes militäri- Bereitschaft fein, und toenn ej n^r bte Zahl der Strecken« 600000 erreicht haben soll, selbst Herrn George? Clemenceau wohl eüvas nm ferne Gottähnlickkett bang- wer- Er wich eS sich jedenfalls noch einmal serade jetzt durch das Werk- tewg pottttsierender Generale, wie die Herren Gferarb in Landau und Mangin in Main, schon vor, Abschluß des priedenSwerkeS per« ttagSbruckirg zu werden, indem er besetztes Gebiet mtt annektiertem verwechselt. Auch in Ena- teth mehren sich täglich die Sttmmen, die vor emer Versklavung Deittschlands warnen $u müssen glauben. Die britischen Arbeiter und die Million ArbettSloser deS vereinigten Kömg- reichS wünschen nicht, daß man die Verel-n« dungsthcorie einem ganzen Volk von 65 Millro« ____________ ww-we culiyicultllUEi5
nen au,zwingt mch dadurch bte Arbeiter dsr lGetztch an ben franEchtt; Srvkrrsoeneral -e.
Kundgebung in Aachen.
Köln, 5. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Der .Köln. Ztg." wird aus Aachen gemeldet: Eine imponierende Kundgebung gegen die Sonderbündler und für die Eirchett des Deutschen Reiches veranstaltete gestern ein großer Teil der hiesigen Arbeiterschaft, und i’roar ganz spontan und aus eigenem politischen Gefühl heraus. In sämflichen Großbetrieben, bei ber Straßenbahn, dem städtischen GaS- und ElektrizttütSwerk, legten die Arbetter um zwölf Uhr die Arbeit nieder und begaben sich auf bte Straßen, wo sie sich zu einem gewaltigen Zuge vereinigten, der sich in mustergültiger Rubc und Ordnung durch die Hauptstraßen der Stadt bewegte. Bor den Redaktionen Meier Blätter, die in leidenschaftlicher Weise für die rheinische Republik kämpften, und vor dem Hause eines Arztes, des hiesigen Wortführers der Loslösungsbestrebungen, wurden Demonstrationen gegen die Loslösung veranstattet.
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Rheinland und Friede.
Versailles, 5. Juni. (Eigene Drahttneftmng.) Der wichtigste Pmckt ht der deutschen 9h>te über die Republik Rheinland ist der Hinweis darauf, daß die Friedensverhaudkungen durch diese hochverräterische Gründung ge« stört werden könnten. Bei Abtrennung deS Rheinlandes ist, es ttnmörflich, dir Lasten zu tta-
Sturmzeichen.
Wolken am Himmel der Entente.
Noch harrt das unglückliche deutsche Volk der Stunde der Enffcheidung über fein fünf- ttges Geschick, das selbst im günstigsten Falle des Entgegenkommens unserer Feinde ein unsäglich trauriges sein muß, noch ringt in Pa- ns der Greis, dem hitziges Keltenblut den er- schlafsten Körper in brutale Energie stählt, mit Wilson, dem kühl besonnenen Rechner. Noch weiß Lloyd George, der WortMrer des Briten- tumrS, vom Albdruck germanischen Welthandels für immer befrett, nicht genau, auf welche Seite er bte Entscheidung neigen soll. Schon aber mehren sich langsam und verstteut die Sturm- ^-chen. die onveuten. daß sich ht den Tiefen ber %>Hcr ber Geist des Widerstands gegen die Polttik iwS »Vae VictiS" regt, gegen die Kncbc- luna wehrlos am Boden liegender Nationen.
Nicht die .Weltrevolution' ist näher gerückt, das große Schlagwon 6er Liebknecht, Ledevour und Levinö, das unseren Unabbän- giaen den verhängnisvollen Mut gab, gleich zu Bemnn der Versailler Tragödie unseren Unter- baWern in den Rücken zu fallen und Unter- MM ohne zede Bedingung zu fordern. Damit wchd es noch gute Weile haben, bis Frankreichs UND Englands Arbeiter und Kleinbürger ae» rmrkt haben werden, daß auch der deittswe Mil- nardenstrom nicht ihre Lasten milden, sondern tttnächst emmal in ganz andere Taschen fließt.
war es denn bei uns nach dem großen Knea von 70/71? ES kam die Epoche, die un- er dem Namen .Gründerzeit" einen wenig ruhMvollen Abschnitt deutscher Entwickluna zeichnet, eine Zeit kultureller und künstlerischer Geschmackwsigkeit, arm an schöpferischen und so- zlaken Gedanken. Die französischen Milliarden ktemacht, sie zerflossen ZUM größten Teil für den Batt von Festungen, Orsarttsation des Heeres.und Schaffung re£W geschmackloser Prnnkbauten. Erst als gegen En^ der achtziger Jahre Deutsch- Gesetzgebung einsetzte, als durch den Fleiß und bte Schaffenskraft unserer Kaus- leute. Jnduittrellen und Arbetter sich allmählich der Uebergang vom Agrar- zum Industriestaat, von der heumschen zur Weltwirtschaft vollzog, wurde dos Deutsche Reich so groß und stark, oatz^« den Reid feiner Konkurrenten auf dem Weltmarkt erregte. Daneben aber erhob sich W SEagenc Frankreich kraft seiner natür- ^hen HilfSguellen und der Zäbiakeit feiner Bevölkerung aus dem Druck ber Niederlage zu
-^^jchlossenen Nattonafftaat l<Suf sich m lahrzehntelanger Akbett eines der größten Kolonialreiche. Allerdings war der Franffurter kein Verfailler Friede und Bismarck O^,^me_"ceau Roch aber ist das letzte Wort der Unversohnltchkett nicht gesprochen, noch darf man zwar nicht vn einem Auflodern der Wett- rwolutton, aber von einem langsamen Erwachen d«S WettgewissenS und der Wettvernunkt sprechen.