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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 134.

Dienstag, 13. Mai 1919

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Deutschlands Richtlinien für die Verhandlungen

Rolf Brandt,

®te «offeiet Seaeftea 2i«4tteten erscheür« wLcheniüch fefbetnol unb zwar abenbt. »et Sbonn-mcttipteli beträgt mowdL 1M Wort bet freier SnfteBung titf Haas ecfteOimgen roetoen jebeneti non der Geschäftsstelle eher be» Sotea eatgegengenommeiL »ruderet, 3 er tag tmb Webottton: «chlachchofstratze 2RZ30. Für unverlangt etagefsnbte Setträge kann die Redaktion eilte Verantwortung Ober Gewähr tu feinem Falle übernehmen. Stückzahlllng bei Dezuglgelbes Ober Lnlprüche wegen etwaigerntcht ordnungsmäßiger Ltekeriatg ausgeschlossen

Gegen dke Fortsetzung deS Krieges.

Kopenhagen, 12. Mar. (Drahtbericht.) Nach englischen Meldungen Hai die seit Monaten hie, bestehende Si«a der Matrosen, Solda­ten und Flieger beschlossen, die britischen Soldaten ausrusordern. sich im Falle, daß der Friede nicht zustandekommt, nicht als Henker Deutschlands mißbrauchen zu lassen. Die en ft- lische ArSelitervarte- soll beschlossen haben, sich der Fortsetzung deS Krie- gez durch Generalstreik zu widersetzen.

Verbotene Kundgebungen.

Gens. 12. Mai. (Drcchtbericht.)' Die gestern in Paris und im Seinedepartemeitl anleranw- tcn Versammlungen »egen den Gewair- frieden wurden durch Verstignng des MM- tärgouverneurs in Paris verboten. Die sozia­listische Landespartei hatte bereits am Sonn­abend ihre Beteiligung an den Kundgebungen verweiaert und in diesem Sinne gewirkt.

MklttLrische Bereitschaft der Entente,

Basel, 12. Mai. (Drahtbericht.) Ein Lon­doner Blatt meldet: Die Alliierten haben noch 41^. Millionen Mann unter den Fahnen, die für mElitLrische Operationen gegen Deutschland bereitstehen. Rach einer an­deren Meldung wurde der Kriegszustand des englischen Heeres fcf8 zur Unterzeichnung des Frkedensvertrages durch Deutschland verlän­gert. Die Truppenkonzentrationen der Alliierten im besetzten Gebiet sind im vol­len Gange. Der Plan der eventuell notwen­digen Besetzung der deutschen Industriege­biete- ist von den Alliierten bereits genehmigt

Möglichkeit eines Kabinettwechsels.

Berlin, 12. Mai. (Drahtbericht.) Wie wir hören, hat Herr von Paper dem Minister - -räsidenten Scheidemann einen Besuch gemacht, bei dem er ihm im Namen der Temo- kratischcn Partei mitteilte, daß dieselbe entschie­den gegen die Unterzeichnung des FriedenSver- teageS in seiner jetzigen Form sei und da: die Partei chre MitgliederausderRe- gierung zurückzichen werde, falls die 8,egierung sich für die Unterzeichnung entscheide. Die gleiche Haltung gedenkt, wie wir weiter erfahren, auch das Zentrum cinznnehmen.

3*fcrMan«i>retifc Sie ftebengefra(teu Zeile für etxbetmtl* SeftSäfte 30 Pfg. für cm3. »ärttge Anzeigen 35 $f. Reklame,eile für ein hei mische Geschäfte 75 9t, für auswärtige Geschäfte 1 Mk Einfache Beilagen werben tun 5 Mark pro Tausend berechnet, alle! Mit 2Vf, Leu-rungS.Zuschl-g. Bei Uebermttttung von Anzeigen «Mf teleph. Bege wird für durch Hör. fehler hervorgerufene Irrtümer keinerlei Haftung übernommen. Für die Aufnahme »onAnzeigen an bestimmten Tagen ober Plägen wirb J. Zi. keine Gewähr geleistet. Geschäftsstelle: »öln-Str. 5

worden.* Mehr nicht.

Italien unb der neueDreibund".

Basel. 12. Mai. (Drahtbericht.) Die «a- eler Nati-oncckzeitung" meldet aus Mailand: Die Nachricht von dem zwischen den Ver­einigten Staaten, Frankreich und England in Vorbereitung befindlichen Schutz -und Trutzbündnis für die Ge­währleistung der Dusführuna der Friedensver. träges ruft in Flalien große Ueberraschung und Kopsschütteln hervor, da Ftalien in dieser neuen Entente nicht erwähnt wird. Die Blätter fragen sich, ob dieser neue Dreibund nicht eine praktische MißtrauenSkundgebunz St den Völkerbund bedeute. Zudem möchtz auch Aialieu. das so viel Opfer gebracht hat gegen die Gefahr neuer Angriff« von seines rüheren Verbündeten geschützt werden.

JeutscheSiuwenduugea

Schriftliche Einreichung der Gegenvorschläge.

LDrahtbrricht.)

Versailles, 12. Mai.

Die deutsche Delegation beschäftig! sich in Konferenzen mit den einzelnen Haupt- punktrn des übergebenen Friedensentwurf­und wird ihre Einwendungen abschnitts. weise schriftlich übergeben. Aus Ausarbeitung eines zusammenhängenden Gegenentwurfes dürste. Weil unzweckmäßig, verzichtet werden. Graf Brockdorff-Rantzau beabsichtigt mit dem Beamtenftab und den Sachverständigen hier zu bleiben. An Kreisen der deutschen Unabhän. aigen scheint damit gerechnet zu werden, daß das französische und englische Proletariat sich binnen kurzem gegen den «ns aufgezwungenen Geloaltsrieden erheben werde. Ein Anterview Haases in einem Londoner Blatt führt diese Ansicht, aus. und schöpft daraus ein wei­teres Argument für bie Unterzeichnung der Be. dingungen. Diese Meinung beruht indessen auf ganz unsicherer Grundlage. Man mag aus anderen Gründen vor der Ablehnung zurück- scheuen. aber der Glaube, daß die Arbeiter der WeUänder für eine baldige Revision sorgen würden, ist illusorisch Der .Züricher Tages- anzeiger" meldet aus Paris: .Homme Hbre" (das Blatt.Clemenceaus) meldet, daß die Al­liierten Verhandlungen mit Ein- schränkungen zugestehen.

9. Jahrgang.

Ler Tag von Versailler.

Die Auffahrt. Brockdorff - Rantzau ? spricht. Ein Dokument der Berwor- ftuheit. ^Hier ist gemordet worden!"

Versailles. 10. Mai.

Wie das Gespenst eines Tages steht der 7. Mai vor meiner Ermnerung. Stunden sind da, von denen ich nicht weiß, ob ich wachend oder gestorben war. Minuten leuchten auf, in einem Mühende», schmerzhaften Licht. Da ist der Vor­mittag, diese stillen und schonen Häuser der kurzen StraßenzeÄe Reservoire-, die tote täg­lich entlang den Gittern gehen müssen und die ich hasse, wie ich nie Lebloses gehaßt habe. Diese niederträchtigen und gleichgültig« Zen- gen unserer Spaziergänge sonne» sich still in

Sie Stimmung in Boris.

Gegen den französischen MilitäriSmuS. tDrahtbericht unseres Sonderberichterstatters.!

Versailles. 12. Mai.

Durch Paris bewegte sich gestern ein Zug von vielen Hunderttausend Arbeitern, die dem am L Mai erschossenen Charles Lorne ein un- aebcures Grabgeleite gaben, .dem Ovfcr der Politik Clemenceaus". wie Marcel Cachin in einem stammenden Leitartikel des Sozialisten­blattes sagt. .Wir werden nicht vergessen und wir können nicht vergessen!" In der gleichen Nummer laat.Morihet: .Deutschland wir»

Die Antwort zur zweiten Note.

Versailles. 12. Mai. (Drahtbericht.) Auf die Rote über den Völkerbund hat Cle- mrneemr «antwortet: Herr Borsitzender! Ich habe die Ehre. Ihnen den Empfang des deut­schen Entwurfes eines Völkerbundes zu bestä­tigen. Der Entwurf wird der zuständigen Kom­mission, die durch die alliierten und assoziierten Mächte gebildet ist, übermittelt werden. Die dmttschen Delegierten werden durch eine neue Prüfung der Börkerbundsatzungen feststellen können, daß die Fra« der Zulassung neuer Mitglieder in diesen Bund nicht übersehen, son­dern ausdrücklich im zweiten Absatz des ersten Artikels vvrMohen ist. Genehmigen Sie usw.

Nemrvresss «»Wort.

Zu Einzelverhandlungen bereit. (Drahlbrricht.)

Regierungen aufgestellten Forderungen hinaus­geht und der im Deutschen Reich in anerkannt vorbildlicher Weise mit Hilfe der Arbeiterschaft zumeist schon durchgeführt ist. Zur Mitwirkung an der Gestaltung dieser Bestimmungen sei es notwendig, noch während der Friedensverhand­lungen Vertreter der Landes-Organisationen der ArSeitergewerkfchaften aller vertragschlie- Henden Lander zu einer Konferenz zu berufen.

Diese Antwort umgeht den Kern­punkt unserer Frage, die sich darauf bezog, daß Deutschland eine Buiwessatzimg als Teil des Gesamtvertrages unterzeichnen soll, obwohl es weder als ursprüngliches, noch als einac- ladeneS Mitglied dem Bunde angehört. In Auschnhrung der in der ersten Antwort enthal­tenen Aufforderung werden heute prEische Fragen unb Bemerkungen übergeben werden, Vie auf tsrityrral» Abtretungen Bezug haben.

Zu dieser Antwort bemerkt die .Franks. Zeitung" mit Recht: Diese Antwort enthält, obwohl sie formell jede grundsätzliche Erörte­rung des Friedensentwurfes abzulehnen scheint, tatsächlich eilte erneute Festlegung auf die Ver­einbarung! vom 5. Oktober bis 5. Rovetzrber vorigen Jahres. Außerdem legt sie praktische Vorschläge zu Verhandlungen über einzelne Kapitel des Friedensentwurfes nahe. Daß olche Verhandlungen beabsichtigt sind, ergibt sich auch aus der Tatsache, daß die Gegner am 10. Mai eine größere Anzahl von Druckstük - ken unserer Vorschläge zum VöScr- tntnb und zum Arbeiterrecht erbeten haben.

Erörterung einzelner Punkte.

Bcrsaives, 12. Mai. (Drahtbericht.) Tas führende Pariser Blatt, glaubt zu wissen, daß die Antwort Clemenceaus auf die beiden Roten unter der persönlichen un>d aktiven Mitarbeit des Präsidenten Wilson abgefaßt worden sei. Das Blatt meint auch in einem Artikel über den Notenwechsel, man dürfe jetzt de» Frieden des Rechts nicht länger hinaus- schieben. Man müsse Deutschland erlauben, die einzelnen Punkte zu erörtern.

Versailles, 12. Mai.

Die Note der deutschen Friedensdelegation über die allgemeine Beurteilung des Friedens- cntwurses wurde durch Clemcnceau am Ist. Mm mit folgender Note beantwortet: Herr Vorsitzen­der! Die Vertreter der alliierten und assoziier­ten Mächte habe« von der Note Kenntnis ge- Uommen, die dke Bemerkungen der deutschen Bevollmächtigten zum Texte der Fri^ensbedin- gnrrgcn enthält. In Beantwortung dieser Mit­teilung möchten sie die deutsche Delegation daran erinnern, daß sie sich bei der Festsetzung der Vertragsbestimmungen ständig von bett Grundsätzen haben leiten lassen, muh denen der Waffenstillstand und die Friedensverhandlung vorgeschlagen worden sind. Die Vertreter der alliierten unb assoziierten Mächte können kei­nerlei Erörterung ihres Rechtes zu lass en, die grundsätzlichen Bedingungen des Friedens, so wie sie sie festgesetzt ha«n, aufrecht zu erhalten. Sie können nur Anregun­gen praktischer Art in Erwägung ziehen, die die deutschen Bevollmächtigten ihnen etwa zu un­terbreiten haben. Genehmigen Sie usw.

Auch der Park von Trianon ist mit dem gol­denen Fetzen dieser französischen Sonne behan­gen. Still spiegeln die Wasser vom Neptuns« brunnen die blaue Ferne, die Wege träumen, die maigrünen Bäume umspielt die milde Lust. Dann rasen Autos zum Trianon Palace Hotel. Ein junger Offizier dirigiert die Reche. Wagen um Wagen. Gesichter tauchen aus. Man nennt Namen. Sie fahren wie zu einem Fest. Damen bei sich, die lächeln und lächeln, und mit dem Auw nach der Ausfahrt zurückkehren. Eine eit« Schtte Frau in kurzem, grauem Seidenkleid zeigt ihre Karte der Wache. Madam«, ein Mut, Sie gehen zu dem Schauplatz eines grauenhaften Verbrechens. Madame, eine kleine Frage: Haben Sie Stoiber? Sie find itzng, Ihre Kinder können nickt eckt sein, ttttb brüllten wird das Grauen beschlossen. Oder fährt man zum Rennen? Es ist ja ein Wahn­sinn. daß man uns zu den Dingen führt, zu dieser Uebergabe eines BucheS, in dem die neuen Leiden der Menschheit ein- geschlossen sind. Herr Wilson hebt beit Zv- linder, etwas wie ent Lächeln geht über sein kühles, festes Gesicht. Es gab Menschen in Deutschland, Herr Präsident, die an Mensch- ftches glaubten, Ähre Worte am Grabe Wa­shingtons. ... Eine Welt, einig in der Rarr- ven ihres Hasses und DiebesgeMsten, rast vor­bei, eine halbe Stunde.

Drei Uhr fünf Minuten. Der Wagen von Rantzau. Wir grüßen. Das Gesicht, erschüt­ternd ftt Bläffe und Ernst, hebt die Augen. Eine Hand greift nach dem schwarzen Hut. Drinnen rollt daS Räderwerk einer toten Zere­monie. Erheben und Setzen, Neigen, Reden. Die Drähte, an denen diese Figuren bewegt werden, sind nicht zu sehen. Was tot das, daß ich die Wort» und Antworten höre: das ,Ge- , wissen her Welt", wirsind allein, aber nickt scknnlos. unser Verbündeter ist das Recht"? Merkt der Graf nicht an den «Mernen Mienen, daß die Gestorbenen für die Gefühle des Le­bens kein Organ haben? Der weiße Folw- band, .ConditionS de Pair", liegt vor mir. Die Dereinigtsn Staaten von Atnetika, das britische Amverium, Frankreich, Atalien tntb Jovan sind in dem vorliegenden Vertrag cckS hanptsächftche Verbündete bezeichnet. Damit beginnen die 208 Seiten Menschlicher Verworfenheit. Es gibt kein Reckt. daS hier nicht gedenat, kein Grundsatz, der nicht verraten, kein Gesetz zwi- scheu Menschen, das nicht gebrochen würde Von der Straße gellen die Rufe auf Clemenceau, «ms Wilson, auf Lloyd George. Irgendwann bin ich mit andern zusammen und habe Worte Socken. Sie klingen wir Narrenschellen den Raum. Temperamente «ha» hoch. In dieser behutsamen Delegation fliegen Sätze umher wie Brandfackeln. Wer haßte nickt den Irrsinn, daß Menschen Menschen vernichten? Wer ist so toll, an Blut zu denken, wenn so vieles verströmte? Nicht, daß wir deutsches Land verlieren, nicht, daß man uns ausraubt nach den Gefetzen von Straßeuräubern. man nimmt uns das Leben dazu. 70 Millionen Sklaven 70 Millionen PariaS und 70 Millio­nen Hasser soll das die Welt ertragen? Es fällt ein spitzes Diplomatenwort: .Dieser Ver- trag ftt so schlimm, daß er nicht mal schlimm ist." Er bleibt schlimm, immer, denn er ist tir Siegel d«L Lasses, und die Menschheit wird

hrctft eS jetzt. Sie ist schamlos, und sie beschien an diesem 7. Mai jagende Automobile, Ge­wanne, Motorradfahrer und Hunderte neuer Polrzeigesichter z« den hundert alten, die jede Miene und jeden Hauch des Mundes von uns belauert haben. An der Straßenecke zu dem Boulevard de la Reine liegt ein Peloton fron» zösischer Infanterie. Ein dicker, blaugrauer ttangösifcher Sergeant geht «mf und ab. Er denkt an fein Mittagessen vielleicht, vielleicht an seine Frau in Paris, in Marseille, an seine Kinder, ob er weiß, daß an diesem Tage das Schick­sal seines Kindes dunkel gezeichnet wird, wie oaS der unseren? Ach, er ist vielleicht nur be­gierig, einen Blick auf das Auw Clemenceaus zu erhaschen, deS Greises von Frankreich. Man sollte nur Männer zu dieser Tragödie las­ten, k-ie noch die fetten Akte erleben können ...!

mehr Zeit, als unsere Augen sehen, gebrauchen, um diesen 7. Mai ausziilöschen. Und ich drahte nach Berlin. Ich sauge an, zu diktieren. Schreien, Unterbrechen, Nebengeräusch was ist das für Wahnsim»? Worte zu geben, 50 Worte, 60 Worte ... »Hier ist gemordet

Weitere deutsche Rote«.

Versailles, 12. Mai. (Dr-chtbericht.) Gras Brockdorsf-Rantzau bestätigte heute in einer Rote an den Präsidenten der Friedens­konferenz, Clemenceau, den der deutschen Frie­densdelegation übergebenen Vertragsentwurf bezüglich der Heimsendung ber bsul­chen Kriegs- und Zivtlgesangenen und ersuchte, die Einzelheiten über diese Fra« an eine besondere Kommission zu verweisen. Wegen der großen Schwierigkeiten der techni- chen Durchführung der Hennfchassung der Kriegs- und Zivilgefangenen, namentlich ange- ichtS der Knappheit des Schiffsraumes und >eS Kohlenmaugels, müsse größter Wert daraus gelegt werden, daß alle Vorfrage« bis zum end- nkltigen Beginn be# Abtransportes bereits ge- lärt seien. Die deutsche FriedcnSdelegation chloge daher vor, die kommissarische« Deratun- pm über Kriegs- und Zivilgefangene jetzt ge- 1 rennt von den übrigen Fragen komplett be- ginnen zu lassen.

An einer weiteren Rote übergab Gras Brock­dorff-Rantzau den von der deutschen Regierung ausgestellten Entwurf eines Abkommens über internationales Arbeiterrecht, der über die in Abschnitt 13 des Entwurfs der Frie-

Unsere Richtlinie«.

Drei besondere Arten.

(Drahtbericht.)

Berlin, 12. Mai.

lieber die Richtlinie« für die Antwort un­serer Friedensdelegation an die Entente wird uns gedrahtet: Die Friedensforderungen unserer Feinde, dir in der ganzen Welt bewältigte Em­pörung hervorgerufen haben, find noch nicht daS letzte Wort und können es nicht sein, da es sich naturgemäß umHöchstsorderun- (jen handelt, die nicht uiwerrückbar seststehen. Es sind banrni auch weitere Gegenäußcnrngen unserer Friedens-Delegierten vorgesehen, dic nicht ganz unbeachtet bleiben dürsten. Die En­tente ist selbst geschäststüchtig genug, um nicht die Henne zu sckstachtcn, die ihr die goldenen Eier der Entschädigungen legen soll, und an­stelle der ruhigen und friedlichen Entwickelung Europas ben: verewigten Krieg und wirtsckfaft- lichen Zusammenbruch der Welt zu wählen. Die RÄhtliuien deS Bescheides und der Berhand- lungLmöglichkeiton werden genau besttmmt werden, um nicht in grundsätzlichen Fragen die Entente über das Watz des Möglichen hn Zwei fel zu lassen.

Diese Richtlinien zerfallen in drei ver­schiedene Kategorien, nämlich in die Angelegenheiten und Forderungen, die unbe­dingt abgelehnt werden müssen, in die For­derungen, über die eine Verhandlung möglich kst und in deutsche Gegenfor­derungen. In die erste Abteilung fallen große Teile der territorialen Forderungen, welche die Entente im Westen und Osten aufgr- stellt hat. Besonders Oberschlesien, das deutsche West- und Ostpreußen kann nach den Wilson- schen Grundsätzen nicht etne Fra« der Frie­denskonferenz sein. Auch die deutsche Rordvst- ecke Preußens gehört hierher, lieber die wirt­schaftlichen Forderungen ist eine Berstänbigrmg möglich. Allerdings dürfen sie nicht den Um­fang annehmen, den sie im FriedcnSvcrtrag ha­ben, da unter diesen Umständen Deutschland etwas versprechen müßte, was es nie erfüllen kann. Hier werden wir der Entente nachwei­fen, wie-uufinnig diefe Forderungen find. Die feindlichen Forderungen bilden fomit keine Grundlage, die den BerhAtnissen der Wirklich­keit entspricht. Rur auf realer Basis kann Deutschland Versprechungen machen.

Endlich werden wir Gegenforderun­gen auftmftellen haben, die in dem Wilson- Frieden begründet sind. Die einseitigeAb­rüstung", die man von «nS fordert, tft eine Un­möglichkeit, da Deutschland unter diesen Um- tänben wehrlos allen Ungerechtigkeiten miß- . günstiger Nachbarn ausgesetzt wäre. Auch ma­terielle Gegenforderungen hat Deutschland zur Genüge aufzustellen. Schließlich wird die Frage der Rücksendung unserer Gefangenen auch eng umsl^iebene Gegenforderungen auslösen.

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