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©lummer 127.

Fernsprecher 951 und SSL

Sonntag, 4. Mai 1919.

Fernsprecher 951 und 952.

S. Jahrgang.

Fahrt nach Versailles.

Deutsche Gefangene. Der Weg der Er- innerungen. Siedürfen" anssteigen. Aeutzerste Korrektheit. Nadelspitzen.

Orahtbericht unseres Sonder-Berichterstatters.)

Versailles. 2. Mai 1919.

Der zweite Zug mit Sachverständigen, dem militärischen Berater Seeckt und den Presse­vertretern verläßt genau siebzehn Minuten nach dem ersten Delegationszug, in dem Gras Rantzau und die übrigen Unterhändler sitzen, die Halle des Potsdamer Bahnhofs. 3 Uhr 32 Miu. im Morgengrauen wird Köln erreicht. Die mächtige Bahnhofshalle ist leer. Rur die blauen Stahlhelme von einem Dutzend franzö­sischer Soldaten glänzen im zerflatternden Licht. Ein französischer Artillerieoberft übernimmt die Verantwortung für den Zug. Eisige Höflich­keit. Unser Reisemarschall übergibt die vorher eingesannnelten Pässe, die der Franzose mit sei­ner Liste vergleicht. .Danke sehr." Ein Wage« für die französische Begleitmannschaft, ein Speiservagen, werden eingereihr. Ein paar Schotten postieren sich Gang. Wir können abfahren. Durch das Fenster sieht man die toten Straßen der schlafenden Stadt, doch von den hohen Fabrikschornsteinen wehen lebendige dunkle Rauchfahnen in das blasse Morgenbild. In Aachen darf auch das Zugpersonal die Wagen nicht mehr verlassen, der französische Oberst läßt auf das Unstatthafte von Gesprächen aus dem Wagensenster aufmerksam machen. Bei Herbesthal wird die Grenze nach Belgien überschritten. Züge mit allem möglichen Ma­terial und der AufschriftSarmcc anglaife" be­gegnen uns. In den Dörfern deS MaaStales muß die Vorbeifahrt des Zuges bekannt sein. Gruppen stehen überall beisammen und starren auf den Zug. Da von einem dunklen Hügel fliegen Mützen einer dunklen Menschenaruppe in die Luft, Arme bewegen sich in sehnsüchtigem Gruß zu dem vorbeirasenden Wagen hin: deutsche Gefangene. Nach dem Ueber- sichreiten der französischen Grenze bei Jeumont werden diese bitteren Grüße häufiger, es ist der Zusatz zu dem weißen französischen Brot, das man" uns reicht, der Zusatz zu der kühlen Md korrekten Höflichkeit, mit der man mrs begegnet.

Die Landschaft zeigt setzt die Wunden des Krieges, zerschossene Häuser, Granattrichter auf FeLern. Ueberall wird gearbeitet, die Schäden auszubessern, die tiefen Löcher mit Erde zu fül­len. Neben den deutschen Gefangenen arbeiten nur Tongkinesen-Bataillone in dem Gebiet, das bald $u der bekannten Wüste wird. Die zer­schossene Kathedrale von St. Quenttn, ein arm­seliger Wirrwarr von we'ßem Gemäuer, zeugt von der Arbeit der englischen Arttllerie. Ter- uier, Ehaunv, Noyon. Ein Diplomat scheint die Lokomotive zu leiten, der uns den Weg der Er innerungen fahren will. Stachel­draht, Schützengräben. Granatlöcher, immer wieder deutsche Kriegsgefangene. Gegen acht Uhr nähern wir uns Paris. Die Gürtelbahn führt uns ganz um den Westteil der Stadt, deren Lichter fern hinter Bäumen und Hügeln aufleuchten. Ammer langsamer wird das Tempo des Zuges, der jetzt an der Peripherie der Stadt vorbei an verdunkelten Stationen und verdunkelten Häusern entlangschleicht. CS ist zehn Uhr. Der Zug hält in Vaucresson. .Sie dürfen aussteigen!* sagt ein französischer Be­amter. .Wir dürfen?* fragt ein deutscher. Herr, ohne viel Betonung. .Ick habe gesagt, Sie dürfen--aussteigen," wiederholt

der Franzose. Man gebt zum Wartesaal. Blitz­licht strahlt auf. französifche Photogravhen und Reporter stehen in Reihe, die Menoe. die geaen die Schranken drängt, scheint lebhaft zu sein. Große Automobil-Omnibusse stehen bereit. Rach halbstündiger Fahrt sausen wir durch die nicht sonderlich belebten Straßen von Versailles. Graf Rantzau, begrüßt vom Präfekten des De­partements Seine,et-Oise, hat schon seine Zim­mer im Hotel des Reservoirs bezogen. Der Empfang für den Minister «ar von der glei­chen küblen Korrektheit, die das Zeichen dieses LaaeS ist. .Im Namen der Regierung der Re­publik habe üb den Auftrag, die Delegatton der deutfchen Vsvollmächttgten bei ihrer An­kunft in Versailles zu empfangen und zn be­grüßen. Oberst Henri, der Cbef der ftanzösi- schm MilitärmMo«, wird die Verbindung Mi­schen den deutschen Bevollmächtigten und der Regierung der ftanzösischen Republik und den verbündeten Regientnaen übernehm-n.- Graf Rantzau antwortete kurz,daß er in feigem und in dem Namen seiner Retteruna hemfe*.

D'e Straßen rtntffen den drei Ho-els die uns »ur Verftiai'na stehen stutz nach der übri­gen Stadt aboesverrt. Die Zimmer im Hotel ves Reservoirs, im Hotel Botel und Hotel Suisse werden »erteilt Herren, die schon gestern gekommen sind, erzählen, daß der Rahmen der Bewegungsfreiheit* zur Erfüllung der Aus- rl sehr eng gezogen fet. Man wird sehen, habe mir vorgenommen, keine Meinung rflfota zu nehmen. Mehr als l etonte «nd «ieber betonte Korrektheit und *efrr

zurückhaltende Höflichkeit habe üb nicht erwar­tet, die Wabl von Versailles als Verüandlungs- ort erübrigt Betrachtungen. Fu der Nacht, als ich mein Gepäck besorgen will, komme ich mit einem französischen Sergeanten ins Gespräch. Werden Sie unterzeichnen?" fragt der etwa vierzigjährige Mann. .Wer kann das wissen?" frage ich zurück.Es sollte Frieden geben, es wäre gut für Sie und für uns auch."Das hängt ab .. .* sage ich er unterbricht:Man sollte den Willen haben auf beideir Setten.* Er seufzt leicht auf. wir sehen still in die dnnfle Straße. »Gute Nacht, mein Serri*Gute Nacht!* Im Hotel zeigt mir ein Kollege die Nummer des Echo de Paris, in der die gestrige Ankunft der Vorbereitungskomm's'sion geschil­dert wird, eine Reihe von Nadelspit­zen und Bosheiten mit der Einleitung: .Anklfnft der Vorläufer der Kommission, die den Frieden zu unterzeichnen haben wird* Man muß warfen* ob der vernünftige Simt sich durchsetzt oder die Phrase ...! Rolf Brandt.

Wilsons ttmfal Wilson betont die Schuldfrage.

(Drahtbericht.)

Genf. 3. Mai.

Wie Pariser Blätter melden, sprach Wil­son in der amerikanischen Kolonie in Paris über den bevorstehenden Frieden. Der Präsident führte aus, daß die Gerecht! g- feit des Friedens erst an der Schuld- frage der striegSurheber zu messen sei. «US diesem Grunde habe auch Sintert}* geglaubt, sich den allgemeinen Forderun­gen der Berbüudeten und der ganzen Menschheit, erbarmungslos die Schuldigen sest- zustellen und zn bestrafen, nicht widerset­zen zu sollen. Von amerikanischer Seite wird halb offiziell mitgeteilt, düst keinerlei mündliche Verhandlungen zwischen den Denffchen und den Assoziierten stattfinden sollen. Zwischen Montag und Mtttwoch wird die Uebergabe der Friedensbedingunaen an die deutschen Delegierten erwartet. Sie können dann entweder nach Weimar zurückkehren oder in Paris bis zur Beschlußfassung verbleiben. In jedem dieser beiden Fälle «erde der B e r - kehr zwischen den Verhandelnden nur durch Noten, also lediglich schriftlich, stattfinden. Die Denffchen hätten fvnszHn Tage Bedenkzeit, die am 22. Mai endigen sollen. Für eine etwa noch notwendige Antwort der Alli­ierten auf die endgülttge Antwort der Deut­schen werden noch etwa fünf Tage gerechnet werden. Am 27. Mai wäre dann alles zu Ende. Ms Ermtd für diesen Verkehr wird lediglich angenommen, der Geschichte zu zeigen, daß bei Diktterfrieden nicht unterhandelt werde.

*

Wenn die vorstehende Meldung zutrifft, und der Wahrscheinlichkeit nach trifft sie zu, dann bedeutet sie einen glatten UmfallWilsons, der anfänglich gegen die Mitkontrahenten def­tige Kämpfe zu bestehen hatte. In diesem Kampfe «stElemenceau offenbar Sieger geblieben und Wilson bläst nun ab. Ohne daß die Schuldsrage noch gelöst wäre, wird sie nun den Deutschen einfach zugeschoben. Und so werden wir einen Frieden zudiktiert bekom­men, der an Schwere und Härte nicht wohl übertroffen werden kann. Wir müssen nach alledem aus das Schlimmste gefaßt sein.

Die feindlichen Delegierten.

Genf, 3. Mai. (Drahtbericht.) Die Delegier­ten der alliierten und assoziierten Großmächte sind folgende: Vereinigte Staaten: Präsident Wilson, Lansing, Henrh White. Oberst House, General Miß. England: LVohd Ge­orge, Balfour. Donar Law. Barnes, Milner. Dominions: Kanadg: Borden, Foster, Do- herth, Sistön; Australien: Hughes. Cook; Süd­afrika: Botha, Smuts: Neuseeland: Massey, Ward; Fndien: Montag«. Mahardaschah von Bikantr, Lord Sinn«. Frankreich: Cle- menceau, Pschon, ^lotz. Tardieu. Jules Cam- bon Japan: Saionji, Makine, Chinda. Matsui, Jtuin. Belgien: Hymans, van den Hetrvel. Vandervelde. Griechenland: Ve- niselos. PoNtiS, Romanos. Portugal: Costa SoareS, Notton de Mattas. Freire dAndrade Batalba Re'S. Rumänien: Drattanu. Se­tter al Coanda. Vaida. Boevod. Mis« Anto- neseo. Diamandy. Danielovol. Serben, Kroaten, Slostvenen: Paschiffch, Trum- biffch. Vesniffch. Zokger. Ferner sind durch De­legierte vertreten: Brasilien. China, Kuba, Gua­temala, Haiti, Hedschas, Honduras, Liberia, Nicaragua, Panama und Siam.

*

Orlando lehrt nach Pari» zurück.

Genf, 3. Mai. (Drahtbericht.) Eine Ha- Vasdepesche vom Freitag früh meidet: Or­

lando kehrt zum Abschluß des Fnedensver- trages mit Deuffchland nach Paris zurück. Die itakienische Regierung hat der Alliierien- konferenz die Enffendtmg italienischer Kriegs­schiffe nach F i unt e amtlich ntitgeteilt.

Der deutsche Frkedens-Ausschutz.

Berlin, 3. Mai. (Drahtbericht.) Wie die Bofsische Zeitung hört, verbleibt der Frie­densausschuß der Nattonakversammlung in Berlin. Das Plenum der Rationalver- sammilung wird zunächst vertagt. Der Präsident wird ermächtigt, die nächste Sitzung einzu­berufen und legt den Mitgliedern nahe, sich in den nächsten Tagen in Berlin bereitzuhalten, vornehmlich für eine eventuelle Fühlungnahme der Fraktionen mit den Mitarbeitern des Frak- twnsausschusses. Haushalttrngs- und Perfas- sungsanSschuß treten ebenfalls in Berlin zusam­men. Die endgültige Verlegung der Nationalversammlung n a. ch B e r l i n wird mit biefem Beschluß noch nicht vorweggenommen, da bei einer solchen Maßnahme große tech­nische Schwierigkeiten zu überwinden sind.

Einladung vsterreichischer Delegierter.

Wien, 3. Mai. (Drahtbericht.) Die Staats- korrespondenz meldet: Der oberste Rat der alliierten und assoziierten Mächte hat beschlos­sen, die österreichischen Delegierten einzuladen, sich mit Vollmachten versehen, am Montag den 12. Mai, abends, in St. Ger­main en Lade einzufinden, um die Friedens­bedingungen mit den Alliierten zu prüfen.

Für eine DskkSabstirrmrung int Elsaß.

Basel, 3. Mai. (Drahtbericht.) Nach einer Meldung der Matter aus Straßburg haben sich am Sonntag die elsässischen Sozialdemokraten für eine Zuteilung Elsaß-L othr in- gens an Frankreich nur auf Grund einer. Volksabstimmung ausgesprochen.

*

Neutrale Anleihe für Deutschland.

Amsterdam. 3. Mai. (Drahtbericht.) Wie holländische Bauflreise aus London erfahren, sind dort Nachrichten ans Rewpork eingefroren, wonmh Amerika die Bewilligung einer neutralen Anleihe für Deutschland unter allen Umständen durchzuführen versuchen wird. Es handelt sich angeblich um eine An­leihe in Höbe von zehn bis zwölf Milliarden Mark zum Antons von Lebensmitteln und Rohstoffen für Deuffchland.

Sie £ue in Batzern.

Erfolge der Regiertmgstrnppen. (Drahtbericht)

* , Ingolstadt, 3. Mai.

- Die Orte Partenkirchen, Kolm und Mittenwald sind gestern von Regierungs- truppen besetzt. Gan» Südbahern ist damit wieder in den Händen der Regie­rung Hoffman«. Wütende Straßen- kämpfe sind noch im Norden und Nordosten Münchens im Gange. Die Zahl der Toten bei­derseits übersteigt bereits 150. Der Eisen­bahnverkehr mit München und Südbahern wird am Sonntag ftüh wieder aufge- Hemmen. Morgen beginnt nach dem Ein­marsch weiterer Regierungstruppen in Mün­chen die Planmäßige Durchsuchung der ganzen Hauptstadt nach Waffen. Die KauvtMbrer haben sich unter Mitnahme aller Kaffen der Räteregieruna in Sicherheit gebracht. Die Regierung Hoffmann gab Be­fehl zur Entwaffnung der Münche- ner Regimenter, deren Führer dem Kriegsgericht zur Aburteilung unterstellt wer­ben sollen. Die Proviantämter in Müll- chen. die für sechs Wochen Lebensmfttelvorräte enthielten, sind von den Kommnnisten radi­kal auSgeraubt worden.

Erschossene Geiseln.

Augsburg. 3. Mai. (Drahtbericht.) ES be­stätigt sich, dah die Zersetzung der Rote« Ar- i mee große Fortschritte gemacht hat. Aus den Häusern ist teilweise aus die Rotgardisten ge­schossen werden. Ein gestern menm von der konlmnnistffchen Regierung verbreiteter An­schlag teilt mit, daß von den verhafteten Gei­seln verschiedene Persönlichkeiten, darunter Geheimrat Döderlein. Bro'. Stuck, Für« Albert von Thurn und Taris mit Gemahlin Fürst zu Weed«. etfdtoffen worden seien Em- Bestätigung bWer Mel­dung ist nicht tt« e-langen Die telephonische Berbindlmg mit München ist teilweise w-ever ausgenommen worden. Die lnische Zei­tung" meldet aus Bamberg: Die von ande­rer Seite verbreitete Meldung, daß die Kom­munisten in München Geiseln erschos­sen hätten, wird hier bestätigt. Es soll sich nm sechs Personen handeln, unter denen sich Grak Botstmer befinden soll.

kNssre ErnShrmg.

Wie wird eS in der nächsten Zukunft?

Kassel, 3. Mai.'

In einer längeren Borttagsscrie (auf Vs- anlässung der Kurhessischcn Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft) gab Geheimer Medizt- nalrat Professor Abel aus Jena dieser Tage interessante Bettachtungen über unsere bisherige und zukünftige Grnährmtgsfrage, aus welchen mir die wichtigsten Auszüge in kurzer Fassung wiedergeben. Unsere Eritährungsftage, das wissen wir alle, liegt durch die englische AuS- hungernngspolittk, aber auch durch mangelhafte Verwaltung der eigenen Regierung heute noch, wie in den "letzten Kriegsfahren, im Argen. Die gesundheitlichen Schädigungen, Blutarmut, Hautkrankheiten, Wassersucht, vor allem die Tu­berkulose (es sind hier 200 000 Todesfälle mehr in den Kriegsjahren als im Frieden zu verzeich­nen), liegen offen vor. Der Verlust an Men­schenleben im inneren Laude muß auf sie erschreckliche Summe von 763000 beziffert wer­den. Auch die moralffche Schädigung, die aus dieser Unterernährung entspringt, läßt sich lei­der durch erkleckliche Ziffern (so wurden bei­spielsweise in Stuttgart innerhalb eines Vier- teliahres mehr als 1300 Jugendliche wegen Felddiebstahls besttcrft) feststellen. Die Frage ist nun, wie diesem Krebsschaden der allgemei­nen UntcrernÄhnrng entgegeuzuarbciten, respek­tive wieder abzuhelfen ist. Im Durchschnitt tfi das Gewicht des Menschen in Deutschland um 15 bis 20 Prozent, ebenso im Eiweißbestand jurinfgegangen. Am wenigsten werden von die­ser Gewichtsabnahme die Landleute bett offen, pt es ist sogar hier ein Ueberfchuß an Lebens­mitteln zu verzeichnen, ebenso die Jugendlichen, die wenigstens brs vor anderthalb bis zwei Jabren, durch die Zustellung der gleichen Nah­rungsmenge wie die der Erwachsenen, wenig ittrter dem Kriege gelitten haben. Auch der Ar- beiter ist durch erhöhte Verdienste durchaus nicht den leidendste Teil. Am schlimmsten ist der Mittelstand betroffen, affo der Beamte, dessen festes Einkommen mit den erhöhten LebenSmitz lechreisen nicht genügend Schritt hält. W« also ist diese Auffütterung zum normalen Ge- wicht imb Eiweißbestand zu erreichen?

DieseAuffütterung* beliefe sich auf etwa fünfzig Millionen Menschen und würde «ui animalischem Wege eine Menge von 306000 Tonnen Eiweiß nrtb 131000 Tonnen Fett er­fordern mit einem Kostenaufwand von etwa dreieinhalb Milliarden Mark, Mittel, die wir also durch Einfuhr vom Auslande erlange« müßten und für deren Erreichung nur geringe Möglichkeiten zur Zeit vorliegen. Es bliebe also vorerst, statt dieser ani malischen Kost, nur der akt-gangbare, sichere Weg des bisherige» Shsteins, der vornehmlich vegetabilischen Se» benslveife, übrig. Um diesen Vegetarismus nun weiterhin zu erhalten, bedarf es also in erster Linie wieder erhöhter Wirffamkeit aut dem Lande. Viele- hat hier während der Kriegssahre auch eine starke Vernachlässigung erlitten, vieles mutz hier wieder geebnet und gehoben werden. So wenig aussichtsreich es sich bis heute auch erwiesen hat. so stark «ruß doch weiterbin auf die Wiederanstedlung bei Städter- auf dem Lande gewirkt werden, die Kleintierzucht mutz wieder zur Blüte kommen, der vielfach vernachläßiate Boden durch die nö­tigen Düngemittel, Kaff. Kaff, PhosVfrorsSure rmd Stickstoff, in sorgsame Pflege genommen werden. Als erster Anbau ist das Anvflainen der Oelfrüchte zu bettachten, da bereit Ein­fuhr vom AuSlande in Wegfall gekommen ist, und ihre Fetterzeugunq nicht nur für den Kör­per stark in Betracht kommt, sondern auch auf oem Gebiete der Srifenerzengung und Anstrich­mittel zur nettoenbioffen Ergänzguttg kommt. Als Meitwichtigste Pflcmquna ist der Bau bet Zuckerrübe zu bettachten, über berat Werte in ErnShrungsfrogen wohl überall genflgenbe Aufklärung vorhanden fein wird, (ritte weitere Aufgabe ht der Hebung bet Ernähruna wird in der Bekämpfung deS Ratten Alkofrolver- brauch- zu fuchen sein. Während in Friedens- zetten hier schon ungeheure Quantttäten ein­einhalb Millionen Gerste kamen auf den iöbr- lichen Bierverbrauch verkonsumiert wurden, tonten bis in die letzte Zett hinein noch 120000 Tonnen Gerste jährlich für bett Bierverbrauch rur Verwertdurw. DaS machte pro Kovf und Wocke eittftt Zuschuß von 80 Gramm Grmweu, bas Vorbild Amerikas, da- die Schnaps- itnb Bierb-reituna bereits lange unteri"<tt bat, tollte loeffcherwriss aff» auch bei uns Eingang finden, »"mal h auch die Nnkosten tmb, nicht nt vergessen, die eefnndßesssschen Schäden da- Aflsbolverbrauches ftar auf der Hand liegen.

ferner wäre auf Hebung der Fischzucht zu wirken, da Deuffchland frier biS jetzt auch nur etwa ein Drittel geliefert hat. An der bis­herigen Rationierung wird am besten weiter festaefralten werden, nur ist der Verteilung nach Bedarf mehr Rechnung zu tragen, also Jugend­lichen gering, re Mengen als Erwachsenen zu ael-en. Ferner wäre, nach einem Vorschläge des Redners, eine Vereinigung sämtlicher Drod».