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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 126» Fernsprecher 051 unb SSL Sonnabend, 3. Mat 1919. Fernsprecher 051 «nd SSL 9. Jahrgang.

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lleberreichmg der Zriedensakle am Sonntag?

Bor dem Frieden.

Weltfrieden oder Weltrevolution?

Harte Wochen und schicksalsschwere Entschei-- dungen erwarten uns. Um Deutschlands Zu- kunst fallen in den nächsten Tagen in Paris die Würfel. Was mag der Friede bringen? Welche Bedingungen hält man für uns bereit? Mehr als einer stellt sich heute diese Fragen. Doch noch wissen wir es nicht. Aber nach den harten Bedingungen, nach aK den Demütigun­gen, die man uns beim Waffenstillstand aus« erlegt, können wir kaum noch etwas Gutes .er­warten, In den Tagen des November haben wir unser Geschick in die Hände unserer Feinde gegeben, und ihrem Richterspruch ülberantwor- tet, der nun in den nächsten Tagen fallen soll, ßn Leu letzten Wochen haben wir zur Genüg« erfahren müssen, daß unsere Richter keinerlei Versöhnung und Verständigung zugängig find, daß eine blinde Rachsucht alle Schranken politi­scher Einsicht und Vernunft gesprengt, und die Alliierten nur noch der eine Gedanke beseelt, uns so zu schwächen, .uns so niederzuzwingen, daß wir für lange Zett vollständig in ihre Bot- maßigleit und Abhängigkeit gegeben werden sollen. Rechtsfrieden? Es wird ein Traum gewesen sein. Nur eine Frage bleibt. noch offen. Wir haben es zum Teil mit Gegnern zu tun, die gute Rechner und Kaufleute von keher waren. Und vielleicht dürfen wir da an­nehmen. daß wsnigstens Engländer und Ameri­kaner mit sich reden lassen, daß es unseren Un­terhändlern gelingt, fie zu überzeugen, daß ein niedergetretenes Deutschland niemals ihren eigenen Interessen dienlich sein kann. WaS wir unser gutes Recht nennen, ist ihnen Profit. Und diese Erkenntnis wird vielleicht doch noch in letzter Stunde, nicht zwar aus dem Gefühl, der Versöhnung heraus, wohl aber der schlauen, kühlen Berechnung die beiden Mächte bestim­men, den Franzosen einige kühle Dämpfer aus- Msetzen.

Der geplant« Raub des Saarbeckens muß in sedem Deutschen das Gefühl der Rache und den Wunsch, dieses Gebiet wieder zurück zu er- werben, wachrufen. Dann aber ist der K e i m zu neuen Kriegen gelegt, dann toben in absehbarer Zeit neue Vernichtungskriege, und bie Welt kommt nie zur Ruhe. Elsaß-Loth- »ingen könnte da zum warnenden Beispiel die­nen. Die Wegnahme unserer Kolonien müßte unser» wirtschaftspolitische Lage weiterhin un­erträglich machen, und unser Volk wird sich nie erholen können, wenn wir diese Länder nicht znrückerhakten und van neuem dort Absatzge­biete schaffen. Was die -Frage der Kriegs­entschädigungen andetrifft, so wird doch wohl keiner unserer Gegner glauben, daß man uns noch Unsummen aufladen kann, wo wir heute schon über und über verschuldet find. Das Reich allein hat heute bereits 200 Milliarden zu decken. Hinzu kommt, daß wir noch alles, was wir notwendig brauchen, aus dem Aus­lande beziehen müssen. Wie wollen wir denn unsere Lebensmittel und Rohstoffs bezahlen können, wenn man uns in weitere Schulden stürzen will, die uns schließlich vollends ruinie­ren müssen? Glaubt die Entente dann noch irgend welchen Schadenersatz von uns zu be­kommen? Wo nichts ist, da ist nun auch einmal nichts zu holen! Oder will sich der Gegner mft den Erzeugnissen unserer Rotenpresse be­gnügen ?

Treffend hat ein holländisches Blatt vor kurzem gesagt: Die Deutschen haben nichts auf den Konferenztisch zu legen, als eine leere Ak­tenmappe und das Bild Lenins. Und es fragt sich vielleicht, ob es nicht ratsam ist, den Geg­nern, wenn sie keiner Ueberzeugung zngängrg sind, wenn bei ihnen nur Eigennutz und Beute- lust herrscht, das Bild des russischen Re­volutionärs vorzulegen? Wir können uns getrost ans unseren einzigen Verbündeten, die Zeit, verlassen. Wenn der Friede nicht bald kommt, ein Friede, der uns Leben und Erho­lung gönnt, wenn auch ht den Ländern unserer Gegner daS Volk noch weiter auf den Abschluß deS Bökkerkampfes warten muß, dann kann es geschoben, daß dir Weltrevolution einer guten TageS auch den Weg nach Paris findet, und die dortigen Machthaber weafegt, wie sie all die anderen wegaerissen hat. Unsere Reaie- runa und unser Volk haben ihren- ehrlichen Friedenswillen der ganzen Welt bewiesen. Gönnt man unS diesen Frieden »nicht, dann bleibt uns eben nichtS anderes übria. als den Dinr-en ihren Lauf zu lassen. Ans die Zu­kunft ba-'en wir! Geht Deutschland zugrunde dann reißt öS keine Gegner mit.' Eins nur Hafen die Alliierten zu bietent entweder Friede oder di» Revolution.«en sie sich darüber flar kein: in Pari» wird nicht nur über unser Schicksal, sondern über daS der gan­zen Welt entschieden. Wird die Entente in sedem Fall die Verantwortung übernehmen wwlsn? Weltfriede oder Weltrevo-» kuti on ist beute die Losung. Wer mag Lie­ger Meiden? Wird ein Friede der Vernunft, Versöhnung und VerstLudigmrg endlich der

Welt die ersehnte Ruhe bringen? Oder wird man in Paris dem Weltenbrand neue Nahrung geben? Soll über Europa und seine leidge­prüften Völker endlich ein neues Morgenrot aufaehen, oder wird der Tag kommen, wo ein wildes Chaos all das vernichtet, was der Welt­krieg noch verschonte? Dr. Kr.

Sn BerfMes.

Ueberreichung der Friedensakte am Sonntag? lDrahibericht.s

Berlin. 9. Mai.

Der von der Telegraphen-Union mit der HriedcnSdelegation nach Versailles entsandte Sonderberichterstatter meldet -von dort unter dem 30. April: Heute ist hier der Tag unter aller Ruhe verlausen. Die deutsche Delegati- o u ist mit dem Aufbau ihrer Organisation so­wie der Einrichtuna der verschißenen Unter- kommisfionen beschäftigt. Bon Seiten der En­tentevertreter ist heute noch keinerlei Handlung «orgenomme« worden. Die ersten amtli­chen Schritte.sind nicht vor Freitag zu erwarten, da am 1. Mai auch in Frankreich Nationalseierstrg ist. Am Freitag dürfte die ftanzösische Regierung Sie P r ü f u u g der deut- schen Vollmachten vornehmen, sodaß der Sonntag der srühefte Termin der Ueberreichung der Friedensalte ist. Der feierliche Akt. der mit der Ueberreichung der Friedensakte verknüpft ist. wird am Sonntag nachmittag im Festsaal des Hotels Trianon stattfinden. Am Sonntag vormittag wird den kleinen Raiwnen des Ententebundes in einer in Paris ftattfindetwen Geheimsttzunq dieFriedens- Me unterbreitet werden. ES wird sich hierbei aber nm eine reine Formalität handeln, da leine «enderttng der Friedensakte möglich noch zuqelaffen wird. In belgischen Kreisen herrscht, zweifellos eine große Verstim­mung. Heber die Ausstchten der Friedensver­handlungen zwischen der Entente und den deutschen Delegierten äußert sich die gesamte Presse sehr zurückhaltend. Eine spätere Mel­dung besagt: Bon der deutschen Friedensdele- aation in Versailles find neue Nachrichten bei der Regierung eingelaufen und Zwar infolge Funlsprnch, da der Telephonverl-hr mit dem Siemensapparat bisher noch nicht ausgenom­men werden konnte. Aus diesen Nachrichten gebt hervor, daß die Verhandlung mit der Entente voraussichtlich nicht vorSonntagbeginnen werde. Die Be. weglfnasfreiheit kür die Mitglieder der Frie- denSdeleaation und die ihr »ugrbörenden Per­sonen wurde in keiner Weise beschränkt.

Die Rückgabe bet Gefangene«.

Paris. L Mai. (Drahtferickt.) Clemen­te a u . Slovd George und Wilson hielten Dienstag eine Ätzung ab, in der die Fraae der deutschen Gefangenen besprochen wurde. Die damit beschöftiate Kommission bat die Heimbeförderung der 600-700 000 Ge­fangenen beschlossen, da der Wiederaufbau durch gelernte Arbeiter vor sich geben müsse. Auch derTemps" erfährt, es sei grund­sätzlich beschlossen worden. daß bme nach dem Waffenstillstand ht Frankreich zurückgehaltenen Kriegsgefangenen durch den Vorfrie- densvertrag zurnckgegeben werden. Deutschland verpflichte sich dagegen, eine ge­wisse Anzahl Handwerker und gelernte Arbeiter nach Frankreich zu schicken, um die Wiederher­stellung der verwüsteten Gebiete zu fördern.

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Wilson Mttb daS Saarbecken.

Stockholm. 2 Mai. (Drahtbericht.) Wie bet Pariser Korrespondent von Svenska Telegram Dvran erfährt, sei Wilson fett längerer Zeit bereit aewefen. in der Frage des Saar­becken S eine gleiche Erklärung wie in her Adriatischen Frage zu veröffentlichen, und man könne nicht verstehen, warum er dieselbe, nach- dem er sie schon vorbereitet hatte, der Presse nickst übergeben habe. Es scheine daher. alS habe er in den letzten Taqen in der Saarsrage nette Zuaeftändnikse gemacht.

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"Bestrafung der Schuldigen."

Bafel. 2. Mai. tDrahtberickst-l Eine Ren- ferbevesche meldet anS Paris: Der Antraa der Bestrakuna der Schuldigen am Wcli- krtea fordert die Abnrteiluna von 26 -amentkick bezei-Onet-n Heerführern und Tothent und ihre Auslieferung an die Alliierten.

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Die Kiantschan-Frag«.

Amsterdam. 2. Mai. (Drahtbericht.) Nach Meldungen aus Paris macht die Friedenskon­ferenz bekannt, daß die Schwierigkeiten Betret» fenb Kiautschau aus befriedigende Weise gelöst find. ist beschlossen worben, daß

der FriedenSvertraa Kiautschau den Javanern zuspricht Kiautschau werde aber eventuell von den Japanern China übertragen werden.' So wird dann die chinesische und japanische Regie­rung die Einzelheiten zu regeln haben.

Verschiffung deutscher Waren.

Basel, 2. Mai. (Drahtbericht.) Die Preßin­formation meldet aus London: Die Alliierten haben die Berfchifsung dentfcher Wa­ren von neutralen in alliierte Länder frei­gegeben Solche Waren deutschen Ur­sprungs dürfen auch in englifchen und amerika­nischen Käsen «maeladen werden, werden jedoch nickt in alliierte Länder einaeMrt. wenn die Waren über 5 Prozent deutsche Rohstoffe ent­halten. Die Ursprungszertifikate bleiben für leihe Kategorien von Waren in Kraft.

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Französische Ausstellung ht der Pfalz.

Ludwigshafen. 2. Mai. (Drahtbericht.) Mit großem militärischen Gedränge wurde in Zwei­brücken eine Ausstellung französi­scher Industrie- und Kunsterzeugnisse eröfs- net. die von mehr als 1200 französischen Fir­men beschickt wurde. General Gerard ertlärte ht seiner Ansprache, daß die Ausstellung den Zweck habe, der Förderung guter Nachbarschaft zwifchen Frankreich und der Pfalz unter Mit- Wirkung an der wirtschaftlichen Neuotganisa- ti-on der Pfalz zu dienen.

Mönche« ssmomme«.

Unter Kampf in München eingerückt. (Drahtbericht.)

Stuttgart. 2. Mai.

Bei der Staatsregierung ist folgender Funk­spruch aus München eingegangen: Gestern abend ist als erste Regierungstruppe die Dolks- wehrkompagnie Regensburg unter Führung von Leutnant Sägmüller unter Kampf in München eingerückt. Die Residenz ist be­setzt. Das Wiener Korr.-Bnreau meldet: In Kufstein ging vom österreichischen Hanfels- museum in München telephonisch folgende Mel­dung ein: Gestern vormittag marschierten die Truppen der Regierung Hoffmann in München unter heftigen Kämpfen eiy. Die Sttatzen- kämpfe dauern noch an. Es ist aber anzuneh­men, daß sie bis abends beendet fein werden. Die bewaffneten Arbeitet legten die Waffen und die roten Armbinden ab. Die Truppen sind unter mtbeschrelblichem Jubel eingezogen.

Die Kom«ru«istenfÜhrer entkommen!

Bamberg. 2. Mai. (Drahtbericht.) lieber den Einmarsch in München liegen bisher Mel- düngen vor, wonach es den tzauptsühtern der Münchener Kommunisten gelungen sein soll, rechtzeitig aus München zu entkom­men. In der Residenz wurde ein Kriegsge­richt eingesetzt, das die Aburteilungen in Ge­mäßheit des Über Bayern verhängten Stand­rechts vornehmen soll.

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Wiedereinsetzung der BehSrden.

Bamberg, 2. Mai. (Drahtbericht.) Die Re­gierung Hoffmann gab Anordnung, daß die aus München rechtzeittg entkommenen recht­mäßigen Behörden bis Mittwoch kommen­der Woche zur Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit sich in München einzufinden haben. Die bayerische Regierung selbst bleibt bis aus weiteres in Bamberg. Wie von zuverlässigen Mittelspersonen gemeldet wird, ist ein Teil der Münchener königlichen Gebäude, darunter die Residenz geplündert, während Strafen und Museen unversehrt sein sollen.

Hilferuf a«S München.

2. Mai. (Drahtbericht.) Ein Funkspruch aus Müncken ruft dringendst um Hilfe. Die Lage in München sei verzweifelt. Die roten Gardisten desertieren massenhaft. Die Zustände verschlimmern sich von Stunde zu Stunde. Die Banken sollen auSgeraubt werden. Organisiert«. Banden plün­dern und brennen. Die Berhaftunaen nehmen einen erschreckenden Umfang an. Die DövAk-rung bittet lebhaft um Hilfe.

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Erfolge der Div fion Epp.

Starnberg. 2. Mai. f$ra6tberi<6t.) Nach einem amtlichen Bericht hat die Division Epp den Bahnhof Patzenhofen nach kurzem Kampf genommen. Die Spartakisten verloren hierbei zwanzig Tote und mehrere Schwerver­letzte. Pocking und Starnberg wurden ohne Kamps besetzt. Ein Maschinengewehr und zahlreiche Handwaffen wurden erbeutet.

Her Mai-Feiertag.

Eine Rede Scheidemanns.

(Drahrbericht.)

Berlin, 2. Mai.

Die sozialdemokratischen Parteien aller drei Richtungen hatten zu gestern vormittag, 10 Uhr, Massenversammlungen einbcvufen. In einer von mehreren Taufend Personen besuch­ten von den Mehiheitssozialisten auf dem Kö­nigsplatz abgehaltenen Versammlung sprach Ministerpräsident Scheidemann, von der Vevsammluna mit lauten Bravo- und Hochrufen begrüßt. Scheid emann sprach di« Hoffnung aus daß im nächsten Jahr die ganze Welt den 1. Mai als Volksfeiertag begehen könne. Seit dem 9. November 1918 seien 6 Monate verflos­sen, und das sei nur eine Sekunde in der Welt­geschichte. Wenn die Regierung bisher nicht alles durchzufetzen vermocht habe, fonege das daran, daß in dieser Hinsicht keine Zeit vorhan­den war. Viele Streife seien mit bet jetzi­gen Regierung unzufrieden. Die Unzu« fristen feit beruht auf G e g euf eiti gketh wodurch die Regierung an pofitiver Arbeit b er bindert worden fei. Nur geeignete Be­triebe können sozialifiert werden. Zu Bankrott geneigte Unternehmen eignen sich hierfür nicht. Es sei Unrecht ihn (Scheide- mann) Tag für Tag zu denunzieren als Verrä­ter und Schuft. Wer fo redet, diskreditiert nicht Personen. sondern den Sozialismus. Dann fetübrte der Redner die

Verhandlungen l« Versailles.

Wir Sozialisten verlangten schon fett Beginn des Kriegs einen Frieden der Gerechtig. feit und haben daran sestgehalten. Es schien, als ob wir als Sieger auS diesem Striegc hervor gehen würden. Schon damals sagten wir, wir wollen feine Vergewaltigungen. Waz französisch ist, soll französisch bleiben, was bel- orsch ist, bleibt belgisch, und was deutsch ist bleibt deutsch. Diesen gereckten Frieden verlangen wir tum auch für uns selbst. Unter dem lebhaften Bravo der Versammlung richtete dann der Ministerpräsident herzliche Grüße an das internationale Proletariat. Mit dem Rufe: Freiheit, Gleichheit, Brüderlich' feit für Alle schloß er die mit lebhaften Ber- falls kn nd gebun ge n auf genommene Rede. Die in allen Versammlungen der Mehrfettssozial» femokraten angenommene Entschließung for­dert, daß nach diesem letzten furchtbaren Sfeiege eine

Wiederholung des DSNermordenS unmöglich gemacht und daß ein Bund der Völker, basiert auf der Grundlage des Rechtes und her Verständigung aufqebaitt werden müsse. DaS deutsche Volk habe dafür zu sorgen, daß der Sri fett n:e mehr gestört wird. Des weiteren verlangt die Resolution die Herausgabe unserer Kriegsgefangenen, die Be- settigitng fes wirtschaftlichen Druckes, Sturz des Kapitalismus, Bekämpfung jeder Reak­tion. Ausbau der bereits erzielten Errungen- schäften der Revolution und Einigung des Pro­letariats aller Völker. Die Unabhängigen hiel­ten große Versammlungen im Hnmboldhain, Friedrichshain und tm Treptower Park ab, die eine außerordentlich starke Besucherzahl auswei- sen konnten. In der Entschließung der 11 nab« hängigen wurde hauptsächlich rin freies fo« zialistifcheS Deutschland auf dem Bo­den des Rätefvstems gefordert. Außerdem sprach sich die Resofntton für die Herbei­führung der Weltrevolution ans. ES würfen Grüße an baS russische und ungarische Proletariat ausgesprochen. Soweit bekannt wird, sind alle Versammlungen ohne Zwischen­fall verlaufen. Die Arbetterschaft ging nach Beendigung der Feiern auseinander, nm den Tag in Verbindung mit festlichen Veranstaltun­gen zu Begehen. Der gestrige Maiseiertaq ist ruhig verlaufen. Heute früh sind keine Berliner Zeitungen erschienen, ba das Drucker- personal auch in bet Nacht zu heute die Auf-- ttafene der Arbeit ablehnte.

Die Maifeier« im Ausland.

Fratckfttrt a. M.. 2. Mai. (Drahtbericht)'. Soweit bisher Nackrichten vorliegen, sind die Maifeiern überall im Reiche ruhig ver­kaufen. Das Gleiche wird der Frankfurtev Zeitung aus Wien und Zürich berichtet. In Frankreich wurde die Maifeier diesmal dadurch ein ganz besonderer Stempel rnrfge» drückt, daß jedem der Arbeitsstätte ferngebliebe, nett vom Gewerkschafisverband ein Zettel eing&> händigt wurde, auf dem der Betreffende durch Unterschrift zu bestätigen hat, daß er gefeiert hat, um den Achtstundentag, eine vollständig« Amnestie, schleunige Demodilmachun» und einen gerechten Frieden mit rflftnng zu fordern, uns um «gen eine In« teifentton in Rußland, «in« Besteuerung fet