Kasseler Neueste Nachrichten
Kaffeler Abendzeitung
9>te Äoffeler »entfielNachricht«« «schein«, »SchenMch sechs»«! mtb pBot abend». Der Lbonn«nent»r>ret» beträgt numoä. Ui «tat! bei frei« flsfießm« in» Han« Sefiellm-z«, «erden ieb errett von der SeichLstrftell, oder den Beten -ntgegengenoemten. rrnckeret, Bet tag and ItebaBten: echlachchefstrade 28/80. ftüt nm>«tangt «tngefcnbte Beiträge kann bte Redaktion eine BtranhDottimfl eb« Gewähr in keine« Pall« sbenubtnen. «ückMhteng de« VeMgi^lde« oderwiwrSch»«egen enoaig«nicht OTt>ramg«mä8tg«t etefenmg anSgeschtoffen
Hessische Abendzeitung
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Nummer 125.ffcnwaet «i s«.
DounersLug, 1. Mai 1919.
S. Jahrgang.
Fernsprecher 951 wtb 951
Huftaft M den Versailler Verhandlungen.
Lolks-Abstimmung.
Die Gefahr eines Referendum-.
Die Frag«, »i> di« vuter^ichunag »H ffrt» »en« «im« D»l«Sabitimmruig nnttitoorftn Werden fe*. »»darf «engten etnMum«. Wir Geben b«rum,»0n* un« damit identisch «rNii «ch gu »««««, die rnchgiehenden «N«f»tze. engen wieder, die einmal auf dir Schrei« rtgkrUen w» Bedenken tln»«i|en, di« eines Berts«»Äi*wutt« im Weg« stehen.
Durch die Presse ist in den letzten Tagen ein« Information in der »Kölnischen Zeitung" gegangen, nach der die Reichsregierung sich mit dem Gedanken trögt, die letzte Entscheidung tfbet die Unterzeichnung des FriedenSfthlusses gegebeuonfallS einer VokkSabstimumng z» unterziehen. Die Regierung habe die Mur nötigen Vorbereitungen bereits getroffen. Luch das deutsch« Poll wird sich damus vorbereiten rnüffen. Ist die Frage der Unterzeichnung des Frieden- geeignet, vom ganzen Volke durch eute Abstimmung entschieden zu werden? Soweit man bisher feststellen konnte, gehen die Memungen darüber durchaus auseinander. Don Vielen wird eine Volksabstimmung als we einzig richtig« Maßnahme empföhle». Die Vertreter dieser Anschauung empfinden, daß hier eine Frage zu entscheiden ist, die in ihren Auswirkungen jeden einzelnen ReichsLüraer oerfönlich berührt, und e- erscheint durchaus de- nwkratisch, wenn darüber der Einzelne seine Meinung seihst in die Wagschale werfen und somit selbst <m der letzten Entsttzeidung mit» virken kann.
Bemerkenswert ist eS aber, daß gerade in btmorratkscheu Krelfen der DorsMag Gegner «ft-uten hat. .An ehe; DiSk'sinm tes Demokratischen Klubs in Berlin wurde kürzlich von einem Mannten demokratischen Politiker, der die Stimmung im Reiche genau zu kennen vor- g»b. energisch vor einer Volksabstimmung über le Friedensunlerzeichmlna gewarnt. Der Red» uer führte auS, daß dir Stimmung in allen In- kmstrrcgebieten zweifellos für die Unterzeichnung d«S Friedens fei, ganz gleichgültig, wie der Frieden sich gestalten möge. Umg^ehrt sei man in allen landwirtschaftlichen Gegenden, be- fonderS in Ost. und Westpreußen und ta ^ckleswi g-Holstein, entschlossen, gegen jeden Frrchen zu stimmen, der auch nur einen Fuß breit deutschen Bodens abträte. Bei dieser Verschiedenartigkeit der VÄkSstinnnung sei zu befürchten, daß die Volksabstimmung ein ganz zufälliges Resultat ergeben könne, das in kerner Werse maßgebend für die sachlichen Jn- ereffen der gesamten Ration sein könne.
Dieses Bedenken ist nicht ganz von der AwL zu weisen. Die Fragen deS Friedens» schluffer sind so mmmigfach, so kompliziert, daß der einzelne Reichsbürger gar nicht in der Lage ist, sich ein vollständig klare- Bild vom Stande M Din« und ihrer Entwicklung zu machen. Wrr müssen dabei berücksichtigen, daß die Oes» »entlrchkeit ja auch heute noch nicht von der Regierung wahrheitsgemäß über alles Wichtige aufgeklärt ist. Man darf sich nur an die Be- Ämterscheinung deS Waffenstillstandes entsin- neu, wo pon RegiernngSfeite unzählige Behauptungen in die Welt geschickt wurden, die sich später alS unwahr erwiesen. Angeblich sollte uns zum Beispiel der Waffenstillstand binnen weniger Wochen dem Hungertode auSliefern. später, nm nur noch ein Beispiel zu nennen, wurde abermals von Erzber«r verbreitet, die von der Entente geforderte Lieferung tanttoirt» schafflrcher Maschinen werde unsere Landwirt» fchaft unmittelbar ruinieren. DaS waren Be» hauprungen, die da« Volk aufs tieffte beun- nchtgten und leicht zu politischen Schlüssen und Folgen hätten Wrr« lSnnen, di« sich später als übereilt Hütten Herausstellen müssen. Wer kann uns dafür bürgen, daß beim Friedensvertrag nicht ähnliche Fehler und Arrttimer der antt- kichen »Berichterstatter" und .Aufklärung' Pas. fieren? Und was dann, wenn das deutsche
in seiner Gesamtheit sich durch seine 906» strnrnarng an eine Entscheidung gebunden hat, deren BorauSsetzungen falsche waren?
Ein« Regierung, die Fehler gemacht hat, kann für ihre Fehler vom Volke weggejagt wer- den, und das Doll selbst, das an der Regie» rnnaSentscheidnng unschuldig ist. kann erneut an die Weltgsrechtirckeit appellieren. Aber ein Boll, das sich durch seine Abstimmung selber die Verantwortung auf die Schultern geladen hat, kann man in diesem welthistorischen Prozeß niemals Revision einlegen. Solche Ueberlegungen machen es verständlich, wenn der demokratische Politiker Hellmut von Gerlach in einem Artikel die Absicht der Regierung, die Verantwortung fitr den Friedensschlnß auf das Voll ochznschieben, für etwas sehr Zweischneidiges hält. Gegen eine Volksabstimmung de» stehen keine Bedenken, wenn es sich um einfache Prinzipienfragen handelt, wie etwa die Trennung von Kirche und Staat eine wäre. Die Friedensfrage setzt aber die Kennt- «ksse so vieler intimster politischer und wirtschaftlicher Einzelheiten voraus, daß sie nur v-m der Reateruna entschiede« werden kann, die
Zeit gehabt hat, diese Einzelheiten zu studieren. Dazu hat sie ja seit Monaten einen gewaltigen »Ausschuß für Friedensverhandlungen* organisiert, der sich aus diplomatischen und wirtschaft» lichen Sachverständigen zusammensetzt! Dazu werden unsere Unterhändler von drei Eisen- bahnwaggous voll weiteren Sachverständigen nach Versailles begleitet! Diese FrietenSdele- gation muß in der Lage sein, zu entscheiden, ob wir unterzeichnen können oder nicht, und auf der Basis dieser Delegation stehend, muß sich die Regierung für die Entscheidung verantwortlich machen können. Das ist auch der Standpunkt, den Maximilian Harden in der letzten Rmmner ferner »Zukunft* vertritt. 3. R.
Ankunft in Versailles.
Ter erste Sonderzug angekommen.
(Dvchtbericht.)
Paris. 30. April.
Sechzig deutsche Friedensdelegierte find ht Versailles eingetroffen. Die haben stch in Kraft- wagen zum Hotel des RSservoirS begeben. ES ereignete stch kein Zwischenfall. — Aus Paris wird gemeldet: Der RedaktionSauSschuß für die FriedenStedinguugen hat den ganzen gestrigen Tag an dem Wortlaut der Friedens- Ledingungeu gearbeitet. Es schweben jetzt nur noch: bte Frage von K-autschou, die Frage beS Kieler Kanals, der deutschen Unterseekabel und der schutzzöllnerischeu Regelung von Luxemburg. Die Soijderfommisfion für die deutschen KriegSgefan^nen wird am Montag ihre Dchknßsvrderungen aufstellen. Alles andere ist durch den RsdaktionSansfchuß zu erledigen, insbesondere die Fragen des Koblenbek- lenS und deS Systems derBesetzungdes linke« Rheinufer». Am Freitag oder Sotnmbend kann der Wortlaut der Friedens- bedkngungen de« Deutschen überreicht werden. Am Tage vorher wird im Ministerium des Aeußern eine geheime Plenarsitzung obgehalten werde«, in der die Vertreter der dreiundzwanzig alliierten Mächte von de« Feie» deuSbedrngunqen Kenntnis nehmen dürfen.
©ie Frage des linken Rheiunfers.
Genf, 30. April. (Drahtbericht.') Verschiedene Londoner Blätter melden, daß die F r a g e des linken RheinuferS noch immer nicht gelöst ist. Offenbar besteht ein Mei- nungsunterschied zwischen Clemeneeau und Foch, aber Einzelheiten darüber liegen nicht vor, da die Zensur sehr strenge ist. Erne militärische Besetzung für eine gewisse Frist ist in irgend einer Form ziemlich sicher. ES ist aber von Bedeutung, daß die französischen Sozialisten, wie der Korrespondent des .Manchester Guardian- meldet, darauf bestreu, daß eine internatiouale Okkupation stattfinden mptz, und zwar als Bürgschaft dafür, daß diese Besetzung nicht unnötig verlängert wird und sich nicht zu einer dauernden Okkupation auSwächst.
M
Fertigstellung de» Texte«.
len. Der Hauptpunkt des Völlerbundvertrages ist der, daß eine Ration, die unter Mißachtung des Vertrages ihre Zuflucht zum Kriege nimmt, als eine Ration angesehen wird, die eine KriegS- handlung gegen alle Mitglieder begangen hat.
„Zwangsarbeit" für die Deutschen.
Haag, 30. April. (Drahtbericht.) Aus Paris wird ans anttlichen Kreisen gemeldet, daß die Absicht bestehe, die deutschen Kriegsgefangenen solange für den Aufbau der verwüsteten Gegentzen Rordftankreichs zu verwenden, bis eine entsprechende Anzahl von Arbeitern aus Deutschland anstelle der Kriegsgefangenen gestellt sei. Danach besteht also auf französisch«: Sette tatsächlich die Absicht, die Deutschen zwangsweise zu den Arbei- ten in Nordfrankreich zu verwenden, das heißt im eigentlicher Sinne des Wortes, als Sklaven,
Sie Lage ta Bayern.
Münchener Wirrwarr.
(Drahtbericht.)
Bamberg, 30. April.
Rach verläßlichen Nachrichten, die hierher gelangt sind, zeigt es sich immer deutlicher, daß di« Zwistigkeiten zwischen den Bolsche- wtstenführern in München, vor allem zwischen Dr. Sctoieu und den Münchener Kasernenräten, recht ernster Natur sind. In einet Räteversammlung beantragten die Kafernenräte, es solle mit den auswärtigen Garnisonen verhandelt werden. Dr. Lewien brachte triefen Antrag zu Fatz imd die Kasernenräte verließen die Bfirsesurrlung mi. bem Ruf: „T ie Blutschuld trifft Euch!" In dem Blatts das die Räteregiernng in München täglich einmal erscheinen läßt, erklärten dann die Kasernen- rfttc, daß sie sich nicht hinter die RSteregiernng, sondern hinter die besonneneren Arbeiter stelle. Nicht genug damtt, klagten sie auch in öffentlicher Bersammlung die Führer der Bolschewisten ob ihrer Weiberherrschaft, ihrer Festgelage und ihrer völligen Unfähigleit zu jeder Arbeit für die Allgemeinheit <nt Sie erklärten rund heraus, die Räterepublik könne keinen Bestand haben. Demgegenüber veranstalteten die bolschewistischen Führer elf Versammlungen, worin meist russische, der deutschen Sprache kaum mächtige Agt- tatoren das anpriesen, was bisher geschehen sei, imd folgende Masimchmen verkündeten: Abstempelung des Geldes zum Zwecke der Enteignung der Bermögen, ein Gesetz zur Hebet= wwe alle« Vermögens an das Volk. Die Bauern follten über die LebenSmtttelzufuhren aufgeklärt werden. Ein Shtrier nach Rußland sei bereits Mgesckrickt. Bei ANkunst von Nahrungsmitteln erfolge dann ehre Neurationierung und zwar für die Arbeiter volle, und für die Bürger verkürzte Rationen. Mtt den Tschechen soll wegen Kohlenlieferunge« verhandelt werden. Alle Wohnungen werden beschlagnahmt. Auf den Kops komme mir ein Zimmer. In jede m Haus müsse ein Hausrat gebildet werden zur Ueberwachung reattionärer Elemente. Gii« auf die Versammlung folgender DemonstrattonSzug gatt der Verkündung des Krieges bis zum Aeußersten gegen die Regierung Hoffmann.
Genf, 30. April. (Drahtbericht.) Das „Bureau Europa Preß- meldet aus Paris: Der Text für den zu schließenden Borfrieden ist nunmehr fertiggestellt. Beachtenswert ist, daß die Forderungen Frankreichs hinsichtlich Elfaß-Lothringens restlos erfüllt twt< den sind. Somit wird die von Deutschland verlangte Selbstbestimmung für Elsaß-Lothringen, die auch nach den vierzehn Punven Wilsons zu erfolgen hätte, verweigert, und Elsaß-Lothrin- gen ohne weiteres Frankreich zugesprochen wer. den. Es fehlt noch die Zustimmung des Steter» rata, pie heute zweifellos ht zustimmendem Sinne erfolgen wird. Hinsichtlich der Forde- runa Japans, auf Gleichstellung aller Rassen, ist trotz eingereicht« Kommvmttzvorschläge noch keine Einigung erzielt worden. Man glaubt, daß diese Folgerung nicht erftffit werden kann. Die Prüfung der Vollmachten der deutschen Delegierten wird am Mittwoch oder Donuerstag stattftuden. Die Uebermitteluna des Fr^ensvertraqes an die deutschen Bevoll- mächsigten soll am Freitag morgen erfolgen.
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Der Völkerbundsvertraq angenommen
Paris, 30. April. (Drahtbericht.) In einer Vollsitzung der Friedenskonferenz wurde der Vertrag des Völkerbundes angenommen. Alle Verbesserungsanttäge wurden zurückgezogen. — Der Text teS Bölkerbundvertrages wurde heute nachmittag bekanntgegeben. Viele der darin enthaltenen Bestimmungen sind bereits halbmnüich veröffentlicht worden. Reben den 32 ursprünglichen Mitgliedern werden noch weitere dreizehn Staaten. darunter die Niederlande, aufgeforbert bem Völkerbünde betiirrre»
Zwölf Orte von Spartakus besetz«.
Nürnberg. 30. April. (Drahtbericht.) Wie nach übereinstimmenden Nachrichten verlautet, Haden die Spartakisten außer München zwölf größere Orte des VorarlderggebieteS bisher besetzt. Ist Kochel und Garmisch-Partenkirchen wurden besondere Rote Garden gebildet, die mehrere taufend Mann stark sind und rings um die Ortschaften patrouillieren und Feldbefestigungen anlegen. Die Bürgerschaft wurde in allen Orten ausgefordert. NahrnngSmit- tet und Kohlen adzuliefern.
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Kämpfe bei Starnberg.
30. April. (Drahkbericht.j Starnberg wurde gestern vormittag von den württeut- bergtschen Truppen besetzt Der Angriss erfolgte von Süden und Westen aus. Die Spartakisten hatten dabei etwa zwölf Tote und etliche Verwundete, während die Regierungstruppen kemerlei Verluste hatten. Starnberg war von zweihun' ert Spartakisren aus München besetzt, die erst in der letzten Nacht durch hunderkfünf» zig rote Gardisten mit zwölf Geschützen verstärkt worden waren. MS die Svartzckrsten in Starnbera den Anmarsch der Negierung»truppen bemerkten, nahmen sie auf einem Ersenbahnzug schleunigst nach München reißaus. Die Truppen wurden in Starnberg bei ihrem Ein- zug von der ganzen Einwohnerschaft auf das freudigste begrüßt. Die eingebrachten Gefangenen wurden von der erbitterten Menge zum T-il totgeschlage«, teils vor ein Standgericht gestellt imd dann sofort erschossen, im ganzen cinundzwanriL
Sie Staffelet Jugend.
Kasseler Kinder aufs Land hinauSl Bewilligung von 71550 Mark.
Kassel, 30. April.
Die aestrige Stadtverordnetenver« sammlung bewilligte 40000 Mark für die Entsendung von Kasseler Schulkindern aufs Land. Die ErnährungS- schwierigkeiten — so führte Stadtverordneter Hauschildt auS — machen eS auch in diesem Sommer dringend nötig, recht viele Kasseler Kinder aufs Land hinaus zu schicken, damit sie dort eine bessere Pflege erhalte«, als si« ihnen in der Stadt zuteil werden kann. Zu unserem größten Leidwesen wird die Zahl dieser Kinder aber eine nur beschränfte sein. Vor zwei Jahren konnten noch siebentausend, i« vorigen Jahre zweitausend hinausgehen. In diesem Jahre werden wir bedauerlicherweitc mit der Wahrscheinlichkeit rechnen müssen, daß mehr als achchundert lkinder nicht unterzubringen sind, weil die betrübende Tatsache feststeht, daß die Landbevölkerung sich außerordentlich aufnahmeunftrsti« zeigt, was zum großen Teil in dem gespannten Verhältnisse begründet ist, das Mischen Stadt und Land besteht. Deshalb gab Hauschildt den von der Stadtverordneten - Versammlung ausgehenden Wunsch der Stadt Kassel an die breiteste Oeffentlichkeit weiter, ihr in der Fürsorge svr chre Jugend soweit als irgend möglich behilflich zu sein und auch in diesem Sommer recht viele Kinder aus dem Lande unterbringen zu helfen. Für jedes Kind und jeden Tag werde eine Mark gezahlt. Auf Borstellun- flrit des Stadtverordur.cn Herbold, daß den Eltern der in bettacht kommenden Kinder bei der Erlangung von SchuhbedarfsMeinen von den Prüfungsftellen zu große Schwierigkeiteu bereitet werden — gerade beim Landaufenthalt werden die Schuhe ar« zerrissen —, sagte Bür- germeister Brunner größttnöattMes End- gegenkonrmen zu und verteidigte die Kasseler Hinter gegenüber einer Aeußerung deS Stadtverordneten Kreiß, daß das Verhalten der Kinder und teilweise auch der Eltern, die zu oft ihre Kinder besuchen, Anlaß zm
Unbeliebtheit ter Kasseler Kinder aus tem Lande gegeben habe. Kinder sind Kinder — sagte er —, darauf muß man Rücksicht nehmen. Im großen und ganzen habe man nur Lobenswertes gehört. Selbstverständlich kommen auch einzelne Fälle vor, die weniger erfreulich sind, aber es siegen nur wenig Klagen vor. Die Verwaltung tut alles, um Sfige Elternbesuche, die naturgemäß lästig cn müssen, zu verhindern. Als dann der Stadtverordnete Schwab zu bedenken gab, daß einzelne Landwirte die StadMnder auszunutzen versuchen und daß deshalb bei der Auswahl der Pateneltern Vorsicht walten müsse, bemerkte der Bürgermeister: DaS ist nicht so rat- fach, denn bisher haben sich nur dreißig Familien zur Aufnahme von Kindern bereit erklärt ...! Wetter wurden 16 550 Mark zur Unterbringung erholungsbedürftiger Kinder in ter Walderho- lungSstätte Kragenhof bewilligt, die aus den oben erwährtten Gründen in erhöhtem Maße herangezogen werden mutz. Hier sollen vierhundert Kinder auf vier Wochen untergebracht werten. Auf eine Anregung des Professors Hebel hin sagte Bürgermetster Brunner eine Prüfung der Frage zu, ob eS nicht möglich ist, auch noch nicht schMpflichtige Kinder ter Walderholung zuzuführen. Auf Borschlag des Magistrats wurde ferner eine Beihilfe von 15000 Mark an die segensreich wirrenden Ferienkolonie« bewilligt, damit sie außer den fünf Kolonien mit rund zweihundert Kindern, die deren Vorstand aus eigenen Mitteln ausstattet, noch vier weitere Kolonien mit insgesamt 260 Mark aufs Land entsenden kann. So unterläßt die Stadt Kassel auch ans diesem Gebiete nichts, um die Schäden, die der Krieg ter Jugend zusügte, ausguheilen. EL
Teure Läuse.
Eine Debatte über die Verlausung unserer Schuljugend, die nach der Heimkehr unserer Soldaten zu einer wahren Plage wurde, entwickelte sich bei einem Antrag aui Bereitstellung von 8000 Mark zur Bekämpfung ter Läuseplage in den Schulen, über ten ter sozialdemokratische Stadwerordnete Ingenieur Dr. Günther berichtete. Es war ein ebenso ernstes, tote kribbeliges Thema, und wenn dir Aussprache länger gedauert hätte, würde man schon geglaubt haben, ein Krabbeln urü> Jucken auf dem Körper $u verspüren. Anfangs waren 5000 Mark bewilligt Worten, aber nach und nach ergaben sich noch weitere Aufwendungen, sodaß jetzt noch 8000 Mark dazu gekommen sind. Ms jetzt kostet die Bekämpfung ter Läuseplage demnach 13000 Mark. Bei dieser Gelegeichett Wurde die arbeit ter Schnlschw estern, bis sich um die Riederkämpsung der Läuse terdiew aemadrt haben, lobend anerkannt. Stadwerord-