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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Stammet 123,

Dienstag, 2S. April 1919

9. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher SSI mtb 952.

Die Zkle-evs-Lelegierleu nach Paris abgereist.

gnferttonSpretfe; Dt« flebengefpaltde getlt für rtnhrlmische SeschLst« 30 $fg, für aus. rnärttge «ngdgett 35 Pf Reklame,die für dnhdmifch« BeschLfte 76 Pf, für auswärtige Seschüft» 1 MI Stnfüche Verlagen werden mit 5 Work pro Taufend berechnet, all,» mit 207, T«rerung»-8uschlag. Hel Nebermittlung von Anzeige» auf teleph. Weg« wird für durch Hör. fehler hervorgerufen« Irrtümer keinerlei Haftung übernommen. Für di« Aufnahme vonAnzdg« an bestimmten Tagen oder Plötzen wird gt keine Stroter geleistet. SeschöftSstelle: ftöln.Str. 5

Mißglückter Spartakisteqputsch.

Augsburg. 28. Avril. (Drahtbericht.> Di« Garnisonen von Kempten und 8 indauer. klärten sich endaülti« für die Regierung Hoff, mann. Reue Svartakistenputsche in Ingol. ftobt und Passau sind am Sonnabend an der Wachsamkeit des Militärs gescheitert. An AugSburg fanden gestern vormittag zwei standrechttiche Erschießrmaen statt.

NoSkes Truppen-Aufgebot.

Weinmr, 28. Avril. (Drahtbericht.t Rach zuverlässigen Informationen beträgt bas ge­samte Truppenausgebot unter dem Befehl deS Reichswehrmi nisterS Roske gegen Südbayern fast 50000 Mann. In der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag sind wieder größere Truppentransporte mit Vie» Artillerie nach Bayern abgegangen.

$i« «Off«ter NeuestenNachricht« erftteintawöchentlich sechsmal und ,roar abend». Ter Abonnementsprel» beträgt monakl. 1.85 Mark bd freier Zustellung in« Hau» Bestellungen werden jeder,eit von der Geschäftsstelle ober beit Bote» entgegen{tenommen. Druckerei. ®ertog und Redaktion: Schlachthofstratze 26/30. Für tmoerlangt ein gesandte Beiträge kann die Redaktion eine Setantroortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzabkung de« Se«ug»gelbe« oder Ansprüche wegen etwaiger nt cht orbnangSmätiger Lieferung au«gefchloffen

Nur 14 Tage für ein Referendum.

Amsterdam, 28. April. (Drahtbericht.) AuS Paris wird im Anschluß auf das Berkan- gen Deutschlands, den Friedeusvertrag einer Volksabstimmung xu unterwerfen, gemeldet, -daß diese Volksabstimmung unter allen Umständen in vierzehn Tagen erledigt sein müffe, nachdem man Deutschland die Friedens- bedingungen zur Kenntnis gebracht hat.

Heftiger Kampf in Nürnberg, verschärfter Belagerungszustand.

lDrabtberichr.)

Nürnberg. 28. April.

Am Egidienplatz kam öS am Sonnabend vormittag zu einem Zusammenstoß zwischen Siedlungsarbeitern und Sicherheilstruppen, wobei sieben Personen getötet worden sein sol­len. Im Laufe des Vormittags wurden di« Büroräume der Demokratischen Partei gestürmt und Geiseln von der Menge sestgenomrnen. Eine zur Befreiung der Geiseln aufgebotene Rad. fahrer- und Maschinengewehrabteiluna wurde von der Menge beschimpft und angegriffen. Di« Menge stürmte auf die Soldaten zu. warf meh- rere von den Rädern und drang mit Meffern auf sie ein. Einige der Soldaten wurden ab. geschnitten und entwaffnet, der Räder beraubt und durch Messerstiche und Schüsse verletzt. Den Verletzten wurden die Karabiner abgenommen und diese von den Ausrührern zum Feuern ge­gen die Abteilung verwendet. Sechs bis sieben Personen wurden verletzt. Auf Seiten der Sol­daten gab es vier Verwundete. Einem Sol­daten wurde die Hand abgeschlagen. We die .Fränkische Taaospost* berichtet, befinden sich unter den Geiseln RechtSrat Dr Merkel und Geheimer Kommerzienrat Kahn.

Vom Kommando und vom Vollzugsaus« schuß des 8. A.-K. ergeht folgende Bekannt­machung: Es ist festgestellt, daß Führer der U. S P. und der Kommunisten den gewaltsarnen Umsturz der gesetzlichen Regierung Hoffmann organisieren und mit Waffen die militärische und bürgerliche Gewalt stürzen und diese durch ihre Diktatur ersetzen wollen. Gegen diese? hochvrräterische Beginnen wird psiichtgemätz Abwehr ohne Zaudern nötig. Deshalb wird mit aller Strenge äuge« ordnet: Die Straße bleibt frei! Rnsanrmlun- gen werden nicht geduldet! Umzüge sind vt»

Landshut den Spartakisten entrisse«.

Nürnberg. 28. April. (Drahtbericht.s Die Stadt Landshut wurde den Spartakisten von den ReaierungStrupven entrissen. Die Müncho- ner Kommunisten sandten fünf Sonder­züge miit Roten Gardisten zum Entsatz, kamen aber damit zu spät. Landshut ist fest in den Händen der Rrgierungstruppen. Dagegen haben die Spartakisten ihren Kordon um München Lngs der Würa und Amper bis zum Starnberger- und Ammersee vorgeschoben und Gauting. Starnberg, Rersching besetzt.

Blutiger Krawall in Stettin.

Kampf mit Handgranaten. (Drahrbersiht.)

Stettin, 28. April.

Die Kommunistenpartei hielt, wie dr« T. U. berichtet, auf dem Schloßhose unter freiem Himmel ein« große Volksversammlung ab. die von mehreren tausend Personen besucht war. Kaum hatte der Redner zu reden begonnen, als eine Anzahl Personen in militärischer Uni- orm laute Hochrufe auf die Regierung Ebert- Scheid emann auSbrachte. Als man sie zur Ruh« verweisen wollte, zogen die Leute. fünfzehn an der Zahl. Handgranaten unter den Män­teln hervor und drohten, damit zu werfen. Unter der Menge brach eine ungeheure Panik auS. Alles drängte nach den Seiten zu den engen Ausgängen, wobei einige Kinder zu Tode getreten wurden. Einer der Uni­formierten warf eine Handgranate, die erneu alten Mann tötete: außerdem wurden etwa dreizehn Personen schwer und minderschwcr verletzt. Die Angreifer flüchteten darauf in ein in der Nähe befindliches Haus. Sofort wurde die Stettiner Sicherheitswehr alarmiert, der Platz umstellt und das Haus unter Maschmen- gcwehrseuer genommen. Nach mehrstündiger Beschießuna wurden die Verteidiger verhaftet. Sie waren sämtlich stark mit Handgranaten und mit Armeerevolvern bewaffnet, di« ihnen ab­genommen wurden. ES scheint sich um einen kommunistischen Putsch auswärtiger Leute zu handeln, die. wie man annknmt. aus Süddeutschlaud tzugeretzst sind. Um die hiesig« Arbeiterschaft, die bisher muster­gültig« Rude bewahrt», aubmriüze».

8um Friedenswerl.

Abreise der deutschen Delegation.

(Drahtbericht.)

Berlin. 28. April.

Düt einer fast ungewöhnlichen Pünktlichkeit hat am gestrigen Sonntag nachmittag der auS zweiunddreißig Achsen bestehende So «der- zug der Friedensdelegation, deren Nnterpersoual schon am Sonnabend abreisie, Berlin verlassen, um einen Teil der offiziellen Vertreter der Presse und des techni- fdjett Personals nach Versailles zu bringen. In Köln wird der Ang von Vertretern der fran­zösischen Regierung übernommen. Der Frie­dens-Ausschuß der Rational-Ber- sammlung, der ht diesen Tagen in Berlin in den Räumen der Reichskanzlei zusammen­tritt, wird in Kürze angesichts der Rotweudig- keft, mit den Fraktionen der Nationalversamm­lung, sowie mit der während der Tagung deS Plenmns m Weimar weilende« Regierung in ständiger Füllung zu bleiben, seine Berhand- lungen mich Weimar verlegen. Die Ver­handlungen werden u« mittelbar nach der Anknnst der deutschen Ver­treter beginnen, «nd gleichzeitig soll der Pa- rffer Presse ein Auszug der Bedingungen überreicht werde«. In Paris herrscht die Mei­nung, daß man achtundvierzig Stunden nach Ankunft der deuffchen Delegierten wissen wird, ob sie unter $eidpten oder nicht. Die in Ber- failles weilenden deuffchen Delegierten haben, einem Parifer Blatt zufolge, Beschwerde erho- den, daß der der deuffchen Delegation zur Ber- fügung gestellte Teil des Parkes zu eng be­schränkt sei. Nun ist. anderen Blättern ziffolge, die Forderung nach größerer Bewegungs­freiheit bewilligt worden.

Sie Lage in Bayern.

Lor dem Endkampf.

iDrahtbrricht.)

Nürnberg. 28. April.

Die Läge in Bayern steht vordem End« k a m p f. Reichswehrminister N o s k e hat sich gestern von Bamberg nach Ingolstadt an die Front gegen München begeben. Das Kriegs- Ministerium teilt mit: Die Lage der bei den Bayern verwendeten württemSernischen Trap­pe« ist unverändert. Den Oberbefehl übe, die sörnffichen Truppen, die argen die Sparta­kisten in München operiere«, bat im Einver- irehme« mit der württembergischen und bayeri­schen Regierung der Reichswehrminister Ros- ke übernommen. Neber München liegt di« Nachricht vor: Die Stärke der Roten Armee wird auf 30 000 bis 60 000 Mann ge­schätzt, von denen die Mehrzahl nur als M t t laufet anzusehen sind. Di« hob« Zahl der Mitläufer erklätt sich dadurch, daß die Erwerbs, losemntterstützung von der spartakistischrn Re- aieruna nur an die waffentragenden Anhang« ansgezablt wird. Di« Zahl der kampfverwen- dungSfähige« Truppen wird auf 12000 Man« bei den Spartakisten geschätzt. Die Stttfl« Münchens sollen Brot in ausreichender Menge, doch keine Kohlen erhalten

Leber dieVorlegung der Bringungen.

Genf, 28. April. '(Drahtbericht.) Eine Cle- menceauS Pressebureau entstammende Rote be­richtet, daß die deuffchen Bevollmächtigten bei ihrer Ankunft in Versailles nicht den Wortlaut der tausend Artikel der Friedensverttaaes vor­finden werden Durch Vorlage eines die wich­tigsten Punkte enthaftenden Fragebogens soll festgestellt werden, ob weitere Ver­handlungen über den Präliminarfrieden zweckdienlich seien. Die Veröffentlichung des Inhaltes deS Fragebogens erfolgt unmit- telbar nach der Uebergab«. Der Dreierrat wird über den der deuffchen Regierung einzuräumen­den Termin zur Prüfung der in dem Frage­bogen enthaltenen Artikel errffcheiden.

Die politische Lage «nd der Frieden

Genf, 28. April. (Drahtbericht.) Rach ge­wissen Informationen sollen sich die Deut­schen daraus beschränken, ihre Bemerkun­gen schriftlich zu überreichen. ES ist Keicherweise die Rede davon, daß die deut­schen Bemerkungen nur insoweit angenommen wevden sollen, als es sich um Entschädi- gungspf lichten handelt, daß aber dte an­deren Abmachungen jeder Debatte entzogen werden sollen. Diese Mitteilung geht offenbar von dem Generalsekretär der Friedenskonferenz, dem französischen Diploma­ten Dutasto. aus. 6ie läßt ine französischen

Vorschläge durchblicken, gibt aber auch zu, daß die Konferenz selbst sich auch heute noch nicht schlüssig gemacht habe. Das .Echo d« Paris*, cm Blatt, das seit dem Bruch der Italiener einen offene»

Feldzug gegen Wilson

führt, hat in seiner Freitag^lusgabe schon zu­gegeben, daß Wilson die erste Mitteilung an die deutschen Friedensunterhändler, die der offiziellen Einladung Clemenccaus für den 25. April vorausgegangen war, schon auf eigene Verantwortung erlassen hatte, um die Frie­denskonferenz zum Abschluß ihrer Diskussion zu bringen. Ein anderes Pariser Blatt erblickt in der Abreise der Italiener einen offenen Bruch. Dieser Ausgang der FriedenS- konserenz sei aber bei der Art und Weise, wie sie geführt worden fei, unvermeidlich gewesen. ES sei unglaublich, aber wahr, daß «Bertie ganzen Verhandlungen der Konferenz

kein Protokoll geführt

worden sei, sodaß sich niemals einwandfrei fest­stellen ließ, was am Tage vorher beschlossen odeß besprochen worden war. Man habe ge- plaudert und das vergessen, worüber man sich unterhalten habe, und so habe man immer wie­der von neuem konferieren müssen, ohne vor­wärts zu koMmen. Dieser Artikel Gauvains im .Journal deS DSbats" nennt Clemencea« nicht ausdrücklich, macht ihn aber in der Tat als Vorsitzenden der Konferenz für deren Un­fruchtbarkeit verantwortlich. Nach allen diesen Eingeständnissen kann es keinem Aweifel unterliegen, daß die Friedenskonferenz m bezug aus die-Verhandlungen mit Dcutsch- land heute ebensowenig am Ziele angelangt ist, wie ht bezug auf die italienischen Angelegen­heiten und daß Wilson das

letzte Wort noch nicht gesprochen

hat, wenn auch sein Widerstand zugunsten Deutschlands, wie man aus seinem Aufruf an das italienische Volk schließen muß, weniger entschieden ist als in der dalmatinischen Frage. Im Uebrigen läßt die ganze Haftung der fran­zösischen Presse erkennen, daß man sich in Paris des Zusammenhanges zwischen den verschiede­nen Streiffragen und über die Rückwirkung des italienischen Konfliktes auf die Verhand­lungen mft Deutschland sehr gut bewußt ist. Wie der »Populair« sehr richtig bemerkt, hat sich eine unzweideutige Scheidung der Geister vollzogen. Alles, was in der Presse nach der Einverleibung des Saarbeckens und der Besetzung des linken Rhcinufers schreit, nimmt offen an der Seite Orlandos Stellung gegen den Präsidenten Wilson, während die Presse der äußersten Linken di« Ita­liener zur Vernunft mahnt und

Wilson nach Kräften unterstützt.

In diesem Sinne hat auch der Generalausschub der französischen Gewerkschaften nach dem Bei­spiel der englischen Arbeiterpartei gestern eine Abordnung nach dem Hotel Wilsons ge­sandt und dem Präsidenten eine Adresse über­reichen lassen, worin er ihn z n s e i n e m o s f e- nen Widerspruch gegen die italienischen Ansprüche beglückwünscht und ihm unter Protest gegen die geheimen Verhandlungen und die Geheimverträge nahelegt, sein Friedens­programm auch weiterhin zu verteidigen.

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Stunde in das rollende Rad zu greifen und den Absturz aufzubalten. Und zwar haben wir folgende Mittel: Zunächst einmal müssen wir dafitr sorgen, daß der Staat als solcher, der in vielen Millen seine Unfähigkeit schlagend bewic- fen hat, fähigeren Individuen die Leitung der Geschäfte übergibt, daß er sich an diejenigen Leute wendet, die vor dem Kriege das Schis unter der Volkswirtschaft so erfolgreich zum Wohlstand steuerten: An die freischaffenden Be­rufe, das deutsche Bürgertum. Aus praktischen Erwägungen heraus ist «s dringend notwen­dig, daß die Allgewalt des Staates aus wirt­schaftlichem Gebiete gebrochen wird.

6in Staatsbankerott.

Was würde er bedeuten?

Von

Dr. Eolf Erdmann.

Angesichts der traurigen wirffchaftlichen Lage muß im Deutschen Reiche mit der Mög­lichkeit deS Staatsbankerotts gerechnet werden. Unter Bankerott versteht man das Mißverhält­nis zwischen Vermöge« und Schulden, ferner noch das dauernde Mißverhältnis zwischen Ein­nahme und Ausgabe. Danach bedeutet Ban­kerott also nichts anderes, als die Unmöglich- keit, feine notwendigen Lebensbedürfnisse zu befriedigen und setzt untw Umstände« den Be­troffenen der Gefahr aus, zu verhungern. Rur ein schnelles Selbüdesimren und die Anwendung aller nur möglichen Mittel können den vom Bankerott Bedrohten noch vom Abgründe zu­rückhalten. Das güt vom Staate genau f» wie von den einzelnen Wirffchastssubsetten. Das eigentliche Vermögen, so wie es bei Privat- Personen in Rechnung gestellt wird, ist beim Staate verhältnismäßig gering. Es bleibt also zur Herstellung des Gleichgewichts von Ver­mögen und Schulden nur die Einstellung der Steueffraft der Bevölkerung ht die Schlußrech­nung. Die Einschätzung der Steuerkrast der BevvKeruikg richtet sich nach zweierlei: erstens nach der Höhe der StaatSverpWchtungen, die gedeckt werden müssen, zweitens nach der Lei- ftuNMähigkeit und dem Wohlstand der Bevöl- keruirg, und diese beiden Faktoren sind am Ende des fünffährigen Krieges leider recht ge­sunken. Auf diffe Weffe ist taffächlich mit Un­fähigkeit, eht Gleichgewicht herzustellen, zu rech­nen. Nun kommen «och die fundierten und schwebenden Staatsschulden, und zu ibnen wird nun auch die ungeheure Summe der Krieasent schädigung an unfere siegreichen Gegner hinzu gerechnet werden müssen. Ans alledem ergebt lieb, daß die Verpflichtungen des Staates «ine ganz gewaltige Höhe eftmehmen, die das VtaatKguthaben leicht übersteigen.

Aber auch das dauernd« Mißverhältnis von Ausgaben «nd Einnahmen führt zmn Ban­kerott. Da «über brauchen län gere Äusführun» gen nicht gemacht zu werden. Wenn die Steuer- kraft der Bevölkerung ttotz deS schärfsten Ein­setzens ber Steuerschraube keine Einnahmen mehr vorbrlngt, wenn dagegen infolge unglück- kicher Verhältnisse die Staatsausgaben Wetter steigen, dann ist der Staat nicht mehr in der Lage, feiner ZcchüingSpflicht zu genügen und siebt sich gezwungen, feine Zahlungen einzu­stellen. Was für Folgen müßte eine derartige Maßnahme nun mit sich bringen? Zunächst einmal würden die Zinsen für Staatsanleihen nicht mehr gezahlt werden können. Jnfolge- dffsen würde ehte Panik auf dem Geldmarkt eintreten. Jeder Besitzer staatlicher Papiere würde versuchen, daz unfruchtbare ZahlungS- versprechen deS Staates zu verkaufen, zu wel- ckxm Preise es auch immer fei. Es würde also ein allgemeiner Preissturz der Staatspapiere und der vom Maat garantierten ZahlungSver- sprechen eintreten, und riesige Vermögen auf diese Weise verloren geben. Kein Mensch würde kaufen wollen, jeder aber verkaufen, und daS Endergebnis wäre ein Kursstand nahe dem Nullpunkt. Durch einen derartigen Sturz wür- den nun ober auch all« diejenigen Finanzunter­nehmen zufammenstürzen, die ihren Rückhalt nn Staate suchen. Eine große Reihe indufttiel- ler Betriebe, vor allen Dingen aber auch die Städte, haben ihre Gelder auf Staatspapiere gestützt. Bricht die Stühe zusammen, so bricht auch das Geldsystem jener Städte und Be­triebe. Dir Entwertung aller Werte, die ir­gendwie mit drn Staatspapiere« zusammen­hängen, und das sind im Grunde genommen alle industriellen und sonstigen Werte im Deut­schen Reich, wäre die sichere Folge eines Staat s- bankerottS. Natürlich müßten die zusammen­brechenden Werke ihre Tätigkeit einstellen, da Ne nickt mehr die Möglichkeit hätten, Geld zur Dazahlirng ihrer Arbetter und Angestellten zu erhalten. Die Arbeiter und Angestellten ihrer­seits lägen auf der «Strafte und hätten nichts mehr, wovon sie ihren Lebensunterhalt schrei­ten könnten. H-mrger, Rot und Elend, Raub «nb Plünderung wären die trostlosen Folgen eines Zusammenbruchs der staatlichen Fi­nanzen.

Besonders schwer aber hätten diejenigen zu leiden, die direkt vom Staate ihr« Bezah­lung erhielten: die Beamten und staattichen Angestellten. Sie wären vollständig mittellos und dem Hunger rode ausgesetzt. Andererseits aber ist es klar, daß ohne vollwertige Bezah­lung kein Beamter öder Angestellter Arbeit lei­sten würde. Das würde dazu führen, paß die ««bedingt wichtigen Verkehrsmittel und andere staatliche Organe ihre Arbeit einstellen würden, daft also eht Chaos dort Einkehr halten würde, wo heute noch Ordnung und Betriebsamkeit herrscht. Roch sind wir nicht s» wett, daß Ver- Mefflung unS zur Anwendung jenes furcht­baren Mrttels deS Staatsbankerotts zwingt. R-ch haben wir die WöMBc i, ht letzter

Italien «nd Ailso«.

Lugano, 28. April. (Drahtbericht.s Nach neueren Nachrichten scheint sich daS Gerücht zu bestätigen, daß der amerikanische Boffchafter in Rom, Page, aus OpPofitiongegenWil- fons Adri «Politik zurücktritt. Auf je­den Fall steht die Welt unmittelbar vor den wichtigsten Entscheidungen und vor dem Auf­marsch in der künftigen auSwärttgen Politik.