Einzelbild herunterladen
 

1

M u

&

5

Kasseler Abendzeitung

Die Kassklsr Neueren Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Ter DbonnemeniSpreiS beträgt man all 1.35 Mark del freier Zustellung in 3 HauS.. Bestellungen werden iederzeit von der Se'chäftSstelle oder den Boten entgegengenommen. Truckerei, Verlag und Redaktion: Cchlachthofstrabe rs/M. ?ur unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem stalle übernehmen Rückzablung des BegugSzeldeS oderAnlprüche wegen eiwLigerw.chtorsnungrmablger Sie ernng-uSgeschloffen

Kesfische Abendzeitung

JnsertionSpreise: Die stebmgespaltete Zeile für einheimisch? Geschäfte 30 Pfg für au3. roärttoe Anzeigen 35 Tf. Reklamezeile für einheimische Geschäfte 75 Vf, für auswärtige Geschäfte i Mk. Einfache Beilagen werden mit S Mark pro Tausend berechnet, alles mit :'<*>/, Tonern»g s.Zujchlag. Bei Uebermittlung von Anzeigen auf teleph. Wege wir? für durch Hör­fehler hrroorgernfene yrrtümer keinertetHaftung übernommen fdür die Aufnahme vonAnzeigen an bestimmten Tagen oder Plätzen wird z.Zt. keine Gewähr geleistet. Geschäftsstelle: Söln.Ttr 5

v. Zahraang

Freitag, 25. Apri! ISIS

Nummer 120

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

Militärischer Vormarsch gegen Wache«.

KolsrMe Rohstoffe.

Deutschland und die koloniale Versorgung.

Von

Dr. Paul Leutwein.

In der öffentlichen Meinung Deutschlands nahm die Frage der Faserstoffe, insbesondere der Baumwoll-Versorgung, bis zum Kriege unstreitig die erste Stelle ein. Schon die Monopolstellung Amerikas auf diesem Ge­biete zwang zur Eigenversorgung, und auch die Faserstoff-Produktion unserer Kolonien nahm eine verheißungsvolle Entwicklung. Von den 930000 Tonnen Faserstoffen, darunter 486 000 Tonnen Baumwolle, die Deutschland vor dem Kriege bezog, konnten allerdings die Kolonien 1913 erst einen geringen Bruchteil liefern. Das Bild hätte sich indessen rasch geändert. Ter Krieg hat in seiner langen Tauer uns nicht nur die ungeheure Wichtigkeit der Versorgung mit Fa­serstoffen für unsere Industrie und Volks- Lekleidung Kar gemacht, sondern er hat auch be­wiesen, daß Deutschland und die benachbarten östlichen Länder nicht in der Lage sind, die überseeischen Versorgungsgebiete durch die Ent­wicklung der Schafzucht, der Flachs- und Hanf- kuktur auch nur entfernt zu ersetzen. Hinsichtlich des Kautschuks, der von der Induflrie und der Heeresverwaltung in ungeheuren Mengen verbraucht wurde, konnte das Gleiche in noch höherem Maße gelte«. Wir haben erkennen müssen, daß auf einen Ersatz durch künstlichen Kautschuk in ausreichender Menge und Güte nicht gerechnet werden kann. Allerdings hat die Kautschukproduktion in den letzten Jahren einen besonderen Aufschwung genommen. Den 110600 Tonnen Welterzeugung im Jahre 1913 stehen 200000 Tonnen 1916 und 260000 Ton­nen 1918 gegenüber. Da indes diese Vermeh­rung fast ganz auf die englischen Malayen- Staaten und Indien entfällt, würde Deutsch­land ohne Tröpen-Kolomen in seinem Kaut- schukbezug von Cmgiland abbängig werden, das sich hierin eine ähnliche MomOofftellung wie die Vereinigten Staaten in der Baumwoll- erzeugung errungen hat

Erst im Laufe des Krieges kam es dem deut­schen Volke zum Bewußtsein, daß noch wich­tiger als die oben genannten Produkte die tro­pischen Pflanzenfette und OeIe sind. Der Fetch-unger des europäischen Marktes war zwar von den Fachleuten schon 1911 festgestellt worden, doch rechnete niemand mit einer mög­lichen Unterbindung der Bezugsquellen. Dre Abschnürung Deutschlands durch die Hunger- bkockade hat durch die Unterbindung der Hel- früchtezufubr wahrhaft katastrophale Zustände erzeugt. Mit unerbittlicher Brutalität wurde dem deutschen Volke vor Augen geführt, daß fehle Landwirtschaft und feine Volk straft ohne den Bezug der Oelsrüchte dem^unaufhaltsamen Niedergang preisgegeben sind. Nicht alle Oel- früchte sind tropischer Natur; fo Leinsaat, das Deutschland hauptsächlich aus Argentinien bezog. Die Einfuhr dieses Produktes, 1912 auf 330 000 Tonnen angewachsen, stieg 1913 ans 560000 Tonnen. Die wertvollsten Oelsrüchte sind aber doch in den tropischen Kolonialgebie­ten zuhause, so Palmkerne, Palmöl. Kopra und Erdnuß. Die Einftrhr Deutschlands au Pal m- kernen und K o v r a hatte sich von 1898 bis 1913 rund verzehnfacht. Wenn eS auch England nicht gelungen ist. sich ein Erzeugungsuronopsl für die Oelsrüchte zu verschaffen, so hat es doch den Krieg dazu benutzt, die bisher in Deutsch­land ansässige Oelmühlenindustrie an sich zu reißen und sich besondere Bezugsvergünstigun- gen der Rohstoffe zu sichern.

Auch die Verarbeitung des wichtigsten tro- viscken Nahrungsmittels. des Reifes, der sowieso vorwiegend aus Britisch-Indien in den Welthandel kommt, hat sich England zu sickern verstand:« und damit die vor dem Kriege blü­hende deutsche ReisMühlenindustrie erwürgt. Am günstigsten liegen noch die Verhältnisse auf dem Kakao- Markte. Hier setzte schon vor dem Kriege in lebhaftem Wettbewerb aller Erzeu- gungsländer eine große Produktionssteigernng ein, woran auch unser Schutzgebiet Kamern« sich mit Erfolg beteiligte. Im Laufe des Krie­ges kam es aber durch den Ausfall der Mittel­mächte als Bezieher zu einer derartigen Ueber- geu."una, daß im Frühjahr 1918 in den wich» tlosten Prod'-ftions'el'ieien Sao Nwm«, Eold- stiste und Ekuador i»':r 100 090 Tonnen, d. i. etoa MS D0"pe'te des dRft'cken Jahresbe- >arf8 von 1918. lagerten. ES kann angrnom- nen werden, daß mit der endgültigen Auf­hebung der Blockade diese» wichtige NabrungS- and Genußmittel trotz unserer sch lecksten Va- ptte in ausreichender Menge und zu nicht un- pinstigen Preisen nach Deuffchland eingeführt vird. ' Im ganzen ergibt sich ftrdesseu aus dem tzesagten eint fo traurige Abhängigkeit vom

Weltmarkt, daß der Besitz von Kolonien zur Lebensfrage für Deutschland wird. Unserem durch die englische Erwürgungspolitik seelisch erlrantien Volke muß ein Ventil geöfs- net, eine neue Entwicklunosrnöglichkeit gegeben werden. Geschieht das nicht, so wird der Bol­schewismus fein furchtbares Vernichtnngswerk vollenden und auch das westliche Europa ein­schließlich der englischen Inseln zu einer un­absehbaren Wüste macken.

Sie ZWS in Sehern.

Beginn der militärischen Mion. lDrahlbericht.f

Bamberg, 24. April.

Die bayerische Regierung gab heute Befehl zum militärischen Barmarsch der Regierungstruypen niri M Nnche n. Der bayerische Landtag wird noch le-n Entschluß des Ael'rstenraies zu einet Vollsitzung zu- sammemreten, sobald die militärischen Op.rn- itonen neaen München zu einen* gewissen Ab- schlnst gelangt sind. Tie bayerffhv Resierung hat die Verschickung von Wertsendungen nach München über hundert Mark verboten.

*

Vormarsch schwäbischer Truppen.

Bregenz, 24. April. (Drahtbericht). Das .Vorarlberger Tageblatt"- meldet: Starke wärt tombergische Freiwilligen.Tru'ppen sind in Lin­dau und Romanshorn eingetroffen. Die Haupt- straßm sind mit Truppen und mit Mafch, cnge- wehren besetzt. Auch die öffentlichen Gob8»r»e sind miLitärisch gut bewackt. Die spartakisirschLN Putsche körmen als endg-Mia niedergffWagen angesehen werden. Die bayerischen Dodensee- daiwvfer befinden sich samt und sonders in den Händen der Regierunastrupp-n.

e.

Durchsuchung der Banken.

Bamberg, 24. April. (DrvhBericht). Die int Beisein der Eigentümer erfolgte Durch­suchung der SafeS in den Banken hat den Münchener Spartakisten eine weitere Enttäu­schung geb nacht. Sie erbeuteten in der Hvpoche'enbau^ nur zweihunderttausend Mar» v ni ht d r DeremSbank nur zwölftausend Mark. In öffentl'chen Aufrufen und Reden wrd zu Plünderungen aufgefordert: Proleta­rier, tornn ihr Hunger halst, holt euch, was ihr braucht. So liest man auf Anschlägen.

Einstellung ds» Zugverkehrs.

Augsburg, 24. April. (Drahtbericht). Die am Donnerstag eintretente Einstellung des gesamten bayerischen Person uzugverkchrs für Nah- und Fernbetrieb auf allen bayerischen Linien der bayerilchen Staatseisenbahn auf dem rechten Rheinufer Wird 810 Tage dauern.

*

Einführung von Betriebsräten.

Bamberg, 24. April. (Drahtbericht). Das Ministeri"'m für soziale Fürsorge hat die Ein- sührtmg von Betriebsräten in allen Be­trieben, Verwaltungen Büros mit mindestens zehn Personen, einschließlich der staatlichen und militärischen Dctr'ebe verfügt. Die Be­triebsräte werden gegenüber dm Arbeiter- und Sokdatenrats-Äusfchüssen erheblich e r w e i - terte Kompetenzen in der Fraa« der ArbestS- und Betriebsordnung, der Lohuver- hältnffse der Arbeiter. Wohlfahttseinrichtungen usw. erl-alten. Dagegen sind sie rpcht berechtigt, in die Betriebsordnungen einzugreifen.

Her kommende Friede«.

Eine Note Fochs.

lDrahtberickst.)

Berlin, 24. April.

T« Tivisionsgencrak Rudant. Vorsitzen­der der ständigen interalliierten Waffenstill- staudskommission, hat dem Vorsitzenden der deutschen WaffenstillstandSkommfffion die fol­gende Note übersandt: Der Marschall, Ober­befehlshaber der Alliierten, telegrayhrert am 22. April unter Nr. 2093: Wollen Sie die fol­gende Antwort der alliierte« und assoziierten Regierungen der deuffchen Regierung über­mitteln:

1. Tie deutschen Delegierten können Greifen, wann sie hierzu bereit sind. Tie deutsche Regie­rung wird gebeten, den Termin ihrer Ab- reise ro schnell wie möglich bekannt zu geben. Ihre Reise im alliierten Gebiet wird so geregelt, daß f:c abeudS in Versailles ankom- men, um ht Rübe sich entrichten zu kLnnen.

2. Die deutschen Delegierten werden jede Bewegungsfreiheit zur Erfüllung ihrer Mission haben. Ebenso haben sie völlige Frei­heit für telegraphische und telephonische Berbin- dung mit ihrer Regierung.

3. Die deutschen Delegierte« können schon

jetzt ihre drei Diitgliederkommis-

s i o u e n nach Versailles senden, um die Unter­bringung vorzubereiten, (gez.) Nudant.

Freizügigkeit der Delegierte»?

Basel, 24. Aprist (Drahtbericht.) Mailän­der Blätter melden: Die deutschen Dele­gierten auf der Parif er Konferenz werden dorr Spaa ans in einem Sonderzug, der von französischen Sol-aaten geleitet wird, nach Ver­sailles fahren. Dort werden sie von einer mili­tärischen Kommission, die von einem Obersten geführt wird, empfangen und ht geschlossenen Automobilen ht ihre Hotels gefahren. Bis zur Unterzeichnung deS FriedenSverirages werden die deuffchen Delegierten streng überwacht. (?) Sie dürfen nicht ünbegleitet ausgehen und je­der Verkehr mit Journalisten ist verboten.

Dir Abrsise der Delegation.

Berlin, 24. April. (Drahtbericht.) Die A b - reise der deutschen Abordnung in Stärke von etwa siebzig bis achtzig Personen wird am Montag den 28. April erfolgen. Ihr gehören auch die Regiernngsvertteter dos deut­schen Volle« an. Die Reise geht über Spaa bonftatten. Nack einer Meldung aus Loudon ist jetzt eine Ueber-inftimmung geschaffen wor­den darüber, daß die Ftiedensbedin- gungen der Presse mitgctoilt werden sollen, wenn sie den deutschen Unterhändlern be­reits ausgehändigt sein werden.

«

Wilso» und die Adria-Frage.

Rotterdam, 24. April. (Drahtbericht.) Das amorikanffcho Preßbureau in Paris veröffent­licht eine Erklärung de» Vräsiöenten Wil- son zur A d r i a f i a g e. In diefer Erklä­rung, die Wilson ausdrücklich als eine persön­liche Stellungnahme bezeichnet, leg» der Präsi­dent die Gründe dar, die ihn veranlassten, sich der Zuweisung Fiumes an die Ita­liener zu widersetzen. Er führt aus. daß der F r i e d e, der mit Deuffchland geschlos­sen werden soll, auf der Grundlage von Recht und Gerechtigkeit aufgebaut werden soll. Dieselbe Grundlage gelte aber auch für die Ge­biete, die früher Teile der österreichisch-ungari­schen Monarchie waren. Bei Berücksichtigung dieser Grundlage dürfe Fiume nicht als Tor für de« Import und Export Italiens dienen, sondern nur für de« Handel der nördlich und nordöstlich bor< Fiume gelegenen Gebiete, na­mentlich Ungarn, Böhmen, Rumänien und die füdftavlscheir' Staaten. Die Erklärung erinnert weiterhin daran, daß Fiume in dem Vertrage bon London im Jahre 1915 Kroatien zu gewie­sen wurde, während nach demselben Vertrage Italien nur einzelne Punkte an der dalmatini­schen Küste erhalten sollte, um diese gegen Ueberfalle von Oefterreich-Ungaru zu schützen. Diese Gefahr aber besteht jetzt nicht mehr. Ml- son erklärt zum Schluß, überzeugt zu fern, daß Italien sich entschließen.wird, einer Regelung der interessierten Frage zuzustimmen, die den dauernden Frieden zu sichern geeignet ist.

Für mündliche Darhandlungen.

Haag. 24. April. (Drahtbericht.) Die libe­rale'englische Presse, sowie die englische Arbei­terpresse, Manchester Guardian, Dailv News, Westminster Gazette und das Arbeiterblatt Daily Herald, stehen auf dem Standpunft. daß man Deutschland zubilligen müsse, über die Friedeusbedingunaen zu unterhandeln Aus London wird gemeldet: Die englische Negierung hat an Italien das Ersuchen ge­richtet. aus einige seiner Ansprüche an der asiatischen Küste zu verzichten.

SeittWemSs Belieferung.

Finanzierung bet Lieferungen. (Dnchtbericht,)

Frankfurt, 24. Avril.

DerFranffurler Zeitung" wird aus dem Haag gemeldet: Mit der Verfrachttmg von dreißigtausend Tonnen Kartoffeln und zweitmffend Tonnen Speck nach dem deutschen nicht besetzten Gebiet ist gestern begrünen wor­den. Durch die Kommmtalberbitnde t® die Finanzierung von tausend Tonnen Butter und durch dir Reichsstelle von weiteren tausend Tonnen Butter zustande gekommen, die so­fort nach Deutschland befördert werden können. Weitere zweitausend Tonnen Speck sind angeboten worden. Auch deren Finanzierung scheint durch private Kredite er­ledigt zu werden, ebenso wie dir Lieferung von siebentausend Tonne« -Fl e i s ch, für weift; die Finanzierung in Aussicht sieht. Sam liche Wa ren sind von Sachverständigen auf ihre Güte geprüft worden. Zur Verfügung stehen in Hol- laud weiterhin breitzmsendfvn stümpert1 Sonnen Hülfen flüchte, für welch, die Fnwnzie- nrng noch nicht erledigt ist. .

Som Lölkrbimd.

Aus dem deutschen Entwurf.

Die deutsche Regierung hat dem Pariser Pölkerbundentwurf vom 14. Februar dieses Jahres eigene Vorschläge gegenüberge- stellt, die sich von diesem in wichtigen Punk­ten unterscheiden. Während nämlich der Pa­riser Entwurf, wie es scheint, auch in seiner neuen Fassung die Leitung des Bundes einem bureaukratischen Kollegium überweist, das nach dem Machtprinzip gebildet ist, und auf eine Sicherung der fünf siegreichen Großmächte in ihrer Herrschaftsstellnng hinausläuft, vertritt der deutsche Entwurf den Grundsatz ge- »offen schaftlicher Gleichheit und de- mokratischer ReppLsenAltioregieruug. Er setzt neben die obligatorische Schiedssprechung für das negative Ideal der KriegSverhütung das positive Ideal der internationalen Arbcitsge- memschaft im Dienste des Geistes und materiel­len Fortschritts der Menschheit. Nach dem deut­schen Entwurf umfaßt der Völkerbimd ohne weiteres alle kriegführenden Staaten, auch solche, die erst während des Krieges entstanden sind, sowie alle neutralen Staaten, die dem Haager WelffchieLsverbaird angehören. Die Organe des Völkerlnmdes sind zunächst der Staatenkongreß und das Weltpar- lament als Gesetzgeber. Der Staatenkongreß wird durch Vertreter aller Regierungen zu glei­chen Rechten gebildet. Er ist zugleich das HaupiverwaltungS-organ und erfüllt seine Auf­gaben dttrch einen ständigen Ausschuß, den er selber wählt, auch während der Zeiten zwischen den Taguuaspcriodcn. Von den Vor­rechten bestimmter Mächte ist in diesem Aus­schuß keine Rede. Auch hat er nur beschränkte Funktionen Fiir die Willensbildung im Staa. tenkongrcß ist das Prinzir der q u a I i f t j i e t« ten Majorität eingeführt. Tas Weltpar» Imnent muß bei den wichtigsten Gesetzen und beim Bundeshaushalt zustimmen.

Als Behörden der Rechtspflege im Weiteren Sinne werden zwei ständige Körperschaften ge­bildet: der internationale Gerichts- h o f und das VermittelungSamt. Der Gerichts­hof entscheidet streitige RechtZsachen, das Ver- mitielungsamt regelt Interessenkouflifte. Bei einem Streit über die Kompetenz bat der Ge­richtshof das letzte Wort. Jede Staatendiffe­renz muß vor eine der beiden Behörden ge­bracht werden. Nur eines ist den Staaten er­laubt, nämlich, die Streitfragen durch beson­dere Schiedsgerichte entscheiden zu lassen, so­weit es sich nicht um die Auslegung von ge­schriebenen Rechtssätzon handelt, die die ganze Pökkerbundgemeinschaft angeben. Das Vermit- tclunasam» hat besondere BefUMisse. dringende Streitsragen von amtswegen vor sein Kol­legium zu ziehen, damit eine Lösung getroffen wird, ehe die Spannung sich zum Streit ent­wickelt. Unter den Zwecken des VöfferbundeS ist der wichtigste die Abrüstung Nach dem deuffchen Entwurf ist der Krieg keine legale Form der internationalen Streilerledigung mehr. . Die Abrüstung wird daher auf das Maß beschränkt, das für die innere Sicherheit und die Ausübung des Notwehrreckts erfor­derlich ist. Zur See darf es, abgesehen vom Küstenschutz, feine bewaffneten Schiffe geben als die Seepoliz->iflotte des Völkerbundes, die unter gemeinsamer Leitung auf die Seestaaten unter seinen Mitgliedern kontingentiert wird. Meerengen und Kanäle werden in weitem Um­fange internationalisiert, die See- und Bin­nenschiffahrt auf dem Boden der Gleichberechti­gung geregelt Die Wirffchaftsfteiheit sckließt lebe Art von Wirtschaftskrieg aus, der nicht vom Bunde als Maßnabme der Zwangsvoll­streckung besohlen wird. Ausfuhr, Einfuhr und Durchfuhr sind in liberalem Geiste geordnet. Ein Welthandelsrecht wird als Ziel aufgestellt. Für ein internationales Arbeiter­recht ist dem deuffchen Entwurf ein Sonder­abkommen beigefügt, das sich in vielen Punk­ten mit dem neuerdings in Paris veröffentlich­ten Arbeiterrechtsentwurf zu decken scheint, aber im ganzen noch darüber hinausgebt. In der Kolonialfrage endlich erkennt der deutfche Entwurf das Printip der internationalen Ver- wattungsvrdnung für Tropenkolouren an. Tie Aufsicht des Völkerbundes soll sich in allen nicht mit Selbstverwaltung versehenen Kolonien ht erster Linie auf den Schutz der Eingeborenen, in zweiter auf die Einhaltung des Grundsatzes der offenen Tür erstrecken. Bestimmungen über die Einzelheiten der Zwangsvollstreckung und die Kosten de" 9luvbesverwattung schließen den hoch-bedeutsamen Entwurf.

Z»r Aufhebung der Blockade.

Basel, 24. April. (Drahtbericht.) Ein Londoner Dlaft meldet: Lloyds in London nimmt Versicherungen für Seetransporte nach deuffcke« Häfen vom ersten Mai ab an. Ei« anderes Blatt meldet: An der Londoner Börse wird die Aufhebung der allgemeinen Blockade nicht vor Ende Mai erwartet. Jm> Märistormm fui£at über die Aufhebung bes