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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 118.

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 23. April 1919.

Fernsprecher 951 und 952.

9. Jahrgang.

München von Legiemngs-TrnMN eingekreist.

AngestekteA-FrkgeN.

Betrachtung zum Streik der Bankbeamten.

Der hartnäckige Streik der Berliner Bank­beamten neigt sich seinem Ende zu, und vielleicht ist er bereits beigelegt, da diese Zeilen in Druck gehen. 'Die Einigungsverhandlungen waren schwierig; handelte es sich doch nicht nur um eeidliche Forderungen, sondern auch mn as für die An-gestellten-Ausschüfle geforderte Mitbestimmungsrecht. Wären es nur finanzielle Ansprüche gewesen, d. h. berechtigte Wünsche nach Sonderzulagen für die Dauer der ja in der Tat ganz außergewöhnlichen wirt­schaftlichen Verhältnisse, man würde wohl bald einen gangbaren Ausweg gefunden haben, ob­wohl den Banken eine solche Dauerbelaftung denn als eine solche muß man die Zulagen betrachten, da die Verhältnisse noch auf lange Zeit anormale bleiben dürften nicht unbe­denklich gewesen wäre, sind doch die Zeiten frisch aufstrebenden Wirtschaftslebens für lange begraben! Was den Bankbeamtenstreik beson­ders schwierig gestartete, war eben das zur For­derung erhobene Mitbestimmungsrecht. Auf die­sem Gebiete war man bisher schon zu einer Einigung gelangt, nämlich bezüglich der Kün­digung der Angestellten, von der man dem Ungestellten-Ausschuß und seiner höheren In­stanz, dem Schlichtungs-Ausschuß, stets Mittei­lung machen mußte. Vom Einspruch des ersten und dem Veto des letzten sollte jede unberech­tigte Entlassung rückgängig gemacht werden können. Nun soll aber das Mitbestimmungs­recht weiter ausgedehnt werden und die Ent­lastung von Angostellten von ihnen selbst ab­hängig gemacht werden. $a, man geht fo weit, daß selbst Verträge und Einstellungen von Per­sonal nur von diesem allein geführt und stets vor aller Oeffentlchkeit stattfiuden sollen. Das ist der schwierigste Punkt; er bedeutet eine Radikalkur, deren Bedeutung und Aus­wirkung von ungeheuerlicher Trag­weite ist, und die dermaßen große Gefahren in sich birgt, daß man ihre Verwirklichung un­möglich wünschen kann.

Ehe wir jedoch auf die aus solcher Forde­rung sich ergebenden zerrüttenden Folgen ein­gehen, sei noch kurz ein Wort über die innere Struktur des Beamtenstreiks gesagt. Früher war ink allgemeinen nur die eine Form des Wirtschafts-Streiks üblich, d. h. man trat in den Ausstand, um bestimmte wirtschaft­liche Verbesserungen w erzwingen. Die zweite Form des Streiks, der politische Streik, wlwd e eigentlich erst so recht seit der Revolution üblich, indem man an die Wiederaufnahme der Arbeit politische Forderungen, sei es der Ruf nach dem Rätesvstem oder der Haßfchrei:Fort mit Ebert-Scheidemann-Noske!^ knüpfte. Die interessante Zwischenform ist dann die Verauickung wirtschaftlicher.und po­litischer Elemente, also jener Streik, der zu­gleich mit finanziellen auch rein politische Zu­geständnisse erreichen will. Und zu dieser letzt- äenannten Art rechnet ohne Zweifel der B<Mk- beamten-Streik in Berlin; denn es handelt sich bei seinen Forderungen um die gesetzliche Festlegung eines Rechts in bindender Form durch die Reichsregierung. Es soll gleichsam ein neues Privatbeamtenrecht erkämpft werden, das die Kompetenzen des Unternehmers und der Angestellten mit einem Paragraphenwuft sichert und umbaut! Und die Regierung hat bereits eine solche Regelrmg zugesagt. Aber: bedeutet das alles denn wirklichSiche­rung"? Damit aber kommen wir zu der ungeheuren Gefahr dieser Bewegung. Um es gleich vorweg zu sagen: Die Unmöglichkeiten viescr weitestgehenden, radikalsten Forderungen der Berliner Angestellten, die wir oben kenn­zeichneten. liegen klar auf der Hand, und jeder vernünftige Angestellte, der sich die Sache im nüchternen Tageslicht besieht, wird zu der- sekben Einsicht kommen. Daß der nackte Her- ren stand punkt des Unternehmers nicht mehr gelten darf, ist eine Selbstverständlichkeit, über die jedes Wort zuviel wäre. Es gibt ja heute schon in jedem größeren Betriebe An­gestellten- imd Arbeite r-A u s s ch ü s s e, die zu hören sind und auch gehört werden. Ge­nügt das denn ni-bt?

Freilich: Bei Beförderungen werden sie nicht gehört. Da entschieden bislang die Tüchtig­keit, der Fleiß und die Begabung, kitrzum der Erfolg, den jemand zeigte und der vom Unternehmer oder den Leitern des Un­ternehmens erkannt und dementsprechend ge- .Wertet wurde. Was man aber jetzt ausirebt. ist ein cheilia-r* B n reau kratismn s . den man selbst ost verdammte? Altersklassen Verden au'a-siellt und nach ihnen da? Ge­halt bemessen! Mit anderen Worten: Nicht mehr die Fähigkeit des Einzelnen soll ans- ftbSaMebend sein, sondern die Dienstzeit, nicht mehr die geistig« Leistung, sondern ein dick«» Hosenboden mit dem nötigen Sitz­fleisch dazu? Ter Heilige mit dem langen, a#e» Puderzopf freut sich diebisch; er rüstet sich MN neuen Einzug in ein Reich, das man fern fast versperrt »rite. Aus dem Streit,

der unter irrefühender Firma gegen den Un­ternehmer gehen soll, wird ein solcher der A n - gestellten untereinander! Es setzt einen Kampf in den eigenen Reihen! Denn im Grunde "genommen ist cs doch nur ein Kampf derer, die noch jung, unerfahren und weniger verantwortungsbewußt sind, gegen die, die sich durch Talent und Fleiß zur gehobenen Position enchorgearbeitet haben. Es bedeutet eine weitoffene Tür für Neid und Miß- gunst, für Angeberei, Intrigen, für Kliquen- und Günstlingswirtschaft sch li mm st er Sorte! Und sehen denn die Jungen, die Begabung und Tüchtigkeit besitzen, nicht, wie sie sich selbst den Ausstieg mit Para­graphenmauern verbarrikadieren? Soll denn in Zukunf anstelle emsig-tüchtigen Strebens das Ueberhandnehmen übelster Instinkte gezüchtet werden oder ein selbstgenügsames, w-rlltch so tödlich echtes Ersitzen einer Stellung? Gerade jetzt und in Zukunft sind wir Deutsche auf den Kaufmann" int weitesten Sinne, auf die Tüch­tigkeit jedes Angestellten angewiesen, damit es wieder einmal bergauf gehe. Soll das alles untergraben und erstickt werden? Ja, es sind Angestellten-Fragen, aber solche, an denen das ganze Volk ein Interesse hat! P. B. S.

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Eine Einigung erzielt.

Berlin, 32. Avril (Drahtbericht.) In den Berliner Angestellten - Verhandlungen wurde eine vorläufige Einigung erzielt. Der Eini­gungsvorschlag, soweit er sich auf das Mitbe­stimmungsrecht der Angestellten bezieht, geht dahin, daß von jeder NeneinstellMrg eines Angestellten dem Anocstetiien-Aüsschust Mittei­lung z» machen ist, jedoch mit Ausnahme der Einstellung von Generalbevollmächtigten, Han- dclsbevollmächftgten, Vertretern mit handels­gerichtlicher Eintragung und Angestellten in lei­tender Stellung. Bis zum Erlast eines ein­schlägigen Gesetzes ist vereinbart worden: Die Geschastsleitung ist verpflichtet, dem Angestell- tenausschuß von jeder Neueinstellung (mit Aus­schluß der obengenannten Angestelltengruppen) Kenntnis zu geberc. Gegen jede Einftelli'ng kann der Angestellteimusschuß binnen fünf Ta­gen Einspruch erheben, wenn wichtige b e - rechtigtr Interessen der Angestellten­schaft oder des Betriebes dadurch verletzt wer­den. Rur Prüfung des Einspruchs bestimmt der Angestellten-Ausschliß einen Vertrauensmann und Vertreter. Ist eine Einigung über den Einspruch der betreffenden Neueinstellung nicht zu erzielen, so kann der Angestellten-Ausschust innerhalb dreier Tage ^mch Beendigung der Verbandlnngen mit der Geschästsleitung den zuständigen Schlichtungsausschust an­rufen. Ebenso ist dem Angestellten-Ausschutz von jeder Kündigung Kesintnis $tt geben, rmd er kann Einsvrnch erheben, wenn er der Ansicht ist, daß wichtige Gründe der Entlassung entgegenstehen, die geoen die berechtigten Inter­essen der Angestelltenschaft oder des Betriebes verstoßen oder sie als unbillige Härte gegen den betroffenen Angestellten erscheinen lassen.

Ende des Berliner Streiks.

Berlin. 22. April. (Drahtberickt.) Der Streik der Angestellten der Metall­industrie ist beendet. Die Obleute hoben sich mit den von der Streikleitung getroffenen Vereinbarungen einverstanden erklärt. Am Mittwoch wird die Arbeit wieder mrfaenom- men. Am Ostermontag-Dormittag sand eine große Versammlung der streikenden Bankbe­amten statt, in der eine Resolution einstimmig angenommen wurde, nach welcher Dienstag vor­mittag Betriebsversammlungen der stteikenden Bankbeamten darüber entscheiden sollen, ob die Arbeit wieder ausgenommen werden soll.

Sie Sage i« Bayern.

München hermetisch abgeschlossen.

(Drahtbericht.)

Augsburg, 22. April.

Wie die Telegravhen-Nnion von militäri­scher Seite erfährt, ist München nunmehr durch ein großes Aufgebot von Re,ierrw<^1ruppen hermetisch abgeschlossem Die Nm- zinoelunq ist so eng und derartig sttena, daft der Sturz der Räteregierung in allerkürzester Zeit rmbedingt erfolgen muß. Fede Zufuhr von Lebensrnitteln ist völlig ausgeschlossen. Man erwartet die Nebergabe Münchens durch di« Spartaftstcu spätestens Mittwoch

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Der Aufmarsch vollendet.

Nürnberg. 22. Avril. (Drahtbericht.) Der Aufmarsch der Truppen gegen Mün­chen ist nahezunollendet. Stündlich kann der allgemein« Angriff beginnen. Die Truppen haben einen engen Ring um di« bäuerisch« Hauptstadt ««schlossen. ES stehen zur Zeit etwa zwanzigtausend Mann rr- gicnmgstreuc Truppen vor München, bi» dmv

Ring um die bayerische Hauptstadt immer enger schließen. Zwei preußische Divi­sionen sind aus Thüringen und Hessen un­mittelbar vor München eingetroffen. Fer­ner trafen etwa viertausend Mann württem- bergische Truppen ein. Der Rest besteht aus Freiwillioen-Truppen aus dem übrigen Bay­ern. Eine weitere Meldung besagt: Kn den Ostertagen haben sich Regierungstruppen an den Dahnen Augsburg-München und Ingol­stadt-München herangeschoben. Sie standen am zweiten Ostcrtag etwa acht Kilometer vor Pa­sing, dem bekannten Vorort von München.

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Augsburg im Besitz der Regierung.

Bamberg, 22. April. (Drahtbericht). Die Regierung meldet, daß die Vorgänge in Augs­burg, die Unzuverlässigkeit der Haltung von Teilen der Bevölkerung Augsburgs, eine mi­litärische Besetzung der Stadt durch Ve Regierungsttuppen notwendig machten. Die württembergische Regierung hat auf das dringende Ersuchen der bayrischen Regierung Truppen zur Verfügung gestellt. Augsburg wurde am 20. April von bayerischen und ivürttembergischen Truppen besetzt. Ein Teil der Vorstädte befand sich am 20. noch in den Hän­den der Spartakisten. Um die Vorstädte sind noch Kämpfe im Gange. Die Stadt wurde von den württembergischon Truppen von Süden, von den bayerischen Truppen von Norden her angegriffen. Unseren Truppen gelang es das Stadtinnere ohne besonderen Widerstand mit geringen Verlusten zu nehmen. Das Eingrei­sen tritferer Artillerie war erst am Theater und am Rathausplatz notwendig.

Erfolge der RegierungSirudPert.

Augsburg, 22. April. (Drahtbericht.) Oberndorf im Allgäu ist von den Regie- rungstrupven besetzt. In F ü ß e n am Lech hat sich die Garnison für die Regierung Hoffmann erklärt; Garmisch-Partenkirchen soll am ersten Ostertaa von den Spartakisten ver­lassen worden sein. Bei Garmisch-Partenkirchen soll die berühmte Filmdiva Henny Porten von Spartakisten festgehalten werden. Es besteht noch keine Verbindung mit dem bahr. Oberland.

Offiziere olS Spartakisien-ZAhrer?

Berlin, 22. April. (Drahtbericht). Die Ver­mutung, daß den Münchener Spartakisten mili­tärisch geschulte Offiziere zur Verfügung stehen, bestätigt sich, und zwar werden sechs aktive Offiziere namentlich genannt. Es sind dies die Obersten Staubwasser, Lang- lois und Freiherr von Zöller, Major Pa­ra g u i n, Hauptmann von Z w e h l und Ritt- rüeister Fürst W r e d e. Staubwasser, Lauglois und Zöller führten im Kriege zitletzt eine Bri­gade, Major Paraquin trat nach der Revolu­tion der mebrheitssozchldemokrattfchen Partei bei und besuchte die Münchener Universität, wo er den revolutionären Studentenausschuß ge­bildet hat. Hauptmann von Zöller galt bei sei­nen Kameraden als besonders hochmütig und adelsstolz. Fürst Wrede ist der bekannte Her­renreiter. Die Spartakisten haben die Knrpp- schen Werke in Freimann, nördlich Münchens restungsartig ausgebaut. Ein An­griff, den sie bei Passenhofen gegen die Regie- rnngstruppen unternahmen, kostete sie mehrere Tote und 50 Verwundete.

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Streik wegen Trnppen-Entsendnng.

Stuttgart, 22. April. lDrahtbericht). Die Arbetter von Bosch und Daimler sind we­gen der Entsendung württembcrgffcher Trup­pen nach Bayern in den Streik getreten. Ein Aktion saus schuß des arbeitenden Prole­tariats in Sluttgart bereitet einen großen Aus­stand vor. Die Bürgerschaft und Regierung trifft Gegenmaßnahmen.

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Vertagung des Generalstreiks.

Berlin. 22. Avril. (Drahtbericht.) In einer Sitzung der revoluttonären Vertrauensleute am Karfreitag wurde nMitteilungen gegeben, die auf eine allgemein« Vertagung der derzeitigen kommunistischen General- streikbewegung im Reiche bis Anfang Juni schließen lassen. Die weiteren Be­schlüsse sollen von der Entwicklung der Bor- gäuge in München abhängig gemacht werden.

Streikbefürchtun- im besetzte» Gebiet.

Rotterdam. 22. Avril. (Drahtbericht.) Die Morningpost" meldet: Tie britische Garnison im besetzten deutschen Gebiet verstärft am 1. Mai ihren Bestand um 8000 Mann. Die mili­tärische Maßnahme wird mit den Meldungen von einem beabsichtigten kommunistischen Ge­neralstreik im besetzten Gebet für die »weite Maiwoch« begründet.

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3er kommende Friede».

Die Einladung nach Versailles.

(Drahtbericht.)

Berlin, April.

General Nudant übersandte an dev Reichsminister Erzberger eine EinladungK Note zum 25. April abends nach Versailles» Daraufhin teilte Graf Brockdorsf-Rant- i a u mit: Die deutsche Regierung hat die Mit­te ilimg des stanzösischen Ministerpräsidenten und Kriegsministers vom 18. April erhalten Sie wird die Herren Gesandten von Hani eh Geheimen Legationsrat von Keller unL Wirklichen Legationsrat Ernst Schmitt zuw Abend des 25. April nach Versailles entsenden Die Delegierten sind mit den erforderlichen Vollmachten ausgestattet, um den Text des Ent­wurfes der Friedenspräliminarien entgegenzu- nehmen, den sie alsbald der deutschen Regierung überbringen werden. Sie werden begleitet sein von zwei Bureaubeamten, Herrn Hoftat Walter R e i m k a r und Diätar Alfred Lüders, so­wie von zwei' Kanzleidienern, Herrn Julius Schmidt und N i e d e Ä. General Nudant teilte darauf im Auftrage der assoziierten Re- ßierungen.- mit, daß es nicht genüge, deutsche Abgesandte zu senden, die lediglich nur zur Ent. gegenncchme der Friedensartikel befugt seien, sondern sie müßten auf Grund umfassender Vollmachten berechtigt sein, die Gesamtheit der. Frikedensfragen zu verhan­deln. Die sich hierauf beziehende

Deutsche Rote

besagt: Nachdem der französische Ministerpräfi- dent und Kriegsminister der deuffchen Regie- ntng die Aufforderung der alliierten und asso» ziierten Regierungen übermittelt hat, die deut­schen Delegierten mit einer ebenso vollständigen Ermächtigung zu Verhandlungen über die Gesamtheit der Friedens- fragen zu versehen, wie di« Vertreter bet alliierten und assoziierten Regierungen sie be­sitzen. hat die deuffche Regierung in der Voraus- setzung, daß im Anschluß an die Uebergabe des Entwurfes der Präliminarien VerkmndlunM« über deren Jnhalj beabsichtigt werden, folgende mit entsprechenden Vollmachten versehenen Personen zu Delegierten bestimmt: Reichsmini­ster des Stetigeren Graf Brockdorsf-Raut- zau. Reichsjuftizminister Landsberg, Reichspostminister Giesberts, Präsident der preußischen Landesversammlung Seinctt, Dr. Karl Melchior. Proftssor Dr. Schük- k i n g. Ms Begleiter der Delegierten find wei­tere Personen in Aussicht genommen, deren Ra. men und Stellrmg di« deuffche Regierung bal- di oft in einem zweiten Telegramm bekanntgeben wird. Die deuffche Regierrmg ist bereit, die vor- stehend verzeichneten Personen nach Versailles zu entsenden, wenn ihr die Zusicherung gegeben wird, daß den Delegierten und ihren Begleitern während ihres Aufenthaltes dort Bewegungsfreiheit, sowie frei« Be- Nutzung von Telegraph und Telephon zum Verkehr mit der deutschen Regie­rung gewährleistet ist. Sie behält sich vor, für einzelne FriedenSftagrn nachträglich beson­dere Sachverständige zu benennen. Die Abreise der Delegierten und ihrer Begleiter würde sich jedenfalls um einige Tage verzögern.

(gez.) Brockdorfs-Rantzau.

®ie Stimmen führender Manner.

Wien, 22. April. (Drahtbericht.) Die .Neue Freie Presse' bringt Aeußerungeu führender deuffcher Männer über den Frieden. Reichs­präsident Eb'e r t betonte: Weder die jetzige, noch irgend eine deutsche Regierung würde einen Frieden unterzeichnen können, der den vierzehn. Punkten Wjlsons widerspräche. Sie wäre fer- tiL und damit würde alles ziffammenstürzen. Auch Graf Wedel betonte, daß Deutschland nur auf Grund der Bedingungen WilfouS Frieden schließen könnte, diese Bedingungen dann aber auch loyal durchführen würde. Mini­sterpräsident Scheidemann erklärte gleich­falls gegenüber dem Berliner Vertteter vom .Neuen Tag' jur Aufforderung der Entente, den festgesetzten Text der Friedensprälimi­narien am 25. April in Versailles in Empfang zu nehmen, daß Deutschland an den 14 Punk't-n Wilsons al» Grundlage des Friedens unbedingt festhalten werde. Das Ziel werde nicht Ablehnung, son­dern Verhandlung über die Vorschläge der En­tente sein, um, wenn irgend möglich, eine Eini­gung mit den Gegnern zu finden. Das Kabinetts werde natürlich so folgenschwere Entschlüsse nicht allein fassen, sondern die Nationalver-i sammlung Mitwirken und darüber hinaus möq-. licherweise das Volk durch ein Refe­rendum entscheiden lassen.

Deutschland- Völkerbund-Projekt.

Berlin, 22. April. (Drahtbericht.) Wie dasBeffiner Tageblatt" hört, hat die deutsche^