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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 115t Fernsprecher 951 «ch 95t Donnerstag,

Hesstsche Abendzeitung

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17. April 1919. Fernsprecher 951 mb SSL 9. Jahrgang.

München unter kommunistischer Regierung.

Wehrpflicht-Frage«.

England «ix lehrreiches Beispiel.

« atUerHtaoe, bw laago Jahre tat «merita M8> ffwgfflltt U9tl M* MNs^UM

vag artetH, oatteitfeU tat bem wchftetzeaben Qrtilel feine Ansichten über Mo gerab« jetzt allgemein tatteoeffleeenbo tzSeHrpslichtfrage, Mo io «ach i* Vertonten« an» auf bem etäfe-Äoa- grast gn «procho Brat, »er Darfasse» schreibt:

.Wir teert*« -eigen, daß freiwilliger Heeresdienst dem gezwungenen überlegen ift* So war der WahSsprnch Eng- land» dei «nd trag nach AnSdruch de- Krte- geS. Sehe» wir mm, vAe sich Theorie und Hraxi» Meimmder »erhalten. Zunächst: Wie bekam Enyland feine FreiwMgen vor dem Kriege? Iw Frieden, durch Urlaub von den Firmen, bei denen fie in Stellung waren, er- ntwtiflL butbeu nteift (9n)fi riabt*

jimgLnige ohne dir Mittel, sich sonst eine Som­merfrische leiste« gu können, ihre allfrunuerliche WaflenWung. Dazu eine freie Ausrüstung, einschließlich der Wichse, letztere in den Kolo- ni«r auch fite IoAgWecke sehr handkich, zumal vermöge der dilligen Munition. Die Ansbil- d u n g wurde von alten, ehemalig aktiven oder Berufs-Soldaten in ÜaMportlicher Weise vor- genommen, und etwas Sport-mann ist eben fast jeder Sohn MdionS, wenn ihm auch daS turnerisch EiuheiMche, etwa der deutschen Turner, fehlt; bdfite aber bar jeder seinen Ehr- «erz in einer frorflichen SpezicckitSt, wie Crv- <wet, Fußball, Tennis nftv. Jvmrerhin, mmte- rych hielten diese SportSfremwe unseren deut­schen Turnern mehr alS die Wage, und fie ga­ben also England gar kern gerade schlechtes Rohmaterial fite seine GelegenheitS- Ststee. Doch tneSnuu baa etwas mchr H&fr, e®8 flch MbionS Alliierte, deren gewissenlose Ausnutzung früher immer Englands Trümpfe bedingte, fr rapide verbluteten.

Die engjfififie Volontär-Arrwcc hatte schon bafr zwei Wflt bekommen; etwa diese: Klasse A: AltSgebirdete Feriensoldaten, die sich aber schon int Bnrenkrrege wenig bewährten. Klasse B: Ganz rohe, niemals VorauSvÄdmrg de- sitzende Leute, in die Disziplin und Grtvehr- haNdhabmrg in der gegeben Zeit nur sehr man- selMt eingepaukt wurden. Klaffe B bestaich noch dazu aus Leuten, die überwiegend infrfre ihrer unsteten BefchSftigungSart, alsbakd tron der wirtschaftlichen Depressum im Beginn des WÄSrieges $ttm Anwerbenbaffen ans pe- kuniLren Gründen sich gezwungen sahen. Und da haben wir gleich den Kernpunkt des frye- nannten DolontSr-SvstemS: Außer den FriedenS-V-ofrutSren der Klaffe A, die im ersten Herbst fast awfgebrancht Waren, befand das Do. frutär-Heer EnBa-nds durchweg aus brot­losen, durch Not gepreßten jungen Let£ ten von oft bi» SO. fr 7V Jahren, auch vielen MiUderj ährten. tne, Wie die offen, ermutigt wurden, falsches Alter anMgeben, bekam doch der Werber eine Prämie für jeden Rekruten. Dazu kamen mit der Zeit tüchtige Arbeiter, die durch verrrngerte Betriebe oder Fraueneinflel- kung die Entlassung erhalten hatten und auf ihrer letzten Lohnkarte den frost' gefunden: .Dein König und Land braucht Dich! Wr nicht!" Das War englischer DoloutäriSrnuS. Der Reiche akfo, und nur dieser. War bis «m Beginn deS Krieges allerhöchsten- im Lfs izierSstand, der ja bekanntlich stets tret käuflich bei John Bull War, anzutreffrn. V» et überraschend schnell Karriere machte. Diez Wäre ja nun im Frieden, wo alles die Ser­geanten meist recht WilMrlich machten, ganz harnckos gewesen. Diesmal aber hat es sich im Gegensatz zum Gueriva-Krisg gegen Auf- Wndische, wo jeder Soldat sich sÄbst durch Ge­wandtheit sichert, bei diesen Wahren Solon- Offrzteren um ost Hunderte ihrer Inkompetenz ans Gnade und Ungnade des Zufalle- anver- teaute Menschenleben gehandelt, die unnötig au» Spiel gefetzt Wurden. Die kennzeichnen­den Schlaglichter tauchten denn auch bald ht der ausländischen Presse während des Kriege- oof- Bald gaben Meldungen M, daß die MS- tfSpfön ihre Mängel Hache, da besonder- da- Zu» nukgehen, noch dazu gesMossen unter heftigem F«ter, nicht ht die Leute bmeinzubrwgen sei, sodaß fie oft «rfgerieben Würden, ohne daß da- durch der geringste Vorteil erwüchse.

Kennzeichnend waren Fälle, Wo höhere Offi­ziere mit der Pistole in bei Hand einige Leute

'bc?J>ÄLF'ncen nnr6t<T- die sonst sinnlos m ihr Verderben gerannt Wa­re«; und besonders typisch ein anderer Fall, Wie folgt: Durch Mangel kompetenter Führung waren Reste von stundenlang bombardierten englischen Truppen fr verwirrt und verzwei« frlt, daß fckltetzkich ihre Bull-dvg-Ratur Vor­gehen und Aktion verlangte; aber (laut Be- richtzs: da waren lerne Gewehre mehr gebrauchs­fähig, selbst wenn die Minner rmch fähig ge» Wefert Wären, fie M benutzen; aber drauf grn- gen fie, mit zerbrochenen Gewehrenden, mH «Paten, einige mit Messern und ihren Fäu­sten ... Oh. welche Summe unnötiger Dlutver. gendumg ihrer eigenen Satte hat nicht diese

Gekd> refrettive D-rton--Ofstzier-Mhrung der englischen Nation gekostet, und mit diesen teu­ren Erfahrungen fchwankte und fiel auch der ganze BolontäriSmus. Wir sahen England, sahen Kanada »Konskription*, d. h. alle cm eine Wehrpflicht einfüh- ten; auch die Bereinigten Staaten, Wissend, daß die gelbe Gefahr nur durch Gerustetsein vom eigenen Hälse zu halten sei, und im gegenwär- tilgen Weltkriege eine lächerliche Rolle fürchtend, brachen mH den fr schön klingenden TradHivnen de- freiwilligen Heeresdienstes bald. Dies machte natürlich aus der englischen Armee-MH. rung und -Ausbildung nicht automatisch eine bessere, sodaß die eigene Presse hier, wie in anderem, ihre Regierung verdientermaßen mit dem ewigengn fp äfl verhöhnte. Wohl wur­den auch dann noch reiche Erb-söhne gelegent­lich, besonders : Nordamerika, loSgekaust resp. durchschlüpfen gelassen. Doch allmählich brach da« Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht: 7Was dem einen recht, ist dem andern billig, « dieser Frage durch. In all den genannten Landern brach die Wehrpflicht durch, als die Pflicht jedes Einzelnen^ für die Sicherheit der angestammten Heimat einzutreten. Heute sehen Wir nun dasselbe England, das alles inS Feld Khrte, um Stimmung gegen den deutschen Zwau^dienst zu machen, selbst das .Konskrip- tnmS-Systeuft fr liebevoll bewahren, daß eS kürzlich die mH dem I-abreSanfang 1990 per- langte Abschaffung nach letzter Beratung Wie­derum abkehnte. Die Gründe, die hier nur frrz gestreift werden konnten, Waren eben für England mtb Am erika durchaus zwin­gend. Sie Wußten nur zn gut, warum fie *!* Freiwill'E-Svstem abgingen. Das ist mnmerh«, für Deutschland ein lehrreiches Sei» Wtef. wicht den «mgekehrter Weg zu gehen. ____* A. &h.

Die Lage la Nahem.

Die Macht der Ultra-Radikalen.

(Drahtbericht.l

München. 16. April-

F« München Ht die kommunistische Regierung mH dem Russen Dr. Le­vin ö (der sich auch Nissen nennt) au der Spitze. auSgerusen worden. Ein Teil der Münchener Garnison, der auch durch bewaff­nete Arbeiter an« Ingolstadt unterstützt wird, stem hinter der Kommuuisteuregierung. München wird streng abgeschlossen gehalten. Die Lage gilt nach wie vor als äußerst ernst. MinistervrSstdent Hoffmann ist mH dem Minister fite militärische Angele- grübelten mit unbrtanntem Ziel au« Bamberg abgereist. Schlimme Nachrichten find aus München bei der Regierung Hoffmann ein ge­troffen. Danach find die allerradikal- sten Elemente zur Macht gekom- men. An der Sfrktze steht der Münchener Anarchist SondHeimer. Der geplante Gin­marsch von RegiernngStruppen von Fngvlstadt aus mutzte kn allerletzter Stunde widerrufen werden, weil die Regierung erfahren hatte, datz dte rote Garde bereit« eine solche Stärke erreicht hatte, datz die anmarschierenden Trup­pen nicht anSveichen würden. Naturgemäß wird von Seiten der Regierung über alle mi- lHSrischen Angelegenheiten mtb Bewegungen strengste« Stillschweigen beobachtet.

El« netter Aktivns-Atttzschmtz.

München, 16. April. (Drahtbericht.) Der alte Zentralrat ist aufgelöst und ein neuer Aktion-an-schuß unter der Führnna Dr.,LewienS und Dr. LevinöS und A x e l r o d gebildet worben. Zwei Mft- glieder der MehrheH-sozialdemokratcn und MHglieder der unabhängigen sozialdemokrati­schen Partei, die fich mit dem kommunWschen Programm einverstanden erklärt haben, wur- den in den Ausschuß ausgenommen. D e r G e- neralstreik fit von ben Kommunisten und Spartakisten proklamiert Worden. Pon den bereits verhaftet gewesene« Mitgliedern de- ehemaligen Zentralrates find einige wie­der nach München zurückgekehrt, darunter Mühsam. Auch Landauer und Sol­let befinden fich m München. Mit den bei­den Letztgenannten finden Verhandlungen statt, um fie wieder in den Zentralrat zu wählen. DaS Uebergetolcht in der Führung scheint fich aber weiter zu den Unabhängigen und den Radikalen hin verschieben zu Wollen.

e

Der Kampf nm den Bahnhof.

Nürnberg. 16. April. (Drahtbericht.) Nach hier eingetroffenen Meldungen befindet fich nun München vollständig in der Gewalt der Sommumsten. Die Diktatur des Proletariats ist aufgerichtet. Der Kampf u« den Haupt- bahnhof, der mit Artillerie. Maschinengeweh­ren. Handgranaten und Minenwerfern auSge- fo(fiten wurde, dauerte etwa drei Stunden und

hatte das Gepräge einer förmlichen Schlacht. Er forderte etwa 150 Tote und Verwundete und endete mit dem Siege der Kommunisten. Die Regierungstruppen wur- den entwaffnet. Rach diesem Erfolg war daS Schicksal der Stadt befieaelt. Die ganze Gar­nison steht fetzt im Dienst der neu aufgerich­teten Herrschaft des Proletariats. Die Zahl der bewaffneten Arbeiter ist autzerordentlich grotz. so datz die Kommunisten eine starke Macht hinter sich stehen haben.

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Einzelheiten Uber die Lage.

München. 16. Avril. (Drahtbericht.) Der Münchener Hauptbahnhof ist seit gestern nach­mittag abgeschkossen: jeder Zugverkehr ist cm« gestellt; das Gelände deS Bahnhofes ist in weitem Umkreise besetzt. Ebenso alle Zufahrt­straßen. dir in die Stadt führen. Auf den Tür. men der Frauenkirche ist ein Beobachtungs­posten eingerichtet. ES verlautet, daß zwi­schen München und Dachau schon die Truppen der Bamberger Regie­rung stehen. Die Bevölkerung steht mit Be­sorgnis den kommenden Ereignissen entgegen. Auch unter den Mannschaften der roten Garde und der notdürftig bewaffneten Arbeiterschaft herrscht eine erregte Stimmung, die durch Pro­klamationen der Regierung auf das Leiden- schaMichste genährt Wirb. Fn die rote Garde find auch russische Kriegsge­fangene eingereiht. Die Zahl der O v f e r des Kampfe- gegen den Hauptbahnhof vom Sonntag wird auf vierzig Tote und hundert Verwundete geschätzt. Die Verluste haben fast nur die Angreifer ge­troffen. wShrend die VerteDiger nur einen ioten und einige Verwundete halten. Die Organisation der Verteidigung Münchens liegt in ben Händen der Kommunistenführer Dr Lewien und des au- Berlin herbeigeeilten Dr. Levinö. An einem Funkspruch an Rußland und Ungarn betont der Aktionsausschuß, auf den die Regierung jetzt Sbergegangen ist. datz nun

eine wirkliche Räterepublik

geschaffen ist. Eine Verordnung verfügt die Durchsuchung der Hotels. Pensionen und Woh- mlngen. sowie der bemittelten Kreise nach Le- ben&mitteÜL Eine offiziöse Verordnung besagt, die Hungerblockade, die sich gegen München richtet, werde fich bald gegen die Münchener Bürgerschaft richten. BereftS haben Be­schlagnahmungen der Sebensmil- telvorräte in gewalttätiger Form stattgesunden. So drangen Bewaffnete ins Kapuzinerkloster ein und raubten dort die Vor­räte. Sn den Vorortbezirken wurden Plün­derer von den roten Truppen gefotzt. Mann­schaften der roten Garde sollen fich gestern der Stadt Rosentzestn bemSchtigt haben. Die Ge­rüchte von der standrechtlichen Erschießung der früheren Stadtkommandanten Dürr und Rüger bewahrheiten sich nicht. Tatsächlich find jedoch zahlreiche angesehene und als poRisch einflutzreich geltende Persönlichkei­ten als Geiseln festgenommen wor­den. Der Volkskommissar für das Auswärtige Dr. Lipp ist übrigens nicht kn die Irrenan- stalt gebracht, sondern gehört zn denen, die mit Mühsam von der früheren Regierung ver­haftet und fortgeschafft Worden find. Die Re- daktronen der bürgerlichen Blätter find von den roten Truppen besetzt. Heute find übrigens aar keine Zeitungen erschienen, auch nicht die kommunistischen und unabhängigen. Da seit einigen Tagen auch keine Post einge- trvfsen tfi. bleibt München ohne jede Kenntnis von den Vorgängen im übrigen Safiern und der Außenwelt. Soeben beginne« alle Glocken der Stadt Sturm zu läuten. Gleichfalls hört man aus der fiferne Kanonendonner.

Stretflage im Ruhrgebiet.

Zunehmende ArbeitSwikligkeft.

lDrahkbericht.s

Essen, 16. AprL.

Wie fiteRheinisch-Westfälische Zeitung" mitteilt, hat, seitdem auf die einzelnen Zechen militärischer Schutz gelegt ist. die Zahl der Arbeitswilligen zugeuommen. Sv find gestern zum Beispiel aus der Zeche Gustav zum erstenmal seit dem Eintreffen des Militärs etwa siebzig Mann eingefahren. Auf der Zeche Graf Beust, wo dieser Schutz schon länger besteht, ist die Zahl der Arbeitswilligen erheblich grötzer, was darwrs schlietzen läßt, datz die Berglente dem Streik zum grützteu Teil widerwillig gegenüberstehen und nur einem äußeren Drucke nachgttseben haben.

Verhaftung der Streikleibnng.

Essen (Ruhr), 16. April. (Dnchtbericht.) Gestern nachmittag ist die fM^e ' treiklei- tung deS Ruhrkohlenrev.crS, unge. ähr vierhundert Mann stavh ht Verden an der Ruhr von Regierunystruppen festgenommen.

-er Mslm-Friedea.

Eine Erklärung Eberts an fite Konstituante- (Drahtbericht.)

Weimar, 16. April.

Die Debatte über die Maifeier in der NatronaLvensmmrÄuug ließ die Gegensätze unter den einzelnen Parteien in einer Form aufernanderpkatzen. Wie das bisher noch nicht erlebt worden ist. DaS ist begreiflich in Be­trachtung des Umstandes, datz mit der Mai­feier die Anerkennung des frzialistischen Kampscharakters des 1. Mai nach dem ur­sprünglichen Wortlaut der Regierungsvorlage ausgesprochen Werden sollte. JnFwist^n haben fich die Demokraten und die Sozial­demokraten aus ein Kompromiß dahin geeinigt, daß ein Feiertag zur Demonstration für Weltfrieden. Völkerbund mtb internatio­nalen Arbeiterschutz eingefnhrt und in diesem Sre am L Mai begangen werden soll. Die er en Termine sollen erst gesetzlich festgelegt Werden. Ans diesen Boden trat auch Minister David. Der ZentruntSabgeordnete Ehr­hardt meinte, man könnte in dieser traurigen ZeH eher einen nationalen Trauer­tag begehen als einen Feiertag. Der Redner der DÄnok raten, P a ch n i ä e, vertrat den Kompromitzvorschlag. Scharf bekämpfte Haas« die Regierung, Weil fie dem 1. Mai den fr zialistischen Kampfcharatter genommen hab« und die Mehrheitssozialisten damit Verrat am Sozialismus geübt hätten. Zu stürmisch en Sze­nen kam es während der Reden des deutsch­nationalen Abgeordneten Költzsch und de5 volksparteikichen Abgeordneten Dr. Kuttel- mann. Beide Wendeten sich fchärfftenS gegen die Maifeier. In großer Erregung sprach fiet mehrheitsfrzialdemokratische Abgeordnete Hil- denbrandt gegen die Vorredner. Zwischen ihm und dem AbMordneten Kuttelmann ent­wickelte sich eine Zwiesprache, die fr gereizt wurde, daß ein Teil der sozialdemokratisches Abgeordneten ansstand trrtfi sich gegen Kuttel- mann wenden Wollte. Lange dauerte die Un­ruhe an. Bei der Abstimmung wurde der Kompromiß-Antrag schließlich mH 161 gegen 86 Stimmen, bei 10 Enthaltungen, angenommen.

Unbeugsamer Wille der Regierung.

Am Schluß der Sitzung verlas Minister­präsident Scheidemann ein Schreiben des Reichspräsidenten Ebert an die Ratiomckver- sammlung, worin eS u. a. heißt:

Die Rationolversammlnug hat am 10. Aprü tu großer Einmütigkeit die Erwartung auSge» sprochen, datz die ReichSregterung unreinem Frieden der Berständigung mW der Bersöhmmg zuftinmrt mW jeden Vertrag ab­lehnt, fier Gegenwart und Zukunft des deutschen Volkes mW fier Menschlichkeit preisgibt. Ich begrüße diese Snndgebunq als das Bekennt­nis fies unweigerlichen Willens des deutschen Volkes, datz der konnnenfie Friede ein Friede fier Verständigung der Völker fein soll und daß somit auch Deutschland die Möglichkeit gegeben werden mutz, diese Grundsätze fier Verständi­gung und Versöhnung zu beachten. Ter Will« fies deutschen Dolles wird für die Reichsregie- rung maßgebend fein. Nationalversammlung und Reichs regier ung arbeiten mH Hingabe und Energie an fier Erfüllung ihrer großen histori­sches Aufgaben: Frieden, Brot nnb Ar­beit und eine neue Staatsform für eht grotzeS Boll zu schoflen. Die Aufgaben find schtver zu erfüllen, solange diejenigen, die es in der Hand haben, fier Welt den Frieden zu geben, fich noch von dem Geftihl des Böllerhaffes und der Rach« beherrschen lassen und durch Huugerblok- kade und drohende EzlsteuMernichtmeg das deutsche Boll zm Verzweiflung treiben. Bereits vor fünf Monaten höben wir unter Annahme fier Bedingungenen unserer Gegner dir Grund- läge für den Friedensfchlutz nnt ihnen verein- bart. Wir habe« die schweren Aufgaben des Waffenstillstandes erfüllt, unser Heer aufgelöst die feinfilicheu Kriegsgefangenen herauSge- geben, aber noch immer wird uns fier Friede vorenthalten, obgleich wehrlos und wirt- chastlich am (Snfie, werden wir durch die Blockade immer noch abgesperrt, werden unsere Gefangenen immer noch ht FeindeÄanv zurück- gehalten. Das ist gleichbefieMend mH fier Fort, etzuug fies jetzigen Zustandes für uuS, für das ibrigc Europa und letzten Endes die ganz« Welt. Die Verantwortung fällt yif un- ere Gegner. Dies müssen fich unsere Geg­ner in zwölfter Stunde vor Augen halten. Friede, Arbeit und Brot und ein neues Deuflch- land zu schaffen, ist aber auch unmöglich, solan-p. Teile uusereS eigenen Volkes in einem Kampfe verharren, der unser schwel bantiebertitaexfieS Staats- m6> Wirtschnsts- leben vollends zu vernichten dreht Wohl ist viel gesündigt worden am deutsche« Bolle in vier schweren Kriegsjahrr«. Darum iss unsere erste Pfluht, zu verstehen, zu helfen uuS zu bessern. Ab« fier Drang bei Massen naS Nenkchkichkeit mm ««lfchenwürdisckeit ist Icir/