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Sonntag, 13. April 1919.
Fernsprecher 951 und 955.
9. Jahrgang.
Sie Lage in vagem noch gänzlich nngeklört.
Rowendlge Wandlung.
Au den Vorgängen im Reich.
Die Meldungen aus dem Süden jagen sich; aber aus all diesen Nachrichten, die der Draht bringt, gebt nur das eine deutlich und klar her- Vvr, daß m Bayern alles noch im UnAaren liegt. Zwar scheint sich ja die Lage der Regierung Hoffmann eftvas günstiger zu gestalten; alter ehe der Kamps, zu dem mich R o s k e sich belennt und der bei der fortschreitenden Einschnürung Münchens unausbleiblich ist, wenn nicht anders die Unterbindung jeglicher Zufuhr der bayerischen Hauptstadt die Kommunisten- Diktatur bricht, ehe nicht dieser Kampf entschieden ist, kann von einer Klärung der Lage m Bayern nicht gesprochen werden. Einstweilen umgeben sich noch Erich Mühsam, Landau, Neurath und wie sie alle heißen, mit dem Glorienschein der siegreichen Diktatoren; sie enteignen und kommunalisieren einstweilen noch tapfer drauf los. Ob diese Herrlichkeit wirklich von Dauer sein wird? Wir möchten es bezweifeln; denn Nordbayern spelt offenbar nicht mit und die breite Maffe der ländlichen Bevölkerung wird sich auch nicht allzu lange von den Herren aus München- Schwabing am Narrenseil Mngeln lassen. Tie Sozialisierung, der Presse wird man vielleicht eine Weile hinnehmen. Kommen aber die Herren „State" zu den Bauern und überhaupt zu der fraglos überwiegenden Mehrzahl der Andersdenkenden, um denen den Plan der „Rationierung aller Wohnungen und Wohnräume" begreiflich zu machen, nach dem Grundsatz: „für jeden Haushalt ein Zimmer mit Küche; bei größeren Familien rielstet sich die Zuteilung nach Zahl. Alter und Geschleust": ja, dann dürften doch die Leute um Mnhsftm recht unliebsame Bekanntschaft mit dem hellen Zorn des derben und sonst recht gesunden Bayernvolkes machen. Ob es soweit kommt, mag dahingestellt bleiben; auch in München wird nichts so heiß gegessen, wie es ge« dicht wird. Aber trotz alledem, die Lage ist fttrchKrrr ernst, was sich ja auch in der Rück- wirftMg aus das übrige Reich deutlich zeigt.
Die Verstiegenheit der Münchener Gewalt- Haber m»cht Schule, vielleicht wegen des ideellen OernH, der ihr zugrunde liegt. Die blendende Phraseologie, mit der man diesen Kern, der sich nie in die Praxis wird umsetzen lassen, nwHiillt, wirkt auf eine durch Schlagworte und Hlimmelsverfprechungen fanatisierte Masse, wie eist Irrlicht. Ueberall, wo sich die Scharen regen; im Düsseldorfer. Essener und Dortmunder Äozirk, letzthin auch in Braunschweig wieder, silbergll! nur der eine Schrei nach der Räte-Republik! Ueberall auch der Ruf. nach euer sofortigen Verbindung mit den kom- mnnKsMch»en Staatswesen Rußland und Un- garn, nach der gründlichen Beseitigung des Militarismus und Kapitalismus in Deutschland und der ganzen Welt (!), nach der Absetzung der Regierung Ebert- ®d) eidemann- Noske! — Das ist natürlich nicht so zu verstehen, daß in den von solcher Bewegung he- gnadeten Landesteilen nun auch jeder bis auf den letzten Mann für das Rätesystem der Herren MuAfam-Lewien. oder Merges in Braunschweig Feuer und Flamme wäre, — daS beileibe nicht. Und es ist auch kein Beweis für die innere Berechtigung dieses Rusts nach der Räte-Republik, wenn er bald hier- bald da ertönt. Aber d a ß er immer wiederkehrt und die noch im Flusse befindliche Revolution bereit durch eine neue Umstürzung deS sich eben erst Formenden verdrängen will, daS gibt doch zu denken. Und man muß geliehen: ES wäre dies amrz unmöglich gewesen, eine solche Machtent- saltunz der zweifellosen Volks minder- beit zur Schreckensdiktatur wäre ganz undenkbar, wenn sie nicht durch skrupellose Agitation auk der äußersten linken Seite, durch schlafmützige Gleichgültigkeit von rechts und den Bürgerlichen her und durch tatenlose Unentschlossenheit in der Mitte geradezu großgezüch- tet worden wäre. Diese Gruppierung ist typisch für das ganze Reich: Alles, was sich zum sogenannten Bürgertum bekennt, ähnelt dem geläufigen Bild des deutschen Mühels: Schlaftnütze über beide Ohren gezogen. Die Mehrheitssoziakiften (und mit ihnen die Regierung) schwanken, vielleicht auS takii- fcher Bedenklichkeit, hin und her zwischen Taten- losiakeit und späten Entschlüssen. Und nur ganz links herrscht eine alles spottende Emsigkeit und Kaffraft.
Es ist gar kein Zweifel, daß die Kommu- ttStcn sich eine derartige Gr'.rppienmg zunutze machtern Unermüdlich und zweifellos außerordentlich geschickt ernteten sie ihren Weizen, schoben die gewaltige Volksmehrheit mit einem Ruck beiseite und sich an deren Stelle. So in München, so irr Bra tnschweig; und Zugs gestern dort, heute hier gel> ng, das kann morgen an dritter Stelle, sagen wir in Berlin, sich ereignen. Man wird sich nicht niur.ct sonderlich wundern dürfen, da einer solchen Bewegt'.ng weder von den bürgerlichen Parteien, noch von X» LishrheitssszickliLtr« em entsprechendes
Gegengewicht gegenübergestellt wird. Oder sollte man sich doch noch besinnen? Sollte es doch noch zu einer großen, notwendigen Wandlung kommen? Aus München dringt die Kunde, daß in den Reihen der Mehrheitssozialisten angesichts der problematischen Lage, die durch die Ueber- Wrzung der Räte-Republik geschaffen wurde, die Selbstbesinnung wiederkehrt. Die Geister scheiden sich: Manche Genossen, auch solche, die in der Partei führend waren, vollzogen den Anschluß an die Radikalisten. Der weitaus größte Teil aber blieb der alten Partei und ihren Grundsätzen getreu und ist wallens, die Folgen aus dieser Haltuw, zu ziehen. Zwar soll noch einmal der Versuch gemacht werden, aus den sozialistischen Richtungen eine Einheitsfront zu schäften. GeNngt dies nicht, dann lehnt die Mehrheit jede Mitwirkung an der Verwaltung der Räterepublik ab! Da eine solche Einigung bisher aber noch stets fehlschlug, so kann man damit rechnen., daß auch diesmal die Mehrheit von den Radikalen abge- schoben werden wird und damit die Freiheit der Entschließung und des Handelns wieder erlangt. Daraus ergäbe sich logisch eine Kampfstellung. Die Politik des ZEderns rrnd Zögerns würde einer solchen der T a t weichen müssen. Tas aber bedeutete in der Folge jene Wandlung, die nnumgKnpkich notwendig ist! Unter Beteiligung aller Parteien (auch der rechts der S. P. D. stehenden) ließe sich dann Wohl eine Basis finden zur gemeinsamen Stellungnahme gegen daA, was drohend sich aufreckt: Die Räte-Republik. P.B.S.
Böllißer Wirrwarr.
Die Lage in München. lDrahtbericht.)
München, 12. April.
Die Meldungen aus SüddeutsMand zeigen ein so verworrenes Bild, daß man heute nicht weiß, wer denn nun eigerttlich die Gewalt in Händen hat.' In den einzelnen bayerischen Provinzen scheint die Regierung Hoffmann Oberwasser z» bekommen: in München selbst aber herrscht ein unbeschreibliches Durcheinander. Da sich diese Meldungen nicht nachloirtrollieren lassen, geben Wir sie unter allem Vorbehalt hier wieder.
Lin neuer Umsturzversuch.
München, 12. April. (Drahtbericht.) DaS Kommando deS dritten Armeekorps teilt über die Lage in München mit. daß die Kommunisten versuchten, die unabhängigen Volksbeauftragten zu st ü r z e n. Gegenwärtig herrschen in München zwei sogenannte Zentral- räte, die sich gegenseitig bekämpfen; der eine, mit Dr. Lewicn an der Spitze, befindet sich im Münchener Kindl-Kellcr. der andere im MttelS» bacher Palast. Tie Gewalt der Räte steht vor dem Zusammenbruch. Dsss Münchener M i I i • tär steht aus feiten der Regierung Hoffmann und ist empört über die Lügen- nachruhken, durch die die gegenwärtige Lage ht München geschaffen worden sei. Für die Bevölkerung ist der Zustand unerträglich. München ist von außen vollkommen abgeschlossen, In der ganzen Stadt gibt es keinen Tropfen Milch und kein Stück Vieh mehr. Auch die Kohlenvorräte gehen zu Ende, sodaß ent Teil der Betriebe nicht mehr arbeite« kann. Der drahtliche Verkehr nach München ist vollständig gesperrt.
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Die RSke-Regierung gestürzt?
München. 12. April. (Drahtbericht.) Die Einigung der Kommunisten mtt dem Zentralrat ist gestern ersolgt mtter AuS- schalttmg Dr. L e w ienS und eines miß Berlin gekommenen russischen BolschewistenführerS. Sie gelten als verschwunden. Die g e m S tz i g - tenElemente haben daS Nebergewicht erreicht In der gestrigen Versammlung der sozialistischen Arbeiter sollten sich die Führer vor den Massen verantworten, warum sie bisher noch nicht» zu einer Einigung getan haben. Atich sollen GerichtSauSschüffr gebildet werde«, die die Führer zur Rechenschast ziehen tollen. Rach einer nachträglichen Meldung ist die Räteregieruug gestürzt worden.
Ablehnung der
Nürnberg, 12. April. (Drahtbericht.) Nach Mättermekdunaen wurde in der gestrigen Sitzung deS Arbeiter- und Soldaten-Rates in Fjttkh die Räterepublik mit großer Mehr, jeit ab gelehnt und die Räteregierung in Amberg gestürzt. — In Regensburg wurde aettern mit drei-ehn gegen fihtf Stimmen der Beschluß, die Räterepublik euzrrführon. wieder au^ehvben. — 31e* weiteren Meldungen beginnt bie Anhängerschaft der Räte- republtk a f dem Lattde zusammenzuschmelzen. In Airsbach, JngoVradt, KraLS- heim (Bezirk Oppenheim), WaffersrühLürgen,
Weiden und der gesamten Oberpfalz hat man die Zustimmung zur Räterepublik zurückgezogen und sich zur Regierung Hoffmann bekannt. — Ergänzend wird hierzu gemeldet: Nach Meldungen aus Nogensburg ist gestern in Regensburg die Räteregierung durch das Militär g e st ü r, t worden. Die Garnison Regensburg ist ht einer Proklamation auf feiten deS Bamberger Ministeriums getreten. — Nach einer Augsburger Meldung hat auch die bayerische Garnison Kempten südlich von AuySburg die Räteregierung gestürzt. Regierungstruppen stehen damit auch südlich von Augsburg. — Aus Aschaffenburg wird gemeldet: Das hier garnisonierende Jäger-Bataillon hat sich mit großer Mehrheit gegen die Räterepublik ausgesprochen.
@itt blutiger Zwischenfall.
München, 12. April. (Drahtbericht.) Die Atmosphäre deS Mißtrauens und der Spannung entlud sich gestern gegen Abend in einem blutigen Borfall. Die Sicherheitstruppen hatten den Auftrag, in einem Gasthof in der Nähe des Bahnhofs eine Razzia abziihalten. AuS dem Lokal heraus wurde auf die Mannsckmsten geschossen. Eine Menge, unter der sich zahlreiche Bewaffnete befanden, rottete sich gegen das Militär zusammen. Dieses zog sich daraufhin nach dem Bahnhof zurück und säuberte von dort auS den Platz mit Maschinengewehren. Bei den Schießereien wurde eine Anzahl von Personen verwundet. Wie verlautet, ist feit vorgestern daS Revolutionstribunal in Tätigkeit getreten. Es hat bereits enie große Zahl von Fällen in Sffeittlicher Sitzung abgeurteilt.
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Truppen-Alurm gegen Draunschtvslg.
Hannover. 12. April. (Drahtbericht.) Truppen der Garnisonen Hannover und Hildesheim erhielten gestern Befehl zur Alarm- berettschast. Wie verlautet, find die Truppen zur Teilnahme an der bevorstehenden Reichs- etekutive gegen Braunschweig bestimmt.
Ne Laqe im Reich.
Schwere Kämpfe in Düsseldorf. (Drahtbericht.)
Düsseldorf.' 12. April.
Die Gas. und Elektrizitätswerke sind neuerdings außer Betrieb gefetzt, sodaß die Stadt wiederum in völliger Dunkelheit daliegt. Am Hauptbahnhof gehen die Kämpfe unverändert weiter. Die Spartakisten versuchen noch immer, den Hauptbahnhof in ihre Hände zu bringen. Es wird mit schweren Minen und Artillerie geschossen. Die RegiernngStruppen. die fortgesetzt Berstirkun- ne« erhalten, haben bis jetzt alle Angriffe zu- rückgewiefen. Auch starke Angriffe aus da* MilitärgesängniS, das die Spartakisten mit Maschinengewehren und Handgra- naten erobern wollten, wurden abgewiefen. Der Belagerungszustand, der »orge- stern aufgehoben ist, ist wieder verhängt worden. Die Zahl der bisherigen Opfer ist big heute viel größer. «IS man bisher angenommen hat. Bisher sind 37 Tote gezählt worden und etwa 110 Verwundete. Die Verletzungen sind zum große« Teil schwerer Natur.
Gp«rtakuS in -«gen.
Hage« (Wests.). 12. April. (Drahtbericht.) Spartakisten stürmte« das hiesige Mi- litärgefängnis und 6efreite« Wahl- lo* alle Gefangenen, ««ter ihm« eine Anzahl Schwerverbrecher, dagegen keinerlei politische Gefangene. Die «pattakisten hausten im Gefängnis «ie die Wilden und demokierten die Räume. Als eine Abteilung der Gtndt- wehr sich näherte, ergriffen sie die Flucht.
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Für Wiederaufnahme der Arbeit.
Bochum. 12. April. (Drahtbericht.) Die Konferenz der BerttauenSleute des alten Bergarbeiterverbandes hat nach sechsstündigen Verhandlungen in namentlicher Abstimmung mit 217 gegen 82 Stimmen beschlossen, den Ver- bandsmitgliedern zu empfehlen, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen.
Massenstreik f5r die Osterwoche.
Berlin, 12. April. (Drahtbericht.) Aus Königsberg wird gemeldet: Hier wurden in den Fabristn und im Hafen Flugblätter verbrettet, die zum Massenstreik für die Osterwoche auffordern, zu dem ausgesprochenen Zweck, die Herrschaft des Proletariats auch in Ostpreußen in Verbrüderung mit den russischen Proletariern aufzurichten. — Gestern ist der Belagerungszustand .über Danzig verhängt worden. Die B-. amten der Staatsbetriebe traten in den Sympathie« breit für die Regierung.
Preußen-Tagung.
Um die Friedensbedingimgen. (Drahtbericht.)
Berlin. 11. April.
Zur Beratung steht der Anttag des Ge schäftsordnungsauZschusses auf Annahme vor vorläufigen Bestimmungen zur Geschästsord- nung. Es folgt die Beratung des von aller Parteien mit Ausnahme der Unabhängigen un, terzeichtretcn Antrages Gräf betteftend di Friedensbedingungen. Präsident Lei nert: Wir stehen vor einem sehr wichtigen Ah schnitt der Weltgeschichte. Die Zukunst der Kul htrnationen ist abhängig von den Beschlüsser der Friedenskonferenz. Wir brauchen eine» Frieden, der auf der Gerechttgkeit aufgebaut if und auf der Verständigung der Völker. Dir Grundlagen müssen die Wilsonschen vierzehn Punkte sein. Durch ihre Annahme haben wir die Bürgschaft mit übernommen, daß sie der Menschheit gesichert bleiben. Wir wollen, daß jedes Haß- und Rachgesühil für die Zukunft aus. geschaltet wird. Am Reich und in den Einzelstaaten liegt alle Gewalt beim deutschen Volke. Bei unseren Gegnern ist das nicht oder doch nicht in gleichem Maße der Fall. Wir haben daher die Besorgnis, daß uns ein Gewaltfriede aufgezwungen werden soll und fordern die Regierung auf. keinem Frieden zn- znstimmen, der unsere LebensdeduMtngen gefährdet. Der militärische Sieg gibt der Entente kein Recht, unzweifelhaft deutsches Gebiet zu zerteilen. Eine solche Vergewaltigung könnte das deutsche Volk nicht ertragen. Es würde mit ungeheurer Kraftanstrengun g ein solches Unrecht wieder zu beseitrgen suchen. Wir würden uns freuen, diese Strafte lieber in positiver Kulturarbeit brauchen zu können. Wir fordern weiter, daß der Friede uns unsere Gefangenen zurückbringt. (Lebhafter Beifall.) Es ist eine Barbarei, sie nach vierjährigem Krieg noch zurückzrrhälten und wie Sllaven zu behandeln. Ebenso muß die unverzügliche Räumung der besetzten Gebiete erfot» gen. Ein Friede, der nicht allen Kriegshandlungen ein Ende macht, ist kein Friede. Auch die Blockade muß aufhören. Es ist unsere Pflicht, in zwölfter Stunde einen Appell an das Gewissen der ganzen Kulturwelt zu richten. Mbg. Sldolf Hoffmann (U. S.): Auch wir lehnen jede Verschärfung der Wilsonschen Punfte ab, ebenso jede Abtretung deutschen Gebiets. Auch wir verlangen die Rückgabe der Gefangenen, die Aushebung der Blockade und die Räumung der besetzten Gebiete. Der Antrag wird unter Stimmenthaltung der Unabhängigen angenommen. Ein Antrag der Deutsch- nationalen bett. Regelung des Begnadigungsrechts und de» Amnestieerlaffes geht an den RechtSanSschuß. Es folgt die Beratung einer Gruptze von Anträgen betreffend Gemeinde« und KreiStag-wahlen. Die Anttäge gehen an den GemeindemrSschuß. Es folgen Anttäge der Douffchnattonalen aus Aufhebung der geftklichen Dchlllatffsicht und auf Hebung der Volksschule und der Lehrer'tandes. Kultusminister Hä- nrsch: Die Notlage der Lehrer würdigen wir vollkommen. Alles, waS im Bereich deS finanziell Möglichen liegt, wird für die Lehrer ge- fchehen. Ein Gesetzentwurf auf allgemeine Ersetzung der geistlichen VolkSfchul- aufsicht durch die OrtSaufsicht ist fertiggestellt und wird dem Saufe in wenigen Wochen zugehen. Frau Dr. Werfcheider (Soz.) hefirrwottet die Bildung von Lehrer bezirks- ritten, die der Regierung beratend zur Seite stehen. Sonnabend 12 Uhr: Fortsetzung, vorher förmliche Anfragen.
Sie Rrtisnsl- Versammlung.
Erledigung von Anfragen.
(Drahtbericht.)
Weimar. 11. April.
Die Nationalversammlung beschäftigte sich heute zunächst mit Anfragen. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Erkelenz (Demokrat) erwidert Geheimrat Trendelenburg, Tarifverträge. in denen vereinbatt wäre, daß nur Angehörige einer bestimmten Gewerkschaft oder Gewerkschaftsrichtung eingestellt werden dürfen, würden vom ReichsarbeitSministerium nicht für allgemein verbindlich erklärt werden können. Aus eine Anfrage erwidert Sächsischer Militär- bevollmächtigter Oberst Schulz: Es ist richtig, daß der Leipziger Oberbürgermeisttr unter Androhung von Gewalt gezwimgen worden ist. eine Anweisung auf Zahlung von 400 000 Mark ev6 iTittetit der Stadt Leipzig zu geben. (Hott! .Hört.') Gegen die an der Bedrohung beteiligten Personen ist die gerichtliche Voruntersuchung eröffnet worden. Wcgen der Strafverfolgung der Mitglieder der Nationalversammlung Friedrich Geher und Dr. Shirt Geyer ist LaS Erforderliche veranlaßt worden. (Hört! ■ Hör«) Mg. Brodaus (Dcmottat) fordert eine gesetzliche Neuregelung der Fürsorge für die AriLgDÄeichädisien uni. ihr« Hinlerpriebenc».