Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
$U Sander Neueren Nachrichten erscheinen wichentltch sechsmal tmb paar abends. Im SbormentratiprelS beträgt monatl. 1.85 Mart bet freier Zustellung tnä Haus. Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle ober den Daten entgegengenomme». TruSerei, Berlag und Redaktion: Schlachthofstraße 28/30. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann bte Redaktion eine Verantwortung ober Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des xezugSgeldeS ober Anjprüchowege» eiwaigernicht ordnungsmäßiger Lieferung auSgeschlosten
Hessische Abendzeitung
Jnserttonsvreise: Die stehengespaltete Zeile für einheimische Geschäfte 30 Pfg» für ans. »artige Anzeigen 35 $f. Reklamezeile für einheimische Geschäfte 75 Pf, für auswärtige Geschäfte 1 Mk. Einfache Beilagen werde» mit st Mark pro Tausend berechnet, alle» mit 20»/, Teuerung ».Zuschlag. Bei Uebermtttlung von A- zeige» auf teleph. Wege wird für durch Hör- fehler hervorgerufene Irrtümer keinerlei Haftung übernommen. Für die Aufnahme vonAnz eigen an bestimmten Tagen oder Plätzen wird ZI. keine Gewähr geleistet. Geschäftsstelle: Nöln-Str. 5
Kammer 110»
Fernsprecher S51 int» 991
Freitag, 11» April 1919»
Fernsprecher S51 und 95T
S. Jahrgang.
Koste über die imerpolitlsche Lage.
Flucht vor dem 8haor.
Solle» mir auswandern?
Von
Di. Bruno Wille.
_ Die twMosM wtttfchaftlichen und poK tischen BerhÄtnisse in DerttsihLand, die maßlose Ver. teuerung der LebenSbedingungen und die verschlechterten Erwerbsmöglichkttfen lassen viel» fach den Gedanken aitfSo^rancn. der Heimat den Rücken zu kehren mtd im frmnden Lande sich eine neue ExPeriz zu schaffen. Auch vor dem Kriege regte sich bei manchen Deutschen die Wanderlust und führte sie in die Welt hinaus. ES war aber dafür gesorgt, daß nicht jeher ziel- und planlos tun konnte, was ihm beliebte, und zwar durch das Reichsgesetz über das Ausiwan- dsrungswefen vom Jahre 1897. In Serbin» düng damit waren von der Regierung auch Stellen eingerichtet worden, die den Auswan- derurr-Mustllson, bevor sie den Schritt ins Uns», wisse unternahmen, mit Rat und Tat zur Seite gingen. Eine straffe Organisation erhielt die AlrsSunstserteÄnng im Jahre 1902, in dem die ^Aenttolauskunftssielle Ur Auswanderer- ihre Latllgreit eröffnete. Sie arbeitet in engem Zu- firmmenhang mA der Deutschen Kolormalgeftll- schaft. Von dieser sowohl in Privatwirtschaft, llchem wie auch in volkswirtschaftlichem Iwter- qse wertvollen Einrichtung ist im Laufe der isahre auSgisbig Gebrauch gemacht worden, trnd es wurde von der Beratungsstelle über Ee Vorfälle sorgsam Statistik geführt, sodaß man genau weiß, Wlttttele Deutschs in den ein- feinen Jahren Anfragen richteten und auswan- oerteu. aus welchen Gegenden Deutschlands sie stammten, welchen Berus sie ausübten, wobei Ächch VemKA fei, daß Industrie und Gewerbe >a» größte Kowtrngeut stellten. Ferner ist mau ^/Eenf:<rnd, Alter und Geschlecht der «•-' - --mttftrchenden und Artswanderer genau «kterrichiet, und zwar war weitaus die Mehr- law. Tdbrg itrtb männlichen Geschlechts Der WauÄeniriev war, wie die Statist« hhrt, am ALtzren tot Alter von zwanzig bis dreißig Jah- ren. Von besonderer Bedeutung ist natürlich, das Reiseziel dieser Personen, über das die
Moßte Zahl der Anfragen de- WÄ sich m den letzten Jahren vor dem Kriege Wf-dw deutschen Kolonien. Daneben uarrn Zentral- und Südamerika ein begehrtes KetseM. Siel geringer waren die Anfragen wegen Auswauderun« tos europäische Aüs- land Berücksichtigt man die tatsächliche Aus- war.dcrmvg, so erhält mau auf Grund von Be- kellrtune.en, die Dr. A. Schulte tot Hofe in ,’eto«Ki Buche »Auswanderung und Awswande- ^"ugestellt hat, in den Jahren 1902 bi® 1913 _ ehre deutsche Auswandererzahl tor dw Vereinigten Staaten von Amerika von tlZ 998, und nach dein gesamten Amerika ain- Aen in- dieser Zeit 538817 Deutsche. Nach den deutsiyeu Kolonien wanderten 54 260 Personen «US. wvhrerch an 103675 Auskünfte erteilt wor- t»cnte'aren. Die Auswanderung nach dem euro- Ehen Ausland aus Deutschland belief sich m den Jahren 1902 bis 1913 auf 242724 Per- sonen von denen die meisten, nämlich 86 796, bte Schweiz aufsuchten. An zweiter Stelle steht dem Umfange nach die Auswanderung nach Oesterreich-Ungarn mit 54 648 Perfonen. Im ganzen wanderten in den Jähren 1902 bis 1913 Deutsche aus. Forscht man den Gründen nach, die Mr Auswanderung führten, fo wird man natürlich dir verschieden artigsten Motive s-mdeu: Wandertrieb, Abenteuerlust, Anlockung durch Agenten, Verlust des Vermö- venS, der Eristenz, der Ehre, Hossmrng auf tuusttgere Lebensbedingi'.ngen tot Ausland, xc-miutfl z,rm Beruf eines Farmers ufw. Menn m«r> dem Kriege ein Auswanderungsstrom her. dordrschen wird, so durften es namentlich die wirtschaftlichen und politischen Verhältmsse Deutschlands sein, die den Deutschen den Wan- dgvtab in die Hand drücken. Zunächst einmal wrrd die Mehrzahl bet Deutschen, dir vor dem Kriege tot AuZLmde lebten, dorthin zurück- lehren woD.-n. so-weit und sobald es rrgend möglich ist. Das wird mau bis zu einem gewissen Grade begreiflich fi-nden, aber dabei den Wunsch ausfprechen -dürfen, daß sie ihre Heimat kmrfttobin nicht mehr so schnell vergessen, wie eS meistens geschehen ist.
Die Auswanderung aus Deutschland kann, wenn sie unS Verbindungen mit dem Auslande schafft, die Rohstofseinflthr fördert und Absatz, gebiete Dr unsere Fabrikate gewinnt. durck- ans begrüßt werden. Latckwirte und Kaufleute dürften also besonders to Frage kommen. Bedatrerlich wäre es tätet, wenn bte drohende Sozialisierung der Industrie maßgebend« Per- fönlstchkerten dieser Unternehmungen ins Ausland treiben und unsere Erfindungen, Fahri» kationS-nethodeu usw. unseren jetzigen Feinden preüSgeben, Mo mrS die Konkurrenz erschweren würden. Amk» die Auswanderung von Jstdu- tzriEbeisern könnte uns, wenn sie ins Unge- ntrtt»”- oeto. sehr aetährlich werden, imd eS
W W WMV MM« MM Dir Saßt i* Berlin. — Magdeburg. — Die Zustande in Bayern.
lDnchtbrricht.)
Berlin, 10. April.
Einem gelegentlichen Mitarbeiter des Berliner Tageblatt gab Reichswehrminister Roske über die Lage in Berlin folgenden Bericht: »6« Berlin jst natürlich mit der Möglichkeit zu rechnen, daß radikale Elemente einen Putsch oder Aufruhr versuchen werden. Die militärische Leitung ist aber auf alle Möglichkeiten vorbereitet. Wenn es «Stig ist, greisen wir mit grösster Rücksichtslosigkeit durch. In Berlin unv Umgebung sind so starke Truppenmengen zufammengezogen, dass ich für eine« Erfolg garantiere.
I« Magdeburg öertüuft alles progrcmm- mätzig. Die Stadt ist vollkommen in unserer Hand. Ich möchte das Kuriosum bemerken, daß jetzt aus meinen Befehl mit Maschinengewehren bestückte Motorboote auf der Elbe Patrouillieren, um die SchiffStransportr, die die amerikanischen Lebensmittel stromaufwärts bringen, niffjt trott spartakistischen Räubern überfallen zu lassen.
Neber die Lage in Bayern äußerte sich Noske folgendermassen: Wenn mein Freund Hoffman« sich SloS noch kurze Zeit hält, so darf ich sagen, dass sich die Verhältnisse zrzgurrsien der rechtmässigen Regierung gntschsidkn werden. Wenn es nicht anders geht, so wird Mün chen mit Waffengewalt $ttt rechtmässigen Regierung bekehrt werden, wie das in Bremen, Düsseldorf usw. auch geschehen ist !
Unser geliebtes Baterland wird in den Abgrund, in das Ehaos stürzen, wenn wir uns nicht fest znsammensckliessen. Falls Blut fliessen sollte, so wird die Schuld einzig und allein auf das verbrecherische Treiben der äussersten Linken fallen.
Fm Ruhrrevier liegen die Verhältnisse wesentlich günstiger alS die Sensationsblätter wissen wollen. Ich habe seinerzeit dem Generalkommando in Münster befohlen, den Streikausschuß zu verhaften. Es wurde aber nur ein Mitglied ergriffen. Aber die Herren können sich darauf gefasst machen, dass wir sie nicht mit Samthandschuhen anfassen werden, wenn wir sie ergreifen. HierhilftnnrrücksichtS- loseSEingreisen.
Zu den neuesten Anzeichen, die auf dem RätÄongreß- eingelaufen find, betreffend Einrichtung eines Reichs -Soldatenrates, der dem Resthswehrntinister gleichgestellt sein soll, Rote Garde usw., sagte der Minister: Der Reichskongress her Räte könne nur Wünsche äußern, die der Nationalversammlung zur Beschlussfassung zu unterbreiten find. Ich bin Demokrat genug, mehr kann ich nicht sagen, aber, wenn der Reichssoldatenrat Tatsache werden sollte, bann gehe ich. Ohne einheitliche Führung i'ith Disziplin ist nichts Vernünftiges au zustellen, das dürften die letzten Monate doch gerade genug dargetan haben.
Ser ReichshLurhatt.
Schisser über die Finanzlage.
(Drahtbericht.)
Weimar. 10. April.
müssen hier geeignete Vorkehrungen getroffen werden, um den Gefahren ju begegnen. W i r müssen nnS Arbeitskräfte für den Wiederaufbau unserer eigenen Wirtschaft erhalten und darauf sehen, daß die außer Landes gehenden Kräfte möglichst in unserem Interesse arbeiten, so unter anderm in unseren Kolonien, dir wir unseren ©egnent keinesfalls überlassen dürfen. Auch Generaldivektor Heineken vom Norddeutschen Lloyd befürwortete int letzten Jahrbuch der Gesellschaft tot Interesse der Naftwmckwirtschaft und des Wiederaufbaues to Europa Vereinbarungen gegen die Auswandererin.weMmgen. Endlich Sen wir auch das deutsche Kapital tot Jn- e nach Möglichkeit Mihalten: denn wir brauchen es dringend nötig. Entsprechende Maßnahmen sind erfreuli'cherweise durch die Berordnumg Über dkr Kap! talabwaridernng ins Ausland bereits eiwefeiiet worden.
Bayerns Absperrung.
Unterbindung jeder Zufuhr.
(Drvhtbericht.)
München, 10. April.
Gestern abend wurden über München von Fliegern Flugblätter abgewvrfen. mit der Mitteilung, dass München bald von dem übrigen Bayern abgeschlossen sein werde. Auch die Lebensmittel- und Kohlenzu. fuhr würde ausbleiben. Eine Maffen- demonstration gegen die Räterepublik stehe be= vor^ Es würde nicht lauge dauern, bis München kapitulieren müsste. TatsäMich stellte sich bald heraus, dass die Ttlephon - und Tele- graph en Verbindung mit Nürnberg, Frankfurt, Berlin und auch auf den anderen Hauptstrecken nach Nordbayern unterbrochen waren. Teilweise ist auch der Bahn- und Postverkehr unterbunden. Wie verlautet, hat der bayerische BolkSbeauftragte für das Berkebrswesen eine Kommission ins Ruhrgebiet schicken wollen, um die Streikenden dort Über die Lage der Räterepublik aufzuklären. Diese Abordnung soll verkraftet worden fein.
Absperrung Bayerns v»n Süden.
Zürich. 10. April. (Drrihtberickt.) Die Schweiz hat die Grenze gegen Bayern so gut tote abqesperrt. Der Eintritt in die Pfcckz von badischer Sette aus wurde besonders verschärft und bte Zulassung bestimmten Bedingungen unterworfen. — Wie die Matter aus Innsbruck meldoit, bat der ttalienische ObstkoimnaUdietende die milttärische Sperrung der Grenze gegen Bayern angeordnet. Jeder Verkehr mit Dttinchen ist eingestellt.
•
Bor Zwonzsmüßnahttren.
Bamberg, 10. April. fDrahtbericht.) Die bayerische Regierung trifft Borbereitungen zu Zwangsmassnahmen gegen die Münchener Emvönn. Im alle« der Regierung noch er»
xebenen bayerischen Garnisonen finden Trup- venkonzentrierungen statt. Ter Acltestenaus- schutz des bayerischen Landtages tritt kommenden Montag in Bamberg zusammen.
*
Die Weiße Fahne der Kommuriiste«
Bamberg, 10. April. (Drahtbericht.) In Würzbtrrg Haiden die Kommunisten den Bürgermeister und andere Geiseln verhaftet und den Bahnhof, das Artilleriedepot, Vie Marienburg rrnd das Schckoß besetzt. Gestern vormittag wurde von regierunHÄreuer Jnfsnterie der Bahnhof gestürmt, die Marienburg und das Schloß durch Artillerie ^beschossen, worauf von selbst die weiße Fahne gehißt to-vde.
*
Ti« Aufruf bayerischer Abgeordneter.
Weimar, 10. April. (Drahtbericht.) Sämtliche bayerischen Abgeordneten der NationalversMUNÄung beschlossen zum Zeichen ihres Protestes gegen die kormmmMche Gewaltherrschaft in Bayern, die auf feinten Fall den wahren Bolkswillen wiedergibt, einen gemeinsamen Aufruf zu erlaffery des-- sen Beröfsenklichimg in kurzer Zett zu erwarten sein wird, und ebenfalls einen offenen Brief an den Ministerprästdenten Hoffmann zu richten, in dem ausgedrückt wird, daß sie sich auf den Boden der bisherigen Regierung stellen.
*
Kein Friede« mit Beyern.
Bamberg, 10. April. (Drahtbericht) Rach einer Stuttgarter Meldung, filr die biSlier eine Bestättgung nicht zu erlangen war, sollen die Ententeremerungen der ReichZregienMg mitge- teilt haben, dass Bayern nicht tu den Friedens vertrag mit einbezogen werde. Auch werde eine Kontrollkommission der Entente darüber wache», dass Bayern von den Lebensmitteln, die die Entente fteigibt, mich nicht das Geringste erhalten wird.
Günstige Wendung für Leffmann.
Weimar, 10. April. fDrahtbericht.) Nach hier vorliegenden Nachrichten ist die Lage in ganz Nordbayern für die Regierung Hoffmann günstig. München ist in nördlicher Richtunq vom Bcchnverkehr abae- fchnitten. Die ReichSbank hat die VerfeuLung von Banknoten nach München eingestellt, was der dortigen Rsgiermtg nicht ganz ungefShrlich sein wird, da sie nicht Wer die nötigen Platten, mn Noten drucken zu können, verfügt, da diese rechtzeitig entfernt worden sind. Durch Plötzlichen ÄuSbruch des S-treW der Effenbahn- angeflellten ttr Würzburg ist die Ersenbahtckinie Frankfurt - Würzburg Nürnberg«München ge. stört. — Der Fernsprechverkehr von ganz Nord, bähen nach außerhalb ist diese Nacht eingestellt. Es werden tot Verkehr von Nordbayern nach auswärts nur militärische mtd Dienstoeipräche angenommen. Die Maßnahme läßt auf bevorstehende militärische Entscheö- Huna fleaen Kourmunisten schließen.
Präsident Fehreubach eröffnete die gestrige Sitzung um 3 Uhr 15 Mauten. Nach einigen Anträgen folgt die erste Beratung des Etats für 1919. Reichsftoanzminister Schiffer: Der Etat, den ich Ihnen vorlege, ist noch kein Frie- densetar. Ader er ist doch der erste Schritt zum Friedensetat. Ich habe mein Möglichstes ge- tot, um der Wirklichkeit möglichst nahe zu komme!:. Die Ausgaben für Militär, Marine und Schutzgebiete -haben einstweilen noch auf den außerordentlichen Etat übernommen werden müssen und zwar tritt Pauschalien. Die Summe der Schatzamve isungen. die am 31. Januar 1919 öchZ Mltiarden betrug, ist inzwischen auf 63,7 Milliarden gestiegen. Die AuAgaven für Heer und Marine, die tot Januar noch 3,5 Milliarden betrugen, sind tot Februar auf 2,7 und tot März auf 2 Milliarden zurückgegangen. Der Etat 'balanziert mit rund 13 Milliarden. Der Fehlbetrag beträgt nicht weniger als 7,5 Milliarden. (Hört! Hört!) Das ist ein überaus ernster Zustand, der sich noch da- dmch erhöht, daß wir mit Sicherheit aunehmen können, daß dieser Etat nur ein Durch, ganasetat zu noch schlimmeren Zuständen fftz denn to ihm sind noch nicht enthalten die finanziellen Folgen des Krieges, die Entschädigungen, die wir an die Entente zahlen müssen und mich nicht die Lasten, die wir dmch die von uns gewünschte Vereinigung nttt Deutsch-Oesterreich auf uns nehmen müssen. Im allgemeinen ist die Steigerung der Ausgaben rvatürlich Durch die allgemeine Wertminderung des GeDes beeinflußt. Ae hoher aber die Preise werden, die das Reich zu zahlen hat, umso mehr müssen wir das Gebot der Sparsamkeit beherzigen. (Sehr richtig!) Auf dem Gebiet der B e amt en b esoldu ng verlangt die Volksverttetnug mtt Riicksicht auf den ge- furitenen Geldwert Gehaltsaatsbeflertrugen und Teuerungszuschläge der Beamten. Gleichzeitig wird aber dahin gedrängt, bet den Gehältern der höheren Beamten Abstriche zu machen. Wir sind den Wünschen nach beiden Richtungen ent« gegenyekommren. Es wird dadurch aber die Schwierigkeit veryrößertz geeignete Kräfte für den Staatsdienst heränKuziehen. Die Flucht tüchtiger Elemente auS dem Staatsdienst to besser bezahlte Privatstellmwen nimmt in beängstigender Weffe zu. (Hort! Hört!) Borbereitet ist eine Revision des Be- amtenbesvldungSgesetzeS mtt Berückfichttgnng der Pensionen. Mr müssen nattirlich auch ein neues Beamtenrecht schaffen, das den Dedürfuissen der neuen Zett entspricht. ES ergibt sich die Frage, tote wir bei einem Anhalten der Preissteigerung die berechtigten Wünsche der Beamten heft Ledigen können, ohne in Widerspruch mtt unseren Finanzen zu kommen. Da gibt es nur Sin Heilmittel: die Herabsetzung der Zahl der Beamten und Behörden. Die Sozialisierung tot weitesten Sinne würde es mtt sich bringen, daß wir ans der aridern Sette die Zahl der Beamten erbeb» kich vermehren müßten. Da muß ein offenes Wort gesprochen werden. Es sind Grenzen gezogen, die nicht überschritten werden dürfen, wenn nicht die Allgemeinheit Schaden erleiden soll. (Beifall.) Die Vorzüge der Beamten liegen auf andern Gebieten. Wir dürfen nickt das Wirtschaftsleben bureaukrati- fieren. Das wäre ein schwerer Schaden. (Lebhafter Beifall.) Die Gefahr der Bureatckrati- ftentng droht vielleicht auch auf dem Gebiet der Presse. Wir haben tot Auswärtigen Amt zwei Posten für den Pressedienst einge- stellt. Wir wollen damtt nur alte VersänmnU« gut machen. Auch in der Presse läßt sich ohne Geld nichts machen. Aber GeD allein tuts nicht. (Sehr richtig!) Wenn,aus Reichsmitteln Propaganda für eine etajefne Partei getrieben würde, so muß ich das namens der ganzen Reichsregieruttg als durchaus tadelnswert bezeichnen. (Lebhafte Zustimmung und Zuruf« rechts.) Eine Reihe neu eingestellter Positiv» neu soll Ausgaben dienen, die dem Reick auf dem Gebiet der Förderung des wirtschaftlichen mtd prattischen Lebens, sowie vor allem auf so° zialpoVftffchem Gebiet z-ufallen. Auch hat eilte Position eingestellt werden müssen zur Durch-- sührimg der Maßmthmen gegen die Kapitalsabwanderung nwh dem Ausland. Dis Steuern stehen tot Mittelpunkt des ganzen Etats, weS sie mit einem Gesamtbetrag von sieben Milliarden eingesetzt sind. Neben den b rieften Steuern werden wir auch auf to» direkte Steirern nicht verzichten kömren. Ach muß Sie bitten, Mtt der teilweisen EtobruMma der Stenevvorbagcn vorlieb zu nehmen. Ich leg« auf das Einvernehmen mit den Etozeffmaten auf diesem Gebiet den allergrötzttn Wert. ES entsteht nämlich die Frage, ob unser Volk die gewaltige Steuerlast überhaupt wird tragen können. Nun, ick bin fest «lrerreuist, daß unser Volk dazu to der Lage