Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Q Hessische Abendzeitung
3nfertien6pretfe: $te ttetxngefpaltete Zeile für einheimische Geschäfte 30 Pfg., für aus. wärtig« Anzeigen 35 Pf. Reklamezetle für einheimische Geschäfte 75 Pf, für auswärtige Geschäfte 1 MI einfache Beilagen werden mit 5 Mark pro Tausend berechnet, alles mit 20*/3 Teuerüngr.Zu'chlag. Bet llebermittlung ron Anzeigen auf teleph. Wege wirs für durch Hör- fehler hervorgerufen» Irrtümer keinerlei Haftung Übernommen. Für die Aufnahme vonAnzeigen an bestimmten Tagen oder Platzen wird z. ZI. keine Gewähr geleistet. LeschästSftelle: Köln-Ltr.ö
Sommer ISS. Rtrnfrrt»« 951 imb 951 Donnerstage 10. April 1919. Fernsprecher 951 *nt> 9SL 9. Jahrgang.
Tt« Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und jroar abends. Der DbonnementSpreiS Beträgt monatl ijis Mark bei freier Zustellung ins Haus. Bestellungen werde« jeder,eit von der SeschäftSstelle oder den Boten entgegengenommen. Iruderet. Bering und Redaktion -. Schlachthofstrabe 28/30. Für unverlangt eingefandte Beiträge kann die Redaktion eine Berantwortung »der Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückpthlung beS LezugSzeideS oder Ansprüche wegen elwaigernicht ordnungsmäßiger Lieierung ausgeschlossen
München nm Regiemngsinippev elvgeschnüü.
Wandlmg in Rußland.
Ente Lehre für den deutschen Kommunismus.
Ei» aelsgentlicher Mitaebeitee. 6t» t« Stockholm »in« Unterredung mtt dem Führer »er a.uerikanisSen Mission für Ausland, Vurlit, hatte, schreibt u»0 über die Entwicklung der Dingt im rassischen «eich folgendes: In den letzten Monaten ftriefte sich im ehe- tttaftijen Zarenreich in den Reihen der So.w- jcts ein erbitterter innerer Kamps ab. Zwi- schen den beiden Führern der Linkssozialtevo- iutianärc Lenin und Trotzki bestand rin schönerer Konflikt, der bereits zugunsten des ersteren entschi-oen ist. Lenin hatte verhaft nis- mnyig leicht eingefelicn, daß man mit Terror urib Anarchie nicht auf die Dauer werde wirtschaften können. Alles Be- stchenlde war ja bereits vernichtet, man halb- nichts mehr zu rauben und zu plündern, die Betriebe lagen still, das Geld war wertlos ge- wo-ben und hinter all dem stand das grinsende Gesvenst des Hungers. Falls die nurrima- listisch.' Regierung nicht einlenkte, so muhte sie mit Recht die Erhebung der eigenen Anhänger gegen ihre Gewaltherrschaft befürchten. Trotzki und die RavUaken in feinem Gefolge mußten <Äso klein beigeben und der von lih-nen als schwächlich bezeichneten Leninschen Richftmg Weichen. So kam die hochwichtige Resolution ix5 allrussische.', zentralen Vollzugsausschusses der Arbener-, Soldaten-, Bauern- und Kosakendeputierten zustande, die in einer Sitzimg am 29. April 1918 (a. St.) ein völlig neues Pro- «tautm mtfstellte, das mit fast allen Grundsätzen der Pariser Kommun» vorn Jahre 1871 brach. Biels Monate Mieb der Aufruf der Setzviecs ,iin alle GoirverneiurntS-, Kreis--. Gemeinde- Sowjets der Dchutierten an alle, alle .. / fall Unbeachtet. Vor allem die Armee, wo noch immer der Trotzk-sche Geist die Oberhand hatte, kehrte sich herzlich wenig daran, imb so ging das Wüten w it-r und ist auch dis zum heutigen Tage noch nicht völlig eingestellt. Ader wirtschaftlich vollzog sich allmählich eine große Wautzluna, die soweit fortschritt, daß man heute, wie auch aus verschiedenen M- Idimgen »er letzten Tage hervorgeht, im imperialistische« Entcntelager Sowjet-Rußland als verhand- l u n g Z f a h i g bezeichnet.
Das grundlegende Motiv des oben erwähnten Programmes war dis sofortige Einstellung der »Offensive gegen das Kapital*. Dieser Begriff hat nun für die Kommunisten Rußlands eine viel wertere Bedeutung als für uns. Unter Kapital versteht der Bolsch-wift nicht nur den vermehrbaren Teil des Vermögens eine; Individuums oder einer Gemeinschaft, sondern es wird mit dem Besitz schlechthin identifi.zi.-rt und erstreckt sich auch auf geistige Fähigkeiten, auf den Intellekt, ja sogar die Geschicklichkeit (Gl-schästsroutin-i und dnr Fleiß. Mit bhfer Anschauung wurde nun vollends gebrochen. Die Sowjets brauchten ein Mittel, um ihre Betriebe wieder herzu- stelleu und auf di- Höhe zu bringen. Es mußt; unter allen Umständen eine Gesundung von Landwirtschaft und Industrie herbeigeführt werden, die beide tn Händen von Laien laaen. Und dieses Mittel konnte einzitz und allein durch Anregung der Ambition und des Unternellimnngsaeistes erlangt werden. Darum fordert; man auf bi5 energischstc den Koinhro- nfiß mit der Bouraeolsie. Das war nun feinte leichte Sache Die Intelligenz trat mißtrauisch geworden, fürchtete erneute Ausbeutungen und ließ sich nicht kurzerhand wieder gewinnen. Mit Gewalt war ihr »ber in bk ter Beziehung nicht beizukommen, denn das ariftiae Kapital ist einer Enteignung nicht zugänglich. So war man denn gezwungen. Ausländer heranrn- zresten: diese konnten ■rb-r nur unter selbst für »kapitalistische* Verhältnisse glänzendsten Bedingungen anae'nytrtbm werden. Aber es ge- Tmtg. Auch fremdes Geld wurde an russischen Betri-b-m interessiert, und ihm gegenüber war man gezwungen, auf vorkomnwnWsther Basis zu verhandeln.
Evgenattiq ist es. Wie sich nun die Sowjets Oren Genossen gegenüber rechtfertigen. Sie er» klärten näml'ch, das Ganze wäre nur ein? UebergangSt-sit, die die Allgemaincheit benützen müsse, nm sich die Fichk-nnkaisse anzueignen die infolge einer üsterlechtm Weltordmkng bis jetzt nur in d;n Reih-u einer bestimmten bevorzugten Klasse zu linden g»Nvesen wären. Man,verwies drvruf, daß jedermann die Möglichkeit geboten wäre, sich sort-ubilden und daß ihm brr Wea bis in bt- höchsten Stellen frei wäre. Wohl g.-merkt, es wird rcf'rm der bart- liche ftn^-rschrieb zwischen oben und unten h»r- vorgestaben, da? Eßa-oS beginnt sich Zu ordnen. Man .gibt zu. daß nicht alle Menschen t&'idvt» ntet sinn und daß tin ewiges Ra- turaeketz b-stcht. n-r* d-m der Tückfiae und Strebsam: den Ungcschkcklen und Müßigen Kbcrflüa-kt. Dies: , Zwischenzeit*, so beißt es ch, der Erklärung Weit er, würde schneller vor- Vverg.chen, als mau eS an a hme. und der Tag fei nickt mehr ’rm, cm dem der Proletariet Och auch geistig zur Höhe des .Brtrslhui* end- --- ■"< ——-----
vor geschwungen hätte. DaS bedeutet mm nichts anderes, als cm radAoteS Umschweicken in der bisiheriaen bolschuvistischon Taktik. Der gebildete Proletarier wird eben kein Proletarier mehr fein, und di:, die trotz der gebotenen Mög- .'ichkeirrn zu schwach sein werden, um sich zu jenen „Hohen* hinattfzuarbeiten, werden sich oben mit einem bescheideneren Dasein, beyinüaeu müssen. Sowjet-Rußland ist durch Schaden klug geworden. Gin Artikel in der gestrigen Ausgabe ber ,K. N. N.* .zeigte den ungeheuren Verlust der Rußland int Bolschewismus nerf ES ist unMeifelhaft aus dem Wege zur Demokratie. Aber Deutschland will nichts bavo» sehen, soabern treibt mutwillig in den gefährlichen Strudel hinein, ans dem das große Tlawrnrüch sich gerade mühsam zu befreien sucht.
.. a.;.
KrrenSki und Lenin.
Zürich. 9 Avril. (Drasttbericht.) Roch einer von einem Ma landcr Matte wiederg, ,icbcnen ErkEirung des schwtdischen Soziaftstru Grünland, b>r aus Rußland zurückgckehrt ist, hat Kerenski du Sowjet-Regiemng mitgeteAt, er uLmfche eine Wiederverfö hnung, da sich seine Ansichten immer1 mehr tni: ber jetzigen bol- schewistrscheu Auffassung deckten.
Sie Lage in Nahem.
Unterstützung beS Ministeriums Hoffmann. (Drahtbericht.)
Passau, 9. April.
Di? Passauer Garnison hat sich f ft r daS Ministerium Hoffmann und gegen die Münchener Räteregierung erklärt. Einen gleichen Beschluß faßte die fast vor den Toren Münchens liegende Garnison Freising. Die Umschnürung Münchens durch Rerierungstruppen dürfte fchon jn wenigen Tagen beendet sein. — Die Soldatenräte deS gesamten zweiten bayrischen Armeekorps haben den Beschluß deS KorpSsoldatenrateS gebilligt, der dem Ministerium Hoffmann gegen die Münchener Rate-Diktatur die militärische Unterstützung des zweiten bayrischen Armeekorps ausgesprochen hat. Da, mit haben sich alle Garnisonen deS zweiten Armeekorps den Befehlen des Ministeriums unterstellt. — Regierungstrelle Truppen beginnen seit gestern die Bahnlinie nach Donauwörth und Regensburg zu besetzen.
Stimmung gegen den Zentrnira«.
München, 9. April- (Drahtbericht). AuS einer von 5000 Kommunisten besuchten Versammlung aus dem Oberwieseufeld tou-be gestern ein Automobil mit Mitgliebern be$ revolutionären Zentralrates angehalten, die Insassen herauSgerissen, lebensgefährlich verletzt und drei einstweilen zunückbeHÄien und in ein benachbarte* Dorf gebracht, obwohl nach dem Belagerungszustand alle Zusammenrottun-gen und Demonstrationen strengstens verboten sind und derje- inge erschossen wird, ber tätlich gegen Regierungsvertreter vorgeht. Das zweite Infanterieregiment in München hat gestern ber Räterepublik ben S chutz aufge- sagt. DaS Jusanterieleibregiment ist von einer achttausendköpfigeu Versammlung auf ber Theresienüviese zum Schutze angerufen worden. Der Anarchist Mühsam wurde von den Stern, munisten verprügelt.
9
Die RsgjerungAoffmann i« Bamderg.
Bamberg, 9. April. (Drahtbericht). Der Re- gierung, die seit gestern hier wellt, sind auS allen Teilen des Landes Aeutzerungen ber Treue und Ergebenheit zugegangen. Sie ist fest entschlossen, ben verfassungsmäßigen Zustand wieder herzusiellen und ber Gewalt Gewalt entgegenzusetzen. Der Regierung stehen bereits eine Anzahl zuverlässiger Truppen zur Verfügung, die burch erheblichen Zustrom von Freiwilligen im starken Anwachsen begrMen Jhtb. Die Regierunq beurteilt bi» Lage durchaus zuversichtlich unb ist überzeugt, daß in ab-sp h-barer Zeit wieder Rühe herrschen wird. Rach soeben hier eingegangenen Rach- richten ist auch von Würzburg bie wei- testgehende Hilfe zugesaat wördgen. Im Baikernbund haben sich die Geister geschieden. Die übergroße Mehrheit, die unter Führung EisevbergerS steht, stellt sich geschlossen hinter bie Regierung, während sich die Anhänger der Radikalen hinter Landau stellen.
•
Bayern und da« Reich.
München, 9. April. (Dvahibericht). Der VrlkSbeauftragte für AeußereS, Dr. Franz Lipp bat an ben bayrischen Gesandten in Berlin von Preger, ein Schreiben gerichtet, worin er darauf hinweist, daß bet ReichSvevfassunaSent- wurf für Bayern niemals bindcnbe^ Gesetz.
werden könne, well bie burch bayrisches Blut bei Wörthunb Sedan erworbenen Reservatrechte nicht preisgegeben werden dürfen. Darum ersuche er den Gesandten, ben Grafen Brockdorf-Rantzau unverzüglich sein Abschiedsgesuch einzureichen. Dieses Schreiben, das rinam Abbruch der oiplornatsichen Beziehungen näht ganz unähnlich sieht, ist als» die evste Äeußermug der Räteregienmg über das Verhältnis Bayerns zum Reiche.
•
Der bayrische Landtag eröffnet.
München, 9. April. (Drahtbericht). Der Bayrische Landtag ist gestern von der alten Regierung in Bamberg eröffnet worden Der Milttänmnister lehnte bie Anwendung militärischer Hilfsmittel strikt: ab.
•
Hesse«, Bade« und Wüttemberg.
Stuttgart, 9. April. (Drahtbericht). Die Regierungen von Württemberg, Baden tmb Hessen erlassen eine Erklärung, wonach sie das Ministerium Hoffmann nach wie vor als alleinige rechtmästige Regierung deS BolkSstaateS Bayern anfehen.
A. S. P. fordert die Anerkennung.
Weimar, 9. April. (Drahtbericht). Di« Unabhängigen haben einen Antrag an bic Nationalversammlung beschlossen, der die Anerksn- nun« ber bayrischen Räteregierung burch das Reich zur Forderung erhoben.
Badens Frektvilligen«Batairl»«e.
Karlsruhe, 9 April. (Dr-chtdericht). Im Lause des gestrigen Tages sind hier mchrere Abtellumgen der neu errichteten basischen Frei- willigen-Bataillone eingetroffen, und haben bie von den früheren Sicherheitstruppen leer gewordenen Kasernen bezogen. Die staatlichen GebäuLc, ebenso bie Post usw. wurden heute durch bie Sicherheitswachen verstärkt.
*
Rückwirkung auf den ffriedenSschlutz.
Genf, 9. April. (Drahtbericht). Eine Ha- vasdepesck^ von Montag abend meldet: Die für Mittwoch angefetzte Dorsitzung der Alliierten- Konferenz über den Friedensvertrag ist vertagt worden. Die Alliierten find äußerst an de, solange die Gefahr eines Bündnisses von Teilen Dentfchlands mit dem Sowjet- raß l a « b besteht, über bie FriebenSbedingun- gen sich endgültig schlüssig zu werden.
Erhöhte Marmbereitschaft.
Die Stellung bet Regierung.
(Drahtberichr.)
Berlin. 9. Aprll.
Die Stellung der Regierung wird 'n diesen Tagen zweifellos aus eine sehr harte Probe gestellt werden. Im zweiten Rätckongrcß wird ein starkes Ringen nm d i e p o l i t i s ch c G e w a l t sich vollziehen. Die Vewegunig im Lande, insbesondere die Vorgänge in München und Magdeburg, sind nichts anderes als Sturmsignale der Radikalen um den letzten entscheidenden Vorstoß gegen die Stellung der Regierung zu rmternehi men. Rack denk heutigen Stand der Dinge kann man sagen, daß die Revolution in ihr letztes entscheidendes Stadium tritt. Als ein Beweis für bie günstige und selbst- sichere Beurteilung bet gegenwärtigen Lag.: durch die Regierung wird der Umstand ange- sehen, daß das Reichsministeeium zu den Verhandlungen der Rationalverfammlimg nach Weimar sich vollzählig wieder begeben hat. Die Weimarer Beratungen sollen in keiner Weise durch d-e unruhevollen (srscheinnngen im Lande behindert werden. — Für heute sind vou spar- takistischer und unabbängiger Seite in Berlin große Stratzendemonstrationen geplant. für die in erster Linie die Kriegsbeschädigten herangezogen werden sollen. Die Reaie- rung hat umfassende Maßnahmen getroffen und erklärt, daß sie jeden Dersuckst die Tagung des Rätekongresses zu Mitifdjeit Machtproben zu benutzen, mit aller Energie imb mit allen Macht, Mitteln entgegentretm werde. Die ganze In- nenstadt wird beute militärisch abge- sperrt. Die sämtt'chen Truppenteile Berlins befinden sich in erhöhter Alatmbeteit- schalt. — Die Agitation für ben Generalstreik in Berlin Hai in ben letzten viernndzwanzig Stunden nachgelassen. Die Führer ber Ilnabbänoigen scheinen im ocgen- wärtiaen Zeitpunkt den Generalstreik nicht' zu wünschen mib ihre Bläue auf einen fpä- teren Zeitpunkt vertagt zu haben 4Lrnn sich nicht unerwartete Zwischenfälle er eiauen. wird bet politische Generalstreik für diesmal vermieden werden. Die sozialbemvkra- tische Fraktion des Rätekongresses wird in bet heutigen Sitzung gegen den Generals-iell pro-
Bom Röte-Kongreß.
Hauschilb- Kassel 1. Vorsitzender. (Drahtberichr.)
Berlin, 9. April.
Der zweite Kongreß der A.-, B-- und <5* Räte Deutschlanbs nahm heute vormittag 9 Uhr im großen Sitzungssaale des ehemaligen. Herrenhauses bei vollbesetztem Saal und bicht- gefüllten Tribünen seinen Anfang. Im Auftrage beS Zentralrates eröffnen oer Präsident ber preußischen Laubesversamrnluug Leinen ben Kongreß mit bem Wunsche, baß es ihm be- sch-eden sein möge, bie Grundsätze ber Menschlichkeit Endlich bald nach außen wie na:t> uinen ®ur Geltung zu bringen. Das deuifchc Votk stehe vor einem Abgrunb, wenn die Vernunftnichtsiege. Begrüßungsworte an ben Kongreß richtete sodann namens des ReichSvollzugsausschusses und ber A-- und S-- Räte Deutsch-Oesterreichs bet Abgeordnete Hoss mann-Men, bet auch ben am Erscheinen verhin. betten Ftiebtich Adlet entschuldigte. Die Konstituierung des Kongresses hatte folgendes Ergebnis: 1. Dorsitzenber Haufchilbt-Kassel, stellvertetenbet Vorsitzender Richard Müllet unb Schröbet-München (Soldatenftakrion), dazu acht Schriftführer. Der Kongreß zählt 243 Mitglieder, davon Sozialdemokraten 148, Unabhängige 55, wozu noch bie neun Oesterreicher kommen, Solbatenfraktion 21, Demokraten 1L Bauernbunb 3, Rechtsbütgetltche 3, Komrnuni- fien 1, parteilos 1.
Nach Annahme einer provisorischen Geschäftsordnung wurde bie Absendung eines Bsgrüßuugstelegtamms an das ungarische Ptoletariat beschlossen. Sodann wurde ein Antrag Dt. Rosenfeld (U. S. P. D.), die Mitglieder des Kongresses für immun zu erklären, einstimmig zum Beschluß erhoben und ehr Zweiter Antrag Rosenfeld auf sofortige Eut- lassung LeLebourS aus bet Unterfu- chungshast mit 109 gegen 82 Stimmen angenommen. Hierauf erhielt Leinen zum Bericht des Zentralrates bas Wort, wobei er bei bet Schilderung ber Art, wie die Unabhängigen den geistigen ktempf gegen bie heutige sozialdemokratische Regierung führen zu müssen glauben, anbauernb stärksten und zeitweise tumuliarrschen Widerspruch erweckte.
Für die allgemeine Dienstpflicht.
Jn der allgemeinen Diskussion sprach hrovaus der Mehrheitssozialist Kal in Ski, der seine Skritik mH bet von beibett Seiten mit Wi-ber- spruch aufgenommenen Behauptung einleitete, daß bie einzige tte-toenbe Steaft in der Revolution bie Angst ber beiden Richtungen der So- ziakbemoktatie tioreinanbet gewesen sei. Ein Schimpf für bas deutsche Volk fei es, berrtschen Boden ohne Rot pterszugeben, unb ohne Not sei beutscher Boden pteisgegeben worben. (Lehh. Beif. b. b. Mehvh.) Helfen könne nur ein Volksheet auf bem Boden bet allge. meinen Dienstpflicht unb mit einem zn. verlässigen Offizierskorps. Wenn man bte Wirtschaft planmäßig burch sinnlose Streiks ruiniere, bann trage man geradezu dazu bei, das Volk bem Hungertobe zu überilefren. (Stumm Beifall b. b. Mehrh.) Die allgemeine Demoralisation habe auch bas Proletariat ergriffen. Die erste Votbebingung sei bie Wiederbelebung ber lanbwirtschaftkiche« Erzeugung. Sonst sei Deutschlanb bettfe ren. Dazu fei erforderlich VA Millionen Arbeiter aus ben Städten aufs Land zu ßhaffen. Dagegen mache die U. S. P. Front unter ganz unsozialistischer Berufung auf die Freizügigkeit. Die Bolschewisten hätten in Rußland eiuge- festen, baß sie bei Industrie nicht Herr werben konnten. Daher hätten sie zum Terror gegriffen unb das Resultat fei ber Ruin getoefen. Die bayrische Räteregierung fei eine Groteske, bie man eben nur nach München beste- gen könne. In ber auswärtigen Politik sei ein Völkerbunb-anz-ustteben, ter seinem Namen entspreche. Der Wlsonsche Völketbmib sei unso- zialtstisch. Wir wollen nicht untergeben. Wit wollen einen sozialistischen Bau errichten, auf bem Boden ber Demokratie, so schloß ber Redner unter tosendem Beifall ber Mehrheit.
Nm 'AI Uhr trat Vertagung ein.
Gew8hr«ng der Immunität.
Berlin, 9. April. (Drabtbericht). Wie «l später Nachtllnnbe an-3 Kreisen des Räiekantref- fes verlautet, hat bie Regierung b:r Forvenmg beS Kongresses nach Geisährunz bet Immun' tät für feine Mitglieder zugestimmt uns ycar mit bet Einschränkung, daß sie nur för die Gatter des Rätekongresses gilt unb daß sie feine rückwirkende Kraft besitzt. Infolgesesscn fei auch ein; HastentlsZu-rg Lebestourh »bgekeynl