Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
9. Jahrgang.
Donnerstag, 3. April 1919
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Nummer 103
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Qefertienepretfe; Die nebengetpellete Zeile He einhetmtfche SekchSfte *> Btg. für en«, roärtige Sinjeigen 35 Vf. Reklame,eile fiat einheimische »ekchLNe 75 9f, Hit ettbneärttge Oefeafte 1 Mk Einfache Beilagen «erben mit 5 Stert pre lauf«» berechn.I. aller nett 2**. Tenemn 2 «.Zuschlag. Bei Uebermittlung ren Br »eigen auf leleph. Wege rotr? für durch $är. fehler tzervorgernfene Irrtümer keiner lei Haftung fibentemmen. Für bie Aufnahme »anLnjcigen an bestimmten Lagen ober Pvlhen »teb 5. Zt. leine Sewähr getelftet 8efd)äft«flette: St 5tu. Ltr. 5
Sie Streillage im Dortmunder vezirk.
nen soll. Hunderttausende von Ar- Seilern müssen feiern, weil die Betriebe keine Kohle haben. Die Scrforgimg des deutschen Volkes mit Lebensmitteln vom Auslande kann nur durchgeführt werden, wenn wir Kohlen in Zahlung geben. DaS gesamte deutsche Volk erwartet deshalb, daß die Kohlenförderung gesteigert, nicht aber beeinträchtigt werde. Die Verkürzung der Arbeitszeit be, dingt einen LohnauSfall. weil für sechs Stunden Arbeit nicht der gleiche Lohn gewährt werden kann wie für acht Stunden. Ein Lohnausgleich wird eine Erhöhnng der Kvhlenprrise notig machen. Eine Verkürzung kann nicht be- wjltigt werden. Soll das Wirtschaftsleben in Gang kommen, so muß eine Herabsetzung der Kohlenpreise erfolgen.
Der Neichs-Arbeitsminister. (gez.) Bauer.
Die Frankfurter Plünderungen.
Frankfurt n. M., 2. April. (DrahtberichtZ Die Zahl der bei den Unruhen Getöteten erhöht sich auf sechzehn. Verschiedene Pwsoue« stnd so schwer verletzt, daß sie kaum mit dem Leben davon kommen werden. Am allgemeinen !# der aestriae Taa und die Nacht ruhig ver- laufen. Nur an der Eck: der Schäfergasse und Alte Gaste staute firfi die Menge und es kam zu einem Zusammenstoß zwischen Pol zer- mannschaftrn und der Menge, wobei drei Mann der ersteren verletzt wurden. Der Schoden, der durch die Plünderungen angerichtet wurde, laßt sich vorerst annähernd nicht feststellen. Tie Anzahl der beraubten Geschäfte ist größer, als die ersten Mitteilungen vermuten ließe,. 3eben* falls sind Waren imBetragevon Millionen geraubt worden. Nach überein
AuS dem Dortmunder Bezirk.
Dortmund. 2. Avril. (Drcchtberrchsth In D ortmund bat der Streik bisher keinen größeren Umfang angenommen als gestern. Bei den ans E a st r o p aem erbeten Schießereien sind fünf Personen getötet, mehrere verwundet worden. Aus Witten verlantet, daß der Streik feinem Grtbe enteegengebe. Teilweise werde heute wieder gearbeitet. An der Umgebung dauere der Ausstand unvermindert fort. Auf den Zechenanlagen hn Hern er Gebiet soll morgen der Generalstreik ausbrechen. — Am Dockumer Bezirk gewann die Streikbe- weaung an Ausdebnnna. Anfolge der Gassperre konnten die Volksküchen in Bochum kein Essen mehr verabfolgen. Wenn der Streft aus der Zeche Hihernia noch anhalt, wird Bochum und Umgeaenst in den nächsten Tagen orrck ohne elektrisches Licht und Kraft fern. — An der Arbeiterschaft herrscht große Erregung. An den Versammlungen haften die radikalen Element» die Herrschaft an sich gerissen
Sieben den Seehs-Stundrntaz.
Bochum. 2. April. (Trahtbenckst.) Der TtreMon her Deutsch- Luxemburgischen Bergend Hütten-Aktienncsellschäst ging betreffs des Antrages der Arbeiter auf Festsetzung der SechSstnndrnarbeitszsit von der Regierung folgendes Telegramm zu. „Eine Verkürzung der Arbeitszeit aus sechseinhalb oder sechs Stunden ist unmöglich, wenn das Wirst- schgstsleben reiner ganz in Gang gebracht wer-.
Sie Ztteikbewegmg.
Die Lage im Ruhrgebiet. lDrahrberichi.)
Weimar, 2. Avril.
Aus dem Ruhrgebiet sind gestern zwei AS- crdmmgen der streikenden Arbeiter bei dem Arbeitsminister Bauer in Weimar eingetros- fcn De-- Minister hat gestern mittag bereits mit ihnen Besprechungen abgehaltcn und imrd mit ihnen ocmeinfam nach Berlin reisen, um dort in engerer Verbindung mit dem gesamten Kabinett die Besprechimgen fortzusetzen. Es kann aber nach den. einem Vertreter der Frankfurter Zeitung" von zuständiger Seite gewordenen Mitteilungen keinerlei Zweifel darüber auftommcn. daß die streikenden Bergleute mit ihren kommunistischen Forderungen auf ein Entgegenkommen bei der Reich-regierung nicht werden zu rechnen haben. Die Reichsre. qierung bleibt bei dem in ihrer Kundgebung eingenommenen Staudlmnlk, daß die secksMn- dige Arbeitsschicht zu einem völligen Zusammenbruch des Bergbaus und zu einer schweren Schädigung der inneren und äußeren politischen Lage führen muß. Die von den Bergleuten ausgestellten politischen Fiorderungen über die Diktatur einer Klasse bedeuten dieselben kommunistischen Forderungen wie sie auch beim Streik im mitteldeutschen Statut- kohlenaebiet laut wurden und sind mit Entschiedenheit von der Reichsregiervng z ». rückgewiesen worden. Tie Einrichfttng van Betriebsräten ist den Bergleuten bere'tS zuaesichert. DaS Uebergreifen des 516- tesvstems aus das rein politische Gebiet wird dogeg-n von der Reichsreaieruug abgelehnt. Bleiben dir Bergleute Bei ihren unerfüllbaren Forderungen, so ist die Rr-nc- rnng entschlossen, ebenko w-e seinerzeit im Mit- teldrtttschen Braunkohlengrbiet. vorzugehen und den Bergleuten die Verantwortung für das Nnalück zuzuweisen, das sie damit in dieser kritischen Zeit über Deutschland henmfbeschwören
Ser Niedergang.
Die Zukunft unseres Wirtschaftslebens.
Dor einiger Zeit äußerte der Staatssekretär deS Reichsamts für wirtschaftliche Demobilmachung, Dr. Koeth, m Weimar Pressevertte- lern gegenüber, datz die deutsche Wirtschaft seiner Ansicht nach erst in einigen Monaten den Tiefpunkt erreichen weide. Gegenüber dem Berliner Bureau des Verbandes Sächsischer JN- dutstrieller. das sich cm ihn mit der Bitte um eine A.'ußerung darüber wandte, auf welche Voraussetzungen diese seine Einnahme sich erÄnde, äußerte sich der Staatssekretär Koeth ime folgt: .Ich gründe diese Auffassuny darauf datz in einigen Monaten unsere knappen Bestände an ausländischen Rohstoffen verarbeitet und neue Zufuhren noch n^t ins Land ge- kommen fein werden. Auch furchte ich, daß die Folgen des jetzigen Niederganges der Produktion^ von heimischen Rohstoffen für die gesamte Wirtschaft sich erst m einigen Monaten zeigen werden. Trotz dieser Auffassung glaubst der Staatssekretär, daß der deutsche WÄstschastZ-- körper heute doch noch solche Kräfte besitze, daß er in verhältnis-mäßig kurzer Zeit genesen könne, wenn man ihn sich selbst gesunden lasse. Alles hange nur davon ab, daß in allen Schrch« ten Einsicht, Mnt und Arbeistsfren- d i g k e 11 zurückkehrten. Mit behördlichen An- ordnunaen und Organisationen lasse sich das allein nicht erreichen. Tie vielfach gemachten Ausführungen, daß man alle Arbeitskräfte zusammen fassen müßte, hielt der Herr Staatssekretär in', jetzigen Zeitpunkt für eine Plftase. Unruhige und unsicher gewordene Menschen könne man nicht zu zislbewutzter Arbeit zufa-m- mcnkassen Der Staatssekretär brachte am Schlüsse seiner Aussüheungen zum Ausdruck, daß das deutsche Volk sein Schicksal fetzt selbst in der Hand habe und daß es, wenn es durch die Not nicht bald zur Verminst gevraM werde, sich selbst in selHstmörde- rischem Wahnsinn sein Ende bereites
Aber diese Vermrnft will und will nickt auf- kommen: und man kann wohl sagen, daß das. was jetzt an Streik im Ruhrgebiet und anderwärts geleistet wird, tatsächlich an selbstmörderischen Wahnsinn grenzt. Es kann nacht oft aenuy und nid# nachdrücklich genug aus den erschreckenden Tiefst and hingewiefen werden, den die Kohlenförderung im Rubllbezirk zurzeit erreichst hat. Während sie sich, <hn Durchschnitt in den Monaten IM-—Oktober »origen Jahres auf 8,45 Milliowm Tonnen stellte ging sie dm November ans 6% und im Dezember auf 554 Millionen Tonnen zurück. Am Januar ist eine klein« Erhöhung auf 6'4 Millionen Donnen eingetreten, der jedoch rm Feinuar wieder ein Abfall auf 5,4 MMonen Donnen folgte. D« Rückgang im November zoar zum Teil durch tüte Verminderuna der Be- -rgschaft infolge der Entlassung der Kriegsge- ßarroenen bedingt. Jin Dezember nahm die Beleg schüft zu und setzte ihre anffteigende Entwick- jnna im Januar und Februar fort, sodaß st? trn letzten Monat mit 430 000 um 15 000 Mann, gleich 3.48 Prozent, hinter dem Stand rm Oktober zurückblieb. Dagegen war das Förderer g e b n i S um drei Millionen Tonnen, gleich 85 Prozent, kleiner als im Oktober. Damit wird bi# Förderung nicht einmal ihren Tiefstand erreicht hob en, wenn die Bewegung der Einführung der Sechs st undensckicht die Mlf einigen Zechen im westlichen Teil des Berg- Gaubezirks bereits erzwungen worden ist, weißer um sich greift. Eine Secksstmidenschickst, ein- icrnietzlich Ein- und Ausfahrt, wie gefordert, hätte eine Verkürzung der Arbeit vor der Kohle um annähernd ein Drittel zu bedeuten und müßte daher auf dar Förder- engetmtS ein?« geradezu katastrophalen Einfluß ausüben. So sehr auch der Bedarl GeS etgenrn Mrtschastsiebe-iS an Koble zurück- Dtgang.m ist. würde alsdairn nicht einmal bi» zur Deckung er widerliche Menge zur Verfügung stehen, geschweige denn» daß wir Ko-Hlm für den Versand ins Ausland frei hätten. Die unheilvolle Rückwirkung dieser Verhältnisse aus die Versorgung mit Lebensmitteln li'gt auf der Hand. Eine weitere Verkürzung ber Arbeitszeit hätte auch eine enstspre- eftenbe Erhöhung b-r Selbstkosten su bedertten. Der Verbraucher bekäme bie Wtakuna durch eine Srböbungder Kohl en Preise am eigenen Leibe zu verspüren, nnd die Wettböwerbs- ftfhiokett .aus dem Weltmarkt würde aufs sthtwerste dadurch bcci-trächtigt werden.
stimmenden Urteilen hat sich der Marine- sickerungsdienst ausgezeichnet bewährt. Man darf wohl sagen, daß die Si- cherheitsorgane vollstänbig Herr der Lage in Frankfurt sind. Die Arbeiterorganisationen der Fabriken beschlossen, sich den Sicherheitsor- ganc« zur Verfügung zu stellen, um weitere Unruhen zu verhüten. — Der gestrige Tag brachte einzelne neue Ausschreitungen, die wieder in ber Altstadt begannen. In ber Aller- heiligcnstraße versuchte bei Mob die Leben s- mittelgeschäste und Bäckereien,zu plündern. Die gesamten zur BerfÜgrmg stehenden Polizeikräfte rückten sofort dort au9. Eine Bekanntmachung des Polizeiprästde ten verfügt die Straßensperre ab 7 Uhr abends. Klubs, Theater und Wirtschaften müssen bereist um 6 Uhr schließen. Um den Berkaus gestohlenen Gutes zu verhindern, wird der Stra- ßenhandel, der sonst üppig blühte, verboten. Wer Waffen trägt, wird als Plünderer betrachtet und besttaft. Die gefährdete Gegend wurde von Polizeitruppen. die mit Handgranaten ausgerüstet sind, abgesperrt.
Z«samme«ftStze in Stuttgart.
Stuttgart. 2. April. (Drahstbericht.) Im Laufe des gestrige» Vormittags kam cs in Stuttgart an verschiedenen Stellen der Stadt zu Zusammenstößen. An der Moltke- kaserne brach zwischen Rcgierungstruppen und Spartakisten ein Streit aus, bei dem es eini. ge Töte gab Be der großen Jnfanterie- kaserne wurde vom Publikum versucht, einen kür das Militär bestimmten Brotwagen zu plündern, woranf aus der Kaserne geschossen und fünf Zivilisten getötet wurden. An der Ludwigstrasse kam eS zu einem Zusammenstoß zwischen Demonstranten nnd den Sicherheitstrnvpen, wobei die letzt-ren von einem Panzern ntomobil mft Maschi- nenne« efiren schossen und h'erb-i vier Personen töteten und sieben verlenten. Der Abwebrstreik ist vollständig dur-vgeftihrt. Durch das Streiken her Bo», nnd Tel"-*ravh-'n- beamten. durch die llnterliinduna des Fern- fprechverkehrs und das Ausbleiben ber Rettungen ist Stnttoart vollständig von der übrigen Außenwelt abgesch-iitten.
Belagerungszustand nnd Adwehrstreik
Stuttgart, 2. April. sDrahtbettcht.f G«. stern hat die R^giniing wegen brobenber Ge- fäbrbunfl der Ssfrnllicken Sicherheit den Belagerungszustand über Sfttt^gart itttb Umgebung verhängt Oesfentliche Loka'e aller Art. Tbeator ufw. sind von 8 Uhr ab-mds bis 9 Uhr früh zu schließen. Der Sira^en- bahnvertehr ist von 9 Ubr abend? verbotm. Außerordentliche Kriegsgerichte werden eingesetzt- Menn die Be^ölftrnng den Anordnungen unbedingt Fo^ae leistet, hofft bie Regierrtng. den BelagentngsWstand in htreer Zeit wieder anfheben zn können. An dem A b- wehrstreik zur Bekämvfuna deS Geneml- streikS. der zugleich auch eine Vertranensftiud- oebuna für die Regierung fein soll, beteiligten sich Handwerk, Gewerbe. Kanflente. Andnstrie staatliche siäd^sch? und vr'vate Beamte, Aerzte. Apotheker und son- sllae freie BeNtfe. Der Bolfbetrieb rufet Pao. siandig, ebenso der Sttaß-nha^riverftfer Die Eiss.nfeo.fen bewirft Beute frsib lediglich den Ar- beiterveikefer und bie Milchversorguna.
Kein allgemeiner DluSstand.
Dockmm. 2. April. (Drahtfeericht.s Zn einem allgemeinen AuSstand, der gestern km aan«n Ruhrgebiet auSbrech«» folltg. ist e? nicht gekommen. D»r g-vlante Ansstanb ist zn einer politischen Sttekkbewe- mtna onSaeartet. bfe feanvtsächlich fpartakisti- schen Ebarakier tränt und planmäßig vorbereitet wurde. Die Beweanna ist dieses- mal sefer ernst, weil bie Wasserversorgung. GaS- und ElektriritätSerzengrmg an vielen Stellen gefäferbet isi. Bisher wirb auf fünf« undsiofezia bis achtzig Scha»tanlggg» mit einer illeleafchaft von rund achttmdftinftiataiffend Mann aestreift Alloem#kn fällt e? <ntf, daß der Streik km Hamfeorn-Duisfenraer D e z k r k. die feauvtfäckkiche Zenttale ber Spar, tokisten. nicht zum Ansfernch gekommen ist.
Die Regiernng fest enttchloffsn.
Berlin. 2- Avril kDrach'hericht.s Zn ben ltzerüchten von neuen groben Vnntfien in Der- lin. mit beten plönrich--m Ausbruch ang'bkich -n rechnen fei. erfährt her „L.-A." von einem Regiernnasvertteter folgendes: Wir sinn auf bas Genaueste über alle Boraünoe unterrichtet unb auf arte Eventualitäten hinlönosfch vorbereitet. Wir würden mit rücksidttSlofester Schärfe eine folcke Bewegung uiederfchlagen.
liefere tzefansisneu.
Eine Tragödie in Frankreich.
ein fchwr-jtrl'chcr SSitat&eKee btt »£eK>- gigtr öeueUen R-ch-iitztrn--. be» die Behan» luxg unfttee «efangentu in sranzvstslyen L«- 6e»t, au» eigene» fflnf^auur.g kennt, zriqu»' in dein genannten Blatte f» gendr» Bitvz »Nach dem. was ich über bte Sage unserer Kriegsgefangenen aus erster Hand erfahre, ist diese Lage noch viel schlimmer, als man aüge- mein annimmt. Ich will mich mit der durch mrs objekttven Wiedergabe des Tatsächlichen begnügen und die Schlußfvlgerrma dem Lese. uiti> — den Zuständigen in der Heimat überlassen. Cherbourg iffl ein großer Kriegs- Ixifen Nordfrankreichs mit 44000 Einwohnern im Departement Ästanche, wo sich viele Hrru'dette unserer Gefangenen befinden Mein GerrährZ- mann wurde do'thin verschickt, weil er sich ge- 'weigert hatte, in französischen Mnmv.'.ons- fabrrftn Gesdwsse, bie fernen Brüdern auf ber Front bestimmt waren, anzuserlchen. In Cherbourg bekommen die Dentschien für schwere Arbeit 300 Gramm Brat und zwei Wassersuppen mit Siers, die nickt einmal gesalzen sind. Das ist die ganze Nahrung wÄh- rend vieruuszwanzig Stunden für erwachsene Männer, bie eine Mttrdeitarbeit von zehn Sttm- den pro Tag leisten müssen. Sie sind teils im Hafen, beim Verladen der Schiffe, und teils in den Fabriken beschäftigt. Dir BezaUung (in Kautmenmarkenft b .‘trägt hier — zwanzig Centimes täglich! Tie Behandlung ist eine drakonische und wird durck' besonders widerwärtige Umitäube. worüber Näheres weiter nuten, noch vcrschärst. Bei dem gerinesien Anlaß , egnet es Stoafen, b r e i tz i g ober sechzig T ä g e G e f ä n g n i s ist die Regel. Es ist iein r infach er Arrest; bich's Musierlager hat auch ein Mustergefängnis
Das Gefängnis befindet sich auf ber Insel PSlSe (PSlüe bedeutet, aus eine Lands- fr <tn> gewendet, vollkommen kahl, ahne jeglr.i e Veae- tation, also ein verheitzungs >oller Rarrres, bie der Stadt im Norden vorgelagert ist. Das Ge- säugni-s befindet sich in der halbverfallenen Festung, die unweit des Users bei geringer See, Bewegung droits von ben Wellen r.mfäült ivirb. Die G e,fanae ,i« n werben in ben unterirdischen Kasematten sc schalten. Das Meevwaffer rieselt durch die Wände, und an Sturmragen ist alles fußh och über- f cfe to e tu m t. Die Arurm können sich dagegen umso weniger schützen, als sie nur eine rrrdriae Pritsche als Lager ftoben und außerdem sich m vollständiger Dunkelheit befinden. Man stelle sich diesen trostlosen, fanitätswibrigen Zrtst-anb einmal ganz ruhrg unb sachlich vor. Tie Dunkelhaft dauert je drei Taa.e, am vierten Dan wirb durch eine ganz kleine CvaAe ein Schrmmer von Lickt hmeingelassen. Nachmittags wird man eine Stunbe herausgeführt. Tie an bi- Dunkelh-st gewöhnten Augen sind vorn Tag'ssscht gebienbrt unb können es kaum ertragen. Doch bild ist die Stunde um un® dann geht es wieder in die Kasematten mit dem bißchen Lichtschimmer. So der vierte Tau-, der fünfte, sechste und siebente werben wieder in gänzlicher Tunkelheii zu gebracht. Erst nm achten ihcrt man wieder den kleinen Lichtschimmer und in diesem Turnus geht es weiter. Die stärk» ft en Natnren kommen ans diesem Ge- sängnasse g-brocken und bis zum Schatte« abaemagert, zurück. Sehr viele sind bald dar, auf einaegangen Die Gefanaeneir haben nur cme Sehnsucht: Wenn man nur in ber He'mtt babon wüßre und ihnen helfen könnte. Es ist also eine heilige Pftickt. di- hier erfüllt wird.
Ach habe oben von widrigen Umständen oe» spröd,en, bie das Leben im Lager noch Tre’ter verbittern und vergiften. Die Sacke ist nicht mir schmerzlich, sondern mich demütigend. Mtt raffinierter Bosheit, die einem sadistischen Zuge entspringst, sucht ber Franzose bei unseren Gefangenen solche Elemente cmS, die er als Werkzeuge gegen bie eigenen Larrdsleute be» nutzen kann. M-rncke Elsässer oder Polen geben sich bazu her. Der Sekrerär des Lagers in Cherbourg aber hat uicki einmal diese Entschukdü- gmrg (wenn eS eine wäret. Dieser Deutsche (n leistet den Franwftn die tterresien Dienste, verfolgt die vaterländisch Gesinnten in jeder Weise, enthält timen Briefs basten ufw. vor, suchst sie auszuspionieren und ftiftrt an>b»rt Gefangene noch zu folchl-n Diensten an. kurz, fudjt sie hi jeder Wnse nach MSglickkeit zu ln-.Llk« und ihre seelisdu wie kötturNclu Marter noch z« steigern. Doch genug des Ekedhasten.
Deutsch'Sefterre^chs Anschluß.
Entente-Verlockungen.
(Drahtbericht >
Wien, 2. April.
Neber die Anschluß - Bewegun« Deutsch-Oesterreichs an Deutschland telegraphiert der Safier Korrespondent des an- schkußkeindlichen „Neuen Wi--er Journals ', Frankreich habe folgenden Vorschlag an Deutsch-