\y
Kasseler Abendzeitung
S. Zahrc^anK.
Mittwoch, 2. April 1919
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 102
Fernsprecher 951 tmb 952.
Berlin vor einem neuen Generalstreik
52100,
I
I
'Ü
w
tie ««nun «Iwfi« ttedjrtettii rrfftttneii wöch-nlltcd unt> peer oben#«. 1«t
eMoianinent«»re(« »«trägt wi.ueU I.ro Statt bet frdet K»fleüm>, ix« S««1 veNelluxzen ncrken ebn,et: »en der «eschSNsftelle »der den Beten entgegengenemmen. Inideret. Sette» m» «ebatiten. $4ta4t»»mra|< TXRß. ftür taro erlangt cingefanbte Beiträge !«m bte «eeettten eine tinantroertmtg »der S.wLhr in teinem Aelle übernehmen ttüdeatümg de« 8e,ng«geibe« »der «nt»rll«he wegen eneatger nicht er»nnng«mäß.ger Lte erung ausgel«tollen
lündlqnng bei ® »xvalstreikS «scheinen heute roifber btt Zelttnrgm >tne lnsher. Auch bei
Scharfe Gegensahlichkeitex.
Basel, L Avril. lDrahtberichts Die Pariser Beratunaen erfuhren einen unvorhergeseho» uen Aufschub biS »um heutigen Dienstag. Die Blätter fordern das Publikum auf, kaltes Shti zu bewaliren. obwohl die um sich greifende Nervosität begreiflich sei. Der Optimismus , der noch gestern wegen des raschen Rrie» densfchlusseS herrschte, ist verflogen. Aus Andeutungen offiziöser Blätter, deren Artikel übrigens große Zensurlücken answeisen, ist zu entnehmen, daß die französischen An^ sprüche aus Vie Grenzen von 1814 eUglitscher und amerikanischer Opposition begegnen. ES wird behauptet, Llohd George sei ein ganz entschiedener Gegner einer Einverleibung deS SaargebietS. Umso energischer erheben beute alle Pariser Blätter diese Forderung, von der sie behaupten, sie besitz« nicht annerionistischen Charakter, sonder» sei als Schadenersatz aufzufaffen.
fWerttonenrelfet ®te nebenget»eltete Seile ftt etetetmtf*e Sefdjäfte *0 «fg. röt ex«, »artige Anzeigen 36 Pf. Reklame,eile für einheimische Geschäfte 75 St, kür autiedrttge Seschäfre 1 Ml Sinkache Beilagen werden mit 5 Mark pro Lausend berechnet, alle« neu 2Ms, renerwinr-ZüIchlag. Bet UedermUNimg ree «->,eigen aus teieph. Wege wird für durch t>*r- fejln »etvargernsene Jrriümer leinerleiHaftNngübernommen Für die Ausnahme oonAnzet,« <m beftimmtett lagen oder Blühen wird g Zi. keine Gewähr gelelflet Geschäft «stellet «Sln-Stt. 5
Das deutsche Gold in Brüssel.
Berlin. L April. lDrahtbericht-l Die ae> mäß dem Brüsicler Abkommen als Sicherheit für die Lebensmittelsicherung in Brüssel zu hin. terleoenden elf Milli an e» Muntz &£»«-
Der Delager«n<z»zustand.
Berlin, 1 AvrL. sDrcMbericht.> An einem Aufruf der Reichst egierung an die Bergarl»erter wird Mitteilung gemacht, daß die Reicksreaie- nmg zusammen mit der preußischen Regierunq folgendes beschlossen bat:UeberdaS Ruhr- revier wird der Belagerungszustand verhängt. Regierungstrupven nicken in das Revter ein. um die Arbetter und Betriebswerk- stätten vor dem Terror zu schützen. Der Reichs- wehrminifter wird entprechend dem Brüsseler Abkommen dafür sorgen, daß den Streiken- den kerne Lebensmittel zuaestrhrt werden. Eb-nfo wird der Reichswehrminister j ed e Bezahlung der Streikschichten ab. lehnen, dagegen soll den Arbeitern au? den Zechen, au- d n»n nach der siebeneinhalbstündi- gen Arbeit^zeit Arbeit geleistet wird, eine besondere Schwerarbetterzulag« zugeftthrt werden.
Laag, 1. April.
Aus Paris wird gemeldet: Wilson urtt Llotzd George erschienen in voller Ueberern» ftimumna aus der Konferenz. Sic sind absolut einig darüber, daß es unmöglich ist, Danzig Polen zuzuweisen. Auch sol. len sie nicht zuaestehcn, daß Frankreich dauernd das Saargebiet erhält, außer Elkaß-Lotbringen. Frankreich bat. wenn ei nicht einen Bruch Herbeiführen will, sich MÄ dieser prinzipiellen Auffassung Wilsons unt Llovd Georges abzukinden. Diese beiden verlangen auch für Polen einen Seehafen und Seewege, und zwar wollen sie den Hasen Danzig und die Weichsel für den Handelsverkehr freigcben. oder unter internationale Kontrolle stellen. Was das Saargebiet anbelangt, so müssk Frankreich sich zufrieden geben, die Produktiv« der Saarkoblengruben zu erhalten. Frankreich hat am Sonntag mit den Vorsitzenden der Fi- nanzkommission verbandelt und sich für sofortigen Schadenersatzanspruch ausgesprochen. Aus diesem Gebiete steht Wilson allein. Llovd George nähert sich der Anschauung ClemenceauS, weil er bei den Wahlen allzuweitgehende Ver- kprechunqen gemacht bat. Wilsons Forderung gebt dahin, daß Deutschland nur das zahl« müsse, was eS auch, ohne sich wirtschaftlich jjf ruinieren, wirklich zahlen könne.
Generalstreik im Ruhrgebiet.
Essen lRubrs. 31. Marz. sTrahtbertcht., Wie die Neunerkommissiou mitteilte, beschloß
Gegenstreik der Bürgerschaft.
Stuttgart. 1. April. kDrabtdericht.s Anfolai des heute verküadatm Generalstreiks der Arbei. ikischaft bat der Gegen streik der Bür- a er schäft ring -setzt. Die meisten Geschäft; sind geschlossen Der Ersenhahn- und Poskbe- trieb ist -ing-ftcllt. Seit vier Ubr ist die Stadt auch ohne GaS und elektrisches Licht. T-»< Wasserwerk arbeitet noch. — Trotz der Per,
Die Verhandlungen.
DerNn, 1. April. (Drahtbericht.s RekhA Minister E r, b e r g e r hat den Oberbürge» meister von Danzig. S a b m. und den ersten Beigeordneten der Stadt, Dr. Evert, eiuge- laden. ihm zu den über Me Landung polnischer Truppen ,u Mrenden Verhandlungen nach Spaa zu folgen. — Di« aus zwölf Mitgliedern bestehende deutsche Frnanzkom« Mission ist am 30. März in Paris einge- troffen. Sie erwartet die Mitteilung des Orter, an dem dar Zusammenkommen stattfnttxn soll
Ser Streit um die Landung.
Gegensätzliche Meinungen.
(Drahtbencht.)
Die Zahlung der Stteikschichten. — Di« Gesamtzahl der AuSstitidigen beläuft sich in der gtstrigen Morgen-, Mittags* und Nachtschicht und der heutigen MoryenschiM aus gegen 33 200 am gestrigen Tone.
scheint es dringend notwendig, daß der Entwurf der Kapital-Nentensteuer nach seiner Der- efscntlichung von den berufenen Stellen in feinen Einzelheiten genau erörtert wird. G H.
Starke Truppenmassen.
Dortmund, 1. April. sDrahtbericht.) Am Ruhrrevier waren bis heute früh drei fünftel aller Zeck,cn stillizclegt. Do» der Arbeiterschaft stehen etwa fünfun'vfünkzig Prozent im Streik. Der Generalstreik ist also weit davon entfernt, ein vollständiger zu sein. — Die Re- gierung hat mit der Zusammenziehung starker Trupvenmassen für daS Ruhr- revier begonnen. Dem Bern-bmen nach sind die RegierungStrnppen eine Division stark.
Berlin vor neuen Unruhen.
Berlin, 1. April. kDrahthericht.s An einer größeren Anzahl Berliner Fabrikbetrieb'' haben gestern die revolutionären BcrttauenS- ,eilte zur Niederlegung der Arbeit für kommenden Montag ausi^sordert. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß im Zusammenhang mit dem Generalstreik im Ruhrrevier anch für 53er« (in ein neuer Generalstreik auf An- reqnng der Spartakisten bevorsteht bezw. von neuem versucht werden soll. — In den Spandauer MunktionSwerkstätten imb Staatsbetrieben toitrbe gestern abend die Parole zum General streik zum Montag nächster Woche ausgegeben.
trae Einführung der SechSstundenfchicht mit E'ii- und Ausfahrt für Untertagearbeiter und unter Beibehaltung des bisherigen für längere Schichkdauer gezahlten Lohnes. 2. Fünfundzwanzig Prozent Lohnerhöhung. 3 Regelung der KnaplsschastJftsgen. 4. Anetten- nung des R ä t e f y ft e m s. 5 Sofortige Durch- ftihrnng der Hamburger Punkte betreffend Kommandogewalt.. 6. Sol ;"«$ Auflösung des Freiwilligenkorps. 7 Sofortige Freilassung aller politischen Gefangenen. 8. Sofortige Bildung einer revolutionäre« Arbeiterwehr. 9. sofortige Anknüpfung aller politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit der rufsifchen Sowjetregierung. 10. Entwaffnung der Polizei im Ruhegebiet und im Reich. 11.
Unruhe» und Kämpfe.
Ausschreitungen deS Frmrkfurter, Mobs. tDrahrbericht.s
Frankfurt, 1. April.
Auf dem Börneplatz kam eS gestern nachmittag gegen drei Uhr bei der Verhaftung einer Frau, die sich mit Glücksspielen beschäftigte, zu Zusammenstößen der Polizei mit der Menge, die für die Frau Partei ergriff. Dte Menge stürmte daS gegenüber liegende Polizeirevier und zerstörte die Einrich. tunn. Die Polizeibeamten wurden entwaffnet und verschiedene mißhandelt. AlS Matrosen vott der SicherhcitLabteilunn zur Hilfe berbeieilten. wmden auch diese entwaffnet. Der Matrose Rö. del, ein erst feit Sonntag verheirateter Mann floh vor der Menne, wurde am Mai» eingeholt und in den Fluß geworfen. Besonnene Seite, die ihn retten wollten, wurden von dem Mob selbst mit dem Tode bedroht. Der Matrose mußte ertrinken.
Die Menge erstürmte hierauf das Untersuchungsgefängnis in der Hau. delSgasse und befreite die Gefangenen, bat* tntter sieben Schwerverbrecher. In der Fährgasse wurde eine Wafseiihaudlung gestürmt und ausgeplündert. Gegen neun Uhr abends wurden die zahlreichen Kleider - nttb Konfektionsgeschäfte auf dem Liebfrauenberge und an der neuen Breme von halbwüchsigen Burschen erstürmt und-ebenfalls «mS aeplündert. Einige Hotels, darunter der Frankfurter Hof. wurden ebenfalls erstürmt wrd Warenvorräte und Weins davongestlsseppt.
An verschiedenen Stellen der inneren Stadt laut es int Laufe deS späten Nachmittags zu Schiesser eien, die sich bis in den späten Abend sortfetzten. Au der Friedberger Anlage und an der Hauvtwache wurde sogar mit Ma. schinengewehren geschossen. Ob Menschenleben zu beklagen sind, konnte noch nicht festgestellt werden. Die Unruhen tragen keinerlei politische» Charakter. Sie sind auf jugendlich! Elemente zurückzuführen. Für die Nacht waren von den Sicherheitsor garten umfassende Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden Die Führer der urmbhängigen Sozialdemokraten versuchten beruhigend auf die Menge einzuwirken, jedoch mit geriugeut oder gar keinem Erfolg.
Die Vertreter der fozialdemokratischen und der kommunistifchen Partei, sowie des Arbeiterrates traten in der Nacht zu einer Sitzung int Polizeivräsidittm zusammen und einigten sich auf einen Aufruf an die Arbeiter und Mitbürger, in dem zur Ruhe und Ord- nttng anfgefordert wird. Gegen die Plünderer werde mit den schärfsten Mitteln eingegriften werden. Der Polizeipräsident erläßt eine De kannttnachung wonach die Straßensperre von abends neun bis morgens fünf Uhr angeordnet wirb. Nach ben Aussagen der Sanitätsmann schäften hat es auf beiden Seiten etwa fünfundzwanzig Verletzte gegeben von denen ein halbes Dtwend fchiver verletzt ist. Verhaftet sind etwa vierhundert Personen, die nach der Kaserne in der Gutleutstraße ge führt wurden. Außer dem Gefängnis in der HandelSgnffe wurde auch das in der Strafen- strafte gestürmt. Unter den Freigelassenen befanden sich mich hier Schwerverbrecher. Sie find zum Teil schon wieder in Hast, da ste bei den Plünderungen nicht fehlten.
Ersaufende Schächte.
Bochum. 1. April (DrahtberiM.1 Für den Generalstreik, der nach dem Beschluß der Neu- Tterfomnvifiion in Essen für den 1. April, vormittags zehn Uhr, angesagt ist, wurde im Bochumer Bezirk eifrig agitiert. Die Azütatäou hatte auch Erfolg Gestern sind erneut in den AuSstand getreten die Zechen Sba* rrTiiui und Prinz von Prentzen in Attenbschunt. Auf Zeche »Friedlicher Nachbar, in Hattingen ifttin- Belegschaft auch heute früh nicht mehr eingefahren. Aus den übrigen Zechen des Bochumer Bezirks sind für heute früh Veletz- schtistSversammlungen auberanmt, in denen über die Beteiliqnng am Generalstreik SesckLuß gefaßt werden soll. Einen besonders schwer- tvieqenben Beschluß saßt« gestern die Beleg* schaftSversammliliig >*: Zeche Hannover, und zwar wurde dort beschlossen, die Notstands- arbeiten nicht mehr ju [elften. Obwohl den Bergleuten vovg,«halten wurde, daß tin derartiger Beschluß tiefeinschneidende Folgen haben müßte, ließen sich die Bergleute von -hrem Vorhaben Nicht abbring.en. Auch die Be- inühuivgen des Abgeordneten Bergmann-Piun«- felb citten keinen Erfolg. Radikale Eleni e schrien jede n R e d n e r n i e d r r, der sich gegen diesen Beschluß ausfprach. Man rechnet damit, daß die Zeche Hannover schon heute zum Ersaufen kommt; da die Stadt Bochum von der Zeche Hamrover ihr GaS bezieht, ist die Gasversorgung der Stadt unterbunden. Auch für die Rrotversor« g u n g wird dieser Beschluß nicht ohne Folgen bleiben Der größte Teil der hiesigen Bäcker arbeitet mit GaS, sodaß beim Abschneiden der GaSguelle kein Brot mehr gebacken werden kann. Auf der Zeche Hannil-al haben die Bergleute sich ebenfalls geweigert, Noestandsarbeiten weiter auszufübreid. Don den Hibernia-Zechen streiken Shamrock 1 und 2 An Gelsenkirchen ist die Belegschaft der Zech; Alma in den AitS- ftartb getreten. Wie der Telegraphen-Umon noch mitgeteilt wird, beläuft sich die Gesamtzahl der Streikenden heute auf 52100.
gestern eine von ihr eindemsene Delegierten-
Konsermq der Bergarbeiter des Ruhrgebietes . ,, _____„ ....
den Generalstreik, der am 1. April begin- Fernsprechamt arbeitet wieder mit auswärts neu und so lange dauern soll, ViS nachstehende wie inaner. Die Z-iiungsgebäitde find von Fordern»»-»- $—worden sind: L Sakor-I starken 2Cbt»ir«tnaen ReaiernnaKtntvpen besetzt.
Kkvtta!-Re«te»fteuer.
Rückwirkung traf den Geldmarkt.
In dem neuen Steuerbitfert. das nach der Osterpause der Srattonalveriaumrlung vorgelegt werden soll, wird die Kapital-Rentenflener dte Hmrpttolle spielen. Diese Steuer wird deshalb la einschneidend wirken, well infolge der statten ^erbreitunz der Kriegsanleihen von ihr auch frlcke Dolkskreise erfaßt werden, die vor b*m Krieg« keinerlei Renteitbesitz hatten. Die Ka- pital-Nent.-nsteuer soll mit zehn Prozent ohne jede Tisierenzierung erhoben werden Der Zinsertrag jeden privaten Darlehns, die Zinsen von Gekdern, die bei Danken, Sparkassen wfto. ausaeliehen sind, die Zinsen au? Hypotheken Buchsotderungen und auf BcteM- aungen werden von der Sreiter erfaßt werden Dazu kommen die Coupons auf alle feswerzins. lichen Papiere, alle Dividenden, Leibrenten und Annuitäten Die neue Steuer wird also den Zinsertrag jeder Art von ausgeliehenem Kapital erfassen Die Rente. daS arbeitslose Ern- kommen, soll an der Quelle erfaßt werben, wie die? von der sozioLdemokvatischen Par. fei seit langem verlangt wurde. Steuertechnisch kann man der Kapital-Reutenstauer zwei gute Seiten nächsaaen: sie wird es ermöglichen die kommende ReichSeink-nnmenstener etwas milder zu gestalten und sie wird möglichetzweise die Erhebung einer elainaSigen Vermögensabgabe und damit die Aufsaugung eines erheblichen Teiles deS arbeitenden Kapitals unnötig machen. Wir sagen: mögkichenweiise, denn ob die gewaltigen Lasten nicht doch die Erhebung einer einmaligen Vermögensabgabe notwendig Machen werden, steht noch dahin.
Unter den B--denken, die pegett die Kapital- Renrensteuer geltend gemacht werden müssen, steht an erst-w Stelle das Fehlen jeder Differen- ziermrg. Der Besitzer eines Millionen-Vemuö- geus wird von der Kavttal«Rentensteuer genau mit demselben Prozentsatz« belegt, wie der Besitzer von tausend Matt Kriegsanleihe. Aller- diugS ermöglicht bi»rf.-3 Fehlen jeder Staffelung eine technisch leicht« Durchführamg der neuen Steuer. Die wird nänikich vom Schuldner zu zahlen sein. Dieser zahlt dir Sterrer bei der Steuerbehörde und zieht dann die erhaltene Quittung von seiner Zinszahlung ab. Bei der Auszahlung von Cmrpoits. Dividendeufchelnen ufw. wird die Steuer von den EinlösungSfiel- lcn abgezogen. Nach Einführung der Steuer wird also die Kriegsanleihe beifpitts- weise nur noch viereinhalb Prozent Zinsen bkiuaen eine Dividende von zehn Prozent wird 'n Wirklichkeit nur neun Prozent mismgchen.
Eine folgenschwere Wirk»«« wird die nette Steuer auf den Geldmarkt ans- übon: sie wird durch Heravdrückung der Ver- itttiätnö ein« Verteuerung deS Kredites zur Folge haben. ES läßt sich Voraussagen, daß dte Besitzer von sestv-rzimslichen Papieren oder von Tividendenwerten dazu übergehen werden, den ZinSvettnst, ben sie durch die Kapital-Renten- fteuer ettekden, dadurch wfefber einruT>cTen, daß sie bei der Emrrutmmg van privaten Krediten entsprechend höher« Zinssätze vettanoen werden. Der Geldgeber wird nicht nur di« zehn Prozent Kapetal-Rentenlicuer auf den !kr«ditsnchevden rbwälzcn, er wird darMer hinaus den Zinsfuß steigern. Der Wechsel- und Dttckkredit, der Kredit auf dem Geb'Ste des Hvpoihtten- und BaiTmarkt.'S wird eine Vertonenmg erfahren. Das wird natürlich letzten Endes auf eine neu« Steiaernng der Mieten und eine Erschwe- knna des Wohnungsbaues hinanskom» nen. Die Verteuerung deS Kredites wird aber auch eine Vert.memn« der Produktionskosten im G-foloe bahi-n, denn der Fabttkant wird die rtt-öße« ZinslM in den Preis des Fabrikates mit hinein kalkulieren. Zn den vielen Momen- tcn. die die ProportmöeliMeiten ttnfercr Fn- dustrie geaenüb'r unseren Konkurrenten er- schweren, wird also die Vetteuerun« deS Kredites hinzukomm-n.
Zu befürchten ist ferner, daß die Kapital- Nentensteuer die Anlage von Geldern in Staatsanleihen und anderen festverzinslichen Werten unbttiebt machen wird. Die Unierbrin- oimg neuer Anleihen beS Reiches, der Bundesstaaten und d.-r Städte dürfte durch die nette Steuer wesentlich erschwert werden. Es muß auch damit gerechnet werden, daß das Reich, die DnndeSrta tten und die Städte, nm ihre An- feiten untorzubria.ien, sich genötigt sehen wer- ben. mit dem Zinsfuß in die Höbe ra gehen. Denn um dnn Sparer und Kapftalisten eine iftektive Pcrrnfitna von fünf Prozent zu ge- währen, müßte ja her ZmSftrß auf etwa fünft binbalb Prozent in die Höhe gesetzt weiden. Sollt« vie Entwickluna sich nab dieser Richtung »in vollziehen, so würde der Staat von einer Tasche m di; and-re wirtschaften; er würde ander eilten Seite die Kspital-Nenienffiener ein* nehmen, auf der anderen Seit« aber einen er- pshten Zinsfuß auf seine Anleihen zahlen missen, aller Meier Sehenlen er
ffodb besteht «uf Danzig.
Rotterdam, 1 Avril. [Drabtbettchth So«, boner Blätter melden aus Paris; Marschall Fock erhielt Vollmachten ber alliierten. He pol. Nische nnb Danziger Frage selbständig *u ent> scheiben. Fach besteht ans militärischen Gründen auf dem TranSpurt der polnischetr und alliierten Tntppen über Danzig. — @tn$ anbere Meldung besagt dagegen: Die Pariser Ausgabe eines immer sehr nut über amrrila- nlfdte Ausfassunaen unterrichteten Blattes, bet „Chieaao Tribüne", vom 31. März teilt mit baß Wilson bte Berücksichttaung beS deutschen Standpunktes in ber Danziger Frage voll an/ erkenne Die Truppen würben baher in anbei reu Häfen lanben. Dreißig Schiffe von te acht faufenb Tonnen werben bereit gestellt
Sie ersten Lebensmittel.
Abfahrt ber ersten Transporte.
[Drahtbericht.)
Frankfutt, 1. April.
Rach längeren fchwierigrn Vechandlunge« acht Henle von Rotterdam bererfteTronS- v o r t ber von ber englischen nnb französischer Realerrma an Deutschland verkauften 270 001 Sonnen Leben Smtttel o? Die Senbung besteht hauptsächlich aus Schmalz, Speck und ZonbenRerter Milch.
Kasseler Nemsle Nachrichlm
Hessische Abenbzeltnng