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Hesstsche Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

9. Jahrgang.

Freitag, 21. Marz 1919

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 92

Fernsprecher 951 und 952.

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Spartakus hofft auf einen Weltftreik.

Arbeit oder Untergang

Don

Reichswirtschaftsminister Wissel.

In bet neuesten eankernumn-.ee derSeih». ,l«»r Illustrierten Zeitung", Wie den Titel arbeiten, da« erste Gebot" trägt, ergreift der ReitMtoirttAafiSmintlter Wissel tu dieser Sache da« Wort. Wir geben mit Erlaubet» bH Berlage« von I. I. Weber den «rettet nachstehend wieder: Dunkel liegt die Zukunft vor uns. Niemand ocrmag zu sagen, was sie uns im ein;einen bringen wird. Nur das wissen wir im voraus, daß es keine Zeit sorglosen Lebens feilt wird, daß wir schwer und hart werden arbeiten müfc fen, daß wir weit unter dem wirtschaftlichen und sozialen, Lebensstande der letzten Vor- kriegsssthre stehen werden. Das ist unserem Bott noch nicht hn entferntesten völlig klar ge- worden. Diele meinen, sich jetzt, nachdcnr die Kampfhandlungen eingestellt sind, für die vie­len Entbehrungen der Kriegsjahre schadlos hal­ten und wirtschaftlich erholen zu können. Das gilt auch von den Arbeitern. Umso notwen- diaer ist es, immer und immer wieder auf die überaus ungünstige wirtschaftliche Lage Deutsch­lands hinzuweisen. Wie stehen denn die Dinge? Was wir aufgespeichert hatten an Dingen, die dem Leben des Volkes in irgend einer Art dienten, ist bis auf den letzten Rest aufgebraucht worden. Die Arbeit von über vier Jahren ist, rein völkswirtschaftkich betrachtet, ohne jeden Ertrag geblieben. Ja mehr, mit den Produkten unseres Schaffens in der Kriogszeit sind andere Werte vernichtet worden, die mir wieder ersetzen müssen: in Belgien. Äordfrank- relch iirtt> Scho» deshalb werd'" wir schwerer u,td härter zu arbeiten Haven, als in. der Frie­denszeit. Mit weniger Menschen: denn der Krieg hat der Beste» mvd Leistunzsfäbiysten tiefe zum Opfer gefordert: ganz, indem sie den Tod fanden: teilweise, indem er ihre Erwerbs- Migkoit mehr oder weniger verminderte. Dazu kommen die schweren Wunden, dir der Krieg den Hettugeb-kiebenen schlug. Die durch man­gelnde Ernährung und Arbeitsüberlastung be­wirkte Erhöhung der Sterblichkeit hat die Reitze auch der Heimgebliebenen stark gelichtet. Ein anderer Teil derselben ist gesundheitlich geschä­digt und darum weniger leistungsfaHig. Ein riesingroßer Ausfall der Geburten wird in der Zukunft sich schwer geltend machen. Dazu fontint ferner das Fehlen der früher in Deutsch­land beschäftigten ausländischen Arbeiter.

To ist das größte Nationalvermö- ftett. die menschliche Arbeitskraft, schwer ge­schädigt, im Kern getrosfen. Soweit es roch vorhanden, müssen wir es sorgsam und pfsiaftch behandeln. Das wird nicht in dem MaK möglich fein, wie es nötig ist, denn auch die Gegenwart verlangt ihr Recht, jeder Tag sein Brot und die MrttM, es zu bezahlen. Wo­her sollen wir die letzteren nehmen, wenn nicht aus der Arbeit! Was geschehen konnte, um die Arbeitskraft zu schonen, ist aeschehen: die Ar- betterschutzvorschristen sind wiederhergestellt, der Achtstundentag für alle Arbeiterkateqvrien ein- »eführt Nicht nur zum Schutze der Arbeiten­den allein. Wir mttßten erwarten, daß sich die Ersährimgen aller Zeiten und aller Län­der wiederholen würben, daß nämlich die Ar- bettsinHensität sich steigern, die Leistungsfähia- keit der einzelnen sich erhöhen würde. Me Hoff­nung ist enttäuscht worden. Die Arbeitsleistung ist geringer, der Dreis der Arbeit ein höherer geworden. Ein trief höherer sogar. Ich kenne eie Gründe. Jeder kennt sie Nach den schwe­ren Anstrengungen des Krieges macht sich eine Erschlaffung geltend. Dem Volke gebt es wie form einzelnen. Dagegen ist schwer anzukämp- fcn. lind doch müssen wir es tun. Wir kön-- »en es nicht der Zeft überlassen, daß eine Er­holung von selbst eintritt. Wir gehen sonst zu­grunde, buchstäblich. Wir haben nicht die Nah­rungsmittel bis zur nächsten Ernte. Daran ist kein Zweites. Nur de? Arbeit tarnt sie uns kiefern. Da? Ausland fordert dafür Bezah- lung. Keine Bezahlung. in Papier. Das nimmt r? nicht au. Gold oder Waren, einen andern Kaufpreis gibt es nicht. Ein Kredit wird uns nicht gegeben. Gold können wir aus den Beständ-m Deutschlands nicht entnehmen. Dan« würde jeder, auch der geringste private Kredit An Auslande verloren gehen, soweit er über- tzatcht noch vorhanden ist. Schon jetzt ist gro­ßen. an sich ganz sicheren Firmen dch Auslands- kr-dit gekündigt worden. Das Ausland hat feto Zutrauen zur deutschen Volkswirtschaft «ehr. «

vezahlen können wir nur mit unserer Ar- trtt Haben wir nichts, was wir ausfsihren fetonen, dann können wir die nötigen Lebens- Mkttel nicht eiuführeu. Und wir könnten aus- Ben. Denn wir haben manches, wofür die landskonjunktur gut ist: Kohlen, Kali. Wir en im Land-' und könnten Kohlen aus- »n. Di'' B.'leuchntna wird eingeschränkt, Vasfverrstif den durchgesuhrt. Fabriken müs- |tn Mfiey.'N. weil Kohlen fehlen; der Zugver­

kehr aus demfelben Grunde auf das äußerste eingeschränkt werden. Wo die Kohlenförderung nicht wegen des Fehlens der Arbeiter stockt, tcMen die Beförderungsmittel, sie zu transpor­tieren. Die Erfüllung der Wafienstilkstands- beding'.mgen macht sich hier geltend, aber auch die mangelnde Leistmtgssäbigleit der Waggon- uud Lokomotiv-Fabriken Rieht technische Un- mogilichleiten sind es. die in Frage kommen. Es wird weniger geleistet Und überall Ar­beitslosigkeit. Und überall Arbeitermangel, be­sonders in der Landwirtschaft. Dabei sicht die Frühjahrsbestellung vor der Tür. Ist man sich der furchtbaren Lage, tot der wir uns be­finden. denn gar nicht bewußt? Wir sind in der Lage des Böckers, der seinen eigenen La­den verzehrt und bald nichts mehr Mer den Ladentisch an die Kundschaft zu verkaufen hat. Was an Forderungen gestellt wird, geht heute vom Polksoermögen, vom Eigentum des gan­zen Volkes, nicht vom Eigentum der Kapi­talisten. In unzählige Rinnsale zerfließt es, ungreisbar für die Reichskasse. Dabei müssen wir schon heute von einer von uns zu zah­lenden Kri e asent küä d igun-g gar nicht zu spre­chen jährlich 19 Milliarden Mark aufbrin­gen. Das macht auf den Kops der Bevölkerung, Säuglinge und Kreise eingerechnet, rund 300 Mark, d. b auf eine FamWe von fünf Köpfen 1500 Mark im Jahr. Wie soll das getragen werden? Das kann ein Arbeiter. Beamter, Handwerker irgendwie Proportionen nicht tra­gen. Bleibt die Landwirtschaft die nur einen Bruchteil tragen kann, Handel und Fndustcke Wie sollen diese es? Wtr gehen mit Riesenschritten dem Abgrund entgegen Und die Welt lebt wie tat Taumel. Rur eins kann uns retim: Arbeit. Arv eit upd noch­mals Arbeit. Unfer ' Snfamcrat müssen wir steigern. Hart es. im Arbeiter' Hört es alle, die ihr arbeiten wmtt: Arbeftet? Laßt das alte Korrelat der Unfreiheit fahren. Zeigt euch als freie Männer, zeigt den Willen zur Freiheit' Arbeitet! Sonst geht ibr, wir alle zugrunde!

Bor neuen Streiks.

Hoffnungen auf einen Weltstreik. (Drahtbericht.)

Berlin. 20. März.

Für den von Spartakus und den Un­abhängigen angekündigten neuen ®e> ueralstreik hat die Reichsregierung alle er­forderlichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Allein vor Berlin sind mehr als dreißigtausend Mann zuverlässiger Regierungstruppen zusam- mengezogen. Auch für die übrigen norddeut­schen Großstädte stehen, falls der Generalstreik durch den Spartakusterror diesmal allgemein werden faßte, genügend starke Regie­rungstruppen zur Verfügung, die sowohl Butsche wie Plünderungen verhindern werden. Ein^ Absperrung von Wasser- und Lichtleitungen in den Großstädten wird durch die technischen Trirppen in allen Füllen unwirksam gemacht werden können. Aus unterrichteten Kreisen wird gemeldet, daß Spartakus diesmal Hoffnungen auf einen Weltstreik hegt.

Englische Arbeiter-Forderungen.

Haag, 20. März. (Drahtbericht.) Der Füh­rer der Eisenbahner Thomas, der. wie bereits gemeldet, zu Lloyd George nach Paris gerufen war, erflärte, die Lage fei außerordent­lich e r n st. Die in London zurückgebliebenen Minister besäßen nicht die nötige Machtfülle, um für die Regierung weittragende Entschei­dungen zu treffen, wie solche in den nächsten Tagen zu erwarten sein müßten. Die Haltung der Bergwerksbesitzer und der Eisenbahnver- waltungen fei durchaus nicht entqegenkommen der wie bisher, während andererseits die Bergarbeiter noch energischer wie bisher auf ihren Forderungen beharren und auch die Eisenbahner nicht die ne riTratte Neigung zeigen. Zugeständnisse zu ma­chen. Nach Londoner Pressemeldimgen steht die Proklamation des General­streiks der englischen Bergarbei­ter, Eisenbahn- und Transportar- beiter für kommenden Samstag bevor. Der Führer der Eisenbahner erflärte, daß England eine Arbeiterregierung haben müsse, welche ausschließlich nur auf das Recht aufgebaut ist.

Vie Bewegung in Frankreich.

Genf, 20. März. (Drabtbericht.) Ans Pa­ris wird gemeldet: Fn der sranzösifchen Arbeiterschaft zeigt sich eine starke Strömung zugunsten des Ackt-Stundeitta- ges. Neben dem Bergarbeiterverband, der be­kanntlich zur Einführung des Ackt-Stunden- taaes eine Frist bis zum 1. Mai gestellt bat, verlangen auch die Stiener Gewerk­schaften und die Metallarbeiter timt St. Etienne die achtstündige Arbeitszeit. Eine

Gewerkschaftsversammlung in Versailles for- Verte die unverzügliche und völlige Demobili- safton aller Fahresklassen.

Anruhen in Belgien.

Bern, 20. März. (Drahtbericht.) Die fran­zösische .Presse gibt unumwunden die Un­ruh e n i n B e l g i e n zu. Zn dem Industrie­zentrum von Eockerill und anderen großen Hüt­tenwerken sind die Arbeiter vollzählig in den Streik getreten. Dem Streik haben sich mrch einzelne Kohlengruben ange- schlvssen. Die sozialistischen und christlichen Gewerkschaften, denen auch die nMt organisier­ten Arbeiter unterstehen, unterstützen den Streik.

Nichts für Streikende!

Bern. 20. März. (Drabtbericht.) Londoner Blätter melden die Abreise einer Alliiertem Komurission nach Deutschland, um die Nicht­ausgabe von Lebensmitteln an S treikende zu kontrollieren. Die Kommis- ston besteht aus 82 Mitgliedern.

Sie 8ntentr°Bttat««gen.

Bor wichtigen Entscheidungen.

(DrahSerichr.l

Genf. 20. Mir,.

Eine Havasdepesche vom Mittwoch früh meldet: Die Allüertenkonftrenz stehe vor wichtigen Entscheidungen über ter­ritoriale Fragen. Man zeige das Be­streben, die Beratungen unter allen Umständen mit Ablauf der kommenden Woche zu Ende zu bringen. Im unmittelbaren Anschluß daran fft die Bekanntgabe der Borfriedens-Be- dingungen an Deutschland ,u erwarten.

Gemilderte Forderungen.

Rotterdam, 20. März. (Drahtbericht.) Nach einem Londoner Telegramm am Dienstag er­flärte Balfour im Unterhause, daß die eng­lischen Dominions auf die Rückerstattung der Kriegskosten durch das Mutterland Verzicht geleistet haben. Aus diesem Grunde sei auch die Reduzierung der Forderungen Englands an Deutschland möglich ge­worden. England beabsichtigt nicht, von Deutschland die Wiedererstattung seiner gesam­ten Kriegskosten zu verlangen. Die Ver­bandskonferenz bat die finanziellen Zahlungs- verpflickttmgen Deuffchlands auf 35 Jahre verteilt. Es ist mit jährlichen Abgaben DeutsMands in Höhe von sechs Milliar­den Franken zu rechnen, die teils in bar, teils in Werten zu liefern sind.

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Deutschlands Eutwsffnung.

Genf. 20. Marz. (Drahtbericht.) Die Kon­trolle über die Entwaffnung Deutsch­lands kann nicht über den Tag hinaus auf­recht erhalten werden, an dem Deutschland "sämtliche Friedensbedinguugen erfüllt haben wird. AuS diesem Gesichtspunkt ergibt sich für di« Konftrenz. daß vom Augenblick des Frie­densschlusses an bis zur Erfüllung der letzten Friedensbedingungen die Kontrolle über die deutsche Armee nur durch diplomatisch akredi- Kerte Vertreter der einzelnen Alliierten aus- geübt werden kann. Es scheint, daß diese Re­gelung von der Konferenz anerkannt worden ist, denn e« wurde weiterhin der Grundsatz ausdrücklich aufgestellt, daß mit Friedens­schluß der Völkerbund in Kraft tritt und die Gewähr dafür übernehmen soll, daß Deutschland ebenso wie die übrigen MB- alicder aus die Unterhaltung einer »roßen Ar­mee verzichte. Nachdem Llotid George aus Wunsch der übrigen Konferenzmitglieder feine Reise nach London verschoben hat, ist es wahr­scheinlich. daß die E n t sch e i d u n g am F r e i- tag oder spätestens Samstag erfolgen wird.

Die VSlkerbund.Frage,

Genf. 20. März. (Drahtbericht.) Zwei Pa­riser Blätter bringen gleichlautende Jnformatt- onen. wonach sich die Mehrzahl der AMerten für den Wilfonschen Antrag ausge­sprochen habe, die Grundzüge des Völ­kerbundes mit dem bevorstehenden end­gültigen Friedensvertrag zu verbinden. Nach anderen Meldungen bestehen indes die Gegensätze immer noch fort.

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Ausfahrt aus -obokou.

Genf, 20. März. (Drahtbersthk). Aus New- yok^wird gemeldet: In Hoboken sind die Docks für die Aufnahme der deutschen Lebensmittel - dampser in Bereiffchast gesetzt. Aus Hoboken sind bereits zweiundvierzig Damp« f e r verschiedener Rationen nach Rotterdam ausgelaufen. Die Schiffsversicherungen i nehmen seit dem 17. M ärz wieder Versicherun-1 gen für Transporte nach deutschen Höfen an. I

Preußen-Tagung.

Ablehnung des Antrages Hoffmann. (Drahtbericht.)

Berlin, 19. MärH

Nachdem zu Beginn der gestrigen Sitzung eine Anzahl kleine Anfragen auf eure gelegener« Zeit vertagt werden war, tarn es zur Abstim­mung über den Antrag Hoffmann. Dieser An­trag auf Au fhebuug des Belagerungtz- zustandes wird in einfacher, der Antrag auf Einsetzung einer llntersuchungistomnnssion, be­stehend ans Mitgliedern der Landest) er samnd- lung itnti des Vollzugsrates, in namentffcher Abstimmung mit 22 gegen 342 Stimmen ab- gelehnt. (Stürmische Heiterkeit, Bravorufe und Händeklatschen ruft es hervor, als Adolf Hoffmann in seine Akten vertteft, aus der Ge­wohnheit heraus mit einem energischen Nein gegen seinen eigenen Antrag stimm!.» Der An. trag der M e h r h e i t s f o z i a l i st e n auf Ein. sitzung einer Kommission von 21 Mitgliedern, die gemäß Artikel 82 der alten Verfassung die Ursachen für die Unruhen und den Verlauf der Berliner Märzunruheu feststellen und zu die- fern Zweck das Reckt der Einsicht in die ge­richtlichen Akten haben soll, wird ein stim­migangenommen, und zwar gemäß dem Antrag GrouowsR (Ztr.) unter Ausdehnung, der beantragten Feststellung auch auf Unruhen in anderen Teilen Preußens während des Jah­res. Ein Antrag Dr. v. Kriß (Deutschnativ- nat) und Gen. ersucht die Regierung. dahin zu wirken, daß die.polnischerseits verhafteten Mit­glieder der LandeLversammluna schleunigst freigelassen werden. Ministerpräsident Hirsch: Die Regierung hat alles versucht, die als Gei- scln von den Polen zurückgehaNenen Abgeord­neten zu- befreien, wider erfolglos. (Hört? Hört!) Unmittelbare Anfragen an die Polen sind unbeantitoerriet geblieben. Auch auf unser Ersuchen bet der interalliierten Kommis« s i o n, auf sofortiige Freigabe der Abgeordne­ten hinzuwirken, ist bisher eine Antwort nicht eingegangen. Wft werden natür­lich unsere Bemühungen fortsitzen. Aba. Aronsohn (Demokr.) legt der Regierung nahe, die Verhandlungen mit dem Osten adzUbrechen. wenn sie keine Antwort bekomme. Diese Set* Handlungen könnten wir uns nicht gefallen las­sen. (Sehr richtig?) Abg. Fräulein Pöhl- mann (Deutsche PoWsvartei): Wir erwarten von der Regierung, daß sie mit der erforder­lichen Energie vorgeht, um die zurückgehaltenen Abgeordneten zu befreien. (Beitall rechts.) Abg. Lichtenstein (U. S.): Auch wir verwer­fen die widerrechtliche Zurückhaltung der Mbye- ordueten. Man muß aber auch kragen, tote es kommt. Es kommt daher, daß von der frühe­ren preußischen Regierung gegen führende pol­nische Persönlichkeiten früher ganz gleichartige Mittel angswendet worden sind.Abg. Maise, (Ztr.) erklärt sich fiir den Antrag, Der Antrag wird einstimurig angenommen.

Es folgt die zweite Beratung deS vorläufigen VerfassungSentwur- f c s, Berichterstatter Dr. Heilbrunn (Demokr.) berichtet über die Llusffchnßveihandlnngen. Dir vorgeschlagenen Aenderunaen lassen die Grund­lagen des Entwurfes unberührt. Insbesondere bleibt der Verzicht ans einen eigenen Staats­präsidenten und die Beruftlng der Regierung durch dcn Präsidenten der verfassunggebenden Landesversammlung bestehen. Abg. Heilmann (Soz.) wendet sich gegen einen Antrag der Nn- abhängiaen, wonach die Gesetzgebung durch dte Landesversamntluug in Uedereinsttomnung mtt der Zentralstelle der A.- und S.-Räte erfolgt. Das sei eine Art von Zweikam­mersystem und es fei nnmöMh^ in allen Fällen des Zwiespalts zwischen diesen Körper­schaften nach dem WAen der Unabhängigen zur Volksabstimmung zu schreiten. Die AuS« schnßfassung des Paragraphen 1, wonach dr* Landesvers.rmmlung allein btt Inhaberin der gesetzgeberischen urrd vollziehenden Staatsge­walt ist, muß daher anfrechi erhalten bleiben. Das Rätesvsiem verewigt nach Kmttsky den Bruderkrieg unter den Arbettern. Abg. Zehnhaff (Ztr.) erklärt sich ebenfalls gegen den Antrag der Unabhämgiigen, ebenso gegen einen Antrag der Rechten, tot der Verfassung das Wort .Repnbffft' zu streichen. Abg. Dr. Kehler (Dentschnatl.) begründet den Antrag aus Strei­chung des Wortes RepN'bkik. Abg. Dr. Rosenfeld (U. S.): Dieses Wort besagt, daß die Hohen- zollern ein- für allemal abgesetzt sein sollen. Aber w« beantragen, der Sicherheit wegen, auch diese Absetzung tot der Serfaffmrg noch besonders festzulegen. Abg. Dr. Friedberg (Demokr.): Es ist sehr erfreirksth, daß der Aus­schuß eine Fassung genommen hat, wonach W gesetzgeberische und vollziehende Gewalt au** schließlich dieser Landesversammttmg zusiehen soll. Das Nätespftem. dieses Be-usswahlsysiem ist etoe ganz reaktionäre Einrichttrng, die Iti*- ablehnen. Die Ungbhänaigen wollen brma! Gewalt. Wenn man sagt, daß drcifttn Re­publik sei, so genügt das voMommen. Abg Heil, ntmtn (Soz.): Wenn wir m Paragraph i sagen: