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Kasseler Neueste Nachrich

Kasseler Abendzeitung

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N«mm»r 91.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 20. März 1919.

9. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Baldige Lebensmittel-Lieferung in Aussicht.

Preußen» Parlament.

Partei - Gruppierungen.

Seit einigen Tagen ist nun die verfassung- zebende preußische Landesverfammlung in Tä­tigkeit. Eine Zeitlang schien es, als sollte die­ses Parlauient für lange Zeit hinaus überhaupt nicht zur Aktionsfähigkeit kommen. Schon ein­mal rnußte seine Einberufung verschoben wer­den, weil m den Straßen Berlins der Bürger­krieg tobte, und mm ist es doch zusammenge- iroten, noch ehe die letzten Spuren blutschwerer Kämpfe in Berlin verwischt wurden. Alles deutet auf eine nervöse Spannung und Er­regung hin. Schon die äußere Ausmachung zeigt, unter welchen kritischen Zeitumständen wir leben. Ganz Berkin gleicht hertte, auch' tonnt der Ausstand fürs erste niedergeschlagen ist, einem Pulverfaß, unter dem eine mit Zeit- zündu-ng versehene Lunte sich befindet. Kaum, daß die Schrecken, die Berlin nun schon so ost erlebt hat, sich einigermaßen zu legen be- anuten, hören wir schon wieder Drohungen, daß es demnächst ja noch qanj anders losgehe. Als nächster Zeitpunkt für die Putsche wird der 26. März, der Tag des Zusammentritts des Reichs-Kongresses der Arbeiter- und S-sl- datenräte in Berlin» genannt Tie A'bsperrnn- gcn, die ringS um die Gebäude des preußi­schen Parlamentes am Eröffnungstage vorge- uommen worden sind, lassen alles hinter sich, was wir in Berlin erlebt haben Alle Straßen­zugänge sind mit Postenketten gesperrt. Sämt­liche Eingänge werden von einer fünf- bis sechsfachen Kette von bewaffneten Soldaten, von uniformierten Polizei- und Kriminal-Be­amten b"wacht. Bis man aber zu dem beruf­lich zustehenden Platze cm Saale selbst kommt, hat man abermals eine ganze Reihe strenger Absperrungsketten zu passieren. Das Blutbad in der bayerischen Landesveriammlung hat den Anlaß und den Vorwand für die tragikomi­schen Maßnahmen gegeben.

Den Sitzungssaal selbst kennt man kaum wieder. Aeußerlich ist er nach der Dollzngsrat- herrschast bis auf einige Schrammen und Beu­len noch der Gleiche. Aber der Inhalt dieses Saales ist ein völlig veränderter. Die Parteien sind völlig nmgekrempelt, was, zahlenmäßitz gesehen, einst rechts saß, sitzt mm links. Die Zwifchenparteien haben einige Federn lasten muffen und nur das Zentrum erweist sich wieder als der feste Pol in der Erscheinungen Flucht. Es ist nur etwas weiter nach rechts hinübergerutscht. Mehr noch als in ter deut­schen Nationalversammlung macht sich in die­ser preußischen Landesversanrmlnna der Um­stand geltend, daß eine große Anzahl von Per- sönliMeiten teiluimmt, die mit parlamen­tarischen Gepflogenheiten noch ganz und gar nicht vertraut ist. Die Gepflo­genheiten von Parteiversammlungen gehen vielfach um. Das weibliche Element ist erheb­lich vertreten. Di« führeilden. auS dem alten Preußenparlamente Mannten Köpfe sind nicht allzu zahlreich wirdergekehrt. Am melften und auch Wehl am unangenehmsten fällt Adolf Hoffmann auf. Er «At sich auch jetzt wieder die allergrößte Mühe, durch fein ganzes Be- rühmen und durch feine geistreichen Zwischen­rufe den Nachweis zu erbringen, welche nnge- -euechiche Beleidigung von Millionen deutscher Volksgenossen es war, diesen Mann an die Spitze des preußischen Kultusministeriums zu stellen

lieber die kommenden Parteikon­stellationen im neuen Preußenhanse sind gegenwärtig noch keinerlei feste Gesichtspunkte zn gewinnen. Das Zentrum wird der neuen vreußssichen Regierung seine Teilnahme und Mtwirkunq versagen, wenn die Sozialdemo- kraten auf ihrem schroffen Standpunkt der Ver- ivelckickmng der Schulen beh-wren, und wenn si« den vom Zentrum mit ganz besonderer Sorgfalt behandelten kulturpolitischen Fragen nicht eine größere Nachgiebiokeit '.blaen In dieser Hinsicht sind die Sozial-- hrotofmten Preußens viel schroffer und schär- kkr als die der Nationalversammkimg. Das er­klärt sich daraus, daß die eigentlichen Kultur- ftorten nicht im Reiche, sondern im Lantzes- Vorlament ausgetragen kyrd gelöst werden WÜsten. Das Zentrum andererseits kann mit NASsicht auf die hinte^ ihm stehenden Wähler- rarsten unmöglich in eine Rogrerm:g eintreien, welche feinen Anffaffimgen in tiefen Tinten die schärfsten K a mp f an sagen führt. Mrd aber das Zentrum an der Regiernne.s- bikouag sich nicht beteiligen. so wird da? für d'tz Parteibildung km Reich die notwendige' MichwirlnW h.iben müssen, daß das Zentrum «mch ans der Reichsleitung und dem R-sichS- febrnett feine setzt dort befindlichen drei Mit» stKoder hinouszieben würde. D»S wieder «küßte zu Gruppierungen der Rc.tisn'.kver- ssmmlmtzg und zu'einer Linienführung fn der Peichspolttik führen, die von ter allergrößten iHedeutung die gesamte fünft kre parsamen- tarif&e Arbeit sein müßte. Dazu kommen noch Wrraiv anderen Erkcheinvngen, die den Pcli-

tiker aus nahenden Sturm aufmerksam machen. Wir fürchten fehr. daß die Zeit der inneren Ruhe noch nicht gekommen ist, daß wir nod) manche heftige Krise zu siibertwrnden haben rveoden, bis dem Ziele allin Parlamentarismus der echten und wahren Demokratie die Wogt geebnet sein werden. Dr. Kr.

Nie Lebessmittel.

Baldige Lieferung in Aussicht. (Drahtbericht.)

Rotterdam, 19. März.

Au Lebensmitteln, die Deutschland ausgelie­fert werden sollen, lagern hier zurzeit hundertfünf zigtan send Kisten kon- Denfierter MiIch und rund dreitau­send Tonnen Schweinefleisch, deren Beschaffenheit gestern zum erftenm-rle überprüft wurde. Ni an hofft, das? die crfte Sendung noch diese Woche Rotterdam verlassen werde. Ter Tag ist noch nicht festgesetzt, da alle? noch von der finanziellen Regelung der Angelegenheit abhängt. Es kommen täglich neue Schiffe mit Fleischwaren und kondensier­ter Milch im Rotterdamer Hafen an und man rechnet damit, daß das vorläufig festgesetzte dunnhtm von dreitzigtansend Tonnen Fett bezw. Fleisch und 250 000 Kisten Milch b i s zur nnchsteitz Woche hier angekom- men sein wird. Die anderen Lebensmittel aus Frankreich und Amerika sind unterwegs. Die Verteilung der Lebensmittel wird von hier ans festgelegt. Tie Sendungen iverdcn zu Wasser und mit der Eisenbahn weitergeleitet.

Möglichkeit sofortiger Lieferung.

Amsterdam, 19. März. (Drahtbericht.) Einer Pariser Meldung zufolge sind in Hinsicht aus die Lieferung der ersten 270000 Tonnen Le­bensmittel für Deutschland von den verschie­denen allierten Regierungen als sofort lie­ferbar angegeben worden: Von der briti­schen Regierung 30 000 Tonnen Speck, zehntau­send Tonnen kondensierte Milch, zwanzigtau­send Tonmtn Pflanzenöl, 2000 Tonnen Marga­rine, 2000 Tonnen Bratensett, 35 000 Tonnen Reis, 50000 Tonnen Nangoou-Bohtten, 15000 Tannen Hafermehl, 10000 Tonnen Gersten-- und Roqgenmehl: von der ftanzöUchen Regierung Kavliüu, TapwoamM, 50000 Donnen Palm- fente, die schätzungsweise 15 060 Tonnen Palmöl enthalten- von Vorräten der amerikam- sihen Korugrsellschafi in Europa 40 000 Tonnen Weizenmehl, 20 000 Tonnen andere Meblsorien und 30000 Tonnen Roggen. Einem Rvtter- damer Watt zufolge wird die erste Sen- tung von Lehens Mitteln nach Deutschland in Höh-.- von vrei'hunder!tausend Tonnen inner­halb zwanzig Tagen geliefert und von Rotterdam aus verschisst werden.

EtzU»eiteru«g des Abkommens?

Genf, 19. März. (TrahWerrcht.) Aus New-- vork wind gemeldet: Dis Börse rechnet mit einer Erweitern na des Lebensmittel- a b k o m m -- n s zur Versorgung ter Mittel- mSchte, nachdem die südamerÄanischen Staaten die Wi^terzitlassnug direkter Transporte mit den mitteleuropäischen Häfen beantragt haben.

Die deutschen Schiffe.

Hamburg, 19. März. (DrahtDericht.) Gegen­wärtig sind etwa fünfzig deutfche Han- delsdamvfer instand gefetzt. Sie ha­ben die Werft bereits verlassen. Die Jnftand- setzungsarbeften werden eifrig fortaesetzt, um keine Verzögerung in der Ausfahrt eintreten zu lassen. Schwierigkeiten bereitet nur noch die-Bekohlung der Schiffe. Hier dürsten o-ie Störungen, die die Streiks der Bergleute verursacht haben, noch einige Wochen in Erscheinung treten. In ter Abfer- ti-gttNZ der ersten Staffel der Lebeiismfttel- trnnsportschisse dürften leine Schwierigkeiten entstellen. Ruch in Bremerhaven werden eine Anzahl Schiss: für Lebensmitteltransporte mit Beschleunigung instand gesetzt. Die erste Staf­fel von zwölf Dampfern verläßt schon am kommenden Montag Bremerhaven.

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Für und gegen Blochade-Aufheöuug.

Rotterdam, 19. März. (Drahtbericht.) Nach Londoner Meldungen wird Lloyd George om driitzen April vorläufig nach England rirröckkehreit, um die gesetzgeberischen Maßnah­men. für die völlige A u f h e b u n a der Blockade vor zn-bereiten. Nn der Aushebung der Gcsamkblockade sirr den ersten Mai ist nicht mehr z« iweiseln. Ein Pariser Bfick! mel­det ans London: Die enMschen Sck-.jfahrts- tinien zeigen die Wiederaufnahme von Trans- Vörden nach deutschen Häfen « den ersten Mat

au. Ein Mideres Blatt meldet: Die fran- zöstschen Handelskammern haben eine Reso­lution angenommen, die eine Sperrung des Hand elsverkehrs <ms Frankreich mit Deutschland für die ersten zwei Jahre nach dem Friedensschlnß ausspricht.

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Ablehnung des Diktat.FriedenS.

Wien. 19. März. (Drahtbericht.) In hiesi­gen deutschen diplomatischen Kreisen erivartet man. falls die Friedensbedingungen des Ver­bandes für Deutschland einen Diktatfrie­den bedeuten, daß die Berliner Regie­rung bestimmt ablehnen wird. Worauf der Verband den Weg der Verhandlungen be­schreiten dürste, von deren geschickter Durchfüh­rung der endgültige Ausfall des Friedensver­trages für das Deutsche Reich abhängt.

Wilson steht oSeiv.

Die öffentliche Meinung als Bundesgeiwffc. (Drahtberichr.)

Genf, 19. März.

Präsident Wilson steht auf der Frie­denskonferenz von setzt an einer geschlos­senen Mehrheit gegenüber. Er steht allem Anscheine nach gänzlich allein: denn Japan, das in den KomnnssionSverhandlim- gen über die europäischen GebietSverhandlün- gen keinen Anteil genommen hat, hält sich vor­läufig bei Seite. Der einzige Bundes­genosse, mit dem Wilson rechnen kann, ist die öffentliche Meinung in feinem eigenen Lande und in den durch den Ke-eg er­schöpften Staaten Europas. Die Presse der äussersten Sinken in Frankreich, die durch die Zensur Clemeneeaus behindert wird, die fron« «ösiskbe Annexionspolitik direkt zu bekämvfen, klammert sich in rührender Hingabe an Wilson an. Um ihn zu ermuntern und ihm begreiflich zu machen, dass das fran.züsische Volk in seiner Mehrheit nicht von den dmch den Krieg er­zeugten Leidenschaften befangen ist, oder nur auf se-nen Ruf wartet. Um steh der Politik der Versöhnung der Nationen »nd der allgemeinen Abrüstung anzuschließen. Diese Sprache führen nicht nur die sozialistischen Blätter, sondern auch die radikalen Zeitimgen. Auch in der Provin.zprcffe kommt die Spaltung der Geister, die stch in der öffentlichen Meinung herausgebildet hat. unzweideutig zum Aus­druck. Sie verkündet stch in der Frage: Wird Wilson fierten, oder wird Europa in die Voli- 3 der Alliancen, der Rivalitäten und Kriegs- ünngcn zurückfallen. die zu neuen Kriegen führen müssen? Es ist nicht anz'mchmen. dass Wilson sich beugen lässt, denn er hat bewiesen, dass er nicht ein vom Glauben seiner Mis­sion überzeugter Optimist ist. sondern auch ein arosser Menschenkenner und ein gewiegter Po­litiker. Er ist ohne Zweifel davon über- zeugt.dasssein FriedenSProgramm widerstandsfähiger ist als da? gante Gerede der Entente-Diplomatie, da? in lei­dem Falle einer öffentlichen Kritik widerstehe.

Gibt FranSreich «ach?

Lugano, 19. März. (Drahtbericht.) Ein Mailänder Blatt gibt folgende Mitteilung deS führenden Manchester Blattes aus Paris wie­der: Zwischen den Verbündeten sei bezüglich der Friedenspräliminarien volle Aebereinstimmung erzielt worden. Frankreich Habe auf feine Forderung auf Bildung eines linksrheinischen Pufferstaates verzichtet und sich mit der Bereinigung Dentsch-Oe st er­reich S mit Deutschland einverstan­den (?) erklärt. Das Taargebiet'werdc nur feine Bergwerkserzeugnisse an Frankreich ausliefern müssen, ohne aber sonst irgendwie angegliedert zu werden.

Beschleunigung bei Friedens.

Zürich. 19. März. (Drahtbericht.) Die ..Seite Züricher Zeitung" meldet von der ita­lienischen Grenze: Frankreich und England be­antragten nach Mailänder Drahtberichten die Beschleunigung des Friedens­schlusses mit Deutschland, auch wenn um dieser Beschleunigung Willen die Lösung der öRerreiefifcM;irth"Aen Fragen verschoben werden müßte. Es erscheint fraglich, ob Wilson diesem Wunsche uackaibt. Ein befchlemiigter Präliminarfrieden mit Deutschland würde die Aufnahme der Völkerbundsverfaffung in dem Friedm.kvertraa erschweren, wenn nicht mmrög- fidi machen. Dw A ssnahme der Vr^kerbund- verkaffung will Wilson aber al? das wi-tsamste Mittel vm die vr-r-mSzusehenchen Hörten der ^rkdensbedinanngen zu mi^ern und eine deutsche Rachepolitik zu verhindern.

Warum der Kaiser ging?

Eine Erklärung HindenjburgS.

(DrAhtbericht.f

Berlin, 18. März.

Ans dem Großen Hauptgu-artrer in Kolberg kommt folgende Aiitterlung: .Die öffentlich« Meinung hat sich in letzter Zeit wieder ver­mehrt mit der Frage, warum der Kaiser nach Hollanv ging, beschäftigt. Um falscher Beur­teilung vorzulbeusen, bemerke ich zur Sach« folgendes:

Ws am 9. November der Reichskanzler Prinz Max von Baden die Abdankung Seine« Acajestät des Kaisers und Königs ohne dessen vorherige Einverständniserkläru-n« veröffent­lichte, war das beutifdie Heer nicht geschlagen, aber seine Kräfte schwanden dahin, während der Feind feische Missen ju weiteren Angrif­fen bereit stellte. Der Abschluß des Waffen- stillstandes stand unmittelbar bevor. In diesem Augenblick höchster militärischer Sp-annirnq brach in Deutschland die Revolution aus. Die Aufständisch-en bemcickitigteu sich im Rücken des Heeres der Rhei-n-brücken, wichtiger Diagazine und Verkehrspnnkte. Dadurch wurde die An. führung von Mnnitisn und Verpflegung ge­fährdet, während die Bestände der Truppen nur noch für wenige Tage ausreichten. Du Etappen- und Ersatztruvpeu lösten sich auf. Auch über die Zuverlafsigkeft des eigeutRchev Feldheeres liefen ungünstige Meldungen ein.

Angesichts dieser Lage war eine fried­liche Rückkehr des Kaifers im die Heb mat nicht mehr denkbar. Sie konnte nm noch an der Spitze treuer Truppen erzwungen werden Der völlige Zusammenbruch Deutsch» land-s war dann unvermeidlich, hätte sich doch zum Kampfe mit den zweifellos nackdrängen- den äußeren Feinden der Bürgerkrieg gesellt.

Der Kaiser konnte sich ferner zur fechtenden Truppe begeben, um an deren Spitze in einem letzten Angriff den Tod zu fttchen. Auch da­durch wäre der vom Volke heiß ersehnte Was- sensiillstand hinausgeschv-ben und das Leben vieler Soldaten nutzlos geopfert worden. Der Kaifer konnte endlich außer Landes gehen. Er wählte diesen Weg im Einverständnis Mit sei­nen Ratgebern nach unendlich schweren Seelen- kämpfen lediglich in der Hoffnung, dadurch dem Vaterland am treuesten zu dienen. Deutschland Weitere Verluste, Not und Elend $u ersparen, ihm Frieden, Ruhe und Ordnung zurückzu- aeben. Daß der Kaiser sich in diesem Glauben geirrt hat, ist wicht die Schuld Seiner Majestät^

Kolberg. 17. Akärz 1919. v. Hindenburg.

Bon den neuen Steuern.

Abbürdung der Reichsschulden.

(Drahtberichr.)

Berlin. 19. März.

Die Deutsche Allgemeine Zeitung schreibt! Die Vordereitun« der neuen Steuern deS Reichest ist nunmehr soweit gefördert, daß da. mir begonnen werden tarnt, die einzelnen Ent­würfe je nach ihrer Fertigstellung dem Staa- tenaussckxuß zu überreichen, dcmrit sie möglichst schnell von ihm an die Nationalregierung ge­langen. Tas ist umso mehr erstrebenswert, als es bringend erwünscht erscheint, in finanzieller Hinsicht die Kriegswirtschaft avAU- bauen und ans dem Schwebezustand emc8 überaus stark angespannten Kredits zu einet energischen Abbürdung der Reichs- schulden und zur gerechten Verteilung der Steuerlasten überzugehen. Zunächst iverden dem Staatenansschnß die Entwürfe einer Kriegs» abgabe für 1919, einer Vermögenszu­wach s st e n e r, einer Kapitalertrags- steuer einer Grundwechfel-Abgabe, einer Vergnügungssteuer, einer The­atersteuer und einer Spielkarten­steuer beschäftigen. Hierzu wird unter an­deren der Entwurf einer Erbschafts­steuer in kurzem hinzutreten. Weitere Gesetz­entwürfe werden im allgemeinen folgen und das ganze Werk soll durch die große Ver- m ö g e n s.a b g r b e gekrönt werden, lieber die Verteilung der steuerlichen Belastung ist. wenn man nacki dem voraussichtlichen Ertrag der einzelnen Steuern urteilt, zu sagen, daß sie im ganzen überwiegend direkte sein werden, während die indirekten Abgaben nur eine vergleichsweise geringfügige Rolle spielen werden. Der völlige Zusammenbruch Deutsch. Schiffer in feiner bekannten Rede in der Han­delskammer vertretenen Plan, dem sich die da­malige vrovksorifche Regientng in ihrer Verös- fintlichlMg vom 31. Dezember 1918 ange= schlossen hat.

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Der Mehrerkrag.

Berlin, 19. März. (Drahtbericht.) Wie wir zuverlässig erfahren, sehen die neuen Steuervorlagen, die der Nationalver- sammlung vorgelegt werden sollen, jährliche