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des

Kasseler Abendzeitung

S. Jahrgang.

Rtrnfprecber 951 und 952.

Donnerstag, 6. Marz 1919

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 79.

SU Safi der Sleeef.tn Rachrtcht«, erldjtüien wücbentlto ftd;»ma; und »war e d tut t In Monn-wenlSrrdr betreut monatl I.2U J att lei hreitr RufieUun» in« Hau« Bef.eUunoen werd«, jeder,»« Dar. der «etoä'tifieae eiet Ben Bolen entkegensen-mmen. * rudere,, «tri« und Redattim. S»ta»t6»<Rrate »A». 50- mwerlan-a elneefanbte ®eilicpe tonn die SRetattiGii eine Beraniwortunp ober Gewähr in feinem Zolle »vernehmen Siud!o» -B Bczugsgeidk« oberamprüdic wegen eiwaipern-chtordnungsni-b «er Lee .rar ^u.yc chioNe

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ssckr Neueste Mchrichtm

1 " Hessische Abendzeitung ___________

Bet Höhepunkt des Streits noch nicht erreicht.

NcherMtwoch.

Wetterwolken über Deutschland.

Wie der Himmel sich grau in grau matt und k-on lastendern Gewölk übersponnen ift, des alles in Betrübnis füllt, so trostlos dunkel sehen wir die Zukunft eines Landes, das nocr- reich an Schätze», berufen war. von seinem Reichtum einer Welt aE'Ziigrbon; eines Volkes, das froh in Arbeitlust und starkem Wollen einer großen Pflicht 3nm Lichte stieg. Wo bist du. deutsches Land, und du, oeuffches Volks sn -sitnwn, die wir immer an dich glauben und immer auf dick hoffen wollen, wir suchen dich in® senden: dick nicht mehr! Jetzt nicht mebr: und sehnen dock mit Inbrunst ernt Zeit herchef, da du wieder zur Ruhe und in ihr zur straft finden möchtest. Wann wird das fei*n? Keiner ringsum gibt Antwort ... Das Echo aber, das auf diese bangen Fragen tönt, es macht uns schaudern Streikflammen loben auf. Kaum sind Regier'.Mgstruppen hier und da, an anderer Stelle schlagen Feuers­brünste. Draußen vor dem Feind floß glicht des Muts genug: nun färbt es hier die Stra­fen. m Halle, in Gotha, in Erfurt, oder Beistu. In Weimar sitzt die Regierung auf ihrer Insel, sturmumheutt: sie schlägt nach HtzDrakovsen: Wenn einer siel, neun wachsen gleich aufs neue. So geht das fort nach Mon­den schon! Und wann wird aller Spukschreck enden? Mr fürchten, jetzt erst fängt er an. Berlin tobt wieder einmal: und Weimar macht Zugeständnisse: Die Sozialisierung ist im Marsch. Und die A.- und S.-Rüte sollen kei- neAweas fallen; Betriebsräte sollen aus pichst""werden^ --r . W irttch« ksts Par­lament. Es konnte Gutes draus em. v.rn Aber wird Sstar takisien-Unersältlichleit damit zufrieden sein? Weimar gegenüber, das in der Rätefrage gestern sagteNein" und heuteJa" ? Wir vermögen nicht daran zu glauben?

Und wie wir uns zerfleischen, triumphiert der Feind. Was vier lange Hungerjahre nicht vermochten, uns völlig zu zerdrechem jetzt tuns vier Monate. Wir zerbrechen uns selbst. Wäre unsere Regierung stark und hätte sie die Kraft, das Volk, das um sich schlagend auseinander­strebt, durch mächtigen Geilst und große Tat geschloffen zu erhalten, dann möchte es wohl fein, daß auch der Feind uns Achtung nicht versagen könnte. Jetzt tritt er uns mit Fü­ßen, wie einen räudigen Hund; weil wir uns selbst verächtlich machen. Als die Franzosen in die Pfalz und an den Rhein kamen, Werten deutsche Mädchen brrhlenid um sie. Man nahm was sich bot. Die Feinde aber hinter den blau-weiß-roten Pfählen hatten nur ein Aus- fpurken vor soviel Niedertracht: Schamlosigkeit mach sich breit, hier wie dort im deutschen Land. Ein anderes Beispiel: EinFastnachtsverein" fn einer rheinischen Stadt bat den englischen Stadtkommandanten, einen großenNarren- ball" abhalten zu dürfen. Ter lehnte prompt, wie sich? iwhört, ab. Was mag in dem Den­ken und Fühlen jenes Offiziers wobl vorgegan- gen sein? Er weiß doch auch, was jeder wis­sen muß. daß Deutschland ohnmächtig am Bo­ten lieai und daß der Hunger an den Resten unserer'Kraft frißt, und daß der Wirrwarr im Inneren völlig zerstört, was noch hätte leben können: er sieht die Schläge hageldicht aus Deutschland niedersausen, sieht, wie Shvlok Po­fen sein Pfund Fleisch ans deutschem Leb-n schneidet, siebt, wie Frank reih sinnlos Racke erintt ... sieht Ruin und Untergang. Und Das will tanzen! Will tanzen über tote Brü­her und Väter hinweg! Unbekümmert tsm das immer noch drohende Hungergespenst, um Raub ,md Mord und Brandschatzung im deutschen Land. Kann der Feind bessere? als Verachtung misbringen? Ein hartes Nein!

Das tanzt und trinkt und amüsiert sich nm Preis; und raffelt mit der Narrmvritsche. Hört nicht das Pfeifen ber Peitschenhiebe über Sen eigenen Köpfen. Läuft auf Stöckelschuhen und in Seidensähnchen, mit dünnen, zierlichen Strümpfen darunter, und lackt. Und wer es sieht vom Feinde, soll der glauben, daß dies das hungernde deutsche Volk ist? Es ist widerwärtig, solch Treiben zu sehen wenn man nüchtern, voller Sorgen zur Arbeit . cht. Und Soldaten sieht man. im Wasfenrock mit Rar- ren mützen' Wohin steuerft du. zertretenes Deutschland, verblendetes Volk? Zum Ab- antnd wenn kein Ermannen kommt. Weil fei« «er arbeiten will: weil das WortPflicht" in dunkle Veroeff-ubeit untertaucht. Pflicht? Was man früher tat aus sick heraus, aus Freude am seaenbrinaenden Werkeltag, heute eßffen Prämien auf diese Pflicht" gefetzt Werden-Wenn wir Lebensmittel erhalten NTen," so liest man in Anzeigen, deren Ton »si bettelnd ist,dann muffen die Minen- ^Uh-Verbände freiwillige Mannschaften erhal- iM. Matrosen, wenn ihr euren Brüdern und Schwestern einen nicht genug zu dankenden Ätenft tun wollt, dann niejbst euch. Es ist kein

leichter Dienst: aber dafür erhaltet ihr ein hohes Einkommen: 5 Mark Tar,es- -ulage neben mobiler Löhnung; während der RäumuNFsarbeit 3 Mark stündliche Zttlage. Rack sechs Monaten erlxiltet ihr 1CCO Mark Treu Prämie! Feder ist mit 15000 Mark »egen Tod versickert, wenn er verheiratet ist; der Unverheiratete mit 1XA Tausend!" Lieft man. Und wendet sich angeekelt ab! Was einst Pflicht war, darum wird heute mit flehen­der Gebärde gebettelt' Was selbstverständ­lich war. heute wird? belohnt. Du armes Deutschland! Du mußt brünstig werben, bannt deine Kinder sich nickt ins eigene Fleisch schnei­den; und dafür vock besonderen Lobn zahlen daß sie selbst für die hungrigen Mäuler form- und besondere Trenprämren \. SSenn Arbeit und Pflicht und Treue prämiiert werden?! Und trotz und alledem tanzt das Volk in seinen Ascher­mittwoch! --- P. B. S.

Sie Lage in Berlin.

Bisher ziemlich ruhiger Streik-Verlauf.

(Drahtbericht.)

Berlin. 5. Marz.

Der erste Tag des Generalstreiks ist in Ber­lin im allgemeinen ziemlich ruhig vcriau- sen. Abgesehen von dem Fehlen der Verkehrs­mittel hat Berlin von dem Generalstreik noch nicht allzuviel verspürt. Die mittleren und kleinen Betriebe baden der Arffforde- rn.m, an dem Generalstreik teilzunehmen, nicht Folge geleistet. In den meisten derartigen Be­trieben wurde gearbeitet. Auch die Angestellten der Berliner Warenhäuser haben sich gegen den r-.erliner Generalstreik erklärt. Während des ne steigen Tages sind starke Hilfskräfte in Berlin ein gerückt. Mit Einbruch der Dunlelheit durchzogen starke Patrouillen von etwa zwanzig Mann die Stadt zur Verhütung von Plünderungen. Ter Privat-Telephonver- kehr ist als Folge des Belagernngsznftandes ge­sperrt worden. ES ist nicht ausgeschlossen, das? auch der Zugverkehr gewissen Beschrän­kungen unterzogen wird.

Der Großberliner Arbeiterrat.

Berlin, 5. März. (TrMbericht.) In der ge­strigen Vollsitzung des Arbeiterrates Groß-Ber­lins wurde mit großer Mehrheit folgende Ent­schließung angenommen: Ter Streik richtet sich nur insoweit gegen die Regierung, als eine befriedigende Erfüllung der gestern ausgestellten Fordenmoen veclamtt wird. Der Antrag der Kommunisten, sämtliche gegenrevolutionären Blätter, einschließlich des Vorwärts, zu ver­bieten, wurde avgelchnt. In der gestrigen Sitzung der Groß-Berliner Arbeiterräle wurde in geheimer Abstimmung beschlossen die Streikforderungen durch eine Abord­nung nach Weimar zu übermitteln.

Kampf mit der repttblikanischen Wohr.

Berlin, 5. März. sDrahtberichti Als gestern nachmittag ein TranSportzug mit Re­gierungstruppen auf dem Tempelhofer Felde cinlief. ertönte plötzlich vom Tempelhofer Feld her M af chinengewehrfeuer. Die Regie- rutlgßtruppeu suchten einen Poften der repu- blikanisciten Soldatenwehr zu entwassnen. Tie Soldatenwehr ging aber uni geladenen Geweh­ren gegen den Transportzng vor. Ter Führer der Regierungstruppen ließ daraufhin die Sol­datenwehr umstellen und zur Ablieferung der Waffen auffordern. Ten Regiernngstruppen ge­lang es jedoch erst nach einem Feuerge - fccht von zehn Minuten, dir Soldatenwehr zn entwaffnen. Mannschaften der repu­blikanischen Soldatenwehr versuchten einen Offstizier des Regiments Reinhardt zu entwaff­nen. Heute früh versuchten sie unter den Mannschaften der Brigade Reinhardt kom­munistische Propaganda zu treiben. Einx Patrouille wurde von Zivilisten entwaff­net. Ein Soldat, der sich mit Jber Waffe zur Wehr setzte, wurde von der Menge ins Wasser geworfen. Am Schlesischen Bahnhof sind ebenso wie in Moabit Plünderungen vorgekommen.

*

Eisenbahner gegen den Generalstreik.

Berlin, 5 März. lDrabtbericht.) Die Konferenzen, die gestern nachmittag in der Ber­liner E'senbahndirektion zwischen der Direk­tion und den Arbeiter-Räten der Eisenbahn aboel alten wurden, ergaben, daß die Beamten entschlossen sind, nicht in den Generalstreik einzutrelen. Tie Ber- tranensleute der Beamtenschaft von sämtlichen Dienststellen des DirektionsbezirkeS faßten fol­genden Beschluß: Tie Deauitenfchaft des Tirek- tionsbezirks Berlin beteiligt sich nicht an dem Generalstreik, weil sie im Interesse des allge­meinen Wohles die D r d n u n g a u f r e ck t e r- halten wissen will und auf feiten der Reichs­regierung steht. In einer Versammlung der sozialdemokratische« Betriebs VerttauenÄente

und Arbeiterräle wurde mitgetritt, daß eine .Zusammcnstellumz der Abstimmungen aus SO Betrieben das Bild zeige, daß nur rund achttau­send Stimmen fiir sind zwanzigtausend Stim­men gegen den Streik abgegeben wurden. TerVorwärts" faßt sein Urteil über den Ge­neralstreik in Berlin dahin zusammen, daß der Generalstreik voraussichtlich schon in we - nigcn Tagen resnltatlos verlausen und in sich znsammenbrrckfen würde.

Tumulte am GSrUtzer Bahnhof.

Berlin, 5 Mörz. (Trahtverickt.) Aus dem Görlitzer Bahnhof versuchten streikende Arbeiter die Geleise auf3ureifeen, um den nach Cottbus ausflchrendeu Zug an der Weiterfahrt jit verhindern. Sie wurden jedoch ixiran von den Eifenbahnern und Soldaten v-r- hrnden. Mehrere Polizeiwachen, die schon in der vorhergehenden Nacht h.'inigesncht worden waren, wurden wieder von Rotten bis hundert Mann und mehr plötzlich überfallen.

Die Streik-Beteilißung.

Berlin, 5. März. (Trahtbericht). Der pro« Katnsene Generalstreik in Großbcrli« u t.faßte gcifieru abend fast auSschkießlich nut die Gr 0 fe- indusirieberriebe und die Berkehrs­an statt en. Die übrigen größeren Firmen nr.ro auch die mittleren utib kleinen Geschäfte haben fast sämtlich geöffnet. Tie Vorbereitun­gen her bowafineteu fpartzckisiiscken Banden lassen mit Sicherh.nt darauf schließen, daß das Ha u p t z i e l der Putsche auch diesmal der Schlesische Bahnhof und damit die Stadtbahn ist, deren Besitz Spartakus die Herrschaft über die Eisenbahnlinie nach dem Osten sehen würde. Der Stand der Situation heute früh ist, daß der H ö h e p u n k t der Streik, bewegung noch nicht err eicht ist.

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Schwere Feuerzefechte.

Berlin, 5. März. (Trahtbericht.) Am Schlesischen Bahnhof, am Nvrdbahnhof und am Alexanderplatz kam es heute früh in der vierten Riorgenstund zu schweren FeuergefeÄ t e n zwischen den Reg'erungstruppen und plündernden Spa-takisten. Am Nordbahnhof wurden nenn Spartakisten erschos- s c n und eine größere Anzahl schwer verwun­det. Bis gestern abend wurden von den Re­gierungstruppen sechsunddreißig bewaffnete Spartakisten beim Plündern fest ge­nommen. Ihre Aburteilung erfolgt durch die Kriegsgerichte; dreißig von den Verhafteten waren ehemalige Soldaten, jedoch ausnahms­los Berliner Deserteure.

«

Srr«i»beweguuH in Bremen.

Breme«, 5. März (Trahkbericht.) Da bis gestern nachmittag die Forderungen der Ar­beiter auf Freilassung der gefangen gehaltenen Spartakisten nicht erfüllt wurden, sind die Ar­beiter der Weser-, Attas- und Hansa-Llovd- Werke, ferner der Lloyd-Dynamo-Werke und der deutsck>en Waggonfabrik in den Streik getreten. Tie Wahlen, die geheim vvrgenom men wurden haben fast eine Zwei-Drittel- Mehrheit fiir den Streik ergeben Starke Patrouillen, die wieder mit Stahlhelm und Handgranaten ausgerüstet sind, durchziehen die Straßen. Die Straßenbahnwagen werden angebalten und die Passagiere nach Waflen dnrchsucht. Tie Stadt ist feit sieben Uhr abends ohne Gas. Nm sechs Uhr nachmittags hatte eine Sitzung dek Regierung begonnen, in der Beschluß zur Lage gefaßt werden sollte. Ein­zelheiten sind bisher noch nicht bekannt.

Wiener National'BersaMmlnng.

Der Anschluß an Deutschland.

<Drahtbencht.k

Wien. 5. März.

Die Eröffnungssitzung der konstitu- irrenden Nationalversammlung voll, zoa sich in würdiger Form. Der Alterspräsi­dent «ab den Gefühlen des Hauses unge- schmintten Ausdruck, indem er ausführte, daß eS nicht in gehobener Stimmung verfammclt sei. Er erzielte aber dock wärmsten Beifall, als er den feftenWillen zum Anschluß an Deutschland und die Hoffnung auS- sprach, die Vertreter der besetzten Gebiete von Deutsch-Böhmen und Süd-Tirol in dem Hause begrüßen zu können. Darauf wurde die Sat­zung geschloffen. Niemand verhehlt stck. daß auch diese Nationalversammlung, obwohl au? allgemeinen Bolkswahlen heroor- gegangen. dock nichts Endgültiges dar­stellt Es ist noch alles im Fluß. Niemand weiß, was der nächste Tag bringen und wie der Notstand der Bevölkerung auf die Volksver­tretung zurückwirken wird. Man weiß nur, was man nickt will und unter keinen Umstän­den dulden darf: Tas ist die Zerstückelung des deuffchen Volkes und das Joch der Fremdherr- sckmft auf irgend einem seiner Teile.

Reue Ge'etz-Borlageu.

Ccgcu die Kapitalflucht.

(Drahldenchl.)

Weimar, 5. März.

'Der Nationalversammlung sind eine ganz« Reihe von neuen Gesetzen in Vorlage gebracht worden. Sie stehen alle in Verbindung m.t dem durch die 3ievolu:iou und ihre Ereig­nisse Verwirrten Rechtszustand. Das den Bo­den der Legalität einigermaßen wieder voroe- reitcnle Uebergangsgelev ist ia bereits erleo gt. Es soll den rechtlichen Uebergangszuftand biS zur Schaffung des Definitivums gcwähr.eisten. vor allem sollen die während der Reoolution erlassenen Gesepe auf ihre Rechtsgültiakcit und weitere Daseinsberechtigung gepräsi werden Es ist nunmehr ein Gesetz zur Durchfüh­rung der Waffe n still st andsbedin» nunflen in Vorlage gebracht worden. Es handelt sich dabei nicht um einen Vorfüflag der Regierung, sondern der Mehrheitsparteicn. Durch dieses Gesetz soll die Regierung ermäch- Hat werden, alle Maßnahmen zu treff.n, die mit der Durchführung der Waffenstillsta>ldsbe- dingungen Zusammenhängen. Diese Crmächti- guna soll aber nur gelten für die Dauer der Tagung der Nationalversammlung. Die Not- wcudigieit dieses Gesetze? ergibt sich aus der Notwendigkeit schleunigster Entschließunaen bei den Wafsenstillstandsverhandlungen und der Durchfühnrng der dort übernommenen Verpflicktungen. Tie Regierung hat dann weiter der Nationalversammluna folgende Ge­setze in Vorlage gebrockt:

Ein Gesetz zum Schutz gegen dte Folgen der Verkehrserschwerun» Damit sollen Erleickterunaen im Geschaftslcben aegenüber der Erschwerung des Verkehrs ins­besondere auch des Zahl'-ngsverkehrs infolge der Besetzung deutscher Gebietsteile aus Grund des Waffenstillstandes geschaffen werden.

Ein weiteres Gesetz betrifft daS Verbot des Agiohandcls mit deutschen Bank- noten und DarlehnSkaffensckeinen. Durch den Handel mit solchen Noten nach dem Auslände haben dunfle Elemente aufeerordentlicke Ge- wiime ewelt, während der brutschen Finanz wirtschaft ungeheuerliche Lasten dadurch ent» stehen.

Ein weiteres Gesetz, das in ursächlichem Zusammenhang mit dem oben genannten steht, betrifft die E i n s i e g e l u n g von Schriften, Drucksachen. Wertpapieren und Zah lungsmitteln beim Grenzübertritt nach dem Auslande. Es werden also alle Reisen- den beim Uebcrtritt über eine Grenze darauf­hin ganz besonders geprüft werden, ob sie dre Abwanderung deutschen Kapltalz nach dem Auslände begünstigen, oder sei off betreibtn wollen. Die ©trafen, die öierfut festgesetzt werden, sind sehr bcxh, auch der Ver­such wird als strafbar erklärt. .

Endlich legt die Reichsregicrung em Ge­setz über die ausländischen Wert- Papiere vor. welches bezweckt, die im vnlt- schen Privatbesitz besindlichen ausländischen Wertpapiere in Reichsgewalt zu bringen, um die Lebensmittel, die wir von der Entente be­kommen sollen bezahlen zu können. Auch hier handelt es sich um die Erteilung der Befug­nis an den Finanzminister, ein Ausfuhrverbot und ein Verbot der Ueberleitung solcher Wert­papiere an eine im Ausland ansäsuae Perso« oder Bank zu erlassen.

Die gesetzgeberische Arbeit der Nationalver. sammlung schwillt immer mehr an. Täglich drängen neue Bedürsniffe zur Besriedigung. Dabei ist bis jetzt alles nur Provisorium wesen, das einzige Tefinitivum. um das es sick handelt die endgülttge Rerchsverfaffung. ist noch Gegenstand heftigen polrttfchen und Varia- mcntariscken Stteites. Dazu kommt noch die Notwendigkeit, einen ordnungsgemaxe« Haus- Haltsplan aufzustellen und vorzulegen bei des- sen Beratung abermals das ganze Gebiet in­ner- und außenpokitischer Fragen auzgerollt werden «. _____ l>r-

Bos Bet Stonftitoante.

Anfragen und BerfaffimgSvorlage.

Die Sitzunzz wird nach VA Uhr eröffnet. Ans der Tagesordnung stehen zunächst An- fragen. Abg. Dr. Kahl sTeuffche Volks- Partei) fragt nach den Schritten der Reichs- regicritng, um die sofortige Befreiung der vom Feinde zur VercmtworttmH gezogenen deut'chen Werkleiter zu bewirken, die während des Krie­ges von der deuffchen Heeresverwattung in den besetzten Gebieten Fndufttiemorerial angckau?" haben. Ein Regierungskommiffar, erwidert, daß ttotz verschiedener Einsprüche bei den Alli­ierten em enbgiltiger Bescheid bisher nicht er- teitt fei. Abg. Arnstadt (DstuffchnattonaH und Genoffen fragen, was Die Regierung gegen den Papiermanael für die deutsche Presse tun Wir». Reichvwtvffchastsmmffter Wisse«: Eine bestte-