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I

Nummer 78

Mittwoche 8. MSrz 1919

Fernsprecher 951 und SSL

9. Zahrqarrg,

Fernsprecher 981 und 952.

Deutschlands Lage immer verworrener!

Vf

Dt» eotTticr R«»st«n Nachricht« erfd)einen wöctentUcb sechsmal «mb paar ad»»»«. I-er «homtementSpreW beträgt «eeati. 1.20 Mark bei freier Seftefhmg in« Haas «efWUmya wrten ieberjett ven der «efd)äft*fleCe »»er den Beten entgegengenstamea. 2-mderei, derlag und RedaMen: SchlachtheMraße 28/»0. Für «verlangt ehtgelonbte Beiträge tarnt die RedeMon ein» Verantwortung ober Eewädr in keinem Falle übernehmen Bück,ar lang de« Be-ng-zeide« »der »N,»räche wegen etwaiger nicht vrdminglmLtziser Sie erunz -»«geschloffen

für DeutfSland u>id die nanse Well überhaupt em Vorteil aewesen wäre. Wenn die weitere Entwicklung der Ereignisse in Deutschland die Notwendigkeit der Besetzung dieses Landes ergebe, so müsse sie endlich erfolgen.

Abtretung der AuSlandr-Guihaben. Kalt und Kohle«.

(Drahtbericht.)

8er Generalstreik.

Belagerungszustand über Berlin. iDrahrbericht.)

Brandschatzungen im Münsterland.

Münster. 4. März. (TrafabeE) Trupps von Bewaffneten, bis ,» drechrg Mann Starte, durchziehen gegenwärtig, P l ü nde r n d und sengend das MÜnsterland. An der Lippe raubten st- mehrere Baueruhauser aus oder erpressten Lebenönnttel. Nördlich der Lippe liessen sie GehSfte in Flamme» aus- gehen. In einem Dorf wurde nn Landwirt überfalle« und gefesselt. Die Räuber entwen­deten 2500 Mart Geld und Wurstwaren. Fünf Personen in Militärtleidern drangen am Hellen Tage in Bauernhäuser in Barlo ein, misshan­delten die Bewohuer schwer und zogen mit ge­stohlenem Gut ab. Zwei vermummte Männer überfielen in G-orge-dorf eine Fran und raub-

Spartak«» im Polizaireltier.

Ber lin, 4. März. Auf Srkmckigmlgen wird der £.41. vom Polizeipräsidium nrrtgr- teilt, dass sämtliche Polizeireviere im Norden. Nordosten. Osten und Z entrinn Berlins von dm Spartalifte« besetzt worden sind, wob er die

. Gens. 4. März.

lieber die wirtschaftlichen Forderunaen. die Frankreich erhebt, macht der Lyoner ProgreS folgende Mitteilungen: Wenn unsere Informa­tionen richtig sind, «erden di« Alliierte« von dem deutschen Reich die Auslieferung feiner Goldreserven verlangen, jedoch nicht des Goldes. d-S sich etwa noch in den Banken oder im Privatbesitz befindet. Dagegen besteht Ne auk der Abtretung aller Gut­haben.'die Deutschland im Aus- lande hat. Die Summe dieser Guthaben ist wesentlich höher, als die bisher veröffentlichten -ziffrr« angeben und würde eine sofort flüssig zu machende Anzahlung darstelle«. Natürlich würden namentlich bewegliche und unbewegliche Werte, die Deutschland im AnSlande bcsi'tt. in diese Rechnung eingestellt werden. Schliesslich würde Deutschland für eine gewisse A n- zahl von Fahren die Lieferungen bestimmter Erzeugnisse auferlegt wer­den. zumal von Soda (Kalk) und Kohlen. Man spricht von sechzig Millionen Tonnen Koh. len jährlich, die unter diejenigen Länder wifzn- teilen wären, deren Produktion durch den Krieg für längere Zeit geschwächt ist «ämlich Frank­reich, Belgien, Polen und Serbien. Dies- Auf­teilung würde dir enalische und amerikanische Einfuhr keineswegs beschränken. Natürlich soll uns Deutschland auch das Holz zurüSliesern. das es aus Frankreich mitgenommen hat.

Neue spartakistische Unruhen.

Berlin. 4. März. . sDrahtbericht.) Nachdem der Antrag der KommunMen auf Erklärung des Generalstreiks kür Berlin angenommen worden war, haben sich sofort an verschiedenen Stellen der Stadt spartakrstische Un­ruhen gezeigt. So kam es zu Ansammlungen auf dem Alexanderplatz und zu kleineren schre- tzereien, di« leider auch bereits ewige Tote ge­fordert haben. Auch in der Brmmenstratze, der Invalidenstraße, der Anllamerstraße und Wem- meist erstraße haben Spartakistenputsche eingesetzt. Soldaten unld Pvlrzetbeamte wur­den angehalten und mißhandelt. Wer Poltqed- reviere im der Nähe der InvalÄ>enstraße wm- ben gestürmt, die Telcphonlertungen durchs^rt. ten. Ein Angriff auf de» Rordbahn- hof ist seitens der mÄitarischeu Besatzung ab- aeschlaaen worden Am Alexanderpla? NmL «Plündert. Alles deut« darauf hm. daß dre ^»rtakuKeute Berlin wie im Januar termrr- sirren wollen. Sie werden an dem festen »!> len der Regierung, die sofort den

,«stand verfügt hat und Ruhe und Ordmrng unter allen Umständen aufrechterhÄte« will, einen unLberwitchlichen Widerstand fmden.

Zürich. 4. Mär,. (Drahtberichtz) A«S New- nork wird gemeldet: Der DUrgerk" i Deutschland sei zur Anarchie ausgearret. Hierdurch geraten die olIHeitcn Länder m Ge- f-r,r »ie Unruhen rühren daher, dass tue Entente die Hauptstädte nicht besetzt habe^was

Abg. Walpers (Welse) spricht gegen die Ge- kahr deS preußischen Zentralismus. Preußische» Justrzmsnister Heine: Deutschland muß nach außen und innen festen Boden unter den Füßen baSen. Diesen gewinnt man aber nicht dadurch daß man das. waS im deutschen Volke kräftig und lebensvoll ist, zerstört, daß man btt größte berg fenT: A"unmoKch^'llrn'

'Schlage bi-* ganze bestehende Gesellschaftsord- nuna umzukremfÄn. Die Sozialisierung kanr nur schrittweise und nur für ganze Betrieb^ zweige erfolgen.

Der frauzvstsche Rachedurst.

Amsterdam. 4. März. lTrahtb wicht.s Einem Amsterdamer Blatt wird ans Paris gemeldet, daß Frankreich sich offiziell gewei­gert habe, an her Nahrungsmittel- Versorgung Deutschlands teilzu­nehmen. Es begründet fe:itc diesbezügliche Haltung damit, daß es deutsche Effekten als .Zahlungsmittel nicht a'zcptieren könne. Außer­dem widersetzte sich Frankreich auch der Aufhebung der Blockade. ES for­dert. daß die Lage so bleib« toi« sie beim Ab­schluß des ersten Waffenstillstandes war. Frank­reich ist nur bereit, LebenSmittÄsendungen nach Deutschland unter der Bedingung zu ge­nehmigen, daß die daraus hervorgehenden fi­nanziellen Abkommen keine Störung der Kre­dite Hervorrufen, die Deutschland bei der Be­dingung der EntschLdigungSforderungen gestellt sind. Diese Haltung Frankreichs bat eine Krisis hervorgerufen, die bei einer Sonderznsammenkunfi in Spaa am nächsten Dienstag besprochen werden wird, wobei auch die deutsche Kommission anwesend sein soll. Beide'wären der Meinünäs vaß Framrenu'vck' der Ausführung des Planes der Nahnwgsnut- telversorguna Deutschlands nicht widersetzen, sondern ibn bewilligen werde. Die Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln wird nunmehr nur durch England und Amerika geregelt.

3nhrtian«er*f«: ®t* fiebengefpaiitte Zell« ffe einheimisch« »«schäft« K «g. für ex*, »ätitee «ngtlgen 35 Bf. 9t«flamt*elt« fft einheimisch« «chchLft* 7* «f, für ax*x>4rti«, ®efd>4ft« 1 TU Einfach« Beilagen »oben nrtt 5 Mart »r» lanftnb berechnet, alle« Mtt -j«»/ r«A«rN!in «.Zuschlag, «ei tttbernttttlnng ren « -»eigen ant televh. Wege retro für »urch Här. fehler »«tnergentfene Srriüeer keinerlei Haftung übtrnommtn. Stär btt «ufuahm» son^n» eigen an beOtnonten Zagen ober BlLtzen wirb,. su feine »ewädr gtietftet e«f»äft«1Utte: «51a.«tr. 5

Berlin, 4. März.

Die Vollversammlung der Arbeiter- Räte Grotz-BerlinS beschloss gestern abend im. ter tosendem Beifall mit grosser Stimmenmehr- heil di- sofortige Proklamteru«« des Generalstreik». I« dem Bericht über die Versammlung heißt es unter anderm: Im Ber- lauf der Sitzung wurde beschlösse«, daß tne Straßenbahnangestellten von heute abend 8 Uhr ab (also Montag abends in bett Streik eintre- len. So wurde denn auch der Betrieb einge­stellt. Berlin ist ohne jede« Verkehr. Die ber Streikenden steht noch nicht fest, da auch bte Hausangestellten sich am Streik beteilige» solle». Ein Wasfeuladen wurde erstürmt und auSge- taickt. Man reckuet mit eine« Gegenftretk der Bürgerschaft. Turan wird sich jedoch ber Beamtenbuad (Eisenbahn- und Postbeamte > nicht beteiligen: er lehnt es ab. als Gegenmatz- nähme gegen den Arbeiterstreik einen Beam- tenstreik zu tnszenierett. Neber den Lan- despolizeibezirk Berlin und zwar über Spott- bau, Teltow «ud Riederbarttlm würbe der BelagerungöMstand verhängt.

gewillt ist, dem Gegner dieselben Zickmi-ftsmög- llchkerten zu geben, wie dem eigenen Staat. Kann man cwer wirklich in dem Entwurf der Entente diesen Geist spüren, oder spricht hier nicht genau wie bei früheren Friedensverträgen glerchiam nur der Sieger zu dem Besiegten? Wie können die Entente-Staate» denken, daß ein Völkerbund mit gleichberechtigten Staaten geschaffen wenden kann, wenn sie ihn von An­fang an ohne die Zentralmächte ins Leben rufen urch wenn sie es von ihrem Wil­len abhängig sein lassen wollen, ob wir auf- genommen werden? Wenn vor hundert Jah­ren eine heilige Allianz geschaffen werden sollte, so war diese wenigstens ehrlich: denn sie ver­schleierte ihre egoistischen Ziele keinesfalls. Et­was gang anderes aber ist es, wenn jetzt der seit Jahrhunderten von großen Denkern der i Menschheit ersehnte Traum eines FrichenSbun- 1 unb Sebin prüfen werden soll

nen soll, um eigennützige Zwecke zu verfolgen. Man darf, wenn es nicht Wilson noch gelingt, dem Entwurf einen neuen Geist zu geben, je- , ne« Bund der alliierten Staaten in Wahrheit rineunbeilige* Allianz nennen; denn - er treibt Mißbrauch mit dem Heiligsten, was jemals von Menschen erstrebt worden ist. 1

Noch ein anderer Vergleich liegt nah«. Man bettie, wie unsere Gegner uns immer wie Graf Brochdorfs-Rantzau vor einigen Tagen mrt Recht erklärt hat. Vorwürse gemacht haben, daß wir uns auf den Haager Friedenskonferen­zen gegenüber den Fortschritten auf dem Ge­biet der Schiedsgerichtsbarkeit und der Rü­stungsbeschränkung so ablehnend verhalten ha­ben und daran schuld sind, wenn die Gesamt- »rbeit der Haager Konferenzen weniger srgeus- voll wurde, als sie es vielleicht ohne unseren Widerstand geworden wäre. Wie hoch man auch die damalige Schuld Deutsch­lands einschätzen wird, man muß doch immer bedenken, daß das Zeitalter der Gewaltpolitik bis vor dem Krieg keineswegs überwunden war und daß Deutschland, wenn man auch seine historische Schuld in dieser Frage durch­aus nicht leugnen darf, doch auch mildernde Umstände für sich beanspruchen darf. Große Staaten grupp en standen sich vor dem Kriege feindlich gegenüber, da konnte nur zu leicht der bedauernswerte und falsche Gedanke Raum ge­winnen, daß die Ideenwelt der Haager Konfe­renzen letzten Eudes utopisch sei. Betrachtet man nun die Pariser Konferenz, sowett sie sich mtt dem VöNerbund befaßt, gleichsam als eine dritte Haager Friedenskonferenz oder zum wenigsten als eine Vorstufe hierzu, so wird man sagen müssen, daß die Gegner nun auf solchen Konferenzen den Ton ansckckagen, den sie früher bei uns getadelt haben. Doch eS Wäre falsch, aus dem Vertragsentwurf der Pariser Konferenz einen endgültigen Schluß auf die ijusammensetzuna des Völkerbundes zu ziehen. Man muß berücksichtigen, wie sehr die Fran­zosen oi^enbar noch mit dem Gedanken hau­sieren geben, daß sie von unS bedroht seien, und daß sie Wilson Vorreden, Frankreich muffe nach den ungeheueren Opfern dieses Krieges, ber es vielleicht mehr als irgend eine andere Nation an den Rand des AbgruNdek geführt hat, doppelte Sicherheit gegen einen neuen Ueberfall haben.

Dieser Avv«T an die amerikanische Senti­mentalität mußte natürlich auf Wilson beson­deren ärrtbntd machen, während das viel be­rechtigtere Verlangen des deutschen Volkes, end, ltch von Hunger und Rot befreit zu werden, crit aus sehr weiter Entfernung und daher ge- dämpft an sein Ohr drang. Aber wahrschein­lich wird, wenn erst einmal unsere Delegierten in nähere Fühlung mit Wilson und den En- tente-T elegierten gekommen sind, der Gegner davon überzeugt werden, daß die Furcht vor einer weiteren Bedrohung durch das deutsche Volk geradezu an Verfolgung-Wahn­sinn grenzt urtb daß das deutsch« Volk m Zn- hmft nichts anbereS will, als leben und sich -lS gleichberechtigtes Mitglied der neuen völ- kerrechtlichen Gemeinschaft bewähren. Man darf in der Tat fest davon überzeugt fein, daß sich Wilson und die Entente aus -die Tauer mehr

'«« Nw* Brckerr jenes Vertrags wt-

wurfes entferne» wirb. Wir dürfen nicht auf* fairen, die Gegner davon zu uberz-ugen daß auch wir den Völkerbund mt .5^" Kräften als das

nen. und wir dürfen faerbei arck die Unter- stützuna ber neutralen Völker rech­nen, die ebenfalls nicht wünschen, in dem neuen Bund nur geduldet zu werden. Kommen wird ber Völkerbund auf jeden Fall. Niemand kann, nachdem der Gedanke einmal mtt so ungeheu- rer Wucht von den Menschen Besitz ergrrfftn hat, seine Durchsetzung aufhalten., Für u n 5 muß es sich darum handeln, daß wrr gleich bei seiner Begründung vollberechtigte Mrt- alieber desselben werden. Das einmuttge Bekenntnis des deutschen Volkes z« diesem großen Gedanken ist daS beste Mittel, umqtgen vereinseitige FornnÄienmg der Völkerbund- Verfassung Front zu machen, und den Fran- zosen dm Wind aus den Segeln zu nehme».

Unheilige Allianz.

Von

Dr. Han» Wehberg.

Nachdem die feindlichen Mächte vier Jahre Lang der Welt erklärt hatten, daß sie nur für Recht und Gerechttgkeil streiten, war nach chrem Siege die beste Gelegenheit gegeben, diese gro­ßen Ziele zu verwirklichen. Freilich setzt die Durchführung der Ideen, für die die Entmte angeblich vier Jahre lang ausschließlich ihre großen Opfer gebracht hat, Vorau», daß man mit dem besten Willen an die Neugesial. tmtg der Welt geht, jeden zivilisierten Staat als gleichberechtigtes Mitglied in der neuen Gemeinschaft betrachtet, daß man Haß und Neid, die vor und während des Krieges eine so große Rolle gespielt haben, überwinDet und

Gegen $Wei Uhr wird die Weiterberatung bis vier Uhr nachmittags ausgesetzt. Aba. Dr. Bayer!« (Ztr.): DaS bayerische Volk ist für dm Unitarismus nicht zu haben, weil es darin bis Gefahr einer Verpreußuug wittert. Minister Preust widerspricht der Grmrdtendm, dieser Au^Whrunaen. Abg. Dr. Töringer (Deutsch- national): Der Entwurf ist zu weltfremd. Ge­gen etwaige Zerftü(fehtngsplän« Preußens er hoben wir schärfsten Einspruch Wir tretenfih Erste K-Emer« in dm EinzeMaaten ein. Abg Dr. Schückiug (Dem.): Bismarck bekannte sich ;u dem GruiMatz, daß die großen Fragen die­ser Welt mit Mut und Eisen gelöst werden müßten. Aber was ist dabei herausgekommen? Wir streben nach Gemeinschaft imrerhalb der Dölkerfamilie, nicht »ach Herrschaft über an­dere. Aber wir verlangen, daß wir mit gfev eben Rechten ausgenommen werden. Die drei- ührige Legislaturperiode für die Reichstags- wählen möchtm wir auf fünf Jahre verlängert wisse». Diu berufSständisches Wahlrecht für eh* StaatenhauS lehnen wir ob. Das gesamte Schnl- und Unterrichtswesen muß einheitlich aufgebaut werdm. Ebenso müs- sm wir im Verkehrswesen noch ;u gro- feerer Einheit kommen, desgleichen m der Rechtspflege. Wir wandern durch ein fm. teres Tal. Reben uns gähnt der Abgrund. Aber wir haben die Hoffnung, die ein Freckig- grath mit ben Worten ausdrückte: .Ach Gott rm Himmel, welche Wunderblume wird einst vor allen dieses Deutschland fein.* (Lebhafte» Beifall.) Abg. Eolshorn (Welfe) wendet sich gegen JufsizminDer Heme. Das dmtfch-han- noversche Volk verlange Selbständigkeit. Preu­ßischer Juftrxminister Seine: Dem Wunsch eine5 Teiles der hannoverschen Bevölkerung mrck entern selb ständischen Staat siebt die viel M» tzere Masse ber soziakdemokrattschm Arbeit»- dieses Gebiets als Gegner gegerrüLer.

Tannt schließt dl« Beratung.

Dert«gu«g bet Konstituante?

Weimar, 4 März. (Drahtbericht.) Biss tu die Nachmittagsstunden bestand die Absicht, heute die Nationalversammlung zv vertagen. Ter Aeltesten-AuLschuss hatte nach längerer Beratung einen entsprechenden Be­schluss gefasst. Die Ereignisse der letzten Tage, hl-.uotsäck'lich aber die Anstände, die sich jetzt in Berlin anlassen. laffett es jetzt wün­schenswert erscheinen, vorläufig von einer Vertagung abzusehen. Infolgedessen wird die Nativmrlversammlung bis «ms weiteres versammelt bleiben. Ein Ter­min der etwaigen Vertagung lässt sich zurzeit überhaupt nicht festlegen. DorauSstchtltch wird das Plenum sich in den nächsten Tagen nrtt Fragen der Polen-Politik und später mit dem Gesetzentwurf bet sozial ist erung beschäftigen. Nach einer wetteren Meldung soll dennoch eine kurze Vertagung eintreten; We der T-U. M>erlüsstg mitßtietU wird. trM

Polizisten von den Spartakisten entwaffnet und die Amtsräume besetzt würben. Die in ben Revieren Vorgefundenen Waffen und Munitümsoestände fielen den SpartakUten üt die Hände. Die zur Zerrttale des Polizei Präsidiums führenden Leitungen ind zer'wnrtten worden. Bei diesen Vorgän­gen wurden verschiedentlich die Raumluhkerlen erheblich beschädigt. Zu Schießereien rst er ,e- dock, entgegen allen um-taufonden Gerüchten, nicht gekommen. In der Gegend des Alexander- platzeS und auf den nach dem Norden Tuhren- den Straßen sammelte sich in den NachMuwen ein« ungeheuere Menschenmenge. Der Hoch- und Untergrund-bahnbetrieb ist eingestellt.

Bersaffungs-8»tw«rs.

Weitere Beratungen.

(Drahthericht unseres parlam. Mitarbeiter».)

Weimar, 3. März.

Fehrenhach eröffnete die Sitzung mit einem Willkommengruß für die heirngekehtten Ostafrikaner. Darm folgt die Weiterberatung des Verfassungs-Entwurfs. Minister Preuss: Nach dem Zusammenbruch war die alte Der- fLssuna unchaltbar. Die einzig mögliche Grund­lage ist die demokratische Selbstbestimmung des Volkes. DaS Bekenntnis der Redner von der Rechte« ju einer Stärkung des Reiches ist uns besonders wertvoll. Ab«. Delbrück möchte eine Erste Kammer mit berufsständischer Vertretung pa6en. Wenn man auch die Arbeiterräte in die Verfasstrng aufnähme, würde sich viel­leicht auch die Lücke damit befreunden. Was die Gliedstaaten arrbetrifft, so ist im wesentlichen nur die Aufrechterhalümg der Sonderrechte int. befriedigend geblieben. Da nahezu der geschlos- en« Wille der Nationalversammlung gegen su lefa. hoffe ich. daß nunmehr eine friedliche uni remidltche Vereimbarung zu erzielen fein wird eine Vereinbarung, die eine Verein- eit- lichung der ReichSgewalt in Militär- unü Verkehrswegen bedeutet, worin die Regieruna voll überemstimmt. Aber möglichste Ei» tut not.

Kasseler Nmste Nachrichtm

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung