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Kasseler Nmste Nachrichtm

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitnng

Nummer 76.

Fernfprecher 951 und 952.

Sonntag, 2. Marz ItzlS.

Fernsprecher 951 und 952.

9. Jahrgang.

ii in______ L_M.

Rede des SberbSrgemeislers koch in Weimar.

sie tintreilung.

Nach unveröffentlichten Akten.

(Einen wichtigen neuen Beitrag zur Frage der Kriegsscbrrld bieten die soeben im amtlichen Auftrage von Mkhelm Köhler bearbeiteten, bei Hobbm-z in Berlin erfd>emenenfeen neuen Doku­mente ititS den belgischen Archiven, die den Titel18971904, Zweibimd. En-Mch-Deut- scher Gegensatz", trotzen. ES haitdett sich um eine völüg unparteiische Zusammenstellung der wichtigsten Zirkulare, in denen die belgische Re­gierung ihre diplomatischen Vertreter im Aus- lande wechselseitig über die Berichterstatänng ihrer Kollegen unterrichtete Da diese Zirkulare vom belgischen Ministerium des Aeußern redi­giert uno auf ihre Zuverlässigkeit geprüft wirr- den, so besitzen sie einen besonderen Wert und zeigen, wie ein zu neutraler unparteiischer Dtelvungnahme verpflichtetes Ministerium di« Shen EreigEe vor Beginn des Welt- mrffaßte. Alle diese Aeußerimgen stim­men darin überein, daß Deutschland von der gut unterrichteten belgischen Diplomatie nie= makS alS Störenfried des europäischen Friedens angesehen worden eft; vielmehr erscheint in ihnen der Weltkrieg als ein unabwendbares Verhängnis. Zwei politische Faktoren gestal­teten in dem Zeitraum von 1897 bis 1904 die europäische Loge außerordentlich bedrohlich: der russische Zweibund und die zunehmende Span­nung zwGchen England und Deutschland. Das russisch-französische Bündnis wurde schon 1897 nach der Aeußerung des Vertreters enter Großmacht in Berlin als die Gefährdung deS Weltfriedens awfgefnßt. Der belgische Ge­sandte teilt die prophetischen Worte dieses DiamneS mit:Gewiss ist die russische Freimd- fdraft nur als ein Revancheversprechen in Frankreich so volkstümlich. Der Zar hat wohl das Gegenteil gesagt, wenn er verkündet, daß die fcefoen Nationen für den Frieden verbündet sind. Aber in Varis hat man die Korrektur niM bören wollen. Der Tag wird kommen, an dem Änssland vor der Entscheidung sieben wird, ob es cmrhören will, seinen Ettisluß in Paris ar^itzulÄen oder auf ein Bündnis zu verzichten, das ®et das Ueberaswicht in Europa sichert."

Dwlem bedrohlichen Charakter des Zwei- dAndeS gegenüb-r wird in den belgischen Zir- kuZiMn der friedliche Charakter des Dreibundes betont.Rur zur Erhaltung des Friedens schließt Deutschland Bündnisse", heisst 2® da.Es hat nicht die geringste Ab­sicht, sich mit England zusmnmenzittun, um ge­gen RtWand eine Politik des Angriffs zu sichren.« In den Jahren 1899 und 1900 be- mMstiK sich eine Reihe von Zirkularen mit dem Wan eknes Kontknentalbundes, der von Frankreich gegen England geschmiedet würde. Dieser Versuch Frankreichs, eine gegen Enaländ gerichtete Koalition zu schaffen, schn- terie an dem Widerstand Deutschlands, von dem es in den belgischen Mitteilungen heißt:Auch wenn Frankreich und Rußland zu einer solchen Verbindung bereit gewesen wären, hätte sich Deutschkand nicht dazu vergeben können; es Wäre sicher gewesen, aus halbem Wege von sei­nen EintaKnrbündeten verlassen zu werden, wenn seine Beziehungen zu England unwider- rnffich gestört gewesen wären. Das gemeinsame Vorgehen mit dem Zweibunde hätte in einer englisch-frgn; ösis ch-russischen Koalitton enden können, gegen die es selbst gerichtet gewesen Ware, unverkennbar geht aus den Zirkularen dieser Zett hervor, daß man in Brüssel der An- fchmmng war. es bereite sich eine Katastrophe der, die vielleicht schon in Kürze eintreten koime. Besonderes Mißtrauen «regten die geheimen Verhandlungen der ftan-ö- stschen und nrssffchen Militärs und Staaisndrn- ner, und die belgischen Gesandten such sich dar­über einig, daß die Pläne, die der französischen PolitÄ während des Jahres 1901 zugrunde kngen, sich gegen Deutschland rWeten. Aus der anderen Seite werden die Versuche der deutschen Polittk betont, mit Frankreich in ein gutes Einvernehmen zu kommen.Alles be­weist,' so heisst eS in einem Zirkular,daß der Kaiser, dessen Hauptsorge die Erhalt,ma des «mropSischen Friedens ist, sich wie bisher be- ghen wird, Reibungen zu vermeiden und zu

mkreich so gute Beziehungen zu erhalten, i sie bte Lage ermöglicht.'

An den belgischen Zirkularen wird der H a l- e*ng Englands gegenüber Deutschland be- Andere Aufmerksamkeit geschenkt. Als ein Kaudtbindernis für Me dauernde Annäherung Ser beiden Staaten wird Mt Vovrstknmung «Vf beiden Seiten bezeichnet:Die En^L^der -tzhen m den Deutschen gefährliche Koickmren- Eirf dem Gebiete deS Handels und der In­ez sie sind eif rfüch»tg auf die unaufhö"-

Fortschrttte, die diese in England ebenso wie auf den neutralen Märkten machen.'Das Bewußtsein der Gefahren die es von feiten Ungkarids bedrohen.' heisst eS in einem rmderen Bericht über die Haltung Deutschlands gegen EnKarch.ist der Grund für den Ausbau, der: W der Krisgknarine zu geben sich bemühe, mrd

für den Umschlag, der sich in der öffentlichen Meinung Deutschlands in dieser Hinsicht voll­zogen hat. Es kann kein Zweifel fein, daß Deutschland nicht an einen Angriff denkt; aber eS will in der Lage sein, mit England auf glei­chem Fuss zu verhandeln.' Bedrohliche An­zeichen in Frankreich und Rußland, eine kaum oerhMte Feindseligkett in England, der Drei- l'itnb unsicher das sind die Keimzeichen der politischen Lage Deutschlands in der Darstel­lung des belgischen Ministermms, als König Eduard in den ersten Maimgen 1903 zu dom bekannten Besuch in Parts erscheint. Nachdem das nach Ansicht der belgischen Diplomaten hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen deutschfeindliche England unter König Eduards Führung die Verbindung mit Frankreich ge­sunden hatte, War ein Stück des Ringes zu- üTmubengcschloffen, der sich in den folgenden Fahren in eiserner Umklammerung um Deutsch­land legen sollt: und es abschnürte.

Sie Lage im Reich.

ReichSlonferenz der S.-Räte.

(Drahtbericht.)

(er. Sauber und Hagemeister von ihrem Posten im Zentralrat zurück. Levien sagt:Ich garantiere nicht, daß es nichtzuBlutvergiessen und zu Zusam­menstößen kommen wird. Eine neue Revo- lution ist im Anzug e." Die Sitzung wur­de in später Abendstunde ans heute vertagt. Was sich aus der Gesamttage ergeben wird, ist noch nicht abzusehen. Die Stadt ist ruhig, Pa­trouillen durchziehen die menschenleeren Stra­ßen. Rur in der Nähe deS Bahnhofes zeigen sich Ansammlungen. Sauber' erklärte noch in der Bersammlimg. daß er von einer Unterre­dung mit dem Stadtkommandanten komme, der ihm bestätigte, daß Truppen von Rürn- beraimAnmarschnachMünchen seien.

M

Truppen ge.iett Baherns Aanpkstadt.

Nürnberg, 1. März. (Drahtben'cht.) Nach zuverlässigen Meldungen aus Passau finden zwischen Passau, Regensburg und In. golstadt Truppenzusammenziehuu- g en gegen München statt.

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Da» bewaffnete Proletariat.

Weimar. 1. März

Die Reichskonferenz der Solda­ten r ä t e, die noch den Absichten des Zeutral- rateS bis Ende März in Berlin zusinnmentre- ten sollte, wird nach allem. waS man hört, wahrscheinlich schon Anfang März nach Berlin einberusen werden.

Befreiung" des Niederrhein-.

Weimar, 1. März. (Drahtbericht.) Tie end- aültige3^ esreiung der Gebiete am un­teren Rhein von den ftreifTufftgen (Siemen« !en erscheint gesichert. In Mitteldeutsch­land, und zwar in Erfurt mid G o t b a, war es gestern ruhig. Die Bäcker haben ihre Arbeit wieder ainiiertonnnen. Die meisten Gc- fdrärte haben geöffnet. In Halle dürfte herzte die Entscheidung fallen. Es sieht zu Soffen, baß sie nach den Vorgängen in Düsseldorf ohne Bluwergießen erfolgen wird.

Ende der Plenar-Verhandluugen.

Weimar, 1. Dkürz. (Drcchtbericht.) Tie Fraktionsführer vereinbarten in ihrer gestrigen Sitzung des Senioren-KonventS, dass die P l e> narverhandlungen am Dienstag oder Mittwoch zu Ende geführt werden follen. Tann soll dem Verstissnngsausschirß Zeit zu seinen wichtigen Arbeiten gelassen wer­ben. Ein bestimmter Termin für den Wieder- zusanrmentritt deS Plennmtz der Nationalver­sammlung ist nicht in Aussicht genommen. Der Präsident hat die Ermächtigung erhalten, ent­sprechend dem Gang der Arbeiten das Plenum Mieder einzubenifen.

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Der zweite Putsch in München.

München, 28. Februar. (Drahtbericht.) Mhrend der NnckMittagsfitumg des Rätekon- greffes drangen etwa zwanzig Mann von der republikanischen Schntztruppe in den Sitzungs­saal, stellten sich mit vorgehaltenen Re­volvern an die Bänke der Spartakuslente und kommandierten:Hände hoch!" ES entstand eine große Erregung, gegen die die Eindringlinge die Erklärung abgäben:Wir können uns nicht länger von Lum­pen regieren lassen." Dann wurden Tr. Levien, Erich Mühsam «nv Landauer verhaftet, trotz schärfsten Protests von mehreren Seiten, namentlich deS Borsstzenden des Kon- greffes und deS Unabhängigen Haller. Rach einer Biertelstnnve erschienen Dr. Levien und Miihsam wieder im Sitzungssaal. Sie waren ans eine Jntervenfion von Mitgliedern bc3 HavseS wieder sreigelafsen werben Bei ihrem Erscheinen im Saal wurden sie stür­misch begrüßt. ES wnrde fefert eine Unter- snchungSkommiffwn eingesetzt. Die Sitzung wnrde unterbrochen.

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Eine neue Revolution im Anzug.

München. 1. Mrz. (Drahtberichts Nach­dem die verhafteten Führer der S-nn.nmtzsten wieder 'rrigelaffen waren, und im «aale er­schienen, wurde nach dem Kompromißantraq der mrabhsnaiaen Vozialdenwkraten die *ta#e auf. gestellt, ob der Landtag wieder etnSerufgit wer­den solle. Weiter wurde der Antrag Müh- sam.der die sofortige AuSrufun, der Räterepublik fetttert, in nmnentl cher Ab­stimmung mit 234 gegen 76 Stimmen abgrlehnt. Damit ist die AuSrufunn der Rätere­publik hinfällig geworden. Der Antrag der vereinigten Sozialdemokraten wird darauf­hin angenommen. Rach der Abstimmui« treten die NnkSradiraleu Dr. $e»i<K, Dr. Wad-

MünSten, 1. Mörz. sDrahtbericht.s Im Münchener Rät:kongreß Würbe gestern von dem LinkSradikalen Levien, bevor die Kommuni­sten den Beratungssaal verließen, mitgeteilt, daß zehntausend Münchener Pro­letarier bewaffnet seien. Die Mitte'.- tunfl Leviens wird als Androhung eines neuen Versuches der Gewalt angesehen.

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DLsseldorf aus gerauht

Hannover. 1 März. sDrahibericht.'» AuS Münster wird gemeldet, daß beim Einzug der RegierungStruppen in Düssel­dorf mehr als die Hälfte aller Le- bensmittel Vorräte der Stadt von Spar­takisten beseitigt worden waren. Fast die gesam­ten spartafistischen Machthaber haben Düsseldorf in der Rächt zuvor in Automobilen verlassen. Sie hatten attf einer Reihe Automobile ranze Wagenladungen von geraubten Gegenständen und Lebensrnitteln mitgenommen. In den öf­fentlichen Gebäuden Düsseldorfs, die Spartakus befetzt hatte, wurden mehr als 100 Ma­schinengewehre erbeutet. Die städti. scheu Kassen waren von den Svartafifien radikal geplündert worben.

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Braunschweig als RLte-Revubttk.

Braunschweig, 28. Febrrrar. (Drahtbericht.) In Bramrschweig ist heute abend eine Räte- republir proklamiert worden. Die Ob­leute der revolutionären Arbeiterschaft, die Vertreter der VokkSmarinedrvrsion. der Volks- Wehr. der Wirtschaftsobteilung Braunschweig itnb der bewaffneten Arbetterschast von Wolfen- bättel haben beschlossen, das zwischen den Un- abhän^i.zen und den MehrhettSsozialrsien kürz­lich beichlossene Kompromiss (das zum Rücktritt per unaSHSnaigm Regierung und zur Dildunig der neuen, aus Unabhängigen und Mehrhetts- soziaKsien bsstcbenden Regrerrmg führte) nicht onzuerkemmn. In einer von Tausenden besuch- tert ArbetterversaMMlung auf dem Schlosshofe gelangte ecnftbmnia eine Resolution zur An­nahme, durch die die RäterepaMV und bte Diktatur des Proletariats prMtz- miert und der brounschWÄgksche Landtag als für aufgelöst erklärt und die Bildung einer roten Armer verfprorben Wird. Die neue Re- picktzfk müsse mit der OffizierSkamariDi und der Regierung Ebert-Schekdemann aufrLumen.

Neuwahl«« zu» Dsklzug-rat.

Berlin, t März. (Drahtbericht.) Die Ta­gung der Großberliner Arbeiter- und Soldaten- Täte endete mttungeheuernTumulten. da das Ergebnis der Neuwahlen zum Vollzugs. rat nicht vor VerhandlungSschruß bekanntgege- ben werden konnte, und da der Saal wegen antwrwrttifler Benutzung geräumt werden mußte. Hierauf wurde die Erklärung angenom. men. daß btt DollzugSrot sich sofort mit dem Zentralraf in Verbindung sehe, der die Einbe­rufung deS ZentrakkongreffeS veranlassen soll. Die Einberufung hatte bis znm 18. MLn zu ttfolaen. Kämt eint Wnbtrufung nicht zu- stände, so würde der YollzngSrat eint neut Vollversannnlong bet Arbettet- und Soldaten­räte tinbttnfen. Diese Entschtiduna sollte so­fort nach Weimar telearaphiert werden. t>fe Anträge der Kommunisten würben abgelehyt. Das Ergebnis der Wahl znm VollzngSrat war fctaeiAeJ: Die Liste bet MehrbeitSsoziakisten erhielt 272 Stimmen, die der Unabhng-gen 306, die der Kommunisten 95 und bte bet Demokra­ten 99 Stimmen. Danach entfallen auf die bei. den '-ziafiflischen Parteien ie 6 und auf bie he« mrfrtrittst »nd kommunistische je 2 Stimmen.

Um die Bersaffsing.

Ein trauriger Anstatt.

(Drahtbericht unseres Parlament. Mitarbeiters.) Wcinmr, 28. Februar.

ES ist ein ungemein trauriger und betrü­bender Auftakt, mit welchem die Freitags- Sitzung der Nationalversammlung eröffnet wird. Aus alttn Teilen des Reiches kamen Notrufe über spartakistische Vergewaltiguu- aen von Städten und Zeitungen und ganzen ArbetterKassen; sie lösten stürmische Erregung aus. Die endgültige Reichsverfassung wird in erste parlamentarische Beratung genommen. Di« Debatte eröffnet der Mehrhettssozialtst Fischer (Berlin), der seine Freude darüber zum Aus­druck bringt, daß diese nette Verfassung sozia­listischen Geist atmet. Der Zentrumsabgeord­nete, ehemaliger Dtaatsminister Dr. Spahn nimmt in grosszügigen staatsrechtlichen Ausfüh­rungen Stellung zu dem Entwurf. Mit grosser Spannung lauscht man Weiter den Ausführun­gen des Redners der deutschnationalen Volks- Partei, Dr. von Delbrück. Et kritisiert den Ent­wurf in geistreichen Ausführungen. Mit Spahr bemängelt er, daß in dem Entwurf (entaegcr der ersten Vorlage) das Verhältnis von Kirch« itrtb Staat nicht geregelt ist. In der Fortsetzung der Beratungen am Nachmittag sprach der der deutsch-demokratischen Partei angehörend« Oberhürgermeister von Kassel, Koch, dessen Siebe Wir ausführlich bringen. Als bann Dr. Eohn vor fast leerem Hanse spricht, sitzen io den Rethen der Unabhängigen nur zwei Män­ner, die übrigen sind außerhalb Weimars tm StreSgebiet, um dortberuhigend' zu wirk?»

Aus dem Sitzungsbericht interessiert intim Stadt Wohl am meisten die

Rede deS SberbÜrgermeistsr- Koch.

Der Redner führte aus: Unsere kranke Zeit ist mit einer neuen Derfaffmig nicht zu heilen. Die Verfassung soll uns aber das sichere und tragfähige Fundament zu einem Reubau un­seres Reiches und Volkes liefern. In der pretr- ssisth gefärbten Geschichte hat man uns immer gelehrt, daß Alles, was 1848 versucht worden ist, untauglich gewesen sei. Heute sehen Wir, daß eine gerade Linie von 1848 auf 1918 führt. Die Verfassung, die MSmarck ge­schaffen hat, war nicht ein Ideal, sondern das damals Erreichbare. Der Abgeordnete Del­brück hat recht: um einen solchen Bau zu er- hatten, bedürfe es starker Klammern. Der Ban nmßte sich lösen, als die stärkste Klammer, Bis­marck selbst, fehlte. Herr Delbrück tritt heute hier auf und Weist uns den Weg, den er und seine Freunde hätten rechtzeitig gehen müssen. Heute sehen wir, Welche Fülle von Weisheit lange brach gelegen hat, Weil der Druck der preußischen Reaktion zu stark war. (Lebhaft« Zustimmung bei der Mehrheit.) Richt alle Bau- steine, die MSmarck legte, sind verloren. Der erste und Wichtigste Baustein ist die Einheit des Reiches. Wir sollten in unserem tiefen Schmerz bei dieser einen Freude einen Augenblick ver­weilen, daß dar kostbare Kleinod der Reichs» einheit, das unsere Völker nach einem sieg­reichen Kriege heimbrachten, im5 auch nach einem unglücklichen Kriege nicht verloren ge. gan-en ist. (Beifall.) Und eine Freude, die noch darüber steht, ist die, daß sich unsere Reichs- einheit durch Hinzutritt von Deutsch-Oesterreich

zu einer nationalen Einheit zu entwickeln im Begriffe ist. Der zweite Grundstein, auf dem unter neues Reich gebaut werden soll, ist der Gesichtspunkt der Demo­kratie. Die Völker des Westens haben sich entgegen aller Voraussage im Kriege völlig selbst gewählten Führern unterworfen, und wer hat bei «ns die Verantwortung getragen? Die Kanzler kamen und gingen, und man wußte nicht, Wessen Verttanen sie hatten. Der Reichstag aber War Während des Krieges nicht in der Lage, etwas Rechtes z« tim, Weil die oberste Kommandogewatt und ba­ren Umgebung immer das Sinnen des Reichs» tag:» zu durchkreuzen wusste. (Lebhafte Zustiu» mim« bei der MehrHett; Ummbe^md Wider» fpruch rechts. Rufe links: Das 'MiLt Ihnen wohl nicht?> Die Lehre nehmen Wyr aus den Ereignissen d»S Krieges mit. daß ein bevor» mundeteS Volk m dem Augenblick der Gefahi nach Sekbständigkeit strebt, und das Joch ab- zsstSMeln sucht, während «in freies Volk sick selbst gewählten Führern vollständig unter» wirst. , Die Dentt-rati- legt der Regierung die Freiheit aus, dem Sinne des Volkes gegenüber einer widerstrebenden Minderhett zu vollem Recht zu verhelfen. Wkr Werden di« Regierun« varrn unterstützen, denn Demokratie soll nick» Schwäche fern, sondern Stärke lBeisall) kennen keine bessere Ausdracksforn der Demwkratie aB den Parlamentaris­mus. (Anrufe rechts: Protektionswirtschaft.)

ProtettionSw irtschaft

haben wir gerade unter der alten Regierung gehabt. (Rufe rocht-: Das ist eine FÄschun»