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Nr. 70.

Neunter Jahrgang.

MlHMKWIW

L Beilage.

Zottttiafi, 23. Februar 1919

1 nehmen alle Postanstalten htt H

I O WV V^U *V*WUMV *V*U<'0 ganzen Deutschen Reich« Be- j A stellungen auf die Kasseler Neuesten Nachrichten entgegen. An unsere auswärtigen M I Leser, die durch die Post unser» Zeitung erhalten, und für den Monat März noch I J nicht bestellt haben, richten wir die Bitte, das Versäumte sogleich nachzuholen, da } = sonst eine pünktliche Wciterliefcrung am 1. März nicht gewährleistet werden kann. W

8m br etzleu Gebiet.

Ein Trierer Briet.

In vielen Teilen des unbesetzten Reiches Herrschen wunderliche Vorstellungen von den neuen Lebeusvertzältnisten der Bevölkerung im besetzlen Gebiet In den Mosels!äd.en, so heißt «§. fuhren die Menschen einSchlaraffenleben". Gerüchte verbreiteten, daß die Amerikaner die ganze Stadt und einen Teil der Landbevöike- ning mit Lebensmitteln versorgten, daß in allen Stadtvierteln Verkaufsstellen eröffnet seien, in denen Lebensmittel aus Driesens zetten zu Friedenspreisen verlaust wurden Kaffeebohnen, Schokolade, Seife, Käse, Kakao, Fett und Apfel­sinen solle man in beliebiger Menge dort kau­fen dürfen ... Viele Neugierige haben sich in­folgedessen auf die Reife gewagt, um dar »Säun» dcrleben- dieser bevorzugten Mensche« selbst zu Schauen. Unterwegs ist ihre Neugier schon be­straft worden. Tie Meisten haben die Erlanb- nis, in besetztes Gebiet zu reisen, überhaupt nicht erhalten. Dian hat sie schleunigst dorthin znrückg^schickt, von wo sie kamen. Jede unnütze Reise ist untersagt. Pah, Passierscheine, Aus- weispapiere und beglaubigte Scheine über den Reise zweck sind irnÄedingt erforderlich ...

Nach Fliegerschrcck und den überraschenden Novenchcr-Erlebnissen halben wir uns in un­serer D ofelstadt langsam wieder ausoe.richtet. Allmählich haben wir das bange Arrfhorchcn verlernt, das unheimliche Lauschen auf den hei­seren Sirnenton des Fliegeralarms ... Tie fang« West in unserer Stadt unternimmt wie- er die sonntägliche Promenade um die »In­sel", das ist der Nnndgang durch die belebten Geschäftsstraßen im. Marktv'.ertel. Die Insel ist die Lästerallee der Stadt. Dort wird Mo­den- und Brautschmn gehalten, dort grüßt man sich mit lächelnden Auren und plaudert sorglos wie im Kaffeehaus. Wer von den jungen Da­men und Hcrrern nach längerer Abwesenheit sich wieder in seiner Vaterstadt zeigen will, der macht nur einen Gang nm die Insel. Tort wird er sicherlich nicht übersehen werden. Die Insel ist der Stolz und das Vergnügen der jun­gen Welt. Seit dort der hartnlose Flirt wieder eingesetzt hat. scheint auch das seelische Gleich­gewicht in kriegAbange Herzen eingezogen zu fein. Sorglose Träume träumen die Erwachse­nen aber noch lange nicht wieder. Still und traurig geh, Einer am Andern vorüber. Immer farbenbunter wird das Straßenleben. Immer größere Arttoparks der Amerikaner tauchen auf. Französische Truppen kommen und gehen ... Einzelne amerikanische Reiter kn riesigen, breit­krempigen Schiapphüten. mit eingebeuftem Kaps, den Fuß im indianischen Ledersteigbügel, reiten durchs die Straßen ... Ein Autoungetüm, durch PanzerwLu.de itnb Planen geschützt, be­gleitet von einer Anzahl bewaffneter Ameri­kaner. rumpelt übers Pflaster. Neben dem Füh­rer und zwischen amerikanischen Soldaten sitzt tht deutscher Zahlmeister. Deutsche und Ameri­kaner sehen dem atrffälltgen Fahrzeuge nach. Sie !agen, deutsches Geld werde darin zu den ALi- erten gebracht ...

Deutsches Geld siebt niedrig im Kurs; fran- zösisches hoch. Unsere lurrmbnrgischen Nach­barn, die rm Schimpfen Über deutsches Wesen heute wetteifern, haben die Gelegenheit zu einem eigenartigen Geldschmuggel benützt In Luxemburg soll das deutsche ffläld abeestoßen werden. Es wird daher zu einem bestimmten Kurs gegen französisches Geld angenommen: etwa f-<3 Mark argen 100 Franken. Mit diesem französischen Geld« kamen die Luxemburger in unsere Stadt und wechselten es wiederum ge­gen dentsches ein. Sie machten ein ausgezeich­netes Geschäft dabei. In Luxemburg wurde das deutsche Geld abermals gegen französisches ein» getauscht und wieder über die »deutsche Grenze gebracht. Dieses einträgliche Kcchselgeschäst im Pendelverkehr trieben viele Schlaumeier so er« stiebig und so lange, bis sie verdächtig und ab- steschnappt wurden. ... Jeder Einwohner hat feinen Personalausweis bei sich zu tragen. In den Hansgängen sind Listen mit Namm und

Stand dos einzelnen Hausbewohners ange­bracht ... Auf dem Wochenmarkt hält der ame­rikanische Soldat friedlich und freundlich Ge- müfecinkäufe für seine Küchen, Kantine oder das Kasino ... Jeder neue Tag eitttoidclt einen geradezu wirl'eluten Geldverkehr, wie ihn in­ternationale Verkehrsorte zeigm. In zahllosen Mengen tattchen die amerikanischen Motorräder auf mit den praktischen Degleitgondeln. Befehle werden darin übermittelt, Besorgungen erledigt, Meldungen übertragen, kleine Gepäckstücke be­fördert, und wie mit fliegender Post wird darin der Offizier oder Svldat von einem Stadtteil zum aderen getragen ... Unsere Zeitungen er­scheinen mit Erlaubnis der amerikanischen Zen- surbehörde. Zeitungen aus dem Reich kommen jetzt kaum noch zu uns.

Trier zeigt immer wieder das Bild unter der amerikanischen Farbe. Jetzt fahren zwischen khakifarbigen Autos auch die hechtgrauen der Franzosen ummterbrochen burd> die Stadt. Auf unseren Straßen auirlen die Rationen durch­einander. indessen über den Dächern ein 'Flie­gerheer in vogelartiger Sicherheit dahinsegelt. Den weltstädtischen Verkehr auf Plätzen und an Straßenkreuzungen regeln die amerikanischen Militärpolizisten mit großer Ruhe und Ge­wandtheit. Zwischen Fahrtstrecken, Straßen- bahugleisen, mitten im Menschenstrom und un­ter zahllosen Fahrzeugen stehen sie wie auf einem Ausguck, heben den Ann, geben einem hcranfahrenden Auto stumm ein Halte- oder Richtungszeichen nud überschauen mit einem Blick jede Stockung in der endlosen Kette von Fahrzeugen und Fußgängern. R. K. N.

Aus aller Welt.

E!n t8cherg«r Konditor.

Eiw Konditor in Svendborg, so erzählt ein schwedisches Blatt, hatte dieser Tage eine grö­ßere Partie Honigkuchen vorrätig, die ihm alt­backen zu werden drohten. Schließlich hatte er einen guten Gedanken. Am Tage darauf stand folgende Anzeige in den Zeitungen der Stadt: ,.Ein junger Mann, nicht olme Vermögen, sucht aus diesem Wege eine Begleiterin durchs Le­ben. Er sieht weniger ans äußere Vorzüge und Vermögen. Vonrrteilsfreie Damen im Alter von 20 bis 45 Jahren, die hierauf reflektieren, können auf eine ehrlich gemeinte Annäherung des betreffenden jungen Mannes morgen nach­mittag gegen drei Ühr in Olfens Konditorei rechnen. Kennzeichen: Man bestelle einen Ho­nigkirchen und eine Tasse Schokolade." Selten hat sich die Macht der Presse so klar wie m diesem Fall erwiesen. An dem angegebenen Nachmittag war die Konditorei vott heirars- tirftiapt Damen überfüllt. Bereits in fünfzehn Minmen war der letzte Honigkuchen verkauft.

Was die Berliner Putsche kosten. Die Spartakusunruhen in der zweiten Januarwoche in Berlin haben nach den nunmehr vorliegenden Schadenersatz-Anmeldungen bei der Stadtge­meinde Berlin nenn Millionen Mark Schaden verursacht. In einer SpartakuSversammlung wurde die Zahl der Spartakusopfer bei den Januar-Unruhen auf .437 Tote und mehr als 200 Verletzte angegeben.

* Im Kampfe mit Rättbern. In Berlin drangen nachts bewaffnete Soldaten in ein Haus der Augsburger Straße ein und über­raschten die Mitglieder eiyes SpieMubs bei ihrer »Tätigkeit". Sie nahmen ihnen das ge­

samte Geld und ihre Juwelen ab 'und versuch­ten dann zu entkommen. Inzwischen hatte man die Wache des nächsten Polizeireviers alarmiert. Als die Wache anrückte, eröffneten die Solda- r<n sofort em Fouergefecht, wobei ein Wachtmeister und ein Sicherheitssodat schwer verwundet witrden. Der Täter schwangen sich dann in eine Kraftdroschke und sind enttotmnen.

* Ball im Negligee! »Endlich etwas Neues", Verbünden Plakate an den Straßenecken von Berlin und laden zu einem »Ball in Ne­tz l i g e e" ein. der demnächst in einem dortigen bekannten Lokal: stattfinden fett. Ws Kostüme werden vorgeschlagen: »Pyjama, Fantasie- und Babhtlerder ü Doch ist für diejenigen, deren Gar­derobe diese Bekleidungsstücke zufällig nicht ent» halten sollte, auch großmütig »Gesellschaftstoi» rette" gestattet. Sehr hübsch ist, in unserer Pe­riode der Heizungs- und BSleuchttmastrot, der Vermerk: »Anfang =Z7 Uhr. Ende ? ?

Wann wird man sich endlich einmal des Ernstes der Lage bewußt werden!

* Verwegene Einbrecher. Einbrecher suchten -in Derkiner Kleidergeschäft heim. Sie kletter­ten am Fahrstuhlgevüst bis zum zweiten Stock empor, drückten eine Fensterscheibe ein und stah­len für hunderifünfzigtausend Mark Seiden­stoffe. Tast ufw. sowie wollene Kleider. Auf die Wiederbefchasfung des gestohlenen Gutes ist eine Belohnung von fiinfzehntauisend Mark ausgesetzt.

* Ein Stubenmädchen als Hochstaplerin. Der Leipziger Kriminalpolizei ist es gelungen, eine Hochstaplerin zu verhaften, die in 93min unter der Maske einer Tochter des Bankiers Bleichröders umfangreiche Betrügereien verübt batte.und steckbrieflich verfolgt wurde. Die Verhaftete, die sich als Stubenmädchen namens Irma Kluge aus Breslau entpuppte, trat im Jahr- 1016 in Berlin als Kinokönigin Betry Nansen auf.

* Tas verbotene Musizieren. Der franzö­sische Ortskommandant von Griesheim hat angeordnet, daß sämtliche Klaviere, die im Orte sind, abgeliefert werden müssen, wenn wieder, tote schon öfters trotz des ernsten Verbotes, abends nach zehn Uhr Klavier gespielt wird.

* Fleischlose Tage in Budapest. Aus Buda­pest wird telegraphiert: Von nun an werden zwei fleischlose Tage in der Woche, und zwar am Dienstag und Freitag, emgefiihrt. Die Re» begründet diese Maßnahme mit der Verhinderung der Entfuhr von Lebensmitteln aus den besetzten Teilen Ungarns uttd dem star­ken Rückgang des Viehftandes int unbesetzten Ungarn.

* Späte Rache. In Aftinchen-Gladbach wurde das Bismarckdenkmal Don belgischen Solda­ten vernichtet. 'Sie spannten um die Figur ein Seil und befestigten dessen anderes Ende an einem Kraftwagen. Dieser wurde dann in Bewegung gesetzt, so daß das Denkmal nieder- stürzte und völlig zerbrach. Die Tat geschah gegen Willen und Wissen der Vorgesetzten die­ser Soldaten.

»US der Heimat.

Das Heckenschneiden.

Das Beschneiden lebender Hecken während der Zeit vom 1. März bis zz. AM jeden Jah­res ist im Interesse der Förderung der Vogel­brut und der Obstkultur verboten; in der übri­gen Zeit darf es nur mit Heckenscheren und an­

deren zum ordnungsmäßigen Gebrauche be­stimmten Werkzeugen vorgenommen werten. Alle vor dem 1. April abwelkenden Obstbaume oder Aeste müssen entfernt, alle nach dem 1 April absterbenden Qbftbaume und Aeste rm Herbste beseitigt und im Lause des Winters der. brmmt merben. Das Abbrennen von G r a s f l a ch e ii und Rainen ist nur nrit Genehmigung der Ortspolizeibebörde gestattet. Hecken dürfen in der Zeit vom 1. März bis 31. Juli jeden Jahres nicht abgebrannt werden und in der übrigen Zeit nur mit Genehmigung der Ortspolizeibehörde.

* Löhlbach, 22. Februar. (Versammlung.) Vor einigen Tagen fand hier eine stark besuchte Versammlung statt, die eine Kundgebung zu­gunsten unserer noch immer front Feinde zurück» 'gehaltenen Kriegsgefangenen war. Die Ver­sammlung erhob einmütig Einspruch gegen ihr« wettere Zurückhaltung und forderte lofortrge Zurückfübruntz. Der neugeDWeten Ortsgruppe schlossen sich 351 Personen an. Eine Hausfamm- lung ergab den Betrag von 746,50 Mark, der zweckdienlich verwandt wird.

* Wichenhausen. 22. Februar. (Städtische Auslagen.) Unsere Stadt hatte bis Ende De­zember 1318 für Kriegsunterstützungen an be­dürftige Familien der Kriegsteilnehmer 583 570,44 Mark bezahlt, durchschnittlich wur­den 500 Familien mit monatlich 25 Mark für die Frau und 15 Mark für jede andere Person unterstützt. An Steuerausfällen fron ShrtegS- teiluehmern hatte die Stadt 30978.14 Mark zu verzeichnen

* Witzenhaufen. 22. Februar. (Versuchter tlebcrfaß.) Einen Ueberfall auf die Frau, eines hiesigen Angestellten der suchte ein junger Mann am IohamMoerg. Patrouillen der sofort be­nachrichtigten Bewachungskompagnie suchten die Gegend ab und stellten als Täter einen 17 jährigen Burschen aus Küllstedt fest und brachten ihn in Pokizeigewahrsam.

* Abterode, 22. Februar. (Von ter Post.) Postverwalter Schweinsberg erhielt den Charakter eines Postsekretärs.

* Eschwege, 22. Februar. (Auszeichnung.) Oberpostafpstent Sälig, der als Feldpost» sekreiär tätig war, wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet.

* Bad Hersfeld, 22. Februar. (Direktor der Lullusbrunnen-Gesellschaft) Zum geschästsfüh- renten Direktor der Lullusbrunnen-Gesellschaft, m. b. H., Bad Hersfekd wurde Ludwig B ei­tet früher Prokurist in Firma Gebrüder Diel, rich, Fritzlar, einstturmiq gewählt

* Vom Meißner, 22. Februar. (Erste Schnee­glöckchen.) Die Vorboten des Frühlings zeigen sich. Die Vegetation treibt sichtbar bei bent stuchttnilten Wetter. Die Schneeglöckchen find bereits da, die Wintersaat hat ein gutes Aus­sehen, auch die Aecker mit den Futterkräutern. Am Meißner ist der Schnee bis auf versteckte Roste gewichen. Das Gebirge war die meiste Zeit in dichten Nebel gehüllt.

* Fulda, 22. Februar (Erhöhte Lustbar- leitsstöuer.) Hier plant man gegen das lieber» hanr>nehmen der Lustbarkeiten di« Erhöhung der Kartensteuer um 100 Prozent und rer Pau» fchalsteuer um das Fünfsache der seitherigen Satz«. Auch wird man sich mit den Nachbar» gemeinden ms Einberu-ehmen setzen, damit diese ihre Steuersätze für Lustbarketten erhöhen.

* Frankfurt. 22. Februar. (D'ebstahl im Goldwarenladen.) Bei einem nächtlichen Ein­bruch in das Goldwarengeschäft von Karl Gre» benau fielen den Dieben für mehrere 100000 Mark Goldwaren und Juwelen in tue Hände. Gas Grebenausche Geschäft befindet sich an zentralster Stelle des Frankfurter Verkehrs­lebens. Der Eiubrmh, der mit großer Frechheit vor sich ging, konnte nur im Vertrauen auf un­zureichende nächtliche Bewachung geschehen.

Am- den NachSgr-GsSieteu.

* Münden, 22. Februar. (Befltzwechscl.) Da» »Tivoli", das rühmlich bekannte Hotel mit Gar­tenwirtschaft, ist durch Kauf in den Besitz bed Hotelbesitzers Carl Jung hierselbst uberge» aanaen.

Au» Bem Reiche der Natur

Haben die Tiere Dersiond?

Wie Gelehrten sind sich noch nicht einig über t!e Frage, ob gewisse verstandesmäßige Hand­lungen der Tiere, die bisweilen das höchste Staunen zu erregen geeignet sind, wirklich auf Intellekt beruhen oder nur auf instinktmäßige Triebe zurückzuführen sind. In der einschlägi­gen Literatur finden sich ungemein zahlreiche 6alle verzeichnet, die als Beweis für das Vor- indensein eines tierischen Intellekts angeführt werden. Es mag dahingestellt bleiben, inwie­weit diese Schlußfolgerung richtig ist; wenn Bver auch nicht wenige Fäll- tierischen »Vcr- Handes" bei eingehender Prüfung aller Um­stände sich lediglich als Aeußerunqen des In­stinkts zu erkennen geben, so läßt sich doch nicht leugnen, daß manchmal die Entscheidung bar» Über schwer ist, ob Instinkt oder Verstand bei wr betreffenden tierischen Ha-idlung im »viele ist. So hatte man ht einem frer»zosiflen zoologischen Institut unter anderenPensionä- wr." auch eine Lukane, ein kleines geflügeltes Insekt, das schließlich in Einzelhaft gehalten werden mußte, weil es alle Gefährten überfiel enb mißhattoelte. Es wurde daher in ein klei­nes Strahldrahtvaner mit einer Schließ tür ein, »eTferrt, und allgemeine Bcnipigiung herrschte üntüber, daß es nunmehr unschädlich gemacht war. Tie Einz^lhast machte das Tier jedoch WTCnfinnKt: wie rasend fuhr es gegen dic Ään»e des Bauers imo prüfte jeden Stachel- woht, ob er nicht zu durchbrechen fei. aber an» Wmgs vergebens.

Giues Morgens war das Tierchen jedoch «erkchwuirden, irnd wurde erst wieder eingeßan- sen, nacktem es ein anderes Insekt getötei ettc. Run wurde es wieder eingesperrt untz Ittnmt bewacht, und man bemerkte, wie es an teg Drähten schüttelte, bis cs zur Tür kam. Wach vielen Versuchen gelang es ihm je* och, iHe Tür zu öffnen. Man Netz das Insekt dieses Oxperimeut einige Male wiederholen und zst- Wtzt öffnete es die Tür seines Gefängnisses mH Wk Routine eines alten Gefängniswärters.

Auch die Tatsache, daß Tiere sich durch die Sehnsucht zur Freiheit in ihrem Handeln leiten lassen, läßt sich durch viele Beispiele belegen. So erzählt man von einem Orang-Utang, der in einem Zimmer eingeschlossen war, wo er das Schloß nickst erreichen konnte, eine interessante Wahrnehmung. Was tu» der riesige Affe? Er schob einen Stuhl zur Tür, stieg hinaus und öffnet» ohne weiteres das Schloß. Ein Doktor Roubet, der sich besonders mit der Pfersedres- fitr beschäftigte, hatte es mit seinen vttrbeinig'u Zöglingen so weit gebracht, daß er niemals die Stalltür zu offnen brauchte. Das taten die Pferde selbst sehr leicht, indem sie ihre Lippen und Zähne gebrauchten. Ein anderer Tiersoc» scher erzählt von einer kleinen Zweraratte, bi« er in einem großen Masbehätter eingesperrt hätte, auf dem Boveu de» Behälters hatte er ettvas Stroh als Lager für den kleinen Gast auSgehreitet. Von dieseut Str ob hatte sich die schlmi-e Ratte eine Leiter hergestellt, war daraus hinaufgeklettert, hatte ein Loch in das Tuch über den DchMer aenagt und war auf Nim­merwiedersehen verschwunden.

Snirtes WIetlef.

Em schwedisches Blatt macht darauf aus- merksam, daß General Ludendorsf in geratet Linie von Gustav Wasa, dem Schweden­könig, abstammt, der 1523 den schwedischen Thron bestieg. Gustav. Wasas Sohn Erik der Viedzchnte hatte eine fron- ihm anerkannte na­türliche Tochter Virginia Eriksdotter, die mit dem Landeshauptmann Haaktzn Hand vermählt ttw Deren Tochter war Elisabeth Hand, ver- ntiBtt mit Peter Gyllensvärd. Aus dieser Ehe entsproß der Rittmeister Johann Gyllensvärd, und aus dessen Ehe mit Maria Tleonora Po s: Märta Eleonore Gyllensvärd, di- den Mttmeifler Karl Magnus Kruzell heiratete. Ihr Sohn, der Regimentsauartiermeister Karl Mag­nus Kruzell. war Vater von Virgima, Eleonore Kruzell, aus deren Ehe mtt dem Kaufmann Lars Brink in Boraas Mari- Lsvisa Brink ent­sproß, die den Schkffömaler in Göttborg An­ders Leffler (gest. 18531 bei raut» <-e Tochter

aus dieser Ehe, Ada Lovisa Leffler (18051862) heiratete den Stettiner Kmtfmann August W. Tb. Ludendorff. Der Sohn dieses Paares, Ritt­meister A. Wilhelm Ludcudorff und seine Ge­mahlin H. von Tempolhos waren die Eltern des Generals Erich Ludendorff. August 53. Th. Ludendorff und Ada Lovkfa Leffler hatten ferner eine Tochter Fanny, die den Oberst von Hptter heiratete. Deren Sohn Oskar von Hu­tter, der Sieger von Riga, ist also durch ferne Mutter ein Vetter Ludendorffs und kann seine Familie aus sckstvedischsm Königsblut ableiten.

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Die KsebSschale als Daramot«,.

Die Bewohner des südlichen Chile bedienen sich eines Barometers, das die Natur den Chi­lenen völlig kostenlos jtefert und das seine Auf' gäbe mit einer so großen »Zuverlässigkeit erfüllt, baß so mancher bei uns zulande seinem teuer bezahlten Zimmerba'-ometer vergeblich eine solche Geuguigkcit wünscht. Dabei ist dieses 'üdchilenische Barometer äußerst einfach; es be­steht aus nichts anderem als aus einer teeren Krebsfchale. Die Hütte des ehemaligen Krebses zeigt nämlich eine merkwürdige Empfindlichkeit gegen alle atmosphärischen Veränderungen. Bei trockenem Wetter ist sie first weiß bei beginnen­der Feuchtigkeit mit kleinen bleichen rötlichen Flecken gesvrengelt, die je nach dem Feuchtig­keitsgehalt der Luft zunehmen, bis schlreßfich mit dem beginnenden Regen die ganze Schale eine einheitlich rrte Färbung zeigt, die sie daun währens der ganzen Regenzeit deibehält.

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Er konnte es tefrSfiigett.

Der dänische Athlet und Ringer Kalle Bet- terffon kommt auf das Postamt fron Braaköping, irm eine an Hn adressierte Wertsendung abzu­holen. Der Postmeister: »Hier steht »An bett Athleten Kalle Petterssmr." aber wie sollen wir wissen, baß Sie das sind? Haben Sie einen Geburtsschein oder sonst einen Ausweis bei sich?" Pettersson: »Nein, aber es gibt nur cin»n Kalle Pektersson in Draaköviug. Hat kei­ner der Herren von mir sprechen hören?" Post­meister: ,Iia, das mag schon fein, aber niemand fron uns kcnnr Sie persönlich. Sir muffen auf

irgend eine Art bekräftigen, daß Sie Kalle Pet» tersson sind." Petterfson (zieht den Rock aus und krempelt die Hemdarmel auf):Do, Sie fragen nach Bekräftigung? Na, dann sehen Sie mal her!" Damit reißt er den am Boden be­festigten grohen Tisch los, hebt ihn hoch und schmettert ilm auf den Boden, daß er in Stücke geht, «mannt den Ofen, der das Schicksal d«O Tisches teilt, tragt den Geldschrank auf diS Straße,-kommt wieder herein, jongliert eine Weile mit dem Postmeister und den Assistenten wie mit anderen Zwe imä rate Haften, und dann stellt er sich mit gekreuzten Armen hin und fragt: Wünschen die Herren, daß ich noch weiter be» kräftige, daß ich Kalle Petterfson bin?"

Da6 Mittel zum Zweck-

Ein durch seine Unliebenswürdigkeit bekaun» ter Gelehrter wurde eines Tages von einer Frau um Rat gefragt, wie sie denn am besten einen zudringlichen Bewerber loswerden könne. Die'Dame war nichts weniger als schön und bet Gelehrte trab ihr ben Rat: »Sie tun am besten, wenn Sie ihn heiraten." »Ich ihn hei­raten?" antwortete di« erstaunte Dorne, »ich wollte ihn lieber gehängt sehen." »Dann heiraten Sie ihn nur!" beharrte b«r Ge­lehrte,und ich wette, er hängt sich selbst «*

Hoffnung.

Sie jauchzte über sanften Hügeln

Am Azurzelt.

Run liegt sie mit gebrochnen Flügeln

Und sturmzerfchellr.

Wemt doch ein weißer Engel Brate

Vom Sternenland

Und meine kranke Hoffnung nähme

An seine Hand.

Um einmal, einmal noch zu lauscheu.

Fern allem Leid,

Dem dmikeltiefeN Drunueitiauschen

Der Ewigkeit.

ttm einmal noch zu knien an Hügeln

Der ander» Welt!--

Run liegt sie mit gebrochnen Flügeln Und sturm^erfchellt. Frann MaJitk«,