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Kasseler Abendzeitung

Sonntag, 23. Februar 1919

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 70.

Fernsprecher 951 und 952.

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9. Zahraasrg.

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Kaffckr Nemste Mchrichtm

Hessische Abendzeitung

Ausrufung der Me-Republil in München.

Unsere HMdelsflotte.

ein Beitrag zu dem Trierer Abkommen.

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L. Persius, Kapitän z. See a. D-

Die deutsche Seeschiffahrt hatte in den Jahren vor dem Kriegsausbruch eme außer­ordentlich rasche Entwicklung genommen. 1910 umfaßte sie 433 186 Drutto-Regchcr-Tonnen, 1911 4 466 880 Vr.-Reg.-To., 1912 "289V Br - Reg.-To., 1913 5 082061 Br.-Reg.-To. Von der letzten Ziffer entfielen auf den Dampfergehall 4 743000 Tonnen. Unsere Dampfcrflotte stand «n zweiter Stelle unter denen der Welt. (Eng- Land 19 849 200 und Nordamerika 4 302 300.) Im Laufe des Krieges ging uns dre Halste der Schiffe verloren, durch Kaperung, Beschlag- ncBue u. a. m. So sieht die Zukunft un­serer Handelsflotte ä u tz e r st t r ü b e aus, um­somehr, als es zweifelhaft ist, ob der Rest un* ftr2I Schiffe uns verbleiben wird. Es nutzt wenig, wenn jetzt Wer die .unbedingte Aus­lieferung" unserer Kauffahrer bewegliche Klage­lieder angestimmt, Proteste erhoben werden. Minister Erzberger bezeichnete es am 13. dre- feS Monats in Weimar als einen Irrtum, - die deutsche Handelsflotte .ausgeliefert" werden solle, sie würde nur .zur Verfiignng der Alliierten" gestellt. DieS war nötig, wollten wir nicht auf die Zufuhr von Lebensmitteln verzichten. Die Bedingung der Entente lautet mrf eine kurze Formel gebracht: .Wünscht Deutschland die erforderlichen Nahrungsmittel, ko muß es auch für die nötige Transport- gelegenheit Sorge tragen. Wir haben keine Schiffe übrig? Hiernach sollten die in deutschen Häfen liegenden zweieinhalb Milttonen Tonnen Schiffsraum .unter Kontrolle der Alliierten" zur Versorgung Deutschlands mit Lebensmit­teln Mr Verfügung gestellt werden. Fach er­klärte sich bei der Sitzung am 13. Dezember dabei im Prinzip einverstanden, daß diese Schiffe deutsches Eigentum bleiben und mit deutschen Seeleuten als Besatzung fahren sollten.

Die Erregung über die einzelnen Be- »lngungen, unter denen die deutschen Kans- fahrer zur Verfügung unserer Feinde gestellt 1: arbeit sind, war groß. Aber wir sollten nach­gerade die Sentimentalität verlernt haben. Es tz'mmt leÄglich auf den Erfolg an, der uns in den englichen Besitz von Nahrungsmitteln u. a. wt. setzt, die uns so dringend not tun, soll wicht l user Volk, unsere gesamte Wirtschaft zu itrunde gehen. Wer hätte die Verantwortung für eine Ablehnung der an sich so demütigen- t st Bedingungen üvernommen? Höchsttvahr- s peinlich keiner derjenigen, die fetzt ein so gro- f-s Lamento über Herrn Erzbergers Ergen- riächtigkeit erheben, der nicht die Urteile der Sächverstürvdigen abgewartet hAtte. Für den Realpolitiker bleibt nur die eine Sorge: i.»erden wir die Schiffe mit Lebensmitteln be­laden. bald Wiedersehen? Ueber den endgül­tigen Besitz unserer Handelsflotte fällt die Ent- i heüiung erst auf der Friedenskonferenz. Ge- ! chen wir es uns doch ein, uns fehlt heute Liber! jedes Machtmittel, um, wie über» t stnpt eine Forderung, so auch einen Besitz­anspruch auf unsere Handelsschiffs flotte durch- i-ksetzen. Wir müssen uns flar darüber sein, f- die Erfüllung unserer Wünsche von dem ritten Wllen unserer Feinde abhängt. Was i-ützte es uns -udem, wenn wir unsere Kaus­ichrer retten kommen, wenn uns aber jeder l stmdelsverkehr in der Zukunft unmöglich ge­macht wird? Wilsen sagte in seiner Rede in Manchester am 30. Dezember: .Der gute Wille ist der Vorläufer des Handels, und ver Handel ,'t das große Freundschaftsinstrument der igelt" Wenn es Wilson nicht gelingt, schließ- i'ch doch noch mäßigend, rtn besonderen aus Frankreich, einzuwirken, wird der Völker- ' und. aus den sich unsere Hoffnung stützt, nicht fustande kommen, oder wenigstens nickt in einem Sinne, wie es segensreich für den Frie­den der Völker wäre.

Was wir tun können, ist lediglich, der En- t-nte zu sagen: .Wenn ihr uns jede Handels- nrögtichkeit abschneidet, indeni ihr uns unsere ttauffahrteffckiffe nehmt, so schädigt ihr euren eigenen Handel. Ihr fäet Haß, t eit schlechtesten Bereiter des Bodens, auf dem i och nur der gegenseitige Handelsaustausch sich bollziehen kann, und ihr braucht diesen Han- telsausrausch! Ihr könnt ein-Millioneu- Volk nicht zur gänrNchen Verarmung verdam­men. Je härter ibr mit uns verfahrt, umso wilder wird die Empörung in unserem Lande anfflammen, und die Rachegefühle werden nicht cuSbleüben. Fhr mögt den Geist der Völker- remenischast töten, aber den des Bolsche­wismus zieht ihr groß" Ist der Glaube berechtigt, daß das gesckvftskluae Groß­britannien sich diesen Argumenten gegenüber -'erschließen wird? Es müßte gegen seine Tra­dition, gegen seine Eigenart verstoßen. Und so darf num hoffen, daß nickt nur unsere Kauf- tchrtstiflotte, wenn duck in beschränktem Um- junge, uns erhalten bkeibt sondern, daß siS

MUnt Ma her Miing mm.

Sitzt ng der Arbeiter-, Bauer«» und Soldatenritt».

, sDrrchtberichie.)

München. 22. Februar. Eine außerordent­liche Sitzung der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrätr fand gestern nachmittag nach einer Demonstration auf der There- fi c n w i e s e statt, in der der Svartalistenf'ih- rer Levien die Entlassung der attivcn Offi­ziere und Unteroffiziere forderte. Astgesrinettr Gaumöser sagte, daß der Rätetongrrß un- verzügjlich nach München einzuberrven sei An eine Weitertagung des Landtaaes ist nickt zu denken. Kein Abgeordneter wäre feines Lebens sicher. Die Minifstr haben sich den Räten zur Berfüguii" gestellt. Die Räte-Reyr runa soll auch im Stande sein, den entfesselten Massen haltbare Dämme ,entg»'enzust»llen Die Rate-Republik wurde von den Radikalen in Flugblättern aus gerufen. Ter ei­ter- ttnb Sosvatenrak. der zur Zeit die Macht in Münckcn in den Händen hat. wi«d mit die­ser Mackt den Versuch machen, einen Mini?cr rat der Rolksbeauftraaten zu bilden. Es wurde vom Arbeiter- und Koldatenraf bereits ein Vollzugsausschuß gewählt, in dem auch der Spartakistenführer Levien Aufnahme fand.

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Sonderfitzung der RerchSregrerung.

Weimar. 22. Februar. Die Reichsrezierung ist noch in der Nacht zu einer Sondersit­zung zusammengetreten. um zu der U.n äl- zung in München Stellung zu nehmen. Heute früh werden die Beratungen fottgkssetzt. Es wird versichert, daß die Reichsrscieruno die Bildung einer verfassungswidrigen Räte-Dikta tnr in Bayern nicht dulden und mit mili­tärischen Gegenmaßnahm en vor^hee wird. In der Oett'f^n Sitztwn der Nat-n«! - versannrrlmtg werden hierüber noch keine endgül tigen Erklärnnaen her ^eirentna erwartet.

Nach rusfisedem Vorbild».

Nürnberg, 22. Februar Seit zwölf Uhr Mitternachts sind die Telefenverbiirdungen jnit

München unterbrechen. Haupttelegra­phenamt und Hauptfernsprechmnt 'n Atun- chen sollen von den Komm uni st en besetzt sein, doch war eine Bestätigung der Nachricht nicht zu erlangen. Gegen Mitternacht wurde im Nürnberger Büro deS Spaltokusbundes be­kannt gegeben, daß Bayern kommnnt- stifcke Republik nach russischem Vorbilde geworden sei. Der Versuch die Münchener Kasernen zu besetzen soll bis Mitter­nacht insolae MiderstandeS der Vchnöfeuer Trupp?n nicht gelungen fein.

Lnruhen in Augsburg

Augsburg, 22. Februar. Aus Erreguna über die Ermordung Eisners rotyte-, fick gestern abend ungefähr tausend unabhängige Sozialdemokraten und Spartakisten sowie Mi­litär zu einem Stta-ennmzug zusammen und erstürmten die Verlaasgebincke der Zentrums presse, der ^Augsburxcr Zeitung" undAims- burger Volkszeitung". Sir zertrümmerten fast Alles. Die Zeitungen können in den nächsten Tagen nicht erscheinen. DieAugsburxer Neu­esten Nachrichten" erlitten das gl-iche Schicksal. Das alte berühmte HotelDrei Mohren" dessen EinriÄung einen hohen Wert hat, sowie bsS Gefch.äffstzauSLandauer" wurden eSeyfolls e stürmt und ausgevlünder.t.

Gpartaku* iet Vrfitz der Waffen.

München. 22. Februar. Die Spartakisten haben sich in den Besitz mehrere» Waf­fe n - und Munitionsdepots gesetzt. Sie verbreiteten Flugblätter, wonach ihnen aus Nürnberg zehntausend Svartakiftv« mit mehreren hundert Maschinenge­wehren zu Hilke eilen Die Generalstreik: e- wequng findet bisher in München keinen durch, schlagenden Erfolg, dock haben die meisten Fa- brikbettiebe aus Furcht vor Spattakus-Ueber - fällen, die erwartet werden' geschlossen.

auch über kurz oder lang die Hanbeis- fäden zlvischen D'e'u ts ch Fa n d und den feind kichen L andern wieder an- spinnen werden. Sorgen wir mittlerweile dafür, daß der Boden hierzu gedüngt wird, in­dem wlv durch energische Arbeit die Güter schassen, die zum Austausch notwendig sind.

Eisners 6rmerbnaa.

Auf dein Weg zum Landtag erschossen.

(Drabtberrcht.)

München. 22. Februar.

Gestern morgen winde Ministerpräsident E i s n e r auf dem Wege zum Landtag in der Praunerstraße von dem Leutnant Grasen Arco Sollet) durch zwei Kopfschüsse getötet. An dem Mörder wurde auf der Stelle Justiz geübt; auch er ist tot. Im Landtage selbst wrrrde dann auf den Minister A u e r ein Atten­tat verübt. Im Sitzungssaale und von den Tribünen fielen Schüsse. Auer ist lebens­gefährlich verletzt; der Abgeordnete Ufel wurde tödlich getroffen; weiterhin erhielten zwei Mimsterialbeamte schwere Verletzungen.

Ei« Münchener fltiioni.Äemitte.

München, 22. Februar. (Drahtdericht.) An­läßlich der Ermordung des Ministerpräsidenten Eisner hat sich aus den drei sozialistischen Par­teien, einschließlich der kommunistischen Partei und dem Vollzugsrat der, Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte ein Aktionskomitee ge­bildet. In einem öffentlichen Anschlag gibt der Landes-Soldatenrat, das Ministerium für urili- täristhe Angelegenheiten, sowie der Dtadtrom- mandant und der Polizeipräsident bekannt, daß das Volksgerickt eine Untersuchung der Angelegenheit bereits in Angriff genommen habe und daß die strenge Bestrafung der Schul­digen durckgeführt werden würde.

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Weitere Einzelheiten.

München. 22. Februar. lDrahtberichi.f Ms Minister Auer im baherffchen Landtage einen Nachruf für Eisner sprach> als darauf Dbg. Kiehrl (Baver. Vpt.t eine Erklärung feiner PaGei abgeben wollte, fiel plötzlich ein Revolvers ch n ß. Der Abgeordneten .be­mächtigte sich eine große Panik. Weitere Schüsse fielen vom Eingang her und von der Zuhvrer- tribüne. Die Ätzgeordneten fürchteten durch alle Türen aus dem Saal. Der Vorhang an bft (inten ErmmmMür wurde aukaerissen und

herein stürzte ein Man«, der mit erhobenem Stevolver weitere Schüsse in der Richtung aus den Minisiertffck abgab. Minister A n e r fan! plötzück, von einem der Schüsse in die linke Brustseite getroffen, zusammer,. Abgeordneter U fei wurde tödlich von einer Kugel getroffen. Zwei Ministerialbeamte. darunter Ministerialrat Köber le, erhielfett schwere S ch u ß v e r l e tz'u n g e n. Die Minister Frau­endörfer und Hoffmann, satvie Abgeordnete der foziaLdemeckratffchen Frakttvn bemühten sich zu­nächst tim Auer. Die Verletzung ist schwer. Sa­nitätspersonal leistete die erste Hilfe. Die Sit­zung wurde daraus ausgehoben. Die Kunde von dWen bluttgen! Vorgängen drang rstit Windes- ecke in alle Stadtteile. Alle Geschäfte wurden geschloffen. Der SttaßenLahiwerkehr wurde mittags eingestellt. Ueberall wurden rote Flaggen auf Halbmast gehißt. Auf der Theresienwiese sammelten sich die Massen zu einer großen Protestdemonstration. Uetier_ Mün­chen wurde der BehagerungKzuftand verhängt.

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Minister Auers Befinden.

Frankfurt a. M., 22. Februar. (DrahtSericht.> ueber das Befinden Auers, der in der ckiruroffchen Klinik sich befindet und von den Gerüchten bereits mehrfack totgesagt wurde, er­fährt der Münchener Vertreter der .Franffur- rer Zeitung" zuverlässig, daß die medizinischen Autorttäten ihn nach glücklich verlaufener Ope­ration am Leben zu erhalten hoffen. Der Mini­ster Mr nEtärffche Angelegenheiten Roß­häupter, der zunächst in Hast genommen wurde, befindet sich wieder auf freiem Fuß, soll aber völlig zusanrmengebrochen sein.

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Wilde Schießereien im Stadtinnern.

München, 22. Februar. ffDrabtberichtst Die große Demonstration auf der Theresienwiese ist in den NackMtttagsstunde« verhältnismäßig ruhig verlanstn. Gestern abend um siebenein­halb Uhr ging ein w i 1 des Schietzen im Stadtinnern los. Abends um acht Uhr waren alle Straßen in München so gtrt wie menschenleer. Abends dauerte die Schie­ßerei im Stadtinnern noch fort. Es gehen Gerüchte imt. daß die Hotels erstürmt worden seien. Die Wahrbett dieser Gerüchte kestzustellen. ist zurzeit völlig unmöglich, da fcte Nachrichtenübermittestlng vollständig Ufttcr- brocken ist. Ein Offizier so« aus seiner Woü- nuitfl aus ein mit Soldaten besetztes Automobil, das durch die Straße fuhr, geschossen haben. Verschiedene Verhaftungen wurden vorgenom- nien, imtet ander« wurde Graf Crailsherm, der ie München eine große Rolle spielt, verhaftet.

Gegen die Tpartafists«.

Ernst» Worte Dcketdemanns.

(Drahtbericht unseres Parlament. Mstarbertcrs.)

Wrimar. 21. Februar.

Weimar stand am Fr.-itaa unter dein Druck höchster politischer Spannung. Dle Beratungen der Abgeordneten am Vormittag wurden durch die furck-bare Mitteilung über das Blutbad in. München vollständig gelähmt und gestört. Die Erregung wuchs als näfiere Nachrichten über die schrecklichen Vor» gönge cintiüfeu. Auch äußerlich sah, man in Weimar manche Veränderung. Aus den umlie­genden Orffchasten wurden erhebliche Truppenteile am Rande der Stadt Der" sammelt. Die Absperrung, namentlich vor dem Parlamerrtsgebäude wurde verstärkt und apck das Maschinengewehr auf dem Bal­kon der rechten Straßenseite-erscheint wic» de r. nachdem es eirirge Tage zurüü'g-zogen war. Die gesamten Besatzungsquartiere werden unter Alarmbereitschaft gesetzt. Es fällt auch auf, daß Scheide mann, bet eigentlich immer zu Fuß ins Parlament kam, beute im gefchloffeuen Automobil unter fiar* ker Bedeckung v»rfährt. Im Parla» mentshause summt es wie in einem Bienenkorb Erregt werden die Münckencr Vorgänge be­sprochen und die batzeriicken Abgeordneten wer­den besonders bestürmt. Auch auf bg Regie» rungstribunc geht es nervöser als sonst zu. Dcheidemanrr erscheint *m schwarzen Anzug und schwarzer Äravatto. Er spricht mit niemanden und vertieft sich in rtn Manuskript. Er will sofort über dfe MniWi« Vorgänge iprccken.

Fehrendack vcr,a7n-melt oro Pt,itestührer um sich und verhandelt lebhaft mit ihnen. Scheidenrann tritt alsbald mm Rednerpult. Bei feinen entfettenden Worten erheben sich all« Anwefenden von den Sitzen. Totenstille herrscht als Scheidemann seinen Schmer, und seiner

Empörung über die neue Bluttat Ausdruck gibt. Seinen Freunden, die von den Spartakisten angeschoffen wurden, widmet er die wärmsten Worte. Nach Sckeidemanns Worten ergreift eine tiefe Bewegung das Haus. Das Diätengefetz wird in dieser Unruhe ohne Debatte in allen drei Lesungen angenommen. Minffterfstäsident Scheiibemann ergreift in der fortgesetzten politischen Debatte ivieber das Wort. S o ernst hat Scheibemann nochniegesprocke«. Aber auch selten so entschlossen und so erregt. Er b-spr-chi die Svgrtakusaewalttaten im Reich, namentlich im Ruhrgebiet Tiefen Eindruck macken f-unc eind'inalichcn Worte, daß die junge Repubstl vielleicht schon in kürzester Zeit vor der schwer­sten Erschütterung, wenn nicht vor dem Zu­sammenbruch steht Scheibemann kenn- zeichnet die Spariakusgewalttaten als gemeine Räubereien, was wiederum sturm'sch« Kuudaebunaen bet Mehrheit und erregte Un« ruhestörungen bei den Unabhängigen Hervorruff. Scheidemann sprickst immer leidensckaftlrcher, mit den Fäufien schlagt er auf das Pult und er schreit förmlich den Unabhängige« seine Empörung ins Gericht. Zu einem Beifallssturm ohne Gleichen kam eS, als Scheidcmann mit Aufwand aller seiner nicht gl" ringen Stimm-Mittel in das Haus hinernruft. baß

die Regierung h«te noch zum Teufel gejagt werben müsse, wenn e nickst mit allen M it* teln Gewalt »egen Gewalt etnfetze« würde. In b«s Kändeffatschen aus den Bän­ken der Abgeorbwsten stimmen die Tribünen« befncher mit ein. Es ertönen allerdings auch Rufe .Zu fbätT Sckekbemann erklärt noch­mals bte feste Ettffchloffenhett der Regierung, den Selben des Volkes ein Ende tu macken. Den Beifall «ach Scherdemanns Rede suchen die Unabhängige« durch Zischen zu erdrücken, was ihnen aber nickt Seftngt Jnzwrfchen ist rin Antrag der Führer ver Mehrheitsoarteien auf ein Vertrauen'«votuTu für die Regierung eingegangen. Es kommt bann die dritte Gerni« tur der Redner Vkr großen politischen Aus­sprache mit dem Mehttheitsfoziaffsten M ee r-t seid ZU Wort. Zv.nächst sind es lediaffck Haus" licke Vuseinanderfetzungen mit den Unabhängig gen. Dann erber spricht Meerfcld über Alle- und Jenes ohne irgend Weicker neuen Gedan- den in die Debatte ju bringen. Der Führet der ckrfftffchen Gewerttchaften Deuffchlarbs, Zentrumsabqeoi4weter Stegerwald, spricht bann zunächst ettrsrbeNb über

die rheinische Fraae.

Es seien feiner»! ««deutsche Motive, dis bch den Lsslösungsssitpreb'rngen mitkvräcken. Auso fikbrlick spricht bAnn Ziegerwald über den fi» > ialen Wiederaufbau Deuffcklarcks Das Zenb, ran spendet ihm Wieben Beifall. Die der brmoi krafiscken Patiei «ingshöreirde Frau _Sr. Bäu-i mer ergreift banr baS Wort. WaZ sie zu fasstf hat tft RebanfenrM und in der Form vorzüa- lick -t-stglikt. Am Minckiertisck Nw a®»!*: 5sel-