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nehmen auch weiterhin fruchtbringend tätig sind und besonders nach Möglichkeit mit den Sicher- Hetsmaßnabmen der Stadtwehr Hand in Hand arbeiten würden. Im Organisationsplane der Sradtwehr ist die Einzelbewachung von Privat- bänsern, Fabriken und Jnuenräumen gar nicht vorgesehen gewesen, der Dienst der Sradtwehr sieht vielmehr nur den gesamten Sicherheits­dienst im großen vor, besonders die Sicherheit in den Straßen, nm Ueberfälle und dergleichen zu verhüten.

Konzert Rudolf ThirS.

Im Hackerbräusaale spielte Dienstag abend der erblindete Flötenvirtuose Rudolf Thirs vor zahlreichen Zuhörern. Seine schon oft be- inährte Kunst seingeschliffener Vortrag neben flüssigster Technik zeigte sich auch diesmal wieder, obenan in der prächtig gegebenen Kon- zertkantasie .Tremolo* von Dermerflemann in bestem Lichte. Neben ihm feierte Frau Tanner- Wünsch, mit ihrer geschmeidigen schönen Stim­me und der erquickenden Vortragsweise Lhrer Sieder Triumphe. Der Dritte hn Bunde war Herr Friedrich Iunghenn, der im Vortrag einiger Dichtungen tief künstlerisches Verständ­nis zeigte, das in prächtiger Weise den jewei­ligen Skimomngsgehali zn erschöpfen wußte. Es gcch viel Beifall, als Gegenstück von.oben herab einige Angaben. g.

Die Koffelor DucheSerrr.

Ende März wird voraussichtlich den 5kas- felanern, die noch Bucheckern aüfbeüvahren, eine gute Gelegenheit gegeben, die Hälfte dieser Eckern für sich schlagen zu lasse« Eine Firma in Harleshausen wird eine Oelmühle ausstellen und den Zeitpunkt der Eröffnung noch genau bekannt geben. Wer feine Eckern schlagen taffen will, har die Hälfte der Ecker« bei der Genossenschaft für Häute- und Futtverwertnng (Abteilung Flei schvcrteilwng), hier, Schlachkhof- straße 28, abzugeben und einen Schlayscbein auf die gleiche Menge mit der Angabe pt verlangen, daß die Eckern in der Oelmühle in Harleshausen geschlagen werden sollen. Wer zum Beispiel 50 Pfund Eckern hat, gkbt 25 Pstnck ab und läßt sich über die restlichen 25 Pfund einen Schlagschein «ruf den Namen Knierim (jene Harleshäuser Mühle) geben. Dann werden die 25 Pfund zu der Mühle nach Harleshausen ge­bracht. die nach Fertigstellung das reine Eckernöl peaen, Bezahlung eines mäßigen Schlaglohnes

LokarnachrrchteK vom Tage.

-r- KehrauS im alte« Stadtparlament. Wie wir hören, versammelt sich di« Stadtver­ordnetenversammlung in ihrer jetzigen Zusammensetzung noch einmal am 20. Februar. Es würde der Schwanengesang sein. Inzwi­schen nehmen die Beratungen innerhalb der Parteien über die Ka n d i d a t e n l i st c n ihren Fortgang. Die Verhandlungen sind überall so­weit gediehen, daß schon die nächsten Tage eine Klärung bringen werden. Rach einer heutigen Bekanntmachung des Wahlkommissars, des Bür- gcrmeisters Brunner, muffen die Wahlvor- schWge bis zum 22. Februar eingereicht sein.

y- Bilanz der Ferienkolonien. Nach dem jetzt vorliegenden Bericht des Vorstandes der Kassejer Ferienkolonien wurden im letzten Som­mer 15 Kolonnen ausgesandt mit 238 Knaben und 353 Mädchen, zusammen 591 Kinder , Fast durchgehend kehrten dir Kinder reckt befriedigt iitriict und zeigten^ein frisches, aesundes Aus­sehen, von verschwindercken Ausnahmen abge­sehen, hatten sie auch <m Körveraewicht zuge- nommen ,in einiger» Fällen innerhalb 4 Wochen 5, 6 Pfund. *

Das Ende der Feldpost. Seit dem ersten Februar, dem Tage des Außerkrafttretens der Feldpost-Portoverginlstigungen aus Anlaß der Demobilmachung, genießen iipt Jnlande nur noch die Angehörigen der mobilen Grenzschutz- truppen besondere Portovergünstigungen, soweit ihr Poftverkehr durch Vermittlung von Feld-

poflanstalten abgttvickckt wird. Die Aufschrift der Sendungen an die Angehörigen der Grenz­schutztruppen hat außer der Feldadresse (Name, Dienststellung. Truppenteil) den Vermerk .Feld. Postbrief", sowie den Zusatz .Grenzschutz" und die' Feldpostnummer in der Form »Deutsche Feldpo Nr ..." zu enthalten. Nach denselben Grundsätzen haben sich die. Heeresangehörigen ans den von ihnen ausgehenden Sendungen deutlich als Absender zu bezeichnen, zum Bei­spiel: Absender Jäger A. Meyer, Jäger-Batail-- lon 3, 2. Kompagnie, Grenzschutz, Deutsche Feld­post Rr. 857. Für die Angehörigen der in Kur­land und Litauen verbliebenen freiwilligen Formationen sind Postsendungen künftig in demselben Umfange wie für die Grenzschntz- linvpen zu gelassen, also auch gewöhnliche Brief« bis 275 Gramm (einschließlich Uebergewicht).

Weitere Milderung der Witterung. HeP», früh wurde in der Stadt noch4.3 Celsius go messen. Im Laufe des vormittags wurde er wesentlich gelinder. Für den morgiaen Frei­tag sagt der amtliche Wetterbericht folgende Witterung voraus: Meist neblig, trübe, strich­weise schon leichte Niederschläge, Frost weiter gemilvert.

Die Fulda als Sportplatz. Aus dem Eise der Fulda ttrmmeln sich noch immer zahlreiche Schlittschuhläufer. Auch mit Schlitten wrro sie beehren. Es zeigt sich aber bereits, daß das EiS morsch wird und eS steht außer Zweifel, daß die Herrlichkeit in wenigen Tagen vorüber sein wird, wenn die Milderung der Witterung anhalten sollte.

-e- HindenbnrgS-Abschied von Wilhelm3höhe Gencralfeldmarschall von Hindenburg richtete vor der Verlegung seines Hauptquartiers nach Kolberg ei« Schreibe» an den Oborpräsidenten, in dem es heißt: .Bei meinem Scheiden ist e# mir ein herzliches Bedürfnis, aufrichtigen Dank zu sagen, für die so entgegenkommende Auf­nahme, die ich und mein Stab in der Eurer Ex­zellenz anverkrauten Provinz gesunden haben.'

-T- Haben Sie Butter.. ? In ein Geschäft kommt ein Soldat und stagt nach Butter. Er wird auf den Markenzwang aufmerksam ge­macht. Dann möchte er etwas anderes kaufen. Auch hierbei stößt er ans Schwierigkeiten. Dann erzählt er eine ergreifende Geschichte, wie er hunderte von Kilometern von der Ukraine her marschierte mti Sehnsucht hn Herzen und fht« det nun in der Heimat seine Frau... untreu. Allein steht er do.. Man packt ibm verschiedene Sachen ein und hört dann dar Wend von an­deren Geschäftsleuten, daß es ihnen auch f» gegangen ist!

-r- Unfall bei der Arbeit. In der Repa«- turwerkftätte des Derschiebebahnh ofe» wurde gestern ein Schlaffer von einem anderen anS lftrvorsichttgkeit mit dem Vorhammer in* Gesicht geschlagen. Er erlitt eine schwere Kie­ferverletzung und verlor sämtliche Zähne. Die. Kriegersanitätskolonne beförderte ihn nach' dem Marienkrankenhause.

-r- Knrhrssische Gesellschaft filr Sunil und Wissenschaft. In der Vorwoche hielt der auf dem Gebiete der modernen Vererbungsgesetzc bekannte Forscher Profess. Dr. CorrenS ehie gut besuchte Vorlesung. Der Dozent, der Direk­tor des Kaiser Wilhelm-Instituts jur Biologie an der Berliner Universität ist, gab wertvolle Aufklärungen über die Vererbungslehre, deren Geschichte noch fing und die noch nicht lückenlos geklärt ist.

-r- Anfragen nach Truppest-Standorten. Von mMtürischer Seite wird uns geschrieben: Dur DLmobilmachMtgs-Auskmrstsstellcn des Kriegs-. Ministeriums sowohl, als die des hiesigen Ge­neralkommandos sind mit Anfragen aus dem Publikum über Standort von Truppen, Er- satztruppenteile, DemvbilmachnngSorte und De- mobilmmchungsangelegenheitcn aller Art so überhäuft, daß eine zeitgerechte Beantwortung dieser Fragen nickt mehr durchfiibrbrr ist. De» artige Anfragen sind an die zunächst gelegenen Garnison- oder Bezirkskommandos zu richten, die durch das Generalkommando mit den not­wendigen Unterlagen für die Auskunftsertei­lung aus gestattet sind. Falls sie nicht in der Lage sind, die gewünschte Antwort zu erteilen- werden von ihnen die Anftagen an das Gene­ralkommando von diesem nötigenfalls an das

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scdingungen, die Zeittmgsmeldungrn zufolge pon unseren Gegnern geplant sind. Der Bür- aerbuud erwartet van der Nationalversamm- htttg (üezw. der Reichsregierung), dass sie sich >''len solchen Vergewaltigungen, die dem Ge­danken der Bollssersöhnung Hohn' sprechen, mit einmütiger Entschlossenheit widersetzt.

tcien an und steht Ihnen nahe, aus denen sich die neue Regierung bilden wird. Die anderen Herren bitte ich, in unseren Taten nicht nur das Trennende, sondern auch das Gemernsamc sehen zu wollen und bei mir auch voraususetzen, was ick bei Ihnen voraussehen will: eine tief­ernste Auffassung von der PAuht zum Vater­lande.

Staffel and Frriheffm.

Kundgebung der Kasseler Handelskammer.

Kassel, 13. Februar.

Neues aus Kastel.

Der gefchäftSführeUde Ausschuß der Hau- elskammer Kassel hat sich für den Fort be­fand deS preußischen Einheits- aate5 ausgesprochen. In bet Verwirk- i ickung des Preuß'schen Planes liegt nach einer ansprechenden Erklärtmg eine ungeheure Wick chaftliche Gefahr. Bei allen Übergriffen, die l ei der Kriegswirtschaft von. Berlin ans vor- t stammen sind, darf doch nicht vergessen Wer­nen, wie eng die Beziehungen zwischen dem Kasseler Bezirk und Berlin in wirtschastlicheff Hinsicht waren und noch sind. Ersatz für das, -vas der Kasseler Bezirk durch die Stammes- abgrcnzung wirffchastlich verlieren würde, kann er innerhalb der ersttebten neuen Republik nie­mals finden. Das wirtschaftliche Schwergebiet ttoses Staates würde sich vollständig nach dem Süden verschieben, Frankfurt würde die Kräfte an sich ziehen, Kassel not der vor­geschobenste Punkt des wirtschaft­lichen Brückenkopfes Frankfurt wer- »en. Auf seine Eigenstellung.als Mittelpunkt rineS Wirtschaftsgebietes, das weit «ach West­falen, Hannover und Thüringen hineinreicht, müßt« Kassel dauernd verzichten.

Die.Aussichten, diese seine Stellung noch ztr verstärken, hatten sich in den letzte» Jahren, teilweise gerade unter dem Einfluß deS Kriegs, für Kassel «och erheblich gebessert. Von alle­dem kann «ach Errichtung ehret hessischen Re­publik gar keine Rebe mehr sein. Auch die Hoffnungen, die Kassel «rf den Anschluß a» die Matn-Werra-Weser-Wasfee- st raße fetzte« durste, würden verloren fein, ' wenn sie nicht mehr «ff das preußische Inter­esse gestützt weiden könnten. Daß das ReichS- intersffe dabei den Ausschlag geben sollte, ist eine gtiüfte Illusion, wie besonders die bisherige Haltung Bayerns in diesen Fragen beweist. Richt unerwähnt soll bleiben, was Kassel als Gemeinde dadurch verlieren würbe, daß eS nrfhören müßte, ProvinzhllhauptMN ga sein, die Forkverlsgung der Behöcken, der Wegzug -er Beamten, die Vermindermrg deS Verkehrs vürden Mr Mrtschafklichen Dmödung Kaüels jt- »- - - tz/ al, - * - -

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reffientttfl. Wie wir hören, ist beabsichtig, als Sitz deS neuen Reichspräsidenten m Berlin Schloß Bellevue auszuersehen. Die Frage der Gewährung der neuen GebMsbezüge für den Reichspräsidenten und die Mtqkieoer des Ka­binetts wird demnächst gelöst werden und der Natioatalverfammlung die endgAtige Festsetzung überlassen werden.

Neu« große Firmnzgefetzr soll die ReichSre- gierung, wie in parSamentarischen Kreisen vet- «rufet, der Nati onalversamnrlüng vorzulcgen beabsichtigen. Es handelt sich hierbei um die Schrffersscken Entwürfe über Vermögensab­gaben. Diese Absicht wird vielfack in der Na- Lonalversammlunq nicht gutgeheißen, da es -richt Aufgabe der NatioualversamnÄrmg sei, vem neue« deutschen Parlament vorzugreifen.

Präsident Ebert an die Presse. Reichspräsi­dent Ebert empfing gestern nachmittag im Foyer des Weimarer Nationaltheaters zu Weimar die Vertreter der deutschen und deüffch-österreichi- sckerz Prefle. Er führte hierbei u. a. ans: Der erste Tag meines Amtes soll auch der Tag sein ton dem ick mit der deutschen Presse Fühlung nehme. Ich freue mich, daß mir ein Amt zuge» -fallen ist, unter dessen vornehmsten Aufgaben die Wahrung der Grcffefteiheit obenanstestt. Die' große Mehrheit von Ihnen gehört ja den Par-

3m Kaufmännischen Verein.

Im Kaufmännischen Verein sprach Dienstag abend in ferner bekannt anregenden, tempera­mentvollen Art Musikdirektor Karl Hall- wa chs über das Thema: »Mozarts Figaro und das Ende des Rokoko." Sein Vorttag brachte, nachdem er kurz den Geist des Rokoko- -eitalters, des achtzehnten Jahrhunderts, das, trotz vielfacher Kontraste doch eine große Ein­heit der Kunst und geistigen Kultur zeigt, be­rührt hatte, in großer Eindringlichkeit und fein­ster Ziselierung Moza-ms »Hochzeit des Figaro", das nach dem Terte des Beaumarchais von der Ponte mit ferner Hervorzerrung des ganzen bevorzugten Standes, durck die Mozartsche Kunst, seine menschenblidneri'sche Kraft, attf ein« höhere Stufe der inneren Freiheit erhoben wurde. Figaro ist folglich also kein Spaßvogel, wie beispielsweise der Roffinische Figaro im Barbier von Sevilla", sondern eine durchaus ernst zu nehmende, seelisch einfache Persönlich, reit. Susanne ein gewitzigtes Kind, di« Klügste deS ganzen Spiels, aber trimmet ein kokettes Zöschen. Die Gräfin, die Leidende, aber hoff­nungsvoll«; Cherub irr, der (Göthe- Mignon vergleichlich) Halbreffe Knabe der Sturm» und Dr-anajahre, Bäckchen, das anmutige lbind.

Ja selbst Dr. Bartolv. Basilio und Mar- zelliue keine Karikaturen, sondern nur komische Figuren infolge ihrer besonderen menschlichen Eioenart. Es läßt sich hier natt-rlich nicht wie- dergebeu, was Herr HallwachS <m musiba-lischen Stellen alles hervorholte, um Mozarts groß« CharakterisierungWunst, diese große menscken- bildende Kraft zu zeigen. Ans jeden Fall wat es für jeden Mszaätkeirner oder -Liebhaber ein Genuß, diese feinfühlige NrMeqnng zu ver­folgen. Ein Schlusswort berührte dann noch unseren nationalen Stolz, der im Erkennen un­seres geistigen Besitzes, unserer großen Kunst, weiter ffeigen soll, und der vor allem auch die JntevNQriouallWt der Kunst, Weil sie Seelen- verwandffchaft fordert, verneinen soll. So, wie Mozarts Kunst von Italien nicht verstanden wurde, «nd wie nur ein Deutscher verstehen rann» was dieser deutsche Meister schrieb. Die zahlreichen Zuhörer waren voller DeffaMfreude, auch zeffw-Äig mit Recht nach den pia- nistrschm und gesamglichen künstlerische« Darbie- NANkkn des DorttageNden.sch.

Von bet Stadkwehr.

Bei der Dirrchführung der Bewachung öf- fentlickrr Anlagen, Jnnenränme und Lager war es verschirventkich zu Kompetenzkonflikten zwischen den Angehörigen des Stadt'wehtrpm-- «mndos und den Beamten der hiesigen Wach- imd ÄWeßgesellschnft gekommen, wobei der Anschein erweckt wurde, als ob die Stadtwehr auch die Jnnenbewachung von Fab'riken und Jnnenräumen vorzunehmen hätte. Das Stadt- wshilommando hat nun für die Oeffentlichkeit schr interessante Richtlinien für die ge­meinschaftliche Arbeit ausgestellt. Da­nach ist die Stadtwehr ein Sicherheitsverein, in der Stunde der Rot geschaffen. Seinen Mit- iTliebern liegt es ob, alle Befugnisse im Inter­esse der Ruhe, Ordnung und Sicherheit rnner- halb des Stadtbereichs auszuführen. Die Tä­tigkeit der Stadtwehr wird fich er­übrigen. fobald normale Verhält­nisse, nach vMiäNdiger DemobAmachnng des Heeres nsw., wieder eintreten. Keinesfalls WM die Kasseler Stadtwehr irgendwie als Wett- bewerh-suntetnchmen der Wach- und Schkieß- aesellschafr in betracht kommen, im Gegenteil: sie begrüßt es selbst aicherordeutlich, wenn so allbewShrte und zuverlässige SicherheitSunter-

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IS) Roma« von H. ConrthS-Mahler.

Zu ihrem ff atmen zeigte ihnen Dr. Holm eine Vollmacht, Sic.iim beauftragte, in Lemkow bis nach Eröffnung des Testaments die Ober­aufsicht zu führen.

Natürlich wurde er mit Fragen bestürmt, wann das Testaurent gemacht worden sei und wann es eröffnet wecken solle. Aus die erste Frage blieb der Notar die Anttvori schuldig; die zweite beantwortete er dahin, daß das Te­stament eine Stunde nach dem Begräbnis Herrn von. Lossows eröffnet werden wücke.

Baron Lindeck war gegen seinen Willen Zeuge dieser Szene gewesen. Die nervöse, gie­rige'Hast der Lossows berührte ihn sehr unan­genehm. Er trat an die bereits aufgedahrte Leiche seines väterlichen Freundes heran und sah ernst und bewegt in das fiiHe Gefickt, struf beat die Majestät des Todes lag. Da huschte 'ein Sonnenstrahl über das Gesicht des stillen SAfläsers: er umzuckfe den auf ewig geschlosse­nen Mund es war wie das leise, sarkastische Lächeln, das im Leben so oft um feine Ltppe» geschwebt hatte.

Die wenigen Tage bis zur Beerdrgung ver­gingen schnell. Botho war von Berlin gekoM- Men. um dem Großonkel die letzte Ehre zu er­weisen. Auch er war siebet haft erregt, hoffte er dock», daß nun bessere Zetten fftr ihn kom­men würden, und er nicht mehr so sehr zu knausern" brauchen würde Zweifellos war ,dsck sein Vater Onkel HeriberiS Erbe. Zum Glück war.dieser gestorben, ehe die Amerikaner 'herüberkamen undertzschleächen" konntett.

Trotz dieser Zuversicht waren sowohl für Botho, als für seine Eltern und seine Schwe­ster die Tage, die sie von der Teftamerwseröff- nung trennten, eine wahre Höllenqual gewesen. Auch für Gitta bedeute:.- diese Erbfckaftsftage eine wichtige Entscheidung. War ihr Barer der Hanpterbe, dann erhielt sie eine glanzende Mit­gift, denn Lemkow war nickt Majorat wie Los- do-w, und sic würde mit ocm Bruder gleiche Stechfe dgran'haben. ,

Wenn sie als reicke Erbin satt, würde Ba­ron Lindeck wohl bald seine abwartende Hal­tung «nffgeben. Wer dann tarnen sicher auch noch andere Freier nach Lossow und sie wollte es sick noch sehr übetlogen, ob sie den Baron mit ihrer Hand beglückte oder einen an- deni. Lind eck hatte eigentlich durch seine Zu- rückbalmng zum niindesten verdient; daß sie ihn ein wenig zappeln ließ. Dann wollte sie sich räcken für sein zurückhaltendes Wesen, mit dem er sie gekränkt hatte. Ach, wenn doch erst das Begräbnis vorüber wäre!

Das war der hcisfe Winsch der Lossower. Und Ne Zett bis dahin er,ckien ihnen wie eine Ewigkeit.

Kuno hatte cs nicht für nötig befunden, sei­nem Bruder Fritz das Ableben Onkel Heriberts zu melden. Nun dieser tot war. wücke die An- geleMnheit mit dem Bruder ohnehin in ein ganz Mrderes Fahrwasser kommen. Kuno war froh, daß er dendiplomatischen Brief" an Fritz noch nickt, abgeschickt Hatte.

Sollte Wider Erwarten und gegen Kunos Wunsch Fritz als Miterbe in Berrmchr kommen, dann erfuhr er es durch den Notar noch imm-'r zeitig genug. Dann war es Zeit zu einer enb- gÄtiaen SteMngnah'.ne dem Bruder und seiner Familre gegenüber.

Endlich war das Degräbuis vorbei. Das Trgüergefolge kehrte in das afte Herrerchaus zurück.

Frmr Helene machte, von Giita wrrksam un­terstützt Mit stohzer Würde die Honneurs. Gitta iah in der eleganten Trauerrobe sehr Mt aus. Das tiefe Schwarz bob den goldigen Glanz ibres blonden Haares.

Schweigend versammelte sich das Trauer­gefolge nebft den Beamten und der Dienerschaft von Lemkow in dem großen Festsaal des Han­fes. wo iu- langen Reiben Stühle ausgestellt waren. Diesen Stuhlreihen gegenüber war für den Notar ein kleiner Tisch «ufgeftellt.

Als alle Watz gtznommen hatten und der Notar mit feiner Asiemnäpve an den Tisch trat jferertote atemlose Stille. Baran Lindeck lewttc aofeits in einer Fensternische und sah mit ern­sten Augen auf all die blaffen, abgespannten Gesuhter. Weh-mütig dachte er daran, daß er heute vielleicht zum letztenmal in diesen Wv»

men weilen wücke, wo er stets ein warmes, treues Freundesherz gefunden hatte. Er fah gleichsam mit den Angen seines alten Freundes über die VersanmMng hin, und unwillkürlich spielte, auch um seine Lippen ein sarkastisches Läckelru

Frau Helene saß hockansgerichtet neben ihrem Gatten, der «nMlige Male über seinen Scheitel tastete. Botho klemmte das Monokel kramps- haft ins Auge und Gitta kokettierte selbst in dieser Stunde mit dem Baron, während ste in innerer Unruhe an ihrem Spitzentaschentuch zerrie.

Nun begann der Notar mit den üblichen Fornralitäten. 'Das Tsstament wucke von den Siegeln befreit und Dr. Hohn begann vor- zulesen.

Unter anderem hieß es in diesem Testament:

»Schon vor Jahren^ hatte ich ein Testament gemacht. DamaW wußte ich nickt bestimmt, ob mein Reffe, Fritz von Lossow, noch am Leben sei. Heute weiß ich, daß es der Fall ist; darum habe ick das frühere Testament vernichtet und ein neues errichtet.

In diesem rechtsgültigen Testament bestimme ich solgeNdes :

Meine Besitzung Lemkow mit allem Grund­besitz, allen Gebäuden und allem lebenden und :oten Inventar vermache ich ohne jede Ein- schränkung" hier machte der Notar eine kleine Pause und sah in Kimo von Lossows fieberhaft gefpanntes Gesicht »vermache ich ohne jede Einschränkung meinem Reffen, dem Freihcrrn Karl Heinrich Fritz von Lossow, der in Rewyork lebi und dessen Adresse meinem Notar bekannt fft. Er ist sofort nach der Testamentseröffnung dirrch meinen Notarmeinem letzten Willen zu mtterrichten. yfft. von Lossow ist also un- umfckränUer Herr auf. Lemkow. Falls et in­zwischen gestorben sein sollte, treten' seine bei­den Kinder, Fred und Ellinor von Lossow, in seine Rechte ein."

Es ging wie ein seltsames Rausche« durch den Saal. Niemand wagte es, nach bieten Santen Kümo von Lossow und seine Familie an'.nsehen. Die saßen mit blaffen, verzerrten Genckiern wie zu Stein eritem; imb bückten stier vor sich hin.

Dr. Holm führ fort vorzulesem

»Ich habe Fritz von Loffow deshalb vor sei­nem Brüder Kuno bevorzugt, weil Kuno als Erstgeborener feines Vaters bereits daZ Ma­jorat Lossow geerbt hat, während Fritz als' zweiter Sohu leer ausging. Mein Gerechtig- keitsgefiihl und meine eigenen Erfahrungen ha­ben mich zu dieser Bestimmung veranlaßt. Ich wollte damit einen Ausgleich schaffen. Die ein­zige Bedingung, die ich Fritz von Lossow stellfi ist, daß er meine Beamten und Diener, die ich als treu, ehrlich und zuverlässig erprobt habe»' in fernen Diensten behält, so lange sie sick gut führen. Es soll keiner meiner Angestellten durch diesen Besitzwechsel brotlos werden. Außerdem bin ich überzeugt, daß alle meine Leute meinem Neffen ebenso treif und ergeben weiterdiene« wecken, tote sie mir gedient haben. Und so bin ich gewiß, daß meinem Messen die Bewirt­schaftung von Lemkow erleichtert wird. Ich er­warte und hoffe von meinen Leuten, daß ste treu auf ihrem Poften bleiben, auf daß Lem­kow auch unter dem neuen Herrn blühe und gedeihe. Mein ReitpfeckSattr" und meine« Brillantring, dessen Goldreifen aus ineinander, geflockftenem EicherÄanb besteht, vermacke ich' zum Andenken meinem jungen Freund, Baron Heinz von Liudeck. Der Ring hat ihm immer so gut gefallen, und mein tteues Reitpferd weiß ick bei ihm in den besten Händen. Er soll bei­des mit einem letzten Gruß und herzlichem Tank für feine treue, uneigennützige Freundschaft ent» gegennehmen und mich nicht versessen

Mein Barvermögen in der Höhe von drei» malbunderttanfend Mark, das, ganz unabhän­gig von Lemkow, in sicheren Staatspapicren bei der Deutschen Bank, Berlin, sepouiert ist, soll folgendermaßen verteilt wecken:

Füufzigtausend Mark erhält jede meiner Gro,znichren, Brigitta und Ellinor von Lossow, zur Aussteuer von mir. Am Tage ihrer Hoch­zeit soll ihnen das Kapital ausgezahtt werden. Ms dahin erhalten sic nur die Zinsen zur freien Verfügung. Haben sie sich dis zu ihrem dreißigsten Geburtslage noch nick! vermählt, so etiiäteti sie das --kapital an diesem Tage. Ferner erhalten meine beiden Großneffe«, Borbo und Fred von Lossow, ie fünfrigtaufetti Mark unter denselben Bedingungen.

iForlse,unz