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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Nummer 56.
Fernsprecher 951 und »51
Freitag, 7. Februar ISIS.
Fernsprecher Ml «ch 951
9. Jahrgang.
Beginn der Weimarer Hational-Iagung.
Nm Meilenstein.
Zur Nationalversammlung.
Ganz Deutschland, nein, die ganze Welt schaut in diesen Tagen aus jene schmucke deutsche Klassikerstadt, in welcher nichts Geringeres als der neue Meilenstein deutscher Geschichte gesetzt werden soll! Nationalversammlung! Schon einmal gab es eine Epoche im Werden Deutschlands, da dieses Wort im Herzen des deutschen Bolles frohe Erwartung und Zu- kunftsdosinung auslöste. Der Schritt der Geschichte ist nun heute an einer neuen deutschen Nationawersammlung angelatcht, die freilich unter ganz anderen Voraussetzungen und ganz arideren Bedingungen für die Gestaltung der Zukunft des deutschen Dolles im eigenen Dater- lande, wie auch des Deutschtums in der ganzen Welt sich vollziehen muß. Welch ein Erleben liegt zwischen damals und heute! Welch ein erschütterndes Geschehen hat sich vollzogen! Dom Gipfel unseres Erfolges, von höchster Höhe, auf die uns dank der organisierlen Tatkraft des ganzen Dolles unsere materiellen, ideellen und tu?» turellen Leistungen geführt hatten, spülte uns nun der Wellenschlag der Geschichte in das Tal der Einsamkeit und Trauer. Deutschem Wesen aber frommt es nicht, deutsches Schicksal in fremde Gewalt, in fremde Bestimmungen zu legen. Darum kann es auch deutschem Wesen nicht entsprechen, der Hoffnungslosigkeit sich hinzugeben und tatenlos dem Werden der neuen Welt zuzusehen. Es kann und darf nicht sein, daß wir uns durch die dimklen Mächte des Schicksals niederringen lasten. Darum ist das erste Motto dieser deutschen Weimarer Nationalversammlung: Freudigen Herzens und Sinnes aufwärts zum Licht! Der sieghafte Glauben an Deutschlands und seines leiderprobten Dolles Zukunft und damit auch der unerschütterliche >ind unerschütterte Entschluß, zu wirken, zu werben, ru arbeiten für unseres Landes und Dolles Wohlfahrt, muß alle Arbeit, die vielfältig hart und schwer jetzt zu vollbringe» ist, beherrschen. Alle, die dazu berufen sind, mrtzuwirken am Bau der neuen Zeit, müssen erfaßt sein von der Macht. Wucht und Größe ihrer geschichtlichen Verantwortung. Freude an dieser nationalen Arbeit, freudiger Glaube an den Wert, die Kraft und Wirkung dieser Arbett läßt allein uns fähig werden, die Rii'entast der Vergangenheit abzutragen.
Die deutsche Zukunft wird gleichbedeutend sein mit der Zukunft der ganzen Welt! Das und wie sie es sei, das zu bestimmen, liegt in den Händen ihrer, die kraft VolkeS- willen nunmehr in Weimar zusammcntteten werden. Wir täuschen uns nickt über die jetzt noch gar nicht abzusehen.de Größe dessen, was zu leisten, was zu vollbringen und was an dieser Vollendung zu verbürgen ist. Wir stehen «cm Meilenstein einer neuen Zeit. Da gilt es unbefangenen Blickes nicht rückwärts, sondern vorwärts unb aufwärts zu schauen. Je weniger beschwert durch Erinnerungen an das Vergangene wir zum Neuen schretten, umso besser, umso sicherer und größer werden die Aussichten auf das Gelingen. Was ist die deutsche Mis- pon in der Welt? Kann es überhaupt noch »ine Frage darüber geben, daß wir. daß das brutsche Doll, daß das Deutschtum eine Wel- »enaufgabe besitzt? Kann noch ein Zweifel darüber bestehen, daß, mögen die Würfel fallen Wie sie wollen, unser Vaterland in einer neuen, Wie immer gearteten Machten-Gruppierung seinen vorzugsweisen Rang behalten wird? Wir ersehnen den Völler-Bund, wir sehnen uns nach eurer Völker-Organisation welche das Prinzip der Gerechtigkeit und des Rechtes über alleS stellt. Aber sehen wir nicht jetzt schon, daß die Gewalt wieder ihre obersten Ansprüche anmel- det, jenes Gewalt-Prinrip, das man uns zum Vorwurf machte, schickt sich bereits an, eine diesmal von außenher anfaedrungene Herrschaft -ber uns zu errichten. Könnte damit der Frieden der Welt verbürgt werden? Ist e? nicht geradezu Deutschlands und deutsche Mission, Demgegenüber das Rechts-Prinzip auf die Fabne zu schreiben und den Böllern damit die Sicherung ihrer Rechte und Interessen zu gewährleisten ! Es wird ganz von der Arbeit her Nationalversammlung abhängen, ob die Welt hes Glaubens wftd, daß deutsches Wesen trotz gllem, was geschehen ist. und man kann wohl ruch sagen, dank der Läuterung, die es hn ftriegsverlauf gefunden hat, dennoch der Welt Venefung bringen werde.
An die Arbeit! Das muß das Losungswort (etw, Vas an diesen Tagen von Weimar aus- gSBir brauchen auf allen Gebieten des etlichen Lebens so bitter wie das täglicke der Hände unb der Köpfe Arbett. Wrr en nnS ans der Tiefe, in die wtt gestürzt UH», duach eigene Kraft her «garbeiten. Niemand wird uns dahei helfen, unb wir werden r« Grunde gehen, wenn wir uns aus ftemde Kitterstützung verlassen würden. Aber auch nur »mm, wenn wir uns unsere Zukunft selbst er- ßchaffen, werben wir den Macht-Titel uns wieher erwerben, den "nA: brauchen, um unser An
sehen in der Welt, unsere Geltendmachung bei allen Böllern der Erbe wie ehedem wieder erringen wollen. Letzten Endes entscheiden die Realitäten, die Tatsachen! WaS wir leisten und schaffen, was wir wirken, schöpfen, wirb freilich die Bausteine liefern, um die Völler- Brücke wieder herzustellen, die der Weltkreis zertrümmert hat. Wir können nicht bezwungen werden, wenn wir uns nicht selbst aufgeben. So begrüßen wir heißen Herzens die deutsche Nationalversammlung in Weimar. Unsere Hoffnung vertrauen wir ihr an. Unserer freudigen Mitarbeit sei sie gewiß. Sie rechttertige nun das Vertrauen, welches das ganze deutsche Volk, der politische Machtfaktor der Zukunft, ihr übertragen hat. So schreiten wir am Meilenstein der neuen deutschen Geschichte dem Lichte entgegen! Dr. Kr.
Weimarer Affstätt.
Das Erössnungsprogramm. (Drahtberichst)
Weimar, 6. Februar.
In der heutigen Eröffnungssitzung der Nationalversammlung wird zunächst der Alterspräsident Psannkuch eine Ansprache halten, worauf der leiteude fozialdemo- kratische Volkskommissar von Sachsen-We'mar, Bändert, das Parlament begrüßt. Sodann wird der Bolksbeauftragte Ebert das Wort ergreifen, um die Ansichten der Regierung aus- etnanderzuHgen. den Eintritt Deutsch-Oesterreichs herzlichst zu begrüßen und gegen eine etwaige Vergewaltigung Deutschlands durch Nichteinhaltung des Wilsonschen Brogranmts Einspruch erheben. Ob der deutsch österreichische Gesandte Guido Hartmann daraus antworten wird, suhl noch nicht fest. A» erster der ersten Sitzungen der Nationalversammlung wird auch der Staatssekretär deS Aeußeren, Graf Brockdorff-Rantzan, eine Rede über die deuffche auswärtige Politik halten.
Die KabinettS-Paeteien.
Weimar. 6. Februar. (Drahtberichstj Die Frage der Kabinettsbildung ist im Armenblick noch nicht geklärt. Es scheint aber die Absicht zu bestehen, ein Gesamtreichs, kabinett von dreizehn politischen Mitgliedern zu bilden, zu denen dann noch der politisch außenstehende Staatssekretär des Auswärtigen, Graf Brockdorff-Ra n- tzau, treten würde. Das vierzehngliedrigc Kabinett wird voraussichtlich von sieb en S o- zialdemokraten und sieben Mitgliedern der demokratischen Partei und des Zentrums gebildet werden. Die gestrigen Sitzungen der Fraktionen beschäftigten sich in der Hauptsache mit der Vor- nähme der Vorftandswahlen. Die Deutschnationale Bolkspartei wählte den Grafen P o- sadowskv zu ihrem Fraktionsvorsitzenden. Zum Vorsitzenden der Deutschen BollSvartei wurde der föchffsckc Abgeordnete Dr. Heintze gewählt, während die christliche Bollspartei. die als Fraktion den alten Namen Zenttum beibebalten will, ihren alten Vorsitzenden Gröber wiederwählte. Die Temoftatsckc Partei wählte zum Vorsitzenden den Abgeordnete von Bayer. In Abgeordnetenkreifen hofft man. das? der Abgeordnete Fehren - bach zum Präsidenten der Nationalversammlung ausgerufen werden wird.
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Ger ArbertSbksS der Regierung.
Weimar, 6. Februar. sDrabtbricht.j Die sozialdemokratische Mehrheitsfraktion soll nach Mitteilunge unterrichteter Kreise nickt abgeneigt sein, außer mft der deutsck--demokratischen Fraktion mit der in der christlicken Volkspartei zu- sarmnengesMossenen früberen Zentrumsvartci praktische Arbeit auf der Grundlage eines demnächst innerhalb der Regierungsmehrheit zu vereinbarenden Programme zu leisten. Die Verhandlungen darüber werden von den Führern erst in den nächsten Tagen geführt werden, nachdem am Donnerstag unb Freitag die mehr formale Eröffnungssitzung mit der Konstituierung der Nationalversammlung erfolgt sein wird. Am Samstag wird voraussichtlich keine Sitzung stattfinden, da formell dieser Tag den Be- sprschnngen zwischen den Parteien freigeg-ben werden soll. Die politische Debatte wird er st am Anfang der nächsten Woche beginnen Im Laufe deS gestrigen Nackmtttugs fanden Lantztzmannbespreckungen mit dem Rat der Bollsbemfftrngten und den Fackntinistern statt, bei denen die Verfassungsfragc im Mittelpunkt stand. ES besteht allgemein der Wunsch, möglichst bald eine provisorische Verfassung zu schaffen und die unbedingt notwendige Unterlage für die praktische Reorganisationsarbeit
unb Mr den Wiederaufbau beS schwer leidenden deutschen Reiches zu gewinnen. In den Nachmittagsstunden kam der Senioren- konvent zu einer Besprechung zusammen. ES wurde zunächst vereinbart, daß die Vertre. ter zum Seniorenkonvent von den einzelnen Fraktionen nach dem Verhältniswahlsystem gewählt werden, damit nicht, wie es im alten Reichstag häufig voffmn, zahlreich erschienene Vertteter der kleinen Frcckttonen die großen Fraktionen überstimmen tonnten. In der sozialdemokratischen Mehrheitsfrakffon ist der Wunsch laut geworden, sowohl den Reichspräsidenten. wie auch den Posten des Reichskanzlers für die Sozialdemokraten zu beanspruchen, und den anderen zur Regierungsmehrheit gehörenden Parteien, neben Fachministerposten. auch eine Anzahl von politischen Ministern zu überlassen. Die sozialdemokratische Mehrhettsfraftion hat sich nunmehr, wie schon angefiindigt, auf den Abgeordneten Lobe als Präsidenteu der Na- tionalverfammlung geeinigt.
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Die Reichslande und Weimar.
Weimar. 6. Februar. sDrahtbericht.s Fr» Weimar sind im Laufe des Mittwoch Stellvertreter der Reichslande «iugetrof- fen. die den Antrag auf Zulassung als Abgeordnete der Reichslande zur Nationalversammlung stellen wollen. Dieser Zustimmung widersprap, der Vorsitzende per deuffchen WaffenstillstanVSkommisston Erzberger, der davon eine Erschwerung der «eiteren Fr« densverhandlungrn beMrchtet.
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. Für ein Kammershste«.
Weimar, 6. Februar. lDraüibericht.) An b:r gestrigen Ses W Vertre
ter aller Freistaaten nahmen sämtliche Kürenden Minister der Einzelstaaten teil. Es handelte sich in der Hauptsache nm Fühlungnahme der einzelnen Minister untereinander. Unter den einzelnen Vollstornmiffaren machte sich eine starke Sttönmng gegen den Staatenausschuß bemerkbar. Es besteht eilte große Neigung für ein Kammersystr«.
Für die Regierung!
Nötigenfalls mit den Waffen in der Hand ...
Kassel, 6. Februar.
Zum Konflikt unter den Soldatenräten der hessischen und der thüringischen Division (bie Soldatenräte der Thüringer Division sind fast durchweg Anhänger des linken Flügels der Un- abhängigenj erfahren wir noch, daß sich die Kasseler Versammlung der Sol. batenräte ber 22. Division bafüt ent schloffen hat. die Regierung Ebert- Scheidemann gegebenenfalls mit. d r u WaffeninderHandzu verteidigen, sofern sie nicht vom sozialistisckien Programm abweicht und sich für bie Durchführung der Befehle und Anordnungen dieser Regierung ein- zusetzen. Tie Entschließung selbst, die schon gestern veröfsenllickt wurde, haben sämtliche Truppenteile der 22. Division angenommen; nur das Sanitätsamt XI in Kassel hat sich der Zustimmung enthalten.
„«toi-Mfeit*
Der Landesausschuß lehnt ab.
Saffet, 6. Februar.
Der Landesausschuß des Hessi» schenBezirksverbandes beschäftigte sich tn seiner soeben abgeschlossenen Kasseler Tagung auch mit dem Gedanken einer Abtrennung des ehemaligen Kurhessen von Preußen. Der Landesausschuß lehnte diesen Gedanken einmütig ab, bei keineswegs durch die Verhältnisse unserer hessischen Heimat gerechtfertigt sei; geschichtliche Gründe ließen fick für eine solche Vereinigung nicht geltend machen, es fehle auch an einer Gemeinschaft des Stammes oder auch nur der wirtschaftlichen Interessen unter bett verschiedenen, für ein Großhessen in Aussicht genommenen Landesteilen, dessen Schwerpunkt zudem ganz zweifellos im Süden liegen und damit die I n - teressen unserer engeren Heimat, besonders auch der Stadt Kassel, schwer gefährden würde. Kurhessen Hobe im Großstaate Preußen eine weitgehende Derückstchti- Kung seiner kurhcssissichen Eigenart, namentlich auf deck Gebiete der provinziellen Selbftver- waltnng. erfahren, ebenso eine reiche Förderung aller kulturellen und wlrffchastkicken Aufgaben. ES sei nicht damtt zu rechnen, daß in einem so viel kleineren und finanziell schwächeren Staat, wie es ein Großheffen fein würde, uttS eine gleiche Förderung zuteil werden könnte. Der Lande SauS-schuß kam zu dem Schluß, nur in der Fortbauer ber Vereinigung tit bem Staate Preußen sei di; Gewähr für eine künftige gedeihliche Entwicklung der kur- h esst sch m Heimat zu erblicke».
3m Salonwagen Foch»
Don
Henry Hellsten.
Ter eenberbertdbtrrftetter ber .Berttngft« SR lendest Henry He'iffe», schildert nach THttetlimgen eine» ntchtaenanntenMttglteder der deutschen Waffen. fttllftandSkommtsston bie Verhandlungen tn Inet.
Früh am Morgen treffen sich die Mitglieder der deutschen Kommission im Zimmer Erz- bergers. Der Staatssekretär ist in seiner gewöhnlichen Neisetrachst einem ziemlich ver- schtissenen blauen Jackettanzug. Er hat nur diese» eitlen Anzug mit und hat auch sein« Landsleute gebeten, ihr Gepäck so viel wie möglich enMischränken. »Wir reisen um zu Arbeiten, nicht um an Festlichkeiten teilzunehmen/ sagt Erzberger, der nur geringes Gewicht aus sein Aeußeres legst — Graf Oberndorfs dagegen ist stets sehr elegant gekleidet. General von WiNterfeldt und Kapitän Bauselow sind mttüv- lich beide in Uniform mit dem Eisernen Kren, erster Klasse mid einzelnen deutschen Orden. Jetzt hört man auf der Treppe Sporen flirren. Die Deutschen kennen diesen Laut und wissen, Was er bedeutet: Monsieur La Perge, Mar- schall Fachs persönftcher Freund und Dol. meffcher, ist im Hotel „Zur Pofff angetommery um zu melden^ daß der Marschall bereit ist, die Herren zu empfangen. La Perge bat mehrere Jahre in Hildesheim gelebt unb sprich? glänzend deutsch. Aber wenn er sich direkt an den Feind wendest gebraucht er seine Mutter- spräche. Obgleich man nie mehr als reine Hös- ltchkettsphrasen gewechselt hat, können die Deut, schen Herrn La Perge gut leiden. Dieser ein« Feind ist ihnen — direkt sympathisch! Hierzu trägt bei, daß La Perge bei seiner Tätigkeit als Dolmetscher streng loyal ist.
üVu amerlftlnischen Mürtärkraftwagen fahren die Deuffchen zum Bahnhof in Trier. Auf einem Settengleis hält hier Marschall F o ch S Privat- zug. Der Salonwagen des Marschalls, in dem bie Unterhandlungen stattfinben, ist etwas breiter als die mitteleuropäischen Wagen, aber tm übrigen mit dem Üblichen, ganz unpersönliche» Eisenbahnkomfort eingerichtet. Wenn die Deutschen bett Wage» betreten, ist er noch leer. Eine» Augenblick ipüst-r kommt durch die Verbiu» dnngsharmonika Marschall F o ch mit dem englischen Mmtiral Brown aus bem anstoben, ben Wagen, den er und der Engländer tettem Ihnen folgen General Weygand, Fochs Gen«, lakstabschef, zwei englische Marineoffiziere, d« Admiral Browns (befolge bilden, und La Perge. Mtt ben vier Deutschen sind es im gangen zehn Personen. Die Feinde grüße« chtanber mit nicht allzu tiefen Verbeugungen. Man nimmt nm den Tisch Platz mtb Foch eröffnet die Verhanblumgen. In der Regel wird die Erörterung ausschließlich zwischen dem Marschall auf der einen und Staatssekretär Erzberger auf der anderen Sette gesührst Foch spricht ftanzösisch unb Erzberger deutsch, woraus La Perge übersetzst Nur in dem Fall, daß maritime Fragen zur Sprache kommen, greifen Admiral Brown und Kapitän Vanselow ein. De« Mmriral spricht ebenfalls ftanzösisch, ab« wenn er in Eifer gerät, geschieht es, daß ei — ohne eS selbst zu merken — in seine Muttersprache verfällt, und dann antwortet Vanselow prompt englisch. Das gefällt Foch nicht. Et wendet sich an den Admiral und bittet ihn. b« französische Sprache zu gebrauchen. Erzbergei spricht das Französische nur mit Schwierigkeit mtb mtt Beibehaltung seines schwäbischen Toi» falls, was eilt bißchen komisch klingt. Indessen ' ist es interessant zu beobachten, wenn La Perge wenn er die Antworten des StaatssekretärL übersetzt, sich nicht nur bemüht, die Bedeutung so genau wie möglich auf französisch wieder zugÄen, sondern auch unwillkürlich versuch^ den Ton zu treffen, m dem die Worte deuffch gesagt worden fhtb. La Perge ist ein so vor. trefflicher Dolmeffcher, daß er Erzbergers pa. thetischsteu Tonfall wiederaeben kann, ja manchmal wird er in dem Maße von ber unglücklichen Lage ferner Feinde mitgeriffen. daß er auf eigene Hand eine tragische Geste hinzufirgt. Am meisten Interesse hat selbstverständlich bi« Haltung Fochs. Die Deutschen haben den Eindruck gewonnen, daß er nach dem ersten ftosii- zen Empfang im Waide von Compiögne etwas temperierter geworden tft Marschall Fock ifl — ft> sagen die Mitglieder der deutschen Was- fenstillstandsrommission, — eine loyale, ehrlich« und ritterliche Natur. Sehr zurückhaltend mtb von einer fast zu ängstlichen S^chfickkett. Kein Diplomast nurSoldast Er sagt alles gerade und deutlich heraus. Foch pflegt ben Ausdruck „Gestohlen" anzuwende«. Er sag" das. ohne eine Miene zu verziehen. Die Deutsche« hätten eS fieber, wenn er sagte, „Requt. riert*. Diese Bezeichnung gebrauchen sie 'eU/, Ab-r — darin fhtb alle Deuffchen einig: Selbst wenn Foch der Feind in eigener Person ist, macht er nicht ’-cn Eindruck einer feindlichen Gesinnung. Obgleich er nickt gerne debattiert, -st -r nie rechthaberisch unb bestrebt sich — trotz seiner natürlichen Gefühle — streng gerecht zu sein. Daher »st er auck aat nicht von vorn-