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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Meier Neueste NachMm
gnftritonipteife: Di« HetxngefpaUete gellt 'ter etel)rtmifd>e EefchStte *> ytg. iür aa«. »artet «n»el,en 35 «f. Rckla»«i»tl« fftr el!»h«>S!Uch« Leschüsi« 75 ®f, für en*»ärttgr (Siefdjäfte I Mk etnfadjc Beilage» «erben mit Mark vr» Zaitfenb beredjnet. aa<« mit 0»', Zett rtt• e»8u'd'!<ig. Bei m berat ililtmg «8 .'.eigen auf teikph. Wege reiz kür dar» hör. fehl« hervorgerufene?rr üntec teinerle4$aftavg abernesttmen Sör dleLufnohme eeiiHnseigee an beftbmnten Zagen ober * lägen mtrb • 8 . feine SenKtcr geletfftt eeftbä'ttfieae: R6ln.?tt 5 — ' -..... ..... ' i«.
Nummer 55. RernfpreAer 951 ttx» 952. Donnerstag, 6. Aekrrrrr 1919. Fernsprecher «1 und rrr. v. Iabrgavg.
Tie »«feier 9.eaet en $ed.rtd,tcn eVdjetr.en irecLentltä teASntai nnb zwar atenbs. Ter «bemt einen M»ret» teiti'gt ntonatt ij» $ ar! tet freier nsfievun, tn« f ans Mefteüungen teerten ■eberjet: von Ser eef<bält6fl«He ober len Voten «ntreg.nflenammen. '.rudere . Seri«« und Siedallion: Schlad ttzoMrabe 28/SO, ur mroeriangi elngefanbte tetircfie larat bie Setattton eüu y eraniroenurp ober Gemäbr in feinem 7a8e übernehmen dütdjai lunpbe« "ezapsge red ober Ln-prück' roepen eiroatrer n <tt ormun.;?tn<6 cerüte erur i augfiefSloflen
Wiederaufleben tzartakiftischer Aumhen.
.Groß-Keffev/
Bon
Dt- Brunner, Direktor der teff. Landesbiblioihek.
Ethnographische Zusammonsiehöriakeit und völkische Verwandtschaft ist für d.c Siaatenbil- dung weit weniger ausschlaggebend als die geogrcwh'.sche Laee und die durch diese bedingte Wirtschaftliche Jnteres,'eng'meins ast. Ein Groß-Hessen würde sich im Laus? der Zeiten aus diesen Gründen mit Sicherheit, ja mit Na-- turnotwendigleit gebildet haben, wenn nicht seltsame politische Konstellationen immer wieder hemmend dazwischen getreten wären. Gleiche territrriale Verhältnisse schaffen gleiche Lebensbemr.gnngen, und aus solchen erwächst allmählich ein Volksganzes, das sich als Einheit fühlt. Es ist sogar anzunehmen, und wird durch die Geschichte besteigt, daß ursprünglich) heterogene völkische Elemente auf Grund solcher Bedingungen zu einer neuen Ration vertvachsen. Reine Raffen gibt es (außer den Juden) nirgends mehrt die Lehre von den auf dem gleichen Dprachidiom aufgebauten Nationalstaaten ist darum eine rein künstliche Konstruktion, und wäre unmöglich, wenn nicht die Fanatiker dieses Gedankens es verstanden hätten, die Presse ausgiebig in ihren Ttenst zu stellen. Suggestion tut dabei das ihrige. Weitz rcr. doch zur Genüge, daß erobernde Völker- schasieu teils die Sprache der Unterworfenen angenommen, teils ihre eigene diesen aufge- xwungen haben. Ob also dassenioe Gebiet, das für ein hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft sich bildendes Gfoß-Heffon in Betracht kommt, von lauter Chatten bewohnt ist, wie vielfach gern betont wirb, oder nicht, ist ziemlich gleich- giltig; ist es schon der Fall. so umso Leser! Tie. Hauptsache ist, ob die geographischen «K> w i r t sch a f t l i ch e n Voraussetzungen dafür vorhanden sind.
Ta will cs scheinen, als oh das weite Land vom Neckar und Main im Süden bis zur Werra oder (was dasselbe ist) der Weser im Norden das Streben nach territorialem Zusammenschluß von jeher hatte heraus fordern müssen. Gegen den Osten durch die Höhenzüge des Lhüringer Waldes und der Rhön begrenzt und abgeschlossen, ist es deni Westen durch breite FlußtAer überall erschlossen, en ebenes Land, das der Staatenbildung gün- sti g ist. denn auch die Mittelgebirge des Tan- nus »nd namentlich des VogelSherr.es erfüllen ihre Aufgabe, indem sie durch Entsendung von Müssen nach allen Richtungen die Teckbildung begünstigen. Einmal, zur Zeit des alten Her- »ogtums Franken, war das Gebiet in sich ge- Wossen. Rach dessen Auflösung in das Erz- vistinn Mainz auf den Plan, und seine staats- klugen und tatkräftigen Kirchenfürsten waren Wiederholt nahe daran, unter ihrem Knnrm^ab ein Territorium zu bilden, das dern heute für Groß-Hessen in Anspruch genommenen Gebiet hn ganzen entsprochen hätte, wenn ihnen nicht hie, weltlich-cn Herren und mi telälterl'chen Kleinkönige dazwischen gefahren wären. Tie Hauptwidersachrr und erfolgre chsten Ko--k"rrcn- fen des Erzstiftes waren, wie bekannt, die Lind- arafen von Hessen. Die Abtuen Fulda und Hersfekd, und d e kleineren Grafen würden sich der Macktsvhäre der Ma'nzer Kurfürsten auf die Dauer vielleicht ebensowenia hoben entz eben wnncn, wie sie Hessen gegenüber ihre S"ldstän- vlakeit.Zoahrtem — wir sagen vielleicht! Tenn ein reiflicher Staat hat dar"m immer einen schweren Stand, als ein weltl'cher, weil d'e wechselnden Inhaber d-s Throne? außerstande fir-b, eine zie'bewußrc Hauspokitik zu treiben. Es ist aus nah>lie»!nden Gründen f 'er nicht Möglich, die W?chselkämpse um di« Dortzerr- Waft in dem weiten Lanidgebiet, das unsere Nusmerksawkcit beschäftigt, darzuleoen und zu Verfolgen. Rachd-m Hessen die Grafschaft Ziegenhain erworben unfechfeas reiche Besttztum der Grafen von Catzenelnbogen erheiratet, auch die Schuhherrschaft über die Abtei HerSfeld erlangt batte, war ihm da» Ueber- gewicht gesichert: es hätte in der Hand Landgraf Philipps a»le-en, einen aussch-la-'- gebenden Staat im Westen Deutschlands für Jahrhunderte w'nans zu sichern, da versi-l er aus den w?nia staatsklugen Entschluß das Sand ttnter feine vier Söhne zu teilen. Damit war der Boden für r ?«e Reibungen o.esck affen, de-m nicht,' wie der Vater meinte, gingen die Enkel vnv llrenke' zichammeu. sondern auseinander, Mrd im dreißio-jrbrigen Krieg kam es noch ein- Mal zu heftigen AnSeinanderfevungen zwischen der älteren und der jüngeren Linie des Hauses Hessen, wem von beiden der maßgebende Ein- ffufe hn Territorium z'Geb-n sollte. Nur die Ohnmacht der deutschen Kleinstaaterei nach dem We'ttälifchen Frieden verbinde-te weitere Verbuche.
Zielbewußte Polttif das grofhekstssie Ge° stet — wenn wir es einmal ko nennen dssr'en — sich zu eigen zu mach n. dürfen wir »»«ürkich nicht und Nirgends vermute«. Twsomehr beweisen alle jene Fehden «nd Kämpfe zur So» Kründung einer machtvollen Einllnk>tt»>S»- r
Gobirge im Osten bis zu den großen Strömen hn Süden und Westen, wie die geographischen Voraussetzungen einer solchen Politik unbewußt die Wege wiesen. Ans nene- ster Zeit ist sogar dir preußisch-hessische Eisenbahngcmeinschaft ein Beleg dafür, daß ein dahinzielendes Einigungsbedürfnis vorlag, wie dies einst schon der Bau der Main-Weserbahn ertatnen ließ, der siegreich die Schranken der Kleinstaaten durchbrach und beide Hessen mit Frankfurt aneinander band. Wer die Geschichte kennt, der weiß, daß von a'ters- her über Hessen der Handelsweg von Bremen nach dxm Süden ging, und daß unser Land auch mit dem Ost'» in rezent Verkehr stand; allein hier waren es die thüringisch- meißnischen Lande, vor allem die Handelsstadt Leipzig, wohin der Verkehr sich lenkte. Tas eigenttiche Preußenland :rcr ansaeschlossen, nnd so kann von irgend welchem historischen Beziehungen ebenso wenig die Rede sein, hre von wirtschaftlich m. Die geographischen Verhältnisse kckeiben doch für alle Zeiten maßaebend, ste fordern geradezu den Zusammenschluß. Da ihnen die Gesssichte Recht gibt, so ist wenmstens von diesem Gestchts"'l"kle a»s nicht e'nznsehen, was der Bildung eines groß- hessischen Staatswesens im Wege st-hen sollte! Nnd es mutz kommen, sobald nur der noch neue Gedanke sich besser durchgeseht haben wird.
Unksthsn im Weich.
Streik ans Oberha"senrr Zeche«. (Drahtberichi.z
Oberhausen, 5. Februar.
Weg en nnqrblicher Nnnerxchtig'eit d'e durch die BerwaltUnn bei der Berte'klmg von L"denS- mitteln vometiunmen fe’n son, streikte die mm-e Belegschaft d-r Zeche . Ko'. kvrdia". B-rf Schacht 1 wurden kebersmitielvorr^te. b‘e fstr die nan-e Belegschatt bestimmt wa-en. « plündert. Auf Schacht 4 wurd- ein* Mm"ge an3- eeranöt nnd iznn-e Fksser m't Se'fe, O?l die zur Aissrrcht'Haltung der Be'r eb- d-'n- nend nötig waren, entwen'-et. Fn der Rahe des Ptarkws kam es zu A«bschr:!tn"gen. Neber die Stadt wurde sofort der Belagerungszustand verhängt.
Generstsftrek? Vüffekdorfer Beamt»«.
Düsseldorf. S. Februar. (Drehtbericht.j Der Bolliugsrat der Beamten- «nd Arbe? er-u"- scküffe der öffentlichen Behörden in D'sse'dorf, ferner der Stadwerwal'ung. der Aerz e. Ap theker. Architekten Angenieure, Ban'bea t--n, sowie auch die Arbertsae>neinschaft der t uf- männischen Vereine, der Handwe kerr-nunge«, die Vereinig'ma den'sher Diplom ng n eure nnd anderer zu K r ell n zusimmen'eschl.'sse- nen ^nttre^enverbönde statten an den Voll- zngsD's'chut! st es Brb iterrates in T ü'Eorf ein scharfes Ultimatum ge chtet in dem sie voNst'ndioe Vresse'reibeit und Vn- sa^ml wgsfre'heit fcrtern. fer* e- d e Gewehr, le fstrng der Stwtverorrn-tenwastlen, d'e unbedingte Aberkennung de? Ergebnisse? der'e'ben nnd die Ve-vlkichtuna des V"llz""Saustch«s'es, keine uneesetzli-ten ^in-rifre n die vorsönl'che Freil'eit und das G ccntvm ster Bürger vor- rnnebmen. DaS l'lttm-gtum war bis na Zmittags befristet nnd braß'» an daß im Falle der Ab'ebn"na die genannten Organ'saüouen m den Gen'r"lllrei' e ndeten wss-sten. — ? ierzr wird «ns aus Türe'borf n-ch aemeld t: Ta der V»llz"as»"sschuß d-s "'rr'e"err-te' a-s tx'e von den Be-ntten und son«ttg-n B r 'fsora n'- satjonen anta-Nellt-n Fo-de^"waen d r a-ord- re'en WeiterT-st-u'-a der Geschäfte nnd Bes«'° tiw'na den Willk'"«rh'rrs'ast nicht aeant- wortet hat. w-r^ am Mittwoch mittag der Generalstreik beginnen.
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Soldaten al« Wegelagerer.
Bi-»-k--ld. 5. Februar. t^taV»e WA Auf ♦•cm W-ae r-c* Satznf'e'n i‘fcerT;cIe” b*ei S"l- datxu e neu B'a-en. m»f d-»» zwei Za'km isir- laße", d'e SOagy B'nnk mitttövs'e Gelder mit sich P'hr'en. Dos sst-sd f'-l se*i Weaelager.rn als Bente zu. Bisher fehlt jede Spur.
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Ge"anaenen-Defrs?«ns.
Berlin. 5. Februar. (Trabtbettcht.z In der letzten Br-ckn («m es in Magdeburg zu schweren Ausschreitungen. Ewa 5t) Matrosen rrb <To'da'cn r-ttct n Fd) zu'am- wen b-mzchttet n ssch der Handgranaten n» w-ch'-n e « Auoriff eul st en ^nst z"'la't Mil Batken vnb mbfl-Q ’fl'en w tbe- d'- ss'a- längniS'str n vrlri' nm.-rt und 1 fi 0 Gefangene befreit. Dann rückte die Bande in die Stadt und btinberte die Lä en. Als die ***«**ta«r die to *6Sbvv.« Häuser QM Hille
riefen, gaben die Räuber Schüsse ab Bis fetzt ist noch leinet der Aufrührer seftgenommen.
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Betseguuz der Bankbeamten.
Berlin. 5. Februar. (Drah bericht.) Eine stark besuckne Versammlung der Kommerz- und Diskontobank-Angestellten nahm gestern abend eine Resolution an in welcher der allgeme nr Verein der deu!schon Bankbeamten mit der Durchführung der ausgestellten Forderungen betraut wurde. Für den Fall, daß die Verhandlungen s.k e tern. wurde gegen e ne verschwindende Min erst eit der Beschluß gefaßt, in den Streik einzutreten. Am Donnerstag abend, den 6. Febrnar, ist Bericht über die stattgefnndenen Verh-ndlungen erftn t n. Des weiteren wird dann über d'e künsiige St.l- lnngnahme der Bankbeamten gesprochen werden
Sie Meiner Kkimdsr.
Sie« der Regierungstruppen.
(Drahtbercht.)
Bremen. 5. Februar.
ttm 1 tltir mittags mu-te felg-ndr Bekanntmachung »etfcrc-tet: Die Bremische Regierung gibt be'aunt, daß eine Fortsetzung des Kampfes unmöglich ist. Die gibt infolgedessen den Befehl, das Feuer sofort einzustellen und d'e Waffen im Äathanse abzuge- ürn. Ter Rat der Volkssteanstragten g-zeich- net: L t b v. — Trotz dieser Aufforderung setzten die Arbeiter d'e Kämpfe fort nnd zogen stch südlich und n"ch Westen i« die S'fibt zurück. BsK 1 Ahr 45 Minute« war das Feuer am Marktplatz noch nicht e'ngestellt. Ein dort auf- aefahrenes Geschütz fenette um diese Zeit 'noch atzt-anernd in der 'Nicktnng über die We- serbrsscke. Auch ein lebhaftes Gewehr- feuer wnr>e andauernd nnterhatten. Die Zabl der Toten und Berwnndeten soll sehr gross sein. Bitz setzt haben d'e revrl-'tion^ren Trny"en eine vollkommen- Niederlage erlitten. Die K'mpf^ begannen am Hohen Tor nnd zogen stch dn«n durch die Brssckstrasie nach de- Machstra-'e. wo ke'n Fenster bell g'blieben iss. Der Hauptka'whof wurde von 60 Mann Regie-nngSttiwpen gestürmt. Ebenso wurde das Marktviertel. in das stch Teile der revolutionären Trvstpen zurück, aezeaen hatt-n. im Sturm gesäubert. Bis 1 Nhr 30 Mimtten n-a- be-e'ts dir g'n'e Neirstadt in die Hände der Regi-rnngstrupoen oe<angi. Ein Geschütz, das d'e Arbe'ter ausge- fahren batten, würbe von den Regierunostrnp- ven erobert und fenertc dann uwut rbrochea in die Altstadt hinein. VeT^iedentti <- traten a-'ch m-brere Minenwerfer in Tät'gkeit. Tie Arbeiter die sich ft^er die Weserbr^ck- r: t mehr z''rück-iet"n k-«nten. wa-fen bi- Waffen wen «n» g'noen in die ‘Priort''3i’fer. ^ie Santt Banli-Kirck'e ist schwer beschädigt. Aus mehrere« Häusern am Brill wurde auf di- r:- fplntionxren Tr-up-n ges -offen was zur Fo'"e batte, dass d'e Arbeiter »ann in die H'u'er bineiutchossen und die T"ter zu fassen fügten. A-ch in of'-mst dxr»de Tenss-r routs- von bet Strafe aus bin-inqe'^n''en. Eine N:tue Grunpe von Arbe'te-n hie't in der Reilsch le, wo sse von den 'Ke^-f n^C""^ angeg- ff-n wurden längere Zeit stand un> feu-rt- unnn- terbro^en, trotzdem die Beg'etangstrupoen <*nn üb--all d" Ob-rhan> gewonnen hgtt-n. !>m ?a»fe dss Bor-ittaas bitzten die Kasernen weiße Fahnen-
Ste «SrWien Wroge.
Vorläufige Vorschläge. , (Drahtberickit.i
Weimar, 5. Februar.
Allgemein beschäftigt man stch mit der Frage ddr Besetzunn der Posten deS vorläufigen Präss- denten. des Ministerpräsidenten und deS Präsidenten der Nat-onalversammlrntg. Man darf annehmen. dass den BorfchtSnen der sozialdemokratischen Partei und der beiden anderen für die Dikduno per ffle"fennt3 in Betracht kommenden Parteien von der deutsch- demokratischen Partei «nd ge^ebenen- sallS auch vo« der Zentrums Partei fei« grundsätzlicher Widerstand entgegengesetzt wird, unter der VorauSsetztwg allerdings, daß diese *’arteten bei der Besetzung der übrigen Mini- sterposten ihren Wünschen entsprechend Berück- ffchtigunz siuden. Wie oerlantet. gedenkt die so- -ialdemvkrafsche Parte! für den verlöi-sigen Präsidenten 'eS Reicke-s Ebert. f"’t den Zoffen deS Min ist er Präsidenten Schei- demann und für die Besetzung des Postens des Dorsitzendeu der deutschen Natisnalrer- sautmlung Adolf Heine, ad« den feinctzeit bei der erste« UmLildung der Regierung hetvor- getreteuen Redakteur Löwe vsrzufchkasen.
3a Srsartaag.
(Von unferLM Ssnber-Berichterstatter.)
Weimar, 5. Februar.
W.-imar und seine weitere Umgebung giet chen in diesen Tagen einem söttnlichen Seer lager. Tie Truppen, die jetzt schon dieses fried liche Sand besetzt hallen, sind an Stärke schle denen gleich, welche seinerzeit den Spartakisten Putsch in Lerlin Niederschlagen halfen. Gan- außerordentlich sind die arfilleristischeu Maß nahmen, bk man getroffen hat. An Maschinen gewehten und Geschützen werdeu Massen mit geführt, wie sie schsn für große Kriegshand hingen" berechnet sind. Dabei rollen von Berlin frotdauerno neue große Truppen- und Ma- terlaltranspoete nach Weimar. Soweit also bas Aeußere in Frage käme, könnte man den kommenden Dingen durchaus mit Richc und Zu- verstcht eutgegensehen. Aber nicht die Masse, sondern der Geist ist es, der Erfolg verbeißt. Die Entwaffnungs-Szene war, von dieser Seist! betrachtet, nichts weniger als vertrauenerwek- fenb in die Kraft der Regierung, stch und ihr Tun selbst in Weimar vor Zwischenfällen zu b«vahren. Es geistert überall herum, vor Weimar gingen schon die Gewehre los, und gestern crploöierien am Hauptbahnhof ganz »zufällig' ein paar Handgranaten. In Weimar selbst steht saft jedes Gasthaus unter besonderem mili« tärifchem Schutz. Die Weimaraner selbst stn4 nicht gerade sehr erbaut von all feiern Maßnahmen. Sie fürchten für die beschauliche Rnhf ihres klafsischen Heiligtums.
Das verschlägt aber nichts an ihrem großen Entgegenkommen, das ste den einzieherchen Gästen gegenüber an den Tag legen. All? Ach- 3 vor diesen braven Leutchen, feie es unter ter SelSstbeschränkung döch zu Wege Erbracht haben, daß fast der ganze Negierungs-, Abgeordneten- und Preffeiroß samt seinem int,- f,st/euren Apparat an Beamten und Hilfskräften in W"imar selbst untergebracht werden kann. Für eine solche Lösung dieser Unterkunftsfrage« sprachen auch gewichtige politische Gründe: In Erfurt, Apolda und Jena, wohin ein großer Teil der Nationalversammlungs-Besucher hätte verpflanzt werden sollen, stehen die Dinge Par-- teipolitisch nicht besonders erfreutü6. In Erfurt sind Wasfendepots in Händen bet Unabhängigen, und viele der bereits verteilten Waffe« find nicht wieder zurückgeleitet worden. In die- fer revolutionären Zeit, ht feer wir immer noch leben, find Ueberraschungen nicht ausgeschlossen. Man will wissen, daß Anschläge auf den geplanten Pendelzugverkehr, aus Automobile, Omnibusse ustv. geplant seien Ob es aber gerade einen besonders starken Eindruck nach außen hi« macht, wen« die Nationalversammlung förmlich in einer Zwingburg tagt? Man kann bis setzt noch sehr wenig merken von feem .Schwung, den die sozialdemokratischen Regierungsmitglte- ber für feie Nationalversammlung erwarteten. Es sind sthr gemischte Gefühle, welche Fremde und Einheimische 5n Erwartung des Kommenden beseelen. Heute, am Vorabend, ist faf allein die Presse so ziemlich vollzählig vertreten. Von den Abgeordneten sind bis setzt nur wenige anwesend. Sie werden erst in allerletzter Stunde in ihrem Gros eintreff'n. Das große Tuscheln geht um feie Frage der Präsidentenwahlen, einerseits für die Nationalpersaimw tun», andererseits Für das neue Reich. D« Schleier wird sich fa bald lüften.
Fm Theater, dem VersammlunaZramne der Nattonalversammlung, ist noch so ziemlich alles, trotz anqestrengtester Tages- und Nachtarbeit, im Werden begriffen. Tie Bühne ist zur Kow zertmuschel umgestaltet, dort wird, wohl bewacht, das Präsidium imfe das Reichsministerium Platz nehmen. Vorläufig gleicht fei« Präsidentenbiihne einem bloßen Scharsrichter- block. Ein tischähnliches Gebilde ist mit einem nichtssagenden roten Tmh — sollte das vielleicht ein Qmm fein? — gedeckt. Recht nett ist bas Parkett hergerichtet, in welchem alle Abgeordneten untergebracht werden können und in dessen Reihen noch Gänge verlegt wurden. Die Ränge sind für die Presse vorwiegend, und in geringerem Umfange für Zuhörer eingerichtet, die ganz unterm Dache, auf feem bohen^Olvmp, auf die tagenden Götter herniederschauen können. Was für die Presse getan werden konnte, ist aeschehen. Ter Direktor des Reichstags. Geheimrat I u n g h e i m, hat daS Befst aus unzulänglichen Verhältnissen zustande zv bringen gesucht. Eine ganz ungeheure Arbeit hat seit fettem überstürzten Beschluß Eberts, nach Weimar „in Sicherheit" sich zu begeben, feie Post- und Telearaphenverwaltunq vollbracht. Wenn bis zur Stunde auch noch nicht ei"mal eine e'nzig« Telet-Honkeitung weder im Thea'er, noch in den Wohnungen und Arbeitszimmern feer Pressevertreter angebracht ist, so Hai daran die Postverwaktung kein» Sckmlfe. Es sind wieder die unzähligen Streiks, welche diese Misere hervörriefen. Schier täglich kommen die Telephon^ und Tclegraphenarbeiier mit neuen Forderungen, und aalst» Tage laug ruht dann jegliche TätWeit. Rkt der Rachrich-