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Kasseler Abendzeitung
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Hesstsche Abendzeitung
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Nummer 48.
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Mittwoch, 29. Zarmar 1919.
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9. Jahrgang.
Weitere Ergebnisse H Vreutzeu-Wahl.
MlsSNS Magna Warta.
De Berfaffung des Völkerbundes.
Nun hat stch die Pariser Konferenz mit der Konstituierung des .Völkerbundes" befaßt und WWson hat in einer Rede nochmals nachdrück- kichst seinen Standpunkt vertreten, daß das Recht, nicht die Macht d« ausschlaggebende Faktor beim Friedensschkuß sein soll. Mr ha. ben früher schm daran gezweifelt, ob es dem Prasiderrten von Amerika gelingen wird, seine Idealen Anschmumgar durckzudrücken. Denn eS ist kein Zweifel, daß ein Machtwort Wilsons jetzt für die Entente nicht mehr von solch ein- gmeidender Bedeutimg ist, als zur Zett, da r Kampf noch hin und her wogte. Heute bewegt sich die Entente, und namenü-ich Frankreich, wert unabhängiger als damals, al? es wegen Amerikas HAse zu Rücksichten gezwun- gert war. Auch ist bis jetzt noch nichts geschehen, was unsere Zweifel zu beseitige« geeignet wäre. Immerhin ist dar abermaWge Erntre- ten WilsonS für seine Ideen wertvoll und wird in seiner Wirkung bestärkt durch Lloyd George, der sich grrrndsStzlich einverstanden er- klärte. Dadurch wird zwar dem chauvinistischen arialiSmus Frankreichs ein nicht zu verkcu-
$ Hemmnis in den Weg gelegt; «der: daß Tlemencoau mm wirklich schon fernen Kriegs» zielen entsagt hätte, davon ist bisher nichts bekannt gsoorden. Und so ist wohl nicht daran zu zweifeln, daß Wilson für die Satzungen des DöÄcrbundeS, denen er den vielversprechenden Eitel »Magna Charta der Kirlt-urmenschheif gab, einen recht schweren Kampf wird kämpfen müssen. Das Wesentliche aus dieser „Charti“ ist ein Rat der GroHmächte. der zu verschiedenen Zetten Msaimnenttitt. ferner eine Ko-nsererrz aller vertraMuterzeichnenden Mächte und drittens ein stüichiMS Sekretariat deS Bötter- tzundeS.
Die Schwierigkeiten fiir Mkson. Me wir schon andeuteten, sind insofern besonders ernst, AS die Gegensätze innerhakd des Verbandes anverkennbar sind. Den Kernpmckt bilden die
Schadenersatz-Anspttich«. Frankreich hat !ine Rechnung ausgemacht, deren Forderungen Deutschland auf Jahrzehnte lahmlegen; Ame- eika will dagegen nur den Ersatz für effektive KriegsschSden und England HAt stch zwischen Prosen beiden Polen; indem eS Schadenersatz in »mäßigen Grenzen" beansprucht. Wir Wilson entsteht also die äußerst heikle Aufgabe, zwischen seinen wettbeglückeudcn Plänen und de» sehr emporgrfchraubten »Interessen"' seiner Ver- bünideteu einen goldenen Ausgleich zu suchen; und an dieser Möglichkeit zweifeln Mr, solange wir nicht durch das Gogentsil überzeugt find. Es Wird sehr viÄ davon abhängen, ob eS den derMchen FriedenSdelegierten gelingt, auch ihrer Ansicht über bfe Probleme Gehör zu verschaffen. Sie ist nieder gelegt hauptsächlich m dem Buche Er zbergers, in den Abhmrdttm- gen SchückingS und in einem Entwurf für Me Verfassung des Völkerbundes, den di« deutsche Gesellschaft für Völker- recht ausgearbeitet hat. Diese zum Teil sehr umfangreichen Elaborate decken sich grurrdsätz- kich mit den Gedankengängen Wilsons; fie treten ein für die Sicherung eines auf der sittlichen Macht des Rechts, der Unabhängigkeit und Un- oerletzlrchltit der Staaten beruhenden dauerhaften Frie/ens. Ms ständige Organe sind vor- geselfen ein alle drei Jahre un Haag zufammeu- tretender Völkerbund-Kongreß, indem jedes Land mit drei Delegierten vertreten ist und dessen Beschlüsse Zweidrittel-Mehrhett verlangen. Dieser Kongreß erteilt seine Instruktionen deist ständigen AnSschuß im Hong, dessen Aufgabe die Pflege de Beziehungen zwischen den Ländern ist.
Vorgesehen ist ferner ein internatio- raler Gerichtshof für RechtSstrerti^keiten Müschen den einzelnen Böllern, ein stündiger SchiedShof und ein Einigungsamt. Hinqu kommen noch eine Reihe anderer Institutionen, sodaß sich ein stattliches Gebäude er» et, das ein beredtes ZeugnS deutscher Geistes- ft ist. Die Eimelhetten find derart gegliedert, daß wir darüber in einem gesonderten Kriftel sprechen wollen. Aber soviel läßt sich setzt schon sagen, daß Wilson gerade an die- /er deutschen Arbeit in seinem Kamps gegen die französischen Imperialisten einen starken Rückhalt finden wird. Wenn wir dann auch nrch Zweifel hegen an dem endgültigen Erfolge Wil- fonS. so besteht doch auch die Hoffnung, daß eS ihm gelingen möge, seine Pläne zu verwirk- lichen. Allem Anschein nach hat er bereits Grundlinien geschaffen, die bedeutungsvoll werden können. So heißt eS in einer ErWärung, »daß jeder durch Gewalt erworbene Besitz- stand denen, die zu solchen Mitteln greifen^ größten Schaden bringen wird. Die Gewalt an- wenden, zeigen, daß sie an der Gerechtigkeit Ihrer Ansprüche zweifeln, daß sie de» Besetz- stand an die Stelle des Rechtsbe- weises setzen. Wenn sie Gerechtigkeit wünschen, müssen sie ans Gewalt verzichten and ihr» Ansprüche in die Hände det Früdens- tonfereni lasest.* — Da» Staat Mr twOxe»
heißend für unS, gegen Ost sowohl, wie gegen West. Ob aus dieser Erklärung wirklich die ernste Schlußfolgerung gezogen Mrd, bleibt abzuwarten. So steht immer wieder neben dem Zweifel die Hoffnung, daß Wilsons neue »Charta* für Deutschland und alle Welt den Anstatt bilde zu einem gWcllichen Zeitalter des Friedens. P. B. 5.
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Die Kolonialfrage.
Rotterdam, 28. Januar. (Drahtbericht.) Wie ein Londoner Blatt erführt, hat Amerika zu der Frage ber deutsche» Kolonien auf bet Pariser Konferenz eine vorläufige Stellung dahin eingenommen, baß auch Deutschland an der Verteilung ber Kolonien beteiligt sein müsse. WLson selbst hat In dieser An- gelegenheit eine Erklärung nicht abgegeben.
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Beginn Mer Friedenskonferenz.
Genf, 28. Janm«. (Drahtberdcht.) Pich»« teilte, Lyoner Blättern zufolge, im Kammer- ausfchuß »eit, baß die Allgemeine Feie- denslonferen, aller KrieglSführende» am Ist. Mai, dem Jahrestage des Frankfurter Friedens, in Versailles beginnen soll.
Sie Hrevßevwahl.
Rückgang ber Mehrheitssozialisten.
Die Wahlen zur preußischen Ratio nakver- sammttmg weise» einen auffallenden Rückgang in der Wahlbeteiligung, gegenüber den Wahlen znr deutschen NatimmLversamm- lung, auf und Mar P dieser Rückgang in Groß- berlin selbst grStzeir -M m der Pr Mn». Er trifft nicht alle Parteien gleichmSßig, ßondorn znmeist die MehrheitSfozialisten. Worauf dieser Rückgang zurückzuführen ist läßt s«h nicht mit Sicherheit sagen. In Berlin mtto seinen Vororten ist der Stimmenrückgang ber' Mehrheitssozialdemokratte wohl nicht zum geringen Teil auf die agitawristbe Ausbeutung des Todes Liebknechts intfb Rosa Luxemburgs durch die Unabhängigen zurück,zusühren. Der Rückgangder demokratischen Stimmenist zweifellos in erster Linie auf die Campagne zurückzuführenz mit der die Parteien der Rechten den von einem Kandidaten der Deuw- kvaiie ausgearbeiteten VerfaffimgSentwurf itnto die darin vorgesehene Teilung Preußens gegen die Partei sewst ausgemrtzt haben. So wenig wie bei den Wahlen zur deutschen Ratimvalver- sammkung läßt sich auch heute schon mit Gewißheit sage«, wie die Versammlung zusammengesetzt sein wird, doch hat es den Anschein, selbst die »Frechett", das Organ der Unabhüu- gigen, rechnet damit, daß die sozialdemokratischen Parteien keine Mehrheit haben werden wenn ihnen auch weniger Stimmen fl$S hn Reiche daran fehlen mSgen.
Einzel-Erzedniffe.
Wnigsberg. (Wahlkreis 1 - Ostpreußen. — 29 Sitze.) Ws zum 27, 9 Uhr abends, wurden ge- zäblt: 103395 Demokraten, voraussichtlich toter Sitze, 264478 Sozialdemokraten (zehn Sitze), 27317 Zentrum (zwei Sitze), 55642 Rattonol- liberal« (zwei Sitze), 78082 Konservative (drei Sitze). 12 Kreise fehlen noch, jedoch dürfte keine wesentliche Veränderung mehr eintreten.
Berlin. (Wahlkreis 3. — 21 Sitze.) Bis z ehn Uhr abends lag dos Wahlergebnis noch nicht dallsiändig vor. Es fehlen noch 32 Stimmbezirke. Bisher wurden gezähtt: 144853 Demokraten^ 332786 Sozialdemokraten, 967750 Unabhängige, 98364 Konservative, 51601 Zentrum, 51063 Rattonalliberale. Rach der vorläufigen Berechnung d«S Wahllbureaus werden erhalterir SoziaLfteu 7 Sitze. Unabhängige 6 Sitze, Demokraten 3. Konfervattve und Zentrum k % Aattonallfbcralr 1 Sitz. Es ist jedoch an« gesicht» der taxb schlenden Ergeb uisse eine Ver- schiebnng deryestalt mägkich. daß die Mehrheits- sozialisten 8. Der Rechtsblock ms 4 Sitze erhält.
Oppeln. (Wahlkreis 10 - Reg^Bez. Oppeln. — 22 Sitze.) 315 394 Zentrum (11 Sitze), 181954 Sozialdemokraten (7 Sitze), 32 276 Unabhängige (2 Sitze), 46154 Konservative (1 Sitz), 35439 Demokraten (1 Sitz). Die Berechnung der Man- datsverteÄung stimmt nicht zu den Wahlzisfern, nach denen die Unabhängigen nur einen und das Zentrum zwölf Sitze erhalte» müssen.
Matzdeburg. (Wahlkreis 12. - Reg.-Bez. Magdeburg. — 15 Ntze.) 147 505 Demokraten (vier Sitze), 90930 RattonalMerake (1 Sitz), 61148 Konservative (1 Sitz), 10676 Zenttum (1 Sitz), 365305 Sozialdemokraten (7 Sitze), 20320 Unabhängige (1 Sitz). 25 Bezirke, die das Ergeb- «S nicht ändern, flehen noch aus.
Stiel (Wahlkreis U — Wahlkreir Schles- whvLoWetn. — 16 Sitzes Das vorläufige Cr-
«buis im Wahlkreise SchleSweg-Holstein liegt jetzt vor: 316 596 Sozialdemokraten, 18584 Un- abHämgiM, 184804 Demokraten. 49 810 Ratic- näWberale, 16713 BErndemokratte, 59 439 Sbonservattve, 6946 Zentrum. Es sind also gewählt: 8 Sozialdemokraten, 5 Demokraten, ein Bauerndem-okrat (Demokratte und Bauern- demokratie hatten ihre Liste» verbunden), ein NqtionaMberaler, 1 Konservativer. Rach dem inzwischen festgrstellten amtlichen Ergebnis toerän- vern sich die Zahlen folgendermaßen: 333 661 Sozialdemokraten, 19347 Unabhängige, 195 033 Demokraten, 51926 RationaWberalr, 61752 Bauerndemokraten, 56410 Konservative. Die VerteAung der Sitze lÄeibt diefekbe wie oben angegeben.
Hannover. (Wahlkreis 16..Hanrwver-HA- desheim-Lüneburg. — 19 Sitze.) Im 16. Wahlkreis ist das vorläufige WaUergebnD folgendes: 431527 Sozialdemokraten, 84526 Demokraten, 10929 Unabhängige, 78 094 National- liberale, 24167 Konservative, 287003 Zentrum und WÄfen. Danach würden erhalten: Sozivl- demokrateir 9, die Demokraten l Zentrum und Welfen 7, die RativmEeMen 2 Sitze. Die drei letzteren Parteien hatten ihre Listen verbunden, wodurch den RatlonaWberalen 1 Sitz mehr zn- fäfft, als ihrer Stimmenzahl entspricht. Die Stimmendifferenz «gen die vorig« Wahl, bei der allerdings auch Braunschweig zum Wahlkreis gehörte, ist aber noch sehr groß, sodaß wahrfchemlich noch wesentliche Ergänzirngen M erwarten find, dir die MandatSverteilung noch mugestalten könne«.
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Weitere Trilresnttats.
Erfurt. Deutsch-Demokraten 14444, DeuHch- nationale 10 ISS, Christliche VoWpartei (Ztt.) 3887, Mehrheitssoziälisten 9692, Unabhängige 23G&7 Stimmen. Es wurden 12000 Stimmen tveuiJcr WsegeLen. e$ß bei der WaSk zur Deutschen Natrmralversammknng. Davon verloren bis SoziaDemokraten insgesamt 10600 Stimmen, die Bürgerlichen inAMsamt 2000, Dortmund. 404450 Sozialdemokraten, 257168 Zentrum, 149 307 NationaMberale und Konservative, 84966 Demokraten, 45385 Unabhängrge.
Köln. (Stadt unb Santo.) 188923 Zentrum, 121829 Sozialdemokraten. 28 2W Demokraten, 16 769 Notionalliberale, 6474 Konservative.
Koblenz. (Stadtbezirk.) 5437 (7150) Demokraten, 14608 (14945) Zentrum, 871 (789) Konservative, 4583 (5282) Sozialdemokraten.
Einzelergchuiffe attS Hessen-Raffa«.
Melsungen: Deutsche PolkSpartei 221, Sozialdemokraten 104% Demokraten 324 Deutsch- nationale 18t Zentrum 45, Unabhängige 32. — Rotenburg - SreiS: Sozialdemokraten 7368, Demokraten 4234, Deutschnationale 2639, Deutsthe VoMspartei DL Zentrum 163. — Naumburg: Zentrum 463, Sozialdemokraten 252, Demokraten 65, Deutsche VokkSpartet n, Dewtschnatiomile 7. — Neustadt (Kreis Kirchhain). Deutschnatio- nale 13, Deutsche Volkspartei 5, Zentrum 632, Demokraten 110, Sozialdemokraten 174, Unabhängige 2. — Teilergebnis Marburg und Kreis Marburg: 2224 RationMDerale. 7050 Sozialdemokraten, 6364 Demokraten. 6190 Konservative, 1400 Zentrum, 440 Unabhängige.
Sie Berhaudlrmgea ht Sparr.
Die deutschen Gefrmaenen.
(Drahtbericht.)
Berlin. 28. Fanu«.
Die deutsche WaffenstillitansskmirmWon «eilt mit: Insolge Teilnahme der deutschen Kom. misstonsmitglieder an der Preußenwahl fand in Spaa am 26. keine Sitzung der Wasfenstill- standskonmnsston statt- Jedoch wurde deutscher, seits den Ententevertretern eine Rote übersandt, die die Alliierten ersucht, sofort mit dem weiteren Abtransport der im Haidar Pascha zusam- meugezolgenan deutschen Truppen durch das Mittelmeer zu beginnen. Zugleich stellt sie ’eft. daß im Gegensatz zn den gegebenen Verbrochen noch keine MitteLung über das Schick- ■al der deutschen Truppen im gesamten Gebiet der Schwarzen MeeveS von der Entente eingegangen ist. Amb die deutsche Bttte, eine Postverbindung mtt diesen Truppen zuguLassen, sei noch mckeanwortet. Aus die von der deutschen Kommission übermittelt« Beschwerde des Kardinals Hartmann von SSln, daß die britischen Truppen im besetzten Gebiet Pfarrhäuser zur Ginqmnttierung und als Ofsigierskasinos benutzen, ging der deutschen Kommission die Antwort zu, die britischen Truppen feien angewiesen, di« Pfarrhäuser nur int Notfall zu belegen und unter keinen Umständen in ihnen Kasinos einzurichten. Die britische Kommission übersandte ferner eine Note, tn ber verstben wird, daß alle Ansschrettungen englischer Soldaten rücksichtslos bestraft würden. Anzeigen und Aussagen von Einwohnern der besetzten Gebiete bettesfend Ueberariffe englischer Soldaten würden mwartemch geprüft werden.
Russtsche Zvquisttto«.
Die bolschewistisch« Freiheit.
Der neue russische Bolschewismus, feem c« ja — Gott sstts gettoigt! — auch bei uns nicht an naiven Gläubigen schlt, will lne Welt überreden, daß er ihr die langersehnte Freiheit bringe. In Wirklichkeit bringt er ihr die finstersten Er- schetnungen der Geschichte zurück. Einen Blick hinter die Kulisse« fees Bolschewismus eröffnet der Aufsatz» den der russische Schriftsteller Ser- giu« Perski im »Journal fee GenSve« über bU »Wotscheka" veröffeniÄcht. »Weischeka» — das sind die Anfangsbnchstaben W. Tsch. K. der »WsseroMkaia Dsch-reSwitschainaia Somn«s- fia, das bedeutet: ber außerordentliche Ausschuß, der »tr Bekämpfung der Gegenrevolutionäre, Spekulanten und Saboteure niedergesetzt worden ist Die Gründung dieses Ausschusses vollzog sich tat Jahve 1917, und es hat stch dte Einrichtung nach Perskis Darstellung zu einer Wiederholung der JnquifitionSttzibu» itcle entwickelt. Wird mau von einem der Po- titertAener der Wetscheka fastaeno-mmen. ss kann matt tn fünf von zehn Fällen damit roch- nen, daß man aus der Zahl der Sehenden aus- gestrichen ist. Die Wetscheka kennt kein Erbarmen, teine Rücksicht auf Atter noch Geschlecht. Sie läßt Sinder, Greise Frauen erschießen. In Moskau verWgt die Wetscheka über mehrer« große Gefängnisse. DaS bedeutendste davon und zugleich der Sitz der Wetfcheka selbst ist daz frühere Hous der Versicherungsgettllschafi Yakor. Es totMbe gewählt, weil alle übrigen GeKugnisse der Stadt bereits mit den Opfern fcet Bolschewisten übersMt sind. Die Riesenkeller. des Aakorhaufes, wo früher die Avckivc der Gesellschaft verwahrt wurden, atthatten kl-ttne. von Gittern umschlossene Kamenern, V* gaben vorzüglich« Gefängnisse. Außerdem Verfügt die Wetscheka noch Über Awei weitere Gefängnisse. Im ganzen hält sie gegenwärtig etwa siebentausend Personen in Hast, Die arti die EntscheLmng über ihr Geschick warten. Die Anzeige eines Arbeiters, eines Nachbarn, cineS Rotgardist«,, »der auch irgend eht Hintertrep- penllatsch genügt, m die augenblickliche Festnahme und Einsperrung zu veranlassen. Unb ist man erst festgesetzt, bann muß man mit ber Wahrscheinlichkeit des Todes durch Erschießen rechnen. Vielleicht noch am selben Tage» vielleicht, wenn man vergessen wich, erst noch ein paar Monaten. Allerdings erfolgen auch Freisprüche. jedoch nur ausnahmsweise. Ja, wenn man reich ist — die Wetscheka ist über diesen Prmkt in der Regel gut unterrichtet — «nd es handelt sich am eine ErnLhvlmgsanMkegenkeit, dann kann man wohl mit einer Buße durch- siblüpfen, die sich freilich 648 auf eine Million belaufen kann.
An feer Spitze der Moskauer Wetscheka steht ein Kommissar mit Namen Dserjinski, bet unbeschränkte Macht über das Leben feiner Mtöüvger hat, sowie «in Unterkommifsa-r, rtti junger Lette von 21 Jahren mit Namen PeterS, der nach Persns Ueberzerrgung ins Irrenhaus gehört. Sein« größte Freud« soll in der Untettzeichnuug von Todesurteilen bestehen In den Sitzungen her Wetscheka ist er derjenige, feer gegen alle Schonung eifert. Dor einiger Zett foll eS ihm wider den Rat feinet Kollegen gegMckt fein, 190 Personen mehr hin- znrichten, als beschlossen war. darunter befand sich der Rechtsanwatt Merander Wilenkin, ein Mitglied der Dadettenpartei, ber zu Kerenskis Zeit Vertreter der 10. Armee war und stch feit, dem völlig ruhig verhalten und sich nicht mehr in die Politik gemischt hatte. Seine Unschuid war so offenkundig, daß Djerfinskr nach dem Verhör ihm die Derstchermtg gab: ^Fch werd« Sie morgen freöaffcn.* Am selben Abend mußte Di-rfinski verreisen, als er zwei Tag« später znrülSehrte. war WAenkin auf Befehl vor Peters erscheffcn. PersK weiß eine gan;e Reih« von Ältlichen JufiiAmotden, zum Teil von grauenvoller Art zu berühren. Von ehret friedlichen Kaufmannsfamilie namens Chwo- stew, bei der man einige Kilogramm Zucker, ReiS und Farin, sttioie mehrere antibolfchewi- stfichr Schriften entdeckt und feie man infolgedessen verhaftet hatte, winde der Vater nach 48 Standen erschossen; der Sohn fiel in einem Anfall von Raserei Übet hen Wächter her, Äs dieser grinsend die Botschaft von dem Tode be8 Vetters brachte und wurde daraufhin durch einen Bajonettstich ans dem Seien befördert. Mutter und Tochter wurden eist nach zwei Monaten entlassen und verfielen beide in ein« schwere Krankheit, die Mutter in Wahnsinn.
Ohne ein anderes Abreichen als einen grauen Mantel, graue Mütze und Gamaschen oder hohe Stiefel zu besitzen, bilden die Polizi- ften der Wetscheka ein Sonderkorps. Auf ihrer .Arrestationssahrten"' sind fie immer zu fün! und sechs wsammen und benutzen eigene Kraft- wagen. Mit Handgranaten und anderen Waffen versehen, dringen sie plötzlich in ein Haus «in. untersuchen alles, nehmen ohne weiteres