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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 38

Fernsprecher 951 und SSL

Freitag, 17. Ianvar 1919.

Fernsprecher 951 und 95%

v. Jahrgang.

Die S-aklsvis-Vewrgsug im Reich.

Waldeck und Hesse«.

Die grotzhesstsch« Frage.

Bet der künftigen Neugestaltung ist wohl Verschwinden aller deutschen Kleinstaaten, for Ausgehen in den eigentlichen Stammsiaa- dn und Wirtschaftseinheiten, ,u erwarten. Wahrend man bei der WahlkreiSeinteilung zur Nationalversammlung Waldeck zu Lessen-Ras. sau und Wetzlar rechnete, und auch die Arbeiten zur Schaffung eines Gesamtbessen sich in die­ser Richtung bewegten, sieht der RegieninoS- en'wurf den Anschluss Waldecks an Westfalen vor. An Waldeck rechnet man zunächst mit der Erhaltung der Selbständigkeit deZ Landes, ist die« nicht zu erreichen, so wird man auch dort ernstlich die Frage prüfen urüffen. ob Waldeck besser mit Lessen »der mit Westfalen fährt. Für Westfalen sprechen iu» nächst nur Wünsche und Hoffnungen für eine industrielle Erschließuna des Landes von dort her. Der Bahnbau Corbach-Brilon bat über» Haupt erst eine dahinzielende Verbindung ge- lchaffen.

Für Lessen sich ,u entscheiden. ein. Mal die Gleichheit der VolkSart. der Waldecker ist Riederhesse. Auch religiöse Momente wer­den für den Anschluss an Hessen sprechen, da das stärker protestantische Hessen eher den rein protestantischen Waldecker Gefühlen entspräche. Verwaltungstechnisch ist das Land fg schon hin. amtlich der Gerichte und militärisch mit Kassel in engsten Beziehungen. Verhältnisse, die sich ?um Teil noch auf das alte LebnsverbNtniS ; wischen Hessen und Waldeck gründen. Ferner ist Kassel die nächste leicht erreichbar« Gross- ftadt. Die Bahnlinie Warburg-Marburg, die das Waldecker Land der Länge nach durchzieht, ist mit Niederhessen durch di« beiden Bahn- stränae über Volkmarsen und Wabern verbun­den. denen sich wohl auch noch nach Einsckal- tung deS Stückes Raumburg-Retze noch eine dritte Verbindung gesellen dürfte. Für da- südliche Waldeck weist andererseits die Bahn ruf Oberhessen und Marburg.

Das hier gekennzeichnete Dahnnetz stellt nicht nur eine organisch« Ergänzung des hessischen Verkehrsnetzes dar. es würde bei einem An­schlüsse Waldecks an Kessen obne Zweifel sogar noch ein» erheblich« Verstärkung erfahren dür­fen. Auch die Ähnlichkeit der ländlichen Ver­hältnisse. und sie zunächst in erster Linie, deutet ans die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses mit Hessen hin. während sich das agrarische Westfalen von Waldeck und seinen ländlichen Verhältnissen stark unterscheidet. Waldeck könnte auch sonst wobl nicht ernstlich mit dem gewerblichen Destsa.len in Konkurrenz treten. Dazu kommt noch, dass gerade die Dorkom» men von Eisenerzen im Süden deS Landes (bie nach dem Verluste Lothringens für Deutschland wieder an Bedeutung gew'n- iten werdens an der hessischen Grenze He« Seit und nach Hessen, nicht aber nach Westfalen hinüberreichen. So dürsten wohl stets das Selbstbostimmunasrecht der Bevölkerung vor- r-zSgesetzt, sowohl ethnographisch« als religiöse, kulturelle und wirtschaftlich« Gefich Sprnfte «her für einen Anschluß Waldecks an den g«- fomtbessisschen Staat sprechen, alS für einen '-o'chen an Westfalen. H. V.

Liebknecht verhaftet?

SautSkv wieder fte'.gelassen. sr»a-tbericht.s e Berlin. 16. Januar.

Kar? Ske»?«echt w«rd« gestern tn der stSohnnng einer feiner Freunde verhaftet. It wurde sofort in einem Automobil zum D i oisionSstab gebracht. Dorttekhst wei-erte stch Liebknecht, sich zu erternri zu gek«n. An» Briefen, die bri ihm vorgesunden wurden, ging '«doch nnwe'gerlich hervor, dai man den Füh­rer de» SpartaftISbundeS aekastt hatte. An e n«m anderen wagen wurde er nach den» Schöneberger PolizeivrSfidlu« oe-racht. sDa sich die Nachr'chten über den "''chentb-tt Liebknechts widersprechen, bleibt »'ne Bestätigung b'ere« Weft** '

Gestern nachmittai wurde bfr Se-trete- der ^olkSbeaukttagten int Auswärtige»' Amte, Sark KrmtSkv, unter dem Berdocht mit Rosa Luxern- ln rg in Verbindung zu Heben, verhaftet. Er wurde bald wieder fre gelassen.

Keffelirelben gegsu Spartakus.

Berlin. 16. Januar. lDrabtberiLt.) Ber­kin ist gestern von zahlreichen, al? »uverlüsstg geltenden Truppen besetzt. Ihre Aufgabe ist et« systematisches Kesseltreiben gegen die TpartakuSleute, bie wie »um Hohne auf ittre Verfolger noch immer von den Dächern h.-runter Ben Strassenperkcür durch Gewehr» lchüff« gefährden. Außerordentlich 1art ftnbl

bte öffentlichen Gebäude, vor allem tn der Wl. hclmftrasse, besetzt. An den «öfteren Verkehrs- »entren sind Geschütze aufgefahren. Diese umfassenden Vorsichtsmassnahmen haben sich als notwendig erwiesen, iveil vor allem die Haussuchrmg bei Liebknecht den ganzen Oraa- nifationSPlan d«S SpartakuSaufruhrS mit Ra- meuS« und WohnungSangabe aller Führer M- tage gefördert hat. Seine eiaentlkiR geitung liegt kn Moskau. Don Berlin aus alber lau­fen die Fäden nach der Schwei», wuch Lol- laud. Luxemburg und den nordischen Staaten. Liebknecht selbst hetzt in der ,Roten Fahne" weiter zu blutigem Aufstand gegen die Regierung und vertröstet seine Getreuen <ntf -den Tag der Erlösung", womit «r den 19. Ja­nuar meint Dagegen hat die Regierung um­fassend« Maßnahmen «troffen, sodaß die ruhige Abwicklung de» Wablaeschäftz gesichert erscheint. Ueberraschungen sind jedoch auch jetzt noch nicht ausgeschlossen. ,

Bie Lage im Reiche.

vMtknschwelg gegen di« Ostwehr.

kDrahtberlcht.)

Berlin. 16, Januar.

Di« Braunschweiger Regierung hat einen grossen Teil der en den Bahnstrecken, tzic durch braunschweigisches Gebiet führen, gelegenen Bahnhöfe besetzen und in Hannover durch le- auftragt« Vertreter erklären lassen, dass Tr»tztzs«t,anSvort,. bie Brgunschwei. g«r GeLtet berühren, festgehalten und entwaffnet werden sollen. Es handelt sich dabei anck nm Truppentransporte, die für die Ostwehr bestimmt sind. Daraufhin hat bet A.. und S-Rat tn Hannover den Bahnhof äS^td- kelde auf braunfchweigisckiem Gebiet besehen lassen und gegen die Massnahmen der braun­schweigischen Regierung Brote« erhoben.

abgelebnt Durch den AuSstand sind die Bezirke Mülheim, Duisburg, Oberhausen, Effen-Vor- beck. Sterkrad«. Osterwald, Bottrop. Gladbeck, Kirchhellen, Dorste usw. ohne Wasser. In Buer trafen am Dienstag NegierungStruppen ein. um die Spartakisten, bie sich im dortigen Rathaus« sestgesetzt hatten, zu vertreiben. Es entspann sich eine regelrechte Schlacht mit Gewehr - und Maschinengewehr- f C u e t. Spartakus hißte schließlich die Weisse Fahne und ergab sich. AlS die Truppen abge- zogen waren. bemächtigten sich die Spartakus- Anhänger eines Maschinengewehrs der Truppen und besetzten daS Rathaus aufs neue. Die Kämpfe haben fünf Menschenleben gesordert

i

©er Berliner Soldakenrak.

Berlin, 16. Januar. lDraÜkbericht.) Die oeflrlse Vollsitzung des Großberliner Soldatenrate« besärSstigte sich mit den iiingften Berliner Vorgängen. Molken buhr äußerte sich, bie in Berlin »usammengezogenen Truchpenmaflen bildeten eine Gefahr für die Revolution. Spartakus müsse mit geistigen Waffen bekämpft werden. Der Auftuf zum Eintritt tn bk Vollswedr fei eine fruchtbare Gefahr, vtzeseldwebel Macholb vom Regi­ment Reinhard nahm den Ausdruck .weiße ffintbe* den Molkenbuhr gebrauchte, als einen Ehrentitel für fein Regiment an. Er wandte sich dageaen, daß bie Kommunisten mit geisti­gen Waffen bekämpft werden müssten. Wir stellen uns nicht hinterdie Regierung, sondern vor di« Regierung. Mz er den Wunsch auSsprach. Hindenburg müsse in die Rationalverfmmnfung kommen wurde er Von einem anhaltenden Sturm unterbrochen und konnte auch nicht, trotz aller Bemühungen br? ^^srvenien, wieder zu Worte kommen. Die L. ktzurdftmgen sollen am Freitaa tn Gegen­wart RoSkes fortgesetzt werden.

©le Kulturträger.

StraßenkSttrpfe In Bremen.

Bremen. 16. Januar. sDrabtbericht.s Dies, gehende MnnungSverschiedenSeiten innerhalb deS A-< und S.-RateS über die Bewaffnung deS Proletariats und die lebhafte Erregung über bte gerüchtweise in Aussicht gestellte völli­ge Entwaffnung der Garnison führten gestern zu einer offenen Auflehnung des A.- und S-- Rates und der Garnison und zur Verhaftung de« Stadtkommandanten ESS. seines Beirates und der Führer be« Arbe iterwachbata illons. Di« Truppen sperrten das Innere bet Stadt und die Brücke über die Weser ab. Die Arbei­ter auf den Werften wurden dann aufgefordert, b:e Waffen niederzulegen. Dieser Aussorderung kamen die Arbeiter der Hansa-Lkovd-Werse nach, während die Arbeiter der Weser-A.-G di« Truppen sofort mit Maschinenge- webrseuer empfingen, wobei di, Truppen zwei Lot« nnd zwei Schwerverwundete batten, Di« Truppen machten von ihren Waf­fen keinen Gebrauch, Danach zogen die bewaff­neten Arbeiter ,ur Stabt und bedrängten bie Truppen. Diesen war der Befehl gegeben worden, nicht »n schießen. An der $M» serbrück« wurden die Arbeiter aufaebalten. das Publikum auf etwa zwanzig Schritt an bie Maschinengewehre herangedrängt. bie an bet Brücke aufgestellt waren. Rach mehrmaliger Auffordening des Führers, zurückzua-hrn. wurden Schreckschüsse abgegeben. Inzwischen fanden Verhandlungen auf dem Rathaus statt, »I« dazu führten, daß eine vorläufige Waf'en- ruhe angenommen wurde. Der Rat der Vofts- kommiffar« erNess eine Verfügung, nach der. um ferneres Blutvergietzen unter allen Umständen zu verbsiten. bis auf weiteres äusser den Re- gierungSpatronillen weder bewaffnetes MM- tSr noch bewaffnete Arbeiter sich auf den Stta- ien aufhaltcn dürfen. Auch wurde der Be­lagerungszustand wieder verhängt.

Sparta««« ist Essener Revier.

Essen. 18. Januar, sDraVtb«rickt.f Der Der«. werkSverern hat en ben Bolksbeatssttngten Ebert folgendes Drtegramm gerichtet: W'e wir hvrrn, wird sich der vom Essener A., und G.» Rat ernannte Bolkskommiffar für Softalisir- rung der Beravetrieb« vom A.- und S.-Rgt d « Vollmacht geben lassen über die Bankgut­haben der Zechen <« verfügen. Der Streik bet Bergarbeiter im Essener Ruhrkohlenbezirk ist seit gestern derart zurück- grgangen daß er als beendet anzusrheu ist.

Mülheim sRnhrs, 16. Januar. sDralftbe- richt l Lier treten gestern mittag sämfticke Arbeiter und Handwerker des Rheinisch-Westfä. lischen Wasserwerks wegen Nichterfüllung ihrer Lohnforderungen in den AuSstand. Ein Ver- mittelungSvorscsslaa von 1416 Mark an Lohn seitens deS Direktoriums wurde kategorisch

Berlin. 16. Januar. lDrabtSericht). Wie bi« Politisch-Parlamentariischen Nachrichten er- fahren wind durch die neue Vettaffung vokle Glaubens, und Gewissen», feibeit gesichert werden. Die Ausübung ze- ber gottesdienstttchen Handluna wird gewähr­leistet, soweit sie nicht der öftenstichen Ordnung widerspricht: andererseits barf niemand »u einer kirchlichen Handlung gezwungen wer­den und ittemand ist verpflichtet, künftighin feine ZugehöriFeit zu einer ReligionSgemein- sckunft ,ü offenbaren. Die DessSoden baden mch! mehr da» Recht danach »u ftaaen. Sekdstver- stäiMich bleiben di« einzelnen Religionsge­meinschaften den LandeSMseden untertootfen. Keine Religionsgemeinschaft soll bevorzugt wer. dm. Die überaus wichtige Frag- der Aus­einandersetzung zwischen Staat und Kirch« wird den einzelnen deutschen Staaten in» Regelung Überkassen werden. Hierfür sollen aber durch ReichSgesetz die Richtlinien festgesetzt weichen.

Unsere ZrnWnmsslase.

JrreMhrend« Auffassung.

lDrahWericht.)

Serliit, 16. Januar.

In ben lebten Tagen sind Meldungen in der Dresse verbreitet worden, wonach hi, deut, sch« BolkSeru'hruna in Bezug auf Kartofteln. Fett und Fleisch im großen ganzen bis März, tftlweise sogar bis Avril gesichert sei. ES würbe hinzugefügt, daß man an znMnbiger Stelle hoffe, bis babin die Zufuhren brr En­tente in Gang zu bringen. Me unser« Ber- liner Schriftleitung festaestellt bat, steht da- ReichLernShrungSamt biefen Mtttei, lungenvSllistferm Eine derartig« Dar- stellimg unserer Ernährungssage muss als irreführend bezeichnet werden. Wenn- gleich im Augenblick zu einer Berknruh'aung lein Anlaß vorlioft. so hängt bi« Bers»r- nun, doch kehr von Zufällen ab. Man weist vor allem nicht, ob dir inn-rpolitischeu ZnstSnd« weiter bie Zufuhren teilwe se e!n< schränken werden. Unklar bleibt auch die Zu- kunft der Zufuhren aus der Provinz Pofen, so- wie die Frag« der KohlentranSvorte für bie Zucker, und Rährmitteftabriken Die DiSvosttt- onen hierüber müssen fast täglich umgeändert werden. Die ErnährungSlage bleibt allo weiter unklar tmb durchaus nicht günstig. Betont mutz ferner werden, datz in Spa« über Zufuhren der Entente noch nicht verhandelt worden ist, Tie Entente hat bisher kein-rlei Zusagen gemacht. DaS Bor- standSmitglied des Reichsernährungsamtes Stegerwald befindet sich »war in Spaa, aber nicht zum Zwecke von Berbandlungen über Zufuhren der Entente, sondern nur. um i Erzbrraer in sein« Arbeit zu unterstützen. I

| Kassel irr» BaHllamps.

Deuttchg Demokrattsche DolkSpartei.

| Bürgermeister Luppe aus Frankfurt, be! an der Spitze deS Wahlvorschlags der Deut­schen Demokratischen Partei steht, sprach gestern abend in der bis auf den letzten Platz besetzten Stadthalle vor seinen Kasseler Wählern. Auch bie Kandidatin Frl. Dr. Anna Schultz. Leiterin der Frankfurter ^rauenberatungSstelle. sprach; dagegen trafen die angeKindigten Redner aus Marburg und Limburg nicht ein. Bürgermeister Luppe, ber bon keinen Zwischenrufen unterbrochen wurde, stellte sich auf den Standpuntt, daß Deutschland eine Republik ist unb bleiben mutz. Endlich ist die Bahn frei für eine stärkere Zentra, lisierung Deutschlands. Damit ver­einbar ist eine gewisse Selbständigkeit der Ein- zelstaaten; bie Vorherrschaft Preußens darf aber nicht wiederkommen. Ob ein besonde- ret Dolkrstaat Hessen geschaffen wird, diese Frage ist nur im Rahmen deS gesamten Problems der Aufteilung PreutzenS zu lösen. Das Gesamtinteresse Deutschlands muß dar­über enttcheiden. Im Verlaufe seiner Ansfüh- rungen bekannte sich der Kandidat für die Eiaenwirttchaft. ohne grundsätzlicher Gegner der Verstaatlichung gewisser Großbetriebe z« sein. Dem deutschen Volk ist noch immer sehr unklar, daß wir furchtbar schweren Zeiten entgegen gehen, in denen wir sparen, uns nach der Decke strecken müssen. Bet gegenseittger Verständigung ist sehr wohl mög. lich, den Interessen ber Arbeiter, Angestellten und Beamten gerecht zu werben. Ein« Klassen­herrschaft läßt sich ein Volk. baS frei geworden ist und mündig, weder von rechts noch von lmkS gefallen. Eine starke bürgerliche Partei muß in bi« Rattonaloersanmuuug eiuzichen, die nicht an andere gebunden mit der MehrhettSsozialdemokratte bie Geschicke deS Volkes führen kann. Lebhaften Beifall wie der Frankfurter Bürgermeister erntete auch Frl. Dr. Schultz. Sie betrachtete bte Aufgabe der Frauen in ber Politik dahingehend, datz sie die Mütterli<Äeit in die Politik hineinträgt, for- berte ausgedehnte Sozialhygiene und trat be. geistert für den Völkerbundgedanken ein.

Die Versammlung nah« hierauf untei stürmischem Beifall und zwar einstimmig eine Entkchlietzung«m.die nach Berlin gehen soll und sich dem Brote« bet deutschen Volks- beauftragten in Svaa unb in den Hauvtstäd- ten der Alliierten gegen die rechtswidri­ge und unerhörte Behandlung Elsaß.Lothringens und feiner Rand, gebiete, bie mit ben 14 Punkten Wilsons im Widerspruch stehen, sowie gegen die p o l n i- schrn Urbergrifse aus dentschew Gebiet anschließt.

Die Aussprache gestartet« sich sehr lebhaft. Dr. TieneS forderte Abschaffung der kon­fessionellen Eidesformel, Aufhebung bei Gotteslästerung-Paragraphen unb grundsätzliche Gleichberechtigung aller Bekenntnisse, Psar- rer L i P p e r t, der sich alseiner, ber über den Parteien fleht*, bezeichnete, stellte Wilsons Pa- zisismuS höher als den bes Professors Schütz» kina und Oberbürgermeister Koch mit lautem Beifall begrüßt gab bekannt daß bie Deutschnationale Volkspartei in ber Statzt genau wie e? für eine würdige Trennung von Kirche unb Staat eintrete, bie der Religion kei­nen Abbruch tut. während sie ihn aus dem Lande als Religion-feind hinstelle (Zurufe: Ja. Bauer, das ist etwa- anderes!) Die bis­herige Landeskirche brauch« nicht zur Partei­kirche, ff« solle eine wahrhafte Volk-- kirche werden. In der D. D. P. säßen di» meisten Bodenreformer, wie er persön­lich hier in Kassel stets ben Standpunkt em»e- nommeu habe, daß ber Grund und Boden so- weit alS möglich SiedlungS unb Woh. nungS,wecken »uzuführen ist. WSHrend Stu­diosus Lürstel ben schaffenSfrendigen Ide- alen ber freideutschen Juaend und der Wan- dervögel Ausdruck zu verleiben suchte, erklärte ein i unger Landwirt aus Ostpreußen, mit Na­men Spitze, eine Aufteilung des Grotzarund- besibes habe das Gegenteil von ber erhofften ProduktionSvergrößerung zur Folae. »Unsere Krautjunker, s» schlecht man st« hier auch ma­che, sind sie denn doch nicht!* Architeft Bosch ber temperamentvolle Batzer, hatte wieder bie ganze Versammlung für sich, als er ausrief, »Steht auch die Mark im Kurse schlecht, DaS Mark im deutschen Volk ist chtft

Nachdem Professor ASkevold gegen deck alldeutschen Geist polemisiert, erzähfte Bizepost- direktor Leineweber von seinen Ersabrun» gen auf dem Lande: »Mit T-Snen im Auge haben viele aus dem Felde gekommene Land« leute gesehen, daß ihre Löse leer waren, wäh­rend in den Scheunen der Großgrundbesitzer noch viele LebenSnTittcl sind.« In seinem Schlutzwort wiederholte Bürgermeistcr Luppe